Roland Hardmeier Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte.
www.fontis-verlag.com © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort Gottes bleibt ewiglich. Jesaja 40,8
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Roland Hardmeier
Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte.
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Inhalt
INTRO
Der Bestseller
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ERSTER TEIL
Tora
29
1 Genesis Am Anfang war das Wort 2 Papyrus, Ton und Pergament Orientalische Schreibkunst 3 Exodus Let my people go! 4 Leviticus Heilig, heilig, heilig! 5 Augustinus und die Räuberbande Sehnsucht nach Gerechtigkeit 6 Jahwe und der griechische Götterolymp I Von Apollon bis Zeus 7 Numeri Rebellion in der Wüste und Faszination für Zahlen 8 Deuteronomium Ein König macht einen Vertrag 9 Leben im Zwiespalt Der Mensch 10 Bebauen und bewahren Unser Planet
33 49 60 72 82 93 105 113 124 133
ZWEITER TEIL
Geschichte
139
11 Josua Gewalttätiger Gott? 12 Richter Simson und andere zwielichtige Befreier
144 154
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Roland Hardmeier · Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte.
13 Rut Eine Migrantin schreibt Geschichte 14 Samuelbücher Der König, der aus der Wüste kam 15 Königebücher Wie weiter nach Ground Zero? 16 Esra 736 Pferde, 435 Kamele und 245 Maultiere 17 Ester Der erste Holocaust der Geschichte 18 Nehemia Reformation an Haupt und Gliedern 19 Chronikbücher Ein Bethaus für alle Völker 20 Die neue Normalität Das Judentum
165 170 187 204 214 223 233 243
DRITTER TEIL
Weisheit
259
21 Erstes Psalmenbuch Von der Wüste direkt in die Charts 22 Zweites Psalmenbuch Gospel, Blues und Samba 23 Drittes Psalmenbuch Open-Air-Gottesdienste mit Tiefgang 24 Viertes Psalmenbuch Eine Nation am Boden, aber nicht am Ende 25 Fünftes Psalmenbuch By the Rivers of Babylon 26 Sprüche Guter Rat ist nicht teuer 27 Hiob Theodizee im Alten Orient 28 Prediger Mehr Fragen als Antworten 29 Hoheslied All You Need Is Love 30 Tonkrüge am Toten Meer Gottes Wort bewahren
263 268 271 275 277 280 287 295 304 311
VIERTER TEIL
Propheten
315
31 Das große Schisma Israel nach der Goldenen Ära 32 Jesaja Der Fürst unter den Propheten 33 Die Messiasprophetie des Alten Testaments Mehr als Nostradamus
320 326 336
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Inhalt
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34 Jeremia Prediger, Poet und pfeilschnelle Pferde 343 35 Hesekiel Der erschütterte Gotteswächter 352 36 Daniel Loyal im Zentrum zweier Supermächte 357 37 Das Buch der Zwölf Gott spricht auf vielerlei Weise 364 38 Der griechische Götterolymp II Ein Himmel voller Ehebrecher 368 39 Immer heller Theologische Entwicklungen in der Bibel 376 40 Jüdische Tradition Zwischen dem Alten und dem Neuen Testament 383
FÜNFTER TEIL
Evangelien
389
41 Ich wasche meine Hände in Unschuld Der lange Arm Roms 42 Das Schwein des Herodes Israel zur Zeitenwende 43 Markusevangelium Gott tritt in die Geschichte ein 44 Matthäusevangelium Abrechnung mit Hochleistungs-Frömmlern 45 Lukasevangelium Ein Fall von Geschichtsklitterung? 46 Johannesevangelium Jesus unplugged 47 Die Morgenröte einer neuen Welt Das Königreich von Jesus 48 Freunde, Feinde, Weltfrieden Jesus revolutioniert den Gottesbegriff 49 Zuerst Tragödie Ein Kreuz für einen Kapitalverbrecher 50 Dann Triumph Auferstehung am dritten Tag
395 400 407 418 433 445 459 465 473 484
SECHSTER TEIL
Briefe
493
51 Apostelgeschichte und Jakobusbrief Erste Liebe und erste Probleme 52 Galaterbrief Krisengipfel in Jerusalem
499 513
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Roland Hardmeier · Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte.
53 Thessalonicherbriefe Endzeit-Enthusiasmus 1.0 54 Korintherbriefe Sex and the City 55 Römerbrief Der Influencer Gottes 56 Epheser, Philipper, Kolosser Christus und die Philosophen 57 Pastoralbriefe Falschlehrer, Frauen und ein Farewell 58 Hebräerbrief und Petrusbriefe Trouble in the Bubble 59 Offenbarung des Johannes Trostbuch, nicht Fahrplan 60 «Minderwertiger Aberglaube» Rom und das Christentum
524 531 542 551 560 568 572 583
SIEBTER TEIL
Welt
591
61 Viehhändler und Zuhälter Die Suche nach der wahren Bibel 62 Die Verzauberung der Welt Die Bibel und die westliche Kultur 63 Gott will es! Die Kreuzzüge und die Bibel 64 Ad Fontes! Zurück zur Bibel in der Renaissance 65 Ein Mönch liest das Neue Testament Beginn einer Freiheitsgeschichte 66 Vernunft statt Versenkung Der Aufstieg Europas in der Neuzeit 67 Ein Galgen für einen Philosophen Die Bibel der Aufklärer 68 Die Evangelien mit der Brille der Vernunft Jesus 5.0 69 Bin ich nicht ein Mensch und Bruder? Mit der Bibel gegen die Sklaverei 70 Netflix gewinnt gegen die Bibelstunde Unsere Zukunft
597
Literaturnachweise Dank Über den Autor
671 697 701
604 609 616 620 628 635 644 651 661
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INTRO
Der Bestseller
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Intro · Der Bestseller
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D
ie Bibel ist ein literarisches Kompendium der Extraklasse und das einflussreichste Werk der Weltliteratur. Die Heilige Schrift des Christentums ist mehr als ein Buch. Sie vereint Wahrheiten und Weisheiten aus Jahrhunderten. Sie ist eine kleine Bibliothek mit einer großen Geschichte. Das Wort Bibel leitet sich vom altgriechischen Pluralwort «biblia» für «Bücher» ab. Zwischen ihrer ersten und ihrer letzten Schrift liegt eine Spanne, die länger ist als die Zeit zwischen dem Zusammenbruch des Römischen Reiches und dem Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Bibel wurde durch die Reformation zu einem Buch des Volkes. Als Johannes Gutenberg im späten Mittelalter mit beweglichen Lettern zu arbeiten begann, war er nicht der Erste, der sich auf den Buchdruck verstand. In chinesischen Klöstern beherrschte man die Kunst schon seit dem 11. Jahrhundert. Gutenberg ging in die Geschichte ein, weil das erste vollständig gedruckte Buch, das seine Presse verließ, die Bibel war. Vor dem Buchdruck produzierte eine Schreibwerkstatt in Deutschland etwa hundert bebilderte Bibeln im Jahr. Mit der revolutionären Erfindung stieg die Zahl auf mehrere Tausend bis Zehntausend an. Die Bibel war das meistgedruckte Buch im Mittelalter und ist es bis heute geblieben. Die Bibel ist ein Bestseller Der weltweite Bedarf an Bibeln ist konstant hoch. Jährlich werden über 100 Millionen Ausgaben gedruckt. Sie werden verkauft, verteilt, verschenkt, in Hotels ausgelegt und über Grenzen geschmuggelt. In mehr als 700 Sprachen liegen vollständige Bibelübersetzungen vor. In 3000 Sprachen gibt es Übersetzungen des Neuen Testaments oder von Bibelteilen. Die Liste ist so lang, dass ich nur ein paar wenige erwähnen kann: Hindi, Navajo, Pinai, Oromo, Yoruba, Makonde, Gumuz, Twi und Kiribati. Mit dem vorliegenden Buch lege ich ein «Making of» der Bibel und eine Weltgeschichte vor. Es geht um die Entstehung der Bibel, ihre Botschaft und die Menschen, die dieses unvergleichliche Werk schu-
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Intro · Der Bestseller
fen. Ich zeige, inwiefern die uralten biblischen Schriften die Welt verändert und buchstäblich «Weltgeschichte» geschrieben haben. Besonderes Augenmerk lege ich auf die Wirkung der Bibel: ihren Einfluss auf den Lauf der Geschichte und die Entfaltung von Weltbildern, Kulturen und Nationen. Ich mache kein Geheimnis daraus, dass ich von der Bibel fasziniert bin. Ich bin als Kind mit den Geschichten der Bibel aufgewachsen. Als Theologe befasse ich mich wissenschaftlich mit dem Buch der Bücher. Persönlich lese ich sie im Vertrauen, dass sie mir den Weg zum Glauben und zum Leben weist. In dieser Reise durch die Weltgeschichte nehme ich Sie mit an die Schauplätze, an denen die Schriften der Bibel entstanden. Ich stelle dar, wie die Bibel Wertesysteme geschaffen und unser westliches Denken bis in die heutige Zeit hinein geprägt hat. Ein Ergebnis meiner mehrjährigen Recherchen nehme ich gleich vorweg: Ohne die Bibel wäre die Welt nicht besser, sondern schlechter. cd Die Geschichte der Bibel ist die Geschichte von Menschen, die ihre besten Fähigkeiten in ein Werk investierten, das einflussreicher wurde, als sie ahnen konnten. Viele haben dafür ihr Leben riskiert, nicht wenige es gelassen. Es ist die Geschichte mutiger Propheten, die von Offenbarungen überwältigt wurden, passionierter Dichter, die literarische Kostbarkeiten schufen, namenloser Archivare, die Texte sammelten, und weltbewegender Briefe, die unter Tränen geschrieben wurden. Die Bibel ist vielfältig Sie enthält von Königen und Beamten verfasste Schriften, die mit staatlicher Unterstützung entstanden. Texte von einfachen Menschen wie Bauern und Fischern mit erstaunlicher gedanklicher Tiefe. Von Propheten und Reformern verfasste Stücke, die an der Zensur vorbeigeschmuggelt wurden. Und Schriften von Gebildeten, die Recherchen © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
Intro · Der Bestseller
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unternahmen, wie wir sie heute von anspruchsvollen Hintergrundstorys auflagenstarker Magazine kennen. Erstaunlicherweise gab es nie einen Auftrag, die Bibel zu schreiben. Jedenfalls keinen, der mit historischen Mitteln fassbar wäre. Keine der Personen, die Texte beisteuerten, tat es in der Absicht, an einem großen Werk wie der Bibel mitzuwirken. Die meisten Verfasser kannten sich nicht einmal, weil sie durch Jahrhunderte voneinander getrennt waren. Trotzdem: Die Bibel ist eine Einheit Geschrieben in drei Sprachen: Hebräisch, Aramäisch und Griechisch. Verfasst am Schreibtisch, in der Wüste, auf Reisen, im Gefängnis. Die Bibel ist mehr als die Summe der einzelnen Texte. Sie ist Einheit in Vielfalt. Die Bibel hat Schwarmintelligenz. Sie beeindruckt durch ihre thematische Vielfalt, ihre inhaltliche Geschlossenheit und ihre verbindende Gesamtbotschaft. Trotzdem ist die Bibel einfach. Viele Texte des Altertums sind verschlungen und inhaltlich schwer zugänglich. Beim Lesen von Homers «Odyssee» verliert man als ungeübter Leser schon nach wenigen Seiten den Faden. Die Geschichten von Kain und Abel oder vom verlorenen Sohn hingegen versteht jeder. Die Bibel ist tief Sie steckt voller literarischer, kultureller und geistlicher Schätze. Je tiefer man gräbt, desto mehr entdeckt man und kann daraus Lebensweisheiten ableiten. Die Bibel hat unzähligen Kulturen ein Wertesystem gegeben. In den Worten des ehemaligen «Spiegel»-Journalisten Peter Seewald: «Einzelne Texte der Bibel waren so nachhaltig, dass sie ganze Gesellschaften prägten, ein Welt- und Lebensbild formten. Sie trugen das Potenzial in sich, um die Hochkulturen jener humanitären Zivilisation zu bauen, wie wir sie heute kennen. Aus diesen Berichten entnahmen Staaten die Grundsätze ihrer Verfassungen, Völker ihre Weltanschau© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Intro · Der Bestseller
ung, Revolutionäre ihr Pathos, Samariter ihren Auftrag, Künstler ihre Bilder, Komponisten ihre Oratorien.» Insbesondere seit der Reformation prägt die Bibel die westliche Kultur. Unser Rechtssystem fußt nicht nur auf dem römischen Recht, das als das fortschrittlichste des Altertums gilt. Es ist vor allem von biblischen Grundsätzen durchdrungen. Werte wie Solidarität und Mitmenschlichkeit, die den Erfolg des westlichen Gesellschaftsmodells ausmachen, haben biblische Wurzeln. Trotz Säkularisierung ist unsere Vorstellung von einer gelingenden Gesellschaft nach wie vor von biblischen Prinzipien getragen. Wir wissen beispielsweise, dass es richtig ist, sich der Opfer der Gesellschaft anzunehmen. Gelehrt haben uns das Geschichten wie die vom barmherzigen Samariter. Ohne die Bibel wären wir nicht, was wir sind. Äußerlich betrachtet ist die Bibel zunächst eine Schriftensammlung aus alter Zeit. Die Themen, die bearbeitet werden, die Kontexte, auf die Bezug genommen wird, die literarischen Gattungen, die verwendet werden, gibt es in vergleichbaren antiken Werken ebenso. Denn ohne Zweifel hat die Antike viele großartige Schriften hervorgebracht. Homers bereits erwähnte «Odyssee» ist ein literarisches Monument. Die Universalgeschichte von Diodorus Siculus umfasst vierzig Bände und stellt das eindrucksvolle Resultat von dreißig Jahren Forschung dar. Platons «Politeia» (Der Staat) gilt bis heute als Grundlagentext der Philosophie. Manche antiken Texte sind biblischen Schriften auffallend ähnlich. Die alten Babylonier kannten einen leidenden «Hiob» ebenso wie die Hebräer. Sogar noch vor ihnen. Das Verhältnis der beiden Narrative wird an anderer Stelle zu klären sein. Wohin man in der damaligen Zeit auch schaut, stößt man auf einen großen literarischen Reichtum. Das Altertum fließt förmlich über vor lauter Epik, Lyrik und Dramatik. So haben Archäologen uralte sumerische Klagelieder ausgegraben und entziffert. Sie reichen über viertausend Jahre zurück und sind den Klageliedern Jeremias erstaunlich ähnlich. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
Intro · Der Bestseller
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In den ägyptischen Felsengräbern von Amarna ist eine Hymne an den Sonnengott Aton aus dem 14. Jahrhundert v. Chr. in Stein gemeißelt. Laut diesem Lobgesang nährt Aton mit seinen Strahlen Pflanzen, Tiere und Menschen, sein Licht erreicht Völker und Länder. Wenn man die Hymne liest, glaubt man sich in das Buch der Psalmen versetzt. Offenbar kannte man sich. Und doch: Es gibt markante Unterschiede. In antiken Texten erfährt man eine Menge über Religion, Kultur und Denkweise der alten Völker. Es sind beeindruckende Zeugnisse ihres geistigen Schaffens, angefangen von den ägyptischen Schöpfungsmythen bis hin zu den Hängenden Gärten von Babylon, einem der sieben Weltwunder der Antike. Trotzdem ist da wenig, was über die alte Zeit hinausweist. Man taucht beim Lesen in eine vergangene Welt ein. Eine Brücke in die heutige Zeit schlagen die Texte kaum. Sie vermitteln Wissen über damals, aber wenig Perspektiven für heute. Manche Geschichten des Altertums haben eine erkennbare Moral. Die mythologische Gestalt des Sisyphos, der endlos einen Felsbrocken einen Berg hinaufwälzen muss, nur um ihn kurz vor dem Ziel wieder ins Tal rollen zu sehen, kann uns etwas über die wiederkehrende Mühsal des Lebens lehren. Von ihr haben wir den Begriff der «Sisyphusarbeit» übernommen. Weltbewegend ist das bei aller Achtung für die alten Griechen nicht. Die meisten antiken Texte sind wie Gewässer, die man betrachten und darin manch Wissenswertes entdecken kann. Aber sie fließen nicht, sie stehen still. Die Bibel dagegen fließt. Sie führt uns zurück zum Ursprung, erhellt unsere Gegenwart und vermittelt Perspektiven für die Zukunft. Der Unterschied zwischen antiken Werken und der Bibel ist der Unterschied zwischen Information und Inspiration. Antike Texte informieren uns, die Bibel spricht zu uns. Kein anderes Buch der Weltliteratur hat so inspirierend auf Musik und Kunst gewirkt wie die Bibel. Sie hat die westliche Welt, wie wir im letzten Teil sehen werden, förmlich verzaubert. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Intro · Der Bestseller
Die Bibel ist ein Geheimnis Sie ist Menschenwort und Gotteswort in einem. Sie ist wie Wasser, Dampf und Eis: dasselbe und doch unterscheidbar. In den biblischen Schriften bezeugen Menschen ihren Glauben. Sie greifen zur Feder, um ihre Gotteserfahrungen festzuhalten. In diesem menschlichen Zeugnis meldet sich nach christlicher Überzeugung Gott selbst zu Wort. Wir stoßen hier auf ein Geheimnis, das seit den Anfängen des Christentums «Inspiration» genannt wird. Der Begriff leitet sich vom Lateinischen «inspirare» ab und bedeutet «einhauchen». Der Geist Gottes haucht den Worten der Bibel Leben ein. Natürlich kann man das nicht beweisen. Unzählige Menschen aber erfahren die Bibel heute noch als göttlich belebtes Wort. Martin Luther sagte, dass Gott nirgends kräftiger redet als in der Heiligen Schrift. Wo die Bibel in diesem Vertrauen gelesen wird, ist sie eine Quelle von Ermutigung, Hoffnung und Fortschritt. Natürlich kann man mit der Bibel auch Unfug treiben. Man kann Texte aus dem Zusammenhang reißen und sie dazu missbrauchen, Macht auszuüben. Die autoritären Päpste des Mittelalters, die rassistischen Ziehväter des Ku-Klux-Klans sowie unzählige Sektenführer in aller Welt haben das in Perfektion vorgeführt. Trotzdem möchte ich in diesem Buch zeigen: Ohne die Bibel wäre die Welt nicht besser, sondern schlechter. cd In dieser Reise durch die Weltgeschichte orientiere ich mich am evangelischen Kanon der Bibel und an der Zahl 7. Ich gehe in 7 Teilen und insgesamt 70 Kapiteln durch die 70 Bücher der Bibel. Auf diese Zahl kommt man, wenn man die fünf Bücher der Psalmen einzeln zählt. Der Begriff «Kanon» stammt ursprünglich von dem hebräischen Wort für «Rohr». Ein solches wurde in alter Zeit als Messrohr verwendet und bekam dadurch die Bedeutung von Maßstab oder Regel. Im 4. Jahrhundert n. Chr. begann man, das Wort «Kanon» für die bib© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
Intro · Der Bestseller
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lische Schriftensammlung zu verwenden, die für die Christenheit bis heute maßgebend ist. Damals waren jede Menge Schriften im Umlauf, die angebliche Aussprüche von Jesus enthielten. Beispielsweise soll der kleine Jesus seinen Bruder Jakobus geheilt haben, nachdem dieser von einer Natter gebissen worden war, und die Schlange danach zum Platzen gebracht haben. Um solchen Schabernack zu entlarven, setzte ein Ringen um die Frage ein, was zur Heiligen Schrift der Christenheit gehörte und was nicht. Aber damit habe ich vorgegriffen. Dem Prozess der Kanonisierung werde ich im letzten Teil meines Buches die nötige Aufmerksamkeit schenken. Teil 1: Tora Im ersten Teil unserer Reise geht es zunächst um die fünf Bücher Mose. Sie sind das Eingangstor zum Alten Testament. Die Juden sprechen liebevoll von der «Tora». Das Wort kann mit «Weisung» übersetzt werden. Es sagt aus, dass Gott uns in den Büchern, die Mose zugeschrieben werden, den Weg zum Glauben und zum Leben weist. Die Tora ist das einflussreichste literarische Werk des Alten Orients. Kein anderes hat eine derartige Wirkungsgeschichte bis in unsere Gegenwart hinein entfaltet. Die Tora braucht den Vergleich mit anderen Werken ihrer Zeit nicht zu scheuen. Platons Gedanken sind beeindruckend. Sokrates’ Lehre ist inspirierend. Die Tora dagegen ist weltbewegend. Ohne die Tora gäbe es das Neue Testament nicht. Es gäbe weder das Judentum noch das Christentum noch die westliche Welt, wie wir sie heute kennen. Der Kirchenvater Augustinus von Hippo sagte: «Das Neue ist im Alten verborgen, das Alte ist im Neuen offenbart.» Vielleicht wären wir ohne diese Einsicht noch tausend Jahre länger in der Antike geblieben, die entgegen populären Vorstellungen kein Paradies, sondern äußerst gewalttätig war. Vieles in der Tora ist dem modernen Verstand fremd, etwa wenn es © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Intro · Der Bestseller
um Sklaven, Frauen oder Krieg geht. Trotzdem muss man die Tora lesen. Denn wenn man die Tora nicht kennt, versteht man Jesus nicht, der sagte, er sei gekommen, um die Tora zu erfüllen (Matthäus 5,17). Man muss die Tora auch lesen, um das Menschlein Mensch zu verstehen. Woher kommen wir? Wer sind wir? Wozu leben wir auf diesem Planeten? Auf das alles gibt die Tora tiefgreifende Antworten. Trotzdem ist Vorsicht im Umgang mit den alten Texten geboten. Die Tora ist kein modernes Navigationssystem, das uns den exakten Ort angibt, den wir aufsuchen müssen. Nicht jeder Vers kann eins zu eins auf heute übertragen werden. Dafür sind die Welten von damals und heute zu verschieden. Sonst müssten wir jährlich nach Jerusalem pilgern, auf Kleider mit Mischgewebe verzichten und einen Schweinebraten mit Kräuterkruste verschmähen. Die Tora ist weniger ein Navi und mehr ein Kompass, der uns die Richtung anzeigt, in die wir gehen sollen. So heißt es in der Tora, dass wir uns um Ausgestoßene kümmern und für gerechte Gesetze eintreten sollten. Oder dass es unsere Aufgabe ist, die Schöpfung zu bewahren. Und das dreitausend Jahre, bevor jemand das Wort «Klimawandel» benutzte. Teil 2: Geschichte Der zweite Teil des vorliegenden Werks führt durch die Geschichtsbücher des Alten Testaments. Die Reise beginnt mit den Glaubensvätern Israels zu der Zeit, als in Ägypten gerade die Pyramiden gebaut wurden. Sie endet mit dem Babylonischen Exil und der Entstehung des Judentums im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit. Die alttestamentlichen Geschichtsbücher ziehen die großen Linien der Geschichte Israels aus. Sie streben nicht historische Vollständigkeit an, sondern bieten biografische Erzählungen, in denen sich Gottes Plan mit der Menschheit verdichtet. Diese fügen sich wie Mosaiksteine zusammen und ergeben ein stimmiges Ganzes. Stellenweise sind die Geschichten dieses Bibelteils irritierend ehrlich. Manches wird berichtet, ohne es zu werten. Städte werden er© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
Intro · Der Bestseller
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obert, Unschuldige erschlagen und Erbteile erschlichen. Durch die ungeschminkte Wahrheit wirken manche Geschichten für sich selbst genommen unglaublich brutal. Trotz dieser Gewalt ist das Alte Testament humaner als die meisten antiken Texte. Die Geschichtsbücher legen sogar zusammen mit der Tora die Basis für eine Entwicklung, die auf die Überwindung von Gewalt und Ungerechtigkeit abzielt. Dieses Thema wird uns noch mehrfach beschäftigen. Wie wichtig der Blick auf das Ganze ist, zeigt ein Gedankenspiel des schottischen Philosophen Alasdair MacIntyre. Er stellt sich vor, an einer Bushaltestellte zu stehen, wo ihn ein unbekannter Mann mit den Worten anspricht: «Der lateinische Name der Wildgans ist Histrionicus histrionicus histrionicus.» Die Bedeutung des Satzes an sich ist völlig klar, er macht aber keinen Sinn, weil er nicht in einen Zusammenhang eingebettet ist. Drei verschiedene Geschichten könnten dieser befremdenden Begegnung Sinn verleihen, überlegt sich der Philosoph. Es könnte sein, dass der Unbekannte ihn mit einer Person verwechselt, die ihn gestern in der Bibliothek fragte: «Kennen Sie zufälligerweise die lateinische Bezeichnung für Wildgans?» Es könnte auch sein, dass der Mann von einer Sitzung beim Psychiater kommt, der ihm helfen soll, seine Scheu vor Menschen zu überwinden. Der Psychiater riet ihm möglicherweise, er solle damit beginnen, fremde Leute anzusprechen und dabei einfach irgendetwas zu sagen, was ihm gerade in den Sinn komme. Oder der Fremde ist ein russischer Spion, der seinen Kontaktmann an der Bushaltestelle treffen will, und das Codewort ist der lateinische Name für Wildgans. MacIntyre macht mit seinem Gedankenspiel auf unterhaltsame Art deutlich, dass die Begegnung an der Bushaltestelle nur Sinn ergibt, wenn sie in einen größeren Zusammenhang eingeordnet werden kann. Die ausgedachte Alltagssituation des Philosophen hat auch für die Bibel Gültigkeit. Was wir von einzelnen Geschichten lernen können, erschließt sich uns nur, wenn wir das große Narrativ kennen. Die Bi© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Intro · Der Bestseller
bel erklärt sich oft selbst. Texte, die voll archaischer Gewalt sind, werden mit Blick auf das Ganze verständlich. Wenn man die Botschaft der Bibel verstehen will, darf man die alttestamentlichen Geschichtsbücher jedenfalls nicht übergehen. Teil 3: Weisheit Der dritte Teil unserer Reise befasst sich mit den Büchern Hiob, Sprüche, Prediger, Hoheslied und mit den Psalmen. Mit ihnen tauchen wir in die kreativste Epoche der Bibel ein und begegnen Songwritern, Dichtern, Philosophen und Weisheitssuchern. Der große Star der Psalmen ist David. Mit seinen authentischen Songs schafft er es von der Wüste direkt in die Charts. Davids Psalmen werden überall im Land gesungen: in der Familie, an der Feuerstelle, auf dem Feld, im Tempel. Seine Lieder treffen den Nerv der Zeit. Gerade so, wie die Rolling Stones in meinem Geburtsjahr mit ihrem Revoluzzer-Song «I Can’t Get No Satisfaction» eine ganze Generation in Ekstase versetzten. Mit dem Unterschied, dass Mick Jaggers Hit zum Egotrip anstachelt, während David mit seinem Evergreen «Der Herr ist mein Hirte» immer noch Trost vermittelt. Sag mir, welche Musik du hörst, und ich sage dir, wer du bist! Das gilt auch für biblische Zeiten. Die Psalmen sind voller Gospel, Blues und Samba. Dass der Blues überwiegt, wird uns noch beschäftigen. Wenn man nach der Theologie fragt, die hinter den Psalmen steht, erfährt man viel über die Seele des Judentums und über Gott, von dem es heißt, dass er über den Lobgesängen Israels thront. Die alttestamentlichen Weisheitsbücher enthalten manche erstaunlichen Gemeinsamkeiten mit antiker Weisheit. Der faszinierende Wissenschaftszweig der Archäologie hat den Beweis erbracht, dass sich die Assyrer, Babylonier und Ägypter mit denselben Themen befassten wie die Israeliten. Offenbar gab es Verbindungen zwischen den Kulturen. Aber die biblische Weisheit ist tiefer, wuchtiger, schöner. Die Hymnen in den Psalmen, die bitteren Klagen Hiobs, die lebensnahen Weisheiten der Sprüche, das entgrenzte Philosophieren des Predigers und das Feiern der Liebe im Hohelied sind bis heute Quellen der Inspiration. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Die Weisheitsschriften erinnern an die Blütezeit der Renaissance im 15. und 16. Jahrhundert. Das europäische Mittelalter war nämlich gar nicht so finster, wie manche denken mögen. Zumindest gab es die Erneuerungsbewegung der Renaissance, die von Italien ausging und schließlich ganz Europa erfasste. In dieser Zeit wimmelte es in Florenz und anderen kulturellen Zentren von Humanisten, Künstlern, Malern und Bildhauern. Sie wiederentdeckten die Schönheit der Welt und begriffen sie als Gabe des Schöpfers. Für den Florentiner Marsilio Ficino, der fünfzig Jahre vor Luther geboren wurde, war die Schönheit der Welt der «Köder», den Gott auslegt, um die Menschen zu sich emporzuziehen. Die Psalmen und die Weisheitsbücher sind auch solch ein «Köder». Teil 4: Propheten Im vierten Teil stürzt man nach der hellen Epoche der Weisheit in ein dunkles Zeitalter voller Aberglauben, kriegerischer Auseinandersetzungen und politischer Schlammschlachten. Mittendrin: Propheten wie Jesaja, Jeremia und Hesekiel, die vom Allmächtigen berufen werden. Ihre Gegenspieler sind Jerusalems Hofpropheten, die auf der Gehaltsliste der Mächtigen stehen und in Krisenzeiten lauter Nachrichten verbreiten, welche die Leute gerne hören: «Gott ist mit uns! Der König ist gesegnet! Alles wird gut!» Die Propheten decken die Deepfakes auf. Einige von ihnen wirken wie Vorläufer moderner Investigativjournalisten. Sie sind nicht mit Geld bezahlt, sondern vom Geist berufen. Sie predigen im Auftrag Gottes, warnen das Volk vor dem Babylonischen Exil, das sie als Strafe für Israels Ungehorsam kommen sehen, und schreiben die Geschichte Israels nieder. Die Generationen nach ihnen sollen aus den Fehlern der Vorfahren lernen. Die Propheten passen in kein Schema. Sie sind Wächter für den Glauben, Anwälte der Armen, Fürbitter für die Nation. Männer on fire. Überzeugt wie Martin Luther, poetisch wie William Shakespeare, hartnäckig wie Nelson Mandela. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Manche Propheten mischen sich ungefragt in die Politik ein. Israels Nachbarvölker haben Staatsschreiber und Chronisten, die auf Feldzügen mitreisen. Sie halten die Erfolge ihrer Herrscher auf Tontafeln und Papyrus fest. Wenn es einmal nicht gut läuft, beschönigen sie die Verhältnisse oder erfinden auch mal eine Geschichte. Von derlei «alternativen Fakten» findet sich bei den alttestamentlichen Propheten nichts. Sie reden den Königen nicht nach dem Mund, sondern hören auf Gottes Stimme. Sie kommen von der Peripherie und tragen das Wort Gottes unverfälscht ins Zentrum. Sie sind Störenfriede der Mächtigen, unangenehm wie Dietrich Bonhoeffer für Adolf Hitler und Alexej Nawalny für Vladimir Putin. Sie sind die Avantgarde eines neuen Zeitalters. Aber man hört erst auf sie, nachdem sie gestorben sind. Vor dem Babylonischen Exil werden sie gelyncht, nach dem Exil gelikt. Die Schriften, die sie hinterlassen, sind bis heute eine Inspiration für Wahrheitssucher, Gerechtigkeitskämpfer und Überzeugungstäter. Teil 5: Evangelien Der fünfte Teil bringt uns schließlich in die Zeit des Neuen Testaments. Das Neue Testament bestätigt das Alte und enthält gleichzeitig viel Neues. So viel, dass die alten Schläuche des Judentums den neuen Wein der Lehre Jesu nicht fassen können und es zum Konflikt zwischen den Juden und den Jesusnachfolgern kommt. Das Neue am Neuen Testament ist keine Idee, keine Vision und kein Programm, sondern eine Person: Jesus. Die Evangelien sind ganz der Person und dem Werk von Jesus Christus gewidmet. Sie bilden eine literarische Gattung für sich, fundamental anders als alles bisher Dagewesene. Denn die antiken Epen sind kunstvolle Dichtung, die Evangelien jedoch faktenbasierte Darstellung. Was in den antiken Epen steht, spielte sich im Kopf kreativer Denker ab und ist Fantasie. Was in den Evangelien steht, spielte sich auf den staubigen Straßen Palästinas ab und ist Fakt. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Die eine große Tatsache, um die es in den Evangelien geht, ist gleichzeitig ein Geheimnis, weil das Menschlein Mensch sie nicht fassen kann. Sie lautet: Mit Jesus tritt Gott selbst in die Geschichte ein. Mit ihrer Darstellung vom Leben und Werk Jesu schalten sich die Schreiber der Evangelien prominent in den großen Streit über die Anwesenheit Gottes in der Welt ein, der schon damals intensiv geführt wird. Aristoteles schreibt in seiner «Metaphysik», dass es etwas Ewiges geben müsse, das alles in Bewegung setzt, ohne dass das Ewige selbst bewegt wird. Dass der Mensch den unbewegten Beweger irgendwie berühren könnte, ist für Aristoteles jedoch undenkbar. Für die Verfasser der Evangelien dagegen ist das Undenkbare zentral: In Jesus ist der ewige Beweger berührbar. Daraus ergibt sich der Anspruch, dass Jesus mehr ist als Mose und in Konsequenz auch mehr als Mohammed oder Buddha oder sonst eine Lichtgestalt der Geschichte. Im Judentum steht Mose als Vermittler zwischen Israel und Jahwe. Im Islam ist Mohammed der Prophet Allahs. Im Buddhismus zeigt Buddha den Weg zur Erleuchtung, ist die Erleuchtung aber nicht selbst. Jesus gehört zwar in die Reihe der Religionsgründer, ist aber mehr als Vermittler oder Prophet. Der Unterschied ist kategorial: Die Religionsgründer weisen alle auf etwas Größeres hin. Jesus ist das Größere selbst. Werner Dahlheim drückt es in seinem Werk «Die Welt zur Zeit Jesu» treffend aus: «Kein Mythos, keine Sage, keine vermittelte Offenbarung umgibt den Sohn Gottes. Er kam nicht auf den Wolken des Himmels, er erschien nicht in einem brennenden Dornbusch, er kam als und wie jeder Mensch in diese Welt. Die ersten Christen erlebten den unsichtbaren Gott, so unverfügbar er ihnen auch blieb, in der Begegnung mit einem Menschen in menschlicher Gestalt.» Nirgends sind wir dem Heiligen näher als in den Evangelien. Als Gründungsurkunden des christlichen Glaubens verdienen sie auf unserer Reise durch die Weltgeschichte besondere Aufmerksamkeit. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Teil 6: Briefe Der sechste Teil dieses Buches befasst sich mit dem werdenden Christentum, das aus dem Streit mit dem Judentum hervorgeht. Es ist die Zeit der ersten Liebe. Die Jesusnachfolger lieben einander und teilen ihren Besitz. Die Apostelgeschichte zeichnet ein faszinierendes Bild von dem Zusammenhalt der ersten Christen, beschreibt aber auch offen die ersten Probleme. Zwanzig Jahre nach Jesu Himmelfahrt kommt es in Jerusalem zu einem Krisengipfel. Der Grund: Die junge Kirche zieht viele unterschiedliche Leute an. Sie ist die einzige Gemeinschaft der Antike, in der echte Diversität herrscht. Sie droht, Opfer ihres Erfolgs zu werden und an ihrer Unterschiedlichkeit zu zerbrechen. Dem Krisengipfel in Jerusalem ist Erfolg beschieden. Man verständigt sich auf einen Kompromiss und die Bewegung wächst weiter (Apostelgeschichte 15,1ff.). Die Briefe des Neuen Testaments geben Einblick in die innere Dynamik der expandierenden Bewegung. Immer mehr Griechen und Römer schließen sich der Kirche an. Darunter auffallend viele emanzipierte Frauen, wie in der Apostelgeschichte berichtet wird. Von der Mitte des 1. Jahrhunderts an gerät das werdende Christentum in Konflikt mit dem Imperium Romanum. In Rom verbreitet sich das Gerücht, der christliche Glaube sei möglicherweise staatsgefährdend. Das macht die Christen verwundbar. Erschwerend kommt hinzu, dass die römischen Behörden herzlich wenig über die neue Bewegung wissen. Von jetzt an gipfelt das Misstrauen immer wieder in schweren antichristlichen Exzessen. Die Christen antworten mit Liebe. Das ist nicht das, was die antike Welt erwartet. Die Christen beten für ihre Verfolger, kümmern sich um Witwen, besuchen Strafgefangene und nehmen ausgesetzte Kinder auf. Die Römer schütteln verständnislos den Kopf und sagen: «Seht, wie sie einander lieben!» Im 4. Jahrhundert überwindet die christliche Liebe den imperialen Hass. Rom wird christlich und das Evangelium setzt dazu an, Weltgeschichte zu schreiben. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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Teil 7: Welt Der siebte und letzte Teil dieses Buches befasst sich mit der Wirkung der Bibel auf die westliche Welt. Rom wurde im 4. Jahrhundert katholisch und die Kirche zum mächtigsten Player auf dem Kontinent. Bald danach galt erstmals das römische Staatschristentum. Als das Weströmische Reich im Ansturm der Goten, Vandalen und Germanen unterging, blieb die katholische Kirche bestehen und Europa wurde schrittweise christianisiert. Für die nächsten tausend Jahre entfaltete sich das Christentum in der Pracht der römischen Staatskirche. Der Glaube vieler Menschen blieb allerdings oberflächlich, weil sie keinen Zugang zur Bibel hatten. Die Päpste verwehrten ihren Schäflein Gottes Wort, um ihre Macht zu sichern. Im Spätmittelalter untersagte die Synode von Toulouse den Laien gar das Lesen der Bibel. In der Zeit der Gegenreformation setzte der Papst Bibelübersetzungen in Volkssprachen zusammen mit Werken von Galileo Galilei, Voltaire und Victor Hugo («Der Glöckner von Notre Dame») auf den «Index Librorum Prohibitorum» (Liste der verbotenen Bücher). Das bibellose Mittelalter war durchsetzt von Aberglauben, religiösen Ritualen und der Angst vor dem Fegefeuer, mit dem die Kirche die Massen disziplinierte. Die Reformation, die mit der Bibel begann, änderte das eruptiv. Luthers Neues Testament, das er heimlich auf der Wartburg vorantrieb, ist ein literarisches Meisterstück. Als es die Druckerpresse verließ und von den Menschen gelesen wurde, begann sich Europa zu verändern. Die Reformation setzte in Europa eine beispiellose Freiheitsgeschichte und in Deutschland eine Bildungsreform in Gang. Während man sich im Osten in Versenkung übte, entdeckte der Westen die Vernunft. Durch die Bibel lernten die Menschen, wer sie sind: Geschöpfe eines liebenden Gottes. Und zu welchem Zweck sie auf dem Planeten existieren: um Gott durch ihre Werke zu ehren. Überall da, wo die Bibel gelesen wurde, entdeckten die Menschen die Würde der Arbeit. Europa trat in ein Zeitalter des Fortschritts ein. © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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In der Zeit der Aufklärung kam es zu einem zähen Streit um die Bibel, der bis heute anhält. Für eine zunehmende Zahl von Intellektuellen wurde es unmöglich, elektrisches Licht zu verwenden und gleichzeitig an die Wunderwelt des Neuen Testaments zu glauben. Trotzdem übte die Bibel weiterhin einen nachhaltigen Einfluss auf Glauben und Gesellschaft aus. Und sie stand am Anfang großer sozialer Reformen, etwa der Abschaffung der Sklaverei im Britischen Weltreich. Diesen Wirkungen werde ich im siebten Teil nachspüren. cd Ein Gemälde aus dem späten 19. Jahrhundert veranschaulicht den Einfluss der Bibel auf das christliche Abendland: Eine Schwarzwälder Bäuerin mit Kopftuch sitzt zusammen mit ihrer Tochter am Holztisch und liest in der aufgeschlagenen Bibel. Das Ölgemälde von Hans Thoma (1839–1924) stellt die Mutter und die Schwester des Malers dar. Es bringt etwas zum Ausdruck, das so sehr mit der Geschichte unserer Kultur verwoben ist, dass wir uns seiner Bedeutung kaum noch bewusst sind: Die beiden lesen nicht etwa Homers «Odyssee» in deutscher Übersetzung oder das Gilgamesch-Epos der alten Babylonier, sondern die Bibel! Die drei einflussreichen Werke des Altertums wurden Jahrtausende vor uns von fremden Völkern in fremden Sprachen geschrieben. Die Bibel ist das einzige unter den dreien, das von der Allgemeinheit noch gelesen und vor allem verstanden wird. Mit ihrer tiefen, klaren Botschaft prägt die Bibel die westliche Kultur wie kein anderes Werk der Weltliteratur. Die Zukunft des Westens hängt wesentlich davon ab, ob die Bibel noch eine Rolle spielen wird. Europa entledigt sich gegenwärtig seiner christlichen Wurzeln. Moral gibt es noch, aber sie hat ihren transzendenten Bezug verloren. Was der Mensch ist und wozu er existiert, schrumpft auf seine immanenten Möglichkeiten zusammen. Der Schriftsteller Thomas Hürlimann bringt es auf den Punkt: Wo früher das Kreuz hing, hängt heute das Rauchverbot. Früher waren © 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
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die Zehn Gebote ein gesellschaftlicher Maßstab, heute beschränkt sich die Moral auf den Satz: «Du sollst den Abfall trennen.» Das ist zu wenig, um eine solidarische Gesellschaft zu bauen. Der Zusammenhalt der säkularen Gesellschaft zerfleddert in unseren Händen. Wir brauchen eine Rückbesinnung auf die Werte, die den Westen zu dem gemacht haben, was er ist, und diese Werte haben biblische Wurzeln. Die Botschaft der Bibel ist zeitlos. Doch um sie zu verstehen, muss man weit zurück. Über dreitausend Jahre. Denn aus dieser Epoche stammen die ersten Schriften. Es geht nicht ohne Kenntnis des historischen Kontexts, in dem sie entstanden. Und man muss den Anspruch, den die Bibel erhebt, ernst nehmen, damit sie ihre ganze Bedeutung entfalten kann. Das heißt für uns: aufmerksam lesen, die Texte auf sich wirken lassen, sich von offenen Fragen nicht abhalten lassen, Staunen lernen. Aus dieser Haltung kann das wachsen, wofür im Grunde genommen alle biblischen Texte geschrieben wurden: Glaube. Liebe. Hoffnung.
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Die Seiten 28 – 701 sind nicht in dieser Leseprobe enthalten.
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Über den Autor
D
r. theol. Roland Hardmeier (geb. 1965) ist als Dozent, Referent und Autor tätig (u. a. «Du bist da in meinem Schmerz»). Er liebt es, in seinem Lieblingscafé bei einem Latte macchiato Texte zu schreiben. Besonders hat es ihm das Buch der Bücher angetan. Mit seinem Werk «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte», an dem er drei Jahre lang intensiv gearbeitet hat, möchte er seine Begeisterung für Gottes Wort teilen und selbst eingefleischten Bibellesern AhaMomente bescheren. Roland Hardmeier ist verheiratet und wohnt im schweizerischen Uster.
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Warum die Bibel so dick ist
Eckhard Hagedorn Fette Beute Die Bibel ist einfach nicht kleinzukriegen. Sie ist seit Jahrhunderten das meistgelesene Buch der Welt. Sie hat Substanz. Und sie ist dick. Füllig. Eine fette Beute für den, der sie entdeckt. Sie gibt uns einen Anfang, sie weist uns den Weg in die Zukunft und sie spricht zu uns heute, in unsere Gegenwart. Und das macht sie in jeder Generation aufs Neue: Worte schenken, die Sinn haben, Kraft bringen und den Leser ins Leben ziehen. Wie man die Bibel in ihrer ganzen Größe lesen und lieben lernen kann? Wie aus der Last des dicken Buches eine Lust werden kann? Wie spricht das dicke Buch in unser dünnes Leben hinein? Auf solche Fragen gibt der Theologe Eckhard Hagedorn inspirierte Hinweise, tiefe Einsichten und passende Antworten. 276 Seiten, Klappenbroschur, 15 × 22,5 cm 18,00 EUR [D] / 18,50 EUR [A] / 25.20 CHF* *unverbindliche Preisempfehlung Bestell-Nr. 204128 ISBN 978-3-03848-128-7
© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com
52 Weisheiten, um als Persönlichkeit zu reifen
Philippe Hauenstein Bibel Coaching Welche Weisheit steckt in der Sprunghöhe von Flöhen, und was hat sie mit David und Goliath zu tun? Warum begrenzen wir unser eigenes Potenzial durch negative Zuschreibungen? Und was sagt die Bibel über die Kraft der Sprache? Persönliches Wachstum beginnt dort, wo Lebenserfahrung und biblische Wahrheit zusammenfinden. Genau hier setzt Bibel-Coach Philippe Hauenstein an: Er verbindet 52 prägnante Lebensweisheiten mit 52 biblischen Impulsen und schafft so inspirierende Denkanstöße für den eigenen Glaubens- und Lebensweg. Aus den 2 × 52 Geschichten entsteht ein doppeltes Band, das zum Nachdenken, Lernen und Wachsen anregt. Dieses Buch ist eine inspirierende Begleitung für alle, die ihr Potenzial entfalten möchten – allein oder gemeinsam in einer Gruppe. 232 Seiten, Klappenbroschur, 16,5 × 23,5 cm 18,00 EUR [D] / 18,50 EUR [A] / 26.80 CHF* *unverbindliche Preisempfehlung Bestell-Nr. 204198 ISBN 978-3-03848-198-0
© 2026 des Titels «Die Bibel. Eine Reise durch die Weltgeschichte» von Roland Hardmeier (ISBN: 978-3-03848-315-1) by Fontis-Verlag Basel, nähere Informationen unter: www.fontis-verlag.com