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C.S.Lewis Pardon, ichbinChrist

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TitelderenglischenOriginalausgabe: «MereChristianity» byC.S.Lewis C.S.LewisPteLtd.1942,1943,1944,1952 PublishedbyFontis-VerlagBaselunderlicense fromtheCSLewisCompanyLtd. bersetzung(2014):ChristianRendel,Witzenhausen

1.AuflageSpezial-Edition2026

CopyrightderdeutschenAusgabe: 1977,2014byFontis-VerlagBasel

Umschlaggestaltung:MaikeHçfer,strawberrystudio.de Satz:InnosetAG,JustinMessmer,Basel Druck:Finidr GedrucktinderTschechischenRepublik ISBN978-3-03848-311-3

ZumGeleit

ImJahr2000führtedieamerikanischeZeitschrift Christianity

Today eineUmfrageüberdieeinflussreichstenBücherdeszwanzigstenJahrhundertsdurch.DerbeiWeitemamhäufigstengenannteAutorwarC.S.Lewis,unddasmitAbstandamhäufigsten genannteseinerBücherwar Pardon,ichbinChrist –imOriginal MereChristianity

Pardon,ichbinChrist istderKlassikerderchristlichenApologetikimzwanzigstenJahrhundertschlechthin.AlsehemaligerAtheist,dersichineinemmehrjährigenProzessvorallemdurchphilosophischesNachdenkendemGlaubenanGottannäherteund schließlichzumchristlichenGlaubenfand,warLewisineiner einzigartiggünstigenPosition,umsichinseineskeptischenZeitgenossenhineinzuversetzenundihreSchwierigkeitenvorherzusehen.MitseinerMethode,seineLeservoraussetzungslosund alleinaufgrundvonVernunftargumentenundanschaulichenIllustrationenansChristentumheranzuführen,haterdasGenre nachhaltiggeprägt.Vielehabenversucht,ihmdarinnachzueifern,dochnurwenigekonntenmitseinemScharfsinn,seinem BilderreichtumundseinerlebendigenSprachemithalten.

SeitseinemErscheinen1952hatdasBuchunzähligeAuflagenerlebt.EswurdeinetlicheSprachenübersetztundvonMillionen vonMenscheninallerWeltgelesen.Niemandweiß,wievieleMenschenihreHinwendungzumchristlichenGlaubenauf Pardon,ich binChrist zurückführen.Bekanntistaber,dassdarunterauchetlicheillustrePersönlichkeitensind,wieetwaderehemaligeamerikanischePräsidentenberaterCharlesColson(1931–2012),der GenetikerundehemaligeLeiterdesHumangenomprojekts,Francis

Collins(geb.1950),undderPhilosophC.E.M.Joad(1891–1953). BisheuteistdiePopularitätdesBuchesungebrochen.

Dabeiist Pardon,ichbinChrist keineswegsüberjedeKritikerhaben.AuftheologischemGebietwarLewiseinLaie,waserauch selbstimmerwiederbetont.DerrenommiertebritischeNeutestamentlerN.T.Wright–selbsteinBewundererdesBuches–hat Pardon,ichbinChrist miteinerHummelverglichen,dieerstaunlicherweisefliegenkann,obwohlsienachallernaturwissenschaftlichenErkenntnisdazueigentlichgarnichtinderLageseindürfte.WasdiephilosophischenArgumenteangeht,soistesinden letztenJahrengeradezuinModegekommen,aufihreLücken undUnvollständigkeitenhinzuweisen.

FreilicherklärensichdieseLückenvorallemdaraus,dass Pardon,ichbinChrist keinehochgestochenephilosophischeAbhandlungfürFachleuteist,sonderneinBuchfüreineallgemeineLeserschaft,nochdazueines,dasursprünglichalseineReihevon Radiovorträgenentstand.AusLewis’KorrespondenzmitdenRedakteurenderBBCwährendderAbfassunglässtsichgutablesen, welcheeiserneDisziplinihmdiedadurchgeboteneKürzeder einzelnenKapitelabverlangte.LewismusstesichaufdasunbedingtNotwendigebeschränkenundkonntesomitnichtinaller AusführlichkeitaufallemöglichenEinwändeundNuancenzu jedemArgumenteingehen.Erwarsichvollkommenbewusst, dassihndasangreifbarmachte,aberdiesesRisikogingerim InteressederVerständlichkeitundZugänglichkeitseinerGedankengängeein.

EinesdereindrücklichstenundamhäufigstenzitiertenArgumenteaus Pardon,ichbinChrist undzugleicheinederbeliebtestenZielscheibenderKritikeristdassogenannte«Trilemma»am EndedesKapitels«DieerschreckendeAlternative».DortlegtLewisdar,ChristushabeunsdurchdieBehauptungen,dieerüber sichselbstaufstellte,keineandereMöglichkeitgelassen,alsihn

entwederfürdenSohnGottesoderaberfüreinenGeisteskranken odereinenVerbrecherzuhalten.

GlaubtmandenKritikern,sohatdiesesArgumentmehrLöcheralseinFischernetz.Zweifelloshabensieinsofernrecht,als esinderknappenForm,inderLewiseshierpräsentiert,allen möglichenEinwändenTürundToröffnet.Dennochistesgerade diesesArgument,dasimmerwiederLeserallerBildungsschichten –darunterauchLeutewieCharlesColsonundFrancisCollins–davonüberzeugthat,dassderZimmermannssohnausNazareth tatsächlichderist,dererzuseinbehauptete.

InteressanterweisehatLewisdiesesArgumentfür Pardon,ich binChrist gegenüberderursprünglichenFassung,dieerimRadio vortrug,sogarnochgekürzt.Dortnämlichpackteereinender häufigstenEinwändegleichselbstbeidenHörnern:

NatürlichkönntemansichaufdenStandpunktstellen,[Jesus]habe dieseDingeüberhauptnichtgesagt,sondernseineAnhängerhätten sienurerfunden.AberdamitwürdemandieSchwierigkeitnurverlagern.SchließlichwarensiejaauchJudenunddamitdieLetzten, denensoetwaseingefallenwäre.ÜberMoseoderEliahattedieses VolknieetwasDerartigesbehauptet.MitdieserTheoriehandelt mansichalsostatteinesunerklärlichenVerrücktennurderenzwölf ein.SokommenwirnichtausderSacheheraus.

WarumLewisdieseSätze,diedochvielenseinerKritikerden WindausdenSegelngenommenhätten,ausderBuchfassung strich,lässtsichnichtmehrnachvollziehen.MansiehtandiesemBeispieljedoch,dassseineArgumenteindiesemBuchoftmalsknappeZusammenfassungenvonGedankengängensind, diesichbeinähererBetrachtungalsvielschichtigerundkomplexererweisen,alssieaufdenerstenBlickerscheinen.Eswäre abervoreilig,siedeswegenfüroberflächlichzuhalten.Eher

dürfteesratsamsein,siealsEinladungenzumWeiterdenken aufzufassen.

Esistzuzugeben,dassmanineinigenPassagendemBuch seinAltervonnunrundsiebzigJahrenanmerkt(undzwar nichtnuranKleinigkeitenwiederAnzahlderMondeimSonnensystem).VorallembetrifftdieseinigeKapitelimAbschnitt überdieEthik.ÜberLewis’Frauenbildistschonviel–auch kontrovers–geschriebenunddiskutiertworden.EinigeSätze, dieAnlassdazugaben,findensichauchin Pardon,ichbin Christ.ÜberseineIdee,einenUnterschiedzwischenderstaatlichenundderchristlichenEhezumachen,hatsichschonsein ZeitgenosseundengerFreundJ.R.R.Tolkienereifert.Was LewisüberPazifismus,SoldatentumundTodesstrafezusagen hatte,erschiendenHerausgebernderEndeder1950er-Jahre entstandenenerstendeutschenAusgabegarsoheikel,dasssie kurzerhandeinhalbesKapitelausdemTextstrichen.DievorliegendeNeuübersetzungenthälterstmalsauchdiesePassagen indeutscherSprache.

FreilichmachtLewisesseinenLesernnichtleicht,ihnzuignorieren,selbstda,wosieihmaufgebrachtwidersprechenmöchten.

AuchhiermerktmanbeigenaueremNachdenken,dasshinter manchenAussagen,dieveraltetanmuten,vielschichtigereZusammenhängeundGedankengängestecken,alseszunächstden Anscheinhat.Nichtalles,wasunsbefremdet,weilesnichtzuunseremeigenenZeitgeistzupassenscheint,mussdeshalbfalsch sein.Lewisselbstwarntevielfachvordem,waser«chronologischenSnobismus»nannte:derGrundannahme,allesNeuemüsse immerbesserundrichtigerseinalsallesAlte.

MankannsichwunderbaranLewisreiben,unddaslohntsich sehr,dennoftwirdmanfeststellen,dasssichdaseigeneDenken dabeischärft.ImErgebniswirdgewissnichtjederihmamEnde zustimmenundwohlkaumeinerinjedemPunkt,aberjederwird

ausdergedanklichenAuseinandersetzunggroßenGewinndavontragen.

Lewis’großeStärkeistnichtnurseineDenkschärfe,sondern auchseineSpekulierfreudigkeitundBilderkraft,mitdeneneran kniffligetheologischeundphilosophischeFragenherangeht.BesondersimletztenTeildesBuches,dersichmitderchristlichen VorstellungvonGottbefasst,spielterdieseStärkenvollaus.Seine ÜberlegungenzumVerhältnisvonZeitundEwigkeitetwasind festerBestandteildergedanklichenWerkzeugkistevonGenerationenvonChristengeworden.

FünfzigJahrenachLewis’TodundübersechzigJahrenach demErscheinenvon Pardon,ichbinChrist sindvieleGedanken diesesBuchesebensoaktuellwieehundje.Mögedieseneue, erstmalsvollständigedeutscheÜbersetzungdesKlassikersvielen künftigenLeserndenZugangzudiesemgroßenchristlichenDenkererschließen.

ChristianRendel, Witzenhausen,imFebruar2014

DerInhaltdiesesBucheswurdeursprünglichüberdenRundfunk ausgestrahltunddannindreiTeilenals BroadcastTalks (1942), ChristianBehaviour (1943)und BeyondPersonality (1944)veröffentlicht.IndenDruckversionenhabeichdem,wasichamMikrofongesagthatte,einpaarDingehinzugefügt,aberansonsten denTextziemlichsogelassen,wieerwar.Eine«Ansprache»im RadiosolltesichmeinerMeinungnachmöglichstwieeinechtes Gesprächanhören,nichtwieeinlautvorgelesenerEssay.

DarumhabeichinmeinenAnsprachenalldieVerkürzungen undGeläufigkeitenverwendet,dieichimgewöhnlichenGesprächauchbenutze.DabeihabeichesinderDruckversionbelassenund don’t und we’ve für donot und wehave eingesetzt.Und überall,woichindenVorträgeneinWortdurchdenNachdruck inmeinerStimmebesondershervorgehobenhatte,habeiches kursivgesetzt.InzwischenneigeichzuderAuffassung,dassdas einFehlerwar–einnichterstrebenswertesZwischendingzwischenderKunstdesSprechensundderKunstdesSchreibens. EinRednerdarfgernzurBetonungVariationenderStimmeeinsetzen,denndieseMethodebietetsichfürseinMediumganznatürlichan.EinSchriftstellerhingegensolltesichfürdiesenZweck nichtderKursivschriftbedienen.Erverfügtüberseineeigenen, ganzanderenMittel,dieentscheidendenWörterhervorzuheben, unddiesollteerauchbenutzen.IndieserAusgabehabeichdie VerkürzungenbeseitigtunddiemeistenKursivsetzungendurch eineUmstellungderSätze,indenensievorkamen,ersetzt.Ich hoffejedoch,dassder«volkstümliche»oder«ungezwungene» Tonfall,denichvonvornhereinbeabsichtigthabe,davonunbe-

schadetgebliebenist.AußerdemhabeichDingehinzugefügtund anderegekürzt,woichderMeinungwar,irgendeinenAspekt meinesThemasinzwischenbesserzuverstehenalsvorzehnJahren,oderwoichwusste,dassdieursprünglicheVersionvonanderenmissverstandenwordenwar.

DerLeserseigewarnt,dassichjemandem,derzwischenzwei christlichen«Konfessionen»schwankt,keineHilfeseinwerde. VonmirerfahrenSienicht,obSieAnglikaner,Katholik,MethodistoderPresbyterianerwerdensollten.DieseFragespareichabsichtlichaus(selbstdiegeradeaufgelistetenKonfessionensindlediglichalphabetischgeordnet).Woichselbststehe,istkein Geheimnis.IchbineinganzgewöhnlicherLaieinderChurchof England,wederbesonders«high»nochbesonders«low»noch besonderssonstetwas.

DochindiesemBuchhabeichnichtvor,irgendjemandenvon meinemeigenenStandpunktzuüberzeugen.SeitichChristgewordenbin,warichstetsderMeinung,dassderbesteundvielleichteinzigeDienst,denichmeinennichtgläubigenMitmenschenerweisenkann,darinbesteht,denGlauben,derfastallen ChristenzuallenZeitengemeinsamwar,zuerklärenundzuverteidigen.FürdieseAuffassunghatteichmehralseinenGrund. ErstensgehtesindenFragen,indenensichChristenvoneinanderunterscheiden,häufigumFeinheitenderTheologieodergar derKirchengeschichte,diedenechtenFachleutenvorbehalten bleibensollten.IchhätteinsolchenGewässerndenBodenunter denFüßenverlorenundeherselbstderHilfebedurft,alsdassich anderenhätteweiterhelfenkönnen.

Undzweitensmüssenwiruns,glaubeich,eingestehen,dass dieDiskussiondieserstrittigenPunkteüberhauptnichtgeeignet ist,einenAußenstehendenindenSchoßderchristlichenGemeindezubringen.SolangewirüberdieseDingeschreibenundreden, werdenwirandereeherdavonabschrecken,sichüberhauptauf

irgendeinechristlicheGemeinschafteinzulassen,alsdasswirsie indieunserehineinziehen.Vondem,wasunstrennt,solltenurin GegenwartdererdieRedesein,diebereitszuderÜberzeugung gekommensind,dasseseinenGottgibtunddassJesusChristus seineinzigerSohnist.

SchließlichhatteichdenEindruck,dassvielmehrundauch begabtereAutorensichbereitsmitsolchenkontroversenFragen befasstenalsdamit,das«bloße»Christentumzuverteidigen,wie Baxteresnannte.DerFrontabschnitt,woichmichamnützlichstenmachenzukönnenglaubte,warzugleichder,derauch amdünnstenbesetztzuseinschien.Unddortsahichnatürlich meinenPlatz.

Sovielichweiß,warendasmeineeinzigenMotive,undeswäre mirsehrlieb,wenndieLeuteausmeinemSchweigenzugewissen umstrittenenFragenkeinefantastischenSchlüsseziehenwürden.

ZumBeispielmusseinsolchesSchweigenmeinerseitsnichtbedeuten,dassichselbstzwischendenStühlenstehe.Manchmalist dasderFall.AufmancheFragen,überdieunterChristengestrittenwird,istunsmeinerMeinungnachkeineAntwortmitgeteilt worden.AufmanchewerdeichvielleichtdieAntwortnieerfahren.Würdeichsiestellen,selbstineinerbesserenWelt,sowürde ich(nachallem,wasichweiß)möglicherweisedieselbeAntwort darauferhalten,dieeinsteinvielgrößererFragestellerzuhören bekam:«Wasgehtesdichan?Folgedumirnach!»Dochesgibt andereFragen,beidenenichgenauweiß,aufwelchemStuhlich sitze,undüberdieichdennochnichtssage.Dennichschreibe nicht,umetwaszuerklären,wasich«meineReligion»nennen könnte,sondernumdas«bloße»Christentumzuerklären,das soist,wieesist,undsowar,wieeswar,langebevorichgeboren wurdeundobesmirpasstodernicht.

MancheLeuteziehenvoreiligeSchlüsseausdemUmstand, dassichüberdieJungfrauMarianichtmehrsage,alsichsagen

muss,umdiejungfräulicheGeburtChristizubekräftigen.Aber meineGründedafürsinddochwohloffensichtlich,oder?Sobald ichmehrdarübersagte,hätteichmichschonaufheißumkämpftesTerrainbegeben.UndmitkeineranderenKontroverseunter Christenmussmansobehutsamumgehenwiemitdieser.KatholikenvertretenihreÜberzeugungenzudiesemThemanichtnur mitdemgewöhnlichenEifer,derjedenaufrichtigenreligiösen Glaubenkennzeichnet,sondernauch(völlignatürlicherweise) mitderbesonderenund,wennmansowill,ritterlichenEmpfindsamkeit,dieeinMannverspürt,wenndieEhreseinerMutteroder seinerGeliebtenaufdemSpielsteht.WerdarinandererMeinung istalssie,stehtvorihnenallzuleichtnichtnuralsKetzerda,sondernauchnochalsSchuft.

Umgekehrtbeschwörendiegegensätzlichenprotestantischen ÜberzeugungenzudiesemThemaGefühleherauf,dieandie WurzelnjedenmonotheistischenGlaubensrühren.StrenggläubigeProtestantensehenhierdieUnterscheidungzwischenSchöpferundGeschöpf(soheiligesauchseinmag)inGefahr:DerPolytheismuserhebesichwieder.Widersprichtmanihnen,somacht mansichverdächtig,nochSchlimmereszuseinalseinKetzer–einHeide.WennirgendeinThemageeignetist,einemBuchüber «bloßes»ChristentumdenGarauszumachen–wennirgendein ThemagänzlichunergiebigistfürLeute,dienochnichtdaran glauben,dassderSohndieserJungfrauGottsei–,danndoch wohldieses.

KurioserweisekannmanausmeinemSchweigenüberumstrittenePunktenochnichteinmalschließen,obichsiefürwichtig oderunwichtighalte.DenndieseFrageselbstistjaauchumstritten.EinesderDinge,überdieChristenverschiedenerMeinung sind,istdieWichtigkeitihrerMeinungsverschiedenheiten.Wenn zweiChristenunterschiedlicherKonfessionanfangen,miteinanderzustreiten,dauertesmeistnichtlange,bisdereinefragt,ob

dieseroderjenerPunktdenn«wirklichsowichtig»sei,undder andereerwidert:«Wichtig?Nahörmal,dieseFrageistabsolut entscheidend!»

Ichsagedasalleseinfachnur,umdeutlichzumachen,wasfür einBuchichhierzuschreibenversuche.IchwillkeineswegsmeineeigenenÜberzeugungenverheimlichenodermichausmeiner Verantwortungdafürstehlen.Wiegesagt,wasichglaube,istkein Geheimnis.UmTristramShandysOnkelTobyzuzitieren:«Es stehtimGebetbuchgeschrieben.»

DieGefahrwarnatürlich,dassichirgendetwasalsallgemeingültigesChristentumdarstellenkönnte,wasinWirklichkeitnur derChurchofEnglandoder(schlimmernoch)nurmirselbsteigenist.Davorversuchteichmichzuschützen,indemichdasursprünglicheManuskriptdesjetzigenZweitenBuchesanvier Geistlicheschickte(einenAnglikaner,einenKatholiken,einen MethodistenundeinenPresbyterianer)undsieumihreBeurteilungbat.DerMethodistfand,ichhättenichtgenugüberden Glaubengesagt,undderKatholikmeinte,ichhättedieBedeutungderTheorien,mitdenenderSühnetodChristierklärtwird, etwaszusehrheruntergespielt.Ansonstenwarenwirunsallefünf einig.DieübrigenBücherhabeichkeinersolchen«Nagelprobe» unterzogen,weildarinzwarauchDingezurSprachekommen, überdieChristenunterschiedlicherMeinungseinkönnen,aber wenn,dannsindesMeinungsverschiedenheitenzwischenEinzelnenoderzwischenDenkschulen,nichtzwischenKonfessionen.

SoweitichesdenBesprechungenunddenzahlreichenBriefen, diemirgeschriebenwerden,entnehmenkann,istdiesemBuch, welcheMängelessonstauchhabenmag,zumindesteinesgelungen:Espräsentierteineinvernehmliches,allgemeines,zentrales oder«bloßes»Christentum.Insofernkannesvielleichtnützlich sein,umderAnsichtentgegenzutreten,wennwirdieumstrittenenPunktebeiseiteließen,bliebeunsnureinverschwommener,

blutleerergemeinsamerNenner.AberdiesergemeinsameNenner istinWirklichkeitnichtnurhandfest,sondernauchscharfkantig. VonallennichtchristlichenÜberzeugungentrenntihneinAbgrund,mitdemauchdieschlimmstenSpaltungeninnerhalbdes Christentumsüberhauptnichtzuvergleichensind.Wennich auchnichtdirektzurSachederWiedervereinigungbeigetragen habe,sohabeichdochvielleichtdeutlichgemacht,warumwir unswiedervereinigensollten.Jedenfallsistmirvonüberzeugten MitgliedernandererKonfessionenalsmeinereigenenkaumetwas vondemberüchtigten odiumtheologicum entgegengeschlagen.Die FeindseligkeitkammehrvondenGrenzgängern,obinnerhalb oderaußerhalbderChurchofEngland:vonMenschen,diesich zukeinerGemeinschaftsorichtigbekennenwollen.AufeineeigentümlicheArtfindeichdaströstlich.InihremZentrum,wo ihretreuestenKinderweilen,stehensichdieverschiedenenKonfessionenamnächsten–wennnichtinderLehre,sodochim Geist.Unddasdeutetdaraufhin,dassesimZentrumeinerjeden vonihnenetwas–oderjemanden–gibt,dertrotzallerunterschiedlichenÜberzeugung,allerVerschiedenartigkeitimTemperament,trotzallerErinnerungenangegenseitigeVerfolgungen inihnenallenmitderselbenStimmespricht.

SovielzumeinerZurückhaltungindogmatischerHinsicht.Im DrittenBuch,dassichmitderMoralbefasst,binichebenfalls übereinigeDingestillschweigendhinweggegangen,allerdings auseinemanderenGrund.SeitmeinemDienstalsInfanteristim ErstenWeltkrieghabeicheineAbneigunggegenLeute,diesich selbstinbehaglicherSicherheitbefinden,aberdenMännernan derFrontallerleiErmahnungenerteilen.Infolgedessenwiderstrebtesmirauch,vielüberVersuchungenzusagen,denenich selbstnichtausgesetztbin.

KeinMensch,vermuteich,istfürjedeSündeanfällig.Der ImpulszumBeispiel,derMenschenzumGlücksspieltreibt,ist

meinerNaturvölligfremd.Zweifellosfehltmirdafürirgendein guterImpuls,dessenÜbertreibungoderPerversionderHang zumGlücksspielist.Deshalbhieltichmichnichtfürqualifiziert, RatschlägeübererlaubtesoderunerlaubtesGlücksspielzuerteilen–fallsesüberhauptjemalserlaubtist,dennnichteinmaldas behaupteichzuwissen.AuchüberEmpfängnisverhütunghabe ichnichtsgesagt,daichwedereineFraunochauchnureinverheirateterMannbinundeinPriesterebensowenig.Ichhieltes nichtfürangebracht,strengeRichtlinienüberSchmerzen,GefahrenundKostenzuvertreten,vordenenichselbstbewahrtbin, zumalichauchkeinseelsorgerlichesAmthabe,dasmichdazu verpflichtenwürde.

WeitgewichtigereEinwändekönntemandagegenerheben–undsiewurdenauchschongeäußert–,dassichdasWort Christ alsBezeichnungfüreinenMenschenverwende,derdieallgemeinenLehrendesChristentumsbejaht.«WersindSieüberhaupt», fragendieLeute,«dassSiefestlegenwollen,wereinChrististund wernicht?»Oder:«Könnteesnichtsein,dasssomancher,deran dieseLehrennichtglaubenkann,inWahrheitvielehereinChrist istunddemGeistChristivielnäherstehtalsmancheGläubigen?»

Nun,ingewissemSinneistdieserEinwandvölligrichtig,überausmenschenfreundlich,zutiefstgeistlichundäußerstfeinfühlig. ErvereintalleVorzügeinsich;nuristerleiderzunichtsnütze. WirkönneneinfachdieSprachenichtsogebrauchen,wiediese Bedenkenträgeresgernhätten,ohneSchiffbruchzuerleiden.Ich willversuchen,diesanhandderGeschichteeinesanderen,weitauswenigerwichtigenWortesdeutlichzumachen.

DasWort Gentleman bezeichneteursprünglicheinmaletwas ganzBestimmtes,nämlichjemanden,dereinWappenführte undLandbesaß.Wennmanjemandeneinen«Gentleman»nannte,somachtemanihmdamitkeinKompliment,sondernsprach lediglicheinenSachverhaltaus.Sagteman,jemandsei«kein

Gentleman»,sobeleidigtemanihndamitnicht,sondernman gabeineInformationüberihnweiter.EswarkeinWiderspruch, wennmansagte,JohnseieinLügnerundeinGentleman,genausowenig,wieesheuteeinWiderspruchist,wennmansagt, JamesseieinDummkopfundeinDr.phil.

AberdannkamenLeuteundsagten–sorichtig,menschenfreundlich,geistlichundfeinfühlig,nurleidernichtnützlich: «Ja,sicher,aberwaseinenGentlemaneigentlichausmacht,ist dochnichtdasWappenoderdasLand,sondernseinVerhalten, oder?EinwahrerGentlemanistdochder,dersichsobenimmt, wieessichfüreinenGentlemangehört,nichtwahr?Indiesem SinneistdochEdwardvielehereinGentlemanalsJohn,finden Sienicht?»

Siemeintenesgut.Wennmanehrbarundhöflichundtapfer ist,istdasnatürlichvielmehrwert,alswennmaneinWappen hat.Nuristesnichtdasselbe.Undschlimmernoch,esistnichts, worübersichalleeinigseinwerden.Nenntmanindiesemneuen, verfeinertenSinnjemandeneinen«Gentleman»,soinformiert mandamitnichtmehrüberdenBetreffenden,sondernmanlobt ihn.Bestreitetman,erseiein«Gentleman»,sobeleidigtmanihn nurnoch.

EinWortaber,dasnichtsmehrbeschreibt,sondernnurnoch einLobausdrückt,sagtnichtsmehrübereinenGegenstandaus: Esverrätunslediglich,wiederSprecherzudemGegenstand steht.(Ein«schönes»EssenistschlichtundeinfacheinEssen, dasdemSprecherschmeckt.)HatmandasWort Gentleman erst einmaldurchVergeistlichungundVerfeinerungvonseinemalten ungehobelten,objektivenSinnbefreit,sobedeuteteskaummehr, alsdassderSprecherdenBetreffendengutleidenkann.Infolgedessenist Gentleman alsWortnutzlosgeworden.Ausdrückeder WertschätzunghattenwirschonzurGenüge;dafürhättenwir diesesnichtauchnochgebraucht.Willdagegenjemandes(zum

BeispielineinerhistorischenAbhandlung)inseinemaltenSinn verwenden,sokannerdasnichttun,ohneeserstzuerklären.Es istfürdiesenZweckverdorben.

Wennwirnunzulassen,dassdieLeuteanfangen,dieBedeutungdesWortes Christ zuvergeistlichenundzuverfeinernoder, wiesievielleichtsagenwürden,zu«vertiefen»,dannwirdsehr raschdarausauchsoeinunnützesWortwerden.Dasfängtdamit an,dassdieChristenselbstesfürniemandenmehrverwenden könnten.Eskommtunsnichtzu,zusagen,werimtiefstenSinne demGeistChristinahoderfernist.WirkönnendenMenschen janichtinsHerzschauen.Wirkönnennichtrichten;esistuns sogarverboten.EswärebodenloseÜberheblichkeit,wennwir vonirgendeinemMenschenbehauptenwürden,erseiindiesem verfeinertenSinneinChristoderebennicht.Undesistklar,dass einWort,daswirnieverwendenkönnen,keinsehrnützliches Wortist.

DieNichtgläubigenwiederumwerdendasWortzweifellos frohgemutinseinemverfeinertenSinnbenutzen.InihremMund wirdessichineinbloßesLobeswortverwandeln.WennsiejemandeneinenChristennennen,werdensiedamitmeinen,dass sieihnfüreinengutenMenschenhalten.AberdieseVerwendung desWorteswirdkeineBereicherungunsererSprachesein,denn dasWort gut habenwirjabereits.DagegenwirddasWort Christ keinerleisinnvollemZweckmehrdienenkönnen.

Deshalbmüssenwirbeiderursprünglichen,klarenBedeutung bleiben.DieBezeichnung Christen wurdeerstmalsinAntiochien fürdie«Jünger»verwendet(Apostelgeschichte11,26),alsofür diejenigen,diedieLehrederApostelannahmen.Esistnirgends dieRededavon,dasssienuraufdiebeschränktwordenwäre,die ausdieserLehredengrößtmöglichenNutzenzogen.EbensowenigistdavondieRede,dasssieaufdiejenigenausgeweitetwordenwäre,dieaufirgendeineverfeinerte,geistliche,inwendige

Weise«demGeistChristivielnäher»standenalsdieUnzulänglicherenunterdenJüngern.EsgehthierwederumeinentheologischennochumeinenmoralischenPunkt.Esgehtlediglich darum,Wörtersozugebrauchen,dasswiralleverstehen,wasgesagtwird.WenneinMensch,derdiechristlicheLehreannimmt, ihrinseinerLebensführungnichtgerechtwird,istesvielklarer, ihneinenschlechtenChristenzunennen,alszusagen,erseigar keinChrist.

Ichhoffe,eskommtkeinLeseraufdenGedanken,das«bloße» ChristentumwürdehieralsAlternativezudenBekenntnissender bestehendenGlaubensgemeinschaftenvorgeschlagen–so,als könntemanessichzueigenmachen,stattkongregationalistisch odergriechisch-orthodoxodersonstetwaszusein.Esisteherso etwaswieeinFoyermitmehrerenTüren,dieinverschiedene Zimmerführen.WennichjemandenindiesesFoyerbringen kann,habeicherreicht,wasichwollte.AberdieKaminfeuer,die StühleunddiegedecktenTischesindindenZimmern,nichtim Foyer.ImFoyerkannmanaufjemandenwartenoderverschiedeneTürenprobieren,aberwohnenkannmandortnicht.FürdiesenZweck,glaubeich,wäreauchdasschlechtesteZimmer(welchesauchimmerdasist)nochvorzuziehen.Freilichkannessein, dassmancheLeutesicheinigeZeitimFoyeraufhaltenmüssen, währendandereimNugenauwissen,anwelcheTürsieklopfen müssen.WarumesdieseUnterschiedegibt,weißichnicht,aber ichbinsicher,dassGottniemandenwartenlässt,esseidenn,er sieht,dassdasWartenfürdenBetreffendengutist.WennSie dannschließlichinIhrZimmerkommen,werdenSiefeststellen, dassdaslangeWartenIhnenirgendeinenNutzengebrachthat, denSiesonstnichtgehabthätten.AberSiesolltenesalseineWartezeitbetrachten,nichtalsdauerhaftenLagerplatz.SiemüssenbeharrlichumWegweisungbeten;undnatürlichmüssenSiesich auchimFoyerschonbemühen,dieRegelnzubeachten,dieim

ganzenHausgelten.VorallemmüssenSiesichvonderFrageleitenlassen,welcheTürzurWahrheitführt,nichtdavon,beiwelcherIhnendieFarbeunddieVertäfelungambestengefallen.Einfachausgedrückt,solltedieFragenielauten:«Gefälltmirdiese ArtvonGottesdienst?»,sondern:«Istdaswahr,washiergelehrt wird?GibteshierHeiligung?FührtmichmeinGewissenindiese Richtung?Wennichzögere,andieseTürzuklopfen,liegtesvielleichtnuranmeinemStolz,anbloßenGeschmacksfragenoder daran,dassmirderTürsteherpersönlichunsympathischist?»

WennSiedannIhrZimmergefundenhaben,seienSiefreundlichzudenen,diesichfürandereTürenentschiedenhabenoder nochimFoyerausharren.SolltensieimIrrtumsein,brauchensie IhrGebetumsomehr;undsolltensiegarIhreFeindesein,istes sogarIhrePflicht,fürsiezubeten.DasisteinejenerRegeln,die imganzenHausgelten.

RechtundUnrecht alsSchlüsselzumSinn desUniversums

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DasGesetzder menschlichenNatur

JederhatschoneinmalLeutemiteinanderstreitenhören.Manchmalhörtsichdasulkigan,manchmalauchnurunangenehm. Aberegal,wieessichanhört:Ichglaube,wirkönnenetwassehr Wichtigeslernen,wennwirgenauhinhören,wasdasoallesgesagtwird.DahörtmanSätzewiediese:«Wiewürdedirdasgefallen,wennjemandsomitdirumgehenwürde?»–«Dasistmein Platz,ichwarzuersthier.»–«LassihndochinRuhe,erhatdir dochüberhauptnichtsgetan.»–«WiekommenSiedazu,sichso einfachvorzudrängeln?»–«GibmirwasvondeinerApfelsineab, ichhabedirjaauchvonmeinerabgegeben.»–«Kommschon,du hastesversprochen.»SolcheSachensagendieLeutejedenTag, egal,obesgebildeteoderungebildeteLeuteundobesKinder oderErwachsenesind.

WasichanalldiesenBemerkungeninteressantfinde,ist,dass derjenige,dersoetwassagt,damitnichtbloßausdrückt,dassdas VerhaltenderanderenPersonihmnichtgefällt.Sondernerberuft sichaufirgendeinenVerhaltensmaßstabundgehtdavonaus,dass dieserauchderanderenPersonbekanntist.UnddieAntwortdes anderendarauflautetnurindenseltenstenFällen:«SteckdirdeinenMaßstabsonstwohin.»Stattdessenversuchterfastimmer, plausibelzumachen,dassseinVerhalteninWirklichkeitgar nichtgegendenMaßstabverstoße,oderwenndoch,dassesirgendeinebesondereEntschuldigungdafürgebe.ErziehtirgendeinenbesonderenGrundherbei,warumindiesemspeziellenFall diePerson,diezuerstaufdemPlatzsaß,ihnnichtbehaltensollte. Oderersagt,dieSituationseijaeineganzanderegewesen,alser einStückvonderApfelsineabbekam.Oderesseiirgendetwasda-

Die Seiten 28 –263 sind nicht in dieser Leseprobe erhalten.

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