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Der

Verena Unsin

Randgänger Roman


© 2011 Brunnen Verlag Gießen www.brunnen-verlag.de Lektorat: Eva-Maria Busch Umschlagmotiv: Photocase (PNetzer), Shutterstock Umschlaggestaltung: Sabine Schweda Satz: DTP Brunnen Herstellung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-7655-7227-2


Diese Geschichte ist meinen Geschwistern gewidmet. Und allen, die einen Benn brauchen.


Das erste, was er wahrnahm, waren die Gerüche. Sie brandeten ihm entgegen wie Wellen, als er durch die Straßen taumelte, noch leicht benommen von seinem Aufprall. Hier ein Gemisch aus Zwiebeln und gebratenem Fleisch, da eine süße schwere Wolke von Parfüm, dann der Fluss, als er sich am Brückengeländer entlanghangelte, der Geruch von Wasser, braunem, rasch dahin fließendem Wasser, frisch und gleichzeitig dumpf von all der angeschwemmten Erde und dem Unrat nach dem letzten starken Regen. Die Menschen um ihn schienen nur eine graue Masse zu sein. Er riss seine Augen weit auf. Nach und nach gewöhnten sie sich an das neue Sehen. Er begann, weltlich zu sehen, Farben und Formen klar wahrzunehmen. Schlagartig wurde ihm bewusst, dass auch sie ihn jetzt sehen konnten. Seine Hände griffen Halt suchend nach dem nächsten Laternenpfahl. Die Kälte des Metalls durchdrang ihn. Er wich zurück wie ein Kind, das zum ersten Mal in seinem Leben auf eine heiße Herdplatte gefasst hat. Er besah seine Hände. Sie waren mit echter Haut überzogen und von feinen Linien durchfurcht. Vorsichtig legte er sie noch einmal an den Laternenpfahl. Die Kälte erschreckte ihn diesmal nicht mehr. Er bewunderte diesen magischen Organismus, in dem er sich nun befand. Eine Berührung reichte aus, um sich Informationen über den Gegenstand zu verschaffen. Dort, wo er herkam, war es stets nur ein Gedanke, der ihm etwas zutrug, 7


manchmal auch ein gesprochenes Wort. Aber man begriff die Dinge nicht mit dem Leib. Nein, dieser Organismus mit seinen fünf Sinnen war für ihn eine vollkommen neue Erfahrung. „Ist es wirklich nötig, dass ich falle?“, hatte er seinen Meister gefragt, obwohl ihm klar war, dass sein Meister immer genau wusste, was nötig war. „Du kannst meinen Auftrag nur ausführen, wenn du dich angleichst. Sie haben Angst vor dem Fremden“, gab der Meister zurück, ohne sich im Geringsten über den Einwand seines Dieners aufzuregen. Und hier war er nun – gefallen. In den Raum zwischen Himmel und Tiefe. Diese geschaffene Mitte, dieser seltsame Lebensraum, das Mezzanin. Er versuchte sich in dem ungewohnt schummerigen Licht zu orientieren. Dies war nicht die gleißende Helligkeit, die er kannte. Hier schien alles grauer zu sein oder lag das an der Stadt? Vielleicht war auch gerade das, was man hier im Mezzanin „Abend“ nannte. Er musste irgendwie herausfinden, welche Tageszeit gerade war. Der alles überragende Kirchturm schien ihm der richtige Ausgangspunkt zu sein, zumindest erweckte er eine gewisse Vertrautheit. Die hohen gotischen Fenster schimmerten düster, die große Turmuhr zeigte mit ihrem großen Zeiger auf die Zehn, mit ihrem kleinen schien sie kurz vor der Acht zu stehen. Nach Morgen sah es ihm nicht aus, der Sonnenball berührte den westlichen Horizont. Abend also. Er erklomm die vielen Stufen, die zur Kirche hinaufführten, und trat unter dem Torbogen hindurch. Als er versuchte, die Türklinke des großen Eingangsportals herunter8


zudrücken, hörte er eine Stimme hinter sich: „Die Kirche ist für heute geschlossen, mein Sohn. Kommen Sie morgen um zehn zur Messe.“ Schlagartig wurde ihm bewusst, dass er nun nicht mehr sehen konnte, was rund um ihn herum geschah. Sein Blickfeld war stark eingeschränkt, sodass er sich umwenden musste, um den Sprecher zu erkennen. Da stand ein kleines Männchen mit grauem, schütterem Haar, in eine lange schwarze Tracht gehüllt. „Früher bin ich da schon mal gewesen“, gab er zur Antwort. Er sprach zum ersten Mal persönlich mit einem Menschen. „Ach, sind Sie aus dieser Gemeinde? Ich kann mich gar nicht an Sie erinnern, dabei bin ich hier schon seit fünfunddreißig Jahren Priester … Aber Sie sehen mir höchstens wie Mitte zwanzig aus … Vielleicht kann ich mich nur noch an Sie als Kind erinnern?“ „Oh, das glaube ich nicht. Ich war hier, bevor Sie angefangen haben …“, gab er zurück und bereute sogleich seine Antwort. Wahrscheinlich stiftete er bei dem alten Mann ungewollt nur Verwirrung. Der Priester runzelte die Stirn und sah ihn misstrauisch an. Er vermutete eine psychische Störung und wollte keinen Ärger haben. Vor allem nicht hier, vor „seinem“ Gotteshaus. „Nun ja, wie dem auch sei. Sie sehen, für heute ist hier geschlossen“, wiederholte er und machte mit seinen Händen eine Geste, als wolle er ihn die Treppe hinuntergeleiten. „Danke. Ich möchte trotzdem noch einen Moment hier stehen“, gab er zurück. 9


Der alte Priester schien noch etwas erwidern zu wollen, aber etwas in der Stimme des Fremden ließ ihn verstummen. Er nickte kurz und machte sich auf den Heimweg. Er betrachtete die von der Witterung abgeschliffenen Steine, aus denen das Gebäude vor gut sechshundert Jahren in den Himmel gezogen worden war. Die hohen Spitzen zu beiden Seiten des Turms, die filigranen Verzierungen und Kanten. Wenn er die Augen schloss, hörte er wieder die Musik der Werkzeuge, das Hämmern und Klopfen der Steinmetze und Zimmerleute. Er erinnerte sich an die Stimmen des ersten Chors, der die Gewölbe erfüllt hatte. Am meisten jedoch drang Raunen und Rauschen der Abermillionen Gebete in sein Ohr. Diesen umfassenden, nie abreißenden Schwall an Bitten, Flehen, Geschrei und Jubel vermochte nur der Meister selbst zu deuten. Für alle seine Diener war es unerklärlich, wie er jeden dieser Klänge in allen Sprachen und Arten seinen Geschöpfen zuordnen konnte … bis er dann einen von ihnen rief und sagte: „Bewache das Krankenzimmer von Jerome, er braucht Schutz.“ Dabei wussten seine Diener genau: Wenn sie den Auftrag ausführten, würden sie ihren Meister auch selbst dort antreffen: in jenem Krankenzimmer, auf dem Schlachtfeld oder im Schwimmbad. Trotzdem schickte er sie. Er ließ sie gern spüren, dass sie nützlich waren. Und nun sollte er sich nützlich machen … hier im Mezzanin. Allerdings steckte er zum ersten Mal in diesem körperlichen Erscheinungsbild. Er spürte die Gegenwart des Meisters und war erleichtert. „Wohin?“, fragte er leise. „Mach dich auf den Weg. Er ist gerade nach Hause gekommen“, antwortete der Meister. 10


„Zu Fuß?“, erkundigte er sich sicherheitshalber noch einmal. „Es ist nicht sehr weit“, lautete die tröstliche Antwort.

Er blickte nach unten. Wind zerrte an seinem Haar. Er sah die parkenden Autos am Straßenrand, den grauen Asphalt und die Kronen der zwei Bäume am Haus gegenüber. Auf der Straße waren nur wenige Leute unterwegs. Die Frau mit dem Dackel kam vom Einkaufen zurück, ein Mann mit einer schmutzigen blauen Latzhose stieg aus dem Bus am Eck, eine Zeitung unter den Arm geklemmt. Er kramte den Schlüssel für das mintgrün gestrichene Wohnhaus aus der Hosentasche und verschwand im Hauseingang. Er ließ die Füße baumeln und genoss das leichte Kribbeln im Bauch. Es lag ganz und gar in seiner Hand, das Sitzen oder Fortgehen, das Spiel mit der Gefahr. Er saß oft hier, die Beine über die Dachkante hängend. Es gab ihm ein Gefühl von Macht. Irgendwann hatte er genug davon, nach unten zu schauen. Also ließ er sich, auf seine Arme gestützt, nach hinten gleiten, legte sich mit dem Rücken auf den kalten grauen Beton, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und betrachtete den Himmel. Hier auf dem Dach konnte man nachdenken, zur Ruhe kommen. Keiner nervte einen mit Fragen. Hier oben hatte er noch nie eine Menschenseele getroffen. Was sollte auch auf dem Dach eines hässlichen Wohnblocks Interessantes zu finden sein? Außerdem warnte ein Schild an der Stiege: „Betreten des Daches ist Unbefugten nicht gestattet.“ 11


Was wohl so viel heißen sollte wie: „Verpiss dich, wenn du kein Schornsteinfeger oder Dachdecker bist.“ Das war ihm egal. Er liebte das Dach. Eben flog eine Taube vorbei, und er setzte sich wieder auf, um in seiner Jackentasche nach einem Päckchen Zigaretten zu suchen. Er fand die Schachtel und nahm den letzten Glimmstängel heraus. Aus seiner Hosentasche beförderte er ein Feuerzeug zutage und schirmte die Flamme ab, während er die Zigarette in Brand setzte. Er nahm einen tiefen Zug und lehnte sich dann wieder zurück. Graue Wolken machten sich breit, der Wind nahm zu. Es sah so aus, als ob die Wettermelder mal wieder recht behalten sollten. Die hatten Regen angekündigt. Als die Tür zum Dach klapperte, dachte er erst, er hätte sie nicht richtig geschlossen und der Wind würde nun sein Spiel mit ihr treiben. Er warf einen müden, unmotivierten Blick hinüber und fuhr im nächsten Moment zusammen. Den Mann, der da plötzlich stand, hatte er noch nie gesehen. Es war niemand aus dem Haus und auch niemand, den er aus der Gegend kannte. Was wollte der hier? Und vor allem: Was musste er seine angenehme Einsamkeit stören? Der Mann kam langsam näher. Er richtete sich auf, zog aber weiter an seiner Zigarette, entschlossen, sich zu behaupten. „Hallo“, sagte der Mann. Er sah jung aus, aber seine Augen wirkten seltsam alt. Er hatte einen kahlen Kopf, trug eine Jeans und einen schwarzen Kapuzenpullover, dem seinen nicht unähnlich. „Hi“, gab er zurück. Am liebsten hätte er gesagt: „Verpiss dich, das ist mein Platz!“ Aber er wollte keinen Stress ma12


chen, ohne zu wissen, warum der Typ überhaupt da war. „Wohnen Sie hier?“, fragte er gelangweilt. Der Mann schüttelte den Kopf. „Nicht direkt, nein. Aber ich suche jemanden.“ Er legte die Stirn in Falten und musterte den Fremden argwöhnisch. „Sind Sie sicher, dass hier oben der passende Ort dafür ist?“ „Ich wurde hierher geführt“, gab der Fremde zurück. Er begann fieberhaft nachzudenken. Hatte er in letzter Zeit etwas verbockt? Waren die Bullen hinter ihm her? Ihm fiel absolut nichts ein, das einen Zivilfahnder rechtfertigen würde. Okay, er hatte zweimal Kippen mitgehen lassen, das war aber auch schon alles … Vielleicht war das ja auch ein Irrer, der ’nen passenden Ort für einen gepflegten Abgang suchte … Damit wollte er gleich zweimal nichts zu tun haben. „Ähm, Sie, Sie haben doch nicht vor runterzuspringen, oder?“, wagte er zu fragen. Wenn ja, musste er schließlich die Bullen rufen. Und darauf hatte er absolut keinen Bock. „Nicht doch, ich bin heute schon gefallen“, gab der Fremde unbekümmert zurück. Nun wurde es ihm wirklich etwas mulmig. Der Kerl schien echt nicht ganz dicht zu sein … Er sollte einfach versuchen, sich unauffällig aus dem Staub zu machen. „Glaub ich sollte dann mal wieder …“ Er drückte seine Kippe aus und wandte sich zum Gehen. „Warte“, bat ihn der Fremde und er drehte sich wieder zu ihm. „Du bist der Einzige hier oben, nicht wahr?“ „Jetzt nicht mehr“, gab er patzig zurück. Der Fremde lächelte. „Dann habe ich dich also gefunden … Du musst mir verzeihen, ich hatte kein rechtes Bild 13


von dir, jedenfalls nicht in dieser … ähm, Optik … Ich meine, ich kannte nicht deine Form in dieser Realität.“ „Sag mal, was quatschst du denn da für ein Zeug? Ich glaub, es wäre besser, du suchst dir ’nen anderen Ort, bis du wieder nüchtern bist. Ich will mir nix anhängen lassen …“ Er wollte nun endgültig gehen und öffnete die Tür zum Dachboden. „Adrian …“ Ihm lief ein kalter Schauer den Rücken herunter. Er erstarrte mitten in seiner Bewegung und seine Hand krampfte sich um die Türklinke. Woher zum Teufel wusste der Typ … „Adrian, das bist du doch, oder? Ich wollte dich treffen“, sagte der Fremde. Auf einmal klang es gar nicht mehr so irre und abgedreht. Adrian wandte sich wieder zu ihm hin. „Wieso denn?“ Er ärgerte sich, dass seine Stimme so dünn klang. Der Fremde lächelte. „Einfach, weil es so bestimmt wurde. Erlaube mir, mich vorzustellen: Nenn mich Benn.“ Benn? Ein Allerweltsname … bestimmt nicht sein richtiger. Hier war etwas oberfaul! „Kommen Sie … von ’ner Behörde oder so?“ Benn schien nachzudenken. Dann wanderte ein Lächeln über sein Gesicht. „Nicht wirklich, nein. Manchmal vielleicht vergleichbar damit. Aber dennoch völlig anders.“ „Aha. Verstehe“, gab Adrian zurück, obwohl er überhaupt nichts verstand. „Mach dir keine Gedanken. Ich wollte dich nicht erschrecken. Dir droht keine Gefahr von mir, ganz im Gegenteil. Ich bin hier, um dir zu helfen.“ 14


„Was? Ich glaub, ich hör nicht recht. Ich brauch keine Hilfe, klar? Wofür auch?“, brauste Adrian auf. Benn verneigte sich leicht, was in seinem Aufzug etwas merkwürdig anmutete. Wenn er Kleidung wie in einem dieser Mittelalterfilme getragen hätte, wäre es perfekt gewesen. „Ganz wie du es wünschst. Dann werde ich demnächst wieder vorbeischauen.“ Adrian glaubte seinen Augen nicht, als er sah, wie der Fremde zur Dachkante ging, einen Schritt zu viel machte und von der Bildfläche verschwand. Er brauchte einen Moment, bis er sich wieder so weit gefangen hatte, dass er es wagte, ganz langsam an die Dachkante zu gehen. Er fürchtete sich vor dem Blick nach unten, nahm aber schließlich all seinen Mut zusammen. „Scheiße“, murmelte er. Auf dem Asphalt war nichts. Der seltsame Fremde hielt sich auch nicht irgendwo am Dachfirst fest. Er war einfach spurlos verschwunden. Adrian hatte auch kein Geräusch eines Aufpralls vernommen. Einfach nichts. Das war doch eine ganz normale Zigarette gewesen, die er gerade geraucht hatte? Er hatte sich doch diesen Fremden nicht herbeihalluziniert … Adrian jagte ein kalter Schauer über den Rücken. Er glaubte nicht an übernatürliche Phänomene, auch wenn er gern solche Filme schaute oder Spiele zockte. „Mit mir stimmt was nicht. Eindeutig. Jetzt hab ich den Beweis“, murmelte er verstört. Vorsichtig bewegte er sich rückwärts von der Dachkante weg, bis sein Rücken gegen die Metalltür zum Dachgeschoss stieß. Plötzlich konnte er nicht schnell genug die Treppenstufen hinunterkommen. Vor der 15


Wohnungstür in der vierten Etage kramte er fahrig seinen Schlüsselbund aus der Tasche, öffnete, knallte die Tür gleich wieder zu und schloss sogar ab. Zitternd sackte er im Flur zusammen. Vergeblich versuchte er zu verstehen, was gerade geschehen war. „Vielleicht sollte ich im Internet nach Krankheitsbildern suchen, die von Halluzinationen begleitet sind“, dachte er und schaffte es schließlich, sich wieder hochzurappeln. Er lief in sein Zimmer und zog seine Jacke aus, die achtlos auf dem Bett landete. Er schaltete seinen Computer ein, ging online und googelte „Krankheitserscheinung Halluzination“. Er fand dort so viele Links, dass er es aufgab und bei einem Internetlexikon nachschlug. Dort las er, dass Pseudohalluzinationen auch durch Schlafmangel entstehen können. Schlafmangel? Adrian wusste, dass er fast immer zu wenig Schlaf bekam. Er war zwar häufig todmüde, vor allem in der Schule, schaffte es aber meist nicht, vor drei oder vier Uhr nachts einzuschlafen. Abends sah er sich Filme von seinem Bett aus an, bis ihm die Augen zufielen. Vielleicht sollte er doch ernsthaft versuchen, sich das abzugewöhnen. Er ging in die Küche und machte sich einen Tee.

Benn stand in der dunklen Straße. In dem Wohnhaus brannte kein einziges Licht mehr, es war schon weit nach Mitternacht. Er besah sich die Sterne und wartete. Langsam gewöhnte er sich an das Gefühl von Wind, der die Haut seines Gesichtes streichelte. Er sog tief Luft durch seine Na16


senlöcher ein und staunte nicht schlecht über die Kälte, die sich bis in die Lungenflügel zu verteilen schien. Die Straße war abschüssig und führte steil den Berg hinab, bis sie dort unten in die Hauptstraße mündete. Niemand war unterwegs. Mehrere Autos, darunter ein silberner Mercedes, parkten auf dem Seitenstreifen neben dem Fußweg. Als Benn die drei Nachtschwärmer kommen sah, trat er in eine dunkle Hofeinfahrt. Bald schon vernahm er die Stimmen der drei jungen Männer. „He, was ist denn mit dem Golf los? Der rollt ja …“ „O nee, da muss sich die Handbremse gelöst haben.“ „Na und, ist doch nicht unser Problem …“ „Der hängt gleich dem Mercedes drauf. Schnell, helft mir schieben!“ Der erste der Männer stemmte sich nun, so gut er konnte, gegen den Golf, während ein zweiter sich nach einem Keil oder irgendetwas, das sich zum Unterlegen eignen würde, umsah. Der dritte warf schließlich genervt seine Zigarette auf den Boden, trat sie aus und fasste mit an. Der Golf stand nun Stoßstange an Stoßstange mit dem Mercedes, während sich die Männer bemühten, ein paar große Steine als improvisierte Bremsklötze vor die Reifen zu legen. Benn spürte genau, dass sein Moment gekommen war. Er ging schnurstracks zu dem Mercedes und betätigte die Öffnungstaste an seinem Autoschlüssel. Die Lichter des Wagens blitzten kurz auf und die Männer sahen zu ihm hinüber. „Ist das Ihrer? Ich fürchte, der hat ’ne Delle. Aber da müssen Sie sich an den Golfbesitzer wenden, wir sind nur zufällig hier vorbeigekommen“, beeilte sich der eine zu sa17


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