STEVE VOLKE
KRAFT der VERSÖHNUNG Die
Ruanda: die unglaubliche Geschichte von Vital Nsengiyumva
Über den Autor: Steve Volke (Jg. ’61) lebt in Marburg, ist verheiratet mit Anke und Vater von 4 erwachsenen Töchtern. Der Journalist, Referent und Foto graf ist in seinem Hauptberuf CEO des Kinderhilfswerks Compas sion (Marburg). Volke ist Autor von über 35 Titeln, von denen sechs in anderen Sprachen und Ländern veröffentlicht wurden.
Die Bibelstellen sind der Übersetzung „Hoffnung für alle“ entnom men (Hfa) ©1983, 1996, 2002, 2015 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Fontis.
©2022 Brunnen Verlag GmbH, Gießen Lektorat: Stefan Loß Umschlagfoto: Steve Volke, Marburg Umschlaggestaltung: Carla-Annabell Muntean, Marburg Satz: Brunnen Verlag Druck: GGP Media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN Buch 978-3-7655-3655-7 ISBN E-Book 978-3-7655-7669-0 www.brunnen-verlag.de
Inhalt
1
Ruanda – die blühende Perle O stafrikas
5
2
Ein Tag fürs Geschichtsbuch
8
3
Der Tag, an dem alles anders wurde
13
4
Eine Kindheit mit Kühen
17
5
Die Kommandozentrale des Teufels
24
6
Was Deutsche und Belgier verursacht haben
29
7
Eine Familie auf der Flucht
37
8
Wie Kirchen zu Komplizen wurden
44
9
Weiterleben mit dem Schmerz
49
10 Es braucht ein ganzes Dorf …
53
11
Auf der Suche nach Gerechtigkeit
58
12
Bildung für ein besseres Leben
64
13
Die Brückenbauer der Versöhnung
70
14
Wenn Mitgefühl ins Leben kommt
76
15
Die Welt gehört in Kinderhände
82
16
Eine Entscheidung in einer anderen Welt
87
17
Lustig ist das Studentenleben – von wegen
92
18
Mein Weg nach Deutschland
97
19
Dorrit – eine Liebesgeschichte
103
20 Versöhnung – was sonst?
107
21
Ruanda – ein Land mit Zukunft
115
22 Mein Engagement für eine bessere Welt
120
23 Zum guten Schluss (ein Nachwort)
123
Kinder aus Armut befreien
126 3
1 Ruanda – die blühende Perle Ostafrikas
Ruanda – das „Land der tausend Hügel“ in Ostafrika. Eine echte Perle mit wunderschönen Landschaften und unzähligen Tee- und Kaffeeplantagen. Kleine Dörfer zwischen Hügeln, atemberaubende Schönheit. Ruanda ist ein Binnenstaat zwischen Uganda, Tansania, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo gelegen. Ruanda – das Land der Berggorillas, Elefanten, Flusspferde, Schim pansen, Löwen, Leoparden – und jeder Menge Kühe, Ziegen und Schafe. Atemberaubende Landschaften, eine Natur voller Tierreich tum und nebelverhangener Berge der Ur- und Regenwälder. All das prägt Ruanda und hat dem Land bei Europäern den Ruf der „Toska na Ostafrikas“ eingebracht. Ein Traum, wäre da nicht auch die andere Seite des Landes, die Ruanda 1994 fast in Schutt und Asche gelegt hätte: der Völkermord an den Tutsi. Knapp eine Million Menschen verloren ihr Leben. Hass breitete sich aus. Freunde wurden zu Feinden, Nachbarn zu Gegnern, Jugendliche zu Mördern, Priester und Kirchen zu Verrätern, Welt politiker zu ignoranten Versagern, die Vereinten Nationen (UN) zu Feiglingen, Frankreich, Belgien und Deutschland zu üblen Mittätern aus der Ferne. Wer wissen will, wie Hass geboren wird und was er bewirken kann, muss sich die Geschichte Ruandas anschauen. Mittendrin ein vierjähriges Kind, das mit seinen Eltern und acht Geschwistern über Nacht zum Flüchtling wird: Vital Nsengiyumva. 5
Eine andere Geschichte. Eine Geschichte von Verrat unter Nachbarn, von Mord und Totschlag, von existenziellen Ängsten, aber auch von der Kraft der Versöhnung, die ein Land, ein Dorf, eine Familie er greift – und die doch noch lange nicht zu Ende ist. Versöhnung muss gelebt werden. Hass, Rachegedanken und Ver geltung versuchen immer wieder neu die Oberhand zu gewinnen. Dennoch: Versöhnung kann geschehen, wenn wir die Kraft der Lie be Gottes durch uns hindurchfließen lassen. Das hat Auswirkungen auf unser ganzes Leben – auch darüber werden wir in diesem Buch sprechen. Ich habe mich auf den Weg gemacht, um Vital in seine alte Heimat zu begleiten. Das Dorf Magu liegt etwa anderthalb Stunden entfernt im Süden der Hauptstadt Kigali. Hier ist Vital aufgewachsen, hier hat er seine Kindheit verbracht. Als wir losfahren, lichtet sich der Nebel langsam über dem Tal. Aufgesogen von der Kraft der Sonne. Es ist noch früh am Morgen und ich sitze im Mini-Van. Es geht über hügelige Straßen, vorbei an tiefen Tälern und im wahrsten Sinn über Stock und Stein. Nach gut anderthalbstündiger Fahrt haben wir unseren Zielort er reicht: Magu Village. Das Dorf, in dem 1994 alles begann: Vitals Vater wurde im Genozid getötet, der Mörder kam aus der Nachbar schaft. Seine Mutter war traumatisiert, setzte aber alles daran, dass die Familie überlebte. Der Abstieg der Familie vom gehobenen Mittel stand hin zur Armut folgte in kürzester Zeit, trotzdem werden sieben der neun Geschwister später ein Universitätsstudium absolvieren und die gesamte Familie wird zu einem guten Leben zurückfinden. Dabei hätte alles ganz anders kommen können, • wenn da nicht eine aufopferungsvolle Mutter gewesen wäre, die ihre Familie mit viel Gottvertrauen, Entschlossenheit und Liebe durch eine sehr dunkle Zeit gebracht hätte. • wenn es im nahen Ruyumba nicht eine Kirchengemeinde ge geben hätte, die sich um die Entwicklung der Kinder kümmerte und eine wichtige Rolle im Versöhnungsprozess spielte. 6
• wenn es nicht in einem anderen Teil der Welt Menschen wie Tanner Green gegeben hätte, die durch die Vermittlung des Kinderhilfswerkes Compassion Verantwortung für Kinder aus ärmsten Verhältnissen übernahmen. • wenn es keine Menschen gegeben hätte, für die Worte wie Ver gebung und Versöhnung trotz eigener schmerzvoller Erlebnisse und Erfahrungen keine Fremdworte waren. • wenn es keinen Gott geben würde, dem Vital wichtig war und der sich um seinen Lebensweg gekümmert hat. Und wenn … … es da nicht die junge Frau aus Deutschland gegeben hätte, die ein Freiwilliges Soziales Jahr in Ruanda absolvierte und in die sich Vital wenige Wochen vor seiner Abreise zum Auslandsstudium in Deutschland Hals über Kopf verliebte. So viel sei verraten: Ihre Kinder sagen heute „Papa“ zu Vital. Aber das ist nicht die einzige Geschichte, die dieses Buch erzählt. „Ikaze“, sagen die Menschen in Ruanda, wenn sie jemanden herz lich willkommen heißen. Und dann fangen sie an zu erzählen … „Ikaze!“
7