Todd Nettleton
Wenn Glaube verboten ist 40 Tage unterwegs mit verfolgten Christen Übersetzt von Dr. Friedemann Lux
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This book was first published in the United States by Moody Publishers, 820 N. LaSalle Blvd., Chicago, IL 60610 with the title „When Faith Is Forbidden – 40 Days on the Frontlines with persecuted Christians“ copyright ©2021 by Todd Nettleton & Voice of the Martyrs. Translated by permission. All rights reserved. Die amerikanische Originalausgabe erschien unter dem Titel: „When Faith Is Forbidden – 40 Days on the Frontlines with persecuted Christians“ Todd Nettleton / The Voice oft he Martyrs © Todd Nettleton & Voice of the Martyrs 2021 Obwohl alle Ereignisse in diesem Bericht den Tatsachen entsprechen, wurden einige Namen und identifizierende Details zum Schutz der betroffenen Personen geändert. Die Bibelzitate der deutschen Ausgabe wurden entnommen: NGÜ: Neue Genfer Übersetzung, Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten LÜ: Lutherbibel revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. NLB: Neues Leben. Die Bibel, © der deutschen Ausgabe 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen Hfa – Hoffnung für alle®, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica, Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von Fontis – Brunnen Basel. O. Chambers, Mein Äußerstes für sein Höchstes, Neuhausen: Hänssler, 1998, S. 338 f.
© 2023 der deutschen Ausgabe: Brunnen Verlag GmbH www.brunnen-verlag.de Lektorat: Stefan Loß Umschlaggestaltung: Jonathan Maul Umschlagfotos: Adobe Stock Fotos Innenteil: privat Druck: GGP Media GmbH, Pößneck ISBN Buch: 978-3-7655-3630-4 ISBN E-Book: 978-3-7655-7681-2
Für Charlotte. Jede der Geschichten auf diesen Seiten, jede Reise nach Bangalore, Peking oder Baku bedeutete für dich Tage als alleinerziehende Mutter, Nächte, in denen du alleine im Bett lagst. Und doch hast du mich immer wieder ziehen lassen, mich betend in Gottes Hand gelegt. Ich habe deine Opfer gesehen. Unser himmlischer Vater hat sie auch gesehen. Die Geschichten in diesem Buch sind die Frucht unseres Dienstes – denn du warst auf Schritt und Tritt als meine vollwertige Partnerin mit dabei. Für alle, die bereit sind, für Christus zu leben, egal, was es kostet: Ich hoffe, lieber Leser, dass auch Sie dazugehören wollen. Christus ist es wahrlich wert!
Inhalt Vorwort der deutschen Ausgabe Tag der Abreise: Checkliste vor dem Flug 1. Tag: Außer unserer Kontrolle 2. Tag: „Früher habe ich ihn geschlagen“ 3. Tag: „Wir haben alles, was wir brauchen“ 4. Tag: „Ich bin ein lausiger Schwimmer“ 5. Tag: „Das ist ja beides nichts Schlimmes!“ 6. Tag: „Diese Hoffnung gibt mir immer wieder Kraft“ 7. Tag: Von einem, der der Beste sein wollte – Teil 1 8. Tag: Von einem, der der Beste sein wollte – Teil 2 9. Tag: Verfolgung ist die Regel, nicht die Ausnahme 10. Tag: „Wir hatten lange gebetet ...“ 11. Tag: Angst in Eritrea 12. Tag: „Wenn Gott uns gebrauchen kann“ 13. Tag: Heilige Gewohnheiten 14. Tag: Kugellöcher im Mantel 15. Tag: Ein Grabstein als Zeugnis 16. Tag: „Es war eine wunderbare Zeit“ 17. Tag: „Er liebt Gott jetzt noch mehr“ 18. Tag: Sag Ja zu Gottes Plänen 19. Tag: Die Gefängnisbibel 20. Tag: „Wir alle wissen es“ 21. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 1 22. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 2 23. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 3 24. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 4 25. Tag: Ein doppelter Anteil – Teil 5 26. Tag: „Wenn die ganze Welt an Jesus glauben würde“ 27. Tag: Eine Trauerpredigt
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28. Tag: „Nehmen sie das als Toilettenpapier“ 29. Tag: „Niemand wird das Evangelium stoppen!“ 30. Tag: „In den Fuß-stapfen der Apostel“ 31. Tag: „Ich will euch Ruhe schenken“ 32. Tag: Können Sie beweisen, dass Sie Christen sind? 33. Tag: „Selbst der Koran sagt, dass Jesus wiederkommt“ 34. Tag: Gefolterte Hände – Teil 1 35. Tag: Gefolterte Hände – Teil 2 36. Tag: Eine Predigt in Laos 37. Tag: „Wir vermissen ihn so sehr“ 38. Tag: Von einem, der auf dem Friedhof schlief 39. Tag: Gebet für ihren Peiniger 40. Tag: Ein Erbe hinterlassen Danksagungen
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Vorwort der deutschen Ausgabe „Durch meine Gefangenschaft haben die meisten Christen neuen Mut gewonnen.“ Paulus (Philipper 1,14). „Wenn Glaube verboten ist“ nimmt den Leser mit auf eine 40-tägige Reise zu radikaler Nachfolge. Das Buch stellt jeden Tag Erlebnisse verfolgter Christen vor, verbunden mit Fragen, die den eigenen Glauben herausfordern. Es sind Fragen zum Nachdenken. Eigene Erkenntnisse können am Ende jedes Kapitels notiert werden. So wird das Buch zu einem kleinen Jüngerschaftskurs. Der Autor, Todd Nettleton, ist Mitarbeiter der „Stimme der Märtyrer“ („Voice of the Martyrs“, kurz: VOM) in den USA, einer Organisation, die sich für verfolgte Christen einsetzt. Als Christen bilden wir zusammen mit unseren bedrängten Mitchristen den einen Leib Jesu auf dieser Welt und können uns von daher nicht der Verantwortung entziehen, den leidenden Gliedern an diesem Leib beizustehen und für sie zu beten. Die Beziehungen zur verfolgten Gemeinde Jesu sind aber keine Einbahnstraße. Todd Nettleton macht sich zur „Stimme der Märtyrer“ und gibt so den geistlichen Segen weiter, den er durch Begegnungen mit ihnen empfangen hat. Was Todd Nettleton da zu Papier bringt, liegt auch uns als „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ am Herzen: Christen im Westen sollen durch das Zeugnis der verfolgten Gemeinde zu mutiger Jesusnachfolge herausgefordert werden. Bei meinen Reisen zu verfolgten Christen durfte ich immer wieder erfahren: Eigentlich war ich gekommen, um die bedrängten Christen zu stärken und zu ermutigen; aber dann wurde ich selbst durch sie gestärkt und durch ihre geistliche H ingabe 7
an Jesus neu herausgefordert. Der Mut dieser Christen, die trotz schlimmster Widerstände an Jesus festhalten und noch im Leiden eine Glaubensfreude haben, die ansteckend wirkt, bewegt mich immer wieder. Diese Begegnungen haben mich gestärkt und oft auch beschämt: Wie leicht ziehen wir als Christen im Westen uns zurück, wenn die Gesellschaft, in der wir leben, das Wort Gottes nicht hören will. Wie schnell werden aus Sorge vor unangenehmen Konsequenzen Kompromisse geschlossen, obwohl uns noch keine Gefängnisstrafen und auch keine Schläge drohen. Wie schüchtern sind wir oft in unserem öffentlichen Zeugnis für Jesus, obwohl wir alle Freiheit hätten, viele Menschen auf ihn anzusprechen. Ja, es ist geradezu so, dass wir bei aller äußeren Freiheit doch allzu oft in einer inneren Unfreiheit und Scheu gefangen zu sein scheinen, wenn es um Jesus geht. Im paradoxen Gegensatz dazu hat die bedrängte Gemeinde trotz aller äußeren Unfreiheit oft einen großen inneren Freimut, Jesus zu bekennen – koste es, was es wolle. Das möchte ich von ihr lernen! „Wenn Glaube verboten ist“ macht Mut dazu. Auch Ihnen eine gesegnete Lektüre. Pastor Manfred Müller Missionsleiter Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. (HMK)
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Tag der Abreise:
Checkliste vor dem Flug „Sie alle, von denen wir jetzt gesprochen haben, haben Gott bis zu ihrem Tod vertraut, obwohl das, was er ihnen zugesagt hatte, dann noch nicht eingetroffen war. Sie erblickten es nur aus der Ferne, aber sie sahen der Erfüllung voll Freude entgegen; denn sie waren auf dieser Erde nur Gäste und Fremde und sprachen das auch offen aus. Wenn sich aber jemand als Fremder und als Gast bezeichnet, gibt er damit zu verstehen, dass er nach einer Heimat Ausschau hält. Hätten unsere Vorväter dabei an das Land gedacht, aus dem sie gekommen waren, so hätten sie ja genügend Zeit gehabt, dorthin zurückzukehren. Nein, sie sehnten sich nach etwas Besserem, nach einer Heimat im Himmel. Daher schämt sich Gott auch nicht, ihr Gott genannt zu werden; schließlich hat er im Himmel tatsächlich eine Stadt für sie erbaut.“
(Hebräer 11,13-16)
In 25 Minuten geht es los zum Flughafen. Ich hoffe, Sie sind bereit. Hektik im Haus. Wie kriege ich meinen Koffer zu? Könnte ich das ein oder andere nicht doch zu Hause lassen? Ein erneuter Blick auf mein Smartphone: Wie wird das Wetter am Zielort werden? Die warme Jacke braucht viel Platz im Koffer; muss sie überhaupt mit? Brauche ich ein schönes Paar Schuhe für den Gottesdienst? Wird irgendjemand von mir erwarten, dass ich eine Krawatte trage? 9
Jedes Teil setzt eine neue Kosten-Nutzen-Analyse in Gang. Die Joggingschuhe wären nicht schlecht, falls das Hotel ein Fitnesscenter hat, aber auch sie nehmen wertvollen Platz weg. Wie gerne würde ich meine Arbeitsbibel mitnehmen, aber das Neue Testament für unterwegs ist viel kleiner und leichter – und bei Bedarf habe ich ja die ganze Bibel auf meinem Smartphone. Außerdem lasse ich immer gerne ein bisschen Luft im Koffer, denn ich bringe jedes Mal ein kleines Souvenir für meine Frau mit oder Geschenke für meine Söhne und für meine Schwiegertöchter. Als Missionarssohn bin ich in einer Familie aufgewachsen, die viel reiste. Die Grundregel für das Gepäck war einfach: Was du nicht tragen kannst, musst du dalassen. Dies brachte manchen Stresstest mit sich, zum Beispiel, als wir Bestecke für zwölf Personen mit nach Papua-Neuguinea nahmen – im Bordgepäck! Ich versuche heute noch, mich an diese Regel zu halten: ein mittelgroßer Koffer zum Aufgeben und eine Handgepäcktasche mit meiner Kamera, Kopfhörer, E-Book-Reader, diversen Kabeln und Netzteilen und, wenn möglich, etwas Proviant und einem Extrahemd. Denn niemand garantiert mir, dass mein Koffer zur gleichen Zeit ankommt wie ich. In zehn Minuten kommt das Taxi. Kannst du eben mal fest auf mei nen Koffer drücken, damit ich den Reißverschluss zukriege? Als ich noch ein Grünschnabel bei „Voice of the Martyrs“ (VOM – „Hilfsaktion Märtyrerkirche“) war, hatte ich altmodische Vorstellungen von Besuchen bei verfolgten Christen. Auf unserer ersten VOM-Reise nach China wollten wir uns mit einem Pastor treffen, der in den letzten drei Monaten immer wieder verhaftet wurde. Er leitete eine große nicht registrierte Gemeinde, die sich dienstags zum Gottesdienst traf. Pünktlich jeden Dienstagmorgen kam die Polizei, um ihn im Namen der Religionsbehörde zu verhaften, damit er nicht predigen konnte. Er blieb den ganzen Tag in Polizeigewahrsam (manchmal auch noch die Nacht), dann ließ man ihn wieder frei. Alles nur, damit er seine wachsende Gemeinde nicht leiten konnte. 10
Als wir auf dem Weg zu ihm waren, hatte ich das Bild eines armen, gebeutelten Pastors vor Augen. Ich dachte, dass es wohl ein großer Segen für ihn sein würde, wenn Ausländer kommen, um ihn aufmuntern. Denn zweifellos würde er tief entmutigt sein. Meine Vorstellungen hätten kaum weiter von der Realität entfernt sein können. Als wir seine Wohnung betraten, strahlte er über das ganze Gesicht. Er freute sich unbändig, dass in seinem Viertel so viele Menschen zu Jesus Christus fanden und seine Gemeinde wuchs und wuchs. Wenn der Preis für seinen erfolgreichen Dienst ein paar Besuche von der Polizei und ein paar Nächte im Knast waren, was sollte es? Das war es ihm wert, wenn er erleben durfte, wie Menschenleben verwandelt wurden und das Reich Christi wuchs. Ich weiß noch gut, wie er uns die Tasche zeigte, die er immer mit in die Kirche nahm und in der eine warme Decke und Wäsche zum Wechseln waren. Es war seine Gefängnisübernachtungstasche. Ich schaute die Frau des Pastors an, während wir aus kleinen Tassen unseren Tee tranken. „Machen Sie sich keine Sorgen um ihn?“, fragte ich sie über unseren Übersetzer und zeigte auf ihren Mann. „Warum sollte ich mir Sorgen machen?“, erwiderte sie. „Gott wird für ihn sorgen.“ Gott wird für ihn sorgen. Und für uns. Seit diesem Besuch denke ich anders über meine Reisen. Verfolgte Christen schätzen es sehr, wenn andere Christen sie besuchen, aber sie brauchen mich nicht als den großen Tröster. Oft erwische ich mich dabei, dass ich bei meinen Besuchen denke: So eine Freude, wie du da auf den Gesichtern und in dem Leben dieser Menschen siehst, hättest du gerne auch. Ich besuche diese Menschen, um ihre Geschichten zu hören – als Lernender, der mehr erfahren will über ihren Glauben und über ihre Reise nach Hause, nach ihrer „Heimat im Himmel“. Und wenn ich dann wieder zu Hause bei meiner Familie bin, drängt es mich, die Geschichte ihres wahrlich erstaunlichen Glaubens weiter zuerzählen. 11
Guckst du mal eben nach draußen, ob das Taxi da ist? Mit diesem Buch möchte ich Sie mitnehmen auf eine Reise. Vierzig Tage lang werden wir erleben, wie es ist, in Länder zu reisen, in denen es keine Religionsfreiheit gibt. Wir werden Menschen kennenlernen wie den tapferen chinesischen Pastor und seine Frau. Ich freue mich, dass Sie mitkommen, um die Geschichten einiger der Menschen zu hören, die ich in den letzten 23 Jahren kennengelernt habe. Aber wenn Sie Christus nachfolgen, waren Sie natürlich schon auf einer Reise, bevor Sie dieses Buch öffneten. An mehreren Stellen – so in dem Abschnitt, mit dem wir heute begonnen haben – bezeichnet die Bibel die Menschen, die Christus nachfolgen, als Besucher, als Ausländer, als Menschen im Exil, ja als „Fremde“ auf dieser Erde. Wir sind hier nicht zu Hause, weil wir nicht von dieser Welt sind. Wir sind nur Durchreisende, unterwegs zu unserer eigentlichen Heimat: dem Himmel. Wenn wir also gleich gemeinsam losziehen, um verfolgte Christen zu treffen, dann werden wir dabei hoffentlich auch manche Wahrheiten für unsere andere, wichtigere Reise lernen – unsere Reise in den Himmel. Die erste Lektion lernen wir schon auf unserer Fahrt zum Flughafen: Nimm nicht zu viel Gepäck mit. Viele Christen sind mit mehr Gepäck in ihrem Leben unterwegs, als ihnen guttut. Statt mit einem Koffer zum Aufgeben und einer Bordtasche versuchen sie, mit sechs Koffern und drei riesigen Bordtaschen zu reisen. Der Gepäckwagen, den sie im Flughafen vor sich herschieben, ist so hoch bepackt, dass sie gar nicht sehen, wohin sie ihn schieben. Sie denken mehr an den Ort, an dem sie gerade sind, als an ihr Ziel, und sie haben viel zu viele Sachen dabei. Und so wie die Fluggesellschaften die Passagiere für „Übergepäck“ zur Kasse bitten, zahlen diese Christen einen Preis für ihr vieles „Gepäck“. Vielleicht klebt auf Ihrem Extrakoffer das Schild „Unversöhnlich12
keit“; Sie wollen irgendjemandem nicht vergeben, und das macht Ihr Gepäck zu schwer. Vielleicht ist es auch Sünde, die Sie noch nicht bekannt haben. Vielleicht hält Ihr großer Besitz Sie davon ab, mehr über unsere eigentliche Heimat nachzudenken. Oder Ihr Terminkalender ist so voll, dass Sie nicht genug Zeit haben, um die Orte, die Sie besuchen, zu genießen. Da kommt unser Taxi! Wenn wir gleich unterwegs sind zum Flughafen, um unsere Reise gemeinsam zu beginnen, beten Sie doch darum, dass Gott Ihnen zeigt, wo Sie vielleicht mit zu viel Gepäck auf Ihrer Lebensreise unterwegs sind. Ich hoffe, dass die Zeugnisse unserer verfolgten Glaubensgeschwister Ihnen ein Segen und eine Herausforderung sein werden. Und ich hoffe, dass sie Ihnen helfen werden, an Ihre wahre Heimat zu denken und daran, wie Sie dort hinkommen. Haben Sie alles? Ihren Pass? Ist da. Die Reiseroute? Ja. Geld? Eingesteckt. Okay, wir sind bereit. Streicheln Sie den Hund, küssen Sie ihre Liebste und die Kinder. Und dann geht’s los.
Zum Nachdenken Wie oft denken Sie daran, dass Sie auf dieser Erde ein „Gast und Fremder“ sind, der sich nach einem „himmlischen Zuhause“ sehnt? Wie beeinflusst dieses Wissen heute Ihr Leben? Haben Sie nur leichtes Gepäck dabei auf Ihrer Reise nach Hause? Oder schleppen Sie sich mit Dingen ab, die Sie nicht brauchen, die nur Platz wegnehmen und die Ihren Koffer unnötig schwer machen? Denken Sie über diese Fragen nach und notieren Sie Ihre Antworten in Ihrem Tagebuch (siehe unten). Was muss passieren, damit Sie sich vom unnötigen Gepäck befreien und es loslassen?
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Gebet vor dem Start Gott, bitte gehe mit uns auf unserer Reise. Öffne mein Herz für die Men schen, denen wir unterwegs begegnen werden, und benutze sie, um mir mehr von Deiner Wahrheit zu offenbaren. Erinnere mich immer wieder an das „bessere Land“, mein eigentliches Zuhause, und begleite und be hüte mich auf der Reise dorthin. Bitte zeige mir, ob ich Gepäckstücke da beihabe, von denen ich mich trennen sollte, und hilf mir, sie loszulassen.
Für Ihr Tagebuch
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Aus meinem Tagebuch 19. Oktober 1998, kurz vor meiner ersten Reise für die „Hilfsaktion Märtyrerkirche“ (VOM) in den Sudan. Morgen in einer Woche werde ich mein schönes, behagliches Dasein in Bartlesville verlassen, um zehn Tage lang im Sudan Nahrungsmittel und Bibeln zu verteilen, an die 10.000 Meilen von meiner Komfortzone entfernt. Die Frage, was mir auf dieser Reise alles passieren könnte, hat mich ins Grübeln gebracht. Als Erstes musste ich daran denken, dass ich vielleicht nicht mehr zurückkommen werde. Der Sudan ist ein gefährliches Land; die Regierungssoldaten dort hätten keine Skrupel, mir eine Kugel in den Kopf zu jagen. Dieses Wissen, dass ich vielleicht nicht zurückkommen werde, hat meine Tage hier zu Hause kostbarer gemacht. Ich will jeden Augenblick mit Charlotte und den Jungs verbringen und ein vorbildlicher Ehemann und Vater sein, fürsorglich und mitfühlend. Ich werde den Fernseher ausschalten und mir mehr Zeit für das Miteinanderreden nehmen. Ich möchte meine Lieben immer wieder in den Arm nehmen und ihnen 25-mal am Tag versichern, dass ich sie liebe. Aber dann meldete sich mein schlechtes Gewissen. Warum lebe ich nicht schon die ganze Zeit so? Warum brauche ich die Angst vor einer Reise in den Sudan, um der Mann zu werden, der ich eigentlich 365 Tage im Jahr sein sollte? Oder fühle ich
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mich nur im kriegsgeschüttelten Afrika in Gefahr und meine, dass mir in Amerika nichts passieren kann? Ist mir nicht klar, dass ich auch hier in den USA jederzeit zu Tode kommen kann? Durch einen betrunkenen Autofahrer, einen Unfall mit dem eigenen Auto, einen Amokschützen oder sonst ein Gewaltverbrechen? Warum setze ich mich nicht immer mit dem Gedanken auseinander, dass ich sterben könnte, sondern nur dann, wenn ich ins Ausland fliege? Vielleicht ist das die Lektion dieser Reise für mich. Nicht davon auszugehen, dass ich morgen noch am Leben bin, sondern jeden Tag bereit zu sein, dieses irdische Leben hinter mir zu lassen und in die Ewigkeit zu gehen.
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