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Martin Buchholz ist TV-Journalist für ARD und ZDF und Grimme Preisträger. Daneben ist der Theologe seit über 30 Jahren als Liedermacher und Referent zu Veranstaltungen unterwegs. Er lebt mit seiner Frau in der Nähe von Köln. www.martinbuchholz.com Die zitierten Bibeltexte sind folgenden Übersetzungen entnommen: BB – BasisBibel, © 2021 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart NEÜ (Neue evangelistische Übersetzung) – NeÜ bibel.heute © 2010 Karl-Heinz Vanheiden, www.derbibelvertrauen.de, und Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, www.cv-dillenburg.de LÜ – Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart ELB – Elberfelder Bibel 2006, © 2006 by SCM R.Brockhaus in der SCM Verlagsgruppe GmbH, Witten/Holzgerlingen
©2023 Brunnen Verlag GmbH, Gießen Lektorat: Stefan Loß Umschlagfoto: Rahul/Adobe Stock Umschlaggestaltung: Daniela Sprenger, Brunnen Verlag GmbH Satz: Brunnen Verlag GmbH Druck: GGP media GmbH, Pößneck Gedruckt in Deutschland ISBN Buch 978-3-7655-3619-9 ISBN E-Book 978-3-7655-7310-1 www.brunnen-verlag.de
Inhalt 1
Hoffnungsfunken
5
3
Wetterfühlig
12
Neue Kraft für Erschöpfte
18
2 4 5 6 7 8 9
Die Traueranzeige Gott ist kein Lückenbüßer Der Rotwein
Die Bilder deines Lebens Gott ist mein Hirte
Ich bin kein Handwerker
10 Der Regenbogen 11 In deinen Augen
12 Du bist ein Gott, der mich sieht 13 Zünde eine Kerze an! 14 Liebe ist ansteckend
15 Gott segne unseren Überfall! 16 Hat Gott einen Plan?
7
15 27 30 34 46 52 57 59 72 78 89 92
17 Mut zum Aufbruch
108
19 Gehalten
125
18 Der Brunnen
Quellennachweise
122 126
3
1
Hoffnungsfunken
„Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal, wie es ausgeht.“ Das hat der tschechische Autor und Staatsmann Václav Havel gesagt. 2000 Jahre zuvor schrieb ein anderer: „Der Glaube ist ein Festhalten an dem, worauf man hofft, ein Überzeugtsein von Dingen, die nicht sichtbar sind“ (Hebräer 11,1). Beide Sätze begleiten mich schon lange. Genauso wie die Frage: Ist Hoffnung nur eine Illusion naiver Tagtraumtänzer oder eine Haltung des Herzens, die wir üben können? Ich hoffe unverdrossen auf Letzteres. Wir leben in einer Zeit gewaltiger Umbrüche. Die Krisenherde kennen Sie alle: Pandemie und Klimawandel, immer mehr Menschen auf der Flucht vor Gewalt und Terror, Kriege, die stetig näher kommen … Natürlich können wir versuchen, möglichst lange die Augen davor zu verschließen und unser „business as usual“ möglichst lange irgendwie fortzuführen. Wir können aber auch die Augen weit aufmachen und uns fragen: Wie schaffen wir es, mit den krassen Widersprüchen des Lebens klarzukommen? Wenn bei uns im Freundeskreis ein Kind geboren wird, dann ist das ein wunderbarer Grund zu feiern. 5
Während zur selben Zeit in der Ukraine Kinder in Luftschutzkellern zu überleben versuchen. Dürfen wir im Angesicht der Not die Feste des Lebens nicht mehr feiern? Doch, das sollten wir sogar, meine ich. Und könnten anfangen zu üben, wie das im Alltag geht: dass alles seine Zeit hat: Mit den Weinenden zu trauern und mit den Fröhlichen zu lachen. Ich freue mich über das, was Mut macht: Was uns ermutigt und was Mut bewirken kann. Beides taucht auch immer wieder in den Texten dieses Buches auf. In Geschichten, die das Leben erzählt, in kleinen Alltags-Anekdoten wie in Gedanken über die großen Hoffnungstexte der biblischen Bibliothek, jahrtausendealt, aber keineswegs von gestern, wie ich finde. Ich mag es, wenn Menschen schön über das Leben reden, ohne es schönzureden. Und wenn sie sich zwischendurch immer wieder mal daran erinnern, warum Engel fliegen können. Weil sie sich leicht nehmen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine ermutigende Lektüre, hoffentlich hie und da mit einem Lächeln im Gesicht. Martin Buchholz
Zu den zitierten Liedern gibt es eine Playlist. Den Link dazu finden Sie am Ende des Buches als QR-Code. 6
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Die Traueranzeige
Es gibt Geschichten, die kann man sich nicht ausdenken. Die kann nur das Leben schreiben. Geschichten wie diese: An einem kühlen Septembermorgen in einer kleinen Stadt in Schleswig-Holstein. Pfarrer Bartels sitzt mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch und blättert die Lokalzeitung durch. Er will sie gerade weglegen, da fällt sein Blick auf eine winzige Anzeige: „Wir trauern um Gertrud Mommsen.“ Darunter nur: Die Familie. Das Datum von vorgestern. Und der Ort. Pfarrer Bartels erbleicht. Gertrud Mommsen? Die alte Dame gehörte zu seiner Kirchengemeinde. Ging es ihr so schlecht? Warum hat er davon nichts mitbekommen? Und noch schlimmer: Erst einige Monate zuvor hatten Frau Mommsen und ihr Mann goldene Hochzeit gefeiert. Pfarrer Bartels hatte versprochen, bei der kleinen Feier vorbeizuschauen. Und musste dann doch kurzfristig absagen. Mal wieder war etwas furchtbar Dring liches dazwischengekommen. Nun ist es zu spät. Und sein schlechtes Gewissen schlägt meterhoch. Kurz entschlossen steigt er ins Auto und fährt los. Unterwegs purzeln ihm Gedanken durch den Kopf: Was soll er Herrn Mommsen jetzt überhaupt sagen? Wie wird der alte Herr reagieren? Pfarrer Bartels parkt vor dem kleinen Häuschen, steigt 7
aus, geht auf die Tür zu. Und bleibt stehen. Die Klingel drückt er noch nicht. Er ist immer noch vollkommen ratlos, sucht fieberhaft nach irgendwelchen halbwegs tröstlichen Worten. Doch ihm will nichts einfallen. Von drinnen meint er, murmelnde Stimmen zu hören. Sind schon andere da, um zu kondolieren? Wie auch immer. Es hilft ja alles nichts. Wat mutt, dat mutt. Pfarrer Bartels drückt die Klingel. Es dauert einen Moment, bis die Tür aufgeht. Herr Mommsen hat das Telefon am Ohr und sagt: „Pfarrer Bartels! Wie schön Sie zu sehen! Verzeihen Sie, ich habe gerade eine gute Freundin in der Leitung …“ „Nun, äh, ich will auch gar nicht lang stören“, murmelt der Pfarrer. „Es ist nur, wissen Sie, ich meine, ich bin wegen Gertrud gekommen und wollte …“ „Ja, das habe ich mir gedacht“, unterbricht ihn Mommsen. Und ruft laut in Richtung Wohnzimmer. „Gertrud, kommst du mal eben! Pfarrer Bartels ist da und möchte dich sprechen …“ Entgeistert starrt der Pfarrer in Richtung Wohnzimmer. Da steht Gertrud Mommsen auch schon vor ihm und lacht. „Herr Pfarrer, welch eine Freude! Sie glauben gar nicht, was hier heute los ist. Das Telefon steht gar nicht mehr still. Aber kommen Sie doch bitte herein.“ Noch immer völlig verdattert trottet Pfarrer Bartels hinter ihr her ins Wohnzimmer. „Bitte nehmen Sie doch Platz“, sagt Frau Mommsen. „Darf ich Ihnen eine Tasse Kaffee anbieten?“ „Ja, ähm, danke, gern, wissen Sie, also, äh, Sie glauben 8
ja gar nicht, wie äh, froh ich bin, Sie hier so putzmunter anzutreffen, weil nun ja …“ „Ach, Herr Pfarrer, da sind Sie wahrhaftig nicht der Einzige!“, sagt Frau Mommsen lächelnd. „Wir leben nun seit 30 Jahren in diesem Ort und noch NIE haben so viele Menschen bei uns angerufen wie heute. Haben Sie auch die Anzeige in der Zeitung gelesen?“ Pfarrer Bartels errötet. „In der Tat, ja das habe ich …“ „Ja, so was erlebt man sicher nur einmal!“, sagt Frau Mommsen. Der Pfarrer schaut sie ratlos an. „Den Druckfehler meine ich. Die verstorbene Gertrud Mommsen ist offenbar eine Namensvetterin von mir und lebte zwei Orte weiter. Die Zeitung hat aber bei ihrer Traueranzeige versehentlich unseren Wohnort angegeben …“ Pfarrer Bartels muss aufpassen, dass er seinen Kaffee nicht über die Tischdecke schüttet. „Aber wissen Sie was, Herr Pfarrer? Es ist schon eine tolle Erfahrung, die Reaktionen auf den eigenen Tod noch miterleben zu dürfen. All die Menschen, die meinen Mann heute anrufen, diese warme Woge des Mitgefühls. Nun weiß ich, wenn ich wirklich eines Tages sterbe, dann wird mein Mann nicht allein sein. Und das tut richtig gut. Ich finde, darauf sollten wir jetzt mal anstoßen!“ Gertrud Mommsen stellt eine Flasche Jägermeister und zwei Gläser auf den Tisch und schenkt großzügig ein. „Prost Herr Pfarrer! Dieser Tag muss gefeiert werden! Auf das Leben!“
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Dankbar Für das Leben, das in mir pulsiert, für den Arzt, der ein Knie operiert sag ich danke! Für die Wunder, die täglich passiern, für ein Spiel, das die Bayern verliern, sag ich danke! Für die Dusche, für Heizung und Licht, für das Lächeln in deinem Gesicht sag ich danke! Für das und mehr: Danke sehr! Es wurd auch Zeit für etwas Dankbarkeit! So vieles nimmt man einfach hin. Doch heute nutz ich die Gelegenheit, zu sehn, wie reich beschenkt ich bin. Für die Wölfe, Wald, Wiesen und Flur, aber auch für die Infrastruktur sag ich danke! Für die Kinder und für die Musik, für ein Land ohne Hunger und Krieg sag ich danke! Für das und mehr – Danke sehr! Es wurde Zeit für etwas Dankbarkeit. Und was ich auf der Zunge spür ist der Geschmack von Gottes Freundlichkeit. Ich sage: Vielen Dank dafür! 10
Für den Schmerz, wenn er wieder vergeht, für den Freund, der mein Schweigen versteht, sag ich danke! Für die Menschen, die etwas riskiern, vor dem Unrecht nie kapituliern, sag ich danke! Für das und mehr – Danke sehr!
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Bereits erschienen:
Alles Liebe! Geschichten & Gedanken über das Geschenk des Himmels von Martin Buchholz 144 Seiten, kleines Hardcover ISBN Buch 978-3-7655-0708-3 Die Liebe ist ein Geschenk des Himmels – und ist die Spur zum Himmel. Darum geht es in den „Geschichten mitten aus dem Leben“ von Martin Buchholz. Ein Buch für überall dort, wo man nachdenkt über die wesentlichen Dinge des Lebens. Über Glaube und Zweifel. Über Liebe und Hoffnung. Dieses Buch hat mir einen Tag mit Goldrand beschert. In berührenden Geschichten und Liedern erzählt Martin Buchholz von Begegnungen mit besonderen Menschen und „Momenten, die vom Himmel fallen“. Dabei lenkt er den Blick auf das wirklich Wichtige im Leben. Für mich sind diese Texte Herzensfutter. Andrea Ebert, Buchhändlerin BRUNNEN VERLAG GIESSEN www.brunnen-verlag.de