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Lothar von Seltmann

Miluscha Im Herzen die Heimat

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04.12.2024 12:30:01


Zuerst veröffentlicht bei R. Brockhaus, Wuppertal © 2000 R. Brockhaus, Wuppertal © 2025 Brunnen Verlag GmbH, Gießen Gottlieb-Daimler-Str. 22, 35398 Gießen www.brunnen-verlag.de info@brunnen-verlag.de Die Nutzung von Bild-, Sprach- und Textdaten für sog. ­KI-Training und ähnliche Zwecke ist nur nach vorheriger ­schriftlicher Genehmigung erlaubt. Umschlaggestaltung: Jonathan Maul/Brunnen Verlag GmbH Umschlagfoto: kuco, sirintra/stock.adobe.com Textfotos: Familie Beer Satz: Graphische Werkstätten Lehne GmbH, Grevenbroich Druck: CPI books GmbH, Leck ISBN Buch 978-3-7655-2202-4 ISBN E-Book 978-3-7655-7737-6

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INHALT Das Heimatdorf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Goldener Oktober . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Miluschas Geburt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Dunkle Wolken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

22

Badefreuden und Kinderleid . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

34

Folgenschwere Post . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

44

Auf der Kolchose bei Cherson . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

57

Wieder zu Hause . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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BehoÈrdenwillkuÈr . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

90

Deportation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

99

Kasachische Steppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 ZuruÈck in die Heimat . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136 Weihnachten in Nedbarewka . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Kuhstallbrigade . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 »Welch GluÈck ist's, erloÈst zu sein« . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163 Onkel Albert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172 LiebesgluÈck in boÈser Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188 PflichtjahrmaÈdchen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205 Kriegsende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223 WestwaÈrts in die Freiheit! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 244

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Miluschas Vater, Karl Beer, als junger Mann (links oben). Miluscha mit 18 Jahren (rechts oben). Die Familie in der NaÈhe von Cherson/SuÈd-Ukraine, wo sie Zwangsarbeit leisten mussten. Miluscha auf dem Schoû des Vaters (unteres Bild).


Miluscha und ihre beiden BruÈder Hugo (links) und Erhard.


Miluschas und Hugos Taufe in Schitomir/Ukraine, am 1. Aug. 1942.


Das Heimatdorf Nedbarewka ± ein wolhynisches Dorf in den Weiten der Ukraine, im Groûraum Schitomir, westlich von Kiew, umgeben von groûer Feldund Wiesenflur, die im sanft huÈgeligen GelaÈnde immer wieder von kleinen Birken- und MischwaÈldern unterbrochen wurde. Nedbarewka ± ein Straûendorf, eigentlich ein Doppel-Straûendorf, denn ein kleiner Fluss trennte den Ort uÈber mehrere Kilometer in zwei Teile, die durch BruÈcken und Stege miteinander verbunden waren. Wohl fuÈnfhundert Einwohner lebten auf ihren weit auseinander liegenden HoÈfen, je nach Reichtum verschieden groû und die GebaÈude mit Stroh, Holzschindeln oder auch mit Blech gedeckt, umgeben von groûen Obst- und GemuÈsegaÈrten und der zugehoÈrigen Feldflur, die sich weit nach hinten erstreckte. Die Menschen waren fast ausschlieûlich Deutsche, einige Juden und wenige Ukrainer. Die meisten waren Bauern und Landarbeiter, dazu gab es einige HaÈndler und Handwerker wie den Schuster Hirsekern und den Tischler Patt. Auch ein Arzt war da, der zugleich Zahnarzt und Apotheker war. Doktor Mand behandelte einfach alles, und fuÈr jede Krankheit und fuÈr jedes Zipperlein wusste er eine Tinktur zu brauen oder eine Salbe zu ruÈhren. Nedbarewka ± das war die Heimat. Hier lebten die Beers, seit sich die Vorfahren, aus dem Ostpreuûischen kommend, unter Zarin Katharina der Groûen in der Region niedergelassen und einige von ihnen mit anderen Menschen aus verschiedenen deutschen Gegenden ein Dorf gegruÈndet hatten, zu dem natuÈrlich auch ein Schulhaus gehoÈrte. Letzteres lag etwas abseits von der Dorfstraûe auf einer kleinen AnhoÈhe und war seit 1915 der Wohn- und Arbeitsplatz des Lehrers Karl Beer und seiner Familie. Die Schule mit dem einen Klassenraum war flankiert vom WohngebaÈude der Lehrersfamilie und von Stallungen und Scheunen der zugehoÈrigen Landwirtschaft. Im Hof des Anwesens befand sich ein Ziehbrunnen, der das Wasser fuÈr Mensch und Vieh spendete. Das Vieh des Lehrers bestand aus einem Pferd, zwei KuÈhen, ein paar Schweinen, einigen HuÈhnern und Enten. 7


Das alles war umgeben von etwa fuÈnf Hektar Obst- und GemuÈsegarten und Ackerland fuÈr den Anbau von Kartoffeln, Roggen, Weizen und Futtergetreide, dazu ein bisschen Wiese zum Heuen fuÈr den Winter. Pappelreihen saÈumten die gut fuhrwerksbreite Auffahrt zu diesem Kinderparadies, zu dem auch die beiden kleinen Teiche gehoÈrten, die sich unten an der Dorfstraûe rechts und links der Allee befanden. Im Sommer wurde in ihnen gebadet, und im Winter konnten sich die Kinder des Dorfes oft monatelang auf dem Eis tummeln, wie sich auch der SchulhuÈgel vorzuÈglich als GelaÈnde zum Schlittenfahren eignete. Hier auf dem HuÈgel pulsierte seit einigen Jahren das Leben der Familie Beer mit dem Schulbetrieb und der zu versorgenden Landwirtschaft. Bis diese Zeit 1933 eine jaÈhe Unterbrechung fand und spaÈter dann auch ihr Ende. Aber bis dahin dauerte es noch zehn ereignisreiche Jahre. Und Miluscha musste ja auch erst einmal geboren werden.

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Goldener Oktober Nun hat jede Geburt ihre eigene Vorgeschichte. Die Vorgeschichte der Geburt Miluschas nahm ihren Anfang an einem wunderschoÈnen Oktobersonntag des Jahres 1923. BaÈume und StraÈucher standen in voller Pracht des bunten Herbstlaubes. Die Wiesen leuchteten im matten GruÈn des letzten Grases, gesprenkelt vom blassen Violett unzaÈhliger Herbstzeitlosen, zwar giftig, aber doch schoÈn. Zwischendrin an vielen Stellen das Braun der abgeernteten Kartoffelund RuÈbenfelder. Die Luft war erfuÈllt vom Duftgemisch verglommener KartofÈ pfel, frisch umgepfluÈgter AckerboÈden, satt felfeuer, pfluÈckreifer A bluÈhender Astern und anderer Herbstblumen, auf denen tausende Bienen und andere Insekten summten, als waÈre es die letzte Gelegenheit des Jahres, Nektar zu ernten. Selbst die VoÈgel sangen heute noch einmal, so als haÈtten sie alle fuÈr diesen Tag ein besonderes Konzert einstudiert. Die vom fast wolkenlosen Himmel strahlende Sonne verbreitete milde WaÈrme und gab dem Tag etwas besonders Festliches. Ein Sonntag, wie aus dem Bilderbuch, unbeschwert und heiter. Den beiden Menschen, die sich bereits eine Weile schweigend in der groûen Stube des Lehrerhauses gegenuÈberstanden, war es freilich nicht ganz so leicht ums Herz. Der Tag hatte schon sein Gewicht, und die Entscheidung, die die beiden heute oÈffentlich vor der versammelten Gemeinde und vor dem Pastor besiegeln wollten, lag schwer auf ihren Schultern und Seelen. Ein wenig foÈrmlich wirkte die Frage schon, mit der der groûe, dunkelhaarige und schnauzbaÈrtige Mann das Schweigen beendete: »Bist du wirklich bereit, Elsa Lohreder, mich alten Mann zu heiraten und zugleich die Mutter meiner Kinder zu werden?« Mit tiefem Ernst und doch groûer ZaÈrtlichkeit schaute Karl Beer der jungen Frau in die Augen, deren HaÈnde er fest in den seinen hielt. »Noch kannst du zuruÈck.« »Nein, Karl Beer«, ± die Antwort klang aÈhnlich foÈrmlich ±, »ich will nicht zuruÈck und ich bin bereit, deine Frau zu werden und deinen Kindern eine gute Mutter.« 9


Fest erwiderte die kaum ZweiundzwanzigjaÈhrige den Blick des um gut einen Kopf groÈûeren Mannes, der ihr Vater haÈtte sein koÈnnen. Leise, aber bestimmt kam ihre Antwort: »Und denk nur nicht, ich heiratete dich nur deshalb, weil ich gegenuÈber meiner Schwester ein Versprechen einzuloÈsen haÈtte. Nein, ich mag dich wirklich, und ich hab dich lieb, Karl Beer.« Die letzten Worte der jungen Frau klangen fast ein wenig trotzig. Der Mann nahm seine SchwaÈgerin in die Arme, druÈckte sie fest an sich und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. »Es ist schon gut, mein liebes Elschen, ich weiû, dass du mich lieb hast, und du weiût, dass ich dich inzwischen genauso liebe, wie ich Emilie geliebt habe. Und ich weiû auch, dass du meinen Kindern eine gute Mutter sein wirst. Du bist es ja eigentlich schon lange. Sie sind doch schon wie deine eigenen Kinder geworden, seit du dich um sie kuÈmmerst und sie versorgst. Und wer weiû«, der angehende Ehemann nahm Elsas Kopf zaÈrtlich in seine groûen HaÈnde, »vielleicht schenkt Gott den dreien ja auch noch ein Geschwisterchen.« È ber Elsas huÈbsches Gesicht huschte eine leichte RoÈte und sie U entzog sich seinen HaÈnden. »Wir muÈssen hinaus. Drauûen wartet der Wagen und in der Kirche warten Pastor Uhler und die Gemeinde.« Hand in Hand traten die beiden Hochzeitler vor das Haus und in die strahlende Herbstsonne. Niemand war mehr auf dem Hof. Sie waren wohl alle schon vorausgefahren, um das Brautpaar vor der Kirche im wenige Kilometer entfernten Hainau zu empfangen. Um den sechsjaÈhrigen Georg, die vierjaÈhrige Olga und Klein-Waldemar kuÈmmerten sich liebe Frauen aus der Gemeinde. Vor dem Haus wartete Hans, der Sohn des Schuhmachers Hirsekern ± gelegentlich half er mit seiner Frau Lenchen schon einmal in der Schullandwirtschaft, besonders wenn Not am Mann war ±, mit der Kutsche, einem kleinen EinspaÈnner, mit dem schon viele Brautpaare von Nedbarewka nach Hainau zur Kirche gefahren waren, um dort in Anwesenheit der Gemeinde den Bund fuÈrs Leben zu schlieûen und sich den Segen Gottes zusprechen zu lassen. Hans hatte die Kutsche geputzt und mit frischem GruÈn geschmuÈckt und dazu eine saubere Decke auf den Sitz gelegt. Das Pferd ± es hieû bei den Leuten auf dem SchulhuÈgel nur »Brauner« ± hatte er 10


frisch gestriegelt und in seine MaÈhne eine leuchtende Schleife gebunden. Er selbst hatte seinen besten Anzug aus dem Schrank genommen und sich dem Ereignis gemaÈû gekleidet. Karl half seiner Elsa auf die Kutsche hinauf. Das war nicht schwer. Da musste kein RuÈschenrock gerafft und gehalten und hineingezwaÈngt werden. Die junge Braut, eher klein und etwas rundlich, trug nur ein schlichtes Kleid in hellen Farben und einen dazu passenden Hut. Auf ein aufwendiges Hochzeitskleid hatte sie bewusst verzichtet. Und neben Karl in seinem dunklen Dienstanzug sah sie auch so huÈbsch und adrett aus. Den Umhang, den sie uÈber dem Arm trug, brauchte sie jetzt nicht umzulegen. In der Sonne war es noch warm genug. »Wir sind soweit, Hans. Du kannst fahren«, gab der BraÈutigam dem Freund der Familie auf dem Bock das Zeichen. Still und in sich gekehrt saûen die Brautleute auf ihrem GefaÈhrt, das gemaÈchlich vom Hof und die Allee hinunter rollte. Fest hielten sie sich bei den HaÈnden. Das war schon ein denkwuÈrdiger Tag heute . . . In den letzten Jahren war es Karl Beer haÈufig selbst gewesen, der mit Genehmigung der Kirche gewissermaûen als Pastor des Dorfes Trauungen durchgefuÈhrt hatte, wenn der Weg nach Hainau nicht moÈglich war oder wenn Pastor Uhler nicht heruÈberkommen konnte, um die Amtshandlung im Schulhaus vorzunehmen. FuÈr heute hatte Karl Beer natuÈrlich seinen Freund und »Amtsbruder« im Nachbarort gebeten, den Dienst zu uÈbernehmen. Gerne hatte der zugesagt, einen wuÈrdigen Gottesdienst vorzubereiten, hatte er doch schon viele Jahre Anteil genommen am Geschick der Beerschen Familie, die zuletzt durch die Tuberkulose der Hausfrau und Mutter groûes Leid erfahren hatte. Freilich hatte Elsa seit der Erkrankung und noch mehr seit dem Tod ihrer Schwester mit allen KraÈften versucht zu arbeiten, zu ordnen, zu pflegen und zu versorgen. Sie war aber doch nur die Haushaltshilfe gewesen und die Tante der Kinder. Das sollte sich heute aÈndern. Heute sollte mit der Heirat von Karl und Elsa ein neuer Lebensabschnitt beginnen. Der Vater wuÈrde wieder eine Frau und eine Mutter fuÈr seine drei Kinder bekommen. Wen die fast dreiûig Jahre Altersunterschied stoÈrten, den sollten sie 11


stoÈren. Wenn nur die beiden sich selbst in ihrer Entscheidung einig waren. Sie hatten sich lange gepruÈft und auch vor Gott gefragt, ob das der richtige Weg fuÈr sie sei. Sie waren sich schlieûlich darin einig, dass Gott ihre Entscheidung bestaÈtigte und mit ihnen war. So heiter und froÈhlich, wie dieser Oktobertag sich zeigte, so heiter und froÈhlich wuÈnschten sich die beiden ihre gemeinsame Zukunft. Der Einstieg in die neue Zeit sah auch schon recht gut aus. Da war dieser strahlende Herbstsonntag. Und da war diese herrliche Kulisse, die die beiden vorfanden, als sie mit Hans und der Kutsche in die Dorfstraûe Richtung Hainau einbogen. Viele Dorfbewohner warteten dort mit ihren Fuhrwerken, die sie zu Personenfahrzeugen umgeruÈstet hatten, um ihren Lehrer und seine junge Braut zum Traugottesdienst zu begleiten. Sie waren also noch gar nicht vorausgefahren. Und auf dem ersten Wagen befanden sich auch die drei Kleinen. Sie mussten doch auch dabei sein an diesem denkwuÈrdigen Tag ihrer Eltern. Georg und Olga waÈren wohl am liebsten in die Kutsche umgestiegen, und die Frauen hatten MuÈhe, sie zu beruhigen und auf spaÈter zu vertroÈsten. Klein-Waldemar, erst wenig aÈlter als ein Jahr, wusste natuÈrlich noch gar nicht, was hier heute geschah. So bewegte sich also eine froÈhliche Karawane von Nedbarewka nach Hainau, um dort einen ernsten und doch auch froÈhlichen Traugottesdienst mit einer groûen Gemeinde in der gut gefuÈllten Kirche zu feiern. Drei Stunden spaÈter bewegte sich eine ebenso froÈhliche Karawane wieder zuruÈck ins Dorf. Die Menschen waren noch beeindruckt von Pastor Uhlers Predigt uÈber die beiden Worte aus Josua 1, Vers 5 und 6: »Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Sei getrost und unverzagt!« und aus dem ersten Petrusbrief, Kapitel 5, Vers 7: »Alle eure Sorge werfet auf IHN, denn ER sorget fuÈr euch!« In den Ohren hatten sie wohl auch noch den maÈchtigen Gesang vom Ende des Gottesdienstes: »Groûer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine StaÈrke . . .« Jetzt auf der Heimfahrt saûen Georg und Olga zwischen ihrem Vater und ihrer neuen Mutter, und Elsa hielt den JuÈngsten auf ihrem Schoû, wie im vergangenen Jahr so haÈufig. Nur dass die Familie jetzt wieder eine richtige Familie war. 12


Am Fuûe der Allee, die hinauf auf den SchulhuÈgel fuÈhrte, hielt Hans die Kutsche an. Die vielen Wagen der DoÈrfler fuhren an den Brautleuten voruÈber, in aufrichtiger Mitfreude noch einmal winkend und gratulierend und GluÈck und Segen wuÈnschend. Nachdem das letzte Fahrzeug vorbeigefahren war, lenkte Hans Hirsekern die Kutsche in die Allee hinein und fuhr unter den nur noch spaÈrlich belaubten Pappeln hinauf auf den SchulhuÈgel und damit die »junge« Familie auf dem hinteren Sitz gewissermaûen hinein in eine neue Zeit . . . Ob diese Zeit einen so strahlenden Verlauf nehmen wuÈrde, wie es dieser herrliche Tag zu verheiûen schien? Wie auch immer, Karl Beer und die junge Elsa, nun seine Ehefrau, wussten sich mit den Kindern und ihrer gemeinsamen Zukunft in Gottes HaÈnden geborgen und gut aufgehoben. Gott wuÈrde bei ihnen sein, und er wuÈrde fuÈr sie sorgen!

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