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Verena Unsin

joy of

Roman

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Die Bibelstellen folgen dem Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

© 2023 Brunnen Verlag GmbH Gießen Lektorat: Carolin Kotthaus Umschlagfoto: Verena Unsin Umschlaggestaltung: Daniela Sprenger Satz: Brunnen Verlag GmbH Druck: FINIDR, s.r.o. ISBN Buch 978-3-7655-2148-5 ISBN E-Book 978-3-7655-7837-3 www.brunnen-verlag.de


Für meine Herzensfamilie im Schwarzwald & Jutta. Ihr seid die besten „Rückzugsorte“, bei euch durfte einiges von Sparks of Joy wachsen. Danke für diesen Raum – sowohl in eurem Heim als auch im Herzen und eure jahrelange Freundschaft!


Triggerwarnung Hallo, du wunderbarer Mensch, in diesem Buch werden Themen wie Body-Image, Aussehen und Ernährungszwänge erwähnt. Wenn dich solche Dinge belasten, bitte ich dich, vorsichtig zu sein, und das Buch mit gesundem Abstand zu lesen. Mir ging es nicht darum, irgendeinen Lebensstil zu verurteilen, sondern nur zu hinterfragen, wann Dinge wie Sport oder Ernährung gepaart mit Druck von anderen Menschen jemanden in eine Art Gefängnis bringen können, das von Selbstannahme abhalten kann. Ich will dir sagen, dass du, egal wie du dein Aussehen empfindest, unersetzbar und geliebt bist. Solltest du bezüglich der Inhalte Bedenken haben, dann nimm Kontakt zu anderen Lesern, die das Buch bereits kennen, oder auch direkt zu mir auf.

Deine Verena

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I wish I told you, a little while ago

Vor vier Tagen – OKTOBER Silia drückte auf die Türklingel – sie war mehr als nervös! In ihrem Magen schienen keine Schmetterlinge zu flattern, wie das immer so poetisch beschrieben wurde, sondern alles war in Aufruhr. Wenn man schon einen Vergleich suchte, dann konnte man eher von einer Tausendfüßler-Achterbahn sprechen. Vielleicht war er auch gar nicht zu Hause? Der Name an der Klingel war richtig, da bestand kein Zweifel. Plötzlich wurde die alte Mietshaustür mit Schwung aufgerissen und er stand vor ihr. Auf seinen Schultern ein Rucksack, seitlich baumelte eine Trinkflasche und auf der anderen Seite war eine ganz klein gepackte blaue Isomatte mit Gurten festgezurrt. Er trug eine graublaue Wanderhose und eine passende Softshelljacke. Offensichtlich war er gerade auf dem Weg zu einem Bergausflug. „Silia.“ Er schien irritiert, klang nicht unbedingt erfreut, sie zu sehen. „Hi. Überraschung.“ In ihrem Kopf hatte die Begrüßung besser geklungen. Bescheuerte Idee, absolut bescheuert. Denen würde sie gehörig den Kopf waschen. „Rede mit ihm. Du kannst ihn doch einfach besuchen …“ Toll. Gaaaaanz 5


toll. Was für ein Ratschlag! Das hatte sie nun von dieser kopflosen Aktion. Die funktionierten doch nur im Kino. „Ich würde dir ja einen Kaffee anbieten, aber ich werde gleich abgeholt.“ Das war nicht unfreundlich, eher bedauernd. „Ach so.“ Ihr ganzer Mut zerfiel wie die Sandburgen ihrer Kindheit, wenn die Flut zurückkehrte. Nun war ihr das Ganze nur noch peinlich und sie versuchte, einen Weg aus dieser Bredouille zu finden. „Ich war nur … zufällig auf der Durchreise und da dachte ich, ich bin mal spontan und schaue mir deine Studentenbude an …“ Das klang in ihren Ohren völlig lahm. „Fände ich klasse, dir die große Sightseeing-Tour meiner 50 Quadratmeter zu geben …“ Er schenkte ihr ein Lächeln, das sein ganzes Gesicht umfasste. Aus dem Augenwinkel sah sie einen blauen Van in die Straße einbiegen. Er hielt vor dem Wohnhaus. „Aber wir fahren jetzt drei Tage in die Berge. Erlebnispädagogik-Seminar. Also live.“ In seinen Augen konnte sie sehen, dass er sich darauf freute. „Ja, wow. Das ist natürlich voll dein Ding.“ Die Schiebetür des Vans öffnete sich. „Na, bist du bereit?“, rief eine junge Frau in roter Outdoorjacke. Ein weiterer seiner, wie sie vermutete, Kommilitonen streckte ebenfalls den Kopf hinaus. „Auf geht’s, wir sind spät dran.“ Silias Herz schien sich in ihr zusammenzuziehen. Das waren seine Freunde vom Studium. Coole Leute, genauso abenteuerlustig und bergsportvernarrt wie er. Was hatte sie sich vorgemacht? Sie passte einfach nicht zu ihm. Er schien zu zögern. Warf dem Bus einen Blick zu, dann sah er wieder zu ihr. „Es tut mir wirklich leid …“, setzte er an. „Ach was, wie gesagt, war wirklich nur ganz spontan. Ich muss sowieso auch gehen. Ich … fahre gleich noch weiter …“ Schneller, als sie vorgehabt hatte. „Meinen Bruder besuchen.“ Sein Blick verriet Skepsis. Logisch, denn Levis Wohnort lag ganz und gar nicht auf dem Weg. Innerlich schimpfte sie sich aus. Ich bin so blöd. 6


„Dann fahren wir ja in dieselbe Richtung. Unser Seminar ist im Bayerischen Wald.“ Vom Bus erklang ein Hupen. „Ja, sieht so aus. Viel Spaß.“ Hoffentlich ging er jetzt endlich. Sie wusste nicht, wie lang sie noch ihre Emotionen im Zaum halten konnte. „Tut mir echt leid, dass ich jetzt wegmuss. Ich würde mich freuen, wenn du ein andermal vorbeikommst. Vielleicht rufst du vorher kurz an?“ Seine Stimme klang freundlich und so, als meine er das auch. „Klar.“ Mehr fiel ihr nicht ein. Er schien zu zögern, ob er sie kurz umarmen sollte, doch dann lächelte er ihr zu und nickte. „Also dann … Bis bald?“ „Mhm.“ Ja, bald. Oder nie. Wahrscheinlich sollte es einfach nicht sein. Sie beobachtete, wie er sein Gepäck in den Bus lud und einstieg. Bevor er die Schiebetür zuzog, meinte sie noch zu hören, wie jemand fragte: „Wer war denn das?“ Seine Antwort konnte sie nicht hören, doch er hob noch einmal seine Hand zum Gruß hinter der Scheibe. Dann startete der Motor und sie verschwanden. Silia ging zurück zu ihrem Auto und ließ sich in den Sitz fallen. Tränen begannen, ihren Blick zu verschleiern. Nein, er brauchte sie nicht und wollte sie bestimmt auch gar nicht. Sie war nicht so wie diese PfadfinderTypen, diese happy Camper und Höhenrauschfans. Sie war einfach nur Silia.

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I wish I held you close In this moment of truth

Vor drei Tagen – OKTOBER „Seibert, rufen Sie Ihre Frau an, dass Sie nicht so bald heimkommen. Wir kriegen gleich ein Polytrauma.“ Levi sah von seinem Handy auf, das er gerade aus seiner Hosentasche gezogen hatte. Luke, seine Frau, hatte ihm vor ein paar Stunden geschrieben, ob er es zum Abendessen schaffen würde. Das konnte er nun sicher mit „Nein“ beantworten. Sein Vorgesetzter war schon fast wieder aus der Umkleide. „Details?“, rief er ihm nach. „Heli in zehn. Ich weiß bisher auch nur: Sportunfall, männlich, 22, Kletterer. Bergwacht hat ihn geborgen.“ Das klang nicht besonders verheißungsvoll. Absturz? Bei Polytrauma sprach alles dafür. Levi klickte sich zu seinen Kontakten, tippte auf „Lucky Luke“ und wartete, bis sich nach ein paarmal Klingeln seine Lieblingsstimme meldete. „Hi. Wie ist die Lage?“ „Ich muss gleich wieder in den OP. Klingt ernst. Aber auch spannend.“ 8


Luke hörte sich ein kleines bisschen enttäuscht an. „Na, dann viel Spaß.“ „Tut mir leid. Das nächste Wochenende hab ich frei.“ „Da kommt Sofie. Musst du mich halt mit ihr teilen.“ In ihrer Stimme klang ein leicht neckender Ton mit. Er lachte. „So lang ich dich wenigstens mal wiedersehen kann … Und sie uns nicht wieder nach irgendwelchen Babynamen fragt.“ Luke schnaubte verächtlich. „Du weißt ganz genau, dass sie das tun wird. Und sie wird die gleiche Antwort wie immer bekommen: Ich hab einen Mediziner geheiratet – der weiß genau, wie man das mit dem Kinderwunsch noch ein bisschen rauszögert.“ Wieder musste er lachen. „Da ich dich kaum zu Gesicht bekomme, ist das ja auch nicht schwer. Tut mir echt leid wegen heute Abend, aber ich lern hier gerade so viel.“ „Weiß ich doch, und jetzt beweg deinen heißen Hintern, sonst fangen die noch ohne dich zu operieren an.“ Lachend gab er zurück: „Ohne Narkose bestimmt nicht. Lieb dich, bis bald.“ „Ich dich auch.“ Er wurde nicht müde, sie das sagen zu hören. Dann fügte sie noch an: „Viel Kraft.“ Er schob das Handy zurück in seine Tasche und zwang sich, nicht weiter an diese Frau zu denken, die sich zu Hause gerade durch ihren Unistoff ackerte, und einfach sein absolutes Ein und Alles war. Wenig später stand er in voller Montur neben Dr. Wagenstein im Schockraum und wartete, dass der Notfallmediziner ihnen den Patienten übergab. Er versuchte, nichts zu verpassen, was von ihm gefordert wurde. Die Infos wurden in Eiltempo abgespult: Rippenserienbrüche und Pneumothorax rechts, Kopfplatzwunde mit Verdacht auf Schädelhirntrauma, Milzlazeration und Tibiafraktur … Der Patient kam bereits intubiert, beatmet und mit Thoraxdrainage, die mussten sie jetzt neu steril anlegen. Doch mitten in der Hektik gefror ihm plötzlich das Blut in den Adern. „He, Seibert!“ Er fuhr zusammen, denn ihm war nicht bewusst, dass er vor sich hingestarrt hatte. 9


Dr. Wagenstein sah ihn tadelnd an. Levi schloss eilig zu ihm auf und trat neben die Liege mit dem Patienten. „Ich kenn ihn.“ „Was?“ „Das ist der Bruder meines besten Freundes.“ Er warf einen Blick auf das Datenblatt. Ja, schwarz auf weiß: Phillip Sonnleitner. Und ein Blick in das Gesicht unter der Sauerstoffmaske gab ihm die nötige Gewissheit, dass es sich nicht um eine Namensdopplung handelte. „Oh.“ Dr. Wagenstein musterte ihn kritisch. „Meinen Sie, Sie können sich konzentrieren?“ Levi holte tief Luft und nickte. Fokus. Wie schlimm war Phil verletzt? Wussten es seine Eltern schon? Und Jo …? O nein! Wusste Silia davon?

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