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– und dennoch hab ’ ich tausend Träume

Borreliose

Claudia Lietha

Claudia Lietha

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Borreliose

– und dennoch hab ’ ich tausend Träume Das Protokoll einer Rückkehr ins Leben: Ein Erfahrungsbericht, der unter die Haut geht. Ergänzt mit Exklusivberichten von Experten.


Claudia Lietha Borreliose – und dennoch hab’ ich tausend Träume

L SE rial A G B Mate A L ER ütztes V N h NE -gesc N t U BR yrigh p Co


Die Autorin Claudia Lietha wurde 1978 in der Schweiz geboren und ist in der Nähe von Bern aufgewachsen. Nach einer glücklichen Kindheit veränderte ein Zeckenstich über Nacht alles. Über ein Jahrzehnt lang litt sie extrem, plagte sich, meist in Krankenhäusern, mit den schwerwiegenden Folgen der Borreliose herum, kämpfte sich aber zurück ins Leben. Nach der MaL tura (dem Schweizer Abitur) studierte sie Philosophie, SE riKunstgeschichte al A und Psychologie in Basel. Heute arbeitet sieBals Kinderbuchautorin und e t AG s Ma L Museumspädagogin. R

E ützte V N h NE -gesc N t U BR yrigh p Co

Spendenaktion «Tausend Träume» für Borreliose-Betroffene: www.facebook.com/1000Traeume Schreiben Sie uns unter: 1000traeume@gmx.ch


Claudia Lietha

Borreliose – und dennoch hab’ ich tausend Träume L SE rial A te Leben: Das Protokoll einer Rückkehr G B Mains A L Ein Erfahrungsbericht, tes die Haut geht ER der zunter t V ü N h NE -gesc N U ght i BR mit Ergänzt pyr Exklusivberichten von Experten o C

Verlag Basel . Giessen


L SE rial A G B Mate A L ER ütztes V Bibliografische Information Nationalbibliothek N der h scDeutschen NE -verzeichnet e Die Deutsche Nationalbibliothek diese Publikation in der Deutschen N g U ght bibliografische Daten sind im Internet über Nationalbibliografie; i BR detaillierte pyr www.dnb.de abrufbar. o C Die Bibelstellen wurden folgender Übersetzung entnommen: Die Bibel Michelangelos 1996 Katholisches Bibelwerk, Stuttgart

Sachkorrektur: Ute Fischer und Dr. Petra Hopf-Seidel 2013 by Brunnen Verlag Basel Umschlag: Ingo C. Riecker, Waterproof Grafikdesign, Neuffen Foto Umschlag: Claudia Silvana Lietha Fotos Innenteil: Copyright by Claudia Lietha Satz: Innoset AG, Justin Messmer Druck: Freiburger Grafische Betriebe Printed in Germany ISBN 978-3-7655-1544-6


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Inhalt

Inhalt Vorwort von Ute Fischer ................................................................ Einleitung.......................................................................................

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1. Am Tiefpunkt........................................................................... 2. Wie alles begann....................................................................... 3. Der Unfall................................................................................. 4. Das Schicksal nimmt seinen Lauf ............................................. L 5. Die Schwester der Autorin erzählt............................................ SE rial A 6. In der Hçhenklinik ................................................................... B ate G A 7. Im Kinderkrankenhaus ............................................................. RL ztes M E 8. Der Vater der Autorin berichtet N V sc................................................ hüt E 9. Schon wieder einNKlinikaufenthalt … ....................................... N -ge t Sekundarschule, berichtet ................ U ausghder R 10. Simone, Freundin i B pyr 11. Zurück in die o Schule................................................................. C 12. Ferien in Loppiano.................................................................... 13. Das Klosterinternat in den Schweizer Bergen ........................... 14. Gedanken von Tamara, Freundin aus dem Klosterinternat........ 15. Durststrecken ........................................................................... 16. Hçhenflüge und Talfahrten....................................................... 17. Die Mutter der Autorin erzählt................................................. 18. Neue Mçglichkeiten ................................................................. 19. Bericht von Carina, Freundin aus dem Heimatdorf ................... 20. Belle Romandie ........................................................................ 21. Letzter Schulversuch ................................................................ 22. Bericht von Claudia B., Freundin aus dem Coll ge.................... 23. Die Matura in der Tasche ......................................................... 24. Studienzeiten ........................................................................... 25. Es geht weiter … ...................................................................... 26. Neue Impulse ........................................................................... 27. Was bringt die Zukunft?...........................................................

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28. Schmetterlinge im Bauch.......................................................... 29. Kulturelle und andere Erlebnisse............................................... 30. Die rettende Therapie?............................................................. 31. Eintauchen in eine fantastische Welt ….................................... 32. Ein Kindheitstraum geht unerwartet in Erfüllung … ................. 33. Das Buch ist da!........................................................................ 34. Auf der Leipziger Buchmesse ................................................... 35. Wo ich heute stehe ................................................................... 36. Ein paar Gedanken zum Schluss ...............................................

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Danksagung ................................................................................... Meine Therapie-Stationen..............................................................

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Ein medizinischer Kommentar zur Lyme-Borreliose bei Claudia Lietha (Dr. med. Norbert Satz) ............................ EL al S A Die Lyme-Borreliose im kurzen Überblick (Dr. B med.atNorbert eri Satz) G A s MFischer) ............. Borreliose – Zeckeninfektion mit Tarnkappe RL zte(Ute E t psychischen und Interview mit Dr. Petra Hopf-Seidel N V sczuhüden E sozialen Folgen derN N Borreliose ge ................................................ -Sievers t U h Interview mit Prof. Dr. Martin zu seinen BorrelioseR B rig y p Forschungen........................................................................... Co Borreliose-Symptome: Kurz-Checkliste .........................................

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Adressen ........................................................................................ Weiterführende Literatur................................................................ Mitgliedschaft im Borreliose- und FSME-Bund...............................

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Gedicht von Dietrich Bonhoeffer ...................................................

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Vorwort von Ute Fischer

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Vorwort von Ute Fischer Es war im Jahre 1959, als in dem kleinen Städtchen Old-Lyme im USStaat Connecticut die Mutter Polly Murray die ansässigen ¾rzte in Bewegung brachte, weil nicht nur ihre ganze Familie, sondern auch viele andere Familien im Ort unter Beschwerden litten. Sie hatten geschwollene Gelenke, Hautausschläge und Nervenschmerzen, die unter AntibiotikaGabe wieder verschwanden. Erst 1975 begann Dr. Allen Steere mit der Erforschung jener rätselhaften Erkrankung. 1980 entlarvte der gebürtige L Zecken übertraSchweizer Dr. Willy Burgdorfer den Erreger dieser l SEdurch A riaSchildzecken B genen Infektionskrankheit, den er im Darmsack von ente t G Ma A deckt hatte. Den Erreger, ein gegen empfindliches Bakterium, RLPenicillin tes die Krankheit nannte man Eburgdorferi, z t V nannte man von da an Borrelia N chü Lyme-Borreliose. NNE ges tRU r2009 Bei seinemBBesuch igh auf einer Borreliose-Tagung im sächsischen y Tabarz musste Dr.op C Burgdorfer – inzwischen ein hochbetagter Mann von 83 Jahren – feststellen, dass es bis heute nicht gelungen ist, für diese Krankheit ein standardisiertes Diagnoseverfahren zu entwickeln. Und erst recht keine allgemein bewährte Therapie. Wäre Borreliose keine Krankheit, sondern eine Firma, dann kçnnte man die schlauen Tricks anprangern, mit der sie betrügt, vortäuscht und in die Irre führt. Tatsächlich sind ¾rzte und Patienten gençtigt, in fast schon detektivischer Manier Puzzlesteinchen zu sammeln, um aus diffusen, aus an- und abschwellenden Beschwerden und einer Reihe Krankheiten imitierender Symptome eine Diagnose zu definieren: Borreliose. Borreliose ist noch heute eine Tabu-Krankheit. Obwohl der Patientenbeauftragte der deutschen Bundesregierung, Wolfgang Zçller, 2010 vor Pressevertretern verlautbarte, dass Borreliose zu einer der am meisten verharmlosten und unterschätzten Krankheiten zähle, sind immer noch viele ¾rzte nicht über die neuesten Forschungserkenntnisse informiert. Stattdessen quält sich – hierzulande wie auch weltweit – eine unüberschaubare Zahl von chronisch an Borreliose Erkrankten. Die Welt-


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gesundheitsorganisation WHO verçffentlichte vor einigen Jahren die Schätzzahl von zwei Millionen Betroffenen allein in Deutschland. Selber seit fast zwei Jahrzehnten von Borreliose betroffen, engagiere ich mich seit mehr als zehn Jahren für die Borreliose-Selbsthilfe. In mehreren Büchern und vielen Zeitschriften berichte ich über Fortschritte und neue Erkenntnisse rund um die Borreliose. Besonders am Herzen liegt mir, wie man trotz chronischer Borreliose ein aktives Leben führen kann, vor allem wie man sein Immunsystem durch Eigeninitiative stärkt und seine Selbstheilungskräfte ankurbelt. Meine Empfehlungen, die ich in dem Buch Leben mit Borreliose niedergeschrieben habe, beinhalten auch ganz einfache Maßnahmen wie Demut und Dankbarkeit, Vermeidung von Hass und Rache, gesunde Ernährung, Ausdauersport – und nicht zuletzt Beten. Die Beschreibung der Autorin Claudia Lietha über ihren Kampf gegen L die Borreliose und für ein Leben mit Qualität und E Perspektive l mag dem S A Leser einzigartig vorkommen – in Wirklichkeit gehtteesria vermutlich einiB G Mallem a ist Claudia Lietgen Millionen Menschen weltweit ähnlich. LA eTrotz s R tzt has Geschichte eine hoffnungsvolle Sie ist ein Signal, dass VE Geschichte. ü N h c E s Borreliose nicht automatisch NN t-als ge scheinbar ausweglose Situation hinUmuss; h genommen werden ein Hoffnungszeichen, dass man sein SchickR B rig y p sal selbst in die Hand o nehmen und gesunden kann.

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Ute Fischer, Wissenschaftsjournalistin, Chefredakteurin der Fachzeitschrift «Borreliose Wissen», Pressesprecherin des Borreliose- und FSME-Bundes Deutschland


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Einleitung

Einleitung Als mich der Verleger des Brunnen Verlags Basel darauf anspricht, ob ich nicht ein Buch über meine Erfahrungen mit Borreliose schreiben mçchte, bin ich erst mal erstaunt – und zugegebenermaßen auch ein wenig skeptisch. Ich arbeite seit einiger Zeit als Kinderbuchautorin und bin vom Verlag ursprünglich angefragt worden, ein neues Kinderbuch zu schreiben. Im persçnlichen Gespräch mit dem Verleger erzählte ich ihm dann von meiner langen Krankheit, meiner langsamen Rückkehr ins Leben L und über die unerwartete Chance, als Kinderbuchautorin SE rial zu arbeiten. A «Das ist eine bewegende Geschichte», meinte er. «Mçchtest du sie nicht GB M ate A aufschreiben?» L es ER ütdie zt Absicht, meine KrankheitsV Ganz ehrlich: Ich hatte niemals N h E scschlimm sind die Erinnerungen daran, geschichte niederzuschreiben NN t-g–ezu U R Erlebnisse. zu persçnlichBdie righ Und ich bin ein Mensch, der sich nicht y p gerne mit der Vergangenheit beschäftigt. In diesem Sinne ist die KrankCo heit für mein Leben nicht mehr relevant. Außerdem: Wer mçchte so etwas lesen? Gibt es nicht bereits genügend Erfahrungsberichte? Diese Fragen stellte ich mir ernsthaft und reagierte deshalb erst mal zçgerlich auf die Anfrage, über das Thema Borreliose zu schreiben. Ich begann mich am Arbeitsplatz und in meinem Bekanntenkreis zu erkundigen. Und stellte fest: Fast niemand weiß etwas Genaues über diese Krankheit, die sich jeder durch eine Zecke auflesen kann. Ich erkundigte mich bei Betroffenen, die ich von früher her kannte, fragte bei Fachpersonen nach. Und realisierte: Es hatte sich kaum etwas geändert in der Zwischenzeit. Es gibt immer noch sehr wenig Unterstützung für chronisch Betroffene – so wie ich es auch erlebt habe. Ich suchte im Buchhandel nach Erfahrungsberichten von Betroffenen und stellte hier ebenfalls fest, dass bisher fast keine existieren. Die durch einen Zeckenstich übertragene Borreliose ist – frühzeitig erkannt – angeblich meistens gut behandelbar. Aber es gibt schwere Ver-


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laufsformen, so wie in meinem Fall. Und oft kçnnen solche schweren Verlaufsformen – nicht richtig behandelt und ohne Unterstützung durchlitten – zum vçlligen Abstieg führen und einen Abschied aus dem Leben darstellen. Während all der Jahre meiner Krankheit haben mich Erfahrungsberichte von Menschen, die ein schlimmes Schicksal überwunden haben, am Leben gehalten und mir Kraft gegeben, weiterzumachen. Vielleicht kann meine Geschichte wiederum anderen Menschen Mut machen? Ich habe mir immer gewünscht, es gäbe ein motivierendes Buch eines Betroffenen mit nützlichen Ideen drin. Ich bin damals durch meine schwere Borreliose von einem Tag auf den anderen unerwartet aus einem normalen Leben gerissen worden und war total überfordert mit all den extremen Beschwerden und Folgen, welche die Krankheit mit sich gebracht hat. Manchmal habe ich sogar fast den Glauben daran verloren, dass ich jemals wieder ein ELgutes l Leben haben S a A i r kçnnte, und wäre dankbar gewesen, zu wissen, dass es andere BetrofB te G a A M fene geschafft haben. L es t ERmich tzschließlich Aus all diesen Gründen habeVich dazu entschieden, ü N h c E s darüber zu schreiben. Etwas NN tdarf geich Ihnen übrigens an dieser Stelle be-ein UBuch h reits verraten: Dieses hat Happy End. Und das betrifft nicht nur R B rig y p dieses Buch, sondern Co auch mein persçnliches Leben. Ich habe es trotz allem geschafft, wieder gesund zu werden, in ein gutes, lebenswertes Dasein zurückzukehren und sogar meinen Traumberuf zu verwirklichen. Ich hoffe, mit diesem Buch anderen Betroffenen neue Kraft zu vermitteln und zudem interessierten Personen die Mçglichkeit zu geben, die spezifischen Auswirkungen einer Borreliose besser verstehen zu kçnnen. Claudia Lietha


Kapitel 1

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Am Tiefpunkt

1. Am Tiefpunkt August 1995 Ich liege im Bett des Krankenhauses. Habe Fieber, bin total verschwitzt. Die Haare kleben an meiner schweißnassen Stirn. Es ist der dritte stationäre Krankenhaus-Aufenthalt seit Ausbruch meiner Krankheit. Zimmer 2, oberster Stock rechts. Ein Einzelzimmer. Klein, eng, weiß getüncht, an der Wand ein Bild. Neben dem Bett ein unscheinbares Telefon. Auf dem Tisch am Fenster vorne meine Skandinavien-Bücher und Post, die ich bekommen habe. Ich bin vçllig allein – mit mir, mit meiner Situation, mit meiner Krankheit. Bin gerade mal 16 Jahre alt, seit eineinhalb Jahren Tag für Tag krank. In meinem Kopf fügt sich ein Gedanke an den nächsten. «Bald werden L einem Jahr Mut geSie wieder gesund sein», hat mir mein SpezialistE vor S A rial macht. B e t G MErlebe a den schlimmsten Und nun? Bin ich alles andere als LAgesund. s R e tzt nicht mal mehr 30 kg. Habe VE hWiege Sommer meines bisherigen Lebens. ü N E escNervenentzündungen. Lähmungen in schwerste Muskel-, GelenkNN t-gund U h gehen. Seit Monaten habe ich täglich Fieden Beinen. Kann BR kaum rigmehr y p ber, Hirnhautreizungen, gravierende Herzprobleme. Meine OrganfunkCo tionen sind schwer beeinträchtigt. Phasenweise bin ich dem Tod näher als dem Leben. Die ¾rzte verstehen nicht, weshalb ich immer noch krank bin, haben keine Ahnung, was zu tun ist. Ich genauso wenig. Was geschieht da in meinem Kçrper? Wieso produziert er so extreme, unerträgliche Beschwerden? Und wie geht das bloß weiter? Wie soll ich das weiterhin aushalten? Wird das überhaupt wieder mal gut? Fragen, aber keine Antworten. Ich sollte dringend aufs Klo, schaffe es aber nicht mehr alleine. Fühle mich zu schwach, um die Schwester um Hilfe zu rufen. Eine erneute Hitzewelle und starke Schmerzen überrollen mich, mein Kçrper beginnt sich zu verkrampfen. Ich schlage reflexartig die durchnässte Bettdecke nach hinten, drehe mich mit letzter Kraft gegen die Wand, krümme mich zusammen. Bin so total erschçpft, dass ich nicht mal mehr weinen kann – trotz der katastrophalen Schmerzen. Ich spüre, wie mein Herzschlag aussetzt: einmal, zweimal. Danach folgen willkürliche Mehrfachschläge.


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Panikartig versuche ich, nach Luft zu ringen, bin aber kaum noch dazu in der Lage. Totaler Nebel im Kopf. Mag nicht mehr denken. Will nur noch schlafen, schlafen, schlafen. Oder sterben. Sterben wäre mir in diesem Moment auch egal. Ich mçchte einfach, dass dieser miserable, absolut unerträgliche Zustand aufhçrt. Dass es endlich vorbei ist. Ich kann nicht mehr. Ich merke, dass ich langsam die Besinnung verliere. «Bitte, Gott, bleib bei mir», ist mein letzter Gedanke. Dann bin ich weg …

2. Wie alles begann November 1978 «Alles wurde geschaffen als Geschenk der Liebe für ELmich. l Ich wurde erS a A i r schaffen als Geschenk für die anderen», steht auf meiner B te GeburtsanzeiG a A M ge, die meine stolzen Eltern kurz nach an Freunde und L meiner es Geburt ER ütztKärtchen V Verwandte verschicken. Ein zitronengelbes mit dem Foto einer N h Margerite darauf; der Anzeigentext, NE -gesc wie damals üblich, mit SchreibN t U maschine geschrieben. BR yrigh p Meine Eltern haben Co sich drei Jahre zuvor bei einem Klavierkurs in den Bergen kennen und lieben gelernt: Mein Vater, ein schüchterner und fleißiger Musikstudent von 23 Jahren, hat auf meine Mutter, eine temperamentvolle und lebenslustige Musikstudentin von 25 Jahren, wegen seines unermüdlichen Klavierübens großen Eindruck gemacht. Bald ist klar, dass die beiden heiraten und ein gemeinsames Leben aufbauen wollen. Nicht nur die Liebe zur Musik und zur Natur, sondern auch der gemeinsame Glaube verbindet sie. Meine Mutter wuchs in einer gläubigen katholischen Familie auf, und mein Vater, von Haus aus protestantisch, schloss sich in seiner Jugend der christlichen Fokolar-Bewegung an. Im Frühling 1978 heiraten meine Eltern. Eine Anekdote zur Hochzeit macht auch viele Jahre später noch die Runde: Ein Bekannter bringt meinen Eltern als Hochzeitsgeschenk ein Klavier aus Schokolade mit, das er zufällig auf dem Weg zur Hochzeitsfeier im Schaufenster einer Confiserie entdeckt hat. Es ist eigentlich unverkäuflich, da es eine Lehrlingsabschlussarbeit ist. Aber der Bekannte verhandelt und feilscht und be-


Kapitel 2

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sticht den Confiseur sogar mit viel Geld … und bekommt schließlich das Klavier! Kurz vor der Hochzeit ziehen meine Eltern in eine Wohnung in der Nähe von Zug in der Schweiz, und Anfang Winter komme ich termingerecht zur Welt. Ich bin ein vçllig gesundes, kräftiges, aufgewecktes Baby, das sich zur Freude der Eltern bestens entwickelt. Ich bekomme blonde Locken, lerne sprechen, lerne laufen, räume das Büchergestell aus und kritzle die Schränke mit Männchen voll. Als ich drei Jahre alt bin, kommt meine kleine Schwester auf die Welt, um die ich mich von da an herzlich kümmere. Wir wachsen in einem kulturell vielseitigen Umfeld auf. Ein naher Verwandter meines Vaters ist ein erfolgreicher Schweizer Sänger und Liedermacher, dessen Schallplatten zu dieser Zeit – den 70er/80er-Jahren – in vielen Schweizer Haushalten zu finden sind und dessen Lieder in den Radiostationen rauf- und runtergespielt werden. EL ASZahlreiche rial KonzerttourMein Vater selber ist ein namhafter Musiker. B e t G insMIna und Ausland führen. neen werden ihn in den kommenden LAJahren s R e zt tErinnerungen VE Ich habe hauptsächlich sehr schçne an meine Kindheit. ü N h c E s Es mag sich klischeehaft aber ich empfinde es wirklich so. NN anhçren, -ge sehr t Uund h R Meine Schwester ich wachsen behütet auf, und mir fallen so B rig y p viele schçne Erlebnisse Co aus meiner Kindheit ein, dass ich auch heute immer wieder mit Sehnsucht daran zurückdenke. Meiner Mutter fällt auf, dass ich bereits in frühen Jahren ein besonderes Interesse für Sprache entwickle, denn ich erfinde lustige, originelle Wortkreationen und versuche, verschiedene Sprachen nachzuahmen. Ich bin ein sensibles, feinfühliges Kind, das die Welt um sich herum hauptsächlich in Bildern und Stimmungen wahrnimmt. Ich erinnere mich, wie wir in meiner frühen Kindheit nachts manchmal nach Hause fahren, nachdem wir bei Bekannten zu Besuch waren. Dann wickeln die Eltern mich und meine Schwester in eine Decke ein und legen uns auf die Rückbank des Autos, und ich betrachte auf der Heimfahrt durch das Autofenster den Sternenhimmel, bevor ich einschlafe. Für mich ist das ein Gefühl der totalen Geborgenheit und bleibt mir prägend in Erinnerung. Es dauert einige Zeit, bis ich in unserer materiellen Gesellschaft verwurzelt bin, und die ersten paar Lebensjahre betrachte ich unsere Welt häufig mit Erstaunen. Meine Mutter berichtet, als ich geboren wurde, hätte ich total verwundert dreingeschaut – so als ob ich mich gefragt hät-


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te, wo ich hier wohl gelandet sei. Auf alles, was mich zum Träumen bringt, sei es Musik oder seien es Bilder, reagiere ich ganz stark. Ich bin ein langsames Kind und liebe die Ruhe, weil ich mich in der Ruhe selber ganz spüren kann. Deshalb mag ich als Kind auch die Berge so gerne, weil dort eine absolute Ruhe wahrnehmbar ist. Ich bin zudem sehr harmoniebedürftig, und das Gefühl, irgendwo ganz zu Hause zu sein, bedeutet mir sehr viel. Als ich sieben Jahre alt bin, ziehen wir in die Region Bern, in die Nähe meiner Großeltern und des Bruders meiner Mutter. Mein Vater findet eine gute neue Stelle als Klavierlehrer in einem Lehrerseminar sowie als Organist in einer Kirchengemeinde der Stadt Bern. Meine Eltern kaufen ein hübsches Reihenhäuschen auf dem Land in einer Familiensiedlung, wo wir Geschwister den ganzen Tag Gelegenheit zum Spielen haben. Das Verhältnis zu den neuen Nachbarskindern, die alle ungefähr in unL serem Alter sind, ist gut. Bei den Nachbarn im Haus sind wir l SE rnebenan a A i besonders oft zu Besuch und schauen dann so spannende Filme wie «ZuB te G a A M rück in die Zukunft», «Der Gendarm von «Hurra, die Schule L St.eTropez», s ER inütihren zt fliegenden Kisten». V brennt» oder «Die tollkühnen Männer ENanderen schKindern aus dem Dorf an, wie beiNmit Ich freunde mich auch e N g RU rieiner spielsweise mitBMiriam, ght Halbnorwegerin, die in der Grundschule y p meine beste Freundin Co wird, oder mit Simone, die ebenfalls gleich alt ist und eine Straße weiter wohnt. Manchmal dürfen wir auch mit den Eltern in die Stadt ins Kino. «Mary Poppins» von Walt Disney ist mein allererster Kinofilm – da bin ich gerade mal sieben Jahre alt. Auch in Konzerte, Ausstellungen, ins Theater oder ins Ballett nehmen uns die Eltern mit, und so erleben wir früh die Vielfalt kultureller Veranstaltungen. Meine Kindheit spielt sich ein wenig ähnlich ab wie die von Luise aus dem Buch Das doppelte Lottchen von Erich Kästner, die bei ihrem Vater, dem Komponisten Palfy, lebt: Wir Kinder sitzen in schçnen Kleidern in noch viel schçneren Konzertsälen, hçren die Konzerte unseres Vaters an, das Publikum applaudiert, die Presse ist da, es gibt Blumen und Geschenke. Und nach den Konzerten dürfen wir mit den Eltern und vielen anderen Künstlern in ein tolles Restaurant essen gehen. Es ist eine schçne, interessante und vor allem unbeschwerte Kindheit, die ich erlebe. Wir wachsen zudem nicht nur in einem kulturellen, sondern auch in einem religiçsen Umfeld auf: Von klein auf beten unsere Eltern jeden


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Abend mit uns Kindern, und so steht es für mich außer Frage, dass es Gott gibt. Meine Mutter verbringt während meiner Kindheit immer wieder mal Meditationswochen im Kloster, und durch die Tatsache, dass mein Vater Hauptorganist einer großen Kirchengemeinde ist, sind wir in eine tolle Pfarrei integriert. Häufig sind meine Schwester und ich zu Besuch im Pfarrhaus und essen bei der Pfarrhaushälterin Kuchen, während unser Vater drüben in der Kirche den Gottesdienst begleitet. Und jedes Jahr zu Weihnachten schenkt uns der Pfarrer einen Weihnachtsbraten. Ich kann mich an kein Weihnachtsfest ohne Gottesdienst erinnern – und anschließend stapfen wir alle dick eingepackt durch den Schnee nach Hause. Wir Geschwister nehmen zudem häufig an Kinderveranstaltungen der Fokolar-Bewegung teil. Dann sitzen wir im Haus des FrauenFokolars an der Tscharnerstraße in Bern und basteln mit anderen Kindern L zusammen – farbig verzierte Backsteine beispielsweise, SE rial die wir jemanA dem schenken sollen, dem es nicht gut geht. B Ein tealljährlich ersehntes G a A M Highlight ist auch das HerbstlagerRder L Pfarrei, es das von der Katechetin untlassen E Leiter z t seres Dorfes organisiert wird.VDie sich immer unglaublich N schü E N Kinder viele tolle Dinge fürN uns -geeinfallen. U ghtmeiner R Die religiçse Einstellung Eltern widerspiegelt sich auch darin, B ri y p dass sie verschiedenste Hilfswerke und Menschen in Not unterstützen Co und immer ein offenes Ohr für andere haben. Als Kind liebe ich die Bibelgeschichten für Kinder mit den wunderschçnen Illustrationen von Kees de Kort. Da der Glaube in unserer Familie sehr offen vermittelt wird, ist Gott für mich von Anfang an positiv besetzt. Ein bçser oder gar strafender Gott ist mir vçllig unbekannt – im Gegenteil, Gott ist wunderbar, denn er hat eine wunderschçne Welt erschaffen und will nur das Beste für mich, davon bin ich überzeugt. Deshalb betrachte ich Gott von klein auf als einen persçnlichen Freund, mit dem ich alles besprechen kann. Wie oft danke ich Gott auf dem Weg zur Schule dafür, dass ich auf der Welt sein und ein so schçnes Leben haben darf. Am Wochenende oder in den Ferien gehen wir häufig in den Schweizer Bergen wandern. Meine Eltern stammen gebürtig aus Graubünden, einer Region in den Schweizer Alpen, und so sind wir immer wieder dort anzutreffen.


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