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Das Matthäusevangelium

Wie der Messias unsere tiefsten Hoffnungen erfüllt

Der Verlag weist darauf hin, dass jede Form der Vervielfältigung dieses Materials, auch in kleinen Mengen, nicht erlaubt ist.

Konzeption und Text: Rolf Sons

Lektorat: Susanne Baum

Bibeltexte sind entnommen der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen © 2011 Genfer Bibelgesellschaft.

Weitere verwendete Übersetzung (LUT): Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart.

© 2025 Brunnen Verlag GmbH, Gießen

Gottlieb-Daimler-Str. 22, 35398 Giessen www.brunnen-verlag.de info@ brunnen-verlag.de

Die Nutzung von Bild-, Sprach- und Textdaten für sog. KI-Training und ähnliche Zwecke ist nur nach vorheriger schriftlicher Genehmigung erlaubt.

Umschlagmotiv: May (Generiert mit KI)/Adobe Stock

Umschlaggestaltung: Jonathan Maul/Brunnen Verlag GmbH

PDF-Download-Symbol: puchongart/Adobe Stock

Satz: Brunnen Verlag GmbH

Herstellung: Arkadruk, Polen

ISBN 978-3-7655-0837-0

Verzeichnis der Abkürzungen

Altes Testament

1 Mo Das erste Buch Mose

2 Mo Das zweite Buch Mose

3 Mo Das dritte Buch Mose

4 Mo Das vierte Buch Mose

5 Mo Das fünfte Buch Mose

Jos Das Buch Josua

Ri Das Buch über die Richter

Ruth Das Buch Ruth

1 Sam Das erste Buch Samuel

2 Sam Das zweite Buch Samuel

1 Kön Das erste Buch über die Könige

2 Kön Das zweite Buch über die Könige

1 Chr Das erste Buch der Chronik

2 Chr Das zweite Buch der Chronik

Esra Das Buch Esra

Neh Das Buch Nehemia

Est Das Buch Esther

Hiob Das Buch Hiob

Ps Die Psalmen

Spr Die Sammlung der Sprüche

Pred Der Prediger Salomo

Hld Das Hohelied

Jes Der Prophet Jesaja

Jer Der Prophet Jeremia

Klgl Die Klagelieder

Hes Der Prophet Hesekiel

Dan Der Prophet Daniel

Hos Der Prophet Hosea

Joel Der Prophet Joel

Am Der Prophet Amos

Ob Der Prophet Obadja

Jona Der Prophet Jona

Mi Der Prophet Micha

Nah Der Prophet Nahum

Hab Der Prophet Habakuk

Zef Der Prophet Zefanja

Hag Der Prophet Haggai

Sach Der Prophet Sacharja

Mal Der Prophet Maleachi

Neues Testament

Mt Das Evangelium nach Matthäus

Mk Das Evangelium nach Markus

Lk Das Evangelium nach Lukas

Joh Das Evangelium nach Johannes

Apg Die Apostelgeschichte

Röm Der Brief des Paulus an die Christen in Rom

1 Kor Der erste Brief des Paulus an die Christen in Korinth

2 Kor Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Korinth

Gal Der Brief des Paulus an die Christen in Galatien

Eph Der Brief des Paulus an die Christen in Ephesus

Phil Der Brief des Paulus an die Christen in Philippi

Kol Der Brief des Paulus an die Christen in Kolossä

1 Thess Der erste Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich

2 Thess Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich

1 Tim Der erste Brief des Paulus an Timotheus

2 Tim Der zweite Brief des Paulus an Timotheus

Tit Der Brief des Paulus an Titus

Phlm Der Brief des Paulus an Philemon

Hebr Der Brief an die Hebräer

Jak Der Brief des Jakobus

1 Petr Der erste Brief des Petrus

2 Petr Der zweite Brief des Petrus

1 Joh Der erste Brief des Johannes

2 Joh Der zweite Brief des Johannes

3 Joh Der dritte Brief des Johannes

Jud Der Brief des Judas

Offb Die Offenbarung an Johannes

Fragen zu diesem Kurs

Zielsetzung

1. Worum geht es in diesem Kurs? Um drei Ziele, die alle wichtig sind:

a. Jesus kennenlernen. – In diesem Kurs geht es darum, Jesus so kennenzulernen, wie er uns im Matthäusevangelium vorgestellt wird. Wir spannen dabei einen weiten Bogen. Dieser reicht von seinen Vorfahren über seine Geburt, Worte und Taten bis hin zu Ostern und seinem Auftrag an seine Jünger. Im Hören auf die Worte von Jesus und im Nachsinnen über seine Taten soll unser eigener Glaube an Jesus gestärkt und genährt werden.

b. Gemeinschaft erleben. – Im Gespräch über unseren Glauben, aber auch über unsere Zweifel öffnen wir uns gegenseitig. So erleben wir, wie Gemeinschaft entsteht. Im Hören auf Gott und aufeinander gewinnt unsere Gemeinschaft Tiefe. So werden wir fähig, einander im Alltag zu tragen und zu unterstützen.

c. Wachstum erfahren. – Dieser Kurs wendet sich auch an Menschen, die schon im christlichen Glauben zu Hause sind. Und an solche, die bisher nur wenig mit dem christlichen Glauben in Berührung gekommen sind. Im gemeinsamen Hören, Suchen und Fragen werden sie immer wieder Neues entdecken und so in ihrem Glauben wachsen.

Teilnehmer

2. Für wen soll dieser Gesprächskreis sein?

• Für Menschen, die Fragen an das Leben haben und wissen möchten, ob der christliche Glaube ihnen Antworten geben kann.

• Für Menschen, die sich – neu oder wieder – intensiver mit dem christlichen Glauben beschäftigen wollen.

• Für Menschen, denen Kirche und Glauben fremd geworden sind, die aber nach einem neuen Zugang zum Glauben suchen.

• Für Christen, die die Bibel besser kennenlernen und tiefer verstehen wollen.

• Für Menschen, die im Gespräch über Glaubensfragen und durch das Gebet füreinander in ihrem Glauben wachsen möchten.

• Für Menschen, die mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen haben und eine Gruppe suchen, die Unterstützung und Zusammenhalt bieten kann.

Der erste Schritt

3. Wie sollen wir anfangen? Machen Sie sich eine Liste mit den Namen, die Ihnen jetzt als mögliche Teilnehmer einfallen. Hängen Sie die Liste an einen Platz, an dem Ihr Blick immer wieder einmal darauffällt. Lassen Sie sie dort, bis Sie alle, die Sie auf Ihrer Liste notiert haben, gefragt haben, ob sie Interesse an einem solchen Gesprächskreis haben.

Das erste Treffen

4. Was geschieht beim ersten Treffen? Sie lernen einander als neue Gruppe kennen bzw. begrüßen neue Mitglieder, wenn Ihre Gruppe schon länger besteht. Sie sprechen über Ihre Erwartungen an diesen Kurs und vereinbaren „Spielregeln“, die in der Gruppe gelten sollen.

5. Wie entsteht die Vereinbarung über die Spielregeln? Sprechen Sie über die folgenden Fragen und notieren Sie die Punkte, bei denen Sie sich einig sind. So können Sie am Ende des Kurses gut beurteilen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben.

• Was ist der Zweck Ihrer Treffen?

• Wie oft wollen Sie sich treffen? (Dieser Kurs bietet Ihnen Gesprächsanregungen für 10 Treffen. Wenn Sie danach weiterhin zusammenkommen wollen, verlängern Sie einfach Ihre Abmachung.)

• Wo wollen Sie sich treffen?

• Um welche Uhrzeit sollen die Treffen beginnen und wie lange sollen sie dauern?

• Welchen Rahmen wollen Sie Ihren Treffen geben? Soll es Getränke und etwas zum Knabbern geben? Wer ist dafür zuständig?

Hilfreich ist es, wenn Sie außerdem Regeln für das Gespräch in der Gruppe vereinbaren. Dazu könnten folgende Vereinbarungen gehören:

• Was in diesem Kreis gesagt wird, ist vertraulich und wird nicht nach außen getragen.

• Wir reden nicht übereinander, sondern miteinander.

• Gesprächsbeiträge werden nicht bewertet; jeder Teilnehmer wird mit seiner Meinung ernst genommen.

• Es gibt keine „unmöglichen“ Positionen. Wenn es Meinungsunterschiede gibt, begründet jeder seine eigene Sicht. •

Sie können ergänzen, was Ihnen sonst noch für Ihre Gruppe wichtig zu sein scheint.

Zeitlicher Rahmen

6. Wie lange dauert ein Treffen? Die Mindestzeitangaben für die einzelnen Bausteine des Treffens sind für Gruppen gedacht, die nur eine Stunde zusammen sein können. Wenn Sie mehr Zeit zur Verfügung haben, verlängern Sie die angegebenen Zeiten entsprechend.

7. Warum verabreden Sie sich zunächst nur für eine bestimmte Anzahl von Treffen? Weil es leichter ist, sich für einen überschaubaren Zeitraum für eine Sache zu entscheiden und sie wirklich durchzuhalten, als eine Verpflichtung auf unbestimmte Zeit einzugehen. Wenn Sie nach Abschluss des Kurses weiter als Gruppe zusammenbleiben wollen – umso besser.

Gesprächsinhalt

8. Was wird bei den Treffen besprochen? Die Einheiten dieses Gesprächsleitfadens führen in die zentralen Inhalte des Matthäusevangeliums ein. Dabei werden wir erleben, wie diese Inhalte auch für unser eigenes Leben transparent sind. Unter anderem geht es dabei um Fragen wie:

• Was macht uns glücklich? Wie findet unser Leben Sinn und Erfüllung?

• Wie gehen wir mit Krankheit um? Heilt Gott auch heute noch Krankheiten?

• Wie gehe ich damit um, wenn mein Glaube auf den Prüfstand gestellt wird? Was hilft mir, im Glauben zu bestehen?

• Wie breitet sich eigentlich das Evangelium aus und was hindert dessen Ausbreitung?

• Wie kann ich in einer säkularen Gesellschaft zu meinem Glauben besser stehen? Wie kann ich ihn bekennen?

• Wie gewinnt das Kreuz Jesu für mich eine persönliche Bedeutung?

Bibelkenntnis

9. Und wenn jemand in der Gruppe wenig von der Bibel weiß? Prima! Dafür ist die Gruppe ja da. Die ERLÄUTERUNGEN geben Ihnen Hinweise zum Verständnis größerer Zusammenhänge, einzelner Ausdrücke, geschichtlicher Hintergründe oder wichtiger Personen im Text. Greifen Sie immer dann auf die Erläuterungen zurück, wenn der Sinn des Textes sich nicht von selbst erschließt.

Bibel dabeihaben. Die Texte, auf die sich dieses Heft bezieht, sind in den einzelnen Einheiten abgedruckt. Weil aber auch immer wieder auf weitere biblische Zusammenhänge verwiesen wird, ist es gut, wenn die Teilnehmer auch eine Vollbibel dabeihaben, um entsprechende Stellen nachschlagen zu können.

„Hausaufgaben“

10. Was muss ich sonst noch tun? Nichts, wenn Sie nicht wollen. Aber Sie können über das hinausgehen, was in der Gruppe besprochen wird. Nicht immer werden Sie alle Erläuterungen gemeinsam in der Gruppe lesen und diskutieren können. Wenn Sie die Zusatzinformation voll ausschöpfen möchten, haben Sie dafür zwei Möglichkeiten:

• Lesen Sie Text und Erläuterungen vorbereitend zu Hause. Oder:

• Vertiefen Sie das Gespräch über einen Text im Anschluss an Ihr Gruppentreffen.

Lesen Sie den Text noch einmal im Zusammenhang und nehmen Sie sich Zeit, die Erläuterungen zu studieren.

Der Traum

11. Der Traum, der dahintersteckt: Menschen treffen sich und wachsen zu einer tragfähigen Gemeinschaft zusammen, in der jeder eine Heimat findet und in seinen Freuden und Schwierigkeiten angenommen ist. Menschen kommen zusammen, reden über ihr Leben und ihren Glauben und begegnen der Bibel – egal, ob sie Kirchenmitglieder sind, vom Glauben bisher viel oder wenig wissen, ob sie Christen sind oder nicht.

Serendipity

12. Was heißt Serendipity? „Das Geschenk, zufällig glückliche Entdeckungen zu machen.“ Genau darum geht es beim Kursmaterial „Serendipity Bibel“: Menschen kommen ins Gespräch über das Leben und den Glauben, tauschen Erfahrungen aus, setzen sich mit Fragen nach Gott und der Welt, nach Glauben und Bibel auseinander und machen dabei – möglicherweise ganz unvermutet –wertvolle Entdeckungen für ihr Leben.

Hinweise für Gruppenleiter

13. Weitergehen. Weitere Kurshefte zu vielen biblischen Themen finden Sie auf unserer Homepage: https://www.brunnen-verlag.de/serendipity

Wie verläuft ein Treffen?

Jedes Treffen besteht aus vier Teilen:

1. EINSTIEG (15 – 20 Minuten)

Der Einstieg bietet Hilfen an, um sich untereinander kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Die Impulse in diesem Teil zielen darauf ab, mehr voneinander zu erfahren, damit gute Beziehungen untereinander wachsen können.

2. BIBELGESPRÄCH (30 – 40 Minuten)

Lesen Sie den Bibeltext zunächst gemeinsam. Die Fragen in diesem Teil beziehen sich auf den Bibeltext bzw. das Thema der Gesprächseinheit. Sie helfen, den Bibeltext zu erschließen, und geben Ihnen einen Leitfaden für Ihr Gespräch. Greifen Sie immer dann auf die Erläuterungen zurück, wenn der Sinn des Textes sich nicht von selbst erschließt.

Sie werden vielleicht nicht alle Fragen in der zur Verfügung stehenden Zeit ansprechen können. Wählen Sie dann einfach die aus, die Ihrer Gruppe am wichtigsten erscheinen.

Wenn Ihre Gruppe groß ist, können Sie auch überlegen, ob Sie sich für das Bibelgespräch – immer oder hin und wieder – in kleineren Gruppen (etwa zu viert) aufteilen. Das gibt jedem Einzelnen die Möglichkeit, häufiger zu Wort zu kommen.

Wichtig: Zu manchen Fragen möchten Sie sich vielleicht nicht in der Gruppe äußern. Geben Sie aber Ihre Antwort für sich persönlich. Natürlich hat jeder die Freiheit, nur das mitzuteilen, was er sagen möchte.

3. AUSTAUSCH UND GEBET (15 – 30 Minuten)

Hier ist Gelegenheit, den Text noch einmal auf sich wirken zu lassen und, wenn Sie möchten, persönliche Anliegen anzusprechen. Dieser Austausch und das gemeinsame Gebet füreinander dienen ganz entscheidend dem Zusammenwachsen und dem Aufbau einer tragfähigen Gemeinschaft.

4. KONKRETE SCHRITTE

Diese Impulse und Anregungen sollen dazu dienen, das Gelernte während der Woche im Alltag zu vertiefen und umzusetzen.

Einführung: Durch Jesus das Reich Gottes entdecken

Der jüdische Kontext

Jedes der vier Evangelien ist besonders. Jedes besitzt seinen eigenen Verfasser, seinen eigenen Charakter und seine eigene Zielsetzung. Was aber ist das Besondere des Matthäusevangeliums? Was macht dieses Evangelium so einzigartig und unverwechselbar? Anders gefragt: Was würde fehlen, wenn ausgerechnet Matthäus im Kanon der vier Evangelien herausfallen würde? Wir wollen mit dieser Einführung versuchen, das Besondere des Matthäusevangeliums herauszuhören. Es lässt uns die Schönheit dieses Evangeliums wahrnehmen und zu einem vertieften Verständnis desselben finden.

Auf den ersten Blick lässt sich die Frage nach der Besonderheit des Evangeliums leicht beantworten. In keinem anderen Evangelium finden wir die Bergpredigt. Zwar kennt Lukas die sogenannte Feldrede, die manche Ähnlichkeit mit der Bergpredigt aufweist. Doch ist die Bergpredigt des Matthäus sehr viel umfangreicher. Aufmerksamkeit verdient auch der Stammbaum Jesu ganz zu Beginn des Evangeliums. Zwar finden wir auch bei Lukas einen Stammbaum von Jesus. Matthäus aber lässt die Ahnenreihe von Jesus ganz bewusst bei David und Abraham beginnen. Dies hat Gründe, denen wir noch auf die Spur kommen müssen. Eine andere Auffälligkeit gleich zu Beginn des Matthäusevangeliums ist die Erzählung von den Königen aus dem Morgenland, die nach Bethlehem reisen, um Jesus anzubeten. Welche Absicht verfolgt Matthäus ausgerechnet mit dieser

Geschichte? Außerdem ist der Missionsbefehl am Ende des Evangeliums eine Besonderheit. Die Völkerwelt kommt in den Blick. Auch wird die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes erwähnt. Die Nennung der Dreieinigkeit (Trinität) aber ist einzigartig in den Evangelien. Auffallend sind schließlich die zahlreichen alttestamentlichen Zitate bei Matthäus. Was sind die Gründe hierfür? Eine letzte Beobachtung sei erwähnt. Matthäus verwendet Begriffe, die nur für fromme Juden verständlich sind. Wenn er z. B. von Jerusalem spricht, nennt er diese die „Heilige Stadt“ (Mt 4,5). Wenn er vom Reich Gottes spricht, so verwendet er die jüdische Bezeichnung „Königsherrschaft des Himmels“ (NGÜ: Himmelreich; vgl. 8,11; 20,1). Beides sind Begriffe und Vorstellungen, die allein jüdischen Lesern vertraut sind, mit deren Verständnis sich Heiden dagegen schwertun. Die genannten Besonderheiten legen den Schluss nahe, dass Matthäus sein Evangelium zuerst an jüdische Leser adressiert. Matthäus will seinen jüdischen Lesern Jesus als jüdischen Messias vorstellen. Jesus ist eben nicht nur der Christus für die Heiden. Er ist vielmehr der im Judentum tief verankerte und von den Juden lang ersehnte Messias. In Matthäus 11,2 etwa lässt ein verunsicherter Johannes der Täufer Jesus fragen, ob er der ist, „der kommen soll“? Mit dieser Frage knüpft Johannes an die alttestamentliche Erwartung eines kommenden Messias an (vgl. Ps 118,26). Die Antwort Jesu auf diese Frage ist bezeichnend: „Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige werden geheilt, Taube hören, Tote werden auferweckt,

und den Armen wird Gottes gute Botschaft verkündet.“ Und glücklich zu preisen ist, wer nicht an mir Anstoß nimmt (11,5.6). Die Antwort Jesu entspricht haargenau der alttestamentlichen Messiaserwartung und stellt gewissermaßen eine Zusammenstellung der Eigenschaften des Messias dar. Matthäus will zeigen, dass mit Jesus Gottes Plan nicht nur für die Juden, sondern auch für die Heiden in Erfüllung gegangen ist. Der Ausleger Gerhard Maier bezeichnet das Matthäusevangelium folgerichtig als eine Werbeschrift für Juden. Matthäus möchte Juden ein vertieftes Verständnis von Jesus nahebringen.

Dass das Matthäusevangelium einen jüdischen Kontext berücksichtigt, haben nicht nur Ausleger der jüngeren Zeit festgestellt. Einen wichtigen Hinweis für den jüdischen Kontext des Matthäusevangeliums finden wir in der Kirchengeschichte des Euseb von Caesarea (3./4. Jahrhundert n. Chr.). Dort zitiert Euseb den Bischof Papias von Hierapolis (ca. 60 bis 130 n. Chr.), der in einem fünfbändigen Werk zahlreiche Angaben über die Verfasserschaft und Entstehung der vier Evangelien zusammengetragen hat. Papias schreibt: „Matthäus hat in hebräischer Sprache die Reden zusammengestellt; ein jeder aber übersetzte dieselben so gut er konnte.“ Offensichtlich hat Matthäus nicht nur den jüdischen Adressatenkreis reflektiert, sondern ist diesem auch sprachlich entgegengekommen, indem er sein Evangelium in hebräischer Sprache bzw. dem damals gesprochenen Aramäisch verfasst hat. Zur weiteren Verbreitung und zur besseren Verständlichkeit wurde dieses dann ins Griechische übertragen.

Biografische Absicht

Die Evangelien wollen Geschichte erzählen und sind daher im Stile von biografischen Erzählungen verfasst. Kennzeichen jüdisch-

rabbinischer Biografien ist es, dass sie keinen lückenlosen Lebenslauf bieten, wie es sonst in antiken Biografien üblich war, sondern nur Episoden aus dem Leben eines Menschen berichten. Auch lehrhafte Inhalte spielen für jüdische Lebensbeschreibungen eine wichtige Rolle. Beide Merkmale treffen auch auf die Evangelien zu. Wir erfahren bei Matthäus Episoden aus dem Leben Jesu und zugleich bietet er uns sehr viele lehrhafte Aussagen von Jesus. Im Unterschied zu heidnischen (paganen) Biografien wollen die Evangelien keine Lobrede auf einen Menschen sein (so wie man es gerne auf Beerdigungen hört). Sie wollen vielmehr das Leben und die Lehre von Jesus darstellen.

Der Verfasser

Wer hat das Evangelium geschrieben? Die traditionelle, seit den Tagen der alten Kirche belegte Auffassung geht davon aus, dass Matthäus, ein ehemaliger Zöllner und späterer Apostel, das Evangelium geschrieben hat. Ein anderer Verfassername taucht in den früheren Quellen nicht auf. Erst die neuere Forschung hat diese Angaben in Zweifel gezogen und betrachtet daher einen großen Unbekannten als den Verfasser des Evangeliums. Ich sehe indessen keinen triftigen Grund, von der traditionellen Verfasserangabe abzuweichen. Matthäus war demnach ein Jude und Sohn eines Mannes mit Namen Alphäus. Matthäus war ursprünglich ein Zöllner, den Jesus in seine Nachfolge und in den Kreis der zwölf Apostel berufen hatte (Mt 9,913). Der Name „Matthäus“ stellt eine griechische Übersetzung des hebräischen „Mattathias“ dar, was so viel bedeutet wie: „Der Herr hat gegeben“.

Im Zusammenhang mit der Verfasserfrage verdient noch eine andere Beobachtung Aufmerksamkeit. Ursprünglich waren die Evan-

gelien nicht mit einem Verfassernamen überschrieben. Anders als in der griechischen Ausgabe oder auch den deutschen Ausgaben des Neuen Testaments waren die Evangelien anonyme Schriften. Erst im zweiten Jahrhundert nach Christus wurden diese Angaben ergänzt. Der Grund für diese Verschwiegenheit liegt im Selbstverständnis der Autoren. Diese sahen sich weniger als Schriftsteller im klassischen Sinne, sondern eher als Verarbeiter einer vorgegebenen Überlieferung. Als Sammler der mündlichen und schriftlichen Evangelien-Überlieferungen führten sie diese zusammen. Dabei kam es ihnen weniger auf die eigene Person oder Handschrift an. Vielmehr wollten sie den Inhalt, die Geschichte von Jesus, in den Vordergrund stellen. Erst in späterer Zeit wurden den Evangelien ihre Verfassernamen zugeordnet, um so deren Authentizität sicherzustellen.

Die Zeit der Abfassung

Das Matthäusevangelium ist von der Reihenfolge her das erste der vier Evangelien. Bedeutet dies, dass es auch das älteste ist? Wurde es also zeitlich vor den anderen Evangelien aufgeschrieben? Befragt man die frühchristlichen Quellen wie etwa Bischof Irenäus von Lyon (ca. 135–200 n. Chr.), so kommt man zu einer sehr frühen Datierung des Evangeliums. Irenäus zufolge schrieb Matthäus sein Evangelium, als Petrus und Paulus in Rom waren (ca. 60–65 n. Chr.). Auch andere prominente Vertreter in der frühen Kirche wie etwa Euseb von Cäsarea, Origenes oder Clemens von Alexandrien plädieren dafür, dass Matthäus das älteste Evangelium sei. Einer anderen Sicht begegnet man in der wissenschaftlichen Forschung der vergangenen 200 Jahre. Dort gilt es als erwiesen, dass Markus das älteste Evangelium ist und die beiden Synoptiker Matthäus

und Lukas diesen womöglich noch unter Hinzuziehung anderer Quellen als Vorlage benutzt haben. In diesem Falle wäre das Matthäusevangelium erheblich jünger als das Markusevangelium, sodass man auf eine Abfassungszeit im Jahr 80 oder gar 90 n. Chr. kommen würde. Als Argument für eine spätere Datierung spielt allerdings ein anderes Argument noch eine gewichtige Rolle. Jesus kündigt in Mt 22,7 und 24,2 die Zerstörung des Jerusalemer Tempels an. Dieses einschneidende Ereignis erfolgte im Jahre 70 n. Chr. im Zuge der Belagerung und Eroberung Jerusalems durch den römischen Feldherrn Titus. Gehen wir davon aus, dass Jesus dieses schreckliche Ereignis voraussehen konnte, und es ihm nicht erst nachträglich in den Mund gelegt wurde, so spricht dies ebenfalls für eine frühere Abfassung. Zuletzt sei noch auf die in Mt 28,19 verwendete trinitarische Taufformel hingewiesen. Auch diese wurde als Indiz für eine späte Abfassungszeit angeführt, in welcher die Taufe auf den dreieinen Gott bereits ein fester Brauch in den Gemeinden war. Umgekehrt gilt allerdings, dass der Glaube an einen dreieinen Gott sich nicht erst einer späteren theologischen Entwicklung verdankt, sondern auch schon bei Paulus (vgl. 1 Kor 12,4-6) fest verankert ist. Es ist hier nicht der Ort, die verschiedenen wissenschaftlichen Erklärungshypothesen zur Zeit der Entstehung zu diskutieren. Jeder der ausgewiesenen Forscher findet ausreichend Argumente zur Stützung seiner Hypothese. Der Entstehungsprozess der Evangelien ist komplex, und angebliche unerschütterliche Annahmen wurden im Laufe der Forschung immer wieder verworfen. Ich sehe allerdings keinen Grund, den Angaben der oben genannten Zeugen, die zeitlich näher dran waren als wir heute, zu misstrauen.

Die Überschrift

Erst im 2. Jahrhundert n. Chr. wurden die Evangelien mit den Überschriften versehen, die wir heute kennen (Das Evangelium nach Matthäus). Ursprünglich allerdings fanden sich keine Verfassernamen als Überschrift. Die Gründe hierfür wurden weiter oben bereits genannt. Viel aufschlussreicher als die nachträgliche Verfasserangabe ist die ursprüngliche Überschrift, mit der die Evangelisten ihr Werk versehen haben. Bei Matthäus lautet diese so: „Buch der Geschichte von Jesus Christus, dem Sohn Davids, dem Sohn Abrahams.“ (Mt 1,1). Damit knüpft Matthäus an jüdische Formulierungen an, die sich auch im Alten Testament finden lassen. Das hebräische Wort Toledot (vgl. 1 Mo 6,9; 10,1; 11,10.27) meint so viel wie Genealogie oder Geschlechterfolge. Im Judentum besitzt die Frage nach der Herkunft eines Menschen großes Gewicht. Wer auf einen langen Stammbaum verweisen kann, ist von großer Bedeutung. Der messianische Jude Anatoli Uschomirski weist darauf hin, dass bei westlich geprägten Christen die Frage, was ein Mensch getan hat, von Bedeutung ist. Für Juden dagegen sei es sehr viel interessanter zu wissen, woher ein Mensch kommt und woher er stammt. Die genannte Überschrift informiert uns daher über Zweck und Ziel des Evangeliums: Es will in erster Linie jüdischen Lesern Jesus als den verheißenen Messias vorstellen.

Der Aufbau

Die Absicht des Evangelisten Matthäus, nämlich Jesus als den verheißenen jüdischen Messias vorzustellen, spiegelt sich auch im Aufbau des Evangeliums wider. Jesus wird als König der Juden, der zugleich der Heiland der Welt ist, präsentiert. Diesem Anliegen

folgt Matthäus Schritt für Schritt vom Anfang bis zum Ende seines Evangeliums. Diesem Programm folgend baut er auch sein Evangelium auf.

Kapitel 1–4: Die Vorstellung des Königs

Kapitel 5–7: Das Regierungsprogramm des Königs

Kapitel 8–10: Die Taten des Königs

Kapitel 11–19: Das Reich des Königs

Kapitel 20–28: Das Leiden und der Sieg des Königs

Diese Grobstruktur ließe sich beliebig verfeinern. Doch wollen wir uns an dieser Stelle darauf konzentrieren, was für das Verstehen des Evangeliums von Belang ist.

1. Die Vorstellung des Königs (Kapitel 1–4)

Jesus ist der verheißene Sohn Davids und wird als Nachkomme Abrahams vorgestellt (1,1-17). Damit ist er der wahre König Israels und Heiland der Völker. Seine Geburt wird als Erfüllung der Verheißung gesehen. Jesus ist der Immanuel (1,23) und das Zeichen, dass Gott mit uns ist. Die drei Weisen als Vertreter der Nationen suchen ihn, den König der Welt, auf und huldigen ihm (2,1-12). An dieser Stelle kommt bereits die universale Bedeutung Jesu in den Blick. Als Sohn Davids ist er nicht nur der König Israels, sondern auch der Heiland der Welt. Auch am Ende des Evangeliums (28,16-20) wird dieser universale Blick nicht fehlen. Die Parallelen am Anfang und am Ende in Matthäus sind kunstvoll gestaltet. Gleich zu Beginn des Evangeliums kommen die Völker zu Jesus. Am Ende sendet Jesus seine Jünger zu den Völkern. Am Anfang des Evangeliums suchen sie den, dessen Name „Gott mit uns“ ist. Am Ende des Evangeliums verspricht er sich seinen Jünger als der, der bis

zum Ende der Zeit mit ihnen ist (28,20). Es folgt die Ankündigung Jesu durch den Täufer (3,1-13) und sogleich die Bestätigung des Sohnes durch den himmlischen Vater. Dass hier ausgerechnet auf Psalm 2 Bezug genommen wird, verdient Beachtung. Nach Palm 2 ist der Messias der von Gott eingesetzte König, dem die Völker huldigen. Es folgt schließlich die Versuchung Jesu (4,111), die zeigt, wie sehr sein Königtum, wie wir auch schon in 2,13-23 gesehen haben, von Anfang an umkämpft ist.

2. Das Regierungsprogramm des Königs (5–7)

Jesus beginnt in Galiläa öffentlich die Botschaft vom Königreich zu predigen (4,12-17). Dabei beruft er zwei Brüderpaare (4,18-21). Durch den Anschluss an seine Person werden diese zu den ersten Repräsentanten seines Reiches. Danach folgt ein sog. Summarium, also eine Zusammenfassung seines Wirkens in Galiläa (4,23). Dieses besteht im Lehren, im Predigen und Heilen. Dieselbe Aufzählung findet sich im Anschluss an die Bergpredigt in 9,35. Beide Summarien bilden eine Art Klammer und beschreiben Jesus als den Messias des Wortes (lehren, predigen) und der Tat (heilen). In der darauffolgenden Bergpredigt (5–7) gibt Jesus sein Regierungsprogramm ab.

3. Die Taten des Königs (8–10)

Nach der königlichen Lehre erweist Jesus seine Vollmacht in der Tat. In Kapitel 8 und 9 sind insgesamt 10 Wunder- und Machttaten von ihm aufgezählt. Zeichen und Wunder sind ein Hinweis, dass nun die Heilszeit beginnt. Das Königreich ist gekommen. Dabei findet Jesu Vollmacht keine Grenze. Er vergibt

Sünden und heilt jede Art von Gebrechen, auch die Dämonen und Naturgewalten sind ihm untertan.

4. Das Reich des Königs (11–19)

Nach der großen Aussendungsrede (10,5-42) folgen ein Bericht über Johannes den Täufer (11,1-19), verschiedene Berichte über Reaktionen auf seine Predigt (11,20-24) sowie weitere Heilungsberichte. In all dem werden zunehmende Spannungen im Blick auf seine Person und seinen Anspruch deutlich. Danach folgt eine große Sammlung von Gleichnissen. Allein in Kapitel 13 werden sieben Gleichnisse erzählt. Vergleichspunkt ist jeweils das Reich des Königs bzw. das Himmelreich. Danach folgt ein umfangreicher Erzählteil, in dem es um Auseinandersetzungen mit den Pharisäern geht. Von Bedeutung ist in diesem großen Abschnitt noch das sog. Bekenntnis des Petrus (16,15) und das darauffolgende Felsenwort an Petrus (16,18). Die Geschichte von der Verklärung (17,1-13) zeigt Jesus als den Sohn und Vollender der Heilsgeschichte Gottes. Zu erwähnen ist noch die sog. Gemeinderede (18,15-20). Als einziger Evangelist greift Jesus auf die Gemeinde voraus.

5. Das Leiden und der Sieg des Königs (20–28)

Die Leidensgeschichte Jesu beginnt mit dem Einzug des Königs in Jerusalem. Dieselbe Volksmenge, die ihm hier noch zujubelt (21,9), wird bald verlangen, dass man ihn kreuzigt (27,22-23). In die Leidenserzählung eingefügt findet sich eine weitere große Rede von Jesus. In der sog. Endzeitrede spricht Jesus über das Ende des Tempels, die große Bedrängnis, seine Wieder-

kunft und das Weltgericht. Die eigentliche Passionserzählung (26–27) endet mit der Kreuzigung des Königs der Juden (27,37). In der Schlussszene des Evangeliums (28,1620) fallen die Jünger, wie schon eingangs die drei Weisen (2,11), nieder vor Jesus, dem König der Welt.

Der messianische Jude Anatoli Oschumirski hat darauf hingewiesen, dass sich in diesem fünfteiligen Aufbau eine Parallele zum Pentateuch, den fünf Büchern Mose, erkennen lässt. Es liegt also nahe, dass Matthäus bereits durch den Aufbau des Evangeliums Jesus als den königlichen Ausleger und Erfüller der Tora vorstellt. Dies zeigt sich auch in den fünf Reden von Jesus: der Bergpredigt (5–7), der Aussendungsrede (10,5-42), den Gleichnisreden (13,1-52), der Gemeinderede (18,15-20) und der Endzeitrede (24–25). Der gesamte Aufbau des Evangeliums lässt uns somit erkennen, was das Ziel des Evangelisten war. Er will Juden wie Nichtjuden erreichen. Gottes Volk und alle Welt soll ihren König, den Messias Jesus erkennen.

Zu den einzelnen Kapiteln dieses

Heftes

Das vorliegende Heft hilft zum Verständnis von zehn unterschiedlichen Matthäus-Texten. Das größere Gewicht liegt dabei auf der ersten Hälfte des Evangeliums. Jesu Herkunft, seine Geburt, der Beginn seiner öffentlichen Verkündigung, die Berufung der ersten Jünger, seine Zeichen und Wunder bilden den Schwerpunkt. Die Bergpredigt wird mit einem Kapitel (Kapitel 5: Seine Regierungserklärung: Wie er glücklich macht) aufgenommen. Wer sich intensiver mit der Bergpredigt beschäftigen möchte, dem sei das Serendipity-Heft „Die Bergpredigt. Leben mit eigenem Stil“ empfohlen. Die Kapitel 7–10 widmen sich den Gleichnissen, dem Petrusbekenntnis, der Passion und der Auferstehung. Auch hier gilt, dass nur eines der vielen Gleichnisse (Kapitel 7: Seine Gleichnisse: Wie sich seine Herrschaft ausbreitet) aufgenommen ist. Eine breitere Beschäftigung mit den Gleichnissen finden Sie im Serendipity-Heft (Die Gleichnisse: Wie Jesus von Gott erzählt).

Die Wurzeln:

Woher kommt der Messias?

Matthäus 1,1-17

1. Was bewegt Menschen, nach den eigenen Vorfahren zu forschen?

2. Haben Sie einen berühmten Vorfahren? Einen Musiker, Politiker oder bekannten Künstler?

3. Können Stammbäume auch peinlich sein? Gibt es Vorfahren, die man am liebsten verheimlichen würde?

Der Stammbaum Jesu

1 Verzeichnis der Vorfahren von Jesus Christus, dem Sohn Davids und dem Sohn Abrahams:

2 Abraham war der Vater Isaaks, Isaak der Vater Jakobs, Jakob der Vater Judas und seiner Brüder. 3 Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron der Vater von Ram, 4 Ram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon 5 und Salmon von Boas; die Mutter des Boas war Rahab. Boas war der Vater Obeds; Obeds Mutter war Ruth. Obed war der Vater Isais, 6 Isai der Vater des Königs David.

David war der Vater Salomos; Salomos Mutter war die Frau des Urija. 7 Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam der Vater von Abija, Abija von Asa, 8 Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija, 9 Usija von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija, 10 Hiskija von Manasse, Manasse von Amon und Amon von Joschija. 11 Joschija war der Vater Jojachins und seiner Brüder; damals wurde das Volk nach Babylon in die Verbannung geführt.

12 Nach der Zeit der Verbannung folgte Schealtiel, der Sohn Jojachins. Schealtiel war der Vater von Serubbabel, 13 Serubbabel der Vater von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor, 14 Azor von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud, 15 Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan und Mattan von Jakob. 16 Jakob war der Vater von Josef, dem Mann der Maria. Sie war die Mutter Jesu, der auch Christus genannt wird.

17 Insgesamt sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Verbannung nach Babylon wieder vierzehn Generationen

EINSTIEG (15–20 Minuten) Wählen Sie bitte eine oder zwei Fragen aus.

BIBELTEXT

und von der Verbannung nach Babylon bis zu Christus noch einmal vierzehn Generationen.

BIBELGESPRÄCH

(30–40 Minuten)

Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus.

1. Welche Absicht verfolgt Matthäus mit der Überschrift („Dies ist die Geschichte Jesu Christi“, LUT) und dem sich anschließenden Stammbaum (Genealogie)? Vertiefen Sie den Gedanken, dass der Gott der Bibel ein Gott der Geschichte ist und mit Menschen Geschichte schreibt.

2. Warum führt Matthäus die Geschichte Jesu ausgerechnet auf David und Abraham zurück? Welchen Sinn macht es, David, der ja zeitlich nach Abraham ist, zuerst zu nennen? Lesen Sie dazu auch die Abschnitte 1 Mo 12,1-3 und 2 Sam 7,12-16. (Sehen Sie in den Erläuterungen V. 1.)

3. Matthäus gliedert die Heilsgeschichte in drei Abschnitte (V. 1-6a; V. 6b-11; V. 12-16). Versuchen Sie, das Besondere jedes Abschnitts zu beschreiben.

4. Fünf Frauen spielen im Stammbaum Jesu eine Rolle. Nicht jede dieser Frauen konnte als makellose Vorzeigefrau dienen. Welche Botschaft vermittelt der Stammbaum dadurch?

5. Welche Hinweise (außer Abraham) finden Sie in dem Stammbaum noch, dass Jesus auch für die Heiden gekommen ist? (Sehen Sie in den Erläuterungen die V. 2-5.)

6. Lesen und bedenken Sie V. 16 auch im Zusammenhang von 1,18-23. Nicht nur unter Theologen ist die Jungfrauengeburt umstritten. Doch warum macht es Sinn, dass Jesus ausgerechnet von einer Jungfrau geboren wurde?

1. Inwiefern sind Sie selbst Teil der Heilsgeschichte Gottes? Könnten Sie Gott auch als Autor Ihrer Lebensgeschichte begreifen?

2. Gehen Sie in Ihrer Familie zwei, drei oder vier Generationen zurück. Lässt sich in der Reihe Ihrer Vorfahren erkennen, wie Gott schon in früheren Zeiten gesegnet hat oder auch Ihre eigene Geschichte vorbereitet hat? Was bedeutet es, wenn man solche Segenslinien nicht erkennen kann? Wenn auch ich ein Glied in der großen Kette der Gottesgeschichte sein darf, welche Konsequenzen ziehe ich daraus?

3. Welche Argumente liefert Ihnen der Text, um heutigem Antisemitismus entgegenzutreten?

4. Welche Impulse gibt der Text zur Völkermission? Inwiefern erweitert er Ihren Horizont? Inwiefern entzündet er Ihr Herz neu für die Völker, die Fremden unter uns?

5. Die Geschichte von Jesus ist einzigartig. Sie zeigt, wie Gottes Gegenwart in der Geschichte der Menschheit präsent und doch verborgen ist. Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?

AUSTAUSCH

(15–30 Minuten) Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus. Sie können das Gespräch mit einem gemeinsamen Gebet abschließen. Fragen, die nicht in der Gruppe thematisiert werden, können Ihnen auch als Anstoß dienen, den Text zu Hause vertiefend zu betrachten.

1. Halten Sie fest, wofür Sie dankbar sind. Schreiben Sie auf, wofür Sie dankbar sein können, oder danken Sie im Gebet laut vor Gott.

2. Wem konkret wollen Sie den Glauben an Jesus Christus weitergeben? Wie wollen Sie Verantwortung für die kommende Generation übernehmen?

KONKRETE SCHRITTE

Entscheiden Sie, was Sie in der kommenden Woche ganz praktisch tun wollen.

ERLÄUTERUNGEN

V. 1: Matthäus beginnt sein Evangelium mit einer sogenannten Genealogie. Genealogien finden sich im Alten Testament häufig (vgl. 1 Mo 5,1-32; 11,10-26) und sind eine Möglichkeit, Geschichte darzustellen. Matthäus will also die Geschichte Jesu von ihren Ursprüngen her dokumentieren. Damit ordnet er sie zugleich in die große Heilsgeschichte Gottes mit Israel und unserer Welt ein. Dass er in diesem Zusammenhang die beiden Stammväter David und Abraham nennt, unterstreicht die Bedeutung von Jesus. Die Voranstellung von David soll den jüdischen Lesern verdeutlichen, dass Jesus durch und durch Jude ist. Zum anderen verweist es auf den messianischen Anspruch Jesu. Davids Sohn ist kein anderer als der erwartete Messias Israels. Die zweite Sohnschaft, die Matthäus angibt, bezieht sich auf Abraham. Abraham ist der Vater der Völker (1 Mo 12,3). Matthäus geht es von Anfang an darum, Jesus nicht nur als Messias Israels, sondern als Retter aller Menschen darzustellen.

Aufmerksamkeit verdienen noch die einleitenden Worte „Das Verzeichnis der Vorfahren von Jesus Christus“ (NGÜ). Matthäus zeichnet den Stammbaum von Jesus nach und will damit eine umfassende Geschichte von Jesus darstellen. Dabei fällt auf, dass Matthäus sich von dem im Judentum üblichen Muster, nach dem Stammbäume geordnet waren, abweicht. Dort ging es nicht um die Aufzählung der Vorfahren, sondern um die der Nachkommen (vgl. 1 Mo 9,18ff). Hier allerdings werden die Vorfahren von Jesus genannt. Damit soll deutlich werden, dass Jesus nicht nur ein beliebiger Rabbi ist, sondern der, auf den die gesamte Heilsgeschichte Gottes zuläuft und in dem sie ihren Höhepunkt findet.

V. 2­ 5: In vierzehn Gliedern werden zunächst die Generationen nach Abraham aufgezählt. Vor Abraham waren die großen Katastrophen wie der Sündenfall, Kains Brudermord, die Sintflut und der Turmbau zu Babel. Mit Abraham startet Gott die Heilsgeschichte aufs Neue. Durch Abraham soll sich der Segen Gottes in der Völkerwelt ausbreiten. Anzumerken ist, dass allein Isaak als Vorfahre von Jesus und nicht Ismael als

Abrahams Sohn genannt ist. Matthäus lässt im weiteren Verlauf seines Evangeliums erkennen, wie die Völker in den Segen Abrahams eingeschlossen sind. Da sind einmal die drei Weisen (2,1-2), die kommen, um den neugeborenen König anzubeten. Am Ende des Evangeliums sendet Jesus seine Jünger hinein in die Völkerwelt. Beachtung findet die Erwähnung von Tamar, mit der ihr Schwiegervater Juda die beiden Söhne Perez und Serach zeugte (vgl. 1 Mo 38). Frauen werden in jüdischen Stammbäumen selten erwähnt. Nur wenn es in den Stammbäumen Unregelmäßigkeiten gab oder die Frauen in irgendeiner Weise bemerkenswert waren, wird von ihnen berichtet. Was ist also der Sinn ihrer Erwähnung? Tamar war genauso wie die weiter unten genannten Frauen Rahab und Ruth eine heidnische Frau. Die ebenfalls genannte Bathseba war zwar eine Jüdin. Jedoch war sie die Frau eines Hethiters, also ebenfalls eines Heiden. Durch die Erwähnung dieser Frauen wird die Botschaft, dass Jesus auch der Heiland der Heiden ist, ausdrücklich bekräftigt.

V. 6 ­11: In weiteren 14 Gliedern wird die Daviddynastie aufgezählt. David war der erste König in Israel. Er war nicht makellos und doch war er von Gott erwählt. Seinem Geschlecht gelten die Verheißungen Gottes (vgl. 2 Sam 7,14). Sein Königtum soll für immer Bestand haben. Recht, Friede und Gerechtigkeit sollen es kennzeichnen. Aus seinem Haus soll schließlich der kommende König, der Messias, kommen. Es ist keine Frage, dass Jesus dieser Kommende ist. Geboren ist er in Bethlehem, der Stadt Davids. Auf einem Esel, dem Königstier, reitet er in die Königsstadt Jerusalem ein. Am Ende seines Lebens werden ihm die königlichen Insignien in Gestalt einer Dornenkrone, eines Purpurmantels und eines Zepters als Rohrstock zuteil. Über seinem Kreuz wird eine Tafel mit der Inschrift „Dies ist Jesus, der Juden König“ angebracht. Anzumerken ist, dass allein David in der Reihe der genannten Könige mit dem Königstitel versehen ist, wo doch die anderen Genannten von ihrer Funktion her auch Könige waren. Möglicherweise deutet dies auf den geistlichen und moralischen Zerfall des

Königtums nach David hin. Die Rolle Davids als Stammvater wurde auf diese Weise noch einmal verstärkt. Sein Nachkomme soll der Messias sein.

V. 12­15: Der dritte Abschnitt zeigt, dass die Geschichte Gottes auch nach dem Exil weitergeht. Auch schwere Krisen des Gottesvolkes können Gott nicht aufhalten, sein Ziel, die Offenbarung des Messias, zu erreichen. Zunächst fällt auf, dass hier keine Könige genannt werden. Mit der Babylonischen Gefangenschaft war das Königshaus Juda zu Ende gegangen. Wohl gab es noch Angehörige der Dynastie. Der Königsthron aber blieb leer. So werden andere Angehörige des Hauses David wie Schealtiel oder der Hohepriester Serubbabel erwähnt. Von Serubbabel wissen wir, dass er zu den leitenden Personen in Israel nach der Rückkehr aus Babel zählte und beim Wiederaufbau des Tempels eine tragende Rolle spielte. (Esra 2,2; Hag 1,1). Die anderen hier genannten Personen lassen sich nicht identifizieren.

V. 16: Am Ende des Stammbaumes zeigt sich eine überraschende Variante. Das bisherige Schema fortlaufender Zeugungen wird abgebrochen. Stattdessen heißt es hier: „Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria, von der geboren ist, Jesus, der da heißt Christus.“ (LUT). Josef wird hier als Mann der Maria erwähnt. Auch wenn die beiden nur verlobt waren, galten sie rechtlich als verheiratet, auch wenn Maria noch nicht bei Josef wohnte (1,18). Viel interessanter ist allerdings die Aussage, dass die männliche Zeugung von Jesus durch Josef an dieser Stelle bewusst ausgelassen wird. Maria rückt damit in den Vordergrund. Jesus hat keinen biologisch­menschlichen Vater, sondern nur eine menschliche Mutter. Wir sehen hier einen klaren Hinweis auf die

Jungfrauengeburt, wie sie bereits im Alten Testament angekündigt war (Jes 7,14). Dieser aber von Maria Geborene ist der Christus, der Messias Israels (vgl. 1,1).

V. 17: Schwierigkeiten macht uns als Leser die Aufteilung des Stammbaumes Jesu in drei Mal vierzehn Glieder, also insgesamt 42 Glieder. Dies gilt umso mehr, als sich bei Lukas, dem anderen Evangelisten, der den Stammbaum Jesu erwähnt, 56 Glieder finden. Beide Stammbäume auf einen Nenner zu bringen, ist schwierig und macht auch keinen Sinn. Dennoch fragen wir nach dem Grund für diese Unterschiede. Dazu Anatoli Uschomirski: „Die Geschlechtsregister im Alten Testament dienten nicht dazu, jedes einzelne Glied des Stammbaumes aufzuzählen. Es konnten Generationen übersprungen werden, da es vor allem darum ging, eine bestimmte Abstammung zu verdeutlichen und die wichtigsten Personen aufzuzählen.“ Die ungenaue Zahl bzw. fehlende Vollständigkeit eines Stammbaumes ist also bewusst angelegt und dient dazu, eine bestimmte theologische Aussage hervorzuheben. Nach Anatoli Uschomirski steht die Zahl 42 in mehrfachem Zusammenhang mit der jüdischen Zahlensymbolik. So spielt sie bei der Wüstenwanderung Israels eine wichtige Rolle. Wenn man im 2. Mosebuch die Zahlen der Stationen, an denen Israel lagerte, zusammenzählt, so kommt man auf die genannte Zahl. Nach 42 Stationen erfolgte schließlich der Einzug ins verheißene Land. „Wir können annehmen, dass die 42 Generationen bei Matthäus eine Parallele zu den 42 Stationen sind. Auch das ist ein Hinweis darauf, dass das Kommen des Messias die Erlösung bringen wird.“ So wie auf der Wüstenwanderung jede Station Israel seiner Erlösung näher brachte, so führt jedes Glied des Stammbaums von Jesus Gottes Volk näher zum Ziel.

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