Matthias Clausen
Die Briefe an Timotheus und Titus Ermutigung für unruhige Zeiten
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Der Verlag weist darauf hin, dass jede Form der Vervielfältigung dieses Materials, auch in kleinen Mengen, nicht erlaubt ist.
Konzeption und Text: Matthias Clausen Lektorat: Susanne Baum Bibeltexte sind entnommen der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft.
© 2024 Brunnen Verlag GmbH, Gießen Umschlagmotiv: Adobe Stock Umschlaggestaltung: Annika Mengel Satz: Uhl + Massopust, Aalen Herstellung: Arkadruk, Polen ISBN 9783765508356 www.brunnenverlag.de
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Inhalt Verzeichnis der Abkürzungen
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Fragen zu diesem Kurs
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Wie verläuft ein Treffen?
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Einführung: Dranbleiben an der guten Nachricht
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1. Paulus an Timotheus: Dranbleiben am Evangelium
(1 Tim 1)
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2. Wie Gemeinde dranbleibt: Gebet und Gottesdienst
(1 Tim 2)
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3. Wie Gemeinde dranbleibt: Gute Leitung
(1 Tim 3)
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4. Wie Gemeinde dranbleibt: Original vs. Fälschung
(1 Tim 4)
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5. Wie Gemeinde dranbleibt: Überzeugend leben
(1 Tim 5–6 in Auswahl)
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6. Paulus an Timotheus: Kein Grund zur Furcht
(2 Tim 1)
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7. … weil Gott treu ist
(2 Tim 2)
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8. … weil auch Krisen keine Überraschung sind
(2 Tim 3)
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9. … weil die Aufgabe weitergeht
(2 Tim 4)
62
10. Paulus an Titus: Die Gemeinde fit machen
(Tit 1,1–2,10 in Auswahl)
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11. Wie Gemeinde fit bleibt: Gottes Gnade und Wahrheit (Tit 2,11–3,15)
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Verzeichnis der Abkürzungen Altes Testament 1 Mo 2 Mo 3 Mo 4 Mo 5 Mo Jos Ri Ruth 1 Sam 2 Sam 1 Kön 2 Kön 1 Chr 2 Chr Esra Neh Est Hiob Ps Spr Pred Hld Jes Jer Klgl Hes Dan Hos Joel Am Ob Jona Mi Nah Hab Zef Hag Sach Mal
Das erste Buch Mose Das zweite Buch Mose Das dritte Buch Mose Das vierte Buch Mose Das fünfte Buch Mose Das Buch Josua Das Buch über die Richter Das Buch Ruth Das erste Buch Samuel Das zweite Buch Samuel Das erste Buch über die Könige Das zweite Buch über die Könige Das erste Buch der Chronik Das zweite Buch der Chronik Das Buch Esra Das Buch Nehemia Das Buch Esther Das Buch Hiob Die Psalmen Die Sammlung der Sprüche Der Prediger Salomo Das Hohelied Der Prophet Jesaja Der Prophet Jeremia Die Klagelieder Der Prophet Hesekiel Der Prophet Daniel Der Prophet Hosea Der Prophet Joel Der Prophet Amos Der Prophet Obadja Der Prophet Jona Der Prophet Micha Der Prophet Nahum Der Prophet Habakuk Der Prophet Zefanja Der Prophet Haggai Der Prophet Sacharja Der Prophet Maleachi
Neues Testament Mt Das Evangelium nach Matthäus Mk Das Evangelium nach Markus Lk Das Evangelium nach Lukas Joh Das Evangelium nach Johannes Apg Die Apostelgeschichte Röm Der Brief des Paulus an die Christen in Rom 1 Kor Der erste Brief des Paulus an die Christen in Korinth 2 Kor Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Korinth Gal Der Brief des Paulus an die Christen in Galatien Eph Der Brief des Paulus an die Christen in Ephesus Phil Der Brief des Paulus an die Christen in Philippi Kol Der Brief des Paulus an die Christen in Kolossä 1 Thess Der erste Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich 2 Thess Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich 1 Tim Der erste Brief des Paulus an Timotheus 2 Tim Der zweite Brief des Paulus an Timotheus Tit Der Brief des Paulus an Titus Phlm Der Brief des Paulus an Philemon Hebr Der Brief an die Hebräer Jak Der Brief des Jakobus 1 Petr Der erste Brief des Petrus 2 Petr Der zweite Brief des Petrus 1 Joh Der erste Brief des Johannes 2 Joh Der zweite Brief des Johannes 3 Joh Der dritte Brief des Johannes Jud Der Brief des Judas Offb Die Offenbarung an Johannes
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Fragen zu diesem Kurs Zielsetzung 1. Worum geht es in diesem Kurs? Um drei Ziele, die alle wichtig sind: a. Nahrung für die Seele. – „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von je dem Wort, das Gott spricht.“ In seinem Wort stellt Gott sich uns vor. Hier können wir ihn kennenlernen. Wer mehr über Gott und den christlichen Glauben erfahren will, muss sich mit der Bibel beschäftigen. Wer als Christ im Glauben wachsen will, muss sich aus dem Wort Gottes „ernähren“. b. Gemeinschaft. – Im Gespräch über Glaubensfragen und Lebenserfahrungen kommen wir einander näher und können zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen, in der man sich im Alltag und im Glauben ge genseitig trägt und unterstützt. c. Wachstum. – Dieser Kurs wendet sich auch an Menschen, die bisher mit dem christ lichen Glauben noch wenig in Berührung ge kommen sind. Wenn Sie immer wieder an dere zu Ihren Treffen einladen, kann die Gruppe wachsen, bis eine Teilung nötig wird. Beide neuen Kreise sollen ebenso wachsen, bis sie zu groß sind und sich teilen – und so weiter.
Teilnehmer 2. Für wen soll dieser Gesprächskreis sein? • Für Menschen, die Fragen an das Leben haben und wissen möchten, ob der christ liche Glaube ihnen Antworten geben kann. • Für Menschen, die sich – neu oder wieder – intensiver mit dem christlichen Glauben beschäftigen wollen.
• Für Menschen, denen Kirche und Glauben fremd geworden sind, die aber nach einem neuen Zugang zum Glauben suchen. • Für Christen, die die Bibel besser kennen lernen und tiefer verstehen wollen. • Für Menschen, die im Gespräch über Glaubensfragen und durch das Gebet füreinander in ihrem Glauben wachsen möchten. • Für Menschen, die mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen haben und eine Gruppe suchen, die Unterstützung und Zusammenhalt bieten kann.
Der erste Schritt 3. Wie sollen wir anfangen? Machen Sie sich eine Liste mit den Namen, die Ihnen jetzt als mögliche Teilnehmer einfallen. Hängen Sie die Liste an einen Platz, an dem Ihr Blick im mer wieder einmal darauffällt. Lassen Sie sie dort, bis Sie alle, die Sie auf Ihrer Liste no tiert haben, gefragt haben, ob sie Interesse an einem solchen Gesprächskreis haben.
Das erste Treffen 4. Was geschieht beim ersten Treffen? Sie lernen einander als neue Gruppe kennen bzw. begrüßen neue Mitglieder, wenn Ihre Gruppe schon länger besteht. Sie sprechen über Ihre Erwartungen an diesen Kurs und vereinbaren „Spielregeln“, die in der Gruppe gelten sollen.
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Spielregeln 5. Wie entsteht die Vereinbarung über die Spielregeln? Sprechen Sie über die folgen den Fragen und notieren Sie die Punkte, bei denen Sie sich einig sind. So können Sie am Ende des Kurses gut beurteilen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben. • Was ist der Zweck Ihrer Treffen? • Wie oft wollen Sie sich treffen? (Dieser Kurs bietet Ihnen Gesprächsanregungen für 11 Treffen. Wenn Sie danach weiterhin zusammenkommen wollen, verlängern Sie einfach Ihre Abmachung.) • Wo wollen Sie sich treffen? • Um welche Uhrzeit sollen die Treffen beginnen und wie lange sollen sie dauern? • Welchen Rahmen wollen Sie Ihren Treffen geben? Soll es Getränke und etwas zum Knabbern geben? Wer ist dafür zuständig? Hilfreich ist es, wenn Sie außerdem Regeln für das Gespräch in der Gruppe vereinbaren. Dazu könnten folgende Vereinbarungen ge hören: • Was in diesem Kreis gesagt wird, ist vertraulich und wird nicht nach außen getragen. • Wir reden nicht übereinander, sondern miteinander. • Gesprächsbeiträge werden nicht bewertet; jeder Teilnehmer wird mit seiner Meinung ernst genommen. • Es gibt keine „unmöglichen“ Positionen. Wenn es Meinungsunterschiede gibt, begründet jeder seine eigene Sicht. • • •
Sie können ergänzen, was Ihnen sonst noch für Ihre Gruppe wichtig zu sein scheint.
Zeitlicher Rahmen 6. Wie lange dauert ein Treffen? Die Mindest zeitangaben für die einzelnen Bausteine des Treffens sind für Gruppen gedacht, die nur eine Stunde zusammen sein können. Wenn Sie mehr Zeit zur Verfügung haben, verlän gern Sie die angegebenen Zeiten entspre chend. 7. Warum verabreden Sie sich zunächst nur für eine bestimmte Anzahl von Treffen? Weil es leichter ist, sich für einen überschauba ren Zeitraum für eine Sache zu entscheiden und sie wirklich durchzuhalten, als eine Ver pflichtung auf unbestimmte Zeit einzugehen. Wenn Sie nach Abschluss des Kurses weiter als Gruppe zusammenbleiben wollen – umso besser.
Gesprächsinhalt 8. Was wird bei den Treffen besprochen? Die Einheiten dieses Gesprächsleitfadens führen in den 1. und 2. Timotheusbrief und in den Titusbrief ein. Dabei geht es um Fragen wie: • Was sind die wichtigsten Anliegen des jeweiligen Briefes? In welche Situation spricht er hinein, was erfahren wir über die Empfänger und ihre Herausforderun gen? • Was macht speziell diese Briefe so wich tig? Lesen wir sie besonders aufmerk sam, wenn wir wissen, dass Paulus hier an Freunde und langjährige Mitarbeiter schreibt? Das Inhaltsverzeichnis bietet eine Übersicht über die Texte und Themen.
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Vielleicht möchten Sie auch ein zusätz liches Treffen einplanen, in dem Sie sich gemeinsam mit den Spielregeln für diese Gruppe und der Einführung Dranbleiben an der guten Nachricht beschäftigen.
Bibelkenntnis 9. Und wenn jemand in der Gruppe wenig von der Bibel weiß? Prima! Dafür ist die Gruppe ja da. Die ERLÄUTERUNGEN geben Ihnen Hin weise zum Verständnis größerer Zusammen hänge, einzelner Ausdrücke, geschichtlicher Hintergründe oder wichtiger Personen im Text. Greifen Sie immer dann auf die Erläute rungen zurück, wenn der Sinn des Textes sich nicht von selbst erschließt. Bibel dabeihaben. Die Texte, auf die sich dieses Heft bezieht, sind in den einzelnen Einheiten abgedruckt. Weil aber auch im mer wieder auf weitere biblische Zusammen hänge verwiesen wird, ist es gut, wenn die Teilnehmer auch eine Vollbibel dabeihaben, um entsprechende Stellen nachschlagen zu können.
„Hausaufgaben“ 10. Was muss ich sonst noch tun? Nichts, wenn Sie nicht wollen. Aber Sie können über das hinausgehen, was in der Gruppe bespro chen wird. Nicht immer werden Sie alle Erläuterungen gemeinsam in der Gruppe lesen und diskutieren können. Wenn Sie die Zu satzinformation voll ausschöpfen möchten, haben Sie dafür zwei Möglichkeiten: • Lesen Sie Text und Erläuterungen vorberei tend zu Hause. Oder:
Lesen Sie den Text noch einmal im Zusam menhang und nehmen Sie sich Zeit, die Erläuterungen zu studieren.
Der Traum 11. Der Traum, der dahintersteckt: Menschen treffen sich und wachsen zu einer tragfähi gen Gemeinschaft zusammen, in der jeder eine Heimat findet und in seinen Freuden und Schwierigkeiten angenommen ist. Men schen kommen zusammen, reden über ihr Leben und ihren Glauben und begegnen der Bibel – egal, ob sie Kirchenmitglieder sind, vom Glauben bisher viel oder wenig wissen, ob sie Christen sind oder nicht.
Serendipity 12. Was heißt Serendipity? „Das Geschenk, zufällig glückliche Entdeckungen zu ma chen.“ Genau darum geht es beim Kursma terial „Serendipity Bibel“: Menschen kom men ins Gespräch über das Leben und den Glauben, tauschen Erfahrungen aus, setzen sich mit Fragen nach Gott und der Welt, nach Glauben und Bibel auseinander und machen dabei – möglicherweise ganz unvermutet – wertvolle Entdeckungen für ihr Leben.
Hinweise für Gruppenleiter 13. Weitergehen. Weitere Kurshefte zu vie len biblischen Themen finden Sie auf unse rer Homepage: https://www.brunnen-verlag.de/serendipity
• Vertiefen Sie das Gespräch über einen Text im Anschluss an Ihr Gruppentreffen.
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Wie verläuft ein Treffen? Jedes Treffen besteht aus vier Teilen:
1. EINSTIEG (15–20 Minuten)
Der Einstieg bietet Hilfen an, um sich untereinander kennenzulernen und ins Gespräch zu kommen. Die Impulse in diesem Teil zielen darauf ab, mehr voneinander zu erfahren, damit gute Beziehungen untereinander wachsen können.
2. BIBELGESPRÄCH (30–40 Minuten)
Lesen Sie den Bibeltext zunächst gemeinsam. Die Fragen in diesem Teil beziehen sich auf den Bibeltext bzw. das Thema der Gesprächseinheit. Sie helfen, den Bibeltext zu erschließen, und geben Ihnen einen Leitfaden für Ihr Gespräch. Greifen Sie immer dann auf die Erläuterungen zurück, wenn der Sinn des Textes sich nicht von selbst erschließt. Sie werden vielleicht nicht alle Fragen in der zur Verfügung stehenden Zeit ansprechen können. Wählen Sie dann einfach die aus, die Ihrer Gruppe am wichtigsten erscheinen. Wenn Ihre Gruppe groß ist, können Sie auch überlegen, ob Sie sich für das Bibelgespräch – immer oder hin und wieder – in kleinere Gruppen (etwa zu viert) aufteilen. Das gibt jedem Einzelnen die Möglichkeit, häufiger zu Wort zu kommen. Wichtig: Zu manchen Fragen möchten Sie sich vielleicht nicht in der Gruppe äußern. Geben Sie aber Ihre Antwort für sich persönlich. Natürlich hat jeder die Freiheit, nur das mitzuteilen, was er sagen möchte.
3. AUSTAUSCH UND GEBET (15–30 Minuten)
Hier ist Gelegenheit, den Text noch einmal auf sich wirken zu lassen und, wenn Sie möchten, persönliche Anliegen anzusprechen. Dieser Austausch und das gemeinsame Gebet füreinander dienen ganz entscheidend dem Zu sammenwachsen und dem Aufbau einer tragfähigen Gemeinschaft.
4. KONKRETE SCHRITTE
Diese Impulse und Anregungen sollen dazu dienen, das Gelernte außerhalb des Abends oder während der Woche im Alltag zu vertiefen und umzusetzen.
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Einführung: Dranbleiben an der g uten Nachricht „(A)lles, was in der Schrift steht, ist von Gottes Geist eingegeben, und dementsprechend groß ist auch der Nutzen der Schrift: Sie unterrichtet in der Wahrheit, deckt Schuld auf, bringt auf den richtigen Weg und erzieht zu einem Leben nach Gottes Willen.“ (2 Tim 3,16) Das ist wohl die bekannteste Aussage in der Bibel über die Bibel – und sie findet sich ausgerechnet in den Timotheusbrie fen. Zwar meint Paulus hier mit „Schrift“ erst einmal das Alte Testament; also die Heilige Schrift, die ihm damals vorliegt. Aber was er sagt, lässt sich auch auf die Bibel insge samt beziehen (s. u. zu 2 Tim 3). Und natür lich auch auf diese Briefe an enge Mitarbei ter, an Timotheus und Titus. Die Briefe sind inspiriert, und sie sind inspirierend: Sie er mutigen und stellen klar, rücken den Kopf gerade und helfen, das originale Evangelium von Verdrehungen zu unterscheiden. Neben bei erfährt man eine ganze Menge über den Aufbau und das Selbstverständnis der ersten Gemeinden und über anziehendes Christsein in einem nicht christlichen Umfeld. Das Besondere: Die Briefe sind – anders als die „großen“ Paulusbriefe an die Römer, Korinther, Galater usw. – nicht zuerst an ganze Gemeinden, sondern an einzelne Personen geschrieben. Timotheus und Titus sind lang jährige Mitarbeiter und enge Freunde von Paulus. Dass diese beiden am Glauben dran bleiben, ist ihm persönlich wichtig. Und er traut ihnen zu, auch schwierige Gemeinde situationen zu meistern und in Konflikten Kurs zu halten.
Deswegen heißen diese Briefe oft auch „Pas toralbriefe“, also wörtlich „Hirtenbriefe“; Paulus kümmert sich seelsorglich um ein zelne Menschen, dabei bekommt man be sonders viel davon mit, was ihm persönlich wichtig ist. Allerdings sind die Briefe mehr als das. So ist mindestens der 1. Timotheus brief wohl zusätzlich auch an die Gemeinde des Timotheus gerichtet und soll ihn so in seiner Leitungsfunktion unterstützen (s. u.). Außerdem ist in der theologischen Forschung mit dem Begriff „Pastoralbriefe“ oft die Vor stellung verbunden, diese Briefe gehörten eigentlich in die Zeit nach Paulus, Ende des 1. Jahrhunderts n. Chr. Sie seien daher auch nicht von ihm selbst, sondern einem PaulusSchüler geschrieben. Und ihr Hauptinteresse sei der Aufbau der Gemeinde, also Ämter und Funktionen, damit Gemeinde auch auf Dauer Bestand hat. Klingt zwar auch irgend wie „pastoral“, nur eben wenig seelsorglich, sondern mehr nach dem Pastor als Funktio när, nach Ordnungen und Regeln. Auch Ethik und Selbstverständnis der Briefe, so die The orie, klängen kaum mehr nach dem „echten“ Paulus, sondern eher „bürgerlich“ und nach dem, was späteren Generationen von Chris ten wichtig gewesen sei, die sich möglichst unauffällig in die römische Gesellschaft ein fügen wollten. Das ist kein besonders freundliches Bild der Pastoralbriefe, und ganz ehrlich hat man beim Lesen einzelner theologischer Kom mentare sogar den Eindruck, ihre Verfasser mögen die Briefe nicht besonders. Damit hät ten sie sie aber gründlich missverstanden.
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Denn zahlreiche und gute Gründe sprechen dafür, dass die Briefe tatsächlich von Paulus stammen. Und dass es ihm beim Schreiben gerade nicht in erster Linie um Strukturen und Ämter ging, sondern um eine klare Bot schaft in unruhigen Zeiten. Wir schauen hier also Paulus über die Schul ter, wie er engen Freunden Mut zuspricht und sie fit macht für eine schwierige Auf gabe. D abei merkt man den Briefen an, dass die Beteiligten ganz „normale“ Menschen waren, keineswegs immer „heldenhaft“ und unerschütterlich, sondern dass sie auch ein mal Rat brauchten oder einfach ein gutes Wort. Deswegen sind die Briefe auch bis heute so ermutigend; sie zu lesen, ist wie eine Frisch luftzufuhr für das eigene Christsein. Dazu nun im Einzelnen mehr:
Wer? Nach Auskunft der Briefe sind sie von Pau lus geschrieben worden; und anders als bei seinen Briefen an Gemeinden nennt er keine Mitverfasser (wie z. B. in 1 Thess 1,1). Das schließt nicht aus, dass er bei der Abfassung praktische Hilfestellung bekam, dazu gleich mehr. Aber er zeichnete eben für den Inhalt verantwortlich. Von Paulus als Verfasser der Briefe gingen daher auch die frühen Christen aus; so ausdrücklich Kirchenvater Irenäus um 180 n. Chr. und wie selbstverständlich vorausgesetzt bereits bei Polykarp, dem Bi schof von Smyrna in Kleinasien, Anfang des 2. Jahrhunderts. Warum haben moderne Ausleger dennoch oft an Paulus als Autor gezweifelt? Vor al lem zwei Gründe werden angeführt (vgl. Fee, NIBC, 23-26):
• Die Sprache sei ganz anders als in den anderen Paulusbriefen, Lieblingsbegriffe fehlten oder würden anders gebraucht, dafür tauchten andere, untypische Formu lierungen auf. – Das ist natürlich ein „wei ches“ Kriterium, Menschen können sich ja ändern. Gerade Paulus stellt sich auch sonst gerne auf die Sprache seiner Emp fänger und auf deren Umfeld ein, um sich verständlich zu machen. Außerdem hat er womöglich einen Sekretär mit der Endfas sung der Briefe beauftragt, der auch Ein fluss auf die Formulierungen hatte, das war in der Antike üblich. Paulus war dann trotzdem als Autor verantwortlich für den Brieftext. Eine reizvolle Idee ist übrigens, dass dieser Sekretär Lukas gewesen sein könnte, das würde zumindest sprachlich passen – lässt sich aber nur spekulieren. (Oder aber Paulus schreibt hier erstmals ganz alleine, anders als zuvor, ohne Hilfe eines Sekretärs.) Mehr dazu bei Fee, NIBC, 24-25. • Die Themen der Pastoralbriefe seien andere als in den frühen Paulusbrie fen und spiegelten eher die Lage der Gemeinden gegen Ende des 1. Jahrhun derts wider. Statt um die nahe Wieder kunft von Jesus, so das Argument, gehe es mehr darum, sich in der Welt des Römi schen Reiches einzurichten. Und statt um besondere Geistesgaben gehe es mehr um Leitungsämter und Strukturen. – Damit setzen die Kritiker aber bereits ein bestimmtes Bild von Paulus voraus, und er hat sozusagen keine „Chance“, sich davon abzusetzen. Warum soll er nicht auch an Fragen der Gemeindeleitung inte ressiert gewesen sein, auch wenn er nach wie vor auf die Wiederkunft von Jesus wartete? Gute Leitung war eben nötig, um Irrlehren abzuwehren. Am besten lassen sich die Briefe daher von ihrem konkreten
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Anlass her erklären: Timotheus und Titus haben beide den Auftrag, neue oder junge Gemeinden zu betreuen und Fehlent wicklungen zu korrigieren. Beide kennen Paulus’ Theologie schon sehr gut, beiden müssen die „Basics“ des Evangeliums also nicht mehr erklärt werden. Stattdes sen ermutigt Paulus sie für ihre schwierige Aufgabe und gibt ihnen eine Reihe prakti scher Tipps, um diese zu meistern. Paulus also hat die Briefe an Timotheus und Titus verfasst. Was wissen wir über diese bei den als die Empfänger?
An wen? Timotheus hat Paulus auf dessen Missions reisen begleitet und unterstützt, zeitweise wurde er auch für besondere Aufträge ausge sandt. Nach Gordon Fee (NIBC, 1-2) lässt sich Folgendes über ihn festhalten: Ursprünglich kam Timotheus aus Lystra in der römischen Provinz Galatien, im Süden der heutigen Türkei (siehe Apg 16,1-3). Laut Apg 13 war Paulus auf seiner ersten Missionsreise in dieser Gegend, wahrscheinlich haben sich die beiden zu dieser Zeit kennengelernt. Neben Timotheus haben sich dabei wohl auch seine Mutter und Großmutter bekehrt, von denen in 2 Tim 1,5 die Rede ist. Pau lus kehrte später in die Gegend zurück und nahm nun Timotheus auf seine Missions reise mit (Apg 16,2). Aus der gemeinsamen Mission wurde eine Freundschaft und geistliche Mentoren-Be ziehung. Für Paulus ist Timotheus wie ein „Sohn“ (1 Tim 1,2; siehe z. B. auch Phil 2,22), wohl, weil er ihn seit seinem Christwerden be gleitet hat. Paulus traut ihm daher zu, stell vertretend für ihn Gemeinden zu besuchen, zu ermutigen und zu ermahnen und das
gleich mehrfach: in Thessalonich (1 Thess 3,1-10), Korinth (1 Kor 4,16f ) und Philippi (Phil 2,19-24). Timotheus wird sogar als Mit autor früherer Paulusbriefe genannt (z. B. 1 Thess 1,1; 2 Kor 1,1). Was für ein Mensch war Timotheus? Aus den Briefen kann man ablesen, dass er eher zu rückhaltend war und besondere Ermutigung brauchte. Anscheinend hatte er gesundheit liche Probleme (1 Tim 5,23), obwohl er jün ger war als Paulus (1 Tim 4,12). Das heißt aber nicht, dass er „besonders schüchtern“ oder „besonders schwach“ gewesen wäre – sondern er stand Paulus ebenso nahe, dass sie auch über so alltägliche und persönliche Themen im Gespräch waren. Über Titus wissen wir etwas weniger (vgl. Fee, NIBC, 2f ), schon weil er nicht in der Apg genannt wird. Dafür aber in Gal 2,1.3: Titus war demnach als Grieche mit Paulus auf Missionsreise, und Paulus verteidigte Titus’ Recht darauf, auch ohne Beschneidung Christ zu sein. Auch ihn nennt Paulus „Sohn“ bzw. „Kind“ (Tit 1,4). Und auch ihm muss er einiges zugetraut haben, z. B. sendet er ihn eine Zeit lang nach Korinth, in eine kompli zierte Gemeindesituation (siehe besonders 2 Kor 7,6-16). Zum Zeitpunkt des Titusbriefs ist Titus auf der Insel Kreta, wo Paulus seit seiner e rsten Durchreise ebenfalls Gemeinden gegrün det hatte (siehe Apg 27). Um diese soll sich Titus kümmern und sie in ihrer Anfangszeit begleiten. Er soll dort also eine Zeit lang blei ben und danach zu Paulus zurückkehren (Tit 3,12).
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Wann und warum? Wenn die Briefe an Timotheus und Titus tat sächlich von Paulus stammen, dann wurden sie wahrscheinlich geschrieben, nachdem Paulus zum ersten Mal in Rom in Haft war. Mit seiner ersten Inhaftierung in Rom schließt nämlich die Apostelgeschichte (Apg 28), sie erzählt aber nicht, wie es danach weitergeht. Gut denkbar ist, dass Paulus zunächst in Haft war – diese kann man sich anfangs mehr als Hausarrest vorstellen – und dann das Verfah ren gegen ihn „verschleppt“ wurde bzw. sich verzögerte. Vielleicht musste man für ein or dentliches Verfahren erst eine Delegation seiner Ankläger aus Jerusalem abwarten, die aber wegen der schwierigen Lage noch nicht anreisen konnte. Paulus kommt also zwischenzeitlich frei, da nach ereignet sich Folgendes (vgl. Fee, NIBC, 4f): Paulus reist nach Kreta zusammen mit Titus und wohl auch Timotheus. Dort pre digen sie und gründen Gemeinden, treffen aber auch auf Widerstand; wahrscheinlich treten Gegner auf, die von neuen Christen wieder die Beschneidung verlangen. Paulus lässt daraufhin Titus auf Kreta zu rück, um die Gemeinden in diesem Konflikt zu beraten und zu ermahnen. Paulus selbst und Timotheus reisen wei ter, zunächst nach Ephesus. Dort gibt es wieder Ärger: Hier treten Irrlehrer mit merk würdigen Theorien auf, die die Gemeinden verwirren und in ihrer Entwicklung gefähr den. Also lässt Paulus Timotheus in Ephesus zurück, um die Situation zu beruhigen. Paulus selbst muss weiter Richtung Maze donien. Dort angekommen, schreibt er Briefe an seine beiden Mitarbeiter (1 Tim und Tit). Timotheus bleibt vorerst in Ephesus; Titus soll für den Winter zu Paulus nach Nikopolis in Mazedonien kommen (Tit 3,12).
Wahrscheinlich als Paulus von dort aus wieder nach Ephesus reisen will, wird er erneut verhaftet. Er wird wieder nach Rom ge bracht, von wo aus er zum zweiten Mal an Timotheus schreibt. Im Brief wird so auch die bevorstehende erste Anhörung im neuen Ver fahren erwähnt (2 Tim 4,16-18). In dieser Zeit kriselt es nicht nur in den Gemeinden, sondern es erweisen sich auch mehrere Mitarbeiter als unzuverlässig. An dere dagegen bleiben loyal, neben Timo theus und Titus z. B. auch Onesiphorus, der Paulus aus Ephesus berichtet (2 Tim 1,15-18), und Tychikus, der Timotheus in Ephesus ab lösen soll (2 Tim 4,12). Die Briefe an Timotheus und Titus sind damit gegen Ende von Paulus’ Leben und Dienst geschrieben worden, 1 Tim wahrscheinlich um 65 n. Chr., Tit kurz darauf und 2 Tim um 66–67 n. Chr, kurz vor Paulus’ Tod. Anlass ist also das Mentoring von engen Mitarbei tern, die in der Begleitung junger Gemeinden in Krisenzeiten eine wichtige Aufgabe verse hen. Sie will er motivieren, ermutigen und mit allen Einsichten und Informationen ver sorgen, die sie in ihrer Situation brauchen. Speziell beim 1 Tim ist zudem wahrschein lich, dass der Brief zusätzlich zum Verlesen in der Gemeinde in Ephesus gedacht ist. Pau lus stellt sich mit seiner Autorität als Apostel so auch öffentlich hinter Timotheus und stärkt ihm den Rücken. Auch seine Hinweise und Ermahnungen zum Leben als christliche Gemeinschaft sind damit an Timotheus als Leiter und seine Gemeinde gleichermaßen gerichtet.
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Welche Themen? • Zentrum des Glaubens ist auch in den Pas toralbriefen das Evangelium von Gottes Gnade für alle Menschen (1 Tim 1,11.15; 2,4). Deswegen schreibt Paulus die Briefe ja: um das Evangelium gegen Verdre hungen zu schützen. Seinen Inhalt muss er Timotheus und Titus allerdings nicht mehr erklären. Stattdessen geht es um seine klare Vermittlung – um „heilsame Lehre“ (1 Tim 1,10) und angemessene „Frömmigkeit“ (1 Tim 4,7f ). Das klingt ein wenig anders als in anderen Paulusbrie fen. Paulus greift hier aber bewusst Lieb lingsvokabeln seiner Gegner auf, in Ephe sus und auf Kreta (vgl. Fee, NIBC, 16f ). Genauso hat er es zuvor z. B. auch im 1 Kor gemacht. In Korinth war es nämlich „in“, nach besonderer Weisheit zu suchen, und Paulus stellt klar: Die einzig wahre Weis heit ist die Botschaft vom Kreuz (1 Kor 1,18-31). • Auch was Paulus zum Verhalten der Christen schreibt, wird besonders verständlich vor dem Hintergrund der Auseinanderset zungen in Ephesus und auf Kreta. Kompe tente Gemeindeleitung ist gerade in die ser Lage wichtig. Und natürlich braucht solche Leitung Eigenschaften, auf die auch nicht glaubende Menschen gekom men wären: etwa Besonnenheit und einen guten Ruf nach außen hin. Paulus verwen det hier teils wieder die Sprache seiner Kritiker. Darüber hinaus beschreibt er aber einen Lebensstil, der spezifisch christlich ist (etwa in 1 Tim 4,12; vgl. Fee, NIBC, 18). • Paulus’ Vorgehen zu verstehen, hilft auch, für viele Menschen heute schwierige Stellen in den Briefen einzuordnen, beson ders zum Thema Frauen im Gottesdienst (1 Tim 2,8-15): Mit Blick auf das, was
aulus selbst in seinen anderen Briefen P über den Dienst von Frauen voraussetzt, muss dies nicht als allgemeine Weisung aufgefasst werden, die unterschieds los überall gilt. Sondern die Weisung hat womöglich eine besondere Funktion für diesen Kontext. Ihre Umsetzung ist aber auch nicht einfach beliebig, sondern das zugrunde liegende Prinzip gilt auch sonst (mehr dazu in der Einheit zum Kapitel).
Und wir? Bei den Briefen an Timotheus und Titus dür fen wir gewissermaßen „Mäuschen spielen“ beim Gespräch zwischen Paulus und seinen Mitarbeitern. In Krisenzeiten zeigt sich ja be sonders, worauf es im Glauben ankommt, was trägt und auf Dauer hilft. Und es zeigt sich, was den beteiligten Menschen wirklich wichtig ist: Suchen sie das Weite, so wie an dere ehemalige Teammitglieder von Paulus? Oder bleiben sie vor Ort, begleiten ihre Ge meinde auch in dieser Situation? Und blei ben sie klar und unbeeindruckt bei dem, was das Herz ihres Glaubens ausmacht? Es geht also um viel, deswegen ist Paulus in diesen Briefen auch so deutlich. Zugleich ist er richtig nett, freundlich und verständ nisvoll, ermutigend und sich auch nicht zu schade für ganz normale „Lifehacks“, Tipps für den Alltag (siehe 1 Tim 5,23). Bei Paulus in die Schule gehen heißt also: klar für das Evangelium eintreten und gerade deswegen nah bei den Menschen sein. Übrigens auch bei denen, die „vorne stehen“; sie brauchen Ermutigung manchmal besonders.
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Der Aufbau In den folgenden Übersichten findet sich links der Aufbau der Briefe. Die Abschnitts überschriften entstammen (gekürzt) zumeist der Neuen Genfer Übersetzung. Rechts ste hen die zugehörigen Einheiten dieses Hef tes. Manche Themen werden in den Briefen mehrfach aufgegriffen; allerdings mit je eige ner Zuspitzung, schon weil die Gemeindesi tuation bei Timotheus und Titus unterschied
lich war. Die Einheiten des Heftes gehen daher der Reihe nach an den drei Briefen entlang, setzen aber ggf. besondere Schwer punkte, wenn ein Thema erneut vorkommt. Damit die Texte der Gesprächseinheiten in etwa gleich lang sind, werden größere Text abschnitte zum Teil nur in Auszügen aufge führt und zur Grundlage des Gesprächs ge macht. Das gilt für die Einheiten 5 und 10 und wird dort genauer angezeigt.
1. Timotheus
Gesprächseinheit
1 Anrede – Bedrohung durch falsche Lehren – zum Gebrauch des Gesetzes – Paulus und Timotheus
(1) Paulus an Timotheus: dranbleiben am Evangelium
2 Gebet für alle Menschen – Mann und Frau im Gottesdienst
(2) Wie Gemeinde dranbleibt: Gebet und Gottesdienst
3 Voraussetzungen für Leiter und Diakone – Jesus, der Inhalt unseres Glaubens
(3) Wie Gemeinde dranbleibt: gute Leitung
4 Falsche Lehren und wie man sie bekämpft – vorbildliches Verhalten
(4) Wie Gemeinde dranbleibt: Original versus Fälschung
5 Zur Seelsorge – zu den Witwen – zum Ältestenamt
(5) Wie Gemeinde dranbleibt: überzeugend leben
6 Zu den Sklaven – Konsequenzen falscher Lehre – Warnung vor Geldgier – keine Verfälschung des Evangeliums
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2. Timotheus
Gesprächseinheit
1 Anrede – vorbildlicher Glaube – Einsatz für das Evangelium – echte Freundschaft
(6) Paulus an Timotheus: kein Grund zur Furcht
2 Treue der Christen und Gottes Treue – Verhalten gegenüber Irrlehrern und Irregeführten
(7) … weil Gott treu ist
3 Die Menschen am Ende der Zeit – das Vorbild des Paulus und der Maßstab der Schrift
(8) … weil auch Krisen keine Überraschung sind
4 Das Vermächtnis des Paulus – Persönliches – Grüße
(9) … weil die Aufgabe weitergeht
Titus
Gesprächseinheit
1 Anrede – Auftrag des Paulus – Aufgaben von Titus: Älteste einsetzen, falsche Lehren abwehren …
(10) Paulus an Titus: die Gemeinde fit machen
2,1-10 … und zum christlichen Lebensstil anleiten 2,11-15 Gottes Gnade als Grundlage 3 Christsein in Staat und Gesellschaft – Gottes Liebe zu allen Menschen – richtiges Verhalten gegenüber Irrlehrern – Persönliches und Grüße
(11) Wie Gemeinde fit bleibt: Gottes Gnade und Wahrheit
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Paulus an Timotheus: Dranbleiben am Evangelium
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1. Timotheus 1
1. Was für Qualitäten bräuchte jemand, den Sie bitten, auf Ihr Haus aufzu passen, wenn Sie auf eine lange Reise gehen? 2. Wann haben Sie zuletzt jemandem erfolgreich Mut gemacht, der eine schwierige Aufgabe zu meistern hatte? Wie haben Sie das angestellt? 3. Was war die unnötigste Diskussion, die Sie schon einmal in Ihrer Gemeinde miterlebt haben?
Absender und Empfänger des Briefes. Segenswunsch
EINSTIEG (15–20 Minuten) Wählen Sie bitte eine oder zwei Fragen aus.
BIBELTEXT
1 Paulus, Apostel Jesu Christi, an seinen Mitarbeiter Timotheus. Ich schreibe
dir als Apostel, der seinen Dienst im Auftrag von Gott, unserem Retter, und von Jesus Christus, unserer Hoffnung, ausübt. 2 Du, lieber Timotheus, stehst mir durch den Glauben so nahe, als wärst du mein eigener Sohn. Ich wünsche dir Gnade, Barmherzigkeit und Frieden von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, unserem Herrn.
Die Bedrohung der Gemeinde durch falsche Lehren 3 Als ich nach Mazedonien abreiste, bat ich dich, in Ephesus zu bleiben,
weil es dort Leute gibt, die falsche Lehren verbreiten, und gab dir den Auf trag, ihnen das zu verbieten. Halte dich auch weiterhin an diese Anweisung! 4 Denn die Legenden und endlosen Geschlechtsregister, mit denen sie sich befassen, führen nur zu Spekulationen, statt dass sie den Glauben fördern und damit der Verwirklichung von Gottes Plan dienen. 5 Sie bringen auch keine Liebe hervor, und gerade das muss doch das Ziel aller Verkündigung sein – Liebe aus einem reinen Herzen, einem guten Gewissen und einem Glauben, der frei ist von jeder Heuchelei. 6 Dieses Ziel haben jene Leute aus den A ugen verloren, und daher ist alles, was sie von sich geben, leeres Ge rede. 7 Sie wollen Lehrer des Gesetzes sein, das Gott durch Mose gegeben hat, und dabei verstehen sie nichts von dem, wovon sie reden und worüber sie solche selbstsicheren Behauptungen aufstellen. 17
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Der richtige Gebrauch des Gesetzes 8 Nun, das Gesetz ist, wie wir alle wissen, gut und nützlich – vorausgesetzt,
man wendet es in der ihm angemessenen Weise an. 9 Man muss sich also darüber im Klaren sein, für wen das Gesetz bestimmt ist: Es richtet sich nicht gegen den, der ein Leben nach Gottes Willen führt, sondern gegen diejenigen, deren Leben im Widerspruch zu seinen Ordnungen steht und die sich gegen ihn auflehnen. Es richtet sich gegen gottlose und sündige Menschen, denen nichts heilig ist und die keine Ehrfurcht kennen, die ge genüber ihrem Vater und ihrer Mutter gewalttätig werden, nicht vor einem Mord zurückschrecken, 10 ein ehebrecherisches Leben führen, homosexu elle Beziehungen eingehen, Menschenhandel treiben, Lügen verbreiten, falsche Eide ablegen oder sonst etwas tun, was mit der gesunden Lehre unvereinbar ist. 11 Mit anderen Worten: Das Gesetz richtet sich gegen alles, was nicht dem Evangelium entspricht, das mir anvertraut worden ist und in dem Gott, der über alles zu preisende Herr, seine Herrlichkeit sichtbar wer den lässt.
Paulus – ein lebendiges Beispiel für Gottes Erbarmen 12 Ich danke dem, der mir für meinen Auftrag Kraft gegeben hat, Jesus Chris
tus, unserem Herrn; denn er hat mich als vertrauenswürdig angesehen und in seinen Dienst genommen – 13 ausgerechnet mich, der ich ihn früher ver höhnt und seine Gemeinde mit äußerster Härte verfolgt hatte. Aber er hat sich über mich erbarmt, weil ich in meinem Unglauben nicht wusste, was ich tat. 14 Geradezu überwältigend war die Gnade, die unser Herr mir erwiesen hat, und sie hat in mir einen Glauben und eine Liebe entstehen lassen, wie sie nur durch Jesus Christus möglich sind. 15 Ja, Jesus Christus ist in die Welt gekommen, um Sünder zu retten. Auf dieses Wort ist Verlass; es ist eine Botschaft, die vollstes Vertrauen ver dient. Und einen größeren Sünder als mich gibt es nicht! 16 Doch gerade des halb hat sich Jesus Christus über mich erbarmt: An mir als dem größten aller Sünder wollte er zeigen, wie unbegreiflich groß seine Geduld ist; ich sollte ein ermutigendes Beispiel für alle sein, die sich ihm künftig im Glauben zu wenden, um das ewige Leben zu erhalten. 17 Dem König, der in alle Ewigkeit regiert, dem unvergänglichen, unsichtbaren, alleinigen Gott, gebühren Ehre und Ruhm für immer und ewig. Amen.
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Aufgabe und Verantwortung des Timotheus 18 So sieht also der Auftrag aus, den ich dir anvertraue, Timotheus, mein lie
ber Sohn; er stimmt mit den prophetischen Aussagen überein, die seinerzeit über dich gemacht wurden. Gestärkt durch diese Zusagen, sollst du den gu ten Kampf kämpfen, 19 indem du am Glauben festhältst und dir ein reines Ge wissen bewahrst. Einige haben ihr Gewissen zum Schweigen gebracht und haben dadurch in ihrem Glauben Schiffbruch erlitten. 20 Zu ihnen gehören Hymenäus und Alexander, die ich dem Satan ausgeliefert habe. Dieses harte Vorgehen soll sie dazu erziehen, nicht länger Dinge zu lehren und zu tun, die Gottes Ehre antasten.
1. Was wissen Sie über Timotheus? Wo kommt er noch in der Bibel vor? Fragen Sie zuerst kurz in die Runde, bevor Sie ggf. zusätzlich die Erläute rungen nutzen. 2. Warum betont Paulus gleich zu Beginn seinen Auftrag als Apostel? Welche Funktion hat dies gerade in diesem Brief, mit dem er Timotheus ermutigen möchte?
BIBELGESPRÄCH (30–40 Minuten) Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus.
3. Wir arbeiten wie ein Detektiv: Welche Indizien finden sich im Text über die Irrlehren und abstrusen Theorien, die in Ephesus grassierten? (Siehe auch die Erläuterungen zu V. 3ff.) 4. Was stellt Paulus klar im Blick auf das Gesetz (V. 8ff )? Welche „Ziel gruppe“ und welche Funktion hat es (siehe besonders V. 11)? 5. Welche Verhaltensweisen nennt Paulus als beispielhaft ungesetzlich? Wie kommt er zu seinen Bewertungen? (Siehe die Erläuterungen zu V. 9b-10.) 6. Was ist der Inhalt von Paulus’ zentraler Botschaft, und wie kann man sie schon an seinem eigenen Leben ablesen? (Siehe V. 12-17.)
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AUSTAUSCH (15–30 Minuten) Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus. Sie können das Gespräch mit einem gemein samen Gebet abschließen. Fragen, die nicht in der Gruppe thema tisiert werden, können Ihnen auch als Anstoß dienen, den Text zu Hause vertiefend zu betrachten.
KONKRETE SCHRITTE Entscheiden Sie, was Sie in der kommenden Woche ganz praktisch tun wollen.
1. Gibt es auch in unserem Umfeld Falschinformationen oder Missverständ nisse über den Glauben? Wie können wir dazu beitragen, sie auszuräu men? 2. Wie unterscheidet man denn zwischen im Glauben zentralen Fragen und Randthemen, mit denen man sich nicht verzetteln sollte? 3. Paulus führt seine Autorität und Erfahrung als Apostel an, um Timotheus zu ermutigen. Kennen wir Menschen, die genauso auch uns den Rücken gestärkt haben, mit natürlicher und geistlicher Autorität? 4. Was ist der Kern der guten Nachricht von Jesus – in unseren eigenen Worten? Kennen wir Lebensgeschichten, bei denen Gottes Gnade wie bei Paulus besonders deutlich wurde?
1. Welches Missverständnis im Glauben möchte ich aufklären helfen? Wie mache ich das am geschicktesten – ebenso klärend wie gewinnend? 2. Für wen kann ich zurzeit ein „Paulus“ sein? Wer braucht meine Ermuti gung und Erinnerung an die Grundlagen des Glaubens gerade beson ders?
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ERLÄUTERUNGEN V. 1 Anders als frühere Paulusbriefe ist dieser Brief ausschließlich von Paulus verfasst, wenn auch womöglich unter Mithilfe eines Sekretärs – vielleicht Lukas (siehe Einführung). Auffallend ist, wie stark Paulus seine Autorität als Apostel betont: nicht um „sich wichtig zu machen“, son dern um Timotheus den Rücken zu stärken: Das Evangelium, das er ihm zur „Pflege“ und Weiter gabe anvertraut, ist das „Original“, es geht auf Jesus selbst zurück, der Paulus beauftragt hat. V. 2 Timotheus ist für Paulus „wie ein Sohn“, wört lich übersetzt „mein echter/wahrer Sohn“. Das griechische Wort bezeichnet ein leibliches oder legitimes Kind (vgl. Baugh, Zondervan, zu 1 Tim 1,2). Gemeint ist hier, dass Timotheus im Glau ben rechtmäßig ein Nachkomme von Paulus ist, dass er also die gleiche Botschaft zuverlässig an die nächste Generation weitergibt. Wahrschein lich hat Paulus ihn ja schon bei seinem Christwer den begleitet. Danach hat er ihn als Mitarbeiter auf Missionsreisen mitgenommen und ihm immer wieder wichtige Aufgaben in der Betreuung von jungen Gemeinden übertragen; in Thessalonich, Korinth und Philippi (siehe Einführung). V. 3 Paulus war gerade zwischenzeitlich aus der Haft in Rom freigekommen und hatte Timotheus auf seiner Reise nach Mazedonien in Ephesus zu rückgelassen (siehe Einführung). Ephesus war damals die wichtigste Stadt Kleinasiens, laut an tiker Inschriften eine „Mutter-Stadt“ (griechisch Metropolis) der Region (vgl. Baugh, Zondervan, zu 1 Tim 1,3). Dort hatte Paulus eine eigentlich florierende Gemeinde gegründet, die auch auf die Umgebung ausstrahlte. Inzwischen wurden dort allerdings „falsche Lehren“ verbreitet, und Timotheus bekommt den Auftrag, diesen ent schieden entgegenzutreten. V. 4-7 Was war das Problem? Zum Inhalt der Irrlehren finden sich im Text nur Indizien: • „Legenden“ und „Geschlechtsregister“ (Ge nealogien) klingt nach Bezügen auf das Alte Testament, allerdings war das Spekulieren darüber auch in vielen heidnischen Kulten in der Antike verbreitet (vgl. Baugh, Zondervan,
zu 1 Tim 1,4). • Auch der Bezug auf das Gesetz klingt nach einer Nähe zum AT, allerdings haben die Irr lehrer das Gesetz eben grundlegend missver standen (V. 7). • Anscheinend hatten sie also einen jüdischen Hintergrund, vertraten aber eine „kreative Mischung“ religiöser Vorstellungen, die teils auch aus hellenistischen (griechischen) Kul ten stammen. • Begründbar ist von daher, dass man es in Ephesus mit einer antiken Vorform einer „Ver schwörungstheorie“ zu tun hatte: Die Ge meinsamkeit ist, dass dabei eigentlich nicht zusammengehörige Vorstellungen in ein neues großes Weltdeutungs-System einge baut werden, während der Bezug zur Realität allmählich verloren geht. Kriterium zur Prüfung ist für Paulus daher auch: Was kommt dabei heraus? Fördert es den Glau ben (V. 4b), bringt es Liebe hervor (V. 5a), führt es zu einem reinen Gewissen (V. 5b)? Oder ist es nur leeres Gerede (V. 6), ohne geistlichen oder praktischen Nutzen? V. 8-11 Auch inhaltlich widerlegt Paulus die Irr lehrer nun, und dass er sich dabei auf das Thema Gesetz konzentriert, legt nahe, dass hier das Hauptproblem lag. Aus seinem Gedankengang kann man im Umkehrschluss Weiteres über die Bestandteile der Irrlehre erfahren: • Das Gesetz ist ursprünglich gut (V. 8b) – wenn man es in seiner richtigen Funktion an wendet (V. 8b), nämlich um Schuld aufzude cken und den Verstoß gegen Gottes Maßstäbe und Ordnungen beim Namen zu nennen (V. 9). • Damit schließt Paulus zwei Missverständ nisse aus. Missverständnis 1: Das Gesetz sei nicht gut, vielleicht sogar schädlich. Nein, so Paulus, das Gesetz hat seinen Nutzen. Der ist begrenzt – das Gesetz kann eben nicht ge recht machen, das kann nur Gottes Gnade – aber der Nutzen bei der Aufdeckung von Schuld ist trotzdem wichtig. • Missverständnis 2: Das Gesetz reiche nicht aus. Paulus klingt hier nämlich so, als hätten
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die Irrlehrer noch weitere, zusätzliche Regeln aufgestellt, die über das Gesetz hinausgin gen, und die Epheser damit unter Druck ge setzt. Nein, so Paulus, das Gesetz reicht aus. Es enthält alles, um zu bewerten, welches Verhalten in Gottes Sinne ist und welches nicht (V. 9.11). V. 9b-10 Paulus zählt dazu eine Reihe von Ne gativbeispielen auf, einen sogenannten Laster-Katalog. Der ist nicht erschöpfend, enthält aber vieles, was vor dem Hintergrund des AT wie selbstverständlich als nicht in Gottes Sinne gel ten muss. – Was Paulus mehr nebenbei erwähnt, wird heutigen Lesern womöglich besonders auf fallen: seine Bewertung homosexueller Praxis (V. 10a). Wörtlich übersetzt ist hier die Rede von „Männern, die mit Männern schlafen“ – also nicht von Empfindungen oder Orientierung, son dern eben von aktiver Praxis. Manche Ausleger vertreten zwar die Auffassung, dass damit nicht partnerschaftliche Homosexualität im modernen Sinne gemeint sein könne. Allerdings war aktiv gelebte Homosexualität in den Großstädten der Antike ähnlich bekannt wie heute, und es deu tet nichts darauf hin, dass Paulus hier nur be stimmte Ausprägungen im Blick hat. Stattdessen ist er sicher davon ausgegangen, dass aktiv ge lebte Sexualität ihren Platz grundsätzlich in der lebenslangen Verbindung von Mann und Frau hat. V. 12-17 Woher nimmt Paulus seine Selbstsicher heit, in dieser Weise für die richtige Lehre und das originale Evangelium einzutreten? In V. 1 hat er ja schon seine Beauftragung als Apostel be tont. Der jetzige Abschnitt lässt sich als Erläute rung lesen: Was Paulus verkündigt, hat er selbst erlebt – dass Gottes Gnade ausreicht. Ausge rechnet Paulus, der Ex-Christenverfolger, erhält von Jesus ja nicht nur Vergebung, sondern gleich einen besonderen Auftrag als Missionar und Ge meindegründer und als Cheftheologe der ersten Christen. „Geradezu überwältigend“ findet er das (V. 14). Dass Jesus „in die Welt gekommen ist, um Sünder zu retten“ (V. 15), ist für ihn damit zugleich Kern seiner Botschaft und autobiogra
fisch, also durch die eigene Lebensgeschichte belegt. Paulus ist für das Evangelium von Jesus Christus nicht nur ein Einzelbeispiel, sondern ein Paradebeispiel (V. 16). Wie passend, dass er die sen Abschnitt mit Lobpreis endet (V. 17). V. 18 Den gleichen Auftrag hat nun auch Timo theus: das Evangelium von Jesus Christus selbst bewusst und unbeirrt weiter zu verkündigen (V. 18a). Dass Timotheus dazu beauftragt ist, ist auch nicht nur Paulus’ eigene Idee, sondern war anscheinend Inhalt einer Prophetie über Timotheus schon zu Beginn von dessen Christ sein (V. 18b). Trotzdem ist Timotheus’ Weg nicht einfach; er bedeutet auch „Kampf“ (V. 18b). Das sprachliche Bild ist wie in anderen Paulusbrie fen wohl das des sportlichen Wettkampfes, für den es Konzentration und Ausdauer braucht (vgl. 1 Kor 9,24-27). V. 19a Paulus spornt Timotheus also an: Bleib dran! Lass dich in deinen Kernüberzeugungen nicht irremachen („am Glauben festhalten“), und lass dich nicht zu einem Verhalten hinrei ßen, das deinen Dienst beschädigen kann („ein reines Gewissen bewahren“). V. 19b-20 Die negativen Gegenbeispiele stehen schließlich klar vor Augen: ehemalige Mitarbeiter von Paulus, die vom Glauben abgekommen sind bzw. sich in irgendeiner Weise haben korrum pieren lassen. Beides hängt wohl auch zusam men – das „Gewissen zum Schweigen bringen“ führt zum „Schiffbruch im Glauben“. Konkreter wird Paulus hier nicht; Timotheus kennt die Be treffenden ja; Namen wie „Hymenäus und Ale xander“ reichen daher. Für Paulus dienen sie als Mahnung, sicher ist er von ihnen auch per sönlich enttäuscht. Dennoch will er auch diese Menschen zurückgewinnen: „dem Satan ausge liefert“ (V. 20a) heißt trotz der harschen Formu lierung sicher nicht die unwiderrufliche Abkehr von Menschen. Paulus will damit ja gerade „er ziehen“ (V. 20b), also zur Umkehr rufen. Wahr scheinlich geht es also eher um einen zeitweisen Ausschluss, um gerade so einen Neuanfang zu ermöglichen.
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