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Eckhard Hagedorn

Der Hebräerbrief Eine Ansage gegen die Mutlosigkeit

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Der Autor: Dr. Eckhard Hagedorn, Jg. 1954, war nach verschiedenen Studien­phasen als Jugendreferent im Schwarzwald, später als Gemeindepfarrer in Nordbaden und schließlich als Dozent für Neues Testament am Theologischen Seminar Chrischona tätig. Seit 45 Jahren ist er mit Gerlinde verheiratet; die beiden haben fünf Kinder und leben in Sulzburg bei Freiburg. Seit 2019 ist er aus Altersgründen und Überzeugung Rentner. Zwei seiner Bücher machen Werbung für die Bibel. Ein drittes hat den Beginn der Erweckung in Baden im 19. Jahrhundert zum Thema. Sein gegenwärtiges Interesse gilt besonders Zusammenhängen zwischen Bibelexegese, Kirchengeschichte und Spiritualität.

Der Verlag weist darauf hin, dass jede Form der Vervielfältigung dieses Materials, auch in kleinen Mengen, nicht erlaubt ist.

Konzeption und Text: Eckhard Hagedorn Lektorat: Susanne Baum Bibeltexte sind entnommen der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Weitere verwendete Übersetzung ist wie folgt gekennzeichnet: (LU) – Die Bibel nach Martin Luthers Übersetzung, revidiert 2017, © 2016 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgenden zumeist das generische Maskulinum verwendet, z. B. „Christen“. Die Entscheidung für diese Schreibweise beinhaltet keine ­Wertung. In der Sache sind natürlich immer beide Geschlechter gemeint. © 2023 Brunnen Verlag GmbH, Gießen Umschlagmotiv: Adobe Stock Umschlaggestaltung: Jonathan Maul Satz: Uhl + Massopust, Aalen Herstellung: BasseDruck GmbH, Hagen ISBN 978-3-7655-0833-2 www.brunnen-verlag.de


Inhalt Verzeichnis der Abkürzungen

4

Fragen zu diesem Kurs

5

Wie verläuft ein Treffen?

8

Einführung: Ein Dokument mit ganz besonderem Charakter

9

1. Markante Briefseelsorge

13,20-25

15

2. Einzigartiges Niveau

1,1-14

21

3. Unvermeidbare Spannung

2,1-15

27

4. Versprochene Ruhe

3,7–4,13

32

5. Verständnisvoller Hohepriester

5,1-10

38

6. Hoffnungsvolle Kritik

5,11–6,12

43

7. Geheimnisvoller „Kollege“

7,1-28

49

8. Endgültiger Bund

8,1-13

55

9. Einmaliges Opfer

9,11-28

60

10. Unfertige Vorbilder

11,1-4.32-40

65

11. Gelingende Erziehung

12,1-15

72

Quellennachweise

78


Verzeichnis der Abkürzungen Altes Testament 1 Mo 2 Mo 3 Mo 4 Mo 5 Mo Jos Ri Ruth 1 Sam 2 Sam 1 Kön 2 Kön 1 Chr 2 Chr Esra Neh Est Hiob Ps Spr Pred Hld Jes Jer Klgl Hes Dan Hos Joel Am Ob Jona Mi Nah Hab Zef Hag Sach Mal

4

Das erste Buch Mose Das zweite Buch Mose Das dritte Buch Mose Das vierte Buch Mose Das fünfte Buch Mose Das Buch Josua Das Buch über die Richter Das Buch Ruth Das erste Buch Samuel Das zweite Buch Samuel Das erste Buch über die Könige Das zweite Buch über die Könige Das erste Buch der Chronik Das zweite Buch der Chronik Das Buch Esra Das Buch Nehemia Das Buch Esther Das Buch Hiob Die Psalmen Die Sammlung der Sprüche Der Prediger Salomo Das Hohelied Der Prophet Jesaja Der Prophet Jeremia Die Klagelieder Der Prophet Hesekiel Der Prophet Daniel Der Prophet Hosea Der Prophet Joel Der Prophet Amos Der Prophet Obadja Der Prophet Jona Der Prophet Micha Der Prophet Nahum Der Prophet Habakuk Der Prophet Zefanja Der Prophet Haggai Der Prophet Sacharja Der Prophet Maleachi

Neues Testament Mt Das Evangelium nach Matthäus Mk Das Evangelium nach Markus Lk Das Evangelium nach Lukas Joh Das Evangelium nach Johannes Die Apos­telgeschichte Apg Röm Der Brief des Paulus an die Christen in Rom 1 Kor Der erste Brief des Paulus an die Christen in Korinth 2 Kor Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Korinth Gal Der Brief des Paulus an die Christen in Galatien Eph Der Brief des Paulus an die Christen in Ephesus Phil Der Brief des Paulus an die Christen in Philippi Kol Der Brief des Paulus an die Christen in Kolossä 1 Thess Der erste Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich 2 Thess Der zweite Brief des Paulus an die Christen in Thessalonich 1 Tim Der erste Brief des Paulus an T­ imo­theus 2 Tim Der zweite Brief des Paulus an Timo­theus Der Brief des Paulus an Titus Tit Der Brief des Paulus an Philemon Phlm Der Brief an die Hebräer Hebr Der Brief des Jakobus Jak Der erste Brief des Petrus 1 Petr Der zweite Brief des Petrus 2 Petr Der erste Brief des Johannes 1 Joh Der zweite Brief des Johannes 2 Joh Der dritte Brief des Johannes 3 Joh Der Brief des Judas Jud Die Offenbarung an Johannes Offb


Fragen zu diesem Kurs Zielsetzung 1. Worum geht es in diesem Kurs? Um drei Ziele, die alle wichtig sind: a. Nahrung für die Seele. – „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das Gott spricht.“ In seinem Wort stellt Gott sich uns vor. Hier können wir ihn kennenlernen. Wer mehr über Gott und den christlichen Glauben erfahren will, muss sich mit der Bibel beschäftigen. Wer als Christ im Glauben wachsen will, muss sich aus dem Wort Gottes „ernähren“. b. Gemeinschaft. – Im Gespräch über Glaubensfragen und Lebenserfahrungen kommen wir einander näher und können zu einer Gemeinschaft zusammenwachsen, in der man sich im Alltag und im Glauben gegenseitig trägt und unterstützt. c. Wachstum. – Dieser Kurs wendet sich auch an Menschen, die bisher mit dem christlichen Glauben noch wenig in Berührung gekommen sind. Wenn Sie immer wieder andere zu Ihren Treffen einladen, kann die Gruppe wachsen, bis eine Teilung nötig wird. Beide neuen Kreise sollen ebenso wachsen, bis sie zu groß sind und sich teilen – und so weiter.

• Für Menschen, die sich – neu oder wieder – intensiver mit dem christlichen Glauben beschäftigen wollen. • Für Menschen, denen Kirche und Glauben fremd geworden sind, die aber nach einem neuen Zugang zum Glauben suchen. • Für Christen, die die Bibel besser kennenlernen und tiefer verstehen wollen. • Für Menschen, die im Gespräch über Glaubensfragen und durch das Gebet für­einander in ihrem Glauben wachsen möchten. • Für Menschen, die mit Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen haben und eine Gruppe suchen, die Unterstützung und Zusammenhalt bieten kann.

Der erste Schritt 3. Wie sollen wir anfangen? Machen Sie sich eine Liste mit den Namen, die Ihnen jetzt als mögliche Teilnehmer einfallen. Hängen Sie die Liste an einen Platz, an dem Ihr Blick immer wieder einmal darauffällt. Lassen Sie sie dort, bis Sie alle, die Sie auf Ihrer Liste notiert haben, gefragt haben, ob sie Interesse an einem solchen Gesprächskreis haben.

Teilnehmer

Das erste Treffen

2. Für wen soll dieser Gesprächskreis sein? • Für Menschen, die Fragen an das Leben haben und wissen möchten, ob der christliche Glaube ihnen weiterhelfen kann.

4. Was geschieht beim ersten Treffen? Sie lernen einander als neue Gruppe kennen bzw. begrüßen neue Mitglieder, wenn Ihre Gruppe schon länger besteht. Sie sprechen über Ihre Erwartungen an diesen Kurs und vereinbaren „Spielregeln“, die in der Gruppe gelten sollen. 5


Spielregeln 5. Wie entsteht die Vereinbarung über die Spielregeln? Sprechen Sie über die folgenden Fragen und notieren Sie die Punkte, bei denen Sie Einigung erzielen. So können Sie am Ende des Kurses gut beurteilen, ob Sie Ihre Ziele erreicht haben. • Was ist der Zweck Ihrer Treffen? • Wie oft wollen Sie sich treffen? (Dieser Kurs bietet Ihnen Gesprächsanregungen für elf Treffen. Wenn Sie danach weiterhin zusammenkommen wollen, verlängern Sie einfach Ihre Abmachung.) • Wo wollen Sie sich treffen? • Um welche Uhrzeit sollen die Treffen beginnen, und wie lange sollen sie dauern? • Welchen Rahmen wollen Sie Ihren Treffen geben? Soll es Getränke und etwas zum Knabbern geben? Wer ist dafür zuständig? Hilfreich ist es, wenn Sie außerdem Regeln für das Gespräch in der Gruppe vereinbaren. Dazu könnten folgende Vereinbarungen gehören:

Sie können ergänzen, was Ihnen sonst noch für Ihre Gruppe wichtig zu sein scheint.

Zeitlicher Rahmen 6. Wie lange dauert ein Treffen? Die Mindestzeitangaben für die einzelnen Bausteine des Treffens sind für Gruppen gedacht, die nur eine Stunde zusammen sein können. Wenn Sie mehr Zeit zur Verfügung haben, verlängern Sie die angegebenen Zeiten entsprechend. 7. Warum verabreden Sie sich zunächst nur für eine bestimmte Anzahl von Treffen? Weil es leichter ist, sich für einen überschaubaren Zeitraum für eine Sache zu entscheiden und sie wirklich durchzuhalten, als eine Verpflichtung auf unbestimmte Zeit einzugehen. Wenn Sie nach Abschluss des Kurses weiter als Gruppe zusammenbleiben wollen – umso besser.

Gesprächsinhalt

• Was in diesem Kreis gesagt wird, ist vertraulich und wird nicht nach außen getragen. • Wir reden nicht übereinander, sondern miteinander. • Gesprächsbeiträge werden nicht bewertet; jeder Teilnehmer wird mit seiner Meinung ernst genommen. • Es gibt keine „unmöglichen“ Positionen. Wenn es Meinungsunterschiede gibt, begründet jeder seine eigene Sicht.

8. Was wird bei den Treffen besprochen? Der Hebräerbrief ist Briefseelsorge an Glaubenden, von denen keineswegs sicher ist, dass sie weiterhin Jesus vertrauen werden. Er bietet uns reichlich Gelegenheit, eine Klarheit und Fairness wahrzunehmen, die nichts beschönigt, aber den Mutlosen mit auffallend großer Hoffnung begegnet. So bekommen wir die Möglichkeit, auch über eigene Krisen zu sprechen, ohne im Austausch darüber noch tiefer in ihnen zu versinken.

•

Die „Spezialität“ des Hebräerbriefs im Neuen Testament: Er zeigt uns Jesus als den Hohenpriester, durch den Gott endgültig und unüberbietbar zu unseren Gunsten gehandelt hat. Indem wir uns diese Seelsorge gefallen

• • 6


lassen, werden wir gleichzeitig gründlicher mit dem Alten Testament bekannt. Das Inhaltsverzeichnis bietet eine Übersicht über die Texte und Themen. Vielleicht möchten Sie auch ein zusätzliches Treffen einplanen, in dem Sie sich gemeinsam mit den Spielregeln für diese Gruppe und der Einführung zum Thema Hebräerbrief beschäftigen.

• Lesen Sie Text und Erläuterungen vorbereitend zu Hause. Oder: • Vertiefen Sie das Gespräch über einen Text im Anschluss an Ihr Gruppentreffen. Lesen Sie den Text noch einmal im Zusammenhang und nehmen Sie sich Zeit, die Erläuterungen zu studieren.

Bibelkenntnis

11. Der Traum, der dahintersteckt: Menschen treffen sich und wachsen zu einer tragfähigen Gemeinschaft zusammen, in der jeder eine Heimat findet und in seinen Freuden und Schwierigkeiten angenommen ist. Menschen kommen zusammen, reden über ihr Leben und ihren Glauben und begegnen der Bibel – egal, ob sie Kirchenmitglieder sind, vom Glauben bisher viel oder wenig wissen, ob sie Christen sind oder nicht.

9. Und wenn jemand in der Gruppe wenig von der Bibel weiß? Prima! Dafür ist die Gruppe ja da. Die ERLÄUTERUNGEN geben Ihnen Hinweise zum Verständnis größerer Zusammenhänge, einzelner Ausdrücke, geschichtlicher Hintergründe oder wichtiger Personen im Text. Greifen Sie immer dann auf die Erläuterungen zurück, wenn der Sinn des Textes sich nicht von selbst erschließt. Bibel dabeihaben. Die Texte, auf die sich dieses Heft bezieht, sind in den einzelnen Einheiten abgedruckt. Weil aber auch im­ mer wieder auf weitere biblische Zusammenhänge verwiesen wird, ist es gut, wenn die Teilnehmer auch eine Vollbibel da­bei­haben, um entsprechende Stellen nach­schlagen zu können.

„Hausaufgaben“ 10. Was muss ich sonst noch tun? Nichts, wenn Sie nicht wollen. Aber Sie können über das hinausgehen, was in der Gruppe besprochen wird. Nicht immer werden Sie alle Erläuterungen gemeinsam in der Gruppe lesen und diskutieren können. Wenn Sie die Zusatzinformation voll ausschöpfen möchten, haben Sie dafür zwei Möglichkeiten:

Der Traum

Serendipity 12. Was heißt Serendipity? „Das Geschenk, zufällig glückliche Entdeckungen zu machen.“ Genau darum geht es beim Kursmaterial „Serendipity Bibel“: Menschen kommen ins Gespräch über das Leben und den Glauben, tauschen Erfahrungen aus, setzen sich mit Fragen nach Gott und der Welt, nach Glaube und Bibel auseinander und machen dabei – möglicherweise ganz unvermutet – wertvolle Entdeckungen für ihr Leben.

Hinweise für Gruppenleiter 13. Weitergehen. Weitere Kurshefte zu vielen biblischen Themen finden Sie auf unserer Homepage: https://www.brunnen-verlag. de/serendipity

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1

Markante Briefseelsorge Hebräer 13,20-25

Mit dem Ende eines Briefes zu beginnen, ist ungewöhnlich. Beim Hebräerbrief ist das aber sinnvoll, denn 13,22 sagt, was der Hebräerbrief sein will, und gibt uns damit eine Leseanleitung. Das hilft sehr, wenn man den Brief anschließend von vorne nach hinten liest. Er möchte Briefseelsorge für Christen sein, deren Vertrauen zu Jesus sehr wackelig geworden ist. 1. Heute werden seltener Briefe geschrieben als früher. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? 2. Haben Sie Briefe aufgehoben? Was für welche? Warum? 3. Vergleichen Sie Brief und SMS. Nennen Sie für beide je fünf Vorteile.

EINSTIEG (15–20 Minuten) Wählen Sie bitte eine oder zwei Fragen aus.

4. Menschen zu motivieren, ist in unserer Gesellschaft ein Dauerthema. ­Welche Formulierungen wählen Sie, wenn Sie jemanden motivieren möchten?

Segenswünsche, Mitteilungen und Grüße

BIBELTEXT

20 Der Gott des Friedens, der den großen Hirten seiner Schafe, unseren Herrn

Jesus, von den Toten auferweckt hat, nachdem er mit dessen Blut den neuen, ewig gültigen Bund besiegelt hatte – 21 dieser Gott möge euch die Kraft geben, all das Gute zu tun, das nach seinem Willen durch euch geschehen soll. Durch Jesus Christus möge er in unserem Leben das bewirken, woran er Freude hat. Ihm gebührt die Ehre für immer und ewig. Amen. 22 Ich habe euch das alles geschrieben, liebe Geschwister, um euch zu ermutigen, und habe mich so kurz wie möglich gefasst. Nun bitte ich euch eindringlich darum, diese Botschaft nicht abzuweisen. 23 Wisst ihr schon, dass unser Bruder Timotheus freigelassen worden ist? Wenn er rechtzeitig bei mir eintrifft, werden wir euch gemeinsam besuchen. 24 Grüßt alle eure Verantwortlichen und die ganze Gemeinde! Die Geschwister aus Italien lassen euch grüßen. 25 Gottes Gnade sei mit euch allen!

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BIBELGESPRÄCH (30–40 Minuten) Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus.

1. Den langen Satz (V. 20-21a) könnte man kürzen, bis nur der Kernsatz übrigbleibt: „Der Gott des Friedens … möge euch Kraft geben …“ Warum wäre es furchtbar schade, den Satz zu kürzen? 2. Jesus wird „der große Hirte seiner Schafe“ genannt. Welche Informationen aus den Evangelien helfen Ihnen, diesen Begriff zu füllen? Wenn Sie wollen, können Sie auch noch das AT heranziehen. Vgl. 1 Mo 48,15; 1 Kön 22,17; Ps 23; Hes 34,1-24; Mt 9,36; Joh 10,1-16 (besonders 11 + 14); 1 Petr 2,25. 3. Inwieweit hat Gott sich gerade dadurch, dass er Jesus auferweckt hat, als „Gott des Friedens“ erwiesen? 4. Wozu soll Gott Kraft geben? Dass wir das Gute tun, dass sein Wille durch uns geschieht, dass wir tun, was ihm Freude macht und was ihn ehrt. ­Vergleichen Sie das bitte mit dem Vaterunser (Mt 6,9-13; Lk 11,2-4), mit Röm 12,1f und mit Phil 4,8. 5. Was könnte dazu führen, dass die Leser diese Botschaft abweisen? V. 22b. 6. „Die Geschwister aus Italien lassen euch grüßen“ ist keine eindeutig klare Formulierung. Welche zwei Deutungen sind möglich? V. 24. 7. Was lässt sich hier über das Verhältnis des Verfassers zu den Adressaten entnehmen? V. 24. 8. Was wissen Sie aus anderen Schriften des NT über „unseren Bruder Timotheus“? V. 23. Wie alles, begann, sagt Apg 16,1-3. Zu Informationen über seinen Dienst und sein Verhältnis zu Paulus siehe 1 Tim 1,2.18; 6,20. Die Apostelgeschichte zeigt ihn als Paulusbegleiter, der auch selbstständig für die jungen Gemeinden da ist, etwa Apg 17,14 + 15; 18,5; 19,22; 20,4. In den Anfängen seiner Briefe erwähnt Paulus ihn in 2 Kor 1,1; Phil 1,1; Kol 1,1; 1 Thess 1,1 und Phlm 1. 9. Wenn Sie den Hebräerbrief hätten schreiben sollen: Wie hätte Ihr letzter Satz ausgesehen?

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1. Wie reagiere ich, wenn mir jemand den Frieden Gottes wünscht oder zuspricht? Welche eigenen Barrieren muss ich überwinden, um anderen Gottes Frieden zuzusprechen? 2. Wie gehe ich mit Informationen über das Ergehen anderer Christen um? 3. Gastfreundschaft, Besuche (13,2): Für welche Menschen öffne ich meine Wohnung? Wenn ich ein Jahr lang eine Gästeliste führen würde, worüber würde ich dann mehr nachdenken als vorher? 4. Wie können wir mit Sätzen wie „Gottes Gnade sei mit euch allen“ (13,25) so umgehen, dass daraus keine Floskeln werden?

1. Wählen Sie neben der hier benutzten NGÜ zwei weitere Übersetzungen aus und lesen Sie bereits in dieser Woche die erste, später dann die zweite und machen Sie sich jeweils Notizen zu dem, was Ihnen auffällt. 2. Was möchten Sie nach der Beschäftigung mit Hebr 13,20-25 besonders festhalten? Was möchten Sie konkret in die Praxis umsetzen – im Blick auf Ihre Einstellungen, Ihr Denken, Ihre Worte und Ihr Handeln?

AUSTAUSCH (15–30 Minuten) Wählen Sie ggf. unter den Fragen aus. Sie können das Gespräch mit einem gemein­samen Gebet abschließen. Fragen, die nicht in der Gruppe thematisiert werden, können Ihnen auch als Anstoß dienen, zu Hause den Text vertiefend zu betrachten.

KONKRETE SCHRITTE Entscheiden Sie, was Sie in der kommenden Woche ganz praktisch tun wollen.

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ERLÄUTERUNGEN V. 20-21. Die meisten Briefe des NT haben am Schluss gute Wünsche oder Segensgrüße. Sie sind reich gefüllt und greifen z. B. auf, was Gott durch Jesus für die Adressaten getan hat und in Zukunft tun wird. Als „Gott des Friedens“, also als ein Gott, der Frieden stiftet, erweist sich Gott durch das, was er durch Jesus zu unseren Gunsten getan hat. – Jesus wird hier als „der große Hirte sei­ ner Schafe“ erwähnt. Das erinnert einerseits an Jes 63,11, andererseits daran, dass Jesus sich im Johannesevangelium den guten Hirten genannt hat (Joh 10,11). Dort heißt es, er gebe sein Leben für die Schafe her. Nachdem dies geschehen ist, betont V. 20 Gottes Reaktion darauf: Er hat Jesus von den Toten auferweckt. Vom „neuen, ewig gültigen Bund“ ist in Hebr 8 ausführlich die Rede. – V. 21 zeigt, dass trotz allem Schwierigen, von dem der Verfasser Kenntnis hat – dazu gleich mehr –, ihn eine starke Hoffnung erfüllt, dass das Christsein der Adressaten wieder stabil und fruchtbar wird und Gott von den Adressaten wieder die Ehre erhalten wird, die ihm gebührt. V. 22. Der Verfasser will mit seinem Schreiben er­ mutigen, so die NGÜ. Im Griechischen sind zwei Wörter miteinander verbunden, die beide verschiedene Übersetzungsmöglichkeiten haben,

lógos: Wort, Rede, Predigt u. a. und paráklesis: Ermahnung, Ermutigung, Zuspruch, Seelsorge, Motivation u. a. Zum Inhalt des Ganzen passt der Ausdruck Briefseelsorge, Paraklese (dieses Wort ist als Fachausdruck vom Griechischen her in die Literatur hinübergenommen worden) in schriftlicher Form. Paraklese (in vielen Übersetzungen mit „Ermahnung“ wiedergegeben) geschieht im NT oft in Form von Imperativen, Befehlsformen und Finalsätzen (= Sätze, die ein Ziel angeben) oder Selbstermunterungen („Lasst uns …“, sogenannten Kohortativen). Also lohnt es sich, einmal diese Formulierungen herauszuschreiben. Danach kann man fragen: Sind sie so voneinander verschieden, dass kaum etwas Gemeinsames erkennbar wird? Oder lassen sie sich vielleicht in Gruppen ordnen? Oder zeigt sich sogar durchgehend etwas Gemeinsames? Die NGÜ hat die Imperative (Befehlsformen) des Grundtextes nicht durchgehend mit deutschen Imperativen wiedergegeben. Wichtige Beobachtungen lassen sich so nicht machen. Deshalb ist es hier sinnvoll, auf genauere Übersetzungen auszuweichen (Luther, Zürcher, Elberfelder u. a.). Die folgende Tabelle ist nicht ganz vollständig, reicht aber für unsere Zwecke aus.

Hebr

Text nach Luther 2017

2,1

… damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben.

2,3

Wie wollen wir entrinnen, wenn wir eine so große Seligkeit nicht achten?

3,1

Schaut auf den Apostel und Hohepriester, den wir bekennen, Jesus.

3,8

Verstockt eure Herzen nicht.

3,12

Seht zu, dass niemand unter euch ein böses, ungläubiges Herz habe und abfalle von dem lebendigen Gott.

3,13

Ermahnt euch selbst alle Tage, dass nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde.

3,14

… die erste Gewissheit bis zum Ende festhalten.

4,1

Lasst uns mit Furcht darauf achten, dass keiner von euch zurückbleibe.

18


4,11

So lasst uns nun bemüht sein, in diese Ruhe einzugehen, damit nicht jemand zu Fall komme.

4,14

Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.

4,16

Lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade.

5,12f

Ihr, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise. Denn wem man noch Milch geben muss, der ist unerfahren im Wort der Gerechtigkeit, denn er ist ein kleines Kind.

6,11f

Wir begehren aber, dass jeder von euch denselben Eifer beweise, die Hoffnung fest­ zuhalten bis zum Ende, damit ihr nicht träge werdet.

10,22-25

Lasst uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in der Fülle des Glaubens (…) Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken … Lasst uns auf einander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsere Versammlungen, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen.

10,32

Gedenkt aber der früheren Tage, an denen ihr (…) erduldet habt einen großen Kampf des Leidens.

10,35

Werft euer Vertrauen nicht weg.

10,39

Wir aber sind nicht solche, die zurückweichen und verdammt werden, sondern solche, die glauben und die Seele erretten.

12,1f

Lasst uns ablegen alles, was uns beschwert (…) Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, und aufsehen zu Jesus.

12,3

Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, ­damit ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

12,12f

Stärkt die müden Hände und die wankenden Knie und tut sichere Schritte mit euren ­Füßen, dass nicht jemand strauchle wie ein Lahmer, sondern vielmehr gesund werde.

12,15f

Seht darauf, dass nicht jemand Gottes Gnade versäume; dass nicht etwa eine bittere Wurzel aufwachse und Unfrieden anrichte und viele durch sie verunreinigt werden; dass nicht jemand sei ein Hurer oder Gottloser wie Esau.

12,25

Seht zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet.

Ergebnis: Viele Formulierungen gehen in dieselbe Richtung. Sie warnen davor, Hoffnung und Vertrauen gegenüber Jesus zu verlieren, vom Weg abzukommen usw. und ermutigen dazu, neues Vertrauen zu Jesus zu wagen und so wieder stabil zu werden. Die Adressaten werden als Christen charakterisiert, die in der Gefahr sind, sich von Jesus abzuwenden. Das wäre aber das Verkehrteste, was sie tun könnten. Kapitel um Kapitel wird der Verfas-

ser gute Gründe anführen, Jesus treu zu bleiben. Sein Hauptgrund: Jesus ist uns von Gott als vollkommener Hohepriester eines neuen, ewig gültigen Bundes gegeben. Von so einem kann man doch nicht wegwollen! V. 23. Wo außerhalb des Hebräerbriefs ein Timo­ theus erwähnt wird, ist immer der Begleiter des Paulus gemeint. Deshalb gehen die meisten Ausleger davon aus, dass der hier Genannte mit die-

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sem identisch ist. Das reicht aber nicht aus, im Hebräerbrief einen Paulusbrief zu sehen (siehe Einleitung). Die weitgespannte Wirksamkeit des Timotheus lässt auch anderes offen. Die Adressaten kennen ihn. Wahrscheinlich ist er ihnen durch persönliche Begegnung(en) bekannt. Der Verfasser will mit ihm gemeinsam kommen. Man kann überlegen, ob der Verfasser gegenüber Timotheus eine Stellung hat, die diesem „befehlen“ kann, mitzukommen. Das ist möglich, aber nicht zwingend der Fall. V. 24. Der Verfasser bittet die Adressaten, die zu grüßen, die ihnen vorstehen (NGÜ: „eure Ver­ antwortlichen“). Schon früh haben sich in den jungen Gemeinden besondere Verantwortliche heraus­kristallisiert. In Thessalonich etwa ist das schon im Jahr 50/51, wenige Monate nach der Gemeindegründung, der Fall (1 Thess 5,12-13). Auch „die ganze Gemeinde“ soll gegrüßt werden, wörtlich: „alle Heiligen“. „Heilige“ ist eine der wichtigsten Bezeichnungen für die Christen, bevor die Bezeichnung „Christen“ auf Platz eins rückte. Von „Christen“ ist im NT nur dreimal die Rede: Apg 11,26 in Antiochia, hier ist es noch keine Selbstbezeichnung, sie werden von anderen so genannt; Apg 26,28 durch Herodes ­A grippa II. und 1 Petr 4,16. Dort setzt Petrus ­voraus, dass die Leserschaft mit der Bezeich-

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nung etwas anfangen kann. Die Briefe des Igna­ tius von Antiochien zeigen, dass die Bezeichnungen „Christ“, „christlich“ und „Christentum“ sich Anfang des 2. Jahrhunderts eingebürgert haben. Der Ort, von dem aus „die Geschwister aus Italien“ Grüße ausrichten lassen, ist nicht eindeutig zu bestimmen. Es gibt zwei Möglichkeiten: (1) Christen aus Italien (Rom?) lassen die ­Adressaten grüßen; diese wohnen nicht in ­Italien. (2) Christen, die aus Italien stammen, jetzt aber nicht dort sind, grüßen Christen in Italien. V. 25. Der letzte Satz des Hebräerbriefs hat nur fünf Wörter im Griechischen. Hat man den ganzen Brief gelesen, merkt man, wie reichhaltig er ist. Die Gnade hat einen Namen: Jesus. Sie muss angesichts der irritierten Gemeinde keineswegs resignieren. Im Gegenteil: Sie kann alles Positive bewirken, das jetzt nötig ist. Mehr als diese Gnade brauchen sie nicht. „Mit euch allen“: Nicht alle haben sich gleich verhalten (siehe z. B. 10,25 „einige“) oder sind gleich stark angefochten. Die Gnade will in diese Differenzierungen hineinkommen und das Gemeinsame neu etablieren. Sie schafft das Zusammenführende und das Tragende. Sie stiftet die Einheit der Gemeinde im Aufsehen auf Jesus, den vollkommenen Hohepriester.


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