N. T. Wright
Offenbarung für heute
Zusätzlich als E-PDF erhältlich: N. T. Wright, Offenbarung für heute – Studienführer. ISBN 978-3-7655-7329-3, www.nt-wright.de Der „Studienführer“ macht „Offenbarung für heute“ zum idealen Material für Kleingruppen oder zum persönlichen Bibelstudium. Fragen zu jedem Bibelabschnitt helfen, sich die biblischen Texte zu erarbeiten und sie für unsere Welt heute lebendig werden zu lassen.
Titel der englischen Originalausgabe Revelation for Everyone © 2011 Nicholas Thomas Wright Originalausgabe: 2011, Society for Promoting Christian Knowledge 36 Causton Street London SW1P 4ST www.spckpublishing.co.uk Großbritannien Alle Rechte vorbehalten.
Aus dem Englischen von Johann Alberts
2. Auflage 2024 © 2014 Brunnen Verlag GmbH, Gießen www.brunnen-verlag.de Umschlaggestaltung: Ralf Simon Satz: DTP Brunnen Herstellung: CPI GmbH, Leck ISBN 978-3-7655-0628-4
Inhalt
Vorwort zur deutschen Ausgabe
7
Einleitung
9
Offenbarung 1,1-8:
Schaut, er kommt!
13
Offenbarung 1,9-20:
Jesus offenbart
18
Offenbarung 2,1-7:
Der Brief an Ephesus
21
Offenbarung 2,8-11:
Der Brief an Smyrna
26
Offenbarung 2,12-17:
Der Brief an Pergamon
31
Offenbarung 2,18-29:
Der Brief an Thyatira
36
Offenbarung 3,1-6:
Der Brief an Sardes
41
Offenbarung 3,7-13:
Der Brief an Philadelphia
45
Offenbarung 3,14-22:
Der Brief an Laodizea
50
Offenbarung 4,1-6a:
Im Thronsaal
56
Offenbarung 4,6b-11:
Lobgesang auf den Schöpfer
61
Offenbarung 5,1-7:
Der Löwe, das Lamm
65
Offenbarung 5,8-14:
Würdig ist das Lamm!
70
Offenbarung 6,1-8:
Vier Reiter
75
Offenbarung 6,9-17:
Der Tag kommt!
80
Offenbarung 7,1-8:
Gottes Volk wird versiegelt
86
Offenbarung 7,9-17:
Die große Rettung
90 3
Offenbarung 8,1-5:
Das goldene Räuchergefäß
94
Offenbarung 8,6-13:
Die Plagen beginnen
98
Offenbarung 9,1-12:
Angriff der Heuschrecken
103
Offenbarung 9,13-21:
Die feurigen Reiter
107
Offenbarung 10,1-11:
Eine kleine Schriftrolle
112
Offenbarung 11,1-14:
Zwei Zeugen
116
Offenbarung 11,15-19:
Das Siegeslied
121
Offenbarung 12,1-6:
Die Frau und der Drachen
126
Offenbarung 12,7-18:
Der Drache ist wütend
130
Offenbarung 13,1-10:
Ein erstes Monster
134
Offenbarung 13,11-18:
Ein zweites Monster
140
Offenbarung 14,1-5:
Die Elitesoldaten des Lammes
144
Offenbarung 14,6-13:
Ein Ruf nach Ausdauer
148
Offenbarung 14,14-20:
Die Ernte einbringen
154
Offenbarung 15,1-8:
Vorbereitungen auf die letzten Plagen 158
Offenbarung 16,1-9:
Die vier ersten Plagen
163
Offenbarung 16,10-21:
Die drei letzten Plagen
167
Offenbarung 17,1-8:
Babylon, die Große
172
Offenbarung 17,9-18:
Das Monster und die Hure
177
Offenbarung 18,1-8:
Babylons Plagen
181
Offenbarung 18,9-24:
Gericht über Babylon
186
4
Offenbarung 19,1-10:
Gottes Sieg
191
Offenbarung 19,11-21:
Niederlage des Monsters
196
Offenbarung 20,1-6:
Tausend Jahre lang herrschen
201
Offenbarung 20,7-15:
Das endgültige Gericht
207
Offenbarung 21,1-5:
Neuer Himmel, neue Erde
213
Offenbarung 21,6-21:
Das neue Jerusalem
218
Offenbarung 21,22–22,7: Gott und das Lamm sind da
224
Offenbarung 22,8-21:
229
„Ich komme bald!“
Glossar
237
5
Vorwort zur deutschen Ausgabe Mit der deutschen Ausgabe der Kommentarreihe von N. T. Wright zum gesamten Neuen Testament verbinden sich einige Hoffnungen. Die erste Hoffnung ist eine schlichte, aber nicht unwichtige: dass Wrights Übersetzung und Auslegung vielen Menschen helfen möge, das Neue Testament besser zu verstehen. Der Kommentar bietet dazu geschichtliche Erläuterungen und Impulse für das Leben hier und heute – kurzweilig erzählt sowie mit Bildern und Geschichten aufgelockert. Die zweite Hoffnung lautet, dass sich durch die Lektüre die Sicht dafür weiten möge, was das Neue Testament zu sagen hat. N. T. Wright ist ein Mann für die großen Linien und Zusammenhänge der gesamten Bibel. Also werden auch die alttestamentlichen Bezüge des Neuen Testaments gebührend beachtet. Wrights Kommentar zu lesen heißt, sich herausfordern zu lassen, die Bibel als gewaltiges, atemberaubendes Drama zu lesen. Dieses Drama umspannt die Geschichte Gottes mit der Welt von der Schöpfung bis zur Neuschöpfung des Kosmos. Jesus ist darin der Dreh- und Angelpunkt. Die dritte und größte Hoffnung lautet, dass diese Kommentarreihe dazu dienen möge, dass viele Menschen die Stimme Gottes im Neuen Testament hören. Die Bibel kompetent zu lesen und zu verstehen ist das eine. Sich von dem Drama anstecken zu lassen und selbst eine Rolle darin zu spielen ist das andere. Erst wenn beides geschieht, wird der Gott, der hier präsentiert wird, wirklich ernst genommen. Das Neue Testament präsentiert diesen Gott schließlich nicht als nette Idee oder Wunschvorstellung, die vielleicht tröstlich, aber nur eine schöne Illusion ist. Dieser Gott wird als die letzte umfassende Wirklichkeit und Jesus von Nazareth als reale geschichtliche Person und lebendiger Herr der Welt präsentiert. Darin steckt Sprengstoff, den es wieder neu zu entdecken und im Geist der Liebe auszuleben gilt. Rainer Behrens, Herausgeber 7
Einleitung Als jemand zum allerersten Mal den Menschen öffentlich von Jesus erzählte, machte er eines ganz klar: Diese Botschaft ist für alle Menschen, und sie ist aktuell, sie ist jeweils für heute. Das war ein großer Tag – manchmal wird er der Geburtstag der Kirche genannt. Der stürmische Wind des Geistes Gottes hatte die Nachfolger Jesu durchgepustet und sie mit einer neuen Freude erfüllt, mit einem Gefühl für Gottes Gegenwart und Kraft. Petrus, ihr Anführer, hatte nur ein paar Wochen vorher wie ein kleines Kind geweint, weil er gelogen, geflucht und geleugnet hatte, Jesus überhaupt zu kennen. Nun war er selbst überrascht, dass er vor einer riesigen Menschenmenge stand und den Leuten erklärte, dass etwas geschehen war, das die Welt für immer verändert hatte. Was Gott für ihn, Petrus, getan hatte, begann er nun für die ganze Welt zu tun: Neues Leben, Vergebung, neue Hoffnung und Kraft blühten auf wie eine Frühlingsblume nach einem langen Winter. Ein neues Zeitalter hatte begonnen. Der lebendige Gott war nun dabei, neue Dinge in der Welt zu tun – und er fing damals an Ort und Stelle mit den einzelnen Menschen an, die Petrus zuhörten. „Diese Verheißung gilt euch“, sagte er, „und euren Kindern und allen, die weit weg sind“ (Apostelgeschichte 2,39). Die Botschaft war nicht nur für die Person neben Ihnen. Die Botschaft war für alle. Innerhalb einer erstaunlich kurzen Zeit bewahrheitete sich dies in einem derartigen Ausmaß, dass sich die junge Bewegung in einem Großteil der damals bekannten Welt verbreitet hatte. Die Verheißung, dass die Botschaft für alle war, wurde unter anderem durch die Schriften der frühchristlichen Anführer vorangetrieben. Diese kurzen Werke – zumeist Briefe und Storys1 über Jesus – wurden weit ver1
Anm. des Übers.: Der Gebrauch des Begriffs story (eine „Geschichte“) ist im Werk von N. T. Wright von besonderer Bedeutung. Der Begriff wird trotz einer gewissen Sperrigkeit auch in der deutschen Übersetzung mit „Story“ wiedergegeben, da der
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Einleitung
breitet und begierig gelesen. Sie waren niemals für eine religiöse oder intellektuelle Elite gedacht. Von Anfang an richteten sie sich an alle Menschen. Das gilt heute genauso wie damals. Natürlich ist es wichtig, dass sich einige Leute sorgfältig mit der historischen Evidenz befassen, mit der Bedeutung der ursprünglichen Wörter (die frühen Christen schrieben auf Griechisch) und mit der exakten und zielgerichteten Stoßkraft dessen, was die Autoren über Gott, Jesus, die Welt und sich selbst sagten. Diese Kommentarreihe basiert ganz klar auf Arbeiten dieser Art. Doch der Punkt, um den es letztlich geht, ist der: dass die Botschaft alle Menschen erreicht, besonders Menschen, die normalerweise kein Buch mit Fußnoten und griechischen Wörtern lesen würden. Für diese Menschen sind diese Bücher geschrieben worden. Deshalb gibt es am Ende jedes Bandes eine Liste mit Begriffen, mit den Schlüsselwörtern, ohne die man nicht auskommt. Die Bedeutung dieser Begriffe wird in einfachen Worten erklärt. Immer, wenn ein Wort fett gedruckt erscheint, können Sie in der Liste am Ende nachschlagen und sich erinnern, was der Begriff bedeutet. Heute stehen uns natürlich zahlreiche Übersetzungen des Neuen Testaments zur Verfügung. Die Übersetzung, die ich hier liefere, ist auf dieselbe Leserschaft zugeschnitten: Leser, die den stärker formalen, manchmal gar schwerfälligen Ton von manchen Standardüber setzungen nicht unbedingt leicht verstehen. Ich habe natürlich versucht, mich so nah wie möglich an den Urtext zu halten. Doch meine
Begriff „Geschichte“ durch den Begriff history belegt ist und der Begriff „Erzählung“ durch den Begriff narrative. Dabei ist zu beachten, dass Wright den Begriff „Story“ in keiner Weise abwertend benutzt im Sinne von: „Das ist doch bloß so eine Story.“ Eine Story ist nach Wright eine erkenntnistheoretische Grundkategorie, eine Geschichte oder Erzählung, die dem Erzählten einen bedeutungsvollen Rahmen gibt. Die Story beantwortet also nicht die Frage, ob Ereignisse historisch gesichert sind oder nicht, sondern sie verleiht den erzählten Ereignissen die Bedeutung, die der Autor vermitteln will. Vgl. dazu ausführlicher N. T. Wright, Das Neue Testament und das Volk Gottes (Marburg: Francke, 2011), Teil II.
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Einleitung
Hauptabsicht war es sicherzustellen, dass die Wörter nicht nur zu einigen Menschen sprechen können, sondern zu allen Menschen. Heute halten viele Menschen die Offenbarung für das am schwersten verständliche Buch des Neuen Testamentes. Es ist voll von fremdartigen, reißerischen und manchmal sogar bizarren und gewalttätigen Bildern. Man würde meinen, dass es uns in einer Welt von aufwendig inszenierten Filmen mit ihren aufregenden und komplexen Bildern zur Offenbarung hinziehen müsste wie Enten zum Wasser, aber es scheint nicht immer so zu sein. Viele Menschen, die sich in den Evangelien, der Apostelgeschichte und den Paulusbriefen ziemlich zu Hause fühlen, schleichen auf Zehenspitzen um die Offenbarung herum mit dem Gefühl: Ich gehöre nicht wirklich hierhin! Aber sie gehören dorthin! In Wahrheit präsentiert dieses Buch eine der klarsten und schärfsten Visionen über Gottes endgültige Absicht mit der ganzen Schöpfung. Es erzählt, wie die mächtigen Kräfte des Bösen auf tausend Arten an der Arbeit sind, nicht zuletzt in tyrannischen politischen Systemen, die sich selbst zum Götzen machen. Doch Jesus, der Messias, und dann auch seine Nachfolger können und werden diese Mächte besiegen und entthronen. Die Welt, in der wir heute leben, ist nicht weniger komplex und gefährlich als die Welt im späten ersten Jahrhundert, als dieses Buch geschrieben wurde. Wir sind es uns selber schuldig, unsere Gedanken und unsere Herzen um die herrlichen Bilder des Johannes kreisen zu lassen, wenn wir versuchen, treue Zeugen von Gottes Liebe in einer Welt von Gewalt, Hass und Misstrauen zu sein. Hier ist sie also: die Offenbarung für jedermann!
Tom Wright
11
Pergamon Thyatira Sardes Philadelphia Smyrna Ephesus
Laodizea
Mittelmeer
Die sieben Gemeinden Kleinasiens
12
--- R ömische Provinzgrenzen, 65 n. Chr.
Offenbarung 1,1-8: Schaut, er kommt!
Offenbarung 1,1-8: Schaut, er kommt! Offenbarung von Jesus dem Messias! Gott gab sie ihm, um seinen Knechten zu zeigen, was bald geschehen muss. Er teilte sie mit, indem er seinem Knecht Johannes eine Botschaft durch seinen Engel sandte. 2 Johannes berichtete alles, was er sah. So bezeugte er das Wort Gottes und gab den Bericht von Jesus, dem Messias, weiter. 3Gottes Segen sei mit dem, der die Worte dieser Weissagung liest, und mit dem, der sie hört und sich an das, was darin geschrieben steht, hält. Denn die Zeit ist nahe. 4 Johannes an die sieben Gemeinden in Asien: Gnade und Friede sei mit euch von ihm, der da ist und der da war und der da kommt, und von den sieben Geistern vor seinem Thron, 5und von Jesus, dem Messias. Er ist der treue Zeuge, der Erstgeborene von den Toten und der Herrscher über die Könige der Erde. Ehre sei dem, der uns geliebt und uns durch sein Blut von unseren Sünden befreit hat, 6und uns als Könige und Priester vor Gott, seinem Vater eingesetzt hat – Ruhm und Macht sei ihm für immer und ewig. Amen. 7 Schaut! Er kommt mit den Wolken, und jedes Auge wird ihn sehen, ja, sogar diejenigen, die ihn durchbohrt haben. Alle Völker der Erde werden seinetwegen trauern. Ja! Amen. 8 „Ich bin das Alpha und das Omega“, spricht der Gott, der Herr, der da ist und der da war und der da kommt, der Allmächtige. 1
Das Licht im Saal erlosch, und schnell verstummte das aufgeregte Stimmengewirr im Publikum. Bald war es ziemlich dunkel im Theater. Die Musik setzte ein, zunächst verhalten und geheimnisvoll, dann steigerte sie sich immer mehr bis zu einem ersten Höhepunkt. In dem Moment hob sich schlagartig der Vorhang. Wir hielten alle die Luft an – nicht nur wegen der plötzlichen Helligkeit, sondern auch wegen dem, was wir sahen. Die Bühne war hervorragend gestaltet. Wir, das Publikum, hatten den Eindruck, mitten in einem großen Raum zu sein, an einem Ende 13
Offenbarung 1,1-8: Schaut, er kommt!
des Geschehens. Fast sofort tauchten Schauspieler aus ihren Verstecken mitten im Publikum auf. Ihre Stimmen schienen aus unserer Mitte zu kommen, als sie sich auf den Weg zur Bühne machten. Die Bühne selbst, wie ein großer Raum in einem Schloss gestaltet, war schon halb voll mit Menschen und Tieren. Vorfreude schwebte über dem Saal: Jetzt würde zweifellos etwas Wichtiges geschehen … [...]
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