N. T. Wright
Hebräerbrief für heute
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Zusätzlich als E-PDF erhältlich: N.T. Wright, Hebräerbrief für heute: – Studienführer – ISBN 978-3-7655-7325-5 Der „Studienführer“ macht „Hebräer für heute“ zum idealen Material für Kleingruppen oder zum persönlichen Bibelstudium. Fragen zu jedem Bibelabschnitt helfen, sich die biblischen Texte zu erarbeiten und sie für unsere Welt heute lebendig werden zu lassen.
Titel der englischen Originalausgabe Hebrews for Everyone, © 2003, 2004 Nicholas Thomas Wright Originalausgabe: Society for Promoting Christian Knowledge 36 Causton Street London SW1P 4ST www.spckpublishing.co.uk Großbritannien Alle Rechte vorbehalten. Aus dem Englischen von Damaris Reichelt Lektorat: Simone Müller
© 2019 Brunnen Verlag Umschlaggestaltung: Ralf Simon Satz: DTP Brunnen Herstellung: CPI – Ebner & Spiegel, Ulm ISBN 978-3-7655-0626-0 www.brunnen-verlag.de
Für Robert und Leah Freunde, Nachbarn, Wegbegleiter
Inhalt Vorwort zur deutschen Ausgabe
9
Einleitung
11
Hebräer 1,1-5:
Gottes einzigartiger Sohn
13
Hebräer 1,6-14:
Der Messias steht weit über den Engeln
17
Hebräer 2,1-4:
Achtet Gottes Erlösung nicht gering!
22
Hebräer 2,5-9:
Jesus als der wahre Mensch
27
Hebräer 2,10-18:
Der Messias und seine Brüder und Schwestern
31
Hebräer 3,1-6:
Jesus und Mose
35
Hebräer 3,7-13:
Heute ist die Zeit zum Hören!
40
Hebräer 3,14-19:
Festhalten!
44
Hebräer 4,1-10:
Zur Sabbatruhe durchdringen
48
Hebräer 4,11-13:
Achtung, Gefahr! Gottes Wort am Werk!
53
Hebräer 4,14–5,3:
Der mitfühlende Hohepriester
57
Hebräer 5,4-10:
Der Sohn wird der Priester
62
Hebräer 5,11-14:
Seid ihr bereit für feste Nahrung?
67
Hebräer 6,1-8:
Kein Weg zurück
71
Hebräer 6,9-12:
Macht weiter so!
77
Hebräer 6,13-20:
Gottes unveränderliche Verheißung
81
Hebräer 7,1-10:
Melchisedek, der große Priesterkönig
85
5
Inhalt
Hebräer 7,11-19:
Eine Priesterschaft neuer Ordnung
90
Hebräer 7,20-28:
Die dauerhafte Priesterschaft Jesu
94
Hebräer 8,1-6:
Besserer Dienst, besserer Bund
98
Hebräer 8,7-13:
Die Verheißung des neuen Bundes
102
Hebräer 9,1-10:
Die alte Stiftshütte weist auf die neue voraus 107
Hebräer 9,11-14:
Das Opfer des Messias
112
Hebräer 9,15-22:
Der Zweck des Blutes
116
Hebräer 9,23-28:
Das Werk des Messias im himmlischen Heiligtum
120
Hebräer 10,1-10:
Das Ende der Opfer
124
Hebräer 10,11-18:
Was der Messias ein für alle Mal erreicht hat
128
Hebräer 10,19-25:
Kommt also zur Anbetung!
133
Hebräer 10,26-31:
Warnung vor Gericht
137
Hebräer 10,32-39:
Hoffnungsvoll leiden
142
Hebräer 11,1-6:
Was Glaube wirklich bedeutet
146
Hebräer 11,7-12:
Glaube und die Zukunft: Noah, Abraham, Sarah
150
Hebräer 11,13-22:
Ein Glaube, der über den Tod hinausschaut 155
Hebräer 11,23-31:
Glaube und Zukunft: Mose und der Exodus 159
Hebräer 11,32-40:
Glaube und die Zukunft: Die große Menge 164
Hebräer 12,1-3:
Aufsehen auf Jesus
Hebräer 12,4-11:
Wenn Christen leiden, diszipliniert Gott sie 172
6
168
Inhalt
Hebräer 12,12-17:
Seid auf der Hut vor Gefahren!
176
Hebräer 12,18-24:
Vom Berg Sinai zum Berg Zion
180
Hebräer 12,25-29:
Das Reich Gottes ist unerschütterlich
185
Hebräer 13,1-8:
Wie Gottes Leute leben – ganz praktisch
189
Hebräer 13,9-16:
Sucht die neue Stadt außerhalb der alten!
194
Hebräer 13,17-25:
Der Gott des Friedens sei mit euch!
198
Glossar
205
7
Vorwort zur deutschen Ausgabe Mit der deutschen Ausgabe der Kommentarreihe von N. T. Wright zum gesamten Neuen Testament verbinden sich einige Hoffnungen. Die erste Hoffnung ist eine schlichte, aber nicht unwichtige: dass Wrights Übersetzung und Auslegung vielen Menschen helfen möge, das Neue Testament besser zu verstehen. Der Kommentar bietet dazu geschichtliche Erläuterungen und Impulse für das Leben hier und heute – kurzweilig erzählt sowie mit Bildern und Geschichten aufgelockert. Die zweite Hoffnung lautet, dass sich durch die Lektüre die Sicht dafür weiten möge, was das Neue Testament zu sagen hat. N. T. Wright ist ein Mann für die großen Linien und Zusammenhänge der gesamten Bibel. Also werden auch die alttestamentlichen Bezüge des Neuen Testaments gebührend beachtet. Wrights Kommentar zu lesen heißt, sich herausfordern zu lassen, die Bibel als gewaltiges, atemberaubendes Drama zu lesen. Dieses Drama umspannt die Geschichte Gottes mit der Welt von der Schöpfung bis zur Neuschöpfung des Kosmos. Jesus ist darin der Dreh- und Angelpunkt. Die dritte und größte Hoffnung lautet, dass diese Kommentarreihe dazu dienen möge, dass viele Menschen die Stimme Gottes im Neuen Testament hören. Die Bibel kompetent zu lesen und zu verstehen ist das eine. Sich von dem Drama anstecken zu lassen und selber eine Rolle darin zu spielen, ist das andere. Erst wenn beides geschieht, wird der Gott, der hier präsentiert wird, wirklich ernst genommen. Das Neue Testament präsentiert diesen Gott schließlich nicht als nette Idee oder Wunschvorstellung, die vielleicht tröstlich, aber nur eine schöne Illusion ist. Dieser Gott wird als die letzte umfassende Wirklichkeit und Jesus von Nazareth als reale geschichtliche Person und lebendiger Herr der Welt präsentiert. Darin steckt Sprengstoff, den es wieder neu zu entdecken und im Geist der Liebe auszuleben gilt. Rainer Behrens, Herausgeber 9
Einleitung Als jemand zum allerersten Mal den Menschen öffentlich von Jesus erzählte, machte er eines ganz klar: Diese Botschaft ist für alle Menschen, und sie ist aktuell, sie ist jeweils für heute. Das war ein großer Tag – manchmal wird er der Geburtstag der Kirche genannt. Der stürmische Wind des Geistes Gottes hatte die Nachfolger Jesu durchgepustet und sie mit einer neuen Freude erfüllt, mit einem Gefühl für Gottes Gegenwart und Kraft. Petrus, ihr Anführer, hatte nur ein paar Wochen vorher wie ein kleines Kind geweint, weil er gelogen, geflucht und geleugnet hatte, Jesus überhaupt zu kennen. Nun war er selbst überrascht, dass er vor einer riesigen Menschenmenge stand und den Leuten erklärte, dass etwas geschehen war, das die Welt für immer verändert hatte. Was Gott für ihn, Petrus, getan hatte, begann er nun für die ganze Welt zu tun: Neues Leben, Vergebung, neue Hoffnung und Kraft blühten auf wie eine Frühlingsblume nach einem langen Winter. Ein neues Zeitalter hatte begonnen. Der lebendige Gott war nun dabei, neue Dinge in der Welt zu tun – und er fing damals an Ort und Stelle mit den einzelnen Menschen an, die Petrus zuhörten. „Diese Verheißung ist für euch“, sagte er, „und für eure Kinder und für alle, die weit weg sind“ (Apostelgeschichte 2,39). Die Botschaft ist nicht nur für die Person neben Ihnen. Die Botschaft ist für alle. Innerhalb einer erstaunlich kurzen Zeit bewahrheitete sich dies in einem derartigen Ausmaß, dass sich die junge Bewegung in einem Großteil der damals bekannten Welt verbreitet hatte. Die Verheißung, dass die Botschaft für alle war, wurde unter anderem durch die Schriften der frühchristlichen Anführer vorangetrieben. Diese kurzen Werke – zumeist Briefe und Storys über Jesus – wurden weit verbreitet und begierig gelesen. Sie waren niemals für eine religiöse oder intellektuelle Elite gedacht. Von Anfang an richteten sie sich an alle Menschen. Das gilt für heute genauso wie damals. Natürlich ist es wichtig, 11
Einleitung
dass sich einige Leute sorgfältig mit der historischen Evidenz befassen, mit der Bedeutung der ursprünglichen Wörter (die frühen Christen schrieben auf Griechisch) und mit der exakten und zielgerichteten Stoßkraft dessen, was die Autoren über Gott, Jesus, die Welt und sich selbst sagten. Diese Kommentarreihe basiert ganz klar auf Arbeit dieser Art. Doch der Punkt, um den es letztlich geht, ist der: dass die Botschaft alle Menschen erreicht, besonders Menschen, die normalerweise kein Buch mit Fußnoten und griechischen Wörtern lesen würden. Für diese Menschen sind diese Bücher geschrieben worden. Deshalb gibt es am Ende jedes Bandes eine Liste mit Begriffen, mit den Schlüsselwörtern, ohne die man nicht auskommt. Die Bedeutung dieser Begriffe wird in einfachen Worten erklärt. Immer, wenn ein Wort fett gedruckt erscheint, können Sie in der Liste am Ende nachschlagen und sich erinnern, was der Begriff bedeutet. Heute stehen uns natürlich zahlreiche Übersetzungen des Neuen Testaments zur Verfügung. Die Übersetzung, die ich hier liefere, ist auf dieselbe Leser-schaft zugeschnitten: Leser, die den stärker formalen, manchmal gar schwerfälligen Ton von manchen Standardübersetzungen nicht unbedingt leicht verstehen. Ich habe natürlich versucht, mich so nah wie mir möglich an den Urtext zu halten. Doch meine Hauptabsicht war es, sicherzustellen, dass die Wörter nicht nur zu einigen Menschen sprechen können, sondern zu allen Menschen. Der Hebräerbrief ist eine der anregendsten und herausforderndsten Schriften im Neuen Testament. Er wird oft als etwas schwierig empfunden, weil er Vorstellungen verwendet, die uns fremd sind. Doch es ist mit ihm ähnlich wie bei der Begegnung mit einem neuen Freund: Wenn wir ihn näher kennenlernen, stellen wir fest, dass er sehr interessant und erfreulich ist. Außerdem enthält der Hebräerbrief eine kraftvolle Botschaft, die für die heutige und zukünftige Kirche genauso bedeutsam ist wie für die damalige Kirche. Hier ist er also: der Hebräerbrief für heute! Tom Wright 12
Hebräer 1,1-5: Gottes einzigartiger Sohn
Hebräer 1,1-5: Gottes einzigartiger Sohn 1 Auf viele Arten und Weisen hat Gott in den alten Zeiten durch die
Propheten zu unseren Vorfahren gesprochen. 2 Am Ende dieser Tage aber sprach er zu uns im Sohn. Er hat seinen Sohn zum Erben aller Dinge bestimmt; darüber hinaus hat er durch ihn die Welten geschaffen. 3 Er ist das leuchtende Abbild von Gottes Herrlichkeit, der treffende Ausdruck seines tiefsten Wesens; durch sein machtvolles Wort erhält er alle Dinge. Er erwirkte die Reinigung von den Sünden und setzte sich zur rechten Seite der höchsten Majestät. 4 Schaut, wie viel größer er ist als die Engel: Der Name, der ihm verliehen wurde, ist so viel herrlicher als ihre Namen. 5 Zu welchem Engel hat Gott jemals gesagt: „Du bist mein Sohn, heute wurde ich dein Vater“? Oder weiter: „Ich werde sein Vater sein, und er wird mein Sohn sein“? Heute Morgen bekam ich eine E-Mail von einem alten Freund, der in einem anderen Teil der Welt wohnt. Er hatte gehört, dass meine Tochter bald heiratet. Er gratulierte mir und brachte mich auf den neusten Stand, was seine eigene Tochter betraf. Sie war mittlerweile ein Teenager, trug sieben Ohrringe, hatte lila Haare und auch Ringe in ihren Lippen und im Bauchnabel. Er erzählte mir alle diese Dinge, als wollte er mein Mitleid für sein Schicksal erregen. Doch unterschwellig hörte ich einen ganz anderen Ton heraus: Stolz und Freude. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit, als mein Freund selbst ein Teenager war: ein typischer Rebell mit langen Haaren, der laute Musik hörte, immer eine Zigarette im Mund hatte … auf seine Tochter traf also offenbar das Sprichwort zu: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. 13
Hebräer 1,1-5: Gottes einzigartiger Sohn
Wenn mein Freund seine Tochter anschaute, konnte er sein wahres Selbst erkennen. Sein Charakter – oder zumindest ein Aspekt seines Charakters – strahlte aus ihr heraus. Das ist ein lockerflockiges und nicht sehr bedeutendes Beispiel für den großartigen und erhabenen Punkt, den uns der Hebräerbrief mit dieser einleitenden Beschreibung Gottes und seines Sohnes vor Augen stellt. Der Sohn ist „das leuchtende Abbild von Gottes Herrlichkeit“, er ist „der treffende Ausdruck seines tiefsten Wesens“. Für ihn gilt nicht nur: Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – als ob es mehrere Menschen geben könnte, die Gottes inneres Wesen perfekt widerspiegeln könnten. Für ihn gilt in einzigartiger Weise, dass er Gottes Sohn ist. Wer ihn anschaut, schaut quasi das Spiegelbild Gottes an. Gottes Charakter ist in seinem Sohn exakt reproduziert, und das tritt offen sichtbar zutage. Das Wort, das hier mit „treffender Ausdruck“ übersetzt wird, ist das griechische Wort Charakter, von dem unser Begriff abstammt. Sowohl im Griechischen als auch im Deutschen ist dieses Wort jedoch ein sehr interessanter Begriff. Der Vorstellung von einem „Charakter“ liegt in der antiken Welt das Eingravieren zugrunde oder das Einprägen von Mustern in weiches oder heißes Metall, die dann dauerhaft Teil des Metallstücks sind. Obwohl es in der Antike noch keine Druckpressen gab, wie Johannes Gutenberg sie im 15. Jahrhundert erfand, gab es doch frühe Vorläufer, die insbesondere zur Herstellung von Münzen benutzt wurden. Der Kaiser beauftragte einen Graveur, der das königliche Porträt und die passenden Worte oder Abkürzungen auf einen Stempel oder eine Prägeplatte brachte, die aus hartem Metall gefertigt wurden. Der Graveur benutzte den Stempel, um eine Münze zu prägen, sodass die Münze der exakte Abdruck oder eben Ausdruck dessen war, was auf dem Stempel war. Das griechische Wort Charakter wurde damals weithin benutzt, um genau das zu bezeichnen: den getreuen Abdruck, den der Stempel auf der Münze hinterließ. Von dieser Bedeutung her entwickelte sich 14
Hebräer 1,1-5: Gottes einzigartiger Sohn
zum einen die Bedeutung „Buchstabe“, da mit dieser Methode eben auch Buchstaben geprägt wurden (daher der englische Begriff character für „Buchstabe“). Zum anderen entwickelte sich der Begriff Charakter im weiteren Sinne in Bezug auf eine Person oder Sache: Er bezeichnet eine bestimmte Art von Person, einen „Typen“, wenn man so will (auch ein interessantes Wort – man denke z. B. an Typen bei der Drucksetzung). Und genau das sagt unser Autor über Jesus. Bei Jesus ist es so, als wäre der exakte Abdruck des Wesens und der Herrlichkeit des Vaters in das weiche Metall des menschlichen Wesens des Sohnes genau eingeprägt worden. Nun ist diese Prägung für alle Welt sichtbar. Wir sollten noch ein wenig bei dem Bild vom Kaiser und seinem Graveur verweilen und über die beiden einleitenden Verse dieses bemerkenswerten Briefes nachdenken. Nehmen wir einmal an, der Kaiser wollte schon seit Langem seinen Untertanen mitteilen, wer er war, er wollte ihnen also eine gute Vorstellung von seinem Charakter vermitteln. Und nehmen wir einmal an, der Metallstempel oder die Prägeplatte sei noch nicht erfunden worden. Der Kaiser könnte höchstens Gemälde oder Skizzen an die Leute versenden. Diese könnten den Menschen einen gewissen Eindruck vermitteln, doch sie würden nicht das Gesamtbild darstellen. Doch dann gäbe es irgendwann die richtige Methode: hartes Metall auf weichem Metall, eine exakte Reproduktion des Originals. Genau, sagt der Autor des Hebräerbriefs: Gott sandte lange Zeit vorläufige Skizzen von sich zu seinem Volk, doch nun hat er uns das exakte Porträt gegeben. Mit dieser Vorstellung, die im Stil einer erhabenen und ziemlich formellen Briefeinleitung geschrieben ist, lädt uns der Autor ein, im großen Bogen die biblische Geschichte zu überblicken und zu erkennen, dass sie in Jesus ihren Höhepunkt erreicht. (Im Unterschied zu den Paulusbriefen sagt uns dieser Brief nicht, von wem er stammt oder an wen er sich richtet. Das ist in gewisser Hinsicht frustrierend, doch es sollte uns nicht die Freude an seinen phänomenalen und reichhaltigen Gedanken verderben). Man schaue zurück auf die 15
Hebräer 1,1-5: Gottes einzigartiger Sohn
großen Propheten: Abraham, Mose, Samuel, Elia und dann natürlich auf die Schriftpropheten Jesaja, Jeremia und all die anderen. Unser Autor hätte auch David in die Liste aufnehmen können, was wir an der Art und Weise erkennen, wie er die Psalmen zitiert. Dieser einleitende Satz ist jedoch nicht bloß eine rhetorische Verzierung. Er sagt uns ganz klar, wie die Argumentation des gesamten Briefes verlaufen wird. Wir werden immer wieder mit einer Passage aus dem Alten Testament beginnen, und der Autor wird uns zeigen, wie das Alte Testament auf etwas vorausweist, das zu alttestamentlichen Zeiten noch ausstand. Und immer wieder entpuppt sich das, was noch ausstand, als eine Person: Jesus – wie im vorliegenden Abschnitt: Jesus als Gottes einzigartiger Sohn, derjenige, der umfassend und abschließend mit den Sünden fertiggeworden ist, derjenige, der jetzt zur Rechten Gottes regiert, derjenige, dem sich die Engel untertänig beugen. Der nächste Abschnitt wird diesen letzten Punkt weiter ausführen. Bevor wir jedoch weitergehen, sollten wir uns bewusst machen, dass die Texte, die unser Autor in Vers 5 zitiert, zu den alttestamentlichen Texten gehören, welche die ersten Christen am häufigsten benutzten, wenn sie darum rangen, das auszudrücken, was über Jesus gesagt werden musste. Psalm 2,7 und 2. Samuel 7,14 sprachen beide über den Messias, den letzten und endgültigen Sohn Davids, als Gottes eigenem, ganz besonderen Sohn. Wie bei allen frühen Christen beginnt der Autor dieses Briefes seine Überlegungen mit der Überzeugung, dass Jesus der Messias war und ist, Israels wahrer König. Alles andere folgt aus dieser Überzeugung. Obwohl wir also nicht wissen, wer der Autor dieses Briefes war, wissen wir etwas viel Wichtigeres über ihn. Von Anfang an hat er seinen Blick auf Jesus gerichtet; am Ende des Briefes, wo er alles zusammenfasst, bittet er uns eindringlich, ebenfalls unseren Blick auf Jesus zu richten (12,2; 13,8). Sind Sie bereit, diese Herausforderung anzunehmen?
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