„
Die Geschichte von Lea und Jørgen hat mich tief berührt. Eindrucksvoll!“
Christian Hartung
Als Leas Freund, der junge Kriminalbeamte Jørgen, an den Ermittlungen im Mordfall Kaj Munk beteiligt wird, weiß er, dass ihm nur wenig Zeit bleibt, bevor die Nazis die Nachforschungen unterbinden werden. Bald muss er selbst entscheiden, was ihm die Wahrheit wert ist. Die Geschichte eines jungen Paares im Auf und Ab des dänischen Widerstandes. Ein eindrucksvolles Erzählwerk über eine Hoffnung, die größer ist als die Angst!
Christian Hartung. Geboren am 9. Juni 1963 in Reinbek bei Hamburg. Aufgewachsen überwiegend im Rheinland. Nach dem Abitur Studium der evangelischen Theologie in Bonn, Basel, Heidelberg. Seit 1992 Gemeindepfarrer in Kirchberg/Hunsrück. Er hat mehrere erfolgreiche Romane veröffentlicht.
Ë|xHSNIQFy069320z
Hinter der Angst
Christian Hartung
Dänemark 1944. Immer offener ergreifen die Nationalsozialisten die Macht im dänischen Königreich. Inspiriert von den Worten des Pfarrers Kaj Munk beginnt die Jurastudentin Lea, sich im Widerstand zu engagieren. Doch die Schlinge der Nazis zieht sich immer enger zu …
Hinter der Angst
Fabian Vogt
ISBN 978-3-86506-932-0
www.brendow-verlag.de
Roman
Christian Hartung
Hinter der Angst
Hartung - Hinter der Angst.indd 1
11.01.17 10:42
Hartung - Hinter der Angst.indd 2
11.01.17 10:42
Christian Hartung
Hinter der Angst Roman
Hartung - Hinter der Angst.indd 3
11.01.17 10:42
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
ISBN 978-3-86506-932-0 © 2017 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers Titelfoto: Edvard Munch: Zwei Menschen. Die Einsamen. 1905 Satz: Brendow Web & Print, Moers Druck und Verarbeitung: Grafik Media Produktionsmanagement, Köln Printed in Germany www.brendow-verlag.de
Hartung - Hinter der Angst.indd 4
11.01.17 10:42
FĂźr Paul Gerhard Schoenborn
Du frygter ej Nattens RĂŚdsler, ej Pilen der flyver om Dagen. Dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor den Pfeilen, die des Tages fliegen. Psalm 91,5
Hartung - Hinter der Angst.indd 5
11.01.17 10:42
Hartung - Hinter der Angst.indd 6
11.01.17 10:42
– Lass es uns aufschreiben. – Willst du es nicht ruhen lassen? Du änderst doch nichts mehr daran. – Eben. Sonst würde ich ja versuchen, es zu ändern. Darum möchte ich es wenigstens aufschreiben. Damit nicht alles vergessen wird. – Aber für wen willst du das tun? – Für Maj. – Maj? Wer ist das? – Unsere Tochter. – Du hättest sie also Maj genannt. – Im Mai haben wir uns geliebt. Als wir dachten, der Krieg sei zu Ende. – Das ist er ja auch. – Gewiss. Und sie bauen alles wieder auf. Als wäre nichts gewesen. – Lea, ich will jetzt endlich mit dir nach vorne schauen. Nicht zurück. – Wir haben von einer Welt geträumt, in der das nie wieder passieren würde. – Ja, mit diesen Träumen haben wir uns geliebt. Aber es sind Träume geblieben, oder? Und Maj durfte nicht leben. – Ich möchte ihr erzählen, wie es war. Und was wir alles für sie geträumt haben. – Ach Lea, es ist neunzehnhundertdreiundfünfzig. Und gerade ist Sommer ... Wer weiß, wie lange noch. – Aber manchmal friere ich auch im Sommer. – Auch in meinen Armen? – Nein, da nicht. – Doch. Aber da wird es besser. – Bleibst du denn jetzt? – In Kopenhagen wartet niemand auf mich. 7
Hartung - Hinter der Angst.indd 7
11.01.17 10:42
– In Kopenhagen hast du deine Arbeit. – Ich finde auch hier was. Bei meinem Vater in der Kanzlei, an der Uni in Aarhus – oder du findest etwas bei der Polizei für mich. – Und die Ministerin lässt dich gehen? – Die geht vielleicht irgendwann ganz zur UNO. Ich an ihrer Stelle würde das tun. – In Dänemark hat sich ja auch nicht viel geändert. – Nein. – Und wir waren alle im Widerstand. – Aber sicher doch! Die einen im Untergrund, die anderen im Ministerium. Aber nur die einen mussten ins Gefängnis oder vors Erschießungspeloton. Jørgen, was soll ich da noch! – Kleiner Feuerteufel. – In Frostperioden sind die sehr praktisch, weißt du!
8
Hartung - Hinter der Angst.indd 8
11.01.17 10:42
VOR DER ÂBEFREIUNG
Hartung - Hinter der Angst.indd 9
11.01.17 10:42
Hartung - Hinter der Angst.indd 10
11.01.17 10:42
Der Frost hielt das Land fest im Griff. Man konnte freilich mit kleinen Einschränkungen seinen Geschäften nachgehen, der öffentliche Verkehr war nicht gefährdet. Die Meinungen waren keineswegs einheitlich, doch der Widerstand formierte sich offener. Taarnby, der auf seinem großen schwarzen Fahrrad über die Søndergade zu seiner Dienststelle fuhr, bemerkte nicht einmal das gelegentliche leichte Rutschen der Reifen auf dem Asphalt, er dachte an Lea und setzte sie schließlich kurzerhand auf die Stange, fuhr mit ihr am Seeufer entlang oder noch weiter fort und bekleidete sie mit einem leichten kurzen Kleid und die Natur mit Laub, Juliwärme und Insekten, genoss einen Blick auf ihre schlanken hellen Schenkel, streifte ihre Schulter mit einem Kuss und verflocht die kupferblonden Strähnen mit dem Sommermorgen. Am Abend hatte sie plötzlich im Hauseingang gestanden und war einen Schritt vorgetreten, als er näher kam, sie war ja im Untergrund. Sie habe ihn sehen wollen. Noch einmal, ein letztes Mal vielleicht, doch das sagte sie nicht. Du bist Jüdin, Lea, du solltest längst in Schweden sein, sagte er nicht, er kannte ihre Antwort. Stattdessen ließ sie durchblicken, dass es auch für ihn Zeit werde, in den Untergrund zu gehen, seine Einstellung sei bekannt, und früher oder später würden die Deutschen auch den letzten Anschein unabhängiger dänischer Behörden beseitigen. Da darauf eigentlich nichts zu erwidern war, küssten sie sich eine Weile nur. Nicht über eine mögliche gemeinsame oder überhaupt eine Zukunft hatten sie am Ende miteinander gesprochen, sondern über Kaj Munk, der zum Sprachrohr eines ganzen Volkes geworden war, selbst die Kommunisten äußerten sich widerstrebend bewundernd über ihn. Lea meinte, ohne seine Schriften und Pre11
Hartung - Hinter der Angst.indd 11
11.01.17 10:42
digten wäre die Rettung der Juden vielleicht keine solche Selbstverständlichkeit im Land gewesen, und so habe ihre Familie es letztlich auch Pastor Munk zu verdanken, dass sie auf einem Fischerboot über den Sund entkommen konnte. Das äußerste Meer. Flügel der Morgenröte. Auch dort deine Hand. Ihre liebkosende Hand erzählte, was das Leben bereithielt. Nachdem sie es gelernt hatten, lasen seine Finger es um ihre Wangen und Augen. Wenn sie ginge – sie wussten es aufzuschieben –, bliebe er vielleicht mit der Finsternis allein und Nacht statt Licht. Zwischen zwei Küssen: Der Pharao habe sicher auch seine Gestapo oder SS gehabt. – Oh, Lea, deinen Sprüngen muss man erst einmal folgen! – Ich springe nicht. Ich suche einen Ort, wo es gut wird. Und ich versuche, mir Mut zuzupfeifen. Vielleicht hatte Mose das auch nötig. Und vielleicht liegt Kaj Munk jetzt wach, überlegt seine nächste Rede gegen den Pharao und merkt, wie kalt und finster es ist. Er sei ja vielleicht nicht allein. – Wir sind nie allein, Jørgen. Jedenfalls versuche ich das zu glauben. Die Nacht löste sich mühsam von den kalten Häusern. Selbst die Dachfenster erspähten noch keine Morgenröte. Mittwoch, 5. Januar 1944. Unter den Schaufenstern der Schwanenapotheke waren schon mehrere Fahrräder abgestellt. Seufzend lehnte Taarnby sein Rad daneben an die Wand und verstaute die Hosenklammern in der Tasche seiner gefütterten Jacke, die er noch einmal geradestrich, bevor er die Treppe in den ersten Stock zum Büro der Kriminalpolizei nahm.
12
Hartung - Hinter der Angst.indd 12
11.01.17 10:42
T Verliebt, von der Familie getrennt, in den Untergrund gegangen: Bilanz eines Sommers, und der Winter würde vielleicht nie zu Ende gehen. Warum war sie noch einmal nach Silkeborg gekommen, als sei es dort August geblieben und Lea Frøhlich nicht längst und erzwungenermaßen so gut wie begraben. Sie hieß jetzt Gerda Hostrup Jensen. Jørgen hatte sie nichts davon erzählt. Manchmal sehnte sie sich selbst nach der unschuldigen kleinen Frøhlich. Lille Frø, Fröschlein: Jørgen hatte den Spitznamen lachend aufgenommen, vor allem, als er sie zum ersten Mal schwimmen sah und bewundernd feststellte, sie sei wohl eher im als am See aufgewachsen. Wenn gar nichts mehr geht, schwimme ich nach Schweden, hatte sie gemeint, und er schien ihr das tatsächlich zuzutrauen. Frosch, das war auch ihr Deckname, kürzer und damit passender als die schöneren, die Bjarne vorgeschlagen hatte, der auch nur Buch hieß, weil man ihn selbst jetzt kaum jemals ohne ein Buch in der Hand sah. – Wofür brauche ich einen schönen Decknamen. Außerdem brauche ich bestimmt noch mehr, bis die Deutschen wieder zu Hause sind. Du solltest längst in Schweden sein, hatten seine Augen geantwortet, er sagte es nicht mehr laut, sie wussten alle, dass es keinen Sinn hatte. Nachrichten überbringen, illegale Zeitungen drucken und verteilen. Sie bestanden darauf, sie wenigstens dort einzusetzen, wo es nicht so gefährlich werden konnte, doch wusste man das vorher? Alles, was illegal war, war auch gefährlich, auf Unterstützung von Saboteuren stand sogar die Todesstrafe. Die Nachrich13
Hartung - Hinter der Angst.indd 13
11.01.17 10:42
ten waren keine Urlaubsgrüße, im Kopf hatte sie wichtige Namen und Adressen, und gerade enthielt ihr Rucksack neben dem, was man bei einer kleinen Studentin erwartete, auch Sprengstoff aus den Abwürfen der Engländer über Jütland. Sie lehnte ihren Kopf an den Rucksack und sah im Übrigen so unschuldig aus, wie es ihr zu Gebote stand. Äußerlich glich sie dem Mädchen, das im Sommer vierzig zum Studienbeginn nach Kopenhagen gefahren war, sie betrachtete es mit sozusagen biologischem Interesse an der aufgeregten, leicht mulmigen Erwartung des Erstsemesters. Die jüdische Abstammung dieses Mädchens war damals gerade erst ein Problem geworden, aber König und Regierung bestanden unbeirrt darauf, dass sie nur dänische Staatsbürger kannten und eine Judenfrage in Dänemark nicht existiere. Mutiger geworden und zugleich erschrocken über die Blauäugigkeit ihrer Eltern, speziell ihres Vaters, warf sie sich aufs Jurastudium und beobachtete die politische Entwicklung. Als ein Kommilitone sie fragte, ob sie mehr tun wolle, zögerte sie nicht und verschwendete keinen Gedanken an mögliche Gefahren. Sie sah nicht aus, wie eine Jüdin auszusehen hatte, was an einer nicht näher bestimmbaren Beimischung arischen Blutes oder an der dänischen Luft liegen mochte. Lea beneidete gelegentlich ihre schöne dunkelhaarige Cousine, die dafür auf den gänzlich unjüdischen Namen Tove hörte. Ansonsten hatte sie sich für ihr Äußeres lange wenig interessiert, jedoch schon vor Jørgen die Wirkung ihres Lächelns erproben können – aber erst Jørgen stellte fest, in ihrem Gesicht gehe dann plötzlich eine helle Lampe an; einmal, aber wirklich nur ein einziges Mal, hatte sie diese Lampe einem deutschen Offizier vorgeführt, um ihre Angst zu überspielen und unbeschadet von ihm loszukommen. Tove und ihre Familie waren inzwischen Gott sei Dank in Schweden, das hatte die andere Cousine Edith aus Oslo nicht 14
Hartung - Hinter der Angst.indd 14
11.01.17 10:42
T – Ein toter Mann … im Graben der Hauptstraße A 15 nach Pårup … Hørbylunde Bakker … um acht Uhr fünfzehn aufgefunden … Doktor Kronholm, Engesvang … Wir fahren sofort raus … Ihr Benzinvorrat ist zu klein – ja, dann nehmen wir einen Arzt mit. Und der Zeuge ist wieder an die Fundstelle gefahren? … Danke, Doktor. Er notierte die Zeit des Anrufs: 9.15 Uhr, und informierte den Kriminalassistenten, der seinerseits einen Arzt und den Polizeimeister verständigte und Taarnby anwies, das Polizeiauto startklar zu machen und sich mit zwei weiteren Beamten bereitzuhalten.
T ob man notfalls auch mit Gewalt vorgehen könne oder müsse, und dann beschafften sich Buch und Nielsen Sprengstoff und lernten, wie man damit Schienen wegsprengt, unmittelbar bevor ein Zug kommt. Das erste Mal richteten sie nur wenig Schaden an, doch es stand in der Zeitung, und sie wurden besser. Lea wusste zu viel darüber, und das reichte im Zweifelsfall. Vielleicht hatte es jedenfalls am Anfang noch etwas von Abenteuerspielen kleiner Jungs, aber vielleicht war dies dann auch die einzige Möglichkeit, es überhaupt zu tun, und bald dachte sie darüber nicht mehr nach. Es war Krieg, die Züge verlängerten den Krieg, alles verlängerte den Krieg, was aus Dänemark kam oder durch Dänemark hindurchfuhr. Dabei war der Krieg im Grunde entschieden, doch die Deutschen würden bis zum bitteren Ende 15
Hartung - Hinter der Angst.indd 15
11.01.17 10:42
„
Die Geschichte von Lea und Jørgen hat mich tief berührt. Eindrucksvoll!“
Christian Hartung
Als Leas Freund, der junge Kriminalbeamte Jørgen, an den Ermittlungen im Mordfall Kaj Munk beteiligt wird, weiß er, dass ihm nur wenig Zeit bleibt, bevor die Nazis die Nachforschungen unterbinden werden. Bald muss er selbst entscheiden, was ihm die Wahrheit wert ist. Die Geschichte eines jungen Paares im Auf und Ab des dänischen Widerstandes. Ein eindrucksvolles Erzählwerk über eine Hoffnung, die größer ist als die Angst!
Christian Hartung. Geboren am 9. Juni 1963 in Reinbek bei Hamburg. Aufgewachsen überwiegend im Rheinland. Nach dem Abitur Studium der evangelischen Theologie in Bonn, Basel, Heidelberg. Seit 1992 Gemeindepfarrer in Kirchberg/Hunsrück. Er hat mehrere erfolgreiche Romane veröffentlicht.
Ë|xHSNIQFy069320z
Hinter der Angst
Christian Hartung
Dänemark 1944. Immer offener ergreifen die Nationalsozialisten die Macht im dänischen Königreich. Inspiriert von den Worten des Pfarrers Kaj Munk beginnt die Jurastudentin Lea, sich im Widerstand zu engagieren. Doch die Schlinge der Nazis zieht sich immer enger zu …
Hinter der Angst
Fabian Vogt
ISBN 978-3-86506-932-0
www.brendow-verlag.de
Roman