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Als der achtjährige Lukas seinem Vater verkündet, nicht mehr an Gott glauben zu wollen, greift dieser zu einem ungewöhnlichen Mittel: Statt seinen Sohn einfach weiter in den Gottesdienst zu schleifen, reist er mit ihm nach Afrika. Schließlich ist Jesus immer da zu finden, wo Schwache und Hilfsbedürftige sind. In Tagebuchform berichtet Frank Bonkowski von dieser ungewöhnlichen Entdeckungsreise: von der aufwühlenden Begegnung mit Armut und Krankheit in Uganda, aber noch viel mehr von der unbändigen Lebensfreude und das durch nichts zu erschütternde Gottvertrauen der Menschen dort, das nicht nur sein eigenes Herz, sondern auch das seines Sohnes für immer verändern wird.

FRANK BONKOWSKI

Die berührende Geschichte von Frank und Lukas´ gemeinsamer Reise nach Uganda – und zu einem Gott, der versprochen hat, sich finden zu lassen, wenn wir ihn suchen.

Frank Bonkowski ist verheiratet mit Loretta, mit der er drei Kinder hat. Nach 17 Jahren Gemeindearbeit an der kanadischen Westküste lebt er seit 2006 wieder in Deutschland, Bad Segeberg, wo er als Pastor, Referent und Buchautor tätig ist.

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ISBN 978-3-86506-461-5

www.brendow-verlag.de

„Mama, wir sind dann mal Gott suchen!“

Ein ungewöhnliches Glaubensexperiment

FR ANK BONKOW SKI

„Mama, wir n a d n m al d n i s Gott suchen ! "

Wie mein Sohn seinen Glauben verlor und in Afrika wiederfand


Frank Bonkowski

„Mama, wir sind dann mal Gott suchen!“

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Frank Bonkowski

„Mama, wir sind dann mal Gott suchen!“ Wie mein Sohn seinen Glauben verlor und in Afrika wiederfand

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN 978-3-86506-461-5 © 2013 by Joh. Brendow & Sohn Verlag GmbH, Moers Die zitierten Bibelstellen entstammen der „Hoffnung für alle“. Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Brunnen Verlags Basel Einbandgestaltung: Brendow Verlag, Moers Titelfoto: shutterstock Satz: Harfe-PrintMedien, Bad Blankenburg Druck und Verarbeitung: Nørhaven A/S, Viborg Printed in Denmark www.brendow-verlag.de

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Teil 1

Gott verloren?

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um ersten Mal hat mein Sohn Lukas seinen Glauben im zarten Alter von fünf Jahren verloren. Ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass das ein Alter ist, an dem Kinder noch an so vieles glauben können: den Weihnachtsmann, die Zahnfee, Engel und ganz bestimmt doch an einen lieben Gott, der aus dem „Daddy, es kann Himmel über uns alle wacht. keinen Gott geben, Aber Lukas ist auch Pastorenkind, die der uns lieb hat! ja bekanntlich manchmal etwas anders Wenn Jesus am ticken. Entsprechend theologisch – für Kreuz dafür einen Fünfjährigen dann doch äußerst gestorben ist, dass untypisch – fiel seine Erklärung auch wir uns nicht mehr aus. Die Arme verschränkt und das Gestreiten, dann hat sicht tränenverschmiert, erklärte er mir das alles nicht und meiner Frau nach einem fürchterfunktioniert.“ lichen Streit mit seinen beiden Schwestern seinen Übertritt zum Atheismus: „Daddy, es kann keinen Gott geben, der uns lieb hat! Wenn Jesus am Kreuz dafür gestorben ist, dass wir uns nicht mehr streiten, dann hat das alles nicht funktioniert. Wenn mir immer so viel Schlechtes passiert, dann glaube ich nicht mehr, dass es einen Gott gibt, der gut ist!“ Vielleicht hätte ich in diesem Moment theologisch argumentieren und Lukas zum „Trotzdem-Glauben“ überreden können. Aber mein kleiner Kerl hielt mir in diesem Moment einen Spiegel vor, in dem ich jetzt meine eigenen Zweifel und meinen Frust wiedererkennen konnte … Etwa ein halbes Jahr zuvor, ein paar Tage vor unserem Umzug nach Deutschland, hatte mein eigener ·6·

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Glaube seinen absoluten Tiefstand erreicht. Loretta und ich fuhren gerade in unserem kleinen weißen Truck am Ufer des Davis Bay vorbei, mit Blick über den Pazifik nach Vancouver Island, den ich immer so sehr genossen hatte. Plötzlich brach meine ganze Wut aus mir heraus: „Du kannst dir gar nicht vorstellen“, sagte ich zu meiner Frau, „wie ich mich darauf freue, endlich wieder in Deutschland zu wohnen. Dann hab ich meinen letzten Gottesdienst hinter mir und bin endlich frei und muss nie wieder das Innere einer Kirche betreten! Mit diesem ganzen kranken Kirchenzeugs ist es dann endlich vorbei!“ An diesem Tag hätte meine Stimmung kaum mieser sein können, und selbst der schönste Ort der Welt wäre für mich grau gewesen. Knapp dreizehn Jahre hatte ich hier an der Sunshine Coast als Pastor gearbeitet, mit vielen guten Menschen mein Leben geteilt. Doch in diesem Moment wurde meiner Frau die zweifelhafte Ehre zuteil, Zeuge meines ganzen Frusts auf Gott und seine Leute zu werden: „Nie wieder Kirche! Menschen sind doch einigermaßen gut drauf, bis sie Christen werden! Dann will einer besser sein als der andere, und am Ende sind sie alle unglücklich!“ Und um meinem Argument Nachdruck zu verleihen, flog meine Bibel quer durch den Truck. „Und dieses Buch lese ich auch nie wieder! Das ganze Zeug funktioniert sowieso nicht! Gute Ideen, die sowieso kein Mensch anwenden kann!“ Warum so ein Gefühlsausbruch? Man muss dazu sagen, dass ich damals, es war das Jahr 2005, mitten in einem Burnout steckte. Leider war dieser Begriff in kanadischen Kleinstädten kaum bekannt. In evangelikalen ·7·

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Kirchen wurden solche depressiven Stimmungen daher mit einer gelegentlichen Umarmung, einem „Es wird schon wieder“ oder auch einem ernsten Gebet bekämpft – und wenn der Glaube stimmte, natürlich auch sofort geheilt. Das Fiese an diesen Gebeten war, dass man hinterher immer so tun musste, als ob es einem schon viel besser ginge, um nicht auch noch den Glauben des Betenden kaputt zu machen. Ähnlich reagierte in diesem Moment auch meine Frau Loretta, die meine Zweifel so gar nicht teilen konnte und mir vorschlug, meinen „heilen“ Glauben so lange weiterzuheucheln, bis er wieder gesund wäre – der Kinder wegen. Doch dafür schien es mir inzwischen zu spät. Ich hatte in den letzten Jahren genug heucheln müssen! Als es mir dann immer schlechter ging und ich keine Kraft mehr hatte, dieses Spiel weiter mitzuspielen, hatte ich mir auf Anraten eines Arztes eine Auszeit genehmigt, was in Nordamerika gleichzeitig das Ende meiner Karriere als Pastor und Gemeindegründer bedeutete. Es gab keinen Plan für die Zukunft, außer einer geplanten einjährigen Auszeit in Deutschland. Alles andere war erst einmal ungewiss. Aber „ungewiss“ war für mich zu dieser Zeit ein wesentlich angenehmerer Gedanke als der Status quo. Diese Situation war für mich nicht nur das Ende meiner beruflichen Laufbahn, sondern auch das Ende meines Glaubens, das Ende meiner Hoffnung, dass Christsein wirklich funktionieren könnte. Der Grund, warum ·8·

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ich damals nicht alles hingeschmissen Auf die Frage, warum habe, waren Freunde, die mich, oh- ich immer noch an ne etwas von meinem Seelenzustand Jesus glauben kann, zu wissen, in der nächsten Woche habe ich später mal mit ganz viel Liebe überschütteten. geantwortet: „Weil Und nicht in Form leerer Worthülsen er meine Unterhosen oder hohler Seelsorgephrasen, sondern gefaltet hat!“ mit ganz praktischen Dingen: packen helfen, das Haus für den Vermieter renovieren, Rasen mähen, Essen vorbeibringen und vieles mehr. Auf die Frage, warum ich immer noch an Jesus glauben kann, habe ich später mal geantwortet: „Weil er meine Unterhosen gefaltet hat!“ Ich hatte Freunde, die die Hände und Füße Gottes waren, und das hat meine Zweifel, ob Jesusnachfolge funktionieren kann, erst mal zunichte gemacht. Auf eine ganz reale Art und Weise war es für mich dann so, als ob Jesus mir tatsächlich geholfen, für mich gepackt, meine Wäsche sortiert, meine Wände gestrichen und sich um mich gekümmert hätte, weil ihm mein kleiner Glaube, den ich gerade wegschmeißen wollte, wohl irgendwie wichtig war. Es ist schwer zu behaupten, dass die Sache mit Jesus nicht funktioniert, wenn du von seinen Anhängern so geliebt wirst. Folgerichtig hielt ich erst mal weiter die Klappe und ging mit meiner Familie auch hier in Deutschland weiter in die Kirche, wie es sich wohl für einen guten Ex-Pastor gehört. Und so überlebte er also, mein kleiner Funke Hoffnung, dass Vertrauen in Gott doch etwas bewirken kann. ·9·

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Nur, wie vermittele ich das jetzt meinem Sohn? „Wenn wir uns immer noch streiten, dann hat das mit Jesus und dem Kreuz nicht funktioniert, und wie kann Gott mich lieb haben, wenn mir so viel Schlimmes passiert!“ Wie beantwortet man einem Fünfjährigen so eine Frage? Zunächst einmal ähnlich, wie es in meinem Fall auch funktioniert hatte: mit praktischer Liebe! Sprich: ein paar Keksen und heißer Milch mit Honig ... und für den fünfjährigen Lukas war die Welt, inklusive Gott, erst mal wieder in Ordnung. Aber nur erst mal. Die Frage blieb bei ihm hängen. Und immer wenn der nächste Sturm kam, war sie wieder da. Wenn Freunde keine echten Freunde waren, wenn das Leben mal wieder gemein war zu ihm ... „Wenn alles so weh tut, wie soll ich da an einen Gott glauben können, der gut ist, mächtig und der mich mag?“ Und das Leben tat Lukas oft weh in dieser Zeit, seinen ersten Jahren in Deutschland. Wir waren im Sommer 2005, also nach meinem Burnout, in mein Heimatland gekommen, das meine Kinder bisher nur als Urlaubsziel kannten. Ich genoss es zunächst einmal, mich nach Jahren nicht um eine Kirchengemeinde kümmern zu müssen, schrieb ein bisschen, hielt ein paar Vorträge und war endlich wieder auch im Kopf und im Herzen präsent für meine Familie. Was wir aber komplett unterschätzt hatten, waren die kulturellen Unterschiede zwischen Kanada und Deutschland. Ich habe neulich eine soziologische Studie gelesen, warum Menschen, die in eine andere Kultur ziehen – und das kann schon ein Umzug von Bayern nach Norddeutschland sein –, oft so fertig sind: · 10 ·

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Die einfachsten Aufgaben wie Einkaufen oder Behördengänge werden zu Stressfaktoren, ganz einfach, weil sie anders sind als das, was man bisher kannte. Hier ein paar Beispiele aus Lukas‘ Erfahrung: Er und seine Schwester wurden oft als unhöflich abgestempelt, weil sie auf Familienfeiern nicht herumliefen und jedem Verwandten die Hand schüttelten. In Kanada ruft man eben nur ein kurzes „Hi“ und „Bye“ in die Runde, wenn man sein Kommen oder Gehen bekannt geben möchte! Oft spürten sie, dass Erwachsene sie als unhöflich empfanden, obwohl sie gar nicht wussten, was sie falsch gemacht hatten. Deutschland ist ein Sicherheitsland. Wie hat Grönemeyer es mal umschrieben? „Wir machen vieles richtig, aber wir machen‘s uns nicht leicht!“ Viele Dinge macht man hierzulande halt so, ohne dass sich Außenstehenden der Sinn unbedingt erschließt. So gab es irre lange Diskussionen mit Verwandten und Erziehern, warum es nicht ginge, im Oktober noch in Flip-Flops rumzulaufen. „Man kann sich doch erkälten, man kann auf dem halben Kilometer zum Kindergarten umknicken“, bekamen wir als Begründung vorgehalten. Was in Kanada normal war, wurde plötzlich zum Problem. Kanadier sind – außer beim Eishockey – sehr höflich und zurückhaltend. Wenn sie nicht auf dem Eis sind, benutzen sie ihre Ellbogen nie. Auch nicht in einer Schlange. Dort stellen sie sich normalerweise lächelnd an, ohne sich vorzudrängeln. Es gibt dort im Straßenverkehr sogar sogenannte Four-Way-Stop-Kreuzungen, wo jeder Fahrer höflich wartet, bis er an der Reihe ist. · 11 ·

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Diese Methode geht auf, weil dort alle mitmachen. In Deutschland läuft das anders. So standen meine Kinder mit ihrem ersten deutschen Satz „Eine Kugel Banane bitte!“ sehr lange und immer höflich lächelnd in der Schlange vor der Eisdiele und wurden von den Erwachsenen nach hinten durchgereicht. Das kann, auch wenn du höflich lächelst, auf Dauer sehr frustrierend sein. „Kinder, so kommt ihr nie dran! Ihr müsst euch die Leute als Gegner beim Eishockey vorstellen!“, lautete mein hilfloser Ratschlag. Die Schule! In British Columbia waren die Kindergartenkinder und die Erstklässler in einer gemeinsamen Klasse. Jetzt, als Lukas in Deutschland endlich zu den „Großen“ in die Schule durfte, entschloss diese sich nach nicht einmal zwei Wochen, ihn zurückzustufen und wieder in den Kindergarten zu schicken. Er könne die Sprache noch nicht gut genug, so die Begründung. Wer weiß, vielleicht hatte die Schulleitung ja sogar recht, aber für Lukas fühlte sich das anders an. Degradiert. Statt endlich bei den Großen mitzumischen – Kindergarten mit seiner kleinen Schwester. Die Sprache! „Warum hast du deinen Kindern in Kanada denn nicht deine Muttersprache beigebracht?“ Gute Frage. Ich hatte nicht geplant zurückzuziehen! Es war irgendwie komisch, abends nach Hause zu kommen und auf einmal mit Deutsch anzufangen! Ich war zu faul! Auf jeden Fall mussten meine Kinder meinen Fehler jetzt ausbaden, und obwohl sie unglaublich schnell lernten, war der Anfang sehr, sehr schwer. Meine Tochter Jubilee kam fast täglich aggressiv und verletzt aus der Schule · 12 ·

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nach Hause: „Ich bin doof, ich bin hässlich!“, sagte sie immer wieder. Heißt übersetzt: „Die anderen Kinder haben mich auf dem Pausenhof wie immer komplett ignoriert, und weil ich schüchtern bin und die Sprache nicht so gut kann, habe ich mich nicht getraut, sie anzusprechen.“ Lukas war zunächst nicht ganz so „Ich bin doof, schüchtern und versuchte es mit Kör- ich bin hässlich!“, perkontakt. Wenn die anderen Jungs sagte sie immer ihn ignorierten, dann klatschte er sie wieder. Heißt überab mit den Worten: „Wanna play?“ setzt: „Die anderen Was die natürlich nicht verstanden Kinder haben mich und sich prompt bei der Lehrerin be- auf dem Pausenhof schwerten. Jetzt war er also auch noch wie immer komplett ein Schläger! Zu seinem sechsten ignoriert.“ Geburtstag versuchten wir dann irgendwie, „Freunde“ für eine Party zusammenzutrommeln. In seiner Heimat hatte er sich vor Kumpels kaum retten können, und jetzt schrieben wir Einladungskarten an alle Jungs in seiner Klasse. Einer hat die Karte vor seinen Augen zerrissen: „Wieso Geburtstagsparty? Ich kenn dich doch gar nicht. Du kannst ja noch nicht einmal richtig Deutsch!“

Anklopfen „Bittet, so wird euch gegeben! Sucht, und ihr werdet finden! Klopft an, und euch wird die Tür geöffnet! Denn wer bittet, der bekommt. Wer sucht, der findet. Und wer anklopft, dem wird geöffnet. Würde jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? Oder eine · 13 ·

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giftige Schlange, wenn es um einen Fisch bittet? Wenn schon ihr hartherzigen Menschen euren Kindern Gutes gebt, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes schenken, die ihn darum bitten!“ (Matthäus 7,7–11) Das Leben war also nicht leicht, und die Fragen in Lukas‘ Kopf wurde immer lauter: „Wenn Gott gut ist, warum hilft er dann nicht?“ „Warum ist alles so schwer?“ „Warum hab ich hier so viel weniger Freunde?“ „Warum bekomme ich ständig Ärger in der Schule?“ „Warum fällt mir so vieles so schwer, was früher mal so leicht war?“ „Warum gibt es so oft Streit, wenn ich das eigentlich gar nicht möchte?“ „Warum ...?“ Ganz normale Situationen, die fast jedes Kind mitmacht … aber für ihn war in diesen Jahren alles irgendwie so schwer. Und irgendwann, Lukas war gerade acht, reichten Milch und Kekse nicht mehr als Und irgendwann, Antwort auf seine vielen „Warum-istLukas war gerade das-so“-Fragen. Er hatte endgültig geacht, reichten Milch nug! „Daddy, beten hilft nicht! Gott hilft und Kekse nicht nicht! Ich glaube gar nicht mehr, dass es mehr als Antwort auf ihn überhaupt gibt! Ich will nicht mehr mit seine vielen „Warum- euch in die Kirche gehen! Keiner von meiist-das so“-Fragen. nen Freunden glaubt an Gott. Und denen Er hatte endgültig geht es viel besser als mir!“ genug! Wie reagiert man auf so eine Frage? · 14 ·

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Ich habe meinem Sprössling damals einen Deal vorgeschlagen. Jesus habe versprochen, dass er sich meldet, wenn wir uns auf die Suche machen. „Es gibt da sogar diesen Bibelvers!“, habe ich ihm erklärt. Also würden wir anklopfen und jeden Abend gemeinsam beten, zusammen, regelmäßig, für einen Monat. Wenn Gott auftauchte, wollte Lukas „In deinem Buch gerne glauben. Würde Er sich aber steht doch, dass du verstecken, dann hätte mein Sohn das antwortest, wenn wir Recht, erst mal zum Atheismus über- anklopfen. Aber das zutreten, und wir dürften ihn nicht machst du überhaupt mehr in die Kinderstunde „zwingen“. gar nicht. Du sagst Es ist gar nicht so leicht für einen Papa, einfach nichts.“ so einen Vorschlag zu machen, und er war mit viel Herzklopfen verbunden. Aber ich bin überzeugt: Wenn Gott tatsächlich existiert, dann ist Er für den Glauben meines Sohnes verantwortlich. Also fingen wir an zu beten. Jeden Abend. Lukas nahm das sehr ernst. Als ich zwei Tage nicht zu Hause sein konnte, wollte er die Gebete unbedingt nachholen. Zuerst sollte ich Sätze vorbeten. Dann fing er an, mir ins Wort zu fallen, und formulierte seine eigenen Gedanken: „Hallo, Gott, hier ist Lukas. Ich würde wirklich gerne an dich glauben. Ich finde das total beknackt. In deinem Buch steht doch, dass du antwortest, wenn wir anklopfen. Aber das machst du überhaupt gar nicht. Du sagst einfach nichts. Wie soll man denn da glauben können, dass du mich magst und mir helfen möchtest? Ich glaube fast gar nicht mehr, dass du noch irgendwann die Tür · 15 ·

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aufmachst. Aber wenn es dich doch gibt, dann würde ich echt gerne an dich glauben!“ Und fast jeden Abend habe ich hoffnungsvoll nachgefragt, ob Gott denn sein Gebet erhört und sich irgendwie gezeigt hätte. Die Antwort war immer die gleiche: Nein! Also beteten wir weiter. Dann kam er irgendwann, der „letzte“ Gebetsabend. Nach dem Amen stellte ich Lukas wieder meine Frage: „Ist Gott schon irgendwo bei dir aufgetaucht?“ „Nein!“ „Dann brauchst du also nicht mehr an ihn zu glauben!“ In mir tobte ein Sturm: Was jetzt, du pädagogisch und theologisch geschulter Papa? Ich war inzwischen selbst sauer auf die nervende Stille dieses Gottes. „Was machen wir denn jetzt, Kumpel?“ Und dann fragte mich mein Sohn, ob wir weiter einfach beten könnten? Weil es cool wäre, wenn es Gott tatsächlich gäbe. Und kleine Dinge waren tatsächlich passiert: Lukas kam ein bisschen besser in der Schule klar. Irgendwie war er in letzter Zeit fröhlicher. Steckte da doch ein liebender Gott dahinter? Seine Gebete wurden jetzt immer ehrlicher. „Ich finde das voll doof, dass Du Dich nicht zeigst, Du hast es doch versprochen. Ich würde Dich so gerne lieb haben, aber dann muss ich wissen, dass Du da bist und mich lieb hast!“ So suchten wir gemeinsam weiter nach Gott. Ich war total beeindruckt, wie wichtig diese Suche nach Gott meinem kleinen Kerl war. Also beteten, klopften, suchten wir weiter und hofften … und irgendwie veränderte uns diese Suche. Aber ein deutliches Lebenszeichen, eine klare Reaktion, von oben blieb aus! · 16 ·

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Mein Sohn, der Atheist! Mitten in dieser Phase passierte eine total verrückte Geschichte. Wir wurden als Familie eingeladen, in einem christlichen Camp Englisch zu unterrichten und Musik zu machen. Lukas hatte die Chance, parallel auf dem Gelände bei einer Cowboy- und Indianer-Freizeit mitzumachen. Wir wohnten in Bad Segeberg, dem Zentrum der KarlMay-Festspiele, haben Freunde in Kanada, die Indianer sind. Warum also nicht?! An einem Abend, als ich auf der Bühne stand und mit all diesen christlichen Teenagern Lobpreis machte, war ich mal wieder total frustriert. Worship kann manchmal so unglaublich unecht sein. Wir singen Texte von totaler Hingabe, die wir eigentlich gar nicht meinen. Wir singen, als ob wir ganz genau wüssten, dass Gott immer da ist, immer hilft, immer unser Steuermann und Lebenslenker Und dann erzählte und natürlich unser bester Freund ist; ich von meinem Sohn, und wenn wir dann zurück im wahren dem kleinen AtheisLeben sind, leben wir ganz anders; so ten, der sich nicht häufig jedenfalls, wie ich Jesus ignorie- zufriedengeben will re, ist der Satz vom „besten Freund“ mit oberflächlichen oft nur ein leeres Versprechen. Wahrheiten, der Meine Frau sagt mir immer, ich kritisch ist und sich denke zu viel und soll einfach singen, auf die Suche macht, aber ich kann so was nicht, war wie- bis er Gott wirklich der frustriert und hielt eine brennende begegnet. Von dem Rede: „Warum schluckt ihr all diese ich so viel lerne. · 17 ·

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platten christlichen Wahrheiten? Genügt euch das? Hat hier keiner Zweifel, dass all das, was wir hier besingen und erzählen, wirklich wahr ist?“ Und dann erzählte ich die Story von meinem Sohn, dem kleinen Atheisten, der sich nicht zufriedengeben will mit oberflächlichen Wahrheiten, der kritisch ist und sich auf die Suche macht, bis er Gott wirklich begegnet. Von dem ich so viel lerne. Und wie man in so einer Phase des Unglaubens fast mehr lernt über Gott als in Zeiten, wo man alles ohne Vorbehalte für voll nehmen kann. Ich dachte anschließend eigentlich, ich hätte mein Anliegen ganz gut erklärt, aber dann kam der letzte Tag. Wir waren gerade beim Packen und wollten Lukas von den Cowboys und Indianern befreien, als zwei Bibelschüler – der eine trug sein Cowboykostüm sogar noch – mich sprechen wollten. „Hallo, wir haben gerade das Cowboycamp geleitet!“ Echt? Ich hatte schon befürchtet, ihr jungen Leute lauft jetzt alle so rum! „Bist du der Vater von Lukas, der denkt, dass sein Sohn ein Atheist Ich kann den wäre?“ Wie antwortet man jetzt auf so Bekehrungseifer der eine Frage? „Ja, ich bin Lukas‘ Vater, beiden Cowboys ja und prinzipiell habe ich das gesagt, obverstehen. Ich war wohl es so formuliert jetzt etwas platt früher selbst jemand, rüberkommt …“ „Aha!“, sagte der der solche „Skalps“ Cowboy und grinste dabei stolz. „Wir gesammelt hat. wollten dir nämlich erzählen, dass dein Sohn kein Atheist mehr ist. Wir haben ihm gestern Abend den Weg der Erlösung erklärt, und Lukas hat mit uns gebetet und den Herrn Jesus in sein · 18 ·

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Herz aufgenommen!“ Na, was sagst du jetzt?, schienen die Gesichter der beiden zu sagen. „Wir dachten nur, es wäre wichtig, dass wir dir das persönlich sagen, dass Lukas jetzt ein Gläubiger ist!“ Ich wusste nicht, wie ich reagieren sollte. Muss ich jetzt „Danke“ sagen? Viel lieber wollte ich den beiden grinsenden Gesichtern eine reinhauen. Aber ich hab mich dann doch höflich bedankt. Ich kann den Bekehrungseifer der beiden Cowboys ja verstehen. Ich war früher selbst jemand, der solche „Skalps“ gesammelt hat. Ich war natürlich gespannt auf das, was Lukas mir darüber erzählen würde. Er meinte dann nur, dass er seine Bekehrung schon irgendwie so gemeint hätte, aber vor allem hätte er seine Campbetreuer nicht enttäuschen wollen. Sicher wäre er sich wegen der Gottsache jedenfalls immer noch nicht, und wir sollten unbedingt weiter anklopfen. Also würde sie weitergehen, unsere Suche nach einem Gott, den man erleben kann, der mehr ist als ein paar geistliche Glaubenssätze in einem Bekehrungsgebet, die man einmal im Leben nachgesprochen haben sollte.

Die Idee Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan! (Matthäus 25,40) Als ich diesen Vers in meiner Bibel sah, kam mir eine Idee, die selbst Lukas‘ Mama umwerfend fand – nur lei· 19 ·

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der nicht im positiven Sinne. Am Abend erzählte ich Lukas, dass Jesus mal gesagt hat, man findet ihn immer da, wo Schwache sind. Wenn man also einem ganz armen Menschen, der keine Rechte hat und sich nicht wehren kann, die Hand schüttelt, dann würde man Jesus die Hand schütteln. Wenn man sich um jemanden kümmert, der schwächer ist, dann wäre das, als ob man sich um Jesus kümmere. Wenn man jemandem etwas zu essen gibt, der Hunger hat, dann ist das, als hätte man Jesus geholfen! „Und weißt du, wo es viele Menschen gibt, denen es nicht so gutgeht, die wenig zu essen haben?“ „Afrika?“ „Richtig! Also: Auf nach Afrika!“ So verkündeten wir an diesem Abend unseren Plan, nach Afrika zu fliegen, um dort Jesus zu finden. Nebenbemerkung: Diese Idee ist grundsätzlich durchaus nachahmenswert, aber auch mit Vorsicht zu genießen. Meine Frau fand den Gedanken, ihren achtjährigen Sohn den Gefahren des afrikanischen Dschungels auszusetzen, eher gewöhnungsbedürftig! Aber wir beiden Männer fanden diese Kleiner Tipp: Solche Idee von Tag zu Tag besser. Ein Freund Ideen immer ZUERST von mir fliegt jedes Jahr mit einem kleimit deiner Frau teilen! nen Team nach Kampala, wo er eine Schule aufbaut und Teammitgliedern die Chance bietet, Uganda und seine Menschen zu erleben. Die Schule, die er quasi adoptiert hat, für die er Geld sammelt und regelmäßig mit Freiwilligen besucht, um selbst Hand anzulegen, ist ein Projekt des Kinder· 20 ·

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hilfswerks Global Care und wurde nach seiner verstorbenen kleinen Tochter, Naomi Froese, benannt. Siegfried hatte noch Platz in seinem Team und wollte uns mitnehmen. Unser Plan wurde immer konkreter ... bis Lukas die Riesenspritzen sah, mit denen man sich gegen alles Mögliche impfen sollte. „Daddy, am besten, du fliegst erst einmal alleine, fragst, ob Gott da ist, und ich flieg dann ein bisschen später hinterher!“

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Als der achtjährige Lukas seinem Vater verkündet, nicht mehr an Gott glauben zu wollen, greift dieser zu einem ungewöhnlichen Mittel: Statt seinen Sohn einfach weiter in den Gottesdienst zu schleifen, reist er mit ihm nach Afrika. Schließlich ist Jesus immer da zu finden, wo Schwache und Hilfsbedürftige sind. In Tagebuchform berichtet Frank Bonkowski von dieser ungewöhnlichen Entdeckungsreise: von der aufwühlenden Begegnung mit Armut und Krankheit in Uganda, aber noch viel mehr von der unbändigen Lebensfreude und das durch nichts zu erschütternde Gottvertrauen der Menschen dort, das nicht nur sein eigenes Herz, sondern auch das seines Sohnes für immer verändern wird.

FRANK BONKOWSKI

Die berührende Geschichte von Frank und Lukas´ gemeinsamer Reise nach Uganda – und zu einem Gott, der versprochen hat, sich finden zu lassen, wenn wir ihn suchen.

Frank Bonkowski ist verheiratet mit Loretta, mit der er drei Kinder hat. Nach 17 Jahren Gemeindearbeit an der kanadischen Westküste lebt er seit 2006 wieder in Deutschland, Bad Segeberg, wo er als Pastor, Referent und Buchautor tätig ist.

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