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Impressum

© 1. Auflage 2025

Praxisverlag buch+musik bm gGmbh 2025

Haeberlinstraße 1–3, 70563 Stuttgart, kontakt@praxisverlag-bm.de Printed in Germany. All rights reserved.

ISBN Buch 978-3-86687-388-9

ISBN E-Book 978-3-86687-389-6

Lektorat: buch+musik – Dorothea Zarbock, Gießen Umschlaggestaltung: buch+musik – Toby Wolf, Stuttgart Satz: buch+musik, Stuttgart – unter Verwendung von parsX, pagina GmbH, Tübingen Bildrechte Umschlag: stock.adobe.com: Penny, GraphicsRF, sandsun, Grave passenger, Tamara, BigJoy, EssabryBusiness, DigitalSpace, alhontess

Bildrechte Inhalt: stock.adobe.com: sandsun, Grave passenger, DigitalSpace, BigJoy, PikePicture, alhontess, zolotons, Rinat Khairitdinov, klyaksun, vectorsanta Bildrechte Autorenfoto: Anja Kirschner Druck und Gesamtherstellung: KRÜGER Druck+Verlag GmbH & Co. KG, Merzig www.praxisverlag-bm.de

Noch mehr Bauwagen-Aktionen

Vorwort

„Geh aus deinem Vaterland (…) in ein Land, dass ich dir zeigen will“ (1. Mose 12,1 Lu).

Dieser Vers steckt voller Verheißung, Abenteuer, Abschied und Neuland. Er steht für mich über der Idee der Bauwagenkirche. Zu Beginn des Weges, mit Teens Kirche draußen zu feiern, ist dieser Vers mir begegnet und hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Er wurde zu einem Auftrag an das Team und mich, neue Schritte zu gehen, ohne vorher zu wissen, wie das Land aussieht. Wir hatten das Wort „Bauwagenkirche“, wir hatten in der Kirchengemeinde die Idee, ein Gottesdienstformat für 11- bis 13-Jährige zu entwickeln und wir hatten die Leidenschaft für und mit diesen Teens neues Land zu entdecken. Damit sind wir losgegangen. Im wahrsten Sinn des Wortes haben wir neues Land entdeckt. Wir konnten ein Grundstück roden, mehrere Bauwagen in Stand setzen und herausfinden, wie man gemeinsam in der Natur Gottesdienst feiert.

Ich finde, dieser Vers beschreibt auch die Lebensphase, in die die Young Teens eintauchen. Sie beginnen sich von ihrem „Vater- und Mutterland“ zu lösen und das Land ihrer eigenen Identität zu entdecken. Auch dieser Weg steckt voller Verheißungen, Abenteuer, Abschied und Neuland. Sie probieren sich aus im Jugendlich-Sein und sind immer mal wieder noch Kind. In der Jugendarbeit haben wir das Privileg und die Möglichkeiten, die Teens in dieser speziellen Lebensphase zu begleiten. Wir können sie herausfordern, befähigen, trösten, anleiten, fördern – für sie da sein, wie auch immer das gerade nötig ist. Auch hierbei dürfen wir uns von Gott zeigen lassen, was gerade dran ist.

Beim Schreiben dieses Buches ist mir nochmals bewusst geworden, warum ich so gern seit vielen Jahren mit Teens draußen in der Natur bin. Hier sind die Aufgaben und Herausforderungen echt. Wir müssen uns gemeinsam bewähren und wachsen daran. Das Wir schließt alle ein. Die Trennung in Mitarbeitende und Teilnehmende hebt sich oft auf, denn wir alle brauchen einen wärmenden Platz im Kreis um das Feuer.

In der Natur sind wir auf eine Art und Weise mit Gott verbunden, die unser Denken übersteigt. Wir sind Geschöpfe in der Schöpfung. Dieses tiefe Erleben hat nichts mit adrenalinheischenden Abenteuerkick-Aktionen zu tun. Es ist eher ein stilles und staunendes Erleben der Schöpfung und ein Gefühl von Verbundenheit mit allem Geschaffenen, wenn wir da draußen Gottesdienst feiern. Mich motiviert es sehr, durch die Bauwagenkirche einen Rahmen für solche Erlebnisse und Gottesbegegnungen zu schaffen, die die Teens auch dann noch begleiten, wenn sie älter werden und „weiterziehen“.

Mirjam Link, August 2024

Navigator durch die Bauwagenkirche

Young Teens, also Teens von der 5. bis zur 7. Klasse, sind für die Kinderkirche oft schon zu alt, für die Jugendgruppe, den Konfirmationsunterreicht oder Vergleichbares noch zu jung. Wie kann ein Angebot geschaffen werden, dass ihrem Alter angemessen ist und sie anspricht? Wie können sie in dieser spannenden Lebensphase sich selbst, die Schöpfung und ihren Schöpfer besser kennenlernen? Eine Antwort auf diese Fragen bietet die Bauwagenkirche. Dahinter verbirgt sich ein Format, bei dem Gottesdienste für Young Teens altersgemäß draußen in der Natur stattfinden können. Um es gleich vorwegzunehmen: Es muss nicht immer ein Bauwagen sein. Aber ein Gelände, auf dem ein Lagerfeuer entzündet werden kann, das wäre hilfreich. Dazu später mehr.

Dieses Buch bietet eine detaillierte Grundlage für alle, die das Konzept einer Bauwagenkirche verstehen und selbst umsetzen wollen. Im ersten Teil, dem Leitfaden, findest du viele hilfreiche Informationen, die es braucht, um das Konzept kennenzulernen und selbst eine Bauwagenkirche starten zu können.

Immer wenn dieses Icon auftaucht, heißt das, dass ich davon erzähle, was mein Team und ich selbst mit der Bauwagenkirche erlebt haben und welche Erfahrungen wir gesammelt haben.

Bei diesem Icon geht es um dich. Es kommen Fragen und Gedankenanstöße, die dir helfen, selbst in die Praxis überzugehen.

Im zweiten Teil wird es noch praktischer. Er ist wiederrum in drei Teile aufgegliedert. Zuerst findest du dort 12 Themen-Vorschläge für Bauwagengottesdienste. Wenn sie monatlich stattfinden ist also ein ganzes Jahr abgedeckt. Es gibt dabei drei Themen-Vorschläge pro Jahreszeit, die wiederrum jeweils die drei verschiedenen Gottesdienstformate abdecken: Den Erlebnisgottesdienst, den Kurzgottesdienst und den Bibelgottesdienst. Bei diesen Formaten bleibt die Liturgie gleich, die Predigtgestaltung ändert sich jedoch. Bei den Gottesdiensten sind im Text immer wieder einzelnen Sätze oder Fragen in grauer Schrift. Dabei handelt es sich um Spielanweisungen, Reflexionsfragen o. Ä., die den Teens vorgelesen werden können.

Außerdem stelle ich dir ein paar besondere Bauwagen-Aktionen und -Gottesdienst vor, wie die Feier des Bauwagengeburtstags oder eine 24h-Tour. Und zuletzt gibt es noch einiges an Projekt-Ideen und Inspiration für gemeinsame (kleinere) Outdoor-Aktivitäten, die beispielsweise im Anschluss an den Gottesdienst mit den Teens durchgeführt werden können. Was noch wichtig ist: Es ist alles da, was du brauchst, um selbst starten zu können. Aber es ist nicht alles bis ins kleinste Detail ausgearbeitet. An einigen Stellen nenne ich Alternativmöglichkeiten oder Varianten. Das soll dir helfen, das Konzept an deine Gruppe und deine Gegebenheiten gut anpassen zu können. Das bedeutet auch, dass du auf deine Kosten kommst, egal ob du eine Bauwagenkirche ganz neu starten möchtest, oder schon länger mit diesem oder einem ähnlichen Konzept unterwegs bist und neue Ideen sammeln möchtest. In jedem Fall wünsche ich dir viel Freude mit diesem Buch.

Mit Teens Kirche draußen feiern

Gerade noch diskutieren wir im Gottesdienst über Schöpfung, Heiligen Geist und ob wir „Lemon Tree“ schon im Gottesdienst oder erst danach singen. In der freien Zeit nach dem Gottesdienst wandelt sich das Bild: Ein Teil der Gruppe stürmt zum nahegelegenen Bach, um einen Staudamm zu bauen, während die anderen eisteetrinkend in Grüppchen am Lagerfeuer stehen und über ihre eigenen Witze lachen.

Diese Momentaufnahme aus einem Bauwagenkirchengottesdienst beschreibt die 11- bis 13-jährigen Teens sehr gut. Sie sind dazwischen. Zwischen dem Kind und dem Jugendlichen.

In der Gemeindearbeit und bei den Angeboten für Kinder und Jugendliche wird dieser Gruppe inzwischen mehr Beachtung geschenkt. Denn in der Jungschar und Kinderkircharbeit dünnt sich die Gruppe der Young Teens merklich aus. Bis kurz vor dem Konfirmandenalter sind oft nicht mehr viele 13-Jährige in den klassischen Angeboten zu finden. Woran liegt das? Meiner Beobachtung nach stellen die Teens nach dem Übergang in die weiterführende Schule bewusst und unbewusst viele Weichen, die für ihre Weiterentwicklung von großer Bedeutung sein werden. Neue Themen und Bedürfnisse tauchen auf, die sie von den Jüngeren unterscheiden und nun Beachtung brauchen. Inzwischen gibt es immer mehr Projekte und Angebote, die sich speziell an diese Altersgruppe von Fünft- bis Siebtklässlern richten. Wir haben uns seit 2019 auf den Weg gemacht, eine Teenie-Kirche als Fortführung der Kinderkirche zu entwickeln. In diesem Prozess ist das Modell der Bauwagenkirche entstanden. Einem Platz für einen naturnahen, abenteuerorientierten Teenie-Gottesdienst. Im folgenden Abschnitt möchte ich dich mit hineinnehmen in die Grundüberlegungen, die dazu geführt haben.

Dieses Buch beschreibt die Antworten, die wir vor Ort auf folgende Frage gefunden haben: „Wie gestalten wir gemeinsam mit Young Teens draußen Kirche, damit sie zu einem Ort der Begegnung mit Gott, sich selbst, anderen Menschen und der Schöpfung wird?“

Neuer Lebensabschnitt

Die Teens tauchen ab der 5. Klasse in einen neuen Lebensabschnitt ein. Die Ablösung vom Elternhaus und bestehenden Machtverhältnissen beginnt mit dem Einsetzen der Pubertät. Der Körper verändert sich in Wachstumsschüben und durch den Prozess der sexuellen Reife. Die äußere Erscheinung wird den Teens bewusst. In dieser Phase grenzen sie sich oft bewusst ab von allem, was mit Kind-Sein zu tun hat, um ihre eigene Identität zu entwickeln. Oftmals erleben sie sich als überfordert durch die Erwartung, die die Menschen um sie herum an sie stellen. Vor allem, wenn ihr Körper sie schon älter aussehen lässt, als sie sind.

Mit dem Übergang in die weiterführende Schule wird die Neugestaltung von sozialen und zwischenmenschlichen Beziehungen beschleunigt und gestärkt. Die Teens lösen sich von ihrer Familie und die Bedeutung Gleichaltriger nimmt zu. Sie beginnen sich mit den Fragen

„Wer bin ich? Wer will ich sein? Wie soll die Zukunft aussehen?“ zu beschäftigen und sind sehr offen dafür, was die Gleichaltrigen, das außerfamiliäre Umfeld und die Sozialen Medien jeglicher Art dazu zu sagen haben.

Mit einem eigenen Angebot für Teens in der Gottesdienstarbeit begegnet die Bauwagenkirche dem Bedürfnis nach eigenen Räumen für die Glaubens- und Persönlichkeitsentwicklung. In der Bauwagenkirche sind die Eltern nicht mehr dabei und die Teens werden auch nicht von ihnen gebracht und abgeholt. Sie kommen selbstständig zu Fuß oder mit dem Fahrrad und nutzen die Zeiten danach auch gern zum Reden mit Gleichaltrigen oder für kleine Abenteuer und Umwege auf dem Heimweg.

Um die Entwicklung einer eigenen Identität und bewussten Persönlichkeit zu stärken, setzt die Bauwagenkirche auf eine festes Mitarbeitenden-Team aus unterschiedlichen Altersgruppen. Zum einen sind junge Mitarbeitende dabei, die im Alter nahe an den Teens dran sind und z. T. selbst noch mitten im Entwicklungsprozess der Pubertät stecken. Zum anderen sind ältere, erfahrene Mitarbeitende im Team, die auch die nötige Kompetenz und Gelassenheit mitbringen, um mit Teens Outdoor-Projekte durchzuführen und Gottesdienste anzuleiten.

Der Naturraum, in dem die Bauwagenkirche stattfindet, verlangt von den Teens Echtheit. Wenn es kalt ist, ist es kalt und wenn das Feuer nur raucht, anstatt richtig zu brennen, braucht es Lösungen und Aufmerksamkeit. Wenn wir uns mit den Angeboten der Bauwagenkirche in der Natur befinden, werden wir alle herausgefordert und wachsen dadurch auch als Gottesdienstgemeinschaft intensiv zusammen.

Die Young Teens sind in einem Alter, in dem sie meistens sehr offen gegenüber Abenteuern jeglicher Art sind. Sie sind außerdem sehr wissbegierig, alles zu lernen, was mit Feuer, Werkzeugen, Pflanzen, Wasser und Seilen zusammenhängt. Der innere Spieltrieb kann sich unbekümmert zeigen und ausgelebt werden. Und dennoch ist er altersgemäß beschäftigt. Denn die Teens möchten nicht mehr wie Kinder auf dem Spielplatz spielen.

Kirche muss für die Teens einen eigenen geschützten Glaubens- und Erlebnisraum zur Verfügung stellen. Hier können sie begleitet in die Veränderungsprozesse der Pubertät hineinwachsen.

Glaube verändert sich

Mit der Entwicklung des Gehirns ist es den Teens zunehmend möglich, abstrakt zu denken. Sie können sich immer mehr in andere Menschen hineinversetzen und neue Perspektiven einnehmen. In der Entwicklung des Glaubens wird der eigene Kinderglaube kritisch hinterfragt und überprüft. Der Glaube verbindet sich immer mehr mit der bewussten Entwicklung der eigenen Identität.

In der Bauwagenkirche wird die Entwicklung dieser Identität unterstützt durch Ansätze aus der beziehungsorientierten Jugendarbeit. Die Mitarbeitenden können als verlässliche

Begleiterinnen und Begleiter erlebt werden. An ihrem Beispiel können die Teens sehen, wie es ist, in einer Beziehung mit Gott zu leben.

Gott wird erlebt als ein Dreieiniger Gott. Durch die Natur, in der die Bauwagenkirche stattfindet, bauen die Teens eine Verbindung zur Schöpfung und zum Schöpfer auf. Die Teens erleben in den Bauwagengottesdiensten, dass ihre Fragen und Meinungen ernst genommen werden und sie selbst gefragt sind. „Kindertheologie oder auch Jugendtheologie will Kinder und Jugendliche mit ihren theologischen Deutungen ernst nehmen (Theologie von Kindern). Sie will mit ihnen aber auch ins Gespräch kommen (Theologie mit Kindern). Deshalb gibt sie ihnen auch inhaltliche Impulse, mit deren Hilfe sie ins Nachdenken gebracht werden können (Theologie für Kinder).“1 Was hier für Kinder geschrieben ist, gilt genauso für die Teens.

Teens brauchen Gottesdienstangebote, in denen sie durch Erlebnisse, Diskussionen, Rückfragen und Mitsprache ihren Glauben (neu) entdecken können. Dann werden sie kongruent zu ihrer Identitätsentwicklung eine stimmige Beziehung zu Gott aufbauen.

Wunsch nach Mitbestimmung

Im Alter der Young Teens fängt der Prozess an, die Lebensstandards und Regeln der Erwachsenen in Frage zu stellen, um eigene Moral- und Wertevorstellungen zu entwickeln. Die Grundsteine für soziales Engagement und politische Stellungnahme werden gelegt und das Gefühl für soziale Ungerechtigkeit kann sich entwickeln.

Zu Beginn der 5. Klasse sind dies noch ganz zaghafte und nahezu unsichtbare Entwicklungen, die von den Mitarbeitenden der Bauwagenkirche wohlwollend und stärkend begleitet werden können.

Um sich eine eigene Meinung zu bilden, ist es wichtig, ernst genommen zu werden, mitbestimmen zu dürfen und eigene Ideen ausprobieren zu können. Erfolg und Misserfolg müssen selbst erlebt werden. Da hilft es nichts, wenn Mitarbeitende von Anfang an sagen, dass etwas nicht funktionieren kann. Teens möchten und sollen vieles selbst ausprobieren.

„Jugendlichen dieser Altersgruppe ist es besonders wichtig, ernst genommen zu werden, ohne dass sie bereits für alles verantwortlich gemacht werden. Gleichzeitig brauchen sie auch einen Ort, an dem sie Wärme und emotionale Geborgenheit erleben.“2

Diese Echtheit, die den Teens hilft, sich zu entwickeln, ist ein Wesensmerkmal der Erlebnispädagogik. Im erlebnispädagogischen Setting wird bewusst das eigene Erleben und

1 Wolking, Lena / Schweitzer, Friedrich: Worauf es wirklich ankommt. Elementarisierung und Kindertheologie, in: Bei dir. Gott, ich und die anderen – ein Glaubenskurs für Young Teens, hrsg. v. Matthias Kerschbaum / Antje Metzger, buch+musik, Stuttgart 2015, S. 17 ff.

2 Walter, Martina: Nicht mehr Kind, noch nicht erwachsen. Entwicklungspsychologische Entdeckungen, in: Bei dir. Gott, ich und die anderen – ein Glaubenskurs für Young Teens, hrsg. v. Matthias Kerschbaum / Antje Metzger, buch+musik, Stuttgart 2015, S. 14 ff.

Ausprobieren in den Vordergrund gerückt. Die Erfahrungen werden mit den Händen und Füßen gemacht und dann über Herz und Kopf reflektiert. An dieser Stelle sind kleine und große Outdoor-Projekte ein hilfreicher Rahmen, um in kleinen Zeitfenstern intensive Erlebnisse zu ermöglichen.

Durch Mitbestimmung und Mitgestaltung (auch im Gottesdienst) lernen die Teens sich selbst und anderen intensiv kennen. Durch den Bezug zur Natur werden sie sich als Teil der Schöpfung und ihrer Rolle darin bewusst.

Warum es sich lohnt

Warum lohnt es sich, mit Teens draußen Kirche zu feiern? Regelmäßig draußen zu sein, fordert die ganze Gruppe gemeinsam heraus, sich mit dem Wetter, den Pflanzen, Tieren, dem Wind und Platz auseinanderzusetzen und Lösungen für großartige Erlebnisse zu finden. Die Teens finden außerdem ihren Platz in einer Gruppe, die gemeinsam Gottesdienste gestaltet, zu denen jeder etwas beträgt. Sie können sich sowohl in der Gottesdienstgestaltung wie auch bei den Outdoor-Aktivitäten ausprobieren und neue Fähigkeiten entdecken.

Die Young Teens und Mitarbeitenden verbinden sich über die Schöpfung mit dem Schöpfer. Das vermittelt mit der Zeit eine tiefe Geborgenheit und Verbundenheit mit der ganzen Welt und schärft das Bewusstsein für die Verantwortung für unsere Um- und Mitwelt.

Ein natürlicher Entwicklungsprozess

Hast du Lust bekommen, eine Bauwagenkirche oder ein ähnliches Gottesdienstformat für Teens zu starten? Dann empfehle ich einen Prozess, wie er uns im Beispiel der Pflanzen immer schon vor Augen steht: Säe die Idee einer Bauwagenkirche in deiner Gemeinde und spreche mit vielen Menschen darüber. Achte darauf, wo etwas keimt und wie die Idee Wurzeln schlägt. Gieße diesen unterirdischen Wachstumsprozess mit Gebet, Zeiten der Stille, Recherchieren und Gesprächen (auch mit den Teens).

Nach einiger Zeit wird die Bauwagenkirche, wie sie an deinen Ort passt, sprießen und die ersten Ideen können sichtbar ausprobiert werden. Was wächst kräftiger? Was funktioniert und welche Anfangsideen können dein Team und du getrost wieder auf die Seite legen?

Bleibt dran und kümmert euch sorgsam um die Bauwagenkirchenpflanze. Es werden sich Blüten bilden und Früchte. Vielleicht dauert das auch länger, als ihr vermutet habt. Ich möchte euch ermutigen: bleibt dran, gießt und pflegt immer weiter. Dann könnt ihr erleben, wie aus dem Samen einer Idee Frucht und Nahrung für viele wird. Gott wirkt durch und mit uns. Viel Freude dabei!

Bauwagenkirche

Zielsetzung

Die Bauwagenkirche steht für Outdoor-Gottesdienste mit inspirierender geistlicher Gemeinschaft für Young Teens. Die Teens können direkt vom Kindergottesdienst in die Bauwagenkirche wechseln, wenn sie in die 5. Klasse kommen. Das Altersspektrum geht bis zum Ende der 7. Klasse und dem Einstieg in den Konfirmandenunterricht oder ein vergleichbares Angebot.

Da die Young Teens in ihrem Alter angesprochen werden sollen, gestalten sie viele Elemente der Bauwagenkirche selbst mit. Die Gottesdienste sind mit den Themen und Methoden an der Altersgruppe der Teens orientiert. Die Teens werden ermutigt, sich Glaubensthemen auf adäquate Weise anzueignen und die Gottesdienste und Aktivitäten der Bauwagenkirche aktiv mitzugestalten. Die Grundidee dabei ist, eine Teenie-Kirche im bzw. am Bauwagen zu gestalten, in der kleine Outdoor-Abenteuer, eine lebendige Gemeinschaft und christlicher Glaube erlebt werden können.

In der Bauwagenkirche intensiviert sich eine persönliche positive Verbindung zur Natur, die aus dem Erleben kleiner Outdoor-Abenteuer und dem bewussten Sein in der Natur genährt wird. Daraus entsteht ein Gefühl der Verantwortung gegenüber der Schöpfung und Ideen für einen nachhaltigen Lebensstil.

Die Bauwagenkirche kann eine mobile Kirche sein. Die Bauwagen können zu unterschiedlichen Orten, Gruppen und Veranstaltungen gezogen werden, um dort gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Sie kann mitten im Lebensraum der Menschen aufgebaut werden. In der Bauwagenkirche wird mit einem „nomadischen Lebens- und Glaubensstil“ experimentiert. Die Teens erleben, dass es wenig Material und keine großen Kirchengebäude benötigt, um Gottesdienst zu feiern. Die Mitarbeitenden leben eine Echtheit in ihrem Glauben vor und scheuen sich nicht, sich auf die Fragen der Teens einzulassen. Der Gottesdienst ist geprägt durch eine Nähe zu den Teens mit ihren Fragen und Ideen. Das Besondere an der Bauwagenkirche ist die Verbindung von erlebnis- und naturpädagogischen Methoden mit der Feier eines regelmäßigen Gottesdienstes. Dies zeigt sich auch dadurch, dass nach dem eigentlichen Gottesdienst immer noch ein kleines Outdoor-Abenteuer in die gesamte Bauwagenkirchenzeit eingeplant ist.

Die Gottesdienste können parallel zum Kindergottesdienst stattfinden, damit alle Kinder einer Familie gleichzeitig in einen Gottesdienst für ihr Alter gehen können. Das sorgt bei vielen Familien für eine höhere Akzeptanz der Bauwagenkirche.

Unsere Story

Im Herbst 2019 entstand die Idee, ein spezielles Gottesdienstangebot für die „Älteren“ im Kindergottesdienst zu schaffen. Diese Young Teens blieben sonst entweder von der Kinderkirche fern oder konnten nur schwer in das gemeinsame Programm eingebunden werden. Zum Jahresbeginn 2020 war der Start des

Projektes geplant. Noch vor dem eigentlichen Projektstart, an Weihnachten 2019, bekam ich durch ein längeres Gespräch mit einer engagierten Mitarbeiterin die Idee der „Bauwagenkirche“. Eine Outdoor-Kirche für Teens, die auch räumlich flexibel in und um unseren Ort unterwegs sein kann. Vor allem sollte mit diesem Angebot der wachsende Freiheitsdrang und die Abenteuerlust der 11- bis 13-Jährigen beachtet werden.

Viele Menschen aus der Kirchengemeinde bestätigten diesen Ansatz und unterstützten mich sehr, dieses Konzept zu entwickeln.

Von Beginn an war es die Geschichte von Abraham, die uns als Team faszinierte und inspirierte. Durch den Vers aus 1. Mose 12 wurden wir ermutigt, eine neue Art von Kirche und Gottesdienst zu entwickeln. „Geh aus deinem Vaterhaus (…) in ein Land, das ich dir zeigen will" (1. Mose 12 Lu).

So entwickelten, planten und gründeten wir die Bauwagenkirche für Young Teens im Alter von 11 bis 13 Jahren (5.–7. Klasse), deren Gottesdienste hauptsächlich in der Natur stattfinden.

Deine Story

Welche Ideen hast du?

Wer unterstützt dein Vorhaben?

Welchen Bedarf habt ihr in eurer Kirchengemeinde?

Was spricht dich besonders an der Idee der Bauwagenkirche an?

Bauwagengottesdienst

Die monatlichen Gottesdienste sind der Kern der Bauwagenkirche. Hier trifft sich die „Gemeinde“, feiert Gottesdienst, trifft Absprachen, erlebt Gemeinschaft und das ein oder andere kleine Abenteuer.

Die Bauwagengottesdienste zeichnen sich durch ihre Kürze und die Anpassung an die Lebenswelt der Teens aus. Die Lieder, Themen und Methoden orientieren sich an den Young Teens und ihren Interessen. Dies erreicht man am einfachsten durch partizipative Elemente. Inhalte für 12 Gottesdienste und die Beschreibung der einzelnen Gottesdienstbausteine finden sich im Kapitel „12 Gottesdienste für alle Jahreszeiten“.

Beispielhafter Ablauf

Um wieviel Uhr der Bauwagengottesdienst startet oder wie viel Zeit für die einzelnen Bestandteile eingeplant wird, kann natürlich variieren. Der folgende Ablauf kann aber zur Orientierung helfen, um den Zeitbedarf einzuschätzen.

• 9:30 Uhr: Mitarbeitende treffen sich; kurze Absprachen; evtl. fahren ein bis zwei schon zum Bauwagenplatz und bereiten alles Nötige vor

• 9:50 Uhr: Teens kommen mit dem Fahrrad oder zu Fuß an den Treffpunkt, helfen evtl. noch mit beim Material Packen und fahren oder gehen dann mit den restlichen Mitarbeitenden zum Bauwagenplatz

• 10:00 Uhr: Ankunft, gemeinsamer Aufbau des Altars (bspw. auf einer Zargesbox) und Entfachen des Feuers (wenn nicht schon geschehen)

• 10:15 Uhr: teeniegemäßer Gottesdienst

• ab 10:45 Uhr: Zeit für kleine Outdoor-Abenteuer (kochen und backen am Feuer, schnitzen, zündeln, Teamspiele, Tiere und Pflanzen bestimmen, Erkundung der Gegend, spielen)

• 11:30 Uhr: gemeinsames Aufräumen, Ende und Heimweg

Material für den Gottesdienst

Material Alternative Bemerkungen

Transportabler Altar (Holz- oder Metallkiste)

bemalter Karton

8–10 Liederbücher

Kerzen, Streichhölzer

8–10 Bibeln

1–2 Gitarren

1 Cajon oder andere Rhythmusinstrumente

Unsere Story

Liedzettel in einem eigenen Ordner zusammenkopieren (Rechte beachten)

in der Kiste ist alles drin, um einen normalen Gottesdienst zu feiern – dann ist die Wahl des Ortes wetterunabhängig

Liederbücher trocken aufbewahren eigene Liedzusammenstellung kann hilfreich für die Teens sein

Empfehlung: Laterne oder ein hohes Glas als Windschutz

Übersetzung wählen, die für Teens verständlich ist

in der Gemeinde fragen, wer eine „übrig“ hat

selbst bauen

Teens mitspielen lassen, sobald sie ein paar Griffe können

Teens mitspielen lassen; trocken lagern (Hülle)

Zu Beginn der Bauwagenkirche haben wir an jedem Sonntag in der Schulzeit Gottesdienst gefeiert. Zu diesem Zeitpunkt war das Team groß und die Mitarbeitenden haben sich abgewechselt. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass die zeitliche Beanspruchung für die Mitarbeitenden und Teens zu hoch war. Wir stellten den Turnus auf einmal im Monat um und haben seitdem sehr gute Erfahrungen damit gemacht. Die Eltern werden über eine Messenger-Gruppe auf dem Handy immer über die Termine der nächsten Monate informiert und auch kurz vorher noch mal daran erinnert. Seit wir einmal im Monat die Gottesdienste feiern, kommen auch mehr Teens. Zudem haben wir die Gottesdienste parallel zur monatlichen Kinderkirche (nach dem Konzept der Kirche Kunterbunt) geplant, so dass alle in der Familie gleichzeitig in einen passenden Gottesdienst gehen können.

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