Skip to main content

186056

Page 1

Sybille Kalmbach, JĂźrgen Kehrberger (Hg.)

Das TRAINEE-Programm

Kompetenzen trainieren Jugendliche gewinnen Engagement fĂśrdern


Impressum

© 2. Auflage 2014 buch+musik, ejw-service gmbh Stuttgart ISBN 978-3-86687-056-7 Gestaltung und Satz: Druck: Bildrechte:

Fred Peper, buch+musik freiburger graphische betriebe, Freiburg © shockfactor – Fotolia.com (Titel/S.5/...) © Yuri Arcurs/Shotshop.com (Titel/S.5) © Alain Auderset (S.225)


Mit CD -RO M


Inhalt Vorwort der Herausgeber

12

Vorwort zur Neuauflage

14

1. Grundsätzliches zu TRAINEE

17

Geschichte von TRAINEE 18 Chancen von TRAINEE 19 1.1 Das TRAINEE-Programm

22

1.1.1 1.1.2 1.1.3

Einführung Idee und Ziele, Name und Bedeutung Kursform TRAINEE und TRAINEE light, Bildungsabschlüsse und Zertifikate bei TRAINEE

22 23 24

1.2 TRAINEE im Kontext von Schule, Gemeinde und Gesellschaft

28

1.2.1 Kontext Jugendarbeit 1.2.2 Kontext Gemeindearbeit / Gemeindeaufbau 1.2.3 Kontext Schule

28 30 31

1.3 TRAINEE bildet

44

1.3.1 1.3.2 1.3.3 1.3.4

44 47 49 53

6

Bedeutung der Bildung für die Jugendarbeit Bildung und Verkündigung Jesus und seine zwölf Trainees TRAINEE ermöglicht Erfahrungen im Glauben

Inhalt


2. Auf Kurs gehen

57

2.1 TRAINEE planen und starten

58

2.1.1 2.1.2 2.1.3 2.1.4 2.1.5 2.1.6 2.1.7 2.1.8 2.1.9

„Entdecke die Möglichkeiten” – sich für ein Modell entscheiden Das Mitarbeitenden-Team Werbung für den TRAINEE-Kurs Finanzen Der Schnupperabend Der schriftliche Verbindlichkeits-Vertrag zwischen Träger und Trainees Wie ein TRAINEE-Jahr aussehen kann Feedback in TRAINEE Der Kursabschluss mit Feier und Zertifizierung

58 59 61 62 63 65

2.1.9.1 Die Feier 2.1.9.2 Die Zertifizierung / mögliche TRAINEE-Zertifikate 2.1.9.3 Nacharbeit andenken und Übergänge gestalten

76 76 79

70 74 75

2.2 Wie Kurseinheiten gelingen

80

2.2.1 Ideen für die Rahmengestaltung / Elemente eines Kurstreffens

80

Ankommensphase Moderation / Abendleitung Geistlicher Impuls / geistliches Leben in TRAINEE Warming up / Eisbrecher Feedback & Reflexion Der Kurs-Ordner Schulungsinhalte Pause Dokumentation

80 81 81 83 89 92 93 93 94

2.2.2 Beteiligen der Trainees an den Einheiten 2.2.3 Lernformen und Methoden

94 95

2.2.1.1 2.2.1.2 2.2.1.3 2.2.1.4 2.2.1.5 2.2.1.6 2.2.1.7 2.2.1.8 2.2.1.9

7


3. Thematische Einheiten

97

3.1 Einführung

98

3.1.1 Planungshilfe für Durchführende 3.1.2 Bausteine für TRAINEE-Wochenenden / Seminartage

99 105

3.2 Personale Kompetenz

108

3.2.1 3.2.2 3.2.3 3.2.4 3.2.5 3.2.6 3.2.7

Identität und Persönlichkeitsentwicklung / Gaben und Grenzen Selbstmanagement und Zeitplanung Rhetorik und Präsentationstraining Medienpädagogik Der Knigge-Abend Meine Motivation zur Mitarbeit Geschlechtergerechtigkeit – Eine spannende Zeitreise

108 121 127 135 142 147 151

3.3 Soziale Kompetenz

156

3.3.1 3.3.2 3.3.3 3.3.4 3.3.5 3.3.6 3.3.7

Erste Kontakte und Gruppenregeln Kommunikation – Wie ich was am besten sage und verstehe Feedback – Eine Chance zum Weiterkommen Kinder- und Jugendnöte in den Blick nehmen Umgang mit Konflikten Die Welt verstehen – Wie sieht ein christlicher Lebensstil in Zeiten der Globalisierung aus? Interkulturelles Lernen – Beziehungsängste überwinden

156 165 172 178 186 192

3.4 Erfahrungen im Glauben

206

3.4.1 Glaubensentwicklung – Welches Bild habe ich von Gott? 3.4.2 Glaubensbasics – Vier Bibelarbeiten zu den Themen Gott, Jesus, Christ werden und Glauben leben

206 209

8

Inhalt

200


3.4.2.1 3.4.2.2 3.4.2.3 3.4.2.4

Glaubensbasics: Glaubensbasics: Glaubensbasics: Glaubensbasics:

1.) 2.) 3.) 4.)

Der Gott, der dich sucht Der Sohn, der dich rettet Christ werden … … und Christ bleiben

211 215 219 225

3.4.3 3.4.4 3.4.5 3.4.6 3.4.7

Mein Traum von Gemeinde Mein Traum von Kirche Jugendgottesdienste gestalten – „Kirche mit und von Jugendlichen” Trainees auf dem Weg nach Emmaus – Den TRAINEE-Kurs mit dem Emmaus-Glaubenskurs für Jugendliche verbinden Lust auf andere – Gottes Sehnsucht nach Menschen ist grenzenlos

229 232 241 244 245

3.5 Pädagogische Kompetenz

252

3.5.1 Rollenverhalten in Gruppen 3.5.2 Leitungsstile – Gruppen konsequent leiten 3.5.3 Gruppenphasen – Was passiert, wenn eine neue Gruppe startet? 3.5.4 Entwicklungspsychologie 3.5.5 Andacht und Erzählschulung – Wie bring ich’s rüber? 3.5.6 Der ideale Mitarbeitende 3.5.7 Mit Kindern gut umgehen – auch mit den schwierigen … 3.5.8 Ziele und Motivation 3.5.9 Spielpädagogik 3.5.10 So ein Theater! – Ein kleiner Ausflug in die Theaterpädagogik 3.5.11 Outdoor 3.5.12 Aktiv und kreativ in TRAINEE

252 257 264 270 275 281 285 294 301 310 316 319

3.6 Organisatorische Kompetenz

324

3.6.1 3.6.2 3.6.3 3.6.4 3.6.5 3.6.6 3.6.7

324 327 333 341 344 349

Coaching als Grundhaltung der TRAINEE-Mitarbeitenden Programmplanung Projekte in TRAINEE – Projektmanagement Werbung und Öffentlichkeitsarbeit bei Veranstaltungen Den Träger und seinen Kontext kennenlernen Informationen zu Recht und Aufsichtspflicht – RECHT gut informiert sein! Finanzwesen – Erste Kontakte mit Kalkulationen

355

9


4. Praxis 363 4.1 Anregungen für die TRAINEE-Projektplanung

364

4.1.1 4.1.2 4.1.3 4.1.4 4.1.5

Feste feiern Weitere Projekte in der und für die Gemeinde Projekte für die eigene Gruppe Projekte in Kooperation: Jugendarbeit und Schule TRAINEE als Schulungsprogramm im Bezirk Vaihingen/Enz

364 366 371 372 378

4.2 Weitere TRAINEE-Praxisfelder außerhalb des TRAINEE-Projekts

382

4.2.1 Hospitationen

382

5. Das Ende der TRAINEE-Zeit – oder der Anfang des Danach 385 5.1 Das Ende von TRAINEE – Kein Schluss-, sondern Doppelpunkt

386

5.1.1 Kursabschluss – Ein gutes Ende ist immer der Beginn von etwas Neuem 5.1.2 Es geht weiter! Fragt sich nur wie! – Was kommt nach TRAINEE?

387 392

5.2 Ideenbörse für das Danach von TRAINEE

394

5.2.1 „Eigene” Angebote für die Person des „Ex-Trainees” 5.2.2 „Ex-Trainees” in der Funktion als Mitarbeitende: Hineinwachsen in die Mitarbeit

394 403

10

Inhalt


ANHANG 413 Die Autoren

414

Allgemeine Anmerkungen zum Buch Die beiliegende CD-ROM Die Logos TRAINEE und TRAINEE light (siehe Seite 27) befinden sich in verschiedenen Dateiformaten auf der beiligenden CD-ROM. • • • •

Logo_TRAINEE_sw_300dpi.jpg Logo_TRAINEE_sw_300dpi.tif Logo_TRAINEElight_sw_300dpi.jpg Logo_TRAINEElight_sw_300dpi.tif

Auf der CD-ROM befinden sich außerdem zahlreiche Zusatzmaterialien, jeweils als PDFund als Word-Datei. Die Ordnerstruktur auf der CD-ROM entspricht den Kapiteln im Buch. Zusatzmaterial zu den jeweiligen Artikeln, das auf der CD-ROM vorhanden ist, wurde im Text grau (bzw. weiß) unterlegt und am Rand mit einem CD-Symbol versehen.

Vereinheitlichung und Lesefreundlichkeit In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie Frauen und Männern gerecht werden, dass sich beide Geschlechter angesprochen fühlen, wo beide gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Nicht immer gelingt dies auf eine Weise, dass der Text gut lesbar und leicht verständlich bleibt. In diesen Fällen geben wir der Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes den Vorrang. Dies ist ausdrücklich keine Benachteiligung von Frauen oder Männern.

11


1.1

Das TRAINEEProgramm

1.1.1 Einführung Stefan Alger

TRAINEE-Programm. Zunächst einfach ein großes Wort als Ausgangspunkt für ein sicherlich nicht viel kleineres Thema. Allein die Dicke und Ausführlichkeit dieses Buches zeigt schon die Bandbreite dieses durchaus komplexen Themengebietes. Doch so fehlt vielleicht auch schnell der Zugang, das Wissen darum, ob und wie dieses Themengebiet sich in der konkreten Situation vor Ort darzustellen hat. Deshalb soll hier zu Beginn eine lose Aufzählung stehen. Eine Aufzählung von Wegen und guten Gründen, im eigenen Umfeld ein TRAINEE zu beginnen. Denn, auch das ist richtig, TRAINEEProjekte sind sehr unterschiedlich denk- und vorstellbar. Ein TRAINEE-Kurs könnte zum Beispiel aus einer Konfirmandengruppe hervorgehen. Einige in der Jugend Mitarbeitende, vielleicht sogar „Konfi-Begleiter”, laden nach der Konfirmation die Konfirmanden ein, im Rahmen eines TRAINEEs Neues über sich selbst, die Leitung von Gruppen und Angeboten und die Verantwortungsübernahme zu lernen. Dabei können sie als Gruppe weiter zusammenwachsen und eventuell auch nach Abschluss des Projektes an verschiedenen Stellen selbst ehrenamtlich tätig werden. Denkbar wäre aber als ganz anderer Ansatz auch, dass ein TRAINEE-Kurs an einer Schulaktion andockt oder als solche durchgeführt wird. TRAINEE kann als Arbeitsgemeinschaft oder Ganztagesangebot eingesetzt werden, oder es wird im Anschluss an ein Schulgottesdienstprojekt den Jugendlichen angeboten, sich zu einem festen Termin in der Schule mit ihrem TRAINEE-Mitarbeitenden-Team zu treffen und dort Angebote innerhalb und außerhalb der Schule in Angriff zu nehmen – Schulung, Planung und Durchführung inklusive. Oder es wäre vielleicht sogar denkbar, dass bestehende Gruppen hier einen gemeinsamen Wirkungskreis suchen und sich dieser Herausforderung, als Projekt auf ein Jahr, gemeinsam stellen. Eine einführende Aussage, die nur einen Weg des Zugangs oder des Beginns einer TRAINEE-Gruppe fokussiert, würde wohl an der Wirklichkeit vorbeigehen und auch unnötig die Möglichkeiten einschränken. Gleichwohl: Zu meinen, TRAINEE sei letztlich nicht greifbar und habe keine Form, keinen festen Inhalt und stehe nicht für eine besondere Marke, trifft ebenfalls nicht zu.

22

1. Grundsätzliches zu Trainee


1.1.2 Idee und Ziele, Name und Bedeutung Stefan Alger

TRAINEE-Programme – dieser Begriff ist in der freien Wirtschaft seit vielen Jahren in der Personalentwicklung gängig. Hierbei werden Personen, neue, junge, meist Führungskräfte im Unternehmen, sozusagen „on the job” gefördert. Dabei übernehmen sie nach und nach die eigentlich angestrebte Aufgabe, werden dazu speziell geschult und meist mit einem erfahrenen Mitarbeitenden bekannt gemacht, der eine Mentorenfunktion für diese Person einnimmt. So sollen sie an ihre Aufgabe herangeführt und weiter qualifiziert werden. Diese Beschreibung des Begriffes führt auch schon sehr nahe an die Grundlage und Basisidee „unserer” TRAINEE-Programme heran. Ausgehend von der Frage „Was brauchen junge, interessierte Jugendliche, um in der evangelischen Jugendarbeit Verantwortung übernehmen zu können” und der Frage „Welche Rahmenbedingungen und ‚Ressourcen’ finden sich bei heutigen Jugendlichen und welche Auswirkungen hat dies auf die Schulungsarbeit in Gemeinde, Bezirk und gesamter evangelischer Jugendarbeit im Land”, entwickelte sich das heutige TRAINEE-Programm im Bereich des Evangelischen Jugendwerks Württemberg. Wobei die Begrifflichkeit „das TRAINEE-Programm”, wie oben bereits angedeutet, eigentlich eine unzulässige Verengung eines sehr breiten Korridors darstellt. Denn eigentlich gibt es in der TRAINEE-Landschaft, ausgehend von verschiedensten Rahmenbedingungen und Zielgruppen, tatsächlich wenig, was es nicht gibt und eine extrem vielfältige Landschaft an Formen, Ausprägungen, inhaltlichen Schwerpunkten und Zielgruppen. Neu ist aber insbesondere auch die Idee hinter den TRAINEE-Programmen, nicht an klassischen Altersgruppen für die Bildungsangebote festzuhalten. Ausgehend von der Feststellung, dass sowohl die Auslastung älterer Jugendlicher als auch die persönlichen Ausgangsbedingungen bei jüngeren Jugendlichen sehr für einen frühen Beginn sprechen, hat sich gezeigt, dass auch und gerade scheinbar (zu) junge Jugendliche durch ein solches – mentorengestütztes – Modell in der Lage sind, mit unbändiger Freude und hohem persönlichen Einsatz Verantwortung zu übernehmen. TRAINEE-Programme haben ihren Altershorizont daher ab Ende des Konfirmandenjahres. Alle unterschiedliche TRAINEE-Modelle verbindet eine gemeinsame Grundidee sowie einige Ziele für die Schulungsarbeit: Ziel ist es, handlungsorientiert und praktisch ausgerichtet Jugendlichen einen Rahmen zu bieten, in dem diese Neues über sich und die für die in der Jugendarbeit notwendigen Eigenschaften, Rahmenbedingungen und Fertigkeiten erlernen können. Die Ausbildung erfolgt in aller Regel durch erfahrene ehren- und/oder hauptamtlich Mitarbeitende. Dabei ist die gedachte Struktur von unten nach oben; nicht eine Organisation stellt ein Schulungskontingent (wie beispielsweise einen Grundkurs auf Bezirksebene mit 25 Plätzen) zur Verfügung, sondern vor Ort oder in kleinen Zusammenschlüssen werden Schulungsgruppen gebildet, die höchstens im Verlauf des TRAINEEs mit weiteren Gruppen vernetzt werden.

23


Die Gruppe vor Ort ist dabei als feste, für die Teilnehmenden verbindliche, Gruppe vorgesehen. Sie ist in Form eines Projektes organisiert. Dies bedeutet, dass sie sich von einem fixierten Startzu einem fixierten Endtermin erstreckt und in dieser Zeit einen zuvor festgelegten Zeitplan sowie ein bestimmtes Thementableau und ein Ziel verfolgt. Dabei ist es schon Teil der Ausbildung, die erworbenen Kenntnisse auch direkt bei praktischen Umsetzungen gemeinsam zu erproben oder einzeln praktische Erfahrungen zu sammeln. Durch diese festen Rahmenbedingungen sowie die Tatsache, dass Jugendliche und Trainierende die gesamte Zeit miteinander „unterwegs” sind, ist es möglich, weitere, zusätzliche Ziele zu verfolgen. Einerseits kann so versucht werden, die Jugendlichen in Gruppen und Kreisen zu beheimaten. Andererseits ergibt sich so die Möglichkeit, durch das gewachsene Vertrauen in die Gruppe und zum Trainerteam, stark persönlichkeitsbildend und glaubensfördernd zu arbeiten. Jugendliche können hierbei in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrgenommen und so individuell begleitet werden. Je nach Grundkonstellation, eingeladener Zielgruppe und Gruppenplanung ergeben sich unterschiedlichste Ausformungen der TRAINEE-Arbeit. Von ‚dem’ TRAINEE zu sprechen ist daher sicherlich ebenso wenig möglich wie von einem einheitlichen Kenntnisstand auszugehen. Dieser wird durch anderweitige Zertifizierungen erreicht, auf die später noch die Rede kommen wird. Gleichzeitig steckt in dieser Offenheit zunächst vor allem eine große Chance und Möglichkeit. Gerade sie ist es, TRAINEE sowohl als Schnuppermöglichkeit einzusetzen als auch als vollwertige Jugendmitarbeitendenausbildung. Dabei entweder mit Jugendlichen zu arbeiten, die überwiegend bereits viele Erfahrungen mit der evangelischen Jugendarbeit gemacht haben, oder aber mit Jugendlichen, die überwiegend oder ausschließlich keine Gruppenerfahrung besitzen. Oder, im Hinblick auf den Ansatzpunkt, entweder beispielsweise am Kontext Schule anzusetzen oder an biografischen Stationen, beispielsweise der Konfirmation, oder auch einfach nur mit der Attraktivität des Angebotes als solchem, beispielsweise durch Werbung und offene Einladungen, zu arbeiten.

1.1.3 Kursform TRAINEE und TRAINEE light, Bildungsabschlüsse und Zertifikate bei TRAINEE Stefan Alger

Von großer Bedeutung ist es, gleich hier zu Beginn ein wenig zu sortieren, zu welchen „Bildungsabschlüssen” TRAINEE-Programme führen können und sollen. Hier zeigt sich das Problemfeld der Zertifizierungsmöglichkeiten in seiner ganzen Breite. In der Bildungslandschaft hat sich in den letzten Jahren geradezu ein Wirrwarr an Zertifizierungsbe-

24

1. Grundsätzliches zu Trainee


griffen und -möglichkeiten ergeben. Diese sind jeweils verschieden ausgerichtet und ergänzen einander. Davon sind auch die TRAINEE-Programme betroffen. Grundsätzlich ist dabei zunächst eine Richtungsentscheidung für die eigene TRAINEE-Gruppe zu treffen. Hierzu sollen zwei Begrifflichkeiten eingeführt werden. Neben dem bereits bekannten „TRAINEE” soll in Zukunft der Begriff des „TRAINEE light” für ein kleines, sozusagen ‚leichtes’ TRAINEE geführt werden. Diese Begriffsdefinition geht davon aus, dass die Mehrheit der TRAINEE-Kurse als vollumfängliche Schulungskurse durchgeführt werden. Kriterium dafür ist zukünftig die JuleicaFähigkeit der Schulungsinhalte in Inhalt und Länge. Die Juleica (= Jugendleiter-Card) ist der bundesweit einheitliche Ausweis für ehrenamtliche Mitarbeitende in der Jugendarbeit. Sie dient zur Legitimation und als Qualifikationsnachweis der Inhaber. Man erhält die Karte nur, wenn man nach festgelegten Standards qualifiziert ist – an diesen Standards orientiert sich TRAINEE und hebt sich dadurch von „TRAINEE light” ab. Dabei soll jedoch unbedingt der Eindruck vermieden werden, ein „TRAINEE light” sei ein minderwertiges Schulungsprogramm. Vielmehr soll damit lediglich zum Ausdruck kommen, dass ein nicht nach Juleica-Kriterien erstelltes Schulungsprogramm zur Anwendung kam. Je nach Rahmenbedingungen (Ausgangslage, Trainierendenpool, zeitlicher Disposition) kann sich als Einstiegs- oder beispielsweise als „Schnupperangebot” ein unter „TRAINEE light”-Vorzeichen durchgeführtes Angebot besonders eignen. Dies beinhaltet dann in besonderem Maße das Potential, um später die Bildung der Jugendlichen durch aufbauende Einheiten oder auch ganz andere Wege und Maßnahmen weiter zu fördern. Die Standards der Juleica und damit eines „TRAINEE-Kurses” sowie die dazu notwendigen Mindestschulungsstunden und -inhalte sind auf der Seite des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg abzurufen. Hier kann auf das Buch: „Ehrenamtliche bilden”, Martin Burger, Gerhard Hess, Jürgen Kehrberger, buch+musik, ejw-service gmbh 2011, verwiesen werden, in dem sowohl Bildungsarbeit als solche als auch ein modellhafter Umgang mit den Standards beschrieben ist. Grundsätzlich kann jedoch in Kürze gesagt werden, dass ein Schulungsumfang von 30 Zeitstunden (entspricht 40 Schulungseinheiten à 45 Minuten) in den Themen Pädagogik, Recht, gesellschaftliche Querschnittsthemen und erster Hilfe notwendig ist. Soll dann nach einem erfolgreich abgeschlossenen „TRAINEE” die Juleica an die Teilnehmenden ausgegeben werden, muss man in diesem Fall die Kriterien und das übliche Antragsverfahren der Juleica beachten. So muss der/die Antragstellende in der Regel das 16. Lebensjahr vollendet haben (in besonders vom Träger zu begründenden Fällen kann die Card auch für Jugendleitende von 15 Jahren ausgestellt werden), die Ausbildung durchlaufen haben und anschließend aktiv in der Jugendarbeit tätig sein. Diese Kriterien sollten unbedingt beachtet werden, wenn den Jugendlichen mit Abschluss des Projektes eine Juleica in Aussicht gestellt werden soll. Meist spielt die Juleica in der Wahrnehmung der Teilnehmenden jedoch nur eine untergeordnete Rolle gegenüber der Gestaltung und Zertifizierung des TRAINEE-Programm-Abschlusses. Hier zeigt sich, dass in der Regel die Jugendlichen zwar die Juleica „mitnehmen” und sich auch an der inhaltlichen Aussage und nicht zuletzt den Vergünstigungen freuen, jedoch spielt die Aushändigung eines Abschlusszertifikates für sie eine wesentlich größere Rolle. Auch hier muss

25


allerdings sehr genau darauf geachtet werden, welche Zertifikate unter welchen Rahmenbedingungen ausgegeben werden können und somit auch versprochen werden dürfen (eine genaue Auflistung hier im Folgenden und auch unter 2.1.9.2 Die Zertifizierung / mögliche TRAINEEZertifikate). Für beide Ausbildungsarten TRAINEE und TRAINEE light wurde ein spezielles Zertifikat entwickelt, das auf der CD-ROM zu finden ist und nach Abschluss der Ausbildung überreicht werden kann. Immer und grundsätzlich möglich ist die Zertifizierung der Schulungen und Praktika in Form von Zertifikaten im sogenannten „Qualipass”, der in vielen Bundesländern ausgegeben wird. Hier können nicht nur die Inhalte angegeben werden, sondern auch einige Sätze zu Stärken und Schwächen der Person formuliert und so eine qualifizierte Referenz erstellt werden. In einigen Bundesländern ist auch die Erstellung eines sogenannten „Beiblatt zum Zeugnis” möglich. Zusätzlich oder alternativ wird oftmals die Erstellung eines eigenen Zertifikates praktiziert, in dem die Inhalte und die Besonderheiten des absolvierten Kursprogramms benannt werden. Hier empfiehlt sich eine Ausweisung sowohl der geleisteten Zeitstunden als auch der stichwortartig formulierten Schulungsinhalte. Vorteil ist hier die leichte Beilage zu Bewerbungen oder ähnlichen Gelegenheiten sowie die offizielle Anmutung, die der Beigabe mehr Gewicht bei den Lesenden geben könnte. Ein besonderes, vor allem in Baden-Württemberg relevantes Feld im Hinblick auf Zertifikate sind die bei den Kirchen und ihren Jugendverbänden verorteten Schülermentorenprogramme, die je nach Alter, Ausbildungsinhalten und Dauer nochmals in ein „junior-Schülermentorenprogramm” und ein „Schülermentorenprogramm” unterteilt sind. Gemeinsam ist ihnen die Bestätigung einer Ausbildung und der Befähigung, „Angebote in Schule und Jugendarbeit” gestalten bzw. mitzugestalten zu können. Unterzeichnet sind beide Zertifikate von Kultusministerium und der ausgebenden Organisation. Hier hat sich in den letzten Jahren eine starke Überschneidung ergeben. Nicht wenige Trainees haben die Zertifizierungsmöglichkeiten der Schülermentorenprogramme dazu genutzt, um öffentlich möglichst anerkannte Zertifikate ausgeben zu können. Hier sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass für die Ausstellung dieser Zertifikate seit 2010 neue Grundvoraussetzungen definiert wurden, die insbesondere die Durchführung eines Praktikums im Bereich der Schule verbindlich vorsehen und einen SMP-Schulungstag. Dies wird sicherlich bei manchen TRAINEE-Programmen zu einer Verlagerung in Richtung anderer Zertifizierungsmodelle führen, zumal mit diesem Buch 2011 ein eigenes TRAINEE-Zertifikat eingeführt wird. Gleichzeitig besteht in der Verwendung des SMP-Zertifikates aber auch eine große Chance. Das Feld der Schule ist in den nächsten Jahren in seiner Bedeutung nicht zu unterschätzen. Somit ist es in besonderem Maße wünschenswert, den Jugendlichen zu vermitteln, dass eine Verantwortungsübernahme gerade auch in diesem Bereich Sinn macht, natürlich nicht zuletzt um das gewünschte Zertifikat zu erlangen, aber auch, um Projekterfahrungen im Bereich Schule zu sammeln. Gleichzeitig muss dann darauf geachtet werden, dass die Jugendlichen später innerhalb der Schule den Besitz ihrer Zertifizierung aktiv benennen.

26

1. Grundsätzliches zu Trainee


Unter diesen Voraussetzungen ist auch weiterhin diese Form der Zertifizierung denkbar. Genaue und individuelle Aussagen hierzu können in den einzelnen Verbänden an- und abgefragt werden. Im Fall der evangelischen Jugendarbeit in Württemberg ist dies die Schülerinnen- und Schülerarbeit im ejw. TRAINEE-Programme sind sicherlich ein essentieller und nicht mehr wegzudenkender Bestandteil der Bildungslandschaft geworden, auch und sicherlich vor allem wegen ihrer Vielfältigkeit, ihrer Variabilität und ihrer Kommunizierbarkeit zu Jugendlichen und zur Arbeitswelt. Die Vielseitigkeit und die Möglichkeit, Jugendlichen in Ausbildung, Theorie und Praxis Anerkennung und Zuwendung zu vermitteln, schaffen besondere Grundvoraussetzungen und eine besondere Atmosphäre. Dies gilt es, ausgehend von den Zielen der TRAINEE-Programme, immer wieder neu auf örtliche und inhaltliche Gegebenheiten anzupassen und zu zertifizieren.

Hinweis: Sie finden diese Logos in verschiedenen Dateiformaten auf der beiliegenden CD-ROM.

27


3.2

Personale Kompetenz

In der Personalen Kompetenz geht es um das Wissen um eigene Fähigkeiten und Stärken. Es geht um die Lernfelder, die zur Persönlichkeitsentwicklung beitragen. Hier liegt die Stärke von TRAINEE – den jungen Menschen nicht nur als „Lernenden” für Unterrichtsstoff und nicht nur als zukünftigen Mitarbeitenden zu sehen, sondern als Persönlichkeit, die während dem Kurs wachsen und sich entwickeln kann und darf und dabei unterstützt wird.

3.2.1 Identität und Persönlichkeitsentwicklung / Gaben und Grenzen Im Folgenden werden zwei verschiedene Einheiten zu diesen Themen vorgestellt, zum einen mit Schwerpunkt auf dem Thema Identität, zum anderen mit dem Schwerpunkt Gaben. Beide Einheiten arbeiten mit dem DISG-Persönlichkeitsmodell, verwenden jedoch unterschiedliche Fragebögen und Materialien. DISG wird im populärwissenschaftlichen Bereich gerne genutzt, weil es sehr eingängig und leicht verständlich und insbesondere durch den Laien handhabbar ist. Nach eingehender Prüfung schlagen wir auch in der zweiten Auflage die Arbeit mit DISG vor, da andere große und bewährte psychologische Testverfahren zwar meist besser auf methodische Gütekriterien hin getestet wurden, aber auch nur von ausgebildeten Psychologen durchgeführt werden sollten. DISG hat im kirchlichen Kontext viele Anhänger und eine weite Verbreitung, aber natürlich muss man klar sagen, dass so ein einfaches Verfahren keine echte Persönlichkeitsdiagnostik ersetzt. Als Ausgangspunkt für eine Selbstreflexion bietet sich DISG aber durchaus an, es soll Räume eröffnen und keinesfalls zu einem vorschnellen „so bin ich eben” führen.

I.) Identität – Entdecke, was in dir steckt Carina Seibold

Kurzbeschreibung Die Trainees sollen sich bei diesem Thema selber bewusst wahrnehmen: Was steckt in mir? Welche Stärken und auch Schwächen habe ich? Was für ein Persönlichkeitstyp bin ich eigentlich?

108

3. Thematische einheiten


Sie lernen ein Persönlichkeitsmodell (DISG) kennen und sollen sich dort spontan einordnen. Danach kommen sie mit Hilfe eines Fragebogens ihrem Persönlichkeitstyp weiter auf die Spur. Bei diesem Thema werden auch die anderen Gruppenmitglieder mit ihren Eigenschaften und in ihrer Andersartigkeit wahrgenommen und schätzen gelernt. Anhand der Beispielgeschichten wird deutlich, dass jeder Persönlichkeitstyp wichtig ist und dass sich die verschiedenen Typen des Mitarbeitenden-Teams in den Kurzgeschichten wunderbar ergänzen können.

Zeitraster NR Programmpunkt

Dauer Material

1. Einstieg: Kommunikationsspiel „Doppelter Kreis”

10 Min.

2.

Theaterszene „Im Aufzug”

5 Min.

4 Schilder zum Umhängen

3.

Charakter-Einschätzung

5 Min.

Pinnwand

4.

Einführung in das DISG-Modell

10 Min.

5.

Vorstellung der Typ-Eigenschaften

10 Min.

Flipchart-Papier, Edding

6. Platzierung auf dem Fadenkreuz 5 Min.

Krepp-Klebeband, Plakat mit der DISG-Achse

7.

Fragebogen

15 Min.

Fragebögen

8.

Auswertung des Fragebogens

10 Min.

9.

Neue Platzierung im Fadenkreuz

10 Min.

10.

Beispielgeschichten aus der Jungschar

10 Min.

11.

Abschluss: kooperative Spiele

20 Min.

Gesamtdauer insgesamt:

110 Minuten

Material • 4 Schilder zum Umhängen mit den Namen der Darsteller (die Anfangsbuchstaben D, I, S und G sollten besonders fett geschrieben werden) • Pinnwand • Flipchart-Papier • Edding • Krepp-Klebeband • Plakat mit der DISG-Achse • Einführung ins DISG-Modell (siehe CD-ROM) • Übersicht über die vier DISG-Typen (siehe CD-ROM) • Kopierte Fragebögen „Meine Persönlichkeitsstruktur” (siehe CD-ROM) • Kurzgeschichten zur Einschätzung der DISG-Typen (siehe CD-ROM) • Text Theaterszene „Im Aufzug” (siehe CD-ROM)

109


Die Module im Einzelnen Einstieg 1) Kommunikationsspiel „Doppelter Kreis” Es werden mit den Stühlen zwei gleich große Kreise gebildet, ein Innen- und ein Außenkreis. Die Stühle stehen sich jeweils gegenüber, so dass sich immer zwei Personen gegenüber sitzen. Die gegenübersitzenden Personen müssen sich immer 1 bis 2 Minuten lang über eine vorgegebene Frage unterhalten. Dann werden die Plätze gewechselt, so dass wieder ein neues Gesprächspaar entsteht. Beispielfragen: • Wo hast du gewohnt, als du zwei Jahre alt warst und wie war es dort? • Welches Buch hast du zuletzt gelesen und um was ging es darin? • Wie verbringst du am liebsten einen freien Tag? • Wenn euer Haus brennen würde, was würdest du als erstes retten? • Hast du schon mal einen Unfall erlebt? • Was haben dir deine Eltern früher, als du noch klein warst, über Jesus und Gott erzählt? • Wenn du dir einen Wohnort irgendwo auf der Welt aussuchen könntest, dann wäre das wo? Und warum?

Thema / Inhalt 2) Theaterszene „Im Aufzug” Von vier Mitarbeitenden wird eine kurze Theaterszene vorgespielt (Theaterszene „Im Aufzug” siehe CD-ROM). Vier unterschiedliche Menschen (jeder stellt einen der vier Persönlichkeitstypen dar und trägt ein entsprechendes Namensschild), fahren gemeinsam im Aufzug und der bleibt plötzlich stecken. Die vier Personen reagieren sehr unterschiedlich auf dieses Problem … Wichtig dabei ist, dass die verschiedenen Charaktere möglichst übertrieben klar dargestellt werden … Am besten sollen die Mitspielenden sich vorher schon die Charakterbeschreibung der verschiedenen Typen durchlesen, damit sie sich besser in ihre Rolle hineinversetzen können.

3) Charakter-Einschätzung Nun sollen die Trainees den Charakter der Leute aus der Szene einschätzen. An der Pinnwand werden die Namensschilder der Schauspieler in der DISG-Reihenfolge aufgehängt. Die Trainees sollen die einzelnen Charaktere aus der Theaterszene beschreiben und möglichst viele passende Eigenschaftswörter nennen. Diese werden dann unter die entsprechenden Schilder geschrieben.

110

3. Thematische einheiten


4) Einführung in das DISG-Modell Anhand der DISG-Achse (am besten auf ein Plakat zeichnen) wird das DISG-Modell erklärt (siehe CD-ROM „Einführung ins DISG-Modell”).

5) Vorstellung der Typeigenschaften

Zielorientiert Extrovertiert Quantität

Aufgaben Dinge

D

I

G

S

Menschen Beziehungen

Prozessorientiert Introvertiert Qualität

Jeder der vier Schauspieler stellt nun möglichst überzeugend seinen Persönlichkeits-Typ vor. Anhand der Stichwörter (siehe CD-ROM: „Übersicht über die vier DISG-Typen”) erzählen die Schauspieler von ihren Stärken und ihre Schwächen und wann sie sich am wohlsten fühlen – so als ob sie selbst dieser Persönlichkeits-Typ wären.

6) Platzierung auf dem Fadenkreuz Nun haben die Trainees die verschiedenen DISG-Typen kennen gelernt und sollen sich selber spontan einschätzen und entsprechend platzieren. Aus ihrem Bauchgefühl heraus geschieht die Einordnung in das DISG- Koordinatensystem, das mit Krepp-Klebeband auf den Boden aufgeklebt ist. Nacheinander soll jeder seine Einschätzung begründen.

7) Fragebogen „Mein Persönlichkeitsprofil” ausfüllen Jetzt dürfen sich die Trainees selber testen. Sie bekommen einen Fragebogen mit vielen verschiedenen gegensätzlichen Aussagen und müssen sich entscheiden, welcher Aussage sie eher zustimmen können. Die Skala geht von -4 bis +4 und 0 ist in der Mitte. (siehe CD-ROM „Fragebogen – Mein Persönlichkeitsprofil”)

8) Auswertung Zur Auswertung werden die Testbögen untereinander ausgetauscht. Die Auswertung funktioniert folgendermaßen: Es zählen nur die Kreuze, die sich auf der linken Tabellenseite (also -4 bis 0) befinden. Die angekreuzten Zahlen auf der linken Seite werden einfach ohne das Minus addiert und unten in die Übersicht geschrieben. Der Typ, bei dem man die meisten Punkte hat, dem entspricht man am meisten … In der Regel ergeben sich aber immer „Mischungen” aus 2 oder mehr Typen, die mehr oder weniger stark ausgeprägt sind.

111


9) Neue Platzierung im Fadenkreuz Nun platzieren sich noch mal alle Trainees im DISG-Fadenkreuz, diesmal entsprechend ihrem Testergebnis. Jeder soll kurz sagen, ob er weit entfernt von seiner ersten Einschätzung steht und ob er sich an seinem Platz (bzw. mit seinem Testergebnis) wohlfühlt. Dadurch, dass der Test stark gekürzt und abgeändert wurde, kann es natürlich passieren, dass auch Ergebnisse rauskommen, die nicht ganz treffend sind … Es lohnt sich, bei Gelegenheit / Interesse einen ausführlichen Persönlichkeitstest zu machen!

10) Beispielgeschichten zur Einschätzung der verschiedenen DISG-Typen Damit das Thema noch einen Bezug zur Jungschararbeit bekommt, werden vier kurze Geschichten (siehe CD-ROM „Kurzgeschichten zur Einschätzung der DISG-Typen”) vorgelesen. Nach jeder Geschichte müssen die Trainees sagen, um welchen Typen es sich bei der Beispielgeschichte handelt, natürlich mit Begründung.

Wichtig zu wissen Erfolgreiche (Mitarbeiter-)Teams bestehen aus unterschiedlichen Persönlichkeiten, die gelernt haben, ihre persönlichen Schwächen durch die Stärken der anderen Teammitglieder auszugleichen. Jeder Mensch hat eine individuelle Persönlichkeit mit Stärken und Schwächen, und deshalb ist es gut, wenn man sich gegenseitig ergänzen und voneinander profitieren kann, zum Beispiel im Jungschar-Team oder auch im TRAINEE-Mitarbeitenden-Team. Jeder hat andere Begabungen und kann damit die Gruppe bereichern. Das funktioniert aber nur, wenn man seine Stärken und Begabungen auch kennt und die eigenen Schwächen akzeptiert. Das gilt natürlich nicht nur für die kirchliche Jugendarbeit, sondern auch für andere Vereine, Ehrenämter, Gelegenheitsjobs, in Beziehungen oder später im Beruf: Sich selbst zu verstehen bedeutet, sich auch im Beruf besser einbringen zu können und zu einem produktiveren Teil des Teams zu werden. Außerdem hilft das Wissen über die eigene Persönlichkeitsstruktur dabei, einen Beruf zu wählen, in dem man sich richtig entfalten und seine Stärken voll einbringen kann.

Abschluss 11) Kooperative Spiele: • Hinsetzen & Aufstehen Alle stehen in einem sehr engen, gleichmäßigen Kreis und schauen nach außen. Nun haken sich alle mit den Armen unter und setzen sich gemeinsam auf den Boden. Das Aufstehen ist

112

3. Thematische einheiten


schon schwieriger. Ohne die Arme auszuhaken versuchen alle gemeinsam vom Boden aufzustehen, indem sie sich gegeneinander stemmen (2. Variante: Aufstehen, wenn ein Fuß steif nach vorne gestreckt bleibt.). • Gordischer Knoten Alle stehen im Kreis und schließen die Augen, dann gehen alle vorsichtig in die Mitte und greifen sich mit jeder Hand irgendeine andere Hand. Anschließend werden die Augen geöffnet und der entstandene Knoten muss ohne Loslassen gelöst werden.

Variation Die Theaterszene am Anfang könnte man auch von Trainees vorspielen lassen. Allerdings brauchen die dann genügend Zeit, um sich vorzubereiten und zu proben, und sie benötigen detaillierte „Regieanweisungen”. Ebenso wäre es denkbar, dass die Trainees sich am Ende kurze Szenen überlegen (im Stil der Kurzgeschichten zur Einschätzung der DISG-Typen), bei denen auch die vier verschiedenen Typen mit ihren Eigenheiten auftauchen sollen.

Kurzimpuls Da es bei dieser Einheit um das Thema Persönlichkeitsentwicklung / Identität geht, wäre es schön, wenn jemand von den Mitarbeitenden seine persönliche Geschichte erzählen könnte, wie er zum Glauben gekommen ist, bzw. was ihm am Glauben wichtig geworden ist und warum …

CD-ROM • Theaterszene „Im Aufzug” • Einführung ins DISG-Modell • Übersicht über die vier DISG-Typen • Fragebogen „Meine Persönlichkeitsstruktur” • Kurzgeschichten zur Einschätzung der DISG-Typen

Quellen • „Das neue 1x1 der Persönlichkeit”, Lothar Seiwert, Friedbert Gay, Gräfe und Unzer-Verlag 2004 • „Das DISG-Persönlichkeits-Profil”, Friedbert Gay, Gabal-Verlag 1998 • Grundlage für die Theaterszene „Im Aufzug”: gleichnamige Szene auf der CD-ROM des Vorgänger-TRAINEE-Buches unter 4.1.1. „Szenen Persönlichkeitstest”

113


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook