ARMIN HARTMANN
erlebnis bibel Toolbox 2
ERLEBNISPÄDAGOGISCHE AKTIONEN ZU BIBLISCHEN INHALTEN FÜR JUGENDLICHE UND JUNGE ERWACHSENE
BORN-Verlag
Teil I: Know-how & Lerntools
METHODEN UND WERKZEUGE AUS GOTTES TOOLBOX Wenn man Gottes Reden nach der Methodik untersucht, entdeckt man viel Überraschendes. Gott beauftragt manche seiner Propheten, spezielle Zeichenhandlungen auszuführen. Aber nicht jedes prophetische Handeln ist auch eine Zeichenhandlung, d. h. eine im göttlichen Auftrag ausgeführte Tätigkeit. Dabei geht es nicht um irgendeine Tätigkeit. Mit der Tätigkeit sollte eine Botschaft transportiert werden. Der Prophet hatte die Botschaft zu inszenieren. Genauer gesagt: Die Handlung war die Botschaft. Gott geht manchmal sogar soweit, dass das Leben des Propheten zur Botschaft wird! (Jeremia darf nicht heiraten – Kapitel 16 und Hoseas Ehe wird für das Volk zur Predigt.) Propheten hatten keine Machtposition. Sie waren nicht Herrscher oder Mitglieder des königlichen Hofes. Sie waren (meistens) keine Priester oder Teil des religiösen Establishments. Keiner von ihnen hatte ein offizielles Büro oder wurde vom Volk gewählt. Viele von ihnen waren zutiefst unpopulär, weil sie im Auftrag Gottes Dinge sagen mussten, die die Menschen nicht gerne hörten. Jeremia wurde vor Gericht gestellt, ausgepeitscht, eingesperrt, in einen Brunnenschacht geworfen und noch einiges mehr. Er wollte öfters aufhören und davonlaufen, die Botschaft wurde ihm zur Last. Aber dann schreibt er: Manchmal will ich aufgeben und sage mir: „Ich will meinen Auftrag vergessen, ich will nicht mehr im Namen des Herrn reden!“ Dann aber brennt es in mir wie ein rasendes Feuer. Ich nehme meine ganze Kraft zusammen, um es zurückzuhalten – ich kann es nicht (vgl. Jer 20,9). Wenn der Prophet aber nur ein Sprachrohr ist, dann zeigt Jeremias Gefühlsleben doch nur, wie es Gott selbst geht mit uns Menschen (lies dazu mal Jer 24,7). Gott will also unbedingt, dass das, was er durch die Propheten ausrichten lässt, verstanden wird. Gleichnisse sind den Zeichenhandlungen sehr ähnlich. Gleichnisse wollen das „Unfassbare Gottes fassbar machen“,1 indem der Redner eine alltägliche Realität zur Veranschaulichung einer tiefen geistlichen Wahrheit benutzt. Mit einem Gleichnis kann man aber auch jemandem einen Spiegel vorhalten, ohne dass das
Flusser, David (1981): Die rabbinischen Gleichnisse und der Gleichniserzähler Jesus. Judaica et Christiana, Bd. 4. Bern, Frankfurt a.M.: P. Lang. Seite 241
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Teil I: Know-how & Lerntools
Gegenüber sein Gesicht verliert. Das geschieht eindeutig im Falle Nathans, der David mit dem Ehebruch bezüglich Batseba zu konfrontieren hat. Jesus macht das mit den führenden Gruppen des Volkes. Er macht ihnen Gottes Absichten in Form von drei Gleichnissen klar (Mt 21,28 – 22,14). Die Gleichnisse sind ein aus dem realen Leben gebautes Modell, das die Handlung und das Benehmen des Menschen vor Gott widerspiegeln soll. Sehr oft hat das etwas mit dem sogenannten „blinden Fleck“ zu tun. Wie Gleichnisse „funktionieren“ und was sie mit dem blinden Fleck zu tun haben, wird am Beispiel von Nathan und David deutlich (2. Sam 12,1-7 – LUT17). David hat eine Affäre mit Batseba. Er schickte Uria, Batsebas Ehemann, an die vorderste Front, was den sicheren Tod für Uria bedeutete. Nathan muss David im Auftrag Gottes mit dieser Ungerechtigkeit und Schuld konfrontieren. Das ist nicht gerade eine beneidenswerte Aufgabe. Würde Nathan David direkt darauf ansprechen, wäre die Aussicht auf Umkehr bei David sehr gering und die Wahrscheinlichkeit ziemlich groß, dass Nathan aus dieser Begegnung einen Kopf kürzer herauskäme. Nathan erzählt David ein Gleichnis; drei Elemente sind darin gut zu erkennen. Doch zunächst zum Text: Es waren zwei Männer in einer Stadt, der eine reich, der andere arm. Der Reiche hatte sehr viele Schafe und Rinder; aber der Arme hatte nichts als ein einziges kleines Schäflein, das er gekauft hatte. Und er nährte es, dass es groß wurde bei ihm zugleich mit seinen Kindern. Es aß von seinem Bissen und trank aus seinem Becher und schlief in seinem Schoß, und er hielt‘s wie eine Tochter. Als aber zu dem reichen Mann ein Gast kam, brachte er‘s nicht über sich, von seinen Schafen und Rindern zu nehmen, um dem Gast etwas zuzurichten, der zu ihm gekommen war. Und er nahm das Schaf des armen Mannes und richtete es dem Mann zu, der zu ihm gekommen war. Da geriet David in großen Zorn über den Mann und sprach zu Nathan: „So wahr der HERR lebt: Der Mann ist ein Kind des Todes, der das getan hat! Dazu soll er das Schaf vierfach bezahlen, weil er das getan und sein eigenes geschont hat.“ Da sprach Nathan zu David: „Du bist der Mann!“ …
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Teil II: Tools in der Praxis – Spielprojekte, Settings und Aktionen
FEST VERWURZELT UND GUT GEGRÜNDET Schlagwörter: Bibelstellen: Zeitaufwand: Ort:
Gegenwind / Angriffe / guter Untergrund / fest verwurzelt / Mitarbeit / Eigenverantwortung Kolosser 2,6-10 / 1. Timotheus 4,7 / 1. Korinther 3,10f. 3 bis 4 Stunden im Freien
Beschreibung: Stürme können große Schäden anrichten. In den Bergen werden vom Wind oftmals ganze Schneisen in den Wald geschlagen. Alles liegt kreuz und quer. Gegenwind und Stürme gibt es nicht nur in der Natur. Wer in einer Gemeinde mitarbeitet, weiß das. Paulus schreibt der Gemeinde in Kolossäa folgenden Rat: „Ihr habt Christus Jesus, den Herrn, angenommen. Richtet also euer Leben an ihm aus! Ihr seid doch in ihm verwurzelt und gründet euch als Gemeinde ganz auf ihn …“ (Kol 2,6-7a). Wie kann das praktisch bei uns aussehen? In den letzten Jahren gab es immer wieder massive Sturmschäden in Wäldern. So ein Wald bietet den idealen Anschauungsplatz für diese Lektion! Man geht mit einer Gruppe zu einer Waldstelle, die inzwischen soweit sicher ist, dass keine Gefahr mehr besteht (also nicht unmittelbar nach einem Sturm in den Wald marschieren …). Am besten sucht man sich eine Stelle aus, bei der noch einzelne Bäume stehen. Meistens liegen die großen Bäume entwurzelt quer über den Boden, kleinere stehen meist noch, wenn auch manchmal etwas windschief. Die Teilnehmenden bekommen nun die Anweisung, einfach zu beobachten und zu beschreiben, was sie sehen. Was fällt auf? Warum liegen einige Bäume, warum andere nicht? Was ist auffällig am Untergrund und der Verwurzelung der Bäume? Je nach Alter der Teilnehmenden muss man die Fragen genauer stellen. Gut ist es, wenn jeder etwas Zeit für sich hat in der Stille. Dann beginnt das gemeinsame Zusammentragen dessen, was man entdeckt hat.
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Teil II: Tools in der Praxis – Spielprojekte, Settings und Aktionen Ausrüstung: evtl. ein Blatt mit Bibelversen für die Andacht, Schreibstifte Sicherheit: Natürlich sollte man, wie bereits erwähnt, nicht unmittelbar nach einem Sturm in einen Wald gehen. Ideal sind Waldstücke, in denen mit den Aufräumarbeiten begonnen wurde, aber wo noch genügend Bruchholz herumliegt. Beachten: Die Stelle für die Lektion sollte mit Bedacht ausgewählt werden. Können die Teilnehmenden irgendwo sitzen? Gibt es entwurzelte Bäume, stehen noch einige? Die Beschaffenheit des Bodens ist auch wichtig: Ist er felsig oder nicht? Hatten die Bäume die Möglichkeit, tiefe Wurzeln zu schlagen? Gibt es Unterschiede beim Bruchholz? Verknüpfung(en): Bäume fallen nicht einfach so um. Holz ist unglaublich widerstandsfähig. Wird allerdings der Druck größer, dann kommt es darauf an, ob ein gutes Fundament vorhanden ist oder nicht. Im Falle des Baumes sind das die Beschaffenheit des Bodens und das Wurzelwerk, das der Baum entwickelt hat. Manche Bäume, die nicht direkt im Wind standen, sondern im Windschatten eines größeren Baumes Schutz hatten, stehen noch – auch wenn sie nicht wirklich tief verwurzelt sind im Boden. Christen erleben immer wieder Gegenwind, mal mehr, mal weniger. Das wirft die Frage auf, wie sehr jeder einzelne in Christus verwurzelt ist. Oder versteckt man sich hinter den „Großen“? Was, wenn die plötzlich nicht mehr da sind? Bei einem Leiterwechsel wird so etwas besonders deutlich. Nun muss die nächste Generation Verantwortung übernehmen, sie steht nun voll im Wind. Ist ihr Fundament tragfähig genug? Wie kann man sich „gut verwurzeln und fest gründen“ in Christus? Welche Tipps gibt uns Paulus in der Bibel? Man kann für diese Aktion einige Bibelstellen auf ein Blatt schreiben und das den Teilnehmenden austeilen, nachdem man sich über ihre Eindrücke ausgetauscht hat.
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Teil II: Tools in der Praxis – Spielprojekte, Settings und Aktionen Auf jeden Fall lohnt es sich, mit der Gruppe ganz praktisch zu werden. Wie und wann soll „das Verwurzeln in Christus“ stattfinden? Welche Zeit wird dafür eingeräumt und wo? Wer braucht dazu einen Partner oder eine Gruppe?
Eigene Notizen und Anmerkungen:
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