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Mensch, bewahre

Kornelius Weiร

ED!T!ON ENDEAVOUR

Mensch, bewahre! Vom guten Umgang mit Gottes Schรถpfung

BORN-VERLAG

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Mensch, bewahre

Ed!t!on Endeavour: THEMEN Themen für Teens und Jugendliche in Gruppen und auf Freizeiten Ed!t!on Endeavour: BASICS Grundlagen und Praxis für Mitarbeiter Infos unter www.bornverlag.de/editionendeavour

Der Autor Kornelius Weiß ist Referent im Jugendverband ECJA Entschieden für Christus - Chrischona Jugendarbeit und begleitet Jugendarbeiten in der Region Mittelhessen. Zusammen mit seiner Frau Jasmin lebt er in Butzbach, wo er außerdem die Jugendarbeit der ev. Stadtmission leitet, zu der unter anderem eine missionarische Basketballarbeit gehört.

Impressum © 2012 BORN-VERLAG, Kassel Printed in Germany. All rights reserved.

Umschlag: Dieter Betz Design-Kommunikation, Friolzheim Lektorat: BORN-VERLAG / Birgit Götz, Marburg Medien für Mitarbeiter Satz: BORN-VERLAG / Claudia Siebert, Kassel auf www.bornverlag.de Foto Umschlag: SickRick / Photocase Fotos Seite 1, 7, 43, 71, 79: Sergej Khackimullin, mit Leseproben zu allen Titeln Seite 27: jamenpercy / alle Fotolia.com Druck- und Gesamtherstellung: AALEXX BuchBORN-NEWSLETTER produktion GmbH, Großburgwedel www.bornverlag.de/newsletter Gedruckt auf FSC-zertifiziertem Papier.

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ISBN 978-3-87092-532-1 | Bestellnr. 182.532


Vorbereitendes

Vorbereitendes Du machst mich neugierig. Wie kommt jemand dazu, eine solche Lektüre zur Hand zu nehmen? Gern würde ich jetzt ein bisschen mit dir plaudern und dich ein wenig näher kennenlernen. Dann könnte ich dir wahrscheinlich gleich sagen, welche Passagen für dich hilfreich sein könnten und welche du gut und gern überspringen kannst. Ich musste nämlich feststellen, dass es nicht einfach ist, ein solch komplexes Thema, wie es die Bewahrung der Schöpfung ist, auf allgemeine Art und Weise zugänglich zu machen, sodass hoffentlich für jeden etwas dabei ist. Deshalb habe ich mich entschieden, einfach das zu Papier zu bringen, was mich beschäftigt und bewegt. Mich beschäftigt die Frage, was ich zur Bewahrung der Schöpfung beitragen kann. Denn auch ich bin ein Kind meiner Zeit und mitverantwortlich dafür, dass die Schöpfung heute so ist, wie sie ist. Das Gute und Richtige zu denken und theoretisch zu wissen bedeutet nämlich noch nicht, dass man auch das Richtige tut. Gleichzeitig bedeutet das scheinbar Richtige zu tun nicht, dass damit die Schöpfung bewahrt wird. Denn du selbst bist auch Teil der Schöpfung. Der Teil, der dir am stärksten anvertraut ist. Einfach nur etwas zu tun, weil es angeblich gut und richtig ist, ist nicht automatisch das, was Gott möchte. Mein Großvater war Maler. Er verbrachte in seinem Ruhestand viel Zeit damit, Bilder zu malen, spazieren zu gehen und seinen Enkeln Geschichten zu erzählen. Ein richtiger Opa eben. Auf dem Weg zu meinen Großeltern musste ich an seinem Atelier vorbei, und häufig rief er mich hinein, um mir die Kunst des Malens näherzubringen. Es tat ihm gut, von dem zu erzählen, was ihn faszinierte. Und immer mal wieder sagte er so etwas wie: „Du musst es sehen, um es malen zu können.“ Um etwas zu Papier zu bringen, um etwas anzufertigen, musst du ein Bild davon haben, und zwar nicht nur ein grobes. Du musst die Feinheiten wahrnehmen. Wie sind die Lichtverhältnisse, wohin fällt der Schatten, wie zeigt sich die Dreidimensionalität? Man muss genau hinschauen, um ein Bild malen zu können. Ich lade dich ein die Seiten dieses Buches als Anregung zu nehmen, genau hinzuschauen. Nimm die Schöpfung um dich herum wahr, auch die Feinheiten. Dann hoffe ich, dass bei dir, in deinem Herzen ein Bild davon entsteht, was es für dich bedeutet, mit der guten Schöpfung Gottes umzugehen.

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Vorbereitendes

Vielleicht gehörst du zu der Sorte Mensch, die über das Verstehen den Zugang zu einem Thema bekommt, dann lade ich dich ein, dieses Buch von vorn nach hinten zu lesen: dich als Erstes mit den Grundlagen zu beschäftigen und zu fragen, was denn eigentlich der Mensch und die Schöpfung ist. Es kann aber auch sein, du bekommst den Zugang zu einem Thema eher darüber, dass du die Umsetzung betrachtest und erst nach und nach Antworten zu den aufkommenden Fragen suchst. Dann möchte ich dir Mut machen, das Buch nicht von vorn nach hinten zu lesen. Beginne am Ende. Folge den angegebenen Mail-Adressen in Kapitel 4 (siehe Seite 71) und sieh, wie Menschen unterwegs sind, um der Theorie eine Gestalt zu geben. Halte Ausschau nach einzelnen Schlagworten und lies erst einmal nur den Absatz, der dich anspricht. Es geht nicht darum, eine Lektüre abzuarbeiten, sondern darum, dass Gott selbst dir das Herz für seinen Willen öffnet. Ich wünsche dir Gottes Segen und den Mut hinzuschauen. Gott freut sich darüber, dass dir seine Schöpfung nicht gleichgültig ist.

Kornelius Weiß

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1. Grundlegendes

1. Grundlegendes „Dann sagte Gott: ,Jetzt wollen wir Menschen machen, unser Ebenbild, das uns ähnlich ist. Er soll über die ganze Erde verfügen: über die Tiere im Meer, am Himmel und auf der Erde.´ Gott der Herr setzte den Menschen in den Garten von Eden. Er gab ihm die Aufgabe, den Garten zu bearbeiten und zu schützen“ (1. Mose 1,26; 2,15).

„Mensch, bewahre!“ Was hatte Gott wohl im Sinn, als er den ersten Menschen, Adam und Eva, die Aufgabe erteilte, über die Erde zu herrschen, sie zu bebauen und zu bewahren? Sollte er das wirklich ernst gemeint haben? Genauso ernst wie die Sache mit der Frucht, von der niemand essen sollte? Ganz schön mutig von Gott, sein Werk, seine Schöpfung in die Hände dieser Greenhorns zu geben. Was hatten diese Menschen denn schon vorzuweisen? Sie hatten weder einen Abschluss in Biologie, Architektur oder Tiermedizin, noch waren sie Landschaftsgärtner o. Ä. Nun gut, sie waren Gott ähnlich. Wenn man sich die Schöpfung so ansieht, könnte man ja auch zu dem Schluss kommen, dass diese Ähnlichkeit die genannten Fachkompetenzen impliziert. Zumindest waren sie wohl mit ausreichend Kreativität gesegnet, um dieser herausfordernden Aufgabe begegnen zu können. Denn Kreativität ist mit Sicherheit ein Baustein der Ebenbildlichkeit Gottes. Zumindest wissen wir durch die ersten Kapitel der Bibel vor allem eines über Gott: Er ist kreativ!

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1. Grundlegendes

Aber das ist ja alles lange her. Die Zeiten ändern sich. Die Erde ist nicht mehr der Garten Eden und der Mensch nicht mehr Adam und Eva. Oder? Sieh dir diese Erde doch mal an! Auf irgendeine Art und Weise klingt da etwas durch Raum und Zeit, das mich nicht mehr loslässt. Etwas, das meinen Puls höherschlagen lässt, meine Füße zum Zappeln bringt und voller Gedanken meine Stirn in Falten legt. Es ist der Ruf Gottes: „Mensch, bewahre!“ Ein Ruf, der mich im Herzen trifft, wenn ich Nachrichten schaue und sehe, wie es rund um den Globus um die wunderbare Schöpfung Gottes bestellt ist: Naturkatastrophen, Umweltverschmutzung, Hunger, Krankheit, Gewalt, Krieg und Ungerechtigkeit! Doch nicht nur in den Nachrichten trifft mich dieser Ruf: auch in meiner Stadt, den vermüllten Parks, den Müllcontainern voller brauchbarer Lebensmittel hinter den Einkaufsmärkten, den gewaltbereiten, alkoholisierten Jugendlichen mit Selbstwertproblematik, den ausgegrenzten Kids mit Migrationshintergrund, den Menschenschlangen vor der Ausgabestelle der städtischen Tafel und nicht zuletzt in der selbstverständlichen Gewissenlosigkeit, was den eigenen Bedarf an Wohlstand angeht. „Mensch, bewahre!“ Dieser Ruf gilt uns allen gleichermaßen und sollte uns ganz tief in uns bewegen. Wer bin ich eigentlich, solch eine intolerante Aussage zu tätigen? Ich bin kein Umweltaktivist, kein Aussteiger, der allem Weltlichen entsagt hat, kein Sozialarbeiter und wahrscheinlich auch kein besonders gutes Vorbild, wenn es darum geht, ökologisch zu leben. Ich bin lediglich ein Mensch auf dieser Erde, in dem immer noch diese Gottebenbildlichkeit vorhanden ist, wenn auch nicht mehr in dem Vollsinn, wie Adam und Eva das hatten. Und ich bin ein Mensch, dem immer noch der Auftrag gilt, den Gott den Menschen gegeben hat: „Mensch, bewahre!“ Und aus diesem Grund beschäftigt mich die Frage, was Gott damit meinte, als er sagte: „Mensch, bewahre!“, und wie ich als normaler Mensch diesem Auftrag in dem mir möglichen Maß nachkommen kann.

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1. Grundlegendes

1.1 Von Herzen Soziale Verantwortung, Gerechtigkeit und diakonischer Lebensstil sind große Worte. Große Worte, die in vielen christlichen Kreisen in den letzten Jahren in Mode gekommen sind. Und das ist gut so! Einflussreiche und große Persönlichkeiten haben dazu ihr theologisches und pädagogisches Wissen weitergegeben und die Wichtigkeit der menschlichen Verantwortung füreinander und für die Schöpfung herausgestellt. Ich bin dankbar für all diese Bücher und Vorträge, die mich für dieses universale Thema sensibel gemacht haben. Oftmals bin ich nach einem Vortrag oder der Lektüre eines Buches enthusiastisch und voller Tatendrang gewesen. Ich wollte sofort umsetzen, was ich verstanden hatte. Und bin kläglich gescheitert, als ich erkannte, wie sehr dies mein eigenes Leben auf den Kopf stellen würde. Und wie machtlos ich doch im realen Leben war, wenn es um Veränderung ging. Einige dieser Erfahrungen haben mich gelehrt, dass dieses Thema nicht einfach von jetzt auf gleich in seiner ganzen Größe in mein Leben passt, sondern dass es, wie so vieles andere auch, erst wachsen muss. „Mensch, bewahre!“ Dieser Auftrag ist kein Eintagsjob auf meiner To-do-Liste, den ich in Angriff nehme und am Ende des Tages abhaken kann. „Mensch, bewahre!“ ist eine Lebensaufgabe, die wachsen muss. Ein Prozess, der irgendwo in meinem Herzen beginnt, da, wo dieser Ruf Gottes mich trifft. Und dann muss er heranreifen und sich Stück für Stück entfalten. „Mensch, bewahre!“ ist eine Herzensangelegenheit. Ich werde mit diesem Auftrag, dieser Dimension immer überfordert sein, wenn es mich nicht selbst tief im Herzen berührt und von dort aus etwas in Bewegung bringt. Damit das geschehen kann, muss man vor allem eines tun: Man muss mit offenen Augen durch die Welt gehen. Die Schöpfung bewahren heißt zuallererst, sie zu sehen. Sie mit allen Sinnen wahrzunehmen und die Regungen in unserem Herzen und unsere Emotionen zuzulassen. Sich mit den Fröhlichen zu freuen, mit den Leidenden zu leiden, mit den Klagenden zu klagen, mit den Trauernden zu trauern, Zorn zu verspüren, wo Ungerechtigkeit herrscht, Hilflosigkeit zu erleben, wo Hoffnungslosigkeit herrscht, und über das Elend und die Not zu weinen, das sind Emotionen, die uns begegnen werden, wenn wir mit offenem Herzen unsere Welt wahrnehmen.

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1. Grundlegendes

Nicht jeder möchte diese Emotionen verspüren. Man ist mit dem eigenen Leben ja genug beschäftigt. Warum soll man jetzt auch noch all das verspüren, was um einen herum so passiert? Kann das Herz das überhaupt aushalten? Als Jesus in Jerusalem einzieht, wird er als König gefeiert. Die Menschen stehen am Straßenrand und jubeln ihm zu. Nachdem Lukas in seinem Evangelium die Volksmenge und das Drumherum beschrieben hat, wendet er sich Jesus zu und schreibt: „Als Jesus sich der Stadt näherte und sie vor sich liegen sah, weinte er über sie“ (Lk 19,41). Jesus lässt es zu, mit dem Herzen zu sehen. Er weint über die Stadt, weil er sieht, welches Unheil auf sie zukommt, weil er erkennt, wie nah die Menschen der Errettung sind, aber diese nicht erkennen können. Jesus leidet mit. Ich kann mir gut vorstellen, dass dieses Mitleiden, diese Emotion, diese Sicht des Herzens dazu beigetragen hat, dass Jesus seinen Willen vor dem Vater beugen konnte und die unendlich überfordernde Aufgabe des stellvertretenden Todes am Kreuz auf sich nahm. Mitleid ist keine Schwäche, ebenso wenig wie das Mitfeiern. Doch echtes Mitgefühl lässt sich nicht aufsetzen, es muss von Herzen kommen.

Inspirierendes Der junge englische Parlamentarier William Wilberforce (1759-1833) findet Jesus Christus. Er begegnet dem Auferstandenen und erkennt, dass die christliche Religion des 18. Jahrhunderts im britischen Empire nicht mit dem im Einklang ist, was Jesus in sein Herz gesät hat. Wilberforce sieht den Sklavenhandel und die sozialen Missstände im eigenen Land. Diese Themen berühren ihn so tief, dass er beinahe selbst daran zerbricht. Doch er gibt nicht auf und kämpft unaufhaltsam dagegen an. Mit fairen Mitteln und stets loyal seinem Land gegenüber tritt er mit seinem ganzen Leben und seiner Politik für die Abschaffung des Sklavenhandels ein und darf nach langem Kampf erleben, wie durch sein Engagement ein Stück Weltgeschichte verändert wird. Filmtipp: Amazing Grace – Der Kampf eines Mannes verändert die Welt (von Michael Apted)

Ich bin kein William Wilberforce, doch auch mir hat Gott etwas ins Herz gepflanzt, was mich tief bewegt. Es begann damit, dass ich nach dem frühen Tod meines Vaters 10


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