Skip to main content

182505

Page 1

Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Das Rasensprenger-Prinzip Titelbild Von der Vergebung - Der Schalksknecht: Matthäus 18,21-35

Bilderrahmen Lasst uns lernen, das weiterzugeben, was wir selbst von Gott bekommen, was wir mit ihm und durch ihn (er-)leben können.

im Bilde sein Bevor ich im Folgenden manche Fragen an/über den Text beantworten möchte, ist hier zunächst Platz für deine Fragen und deine Gedanken, die dir beim Lesen des Gleichnisses in den Sinn kommen:

Wenn du dich mit dem Gleichnis „Von der Vergebung“ beschäftigst, fällt dir vielleicht auf, dass diese Worte Jesu nur im Matthäusevangelium zu finden sind. Diese Tatsache sollte dich jedoch nicht abschrecken, sondern neugierig machen! So war dieses Gleichnis damals z. B. nur für die Ohren der Jünger bestimmt. Menschen, die Jesus kannten, waren gemeint. Und heute? Heute bist du gemeint! Du als Nachfolger Jesu, als Christ, bist herausgefordert, diese Worte ernst zu nehmen. Und ich bin gespannt, was sich dadurch in deinem Leben verändert!

22


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Der Schalksknecht Hierbei handelt es sich um eine Bezeichnung, die heutzutage falsch verstanden werden kann. Wenn jemandem der „Schalk im Nacken“ sitzt, dann ist dies meist eine positive Bemerkung über den pfiffigen Mitmenschen, der für jeden Spaß zu haben ist. Der „Schalksknecht“ aber in der Bibel steht für einen betrügerischen Mann, der seine Klugheit heimtückisch missbraucht. Vers 21 Die Frage nach dem „Wie oft?“ von Petrus, die dieses Gleichnis einleitet, schließt sich direkt an das Gebot an, das Jesus in den Versen zuvor an seine Jünger weitergibt. Hierbei geht es um Streit und Schuld innerhalb der christlichen Gemeinde und den bzw. unseren Umgang damit. Während die Frage des Petrus damals also klar aus dem Gehörten heraus entsteht, scheint die Geschichte des Schalksknechts als Antwort darauf zunächst nicht ganz stimmig zu sein. Letztlich trifft Jesus aber den Kern der Sache: Es geht ihm nicht um Quantität, sondern um Qualität. Er möchte mit dieser Geschichte auf Missverhältnisse im Blick auf unsere Maßstäbe im täglichen Miteinander hinweisen. Dabei geht es ihm allerdings nicht um eine Liste zum Abhaken, sondern um die Herzenshaltung und das Rasensprenger-Prinzip in unserem Leben. Vers 21-22 Siebenmal oder siebzigmal siebenmal – Der Aufreger Eine jüdische Tradition lehrt, dass ein frommer Mensch einem anderen (nur) drei Mal die gleiche Schuld vergeben muss. Insofern war das mehr als doppelt so hohe Angebot susvon Petrus in seinen Augen bereits ein Ausdruck seiner großzügigen Güte und jesusge ähnlichen Herzenshaltung. Die Antwort Jesu sprengt dann jedoch alle Vorstellungen! dern Nicht nur, weil rein rechnerisch das Ergebnis um ein Vielfaches höher ist, sondern auch weil in der damals bekannten Zahlenmythologie die Zahl Sieben als Zeichen der Vollkommenheit angesehen wurde. Somit ist die Vergebungsbereitschaft, von der Jesus hier spricht, grenzenlos.

!

Vers 23 Hier weitet Jesus den Blick auf Gottes Reich. Zum einen auf das Kommende, in dem er als König andere Maßstäbe vorleben und walten lassen wird. Zum andern geht es aber darüber hinaus auch um das Reich Gottes, das in uns und durch uns schon auf dieser Erde beginnt.

23


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Vers 24 und 28 Die 10 000 Zentner Silber bzw. Talente und die 100 Silbergroschen bzw. Denar sind nur schwer in heutige Währungseinheiten zu übertragen – zumindest nicht eindeutig. Ein Vergleich lässt jedoch das Maß der Schuld erahnen: 1 Denar war damals ein typischer Tageslohn. D. h. man musste etwa 15 Jahre arbeiten, um 1 Talent zu besitzen und 15 000 Jahre für 10 000 Talente. Vers 25 Familien in die Sklaverei zu verkaufen, war damals, so erschreckend es für uns auch sein mag, ein ganz übliches Unterfangen, um Schulden zu begleichen. Vers 27.32-34 Jesus malt ein Bild eines Königs vor Augen, der alle Grenzen sprengt. Vollkommen frei von jeder menschlichen Logik vergibt er dem Knecht all seine Schuld. Eine Schuld, die er sein Leben lang wahrlich nicht hätte abbezahlen können. Jedoch zeigt uns das Bild des Königs auch, dass „Vergeben“ nicht mit „Vergessen“ gleichzusetzen ist. Am Ende des Gleichnisses wird deutlich: Vergessen hat der König keinen einzigen Silbergroschen. Vers 28-30 Während die Worte und Gesten der beiden Männer in ihrer Not identisch waren, unterscheiden sich die Versprechungen aufs Äußerste: Das Versprechen des Schalksknechtes, seine Schuld abzuzahlen, war ein leeres Versprechen. Dagegen ist das Versprechen des zweiten Schuldners ein tatsächlich machbares Angebot. Der Schalksknecht hätte ihm nicht, wie eben selbst erfahren, den Erlass der Schulden gewähren müssen. Ein einfacher Aufschub der Rückzahlung hätte ausgereicht. Doch obwohl der Schalksknecht an dieser Stelle rechtlich richtig handelt und seinen Schuldiger in Schuldhaft nehmen lässt, ist sein Handeln emotional unverständlich. Somit wird dem Zuhörer und Leser mehr als deutlich, dass Vergebung nicht unbedingt das ist, was „Recht ist“.

Vorbild Vergeben und Vergessen: Diese beiden kleinen Worte begegnen uns oft wie unzertrennliche Freunde. Manchmal kann sogar der Eindruck entstehen, sie wären eins und ohne einander nichts wert. Aber: Stimmt das denn wirklich? Ist es tatsächlich so, dass nach tiefem Schmerz, bitterer Enttäuschung oder dem einfachen Fettnäpfchen ein echtes „Vergeben und Vergessen“ stattfindet? 24


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Ich bin mir sicher, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, dann ist die Sache mit dem Vergessen gar nicht so leicht getan wie gesagt. Erinnerungen, besonders schuld- oder schmerzhafte, sitzen einfach zu tief. In diesem Sinne ist das heutzutage so vertraute und schön klingende „Vergeben und Vergessen“ ein echter Trugschluss, dem auch wir Christen hin und wieder nicht widerstehen können. Denn Vergeben hat mit Vergessen nicht wirklich etwas gemeinsam. Das verrät uns der Blick auf den König in diesem Gleichnis: Zu Beginn dieser Geschichte wird uns der König als ein wahrhaft großzügiger, unbeschreiblich gütiger und liebevoller Herrscher vorgestellt. Der Schalksknecht, der vor ihn gebracht wird, kann sich selbst und seinen Fehler nicht entschuldigen. Im Gegenteil: Die Schuld, die der Knecht mit sich herumträgt, würde ihn bis in den Tod hinein belasten. Doch der König nimmt diese Last auf sich, auf sein eigenes Konto. Der König selbst entschuldet seinen Untertan. Das, was war, ist vergeben. Das, was war, ist bedeutungslos. Aber es ist nicht vergessen. Das wird uns kurze Zeit später sehr deutlich vor Augen gemalt: Der Schalksknecht misst mit zweierlei Maß. Er lässt entgegen aller Erfahrung Recht vor Gnade walten und landet so wiederum vor dem Richterstuhl des Königs. Diese zweite Begegnung ist dann jedoch erschreckend ehrlich und herausfordernd zugleich. Nicht nur den Jüngern damals, sondern auch uns heute zeigt das Gleichnis, dass Gottes Vergebung die Chance ist, tatsächlich neu anzufangen. Danach gilt es, das Erlebte selbst zu leben und weiterzugeben. Du selbst kannst entscheiden, ob du diesen Weg Gottes gehen willst oder nicht. Und: So oder so wird deine Entscheidung dein Leben prägen.

Zum Nachdenken Gibt es ein Erlebnis, durch das mir die Bedeutung von Vergebung wirklich bewusst wurde?

25


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Wo fällt es mir schwer, anderen Fehler zu vergeben?

Gibt es jemanden, den ich bitten sollte, mir Schuld zu vergeben, mich zu ent-schuldigen?

in Wort und Bild Blechschaden Eigentlich wäre sein Leben damals mit 16 zu Ende gewesen. Er hatte Nico überredet, ihn den Landrover seiner Eltern fahren zu lassen. Die Sicht vernebelt von Regen und Bier, hatte Carl plötzlich die Kontrolle über das Fahrzeug verloren. Nico war aus der Windschutzscheibe geschleudert worden und hatte verdreht unter einem Baum in einer riesigen Blutlache gelegen. Carl war schuldig, daran gab es keinen Zweifel. Er hatte seinen besten Freund umgebracht und am Straßenrand liegen lassen - vom Blechschaden mal ganz abgesehen. Eigentlich wäre sein Leben damals mit 16 zu Ende gewesen. Erst war es ihm unangenehm gewesen, als sie ihn besuchen kamen, die Schmieders. Er erwartete Anschuldigungen und Hass, doch die Vorwürfe kamen nicht. Stattdessen behandelten sie ihn, als wäre er ein letztes wertvolles Stück, das ihnen von ihrem Sohn geblieben war. Sie bezahlten den Anwalt und der Wagen der Schmieders wartete vor dem Tor, als er früher als erwartet entlassen wurde. Wer hätte ihn sonst auch abholen sollen, vielleicht einer der Erzieher aus dem Heim, in dem er die letzten Jahre gelebt hatte? 26


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Er schlief im Gästezimmer der Schmieders. Irgendwann wurde aus der ausziehbaren Coach ein Bett und aus dem Gästezimmer sein Zimmer. Und, was ihn zunächst völlig verunsichert hatte, wurde zur Gewohnheit. Er gehörte zu Familie Schmieder. Die Jahre gingen ins Land. Die Schmieders finanzierten Carl ein gutes Studium und inzwischen bastelte er an einer erfolgreichen Karriere. Genoss sein Leben und hatte nach wie vor eine Leidenschaft für schnelle Autos. Seine neueste Liebe war ein silberner Sportwagen, bereits komplett abgezahlt. Ein beeindruckender Schlitten, wie alle neidvoll anerkannten. Bis der silberne Lack von einem grünen Golf gerammt wurde. Kein wirklicher Unfall, nur einige tiefere Kratzer. Doch Carl würde diesen fahrlässigen Jungen vor Gericht bringen, soviel stand fest. Er eilte von seinem Geschäftstermin in letzter Minute in den Gerichtssaal, musterte den nervösen Angeklagten mit zusammengekniffenen Augen. Die Holzstühle wurden zurückgeschoben, als der Richter den Raum betrat. Nur Carl blieb wie versteinert stehen, während sich alle im Saal wieder setzten. Er starrte in das Gesicht des Richters. Er erkannte plötzlich die Gesichtszüge, die inzwischen von Falten durchfurcht waren. Damals, vor vielen Jahren, hatte er auf dieser Anklagebank gesessen. Eigentlich wäre sein Leben damals mit 16 zu Ende gewesen.

Bildgestaltung Zu Beginn der Stunde könnt ihr mit ganz verschiedenen Spielen starten, die letztlich alle auf das Rasensprenger-Prinzip hinführen. Der Hintergedanke dabei ist, dass wir all das, was wir im Alltag wahr- und aufnehmen, auch weitergeben. Spannend ist allerdings die Frage nach dem jeweiligen Was und Wie! Augen Ein paar Teilnehmende verlassen den Raum und werden später einzeln wieder hereingerufen. Bevor der Erste wieder den Raum betritt, erklärst und zeigst du pantomimisch, wie man z. B. ein Klo putzt, eine Pizza backt, ein Hemd bügelt o. Ä. Ein Freiwilliger aus der Runde muss nun genau das, jedoch ohne erklärende Worte, dem Ersten von draußen vorspielen. Der wiederum dem Nächsten usw. Zum Schluss muss der Letzte erraten, was ihm vorgespielt wird. Das, was mit den Augen wahrgenommen wurde, wird weitergegeben. Wie kommt es bei anderen an? 27


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Ohren „Stille Post“ mit Hintergrundmusik: Einer beginnt und flüstert dem Nebenmann ein möglichst verzwicktes Wort zu. Von da an läuft das Wort geflüstert von Ohr zu Ohr, bis der Letzte laut sagen muss, was er verstanden hat. Währenddessen wird nebenher gesungen, natürlich von und mit allen. Das, was wir mit den Ohren wahrnehmen, geben wir weiter. Doch versteht der andere, was wir meinen? Füße Jetzt wird die Gruppe in mindestens zwei Kleingruppen geteilt, die sich in eine Reihe nebeneinandersetzen. Die Gruppen müssen nun auf Zeit einen Getränkekasten mit leeren Plastikflaschen ausräumen, die Flaschen einander weitergeben und am Ende der Reihe in einen zweiten Kasten stellen. All das geschieht aber nur mit den Füßen! Welche Gruppe schafft es am schnellsten? Wir gehen an ganz verschiedene Orte. Was nehmen wir von dort aus mit? Was prägt und beeinflusst uns? Herz Für diese Aktion sollte die Gruppe bereit sein, einander wertzuschätzen und die Aufgabe ernst zu nehmen. Jeder schreibt auf ein Blatt Papier etwas, das ihm von Herzen lieb und wichtig ist. Ein Stichwort, einen Namen, einen Gedanken, den er für so wichtig und wertvoll erachtet, dass jeder ihn kennen sollte. Danach gibt man sein Blatt an den Nebenmann weiter, der das Wort liest und passend dazu, soweit das möglich ist, ein weiteres wichtiges eigenes „Etwas“ auf den Zettel schreibt. Nach und nach entstehen auf diesem Wege Mindmaps über Herzensangelegenheiten. Vieles bewegt, berührt und beschäftigt unsere Herzen, unsere Gefühle. Was davon geben wir an andere weiter? Für das Rasensprenger-Prinzip wäre es klasse, wenn du einen echten Rasensprenger als Anschauungsobjekt mit dabei hättest! Aber bevor du erklärst, was dieses Gerät mit unseren Augen, Ohren, Füßen und Herzen zu tun hat, ist es Zeit für Gottes Wort. Das Gleichnis Die Geschichte vom Schalksknecht besteht aus vier Szenen. Diese vier Szenen sollen nun die Teilnehmenden nach einer kurzen Vorbereitungszeit vorspielen. Wichtig ist es aber, das Gleichnis komplett zu lesen. Darüber hinaus ist es sicherlich gut zu überlegen, wie sich die jeweiligen Personen gefühlt haben. Was hat sie bewegt und motiviert, so zu reden und zu handeln? Und was haben die Menschen, die mit dabei waren, gedacht? 28


Von der Vergebung - Der Schalksknecht

Gut ist es, wenn jeder Gruppe eine Szene zugeteilt wird: 1. Szene: Die Frage des Petrus (V. 21-22) 2. Szene: Der Schalksknecht kommt vor den König (V. 23-27) 3. Szene: Der Schalksknecht und der Knecht (V. 28-30) 4. Szene: Der König und der Schalksknecht (V. 31-35) Jetzt lohnt es sich, über die Fragen zu diesem Gleichnis nachzudenken - ganz persönlich in aller Stille oder im Gespräch miteinander.

Spiegelbild Das Rasensprenger-Prinzip Ich weiß nicht, ob in deinem Garten ein Rasensprenger hin und wieder seine Arbeit tut. Diese kleinen Geräte sind faszinierend – besonders im Blick auf das Gleichnis Jesu von der Vergebung. Doch schauen wir zunächst nur auf den Rasensprenger: Normalerweise rauscht Wasser durch einen Schlauch in den Rasensprenger hinein und wird dann, durch viele kleine Löcher hindurch, weiter nach draußen gesprenkelt. Manchmal ist dabei sogar Bewegung mit im Spiel. Diese Tatsache sorgt besonders im Sommer immer wieder für schiere Begeisterung, wenn Kinder einen Rasensprenger als Abkühlung und Außendusche gebrauchen. Manchmal verursacht genau dies aber auch Ärger und Wut. Dann nämlich, wenn frisch gestylte und in der Hetze des Alltags gefangene Erwachsene aus Versehen vom Wasser erwischt werden. Letztlich bleibt jedoch zu sagen: Der Rasensprenger gibt das, was er erhält, unaufhaltsam an seine ganze Umgebung weiter. Und damit sind wir beim Kern der Geschichte vom Schalksknecht angekommen. Für jeden Leser und Zuhörer ist das Verhalten des Königs unlogisch und „das Geschenk“ für den Knecht unverdient: Ihm werden unfassbar hohe Schulden erlassen. Im Klartext: Der König verzichtet auf seinen eigenen Besitz. Er nimmt das entstandene Minus auf seine Kappe und wird es – wohl oder übel – selbst begleichen müssen. Die Vergebung, die der Knecht erlebt, ist im wahrsten Sinne des Wortes also eine Erleichterung: Die Schuldenlast ist von ihm genommen und Leben ist wieder möglich. Und genau das gilt auch dir, wenn du dein Leben in Verbindung mit Jesus Christus lebst. Dabei handelt es sich aber nicht um einen sichtbaren Wasserschlauch wie bei unserem Rasensprenger, sondern um eine unsichtbare Verbindung, durch die Gott dich mit Liebe, Geduld, Großzügigkeit und Vergebung durchflutet. Oder, um es im Bild des Rasensprengers zu sagen: Unfassbar viel Gutes rauscht von Jesus her in dich 29


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook