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Inhaltsverzeichnis Vorwort von Julia Doxat-Purser: Salz und Licht: Widersteht dem Tod und bringt Aroma und Hoffnung für die Welt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Bibeltext: Matthäus 25,31-46 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Einheiten 1. BEGABT und BEAUFTRAGT von Thorsten Riewesell . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2. Für HUNGRIGE und DURSTIGE von Dr. Thomas Kröck . . . . . . . . . . . . 19 3. Für FREMDE von Jörg Raddatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 4. Für OBDACHLOSE und BEDÜRFTIGE von Thorsten Riewesell . . . . . . .41 5. Für KRANKE von Stephan Hobrack . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 6. Für GEFANGENE von Irmtraud Meifert . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61 7. Für JESUS von Stephan Münch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71

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5. Für KRANKE von Stephan Hobrack

Biblischer Impuls Krankheiten sind keine Erfindung unserer Zeit. Sie gibt es von Anfang an; nun nicht ganz von Anfang, denn der Schöpfungsbericht liest sich nicht so, als würde dort dieses Problem auftauchen. „Sehr gut“ heißt es da, erstklassiges Prädikat für die Welt. Aber mit dem Sündenfall ist auch die Krankheit Teil des Menschen. Wer gerade nicht davon betroffen ist, für den ist es auch kein Problem, allerdings geht das häufig schneller, als man denkt. Plötzlich sitzt irgendwo ein tiefer Stachel in uns und bereitet Schmerzen, ruft Sorgen und Ängste hervor, die umso dringender werden, je bedrohlicher die Krankheit ist. Oder es ist die Ungewissheit, die Unsicherheit, die uns nicht mehr loslässt, möglicherweise noch schlimmer als eine niederschmetternde Diagnose. Ständiges Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung kann Menschen sehr nah an den Rand totaler Zerstörung bringen. Wenn man in die Bibel schaut, bekommt man spätestens im Neuen Testament sofort einen Eindruck davon, wie ernst Jesus die Krankheiten der Menschen nahm, die ihn umgaben. Allein in den vier Evangelien ist an mindestens 47 Stellen die Rede von Menschen, die mit ihren Krankheiten zu ihm kommen bzw. gebracht und von ihm geheilt werden. 51


Weiterhin wird häufig davon gesprochen, dass viele Kranke zu ihm gebracht wurden und er heilte sie alle (siehe z.B. Mt 9,35). Wir dürfen also davon ausgehen, dass Jesus noch sehr viel mehr mit kranken Menschen konfrontiert wurde, als uns das jeweils berichtet wird. Weitere Beispiele finden wir in der Apostelgeschichte, wo die von Jesus bevollmächtigten Apostel Petrus, Johannes und Paulus in seinem Namen Menschen von ihren Gebrechen heilen. Nehmen wir einmal den Bibeltext aus Lukas 14,1-6 zum Einstieg: Jesus ist mitten im Alltag. Ein besonderer Aspekt findet sich hier bereits. Denn als wäre es nicht schon schwer genug, sich um die Probleme der Menschen zu kümmern, muss er sich auch ständig mit den „oberen Zehntausend“ auseinandersetzen, denen sein Handeln ein Dorn im Auge ist. Und dann wird er noch beim Abendessen am Sabbat gestört. Aber für den Menschen, der da jetzt vor ihm ist, spielt das keine Rolle, er ist einfach nur froh, ihn endlich gefunden zu haben. Über seine möglicherweise sehr langen Versuche, an Jesus heranzukommen, wird nichts weiter berichtet. Aber es ist klar: Dieser Mensch setzt seine ganze Hoffnung auf ihn, denn was auch immer die etwas unscharfe Diagnose „Wassersucht“ beschreibt (es könnte sich um eine Leber-, Herz-, Hirn- oder Nierenerkrankung gehandelt haben) - sie war mit Sicherheit nicht heilbar, jedenfalls nicht mit den damals zur Verfügung stehenden Methoden. Das sollten wir uns bewusst machen, wenn wir mit kranken Menschen zu tun haben. Es könnte sein, dass wir für sie mehr Hoffnung verkörpern, als wir denken und als sie uns auch möglicherweise direkt entgegenbringen. Vielleicht bin ich jetzt endlich derjenige, der zuhört, Zeit hat, sein Gegenüber ernstnimmt und ihn nicht gleich irgendwohin weiterschickt. Wieviel Enttäuschung hat sich bereits angestaut, weil keiner bisher ernsthaft zugehört hat, obwohl das eigentlich seine Aufgabe war bzw. ist. Wollen wir dann wirklich in diese Bresche springen und lassen wir uns dann wirklich von Jesus gebrauchen, wie er es uns aufgetragen hat? Das könnte nämlich unter Umständen ziemlich unangenehm werden, denn wir werden gegen den allgemeinen Strom der Distanzhaltung und Unverbindlichkeit anschwimmen müssen. Und das kostet nicht nur jede Menge Kraft, sondern vielleicht unser gutes Ansehen vor anderen Leuten. Sind wir bereit, das zu riskieren? Auch wenn wir nichts weiter von dem Kranken erfahren (er wusste vielleicht selbst nicht mal genau, was er von Jesus erwarten konnte bzw. 52


sollte), soviel wird deutlich: Jesus ist hier die letzte Instanz. Anders ist kaum zu erklären, warum sich das ganze im Privathaus einer religiösen Führungspersönlichkeit der damaligen Zeit abspielt. Damit könnten sowohl Ort als auch Zeit unpassender nicht sein. Aber das ist Jesus egal, dieser Mensch ist jetzt wichtig und ohne auf die „Regeln“ seiner Zeit Rücksicht zu nehmen, widmet er ihm seine ganze Fürsorge und heilt ihn. Ich frage mich dabei, wie oft wir in unserem Handeln eher von der Frage bestimmt werden, was andere jetzt von uns denken könnten, und den, um den es eigentlich geht, dabei völlig aus dem Blickfeld verlieren. Plötzlich ertappen wir uns dabei, selbst im Mittelpunkt zu stehen, auch wenn das noch nicht mal unsere ursprüngliche Absicht gewesen ist. Und dann müssen wir uns genau wie die Schriftgelehrten damals von Jesus belehren lassen, dass nicht irgendwelche Meinungen oder Gesetze im Leben maßgebend sind, sondern das, was er von uns in dieser Situation erwartet. Dann darf die Frage schon mal gestellt werden: Was würde Jesus dazu sagen bzw. tun? In Gottes Augen bedürfen alle Menschen der Heilung, denn die Spuren der Trennung von Gott sind unübersehbar. Darum lädt Jesus Menschen ein, sich heilen zu lassen, an Leib und Seele neu zu werden in der Beziehung zu Gott und zu mir selbst.

Story Eine erfahrene Oberärztin berichtet aus ihrer langjährigen Tätigkeit: Es klopfte an der Tür. Ohne meine Aufforderung abzuwarten, stand der Pfleger in meinem Dienstzimmer: „Frau Doktor, es geht wirklich nicht mehr. Herr T. ist so unruhig, er fällt mir noch aus dem Bett.“ Ich folgte ihm in das Krankenzimmer des Sterbenden. Der warf sich von einer Seite auf die andere, richtete sich auf. Sanft drückte ich ihn in die Kissen zurück und nahm seine Hände in meine kalten. Das beruhigte ihn. Ich sprach ihn laut an, aber er reagierte nicht darauf. Mit einem Blick auf den Medikamentenplan vergewisserte ich mich, dass wohl kaum Schmerzen die Ursache seiner Unruhe waren. Auch Atemnot, Durst oder Verdauungsprobleme schien er nicht zu haben. Hatte er Todesangst? Bete mit ihm, kam es mir in den Sinn. Dass 53


er auch auf erneutes Ansprechen nicht reagierte, ließ mich zunächst zögern. Die Unruhe nahm wieder zu. „Herr Jesus Christus, du Heiland und Herr der Welt, weil du Todesnot erlebt hast und auferstanden bist, bitte ich dich: Erbarme dich über Herrn T. Vergib ihm seine Schuld, beschenke ihn mit deinem bluterkauften Frieden. Danke, dass du auf unser Bitten hörst.“ Ich fügte das „Vater unser“ an. Während ich betete, wurde mein Patient still. Mit entspannten Gesichtszügen lag er in seinen Kissen, als ich sein Zimmer verließ. Auf den fragenden Blick des Pflegers antwortete ich: „Nun wird es gehen.“ Herr T. blieb tatsächlich ruhig bis zu seinem Tod in der Nacht, wie ich am nächsten Tag erfuhr. Dieses Erlebnis in den ersten Jahren meiner Berufstätigkeit ermutigte mich, wenn es möglich war, mit Sterbenden zu beten. Jahre später kam es nach so einem Gebet zu einer besonderen Situation: Mein Patient war in der Nacht nicht wie erwartet gestorben, sondern er kam wieder zu Bewusstsein und es ging ihm deutlich besser. Von Tag zu Tag konnte man seine Genesung verfolgen und nach etwa 2 Wochen stand seine Entlassung an. Als er mein Zimmer betrat, um seine Papiere entgegenzunehmen, klopfte mir das Herz. Es geht jetzt um Gottes Ehre, wusste ich. Als Herr S. sich bei mir bedankte, sagte ich: „In der Nacht, als es Ihnen so schlecht ging und wir mit Ihrem Tod rechneten, habe ich mit Ihnen gebetet.“ „Ich weiß es, Frau Doktor“, antwortete er. Ich entgegnete: „Ich habe dafür gebetet, dass Gott Ihnen durch den Herrn Jesus alle Schuld vergibt und Sie mit seinem Frieden beschenkt. Gott hat Ihnen eine neue Chance gegeben.“ „Ich weiß das und ich will sie nutzen“, meinte er daraufhin. Einige Zeit später fand ich in der Zeitung seine Todesanzeige ... Ich arbeite auf einer Station, auf der vorwiegend chronisch Kranke behandelt werden. Etliche werden wiederholt aufgenommen, und ihre fortschreitende Erkrankung führt schließlich zum Tod. Ich lerne einzelne Patienten und ihre Angehörigen recht gut kennen. Es ist nicht leicht, das Leiden, das ja oft die ganze Familie betrifft, mit anzusehen. Es gilt einerseits, Vertrauen zu wecken und Hoffnung zu geben. Andererseits muss ich bei der Wahrheit bleiben und Abstand wahren. Diese Balance zu halten, ist eine echte Herausforderung. Ich habe oft gemerkt, dass ich der am besten gewachsen bin, wenn meine Verbindung zu Jesus eng ist. Wie oft habe ich vor Betreten eines Krankenzimmers um Tragkraft, Geduld und die richtigen Worte gebetet und dabei Erstaunliches erlebt. Einmal konnte ich einen Patienten, der seinen Verfall mit vollem Bewusstsein erlebte, mit einer Karte trösten, auf der der Spruch stand: 54


„Du kannst nicht tiefer fallen als nur in Gottes Hand, die er zum Heil uns allen barmherzig ausgespannt.“ Ich stellte die Karte in sein Blickfeld und betete mit ihm. (Ich frage Patienten möglichst immer vorher, ob sie es möchten, dass ich mit ihnen bete.) Als ich am nächsten Morgen zum Dienst kam, war der Patient verstorben. „Meine“ Karte war bei den Aufräumarbeiten auf die Erde gefallen. Ich steckte sie in die Kitteltasche. Stunden später saß die Ehefrau vor mir, und ich musste ihr die traurige Wahrheit sagen. Ich betete um Weisheit. Da fiel mir die Karte wieder ein. „Frau M., dass Sie nun ihren Mann verloren haben, ist ein schlimmer Kummer. Mir fällt es schwer, gute Worte zu finden. Aber ich habe etwas für Sie, das ist wie ein Vermächtnis für Sie von Ihrem Mann. Hier, diese Karte hat ihn vor seinem Tod getröstet, und ich glaube, das ist etwas, das auch Ihnen helfen kann.“ Weinend las sie den Spruch, schwieg eine Weile und sagte dann sich verabschiedend: „Ja, das ist wirklich gut, ich danke Ihnen.“ Manche Patienten werden durch ihre chronische Erkrankung mürrisch und unleidlich. So ging es mir und meinem Team mit einem „VdN“, einem Verfolgten des Nazi-Regimes. Er verband mit diesem gewissen Sonderstatus sein Recht auf Gesundheit und Wohlergehen und forderte das ein. Nicht nur einmal habe ich vor seiner Zimmertür ein Stoßgebet gesprochen: „Herr Jesus, dir zuliebe will ich jetzt gerade zu ihm freundlich sein.“ Als er im Sommer 1989 zur Behandlung aufgenommen werden musste, war er verändert. Wie ein Gebrochener lag er im Bett, und wir hörten ihn immer wieder murmeln: „Dafür habe ich nicht gekämpft, nein, dafür nicht.“ Einmal erzählte er bei der Visite, er wäre bei „Erich“ gewesen und wollte dem sagen, was „wirklich los“ sei, aber der habe ihn überhaupt nicht verstanden. Von da an tat mir der alte Mann nur noch leid. Ich beobachtete tagelang, dass er seine Hände gefaltet hatte. Eines Tages fasste ich Mut und sprach ihn daraufhin an. Da antwortete er mir: „Meine Mutter war eine gläubige Frau. Sie hat uns das Lied beigebracht: So nimm denn meine Hände und führe mich. Das ist mir jetzt wieder eingefallen, alles andere ist ja kaputt.“ Ihm war es recht, dass ich mit ihm betete, und er hörte still zu, als ich ihm an mehreren Abenden einen Psalm vorlas. Dann ist er gestorben; ich glaube es einfach: heimgegangen.

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Praxis

Bausteine zur praktischen Umsetzung

Hinsehen ist besser als wegsehen Das klingt auf den ersten Blick banal und plump, ist aber leider ziemlich ernst. Denn ein Teil unserer Probleme im Umgang mit Kranken rührt daher, dass keiner mehr richtig hinsieht, wenn es um Krankheit und körperliche Not geht. Damit ist aber nun nicht der erste Blick gemeint, der unsere Neugier und unser Klatschbedürfnis befriedigt. Wenn man als Notarzt zu einem Unfall gerufen wird, hat man schon mal Probleme, durch eine Zahl von „Gaffern“ zu dem Verletzten überhaupt durchzukommen. Aber es ist immer wieder unglaublich, wie schnell alle wegsehen bzw. direkt verschwunden sind, wenn man sie zur Hilfe auffordert. „Immer schön auf Distanz bleiben“, lautet die Devise, „aber dabei möglichst nicht die Plätze und den guten Blick in der ersten Reihe verlieren.“ Was der Nächste aber braucht, sind echte „Hingucker“, die mit helfenden Blicken sehen und diesen dann auch Taten folgen lassen. Fragen ist besser als reden Wir haben meistens viel zu erzählen. Dabei scheint es eine Art Naturgesetz zu sein, dass Krankheiten offenbar schier unerschöpflichen Gesprächsstoff bieten. In manchen Runden könnte man den Eindruck gewinnen, es gäbe schon beinahe keine anderen Themen mehr. Dabei wäre es unter Umständen sehr viel hilfreicher, den Kranken zu fragen, wie es ihm denn wirklich geht und ob er vielleicht ganz praktische Hilfe gebrauchen könnte. Hast du z.B. schon mal versucht, mit einem Gipsbein einkaufen zu gehen? Oder mit einem gebrochenen Arm zu duschen? Anstatt sich darüber auszulassen, dass das bei „dem Fahrstil ja irgendwann so kommen musste“ (Wenn irgendetwas kommt, gibt es immer einen, der es hatte kommen sehen …), könnte man auch an der Tür klingeln und Hilfe beim Wohnungputzen anbieten. Zuhören ist besser als mutmaßen Es gibt wohl kaum etwas Verletzenderes als nicht ernst gemeinte Fragen. Der Satz „Wie geht es dir?“ ist schnell gesprochen, aber das belanglose und oberflächliche Gerede, das sich so oft daran anschließt, ist ein sicherer Killer vertrauensvoller Beziehungen. Wenn ich schon frage, dann gehe ich auch die Verpflichtung ein zuzuhören. Wenn mich das nicht interessiert, was den anderen bewegt, sollte ich besser 56


den Mund halten und meine und des anderen Zeit nicht mit sinnlosem Geschwätz vertun. Unsere Gesellschaft krankt daran, dass immer weniger Menschen immer weniger wirklich zuhören. Wir mutmaßen statt dessen, glauben zu wissen und wundern uns hinterher über den Scherbenhaufen, der möglicherweise zurückbleibt. Unsere Beziehungen leben maßgeblich davon, wie wir dem anderen zuhören, denn nur so werden wir erfahren können, was er wirklich braucht. Trainieren ist besser als abwarten Nicht immer beginnt eine Krankheit langsam und schleichend. Manchmal kommt der „Blitz aus heiterem Himmel“. Bist du wirklich sicher, was du tun musst, wenn am Samstag früh beim Bäcker vor dir jemand plötzlich bewusstlos zusammenbricht? Die Zeit, bis der Notarzt kommt, kann sehr lang werden und das „outcome“ dieses Menschen ist dann ENTSCHEIDEND davon abhängig, wie du handelst oder eben nicht handelst … (unterlassene Hilfeleistung!). In der Fahrschule musste Jeder „Erste Hilfe“ erlernen, aber das ist wahrscheinlich lange her, und was nicht trainiert wird, verkümmert jämmerlich. Hilfe und Möglichkeiten gibt es bei fast allen caritativen Organisationen (DRK, Johanniter, Malteser, Agentur Notruf usw.) Come on help save a life! Losgehen ist besser als e-mailen Krankheit ist einer der wesentlichsten Vereinsamungsfaktoren, die es gibt. Kaum etwas isoliert so sehr wie der Verlust der körperlichen und/oder geistigen Gesundheit, und sei er auch noch so partiell. Wohlgemerkt: Es geht hier nicht um Verunglimpfung moderner Kommunikationsmedien. Aber der Besuch eines Kranken kann genau an dieser Stelle die ungemein wertvolle Brücke zurück zu den Menschen, zurück in die Gemeinschaft schlagen und ist durch kein Telefonat oder E-mail zu ersetzen. Im Übrigen ist der Krankenbesuch keine Erfindung unserer Zeit, er hat eine viel tiefere, geistliche Dimension. Paulus schreibt im Korintherbrief: „Wenn einer leidet, leiden alle mit“ (1. Kor. 12,26). Hier wird besonders betont, dass die Gemeinde ihre Kranken eben nicht im Stich lässt, ganz im Gegensatz zur Praxis der Antike, in der man Kranke aussonderte, isolierte oder sie der Gesellschaft verwies. Jesus fordert in Matthäus 25,36 zum Krankenbesuch auf und legt in Matthäus 18,20 eine besondere Verheißung auf den wichtigsten aller praktischen Bausteine:

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Beten ist besser als schweigen Natürlich kann es sein, dass eine Situation auch erfordert, mal zur Ruhe zu kommen, in sich zu gehen, gemeinsam zu schweigen. Liebe- und respektvoller Körperkontakt kann mehr sagen als 1000 Worte und sehr, sehr wertvoll sein, vor allem dann, wenn eine verbale Kommunikation nicht mehr möglich ist. Trotzdem ist das Wichtigste, was wir für einen Kranken tun können, das Gebet. Hier kommt eine wesentliche Dimension ins Spiel, denn Gott, der Herr über Leben und Tod, hat uns mit diesem Werkzeug eine Möglichkeit eröffnet, über unsere irdischen Grenzen hinweg für den Nächsten einzutreten, gemeinsam oder auch allein. Oben in den Erlebnisberichten wird das exemplarisch besonders deutlich. In Jakobus 5, 13-18 wird uns vom Gebet des Glaubens berichtet, auch Heilungsgebet genannt. Leider ist dies heute weitgehend in den Hintergrund getreten und wird kaum mehr praktiziert. Es gibt viele Unsicherheiten, die möglicherweise einem Erfolgsdruck entspringen. Was ist, wenn keine Heilung geschieht? Wer hat dann Schuld? Was ist mit dem Zusammenhang von Schuld und Krankheit? Bei genauer Betrachtung wird deutlich, dass dazwischen sehr wohl ein Zusammenhang besteht, allerdings ist es höchst problematisch, diesen dem Kranken als Außenstehender „vorzuhalten“. Das eigene Besinnen auf begangene Schuld und die daraus folgenden gesundheitlichen Probleme kann allerdings der Beginn eines Prozesses sein, an dessen Ende auch die körperliche Heilung stehen kann - nicht muss. Vom gegenseitigen Schuldbekenntnis und dem Gebet füreinander ist die Rede, und ausdrücklich werden beide Seiten, der Kranke und der „Heilende“, dabei genannt. Die Kraft der Vergebung ist das größte Geschenk, das Gott uns Menschen dabei zusichert. Konkret Überlegt euch, wo und wie ihr anpacken könntet. Hier ein paar Ideen: > Singen im Krankenhaus oder einfach nur Kranke besuchen. > Kindergottesdienst oder andere Veranstaltungen in einem Kinderkrankenhaus anbieten. > Anfangen, für Ärzte, Krankenschwestern und Pfleger zu beten. > Gelder sammeln für wichtige Projekte, z.B. gegen HIV/AIDS > In der Gemeinde konkret die Frage nach dem Heilungsgebet (Jak 5,13-18) stellen und nach Möglichkeiten der Umsetzung suchen.

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Impulse

Was bedeutet Diakonie (bisher) in meinem Leben?

Kรถnnte es sein, dass Gott mich in meinem Berufsleben genau an dieser Stelle haben mรถchte?

Welche Faktoren bremsen das Heilungsgebet in meiner Gemeinde?

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Persönliche Bibellese für die kommende Woche Johannes 5,1-9: Warum stellt Jesus diese verrückte Frage: „Willst du gesund werden?“ Ist es nicht selbstverständlich, dass man nach 38 Jahren Krankheit gesund werden will? Oder hat man sich in der Krankheit „eingenistet“ und kann ein neues Leben gar nicht wagen?

Johannes 9,1-41: Eine geniale Geschichte zum Thema „Blindheit“ und zum Zusammenhang von Sünde und Krankheit. Bei Jesus ist der Blinde kein Spielball wilder Theorien, sondern ein geliebter Mensch, der Hilfe braucht.

Matthhäus 20,29-34: Jesus hört die Not und weist Notleidende nicht zurück.

Markus 2,1-12: Diese vier Männer sind klug. Was lässt du dir einfallen, um kranke Menschen oder auch „kranke“ Verhältnisse zu Jesus zu bringen?

Lukas 10,25-37: Was zeichnet den Samariter aus?

Jakobus 5,13-18: Hast du solch ein Gebet schon einmal miterlebt? Wie stehst du, wie steht deine Gemeinde dazu?

Lukas 5,12-16: Jesu Einsatz gilt dem Aussatz. Aber macht er sich nicht selbst unrein? Was bist du bereit zu riskieren und einzusetzen, um anderen zu helfen?

Vertiefend möchte ich ausdrücklich auf die Artikel von R. Lau und P. Zimmerling in „akzente“, Heft 06-1 hinweisen und diese zur Lektüre sehr empfehlen. Als pdfdownload unter www.rgav.de erhältlich. 60


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