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Vorwort
„Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe der große und schreckliche Tag des Herrn kommt, der wird das Herz der Väter bekehren zu den Söhnen und das Herz der Söhne zu den Vätern“ (Maleachi 3,23f.). Damit klingt das Alte Testament aus. Der Krieg der Generationen wird einmal zu Ende sein. Dann endlich findet zusammen, was zusammengehört. So weit sind wir heute noch nicht. Aber es lohnt, sich heute bereits zielgemäß zu verhalten und das gute Miteinander zwischen den verschiedenen Generationen einzuüben. Unser Problem ist so alt wie die Welt. Das hat zum einen mit der Sünde zu tun. Das vergiftete Verhältnis zu Gott hat verheerende Folgen für das Miteinander: Generationen leben sich auseinander. - Zum anderen geht es völlig undramatisch um natürliche Wachstumsprozesse. Jede Generation macht eigene Erfahrungen und wird davon unterschiedlich geprägt. Dass dabei Reibungsflächen entstehen, ist völlig normal. Die sollen sich jedoch nicht trennend, sondern belebend auswirken. Jede Altersgruppe bringt Schätze mit: die Unbefangenheit der Kinder, die Spontaneität und den Ideenreichtum der Jugend, die tatkräftige Unternehmungslust der mittleren Generation und erst recht die Lebenserfahrung und Verlässlichkeit der Älteren. Jede Generation ist so reich, dass sie der anderen etwas geben kann. Und zugleich ist jede Generation so bedürftig, dass sie auf andere Generationen angewiesen ist. Dieses Buch regt an, die Schätze der Generationen zu heben und sie für das Ganze der Gemeinde fruchtbar zu machen. Deshalb bleiben die Artikel nicht im Theoretischen stehen, sondern erweisen ihre Bodenhaftung in den zahlreichen praktischen Schritten, die sie aufzeigen. Ich wünsche und erbitte, dass sie vor Ort auch gründlich bedacht und zielstrebig gegangen werden. Denn eine christliche Gemeinde, in der die Generationen wertschätzend und liebevoll miteinander umgehen, erweist sich heute als der beste Werbeträger für den Glauben. Dr. Christoph Morgner Präses des Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverbandes
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Vorwort Die Jugend ist die Gemeinde von Morgen. Sicher? Dieser Satz stimmt nur unter der Voraussetzung, dass die Jugend jetzt bereits Teil der Gemeinde von heute ist und nicht außerhalb steht. Wenn es unsere ehrliche Überzeugung ist, dass Alte und Junge gemeinsam die Familie Gottes bilden, dann braucht es bei den „Eltern“ einen ausdrücklichen Willen zum Kind und ein Ja zu dem, was Kinder eben so mit sich bringen: durchwachte Nächte, Unordnung in der Wohnung und pubertäre Widerstände. Für ein gesundes Familienleben reicht es nicht, Kinder in unserer Mitte zu dulden, sondern wir müssen mit ihnen gemeinsam leben, gemeinsam essen, miteinander reden - und uns manchmal gegenseitig ertragen. Zum gemeinsamen Leben gehört auch, dass man sich gegenseitig Freiräume gibt. Aber: Das Wohnzimmer gehört allen. Es geht nicht an, dass die Jugend im direkten und übertragenen Sinne ihren Platz im fensterlosen Keller bekommt und die „richtigen“ Gemeinderäume von den Eltern besetzt und gestaltet werden. Im gemeinsamen Wohnzimmer können wir dann auch um die richtigen Formen des Miteinanders ringen und die Jungen an unserer Erfahrung teilhaben lassen. Es hat schon zu viele gut gemeinte, aber halbherzige Anläufe zu einem guten Miteinander der Generationen gegeben. Ich wünsche mir sehnlich, dass mit dem Prozess „Zahnrad“ wirklich ein konsequenter neuer Aufbruch zueinander und miteinander erfolgt. Rudolf Westerheide Bundespfarrer des Deutschen EC-Verbandes
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Jung und Alt - von Vorteilen und Vorurteilen
2 Gemeinde - meine Familie und ich? 1. Einstieg 1.1 Story Im Zuge einer Grippewelle verkündigte ein Gesundheitsamt folgende Warnmeldung: „Bitte vermeiden Sie, anderen die Hand zu schütteln. Teilen Sie keine Küsschen aus und nehmen Sie auch keine entgegen. Meiden Sie Menschenansammlungen.“ Daraufhin eine Kirchgängerin: „Na, dann kann ich ja beruhigt zur Kirche gehen. Dort begrüßt mich keiner, keiner gibt mir ein Küsschen und in meiner Bank sitze ich sowieso alleine!“ 1.2 Video Auf der DVD „... ankommen!“ (erschienen im Born-Verlag) gibt es drei Einstiegsvideos zum Thema „Gemeinde“. Auch auf der DVD „Sinnlicht“ (ebenfalls BornVerlag) gibt es einen weiteren guten Clip zum Thema „Gemeinschaft“. 1.3 Ein bitterer Witz Unterhalten sich drei Gemeindeleiter über die Fledermäuse, die sich während ihrer Dienstzeit in der Kirche ausgebreitet haben. Sagt der eine: „Ich habe mir ein Luftgewehr gekauft und immer in den Schwarm geschossen. Die hatten sich aber so schnell vermehrt, dass es keinen Zweck hatte.“ Der andere darauf: „Ich habe sie alle in meinen Kleinbus gelockt, bin bis nach Dänemark gefahren und habe sie dort fliegen lassen. Aber die Dinger kennen sich ja bestens aus durch ihr Satellitengehirn und waren fast vor mir wieder in der Kirche.“ Darauf der dritte: „Ich habe sie beseitigt.“ - „Wie?“ - „Naja, zunächst habe ich sie getauft, dann konfirmiert und seit diesem Tag habe ich sie nicht mehr in der Kirche gesehen.“ Ein bitterer Witz, der leider in manchen Gemeinden zur Realität geworden ist. Da gibt es noch Jugendarbeit bis zur Konfirmation, aber dann bricht es oftmals ab und nur noch Ältere machen sich auf, den Gottesdienst zu besuchen. 1.4 Plädoyer Neulich rief mich jemand an und sagte, dass in seiner Jungschar nur noch ein Kind 20
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von zehn aus einer „normalen“ Ehe stammt, wo es noch Vater und Mutter gibt und diese auch noch die leiblichen Eltern des Kindes sind. Viele Ehen und Familien zerbrechen in unseren Tagen und manche Kinder wissen gar nicht mehr, was Familie eigentlich überhaupt ist. Zudem steht unsere Gesellschaft im Zuge zunehmender Generationskonflikte vor großen Herausforderungen und Zerreißproben. „Wie werden immer weniger junge Menschen immer mehr alte Menschen finanziell versorgen können?“. Diese und andere Fragen haben schon in jüngster Vergangenheit zu schmerzhaften Diskussionen geführt. Wir brauchen dringend Gemeinden, die ein wohltuendes Miteinander der Generationen leben und vorleben, wie man trotz mancher Streitigkeiten versöhnend und einander achtend auf dem Weg bleibt. Wir brauchen dringend „geistliche Väter und Mütter“, die in der Gemeinde Familie leben und junge Menschen begleiten und unterstützen. Wir brauchen dringend verantwortungsvolle Leiter, die mit Gottes Hilfe die Herausforderungen unserer Zeit erkennen und annehmen. Gelebte Gemeinde ist in unserer Zeit ein zugleich provozierendes wie faszinierendes Bild. Ein buntes Bild, das wir Menschen von heute vor Augen malen dürfen, die nur noch schwarz oder schwarz/weiß sehen können. Christus bekennt sich zu dieser neuen Familie Gottes und gibt ihr eine besondere Stellung (Mk 3,31-35). Diese Familie Gottes darf die Gemeinde von heute werden und sein.
2. Input: Gemeinde = Familie in der Kraft der Einheit 2.1 Epheser 4,1-6 Paulus ist absolut fasziniert von Gemeinde. In der Gemeinde steckt eine gewaltige Kraft, wenn denn die einzelnen Glieder am Leib, die Gemeindeglieder, wirklich füreinander und miteinander unterwegs sind. Natürlich kennt Paulus auch das andere: Den Streit, die Unversöhnlichkeit, die Machtfragen und nicht selten muss er in seinen Briefen die Gemeinden ermahnen, Versöhnung zu leben und sich auf Christus auszurichten. Er weiß, dass es auf Erden keine perfekte Gemeinde geben wird, zumindest nicht in dem Sinne wie wir gewohnt sind „perfekt“ zu definieren. Dennoch ist Gemeinde ein absolut faszinierendes Modell gelebter Liebe und Einheit in dieser Welt, in der Familien und Gesellschaften am Egoismus und Streit zerbrechen. 21
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Gemeinde - meine Familie und ich?
Zu dem englischen Prediger Spurgeon kam einmal ein junger Mann, der meinte: „Ich bringe es einfach nicht fertig, mich einer der bestehenden Gemeinden anzuschließen. Sie sind alle zu weit weg vom Ideal.“ Darauf antwortete Spurgeon: „Das ist wahr, eine vollkommene Gemeinde gibt es nicht. Wenn Sie warten wollen, bis Sie eine vollkommene Gemeinde gefunden haben, so können Sie warten bis zu Ihrem Eintritt in den Himmel. Wenn Sie aber jemals vorher eine vollkommene Kirche finden, sollte diese sich weigern, Sie aufzunehmen. Sie hätte sonst aufgehört, vollkommen zu sein.“ Wir müssen uns von falschen Bildern einer perfekten Gemeinschaft trennen, um in ehrlicher und offener Weise Gemeinschaft zu leben und gemeinsam zu wachsen. Auf der Erde gibt es keine perfekte Gemeinde - das erwartet auch keiner. Aber es gibt Gemeinden, die eine ungeheure Ausstrahlung und Anziehungskraft besitzen, weil an ihr und in ihr spürbar wird, dass sie mit und für Jesus leben und er ihr Mittelpunkt ist. In der Apostelgeschichte (2,37-47) lesen wir von solch einer Gemeinde, die schon allein durch ihre Art, miteinander zu leben, neugierig macht. Sie ist wie ein Weinstock, dessen Reben große, in der Sonne glänzende Früchte tragen, die geradezu dazu einladen, anzubeißen, um mehr von der Kraft und Quelle dieser Gemeinde zu erfahren. Eine Gemeinde, die in aller Unterschiedlichkeit ihrer Menschen - und gerade die erste Gemeinde war ein bunter Haufen - in Einheit lebt, teilt, Gott lobt und einander stärkt und ermutigt. Wir Menschen sind unterschiedlich und das ist klasse, von Gott gemacht und gewollt. Wir sollen nicht eins werden, in dem alle gleich werden. Nein, wir dürfen und sollen unsere geschenkte Einzigartigkeit leben und damit den Platz in der Gemeinde und Welt einnehmen, den wir am besten ausfüllen können. 2.2 Wie wird diese Einheit deutlich? Als sich im Krieg die befreundeten Briten und Amerikaner eigentlich unabsichtlich beschossen und verletzten, da nannte man das „Friendly Fire“ - „Freundliches Feuer“. Ein irrer Name, wenn man bedenkt, dass bei diesen Fehlschüssen auch einige Menschen starben. Manchmal gibt es auch in Gemeinden „friendly fire“ - die, die eigentlich fest miteinander verbündet sind, schießen und verletzen oftmals ungewollt, aber unbedacht einander. Besonders unsere Worte übereinander sind gefährliche Waffen. Ihre Schusskraft ist gewaltig und zerstörerisch. Einmal abgeschossen ist ein Wort nicht mehr rückholbar - und mit den Möglichkeiten unserer Tage kann ich mit einem Klick verletzende, kriegerische Worte per Mail einmal um den Globus schicken. 22
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Gemeinde - meine Familie und ich? Darstellung/Spiel: Bitte zwei aus der Gruppe ein Bild (z.B. Auto) „blind“ zu malen, nicht mit einem Stift, sondern mit einer farbigen Zahncreme, die sie per Tube auf das Papier drücken! Nach einer Minute wird abgestimmt - wer hat am besten gemalt? Beide Teilnehmer bekommen einen kleinen Preis.Nun erkläre, dass die Aufgabe eigentlich noch umfangreicher ist, denn jetzt müssen die Teilnehmer versuchen, die Zahncreme wieder zurück in die Tube zu bekommen. Das geht natürlich so gut wie gar nicht. Botschaft: Es ist leicht, verletzende Worte „auszudrücken“, aber fast unmöglich sie wieder einzufangen. Worte haben schon ganze Generationen getrennt, Familien und Gemeinden auseinander gerissen. Einheit zu leben, bedeutet nicht, alles kritiklos hinzunehmen oder jeden Streit zu vermeiden. Wir dürfen und müssen um manche Dinge streiten in der Gemeinde, aber wir müssen dabei einander achten und nicht verletzen. Dort aber, wo wir einander verletzt haben - und das kommt vor - brauchen wir die Größe, wieder aufeinander zuzugehen und Vergebung zu erbitten und zu gewähren. Für weniger ist Gemeinschaft nicht zu haben, aber genau darin liegt ihre Stärke. In Jesus haben wir nicht unsere Worte, sondern das Wort Gottes in unserer Mitte. Das Wort, dessen Liebe und Kraft die Verletzungen unserer Worte zu heilen vermag. Das Wort, das uns lehrt, einander zu schätzen und segnende, heilende Worte füreinander und für diese Welt zu finden. 2.3 Freunde In Kalifornien gibt es Mammutbäume, die teilweise über 3000 Jahre alt sind. Sie erreichen Höhen von über 130 Metern. Der säulenförmige Stamm hat einen Durchmesser von bis zu 12 Metern. Man fragt sich, warum werden diese Bäume so alt und groß? Warum kippen sie bei den schweren Stürmen ihres Lebens nicht um? Sie haben nicht einmal Pfahlwurzeln, die sich tief ins Erdreich graben würden. Forschungen ergaben: Diese Bäume kommen nur in Gruppen vor. Sie verflechten sich dabei im Wurzelwerk so stark, dass kein Baum umkippen kann. Sie „umarmen“ und halten sich im „unsichtbaren“ Bereich. Für mich ist das ein starkes Bild für Gemeinde. Wir dürfen einander halten und stärken und werden ebenso von anderen gehalten, so dass auch schwere Stürme des Lebens uns nicht einfach umkippen lassen. Ich habe es manches Mal erlebt, wie mich Menschen meiner Gemeinde getragen und im sichtbaren und unsichtbaren Bereich 23
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umarmt und gehalten haben. Wenn mir der Wind um die Ohren pfiff, waren Freunde da, um mit mir zu beten, mir praktisch zu helfen, mir mit ihrem ganzen Sein Gottes Liebe und Fürsorge zu verdeutlichen. Gemeinde, die fasziniert. „Daran“, so sagt Jesus, denen, die mit ihm leben, „daran werden sie euch als meine Jünger erkennen, dass ihr Liebe untereinander lebt.“ Das ist das Licht, das eine Gemeinde weithin sichtbar machen soll, anlockt und einlädt einzutreten. 2.4 Fürsorge Diese Liebe geht über die Grenzen der Gemeinde hinaus. Mich faszinieren Gemeinden, die sich nicht einigeln, sondern Gottes Auftrag für ihre Stadt und Region erkennen und engagiert leben. Wie faszinierend war die junge Gemeinde aus Apg 2, die sich wie Jesus um Menschen am Rande der Gesellschaft kümmerte - wie erfrischend sind heute Gemeinden, die in einer vielfach jammernden und egoistischen Gesellschaft die Probleme ihrer Zeit und Stadt anpacken. Wie faszinierend sind Gemeinden, in denen sich die Generationen nicht auseinander leben und die eine die andere als „Last“ beschimpft, sondern in der Junge für Alte und Alte für Junge eintreten, in größter Achtung und Liebe. Gemeinde fasziniert nicht dadurch, dass sie möglichst konform zur Gesellschaft läuft und alles mitmacht, sondern aus dem Motiv der Liebe Gottes heraus, einen wohltuenden Kontrast bildet. Ich denke an Gemeinden, wo junge Leute ältere Menschen versorgen, oder „Tafeln“ für Obdachlose anbieten. Ich denke an Gemeinden, in denen Ältere für Familien und Alleinerziehende da sind, Anlaufpunkte bilden, Babysitterdienste und Mittagsangebote schaffen. 2.5 Stärkung Einheit finde ich auch darin, dass ich anderen nicht gleichgültig bin. Hinter der Formel: „Tu einfach, was du willst. Du bist o.k.“ steckt oft eine grausame Gleichgültigkeit. Ich freue mich an Menschen, die mich in Wahrheit und Liebe begleiten. Menschen, die mir die Wahrheit nicht verschweigen und mir auch sagen, was aus ihrem Blick nicht gut in meinem Leben läuft. Menschen, die mir diese Wahrheit aber nicht wie einen kalten Waschlappen um die Ohren schlagen, sondern die die Wahrheit in den Mantel der Liebe kleiden. Generationen in der Gemeinde brauchen einander auch als liebevolle Korrektur - und da darf der Alte den Jungen, aber auch der Junge den Alten ansprechen. „Ein Bauer war längere Zeit nicht mehr zur Gemeinde gekommen. Nun suchte ihn 24
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Gemeinde - meine Familie und ich? der Pastor auf. Sie saßen gemeinsam vor dem Kamin und schwiegen. Nach einer längeren Zeit des Schweigens nahm der Pastor ein Stück Holz aus der Mitte des Feuers zur Seite weg. Bald hörte es auf zu glimmen und verglühte. Da wurde der Bauer gesprächig: ‘Ich habe ihre Predigt verstanden. Was nicht im Zentrum bleibt, verglimmt. Ich werde wieder kommen.’“ 2.6 Ein Haus, keine Mauer Paulus weist darauf hin: Ihr seid ein Leib! Wir sind lebendige Steine im Bau der Gemeinde, Christus aber ist der wichtigste Stein, der Eckstein, das Fundament jeder Gemeinde. Wir sind lebendige Steine - was bedeutet das für das Miteinander? Jeder Stein hat eine Unterseite, er wird auf andere Steine gelegt, die schon vorher lagen. Das erinnert uns daran, dass die Gemeinde eine Geschichte hat und schon viele vor uns gebaut haben. Wir dürfen an dem Bau weiterbauen, den Generationen vor uns errichtet haben. Selbst der, der eine neue Gemeinde gründet, baut auf dem auf, was Menschen vor uns geglaubt und gebaut haben. Ehre das, was war und an diesem Ort schon geschehen ist. Werde dankbar für die, die schon vorher hier für Gott unterwegs waren. Jeder Stein hat eine Oberseite. Sie erinnert uns daran, dass mit uns der Bau nicht fertig wird, sondern hoffentlich viele weitere Generationen kommen und sich als Christen am Bau der Gemeinde beteiligen. Ehre die Generationen nach dir, auch dann, wenn sie anders bauen als du es getan hättest, aber sich an Christus orientieren. Gib ihnen Freiraum zum Weiterbau und danke Gott dafür, dass es neue Bauleute gibt. Jeder Stein hat auch eine Außenseite. Was ist von außen von der Gemeinde sichtbar? Nur Fassade oder eine einladende Gemeinde mit Inhalt? Die Außenseite provoziert uns, ruft uns heraus, um Menschen in das Haus Gottes einzuladen. Lade im Miteinander der Generationen zur Gemeinde ein. Ehre und achte die jeweilige Art, in der die Generationen ihre Generation für Christus erreichen möchte und freue dich an ihrer Liebe für die, die Christus noch nicht kennen. Die Innenseite eines Steines ist zur Mitte, zum Zentrum gekehrt. Sie hat für das Leben und den Dienst der Gemeinde wesentliche Bedeutung. Es geht um die Ausrichtung auf Gott und sein Wort. Wie genial ist es, miteinander Christus neu zu suchen, Vergebung zu leben und Abendmahl zu feiern - auf die Erlebnisse des Anderen zu hören und andere durch eigene Erfahrungen mit Gott zu stärken. Ehre die 25
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Erfahrungen des Anderen und seine Art, Christus zu begegnen. Freue dich an der Sehnsucht des Anderen, die Liebe und Wahrheit Christi zu erfahren. Erzählt einander und teilt eure Erfahrungen mit Gott, egal wie jung oder alt ihr seid. Die Stirnseiten halten den festen Kontakt zu den anderen Steinen. Lasst den Mörtel der Liebe nicht bröckeln, sondern haltet einander als Freunde und Geschwister. Ehre den anderen in seiner Einzigartigkeit und freue dich an der Vielfalt deiner Brüder und Schwestern. Diese lebendigen Steine bilden keine ausschließende Mauer, sondern ein einladendes Haus. Also hoffentlich nicht wie in diesem Witz: „Ein Obdachloser versuchte, in einer vornehmen Gemeinde aufgenommen zu werden. Der Pastor war reserviert. „Nun“, sagte er, „da bin ich nicht sicher, ob es unseren Gemeindegliedern recht sein würde. Ich schlage vor, Sie gehen erst einmal nach Hause und beten darüber und warten ab, was Ihnen der Allmächtige dazu zu sagen hat. Ein paar Tage später kam der Obdachlose wieder und sagte zum Pastor: „Ich habe ihren Rat befolgt. Ich sprach mit Gott über die Sache und er sagte ‘Bedenke, dass es sich um eine sehr exklusive Kirche handelt. Du wirst wahrscheinlich nicht hineinkommen. Ich selber versuche es schon seit vielen Jahren, aber es ist mir bis heute nicht gelungen.’“ Gemeinde darf zu einem wohltuend einladenden Gebäude werden, in der Menschen ein Zuhause, Freunde und Stärkung finden dürfen.
3. Gruppengespräch 1. Betrachtet den Stein: Wie seht ihr die einzelnen Seiten (Unter-, Ober-, Außen-, Innen- und Stirnseite) bei euch persönlich und in der Gemeinde ausgeprägt? 2. Wo habt ihr Freundschaft und Fürsorge in der Gemeinde gelebt und erlebt?
4. Input: Einheit und Wachstum in der Vielfalt der Gaben (Eph 4,11-16) Paulus redet von den Gaben, die uns geschenkt werden und die nicht der Selbstdarstellung, sondern dem Wohl der ganzen Gemeinde dienen sollen. Gaben, die wir einbringen dürfen, um die Gemeinde zu stärken und fit zu machen für die Herausforderungen unserer Zeit. 26
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Gemeinde - meine Familie und ich? Jesus als Vorbild Jesus macht es deutlich. Mit eurer Gabe sollt ihr keine Macht ausüben über den Anderen, sondern dem anderen und der Gemeinde dienen. So wie Jesus selbst, der Herr, sich niederkniet und seinen Jüngern die Füße wäscht, so soll es auch unter den Jüngern sein (Joh 13). Das ist verrückt, das ver-rückt die Maßstäbe unserer Welt, aber es fasziniert in einer Welt, in der jeder nur das Seine sucht. Jeder ist begabt Es gibt nach der Bibel keinen Christen, der nicht begabt ist und wir sind eingeladen, unsere Gaben nicht zu lagern, sondern fröhlich und mutig einzusetzen. In 1. Petrus 4,10 schreibt Petrus: „Dient einander, ein jeder mit der Gabe, die er empfangen hat, als die guten Haushalter der mancherlei Gnade Gottes.“ Alte und Junge haben Gaben und wir dürfen gemeinsam die Aufgabenfelder in der Gemeinde entdecken. Ein Team Eine Gemeinschaft ist wie ein Fußballteam zur Ehre Gottes. Jesus ist der Trainer und die Bibel unser Trainingshandbuch. Da gibt es Stürmer und Verteidiger. Solche, die gern und schnell voran stürmen. Die schwungvoll nach vorne gehen und unbedingt gewinnen wollen und andere, die eher absichern und bewahren möchten, damit der Sieg nicht aus der Hand gegeben wird, weil das Tor für den Gegner völlig offen steht. Es gibt in jeder Gemeinde solche, die voran stürmen und andere, die bewahren möchten. Beides - Sturm und Abwehr - sind wichtig. Natürlich schimpft der Sturm gern mal auf die Abwehr, weil sie nur „hinten stehen“ und den Sturm zu wenig unterstützen. Natürlich schimpft auch die Abwehr auf den Sturm, weil sie nur nach vorne drängen, aber die Gefahr des Gegners unterschätzen und zu wenig für die Abwehr von Angriffen tun. Da ist es wichtig, wirklich auf den Trainer zu hören und es ist wichtig, ein gutes Mittelfeld zu haben, das vermitteln und überbrücken kann. Menschen, die eine wichtige Aufgabe darin sehen, die Stärken der Abwehr mit den Stärken der Stürmer zu verbinden, um daraus ein starkes Team zu machen. Gemeinsam wachsen Paulus schreibt dann in Epheser 4,15: „Lasst uns aber wahrhaftig sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken zu dem hin, der das Haupt ist, Christus!“ Nicht Still27
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stand ist angesagt, sondern Wachstum. Wahrhaftigkeit und Liebe sind die besten Dünger einer wachsenden, gedeihenden Gemeinde. Ich merke, wie mein Glaube wächst, wenn er liebevoll von Freunden hinterfragt wird, die zugleich mit ihrem ganzen Sein signalisieren: Wir sind für dich da! Wachsen in Richtung Jesus - eine bessere Richtung gibt es nicht. Er ist das Haupt, er ist das Ziel. Wir bauen an einem gewaltigen und einzigartigen Bau - mit dem Ziel vor Augen. Denken wir an die drei Arbeiter, die auf der gleichen Baustelle tätig sind. Der eine sagt: „Ich baue mit, weil es mein Job ist.“ Der Nächste sagt: „Ich arbeite, um über die Runden zu kommen.“ Der Dritte sagt: „Ich baue an einer Gemeinde mit, einem Ort, an dem Menschen Frieden finden und Gott begegnen können!“ Haben wir diese Vision? Bauen wir als unterschiedliche Generationen unter der gleichen Vision, die uns alle ermutigt? Gemeinde ist ein Geschenk! Bonhoeffer sagte einmal: „Es wird leicht vergessen, dass die Gemeinschaft ein Gnadengeschenk aus dem Reich Gottes ist, dass uns täglich genommen werden kann, dass es nur eine kurze Zeit sein mag, die uns noch von der tiefsten Einsamkeit trennt. Darum, wer bis zur Stunde ein gemeinsames christliches Leben mit anderen Brüdern führen darf, der preise Gottes Gnade aus tiefstem Herzen, der danke Gott auf Knien und erkenne: Es ist Gnade, nichts als Gnade, dass wir heute noch in der Gemeinschaft christlicher Brüder leben dürfen.“ Dieses Geschenk dürfen wir nicht achtlos zur Seite legen, sondern auspacken und zur vollen Entfaltung bringen.
5. Gruppengespräch 1. Wo findet ihr euch auf dem „Fußballplatz“ wieder? Steht ihr am richtigen Platz mit eurer Einstellung und Begabung? Wo sehen dich die anderen? Wie seht ihr eure Gemeinde als Team? Gibt es Sturm, Abwehr und Mittelfeld? 2. Was ist in den letzten zwei Jahren in der Gemeinde gewachsen? Wodurch ist es gewachsen und wodurch ist anderes eingegangen oder kleiner geworden?
6. Schlussgedanken Wir brauchen die Gemeindefamilie. In einer Zeit, in der Familien auseinander brechen, brauchen wir starke Gemeinschaften, in denen wir Halt finden. In einer Zeit 28
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Gemeinde - meine Familie und ich? stärker werdender sozialer Probleme brauchen wir die Gemeindefamilie, in der wir einander unterstützen und füreinander eintreten. In einer Zeit verwirrender Informationen und unübersichtlicher Möglichkeiten brauchen insbesondere Jugendliche geistliche Väter und Mütter, die ihnen helfen, den „roten Faden“ Gottes in ihrem Leben zu entdecken und ihren Weg an Seiner Hand zu gehen. Wir lehren oft das „Wort“ Gottes und vergessen vielleicht dabei, dass dieses Wort Gottes „Fleisch“ wurde in Jesus Christus. Das Wort Gottes wird greifbar in einem Jesus Christus, der sich den Menschen und ihren Nöten und Fragen zuwendet. Die Liebe Gottes ist keine Theorie, sondern in der Gemeinde Gottes greifbare Realität. Praktisch: Welche Ängste und Sorgen beschäftigen die Menschen in unserem Ort, in der Umgebung unserer Gemeinde? Wie können wir ihnen und uns zur Familie werden, die füreinander sorgt? Vielleicht ist es dran, einen Kreis für Alleinerziehende zu gründen, in dem diese mit ihren Fragen und Sorgen ernst- und angenommen werden, Freunde und Freundinnen finden, Menschen, denen sie vertrauen können und die auch praktisch mit anpacken. Parallel zum Kreis könnten Mitarbeiter der Gemeinde Kinderbetreuung anbieten, um zu entlasten und gute, vertrauliche Gespräche zu ermöglichen. Hin und wieder könnten Fachleute als Berater eingeladen werden, z.B ein Kinderarzt, der hilfreiche Tipps geben kann.
7. Aktion Jeder Teilnehmer kann einen kleinen „Backstein“ mitnehmen, der die verschiedenen Seiten (s. Seite 25/26) noch einmal darstellt (kann auch ein Holzklotz sein).
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