In unseren Veröffentlichungen bemühen wir uns, die Inhalte so zu formulieren, dass sie allen Menschen gerecht werden, dass sich alle Geschlechter angesprochen fühlen, wo alle gemeint sind, oder dass ein Geschlecht spezifisch genannt wird. Nicht immer gelingt dies auf eine Weise, dass der Text gut lesbar und leicht verständlich bleibt. In diesen Fällen geben wir der Lesbarkeit und Verständlichkeit des Textes den Vorrang. Dies ist ausdrücklich keine Benachteiligung einzelner Geschlechter.
Dieser Titel ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Bibellesebund Schweiz, www.bibellesebund.ch, und der Deutschen Bibelgesellschaft, www.die-bibel.de.
Bildrechte Foto Autorin: Klaus Anderson, Sindelfingen; Illustratorin: privat Druck und Gesamtherstellung: KRÜGER Druck+Verlag GmbH & Co. KG, Merzig
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Mit Kindern die Bibel erzählen
Die Methoden in diesem Band laden zum Erzählen biblischer Geschichten ein. Sie wollen begeistern, Emotionen wecken, Bilder und Vergleiche anregen, zur Identifikation, zum Staunen, Fragen und zu eigenen Deutungen einladen. Ob als Erwachsener oder als Kind, wer eine solche Geschichte weitererzählt, tritt an die Stelle der biblischen Erzählperson und erweckt die Geschichte neu zum Leben.
Sieben praktische Tipps, damit Erzählen gelingen kann:
• Die Geschichte kennen: Den Text mehrmals lesen, um die Botschaft, das Besondere dieser Geschichte und wie sie im Gesamtzusammenhang der Bibel steht, zu erkennen.
• Sprache anpassen: Eine einfache Sprache verwenden, schwierige Wörter erklären. Nicht zu schnell sprechen und Pausen einlegen, damit das Gehörte verarbeitet werden kann.
• Spannung aufbauen: Betonungen, Pausen und wechselnde Lautstärke nutzen, um dramatische Momente hervorzuheben, z. B.: „Und plötzlich ... war es ganz still.“
• Emotionen zeigen: Mimik, Gestik und die eigene Stimme bewusst einsetzen, um die Gefühle der Figuren darzustellen.
• Visuelle Hilfsmittel nutzen: Bilder, Figuren oder einfache Gegenstände einsetzen, um die Geschichte greifbarer zu machen.
• Kinder integrieren: Das gelingt durch Fragen, Mitmachen und Mitgestalten bis hin zum eigenen Erzählen durch die Kinder.
• Das Gespräch suchen: Mit offenen Fragen wie „Was hat dir besonders gefallen?“, „Wo findest du dich in der Geschichte wieder?“ gemeinsam über die Geschichte nachdenken.
Die Methoden dieses Bandes
Ein wichtiger Aspekt beim Erzählen ist die Wahl der Erzählperspektive Die ersten beiden Methoden in diesem Band beschreiben streng genommen keine Methoden, sondern zwei Erzählperspektiven: Die „Personale Erzählung“ übernimmt die Perspektive einer Figur, ohne Teil der Handlung zu sein. Die „Ich-Erzählung“ beschreibt die Handlung aus der Ich-Perspektive. Weitere Perspektiven sind die neutrale und die allwissende Erzählperson, die unter „Varianten“ kurz beschrieben werden. Jede dieser Perspektiven beeinflusst, wie eine Geschichte gehört und erlebt wird und welche Art an Informationen die Zuhörenden erhalten.
Zwei andere Methoden zeigen gegensätzliche Erzählansätze auf. Die „Textvorlesung“ (oder das Erzählen eng am biblischen Text) bewahrt Form, Struktur und den Erzählstil einer Geschichte und führt Kinder an die biblische Sprache heran. Die „Freie Erzählung“ bringt einen Bibeltext in eine eigene Gestaltung. Sie arbeitet mit dem, was zwischen den Zeilen steht, mit dem Ziel, dass die Geschichte für die Zuhörenden leicht verständlich und emotional zugänglich wird. Welcher Ansatz gewählt wird, hängt mit den Vorlieben der erzählenden Person zusammen, mit der Gruppe und der gewählten Geschichte.
Die weitere Methoden-Auswahl deckt eine Breite an Zugängen ab. Dazu gehören klassische Erzählmethoden, beispielsweise die „Erzählung mit Nebenfigur“, meditative Zugänge wie die „Fantasiereise“, plastische Zugänge wie „Knetgeschichte“ und spielerischgestaltende Methoden wie „Erzählende Steine“. Daneben stehen interaktive Methoden wie „Verzweigte Erzählung“ und solche, mit denen die Kinder selbst erzählen, z. B. die „Erzähl-Leine“.
Methoden speziell zur Darstellung mit Figuren, zur Arbeit mit Bildern und Symbolen, und Methoden, mit denen Kinder Geschichten sinnenorientiert erleben können, werden an anderer Stelle der „Mach mit Methoden“ – Reihe thematisiert.
Die Einsatzmöglichkeiten
Die Methoden unterscheiden sich hinsichtlich der Form der Darbietung. So laden einige Methoden (z. B. „Freie Erzählung“, „Gegenstand mit Geschichte“) Kinder ein, Geschichten zu hören und zu erfahren. Sie geben Kindern die Möglichkeit, sich intensiv auf eine Darbietung einzulassen. Ein Gespräch über die Geschichte kann im Anschluss folgen.
Andere Methoden ermöglichen es Kindern, die Geschichte aktiv mitzugestalten. Dazu gehören „Schatzgräberkiste“, „Zeitungsknicke“. Auch Methoden wie „Open End“ oder „Geschichtendreh“ gehören zu dieser Art und regen Kinder an, mit der Handlung einer Geschichte spielerisch umzugehen, eigene Schlüsse zu ziehen und so weiter über die Geschichte nachzudenken.
Wieder andere Methoden gehen noch einen Schritt weiter. Die Kinder machen selbst Erfahrungen mit dem Erzählen. Sie schlüpfen in die Rolle der Erzählperson und erwerben eigene Erzählkompetenzen. So wie bei „Nacherzählung“ und „Erzählreihe“.
Die Altersangaben
Anhand der Icons unter dem jeweiligen Methodennamen ist eine Einschätzung, in welcher Altersgruppe die Methode gut durchführbar ist, leicht möglich. Die Altersangaben sind jedoch nicht als absolute Angaben zu verstehen. Methoden können auch für jüngere oder ältere Kinder angepasst werden. Viele Methoden eignen
sich schon für das Vorschulalter. Bei älteren Kindern können zusätzliche Fragen, die insbesondere den Alltag betreffen, zu neuen Erkundungen und Gesprächen anregen.
Die Reihe „Mach mit-Methoden“
Die „Mach mit-Methoden“ befähigen Kinder, Geschichten und Texte aus der Bibel möglichst selbstständig und gemeinsam mit anderen zu entdecken. Die Reihe möchte inspirieren und ermutigen, bei der Wahl der Methoden die Kinder stärker in den Blick zu nehmen. Ihre Lust am Entdecken und Spielen, ihre Gestaltungsfreude, ihre Fragen und Antworten, ihre Möglichkeiten des Verstehens, ihre Deutungen und Gottesvorstellungen sollen im Mittelpunkt stehen.
Die Auswahl der Methoden
Bei der Auswahl der Methoden dreht sich alles um das Entdecken biblischer Geschichten und um die Vertiefung der Beschäftigung mit biblischen Texten. Die ausgewählten Methoden sind darauf ausgerichtet, dass die Kinder zwar angeleitet, aber dann selbst aktiv werden. Jeder Band der „Mach mit-Methoden“-Reihe bündelt verschiedene Methoden zu einem bestimmten Thema.
Die Kompetenzen
Eine Vermittlung, die Kindern eine aktive Rolle zugesteht, stellt andere Anforderungen an Kinder und Erwachsene. Neben dem inhaltlichen Verständnis einer Geschichte geht es beispielsweise darum, selbst Entdecktes zu beschreiben, eigene Sichtweisen zu erklären, Inhalte zu deuten oder etwas kreativ darzustellen. Die Kompetenzen unter jeder Methode zeigen auf, welche Kompetenzen durch eine Methode erworben und entwickelt werden können.
Es handelt sich um sogenannte prozessbezogene Kompetenzen, die miteinander verknüpft sind:
• Wahrnehmen: Die Kinder staunen über Geschichten und beschreiben, was sie im Innern bewegt. Sie nehmen religiöse Phänomene, Symbole und Erfahrungen als solche wahr und ordnen sie ein. Sie sammeln ästhetische Erfahrungen. Sie äußern Fragen nach Ursprung, Sinn und Ziel des Lebens.
• Verstehen: Die Kinder eignen sich Wissen und Bibelverständnis an. Sie fragen nach, beobachten, erforschen, kombinieren. Sie lernen wichtige Grundbegriffe und religiöse Symbole kennen und verstehen. Sie nutzen dabei verschiedene Medien, Materialien und Werkzeuge.
• Sprechen: Die Kinder tauschen sich mit anderen aus. Sie vergleichen ihre Beobachtungen und Gedanken. Sie vertreten ihre Meinung, hören aber auch anderen zu und fühlen mit. Sie wenden Mimik, Gestik und (religiöse) Sprache an.
• Handeln: Die Kinder gestalten, stellen dar, werden schöpferisch tätig. Sie agieren plan- und fantasievoll, wenden Techniken und Methoden an. Sie probieren christliche Praxis aus.
• Reflektieren: Die Kinder vergleichen, unterscheiden, deuten eine Geschichte, ordnen sie ein und bewerten sie. Sie finden selbst eine Position und beziehen die Perspektive anderer ein.
In der Arbeit können die Kompetenzen helfen, die Methoden an sich besser einzuordnen: Welche Kompetenzen ermöglicht eine Methode? Wofür eignet sie sich? Was kann sie leisten und was nicht? Das hilft bei der Auswahl einer Methode und bewahrt auch davor, eine Methode zu überfrachten.
Der Aufbau der Methoden
Symbole:
Geschätzte Zeit für die Durchführung: kurz, mittel oder lang
Altersangaben: von 6 Jahren an aufwärts
Sozialform: Einzel-, Partner- oder Gruppenarbeit
Aufwand: niedrig, mittel oder hoch
Schwarz: Die praktische Umsetzung der Methode. Die Beschreibung enthält alles benötigte Material, ggf. in Klammern einen Hinweis auf Vorlagen zum Download, die allgemeine Beschreibung der Methode mit den einzelnen Schritten und einen Praxisbezug. Wo auf Bastelvorlagen zum Download verwiesen wird, ist das benötigte Bastelmaterial im entsprechenden Download aufgelistet. In der Materialliste zur Methode selbst steht dann nur der Hinweis auf den Download und „entsprechendes Material“. Wird in der Beschreibung auf andere Methoden verwiesen, ist das immer durch Anführungszeichen gekennzeichnet.
Grau: Zusätzliche Informationen. Dazu gehören die Kompetenzen, die eine Methode fördert und fordert, und der Querverweis (••) auf einige ausgewählte biblische Geschichten, die sich für diese Methode eignen.
Die Downloads und externen Links
Unter download.praxisverlag-bm.de stehen zu den Methoden zusätzliche Materialien in digitaler Form zum Download zur Verfügung. Die meisten Vorlagen können auf geeignetem Papier ausgedruckt werden. Für wiederholten Einsatz und bessere Haltbarkeit bietet es sich an, die Vorlagen vor dem Ausschneiden zu laminieren.
Der Kauf berechtigt zum Downloaden, Ausdrucken, Kopieren und Verwenden der Daten, sofern sie zur Vorbereitung und Durchführung der Inhalte dieses Buches verwendet werden. Eine Vervielfältigung, Verwendung oder Weitergabe darüber hinaus ist ohne Erlaubnis ausdrücklich nicht gestattet.
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Personale Erzählung
Sich in eine oder mehrere Figuren hineinversetzen und aus deren Sicht erzählen.
Material angepasste Textvorlage, evtl. passende Requisiten
Beschreibung
Die Erzählerin / der Erzähler erzählt die Geschichte aus der Perspektive einer (oder mehrerer) biblischer Figuren, ohne selbst Teil der Handlung zu sein. Dabei gilt: Erzählt wird in der 3. Person („er“, „sie“), nicht in der Ich-Form. Es wird nur das erzählt, was die Figur in der Handlung gerade denkt, fühlt, erlebt und weiß. Hintergründe, Erklärungen zu einer Handlung oder innere Vorgänge anderer Figuren werden nicht erzählt. Die Gefühle und Gedanken der Figur können durch erlebte Rede (Beispiel zu 1. Samuel 9,1 – 10,1: Saul ist in der Zwickmühle: Wenn er umkehrt, sind die kostbaren Eselinnen verloren. Kehrt er nicht um, macht sich sein Vater große Sorgen. Was soll er nur tun?) und innere Monologe (Samuel sieht Saul durch das Stadttor kommen und denkt: „Das ist er also. Der König, den Gott ausgewählt hat. Ganz schön groß ist er. Und bestimmt auch stark.“) hörbar gemacht werden. – Die Kinder sitzen im Kreis. Die Erzählerin / der Erzähler erzählt die Geschichte. Zur Unterstützung können einfache Requisiten und Holzfiguren eingesetzt werden.
Praxisbezug
Zum Üben kann man sich vorstellen, dass man direkt neben der Figur steht. Nun mit der Figur gedanklich immer nur einen Schritt nach dem anderen in der Handlung fortschreiten: Was sieht sie? Wem begegnet sie? Was könnte die Figur gerade denken?
Variante
Eine oft verwendete Erzählperspektive ist die „allwissende Erzählperson“. Sie kennt alle Details, auch Informationen, die die Figuren nicht haben. Sie weiß, was vorher geschah und wie es danach weitergeht, sie kennt die Gefühle, Gedanken und Handlungen aller Figuren.
Kompetenzen
Die Kinder können sich in eine biblische Figur und deren Sichtweise auf die Geschehnisse hineinversetzen. Sie können die Gefühle und Gedanken dieser Figur wahrnehmen und verstehen.
•• Rut 2,1-23: Rut findet einen Beschützer / 1. Samuel 9,1 – 10,1: Der junge Saul sucht entlaufene Eselinnen / Markus 4,35-41: Im Sturm auf die Probe gestellt / Apostelgeschichte 2,1-13: An Pfingsten kommt der Heilige Geist
Türöffner
Sich einer (biblischen) Geschichte mithilfe von Gegenständen oder Anspielszenen nähern.
Material
passende Requisiten
Beschreibung
Türöffner bereiten Kinder auf die Begegnung und Auseinandersetzung mit einem Inhalt vor: Sie helfen, die eigenen Erfahrungen der Kinder aufzugreifen. Sie können etwas Geheimnisvolles an sich haben, das zum Entdecken einlädt. Meist ist es ein Gegenstand oder eine kurze Anspielszene aus einer Geschichte, der/die ins Heute übertragen und vorgestellt wird. Oder ein stummer Impuls, z. B. eine Person, die auf dem Boden liegt – „Was ist hier passiert?“. –
Es ist wichtig, den Kindern genügend Zeit zu lassen, damit der Türöffner wirken kann, und die Kinder durch Fragen einzubeziehen. Im Anschluss kann die Geschichte vorgelesen, erzählt oder auf andere Weise gemeinsam erkundet werden.
Praxisbezug
Türöffner absichtsvoll auswählen. Beispiel zu 1. Mose 6,9-22: Eine verkleidete Person arbeitet als Noach oder einer seiner Söhne zunächst wortlos an einem Werkstück, mit Hammer, Säge, Schleifpapier. Die Kinder raten, wer die Person ist und was die Person tut.
Sie erzählen, was sie selbst schon gebaut haben und welche Werkzeuge dafür nötig waren.
Kompetenzen
Die Kinder können eine Person wahrnehmen und beobachten. Sie können über die Person und ihre Tätigkeit spekulieren und mit ihr in einen Dialog treten.
•• 1. Mose 6,9-22: Gott gibt Noach den Befehl zum Bau der Arche / Richter 6,11-24: Gott beruft Gideon zum Retter Israels / Lukas 10,38-42: Jesus bei Maria und Marta / Apostelgeschichte 16,16-34: Paulus muss mit Silas ins Gefängnis. Bekehrung des Gefängniswärters