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Katja Habicht

Gott schenkt Mut Geschichten zum Vorlesen und Selberlesen

mit Illustrationen von Heike Schweinberger

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Umschlag- und Innenillustrationen: Heike Schweinberger Umschlaggestaltung und Satz: dtp-medien.de, Andre Dietermann, Haiger Druck und Verarbeitung: Basse-Druck, Hagen Printed in Hungary ISBN 978-3-942258-14-2 Art.-Nr. 176.814 Copyright © 2015 BOAS-Verlag, Inh. Friedhelm von der Mark, Burbach Alle Rechte vorbehalten www.boas-verlag.de

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Inhaltsverzeichnis

Gott hat es dir geschenkt

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Cora aus dem Bockelweg

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Urlaub am Bergwaldsee

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Die Supermädchen

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Die große Baustelle

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Mama sein ist wirklich leicht

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Lukas, pass auf!

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Weihnachtswünsche

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Die große Baustelle

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„Wo ist denn bloß mein Deutschbuch“, brummt Jakob ärgerlich, als er hektisch seinen Schulranzen packt. „Die Schule fängt gleich an.“ Sein Blick fällt auf das Andachtsbuch auf seinem Nachttisch, in dem er heute Morgen wieder nicht gelesen hat. Auch das Gebet ist ausgefallen. Einen Moment überlegt er – nein, dafür hat er keine Zeit mehr. Den ganzen Schulweg rennt Jakob. Nur in der Schillerstraße bei der großen Baustelle hält er kurz an. „Betreten der Baustelle verboten“, steht auf einem roten Schild. Neugierig schaut Jakob durch den Drahtzaun und bestaunt die riesigen Bagger, die unter großem Lärm die Baugrube ausbaggern. „Wenn ich groß bin, werde ich auch Baggerfahrer“, murmelt er und rennt hastig weiter. Gerade noch rechtzeitig kommt er in der Schule an. 51

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Sein Freund Micha empfängt ihn vor dem Klassenzimmer. „Wo bleibst du denn? Ich dachte schon, du bist krank.“ Jakob muss erst einmal durchschnaufen. „Ich habe mir noch die Bagger angesehen“, antwortet er dann. Während der Deutschstunde denkt Jakob immer wieder an die großen Bagger. Frau Kramer ermahnt ihn mehrmals, besser aufzupassen. Außerdem bekommt er einen Strich, weil er sein Deutschbuch vergessen hat. „So ein blöder Tag“, denkt Jakob. Als es zur Pause klingelt, stupst Micha Jakob an. „Komm, die Andacht fängt gleich an.“ Jeden Morgen in der ersten Pause treffen sich einige Kinder, um gemeinsam eine Andacht zu lesen und zu beten. Früher ist Jakob gerne mitgegangen, aber 52

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in letzter Zeit ist er kaum noch dabei. „Geh du mal allein, ich hab keine Zeit“, antwortet er. „Ich muss noch schnell die Rechenhausaufgaben machen, sonst bekomme ich wieder einen Strich.“ Micha verzieht das Gesicht. „Du kommst fast nie mit zur Andacht. Immer hast du etwas anderes zu tun.“ Jakob zuckt mit den Schultern und schlägt sein Rechenheft auf. „Ich bete doch auch, nur eben nicht jeden Tag. Ich denke, wenn ich zweimal in der Woche bete, reicht das auch.“ „Also, ich finde das nicht gut“, sagt Micha leise und geht. Nach der Schule gehen Jakob und Micha ein Stück zusammen. Sie kommen wieder an der großen Baustelle in der Schillerstraße vorbei. Doch diesmal stehen die Bagger still. Alles ist ruhig. „Sieh mal, die Bauarbeiter machen 53

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Pause.“ Micha deutet auf einen gelben Bauwagen. Durch die offene Tür können die Jungen die Bauarbeiter drinnen sitzen sehen. Jakob stößt Micha an. „Komm, wir sehen uns die Bagger mal aus der Nähe an. Das Tor steht offen und jetzt ist gerade niemand da.“ Micha schüttelt den Kopf. „Nein, lieber nicht. Das ist bestimmt gefährlich. Außerdem dürfen wir da nicht rein. Siehst du das Schild dort?“ Doch Jakob schaut gar nicht hin, das Schild kennt er schließlich schon. „Jetzt ist es nicht gefährlich, die Bagger sind alle aus. Hörst du? Man hört gar nichts. Also kann uns auch nichts passieren. – Komm schon! Nur mal kurz.“ Micha zögert noch, doch dann geht er mit. „Ich bin ja auch ein bisschen 54

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neugierig“, murmelt er und trottet hinter Jakob her. „Auf so einer großen Baustelle war ich noch nie.“ Vorsichtig schleichen sie sich durch das Tor zu den Baggern. „Oh, die sind ja noch größer, wenn man davorsteht“, flüstert Jakob. Doch plötzlich! „Was ... was war das?“ Er sieht sich erschrocken um. „Da kommt jemand!“ Micha zieht Jakob am Ärmel. „Wir müssen weg! Schnell zum Tor!“ Sofort laufen sie los, doch dann sieht Jakob, dass auch einer der Bauarbeiter zum Tor geht. „Da können wir jetzt nicht raus.“ Jakob hält seinen Freund fest. Suchend sieht er sich um. „Aber da – eine offene Tür. Komm schnell!“ 55

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Jakob und Micha ducken sich und flitzen zur Lagerhalle hinüber. Eilig gehen sie hinein und ziehen die Tür hinter sich zu. Unbeweglich stehen sie da und lauschen. Auf einmal springt draußen dröhnend ein Motor an, dann noch einer und noch einer. Die Bagger fahren wieder, die Pause ist zu Ende. „Was machen wir denn jetzt?“, fragt Jakob. „Wenn wir rausgehen, sehen uns die Bauarbeiter. Und dann kriegen wir Ärger.“ Micha nickt. „Aber vielleicht gibt es hier noch einen anderen Ausgang?“ Die beiden schauen sich in dem großen Lagerraum um. Überall stehen und liegen Maschinen, Zementsäcke, Eimer und Werkzeuge. Aber eine zweite Tür gibt es nicht. Jakob bekommt Bauchweh. „Hätte ich doch nur nicht die dumme Idee gehabt, auf die Baustelle zu gehen.“ 56

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Micha stellt seinen Ranzen auf den Boden. „Und ich hätte es dir ausreden müssen.“ Die Jungen setzen sich auf zwei Zementsäcke. Das staubt ziemlich und ihre Hosen bekommen graue Flecken. „Wir müssen warten, bis die Bauarbeiter wieder Pause machen“, sagt Micha. „Dann können wir uns rausschleichen.“ „Die machen doch nicht ständig Pause“, jammert Jakob. „Nein, ich glaube, wir müssen bis heute Abend hier warten.“ Dabei kommen ihm ein paar Tränen. „Mama macht sich vielleicht schon Sorgen“, schnieft er. „Bestimmt

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betet sie für mich. Mama betet jeden Tag. Und Papa auch. Nur ich habe schon lange nicht mehr richtig gebetet. Ich hatte oft keine Zeit. – Aber jetzt habe ich Zeit.“ „Du hast recht“, ruft Micha. „Wir sollten beten.“ Sie falten beide die Hände und Micha bittet ihren Heiland um Vergebung dafür, dass sie sich selbst in Gefahr gebracht haben. Dann betet Jakob: „Es tut mir leid, dass ich mir keine Zeit zum Beten genommen habe. Bitte, Herr Jesus, hilf uns trotzdem, dass wir nicht so lange hier drin bleiben müssen. Amen.“ Und dann warten sie ... Micha läuft im Lagerraum hin und her und zählt dabei laut seine Schritte. Und Jakob schreibt die Namen seiner Schulkameraden auf den Boden in den Zementstaub. Ununterbrochen brummen draußen die Bagger, und Jakob hat auf einmal gar keine Lust mehr, Baggerfahrer zu werden. „Wenn 58

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wir hier rauskommen, gehe ich bestimmt nie wieder auf eine Baustelle.“ „Ich habe Angst“, sagt Micha leise. „Was ist, wenn die Bauarbeiter uns aus Versehen einschließen? Dann müssen wir hier schlafen.“ Er wischt sich über die Augen. Auch Jakob muss schlucken und denkt wieder an Mama. Um sich abzulenken, zählt er die Zementsäcke. Und immer wieder betet er. „Wir gehen jetzt da raus!“ Micha deutet auf die Tür und schnappt sich seinen Schulranzen. „Dann kriegen wir eben Ärger, daran sind wir selbst schuld. Aber hier bleiben können wir auch nicht.“ „Du hast recht!“ Jakob rutscht von seinem Zementsack und öffnet die Tür vorsichtig einen Spalt weit – da sieht ihn schon ein Bauarbeiter, der gerade vorbeiläuft. Sofort eilt der Mann mit der blauen Latzhose und dem gelben Helm auf die Tür zu und reißt sie ganz auf. „Ich glaube, 59

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ich sehe nicht richtig!“, brüllt er. Jakob zuckt zusammen, stolpert einen Schritt zurück und tritt Micha dabei auf den Fuß. „Was macht ihr denn hier? Das ist doch kein Spielplatz!“ Micha steht stocksteif da und beißt die Zähne zusammen. Jakob starrt den Bauarbeiter an. „Wir ... wir ... also, wir spielen hier nicht. Wir ... wir ... wir wollten uns nur mal kurz die Bagger anschauen. Aber dann haben wir Angst bekommen, dass wir entdeckt werden. Entschuldigung, das machen wir nie, nie mehr.“ Micha nickt eifrig. „Nein, bestimmt nicht“, beteuert er mit zitternder Stimme. Jakob nimmt schnell seinen Schulranzen auf den Rücken. „Wir ... also ... wir gehen dann mal“, sagt er und zieht Micha hinter sich her. 60

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Die beiden flitzen wie der Wind an dem Bauarbeiter und den Baggern vorbei. Erst als sie so weit weg sind, dass sie die Bagger nur noch ganz leise hören, werden sie langsamer. „Einen Moment“, schnauft Jakob und bleibt stehen. „Zuerst will ich mir Zeit nehmen, um zu beten.“ Micha nickt lächelnd und faltet die Hände. „Danke, Herr Jesus“, betet Jakob, „danke, dass du uns Mut geschenkt hast, doch rauszugehen, und dass wir nicht auf der Baustelle schlafen müssen. Amen.“

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