H. A. Baker Visionen jenseits des Horizonts
H. A. Baker
Visionen jenseits des Horizonts
Verlag Gottfried Bernard Solingen
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2. Auflage: Januar 2008 3. Auflage: Oktober 2013 ° Copyright: 2000 H. A. Baker Die englische Originalausgabe erschien neu 2004 unter dem Titel: Visions beyond the Veil bei Sovereign World Ltd., PO Box 777, Tonbridge, Kent, TN11 OZS, England ° Copyright der deutschen Ausgabe 2006 Verlag Gottfried Bernard Heidstr. 2a D-42719 Solingen Email: Verlag.GottfriedBernard@t-online.de ISBN 978-3-938677-09-4 Best.-Nr. 175609 Ûbersetzung: Michaela Wedel, Schramberg Grafik: Tina Gerteiser, Waldshut Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Druck und Bindung: CPI ± Clausen & Bosse, Leck
Inhalt Vorwort der deutschen Ausgabe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Vorwort der englischen Originalausgabe . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Einfรงhrung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 1. Der Heilige Geist kommt mit Macht . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 2. Ein รงbernatรงrlicher Gott . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 3. Schriftgemรฅรป . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 4. Visionen vom Himmel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 5. Das Paradies . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 55 6. In der Gegenwart von Engeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 63 7. Das Reich des Teufels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65 8. Das Ende der Welt und die Wiederkunft Christi . . . . 81 9. Prophetien eines chinesischen Betteljungen . . . . . . . . . 93 10. Das inspirierte Wort Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
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Vorwort der deutschen Ausgabe Dieses spezielle Buch æffnet eine Tçr in die fçr uns sonst unsichtbare, verborgene Welt. Gott hat sich da einmal mehr aus dem Munde von Kindern und Unmçndigen ein Lob zubereitet. Ehemalige Straûenkinder in China durften in einer Klarheit die Tatsachen von Himmel und Hælle, Herrlichkeit und Gericht sehen, wie es mir bisher noch nicht begegnet ist. Logischerweise haben sie dabei nichts ¹Neuesª gesehen! Diese Visionen jenseits des Horizonts sind teils sehr detailierte Beschreibungen dessen, was wir in der Bibel çber die jenseitige Welt lesen kænnen. Fçr mich ist es eine gewaltige Glaubensstårkung, wenn Analphabeten, die noch nie etwas çber diese Dinge gehært haben, reihenweise Wahrheiten beståtigen, die man sich mit einem ¹aufgeklårten Verstandª bisher nur schwer vorstellen konnte. Die Kinder sahen in diesen Visionen ihnen bekannte, verstorbene Menschen, die in der Hælle gefangen um Hilfe baten. Biblisch deckt sich das mit dem, was Jesus çber Lazarus und den reichen Kornbauer lehrte. Sie sahen auch die goldenen Straûen im neuen Jerusalem und vieles mehr, was der Seher Johannes vor 2000 Jahren durch eine ¹offene Tçrª auch gesehen hat. Ich empfehle euch sehr, das Buch der Offenbarung des Johannes und die Evangelien parallel zu diesem Buch zu lesen und miteinander zu vergleichen. Alles in allem ist dieses Buch ¹Visionen jenseits des Horizontsª augenæffnend, mutmachend, klårend und aufrçttelnd. Wåhrend dem Lesen bekam ich neue Freude an meiner kçnftigen Heimat, aber auch eine Dringlichkeit, Menschen zu einer positiven Entscheidung fçr Christus zu bewegen. Walter Bernhard 7
Vorwort der englischen Originalausgabe Ich kann mich nicht erinnern, dass es je eine Zeit gegeben håtte, in der mir Gottes Welt nicht bewusst gewesen wåre, Engel und Dåmonen, Himmel und Hælle, das jçngste Gericht und das ewige Leben. Ich håtte mir nie ein Leben ohne Jesus vorstellen kænnen. Ich musste nie vom Ûbernatçrlichen çberzeugt werden, oder davon, dass Leben mehr bedeutet als das, was wir hier auf Erden finden kænnen. Ich kam einfach dadurch in Berçhrung mit der geistlichen Welt, dass ich in eine der Pfingstbewegung angehærenden Missionarsfamilie in Kunming, China, geboren wurde, wo sich die in diesem Buch geschilderten Ereignisse zutrugen. Mein Vater und meine Mutter wurden ebenfalls in China geboren. Sie kehrten nach dem 2. Weltkrieg dorthin zurçck und grçndeten eine Bibelschule in Kunming, wo mein Vater seine Kindheit verbracht hatte. Er wiederum war dort aufgewachsen, weil eine Generation zuvor mein Groûvater beschlossen hatte, dem Missionsbefehl zu gehorchen und an die Enden der Erde zu reisen, um die Gute Nachricht von Jesus bekannt zu machen. H. A. Baker, so wurde mein Groûvater immer genannt, hatte sich den entlegensten Winkel im Sçdwesten Chinas als Betåtigungsfeld ausgesucht. Er war sehr engagiert und harrte jahrelang aus, obwohl er nur wenig Frucht sehen konnte, bis er kurz davor war aufzugeben. Aber der Heilige Geist kam mit Macht in sein Leben, er blieb in China, und dann konnte er mit eigenen Augen eine der wundervollsten Ausgieûungen des Heiligen Geistes sehen, die jemals in der Kirchengeschichte verzeichnet werden konnten. Fçr mich war das ganz natçrlich. Wenn die Bibel wahr war, warum sollte Gott Sein Wort dann nicht durch solche Visionen, Offenbarungen und Geistesgaben beståtigen? Warum 9
sollten wir die Realitåt Gottes nicht erleben, wenn wir Ihn der Schrift gemåû suchen? Warum sollte das Ûbernatçrliche Gottes nicht immer normaler fçr uns werden, wenn wir Ihm immer nåher kommen? Wann immer ich mit meinem Groûvater zusammen war, hærte ich mehr darçber. Meine frçhesten Erinnerungen an ihn stammen aus Hongkong, kurz nachdem wir alle gezwungen worden waren, nach der Revolution von 1949 China zu verlassen. Ich saû dann auf seinem Schoû und er çberschçttete mich mit seinen Erinnerungen ± jedes Mal eine andere Geschichte ± von Engeln und Dåmonen, Wundern, Machttaten Gottes, Erfçllungen mit dem Heiligen Geist, wie Verlorene gewonnen werden konnten, wie man dem Kænig dient. Welche Normalitåt des Alltags! Spåter zogen wir wie viele andere Missionarsfamilien aus China nach Taiwan. Natçrlich zog es meinen Groûvater dort zu einer Minderheit, deren fçr ihn neuen und schwierigen chinesischen Dialekt er lernte und bei ihnen sein bewåhrtes Muster anwandte, mit dem er die verlorenen Schafe erreichte, wo immer sie zu finden waren. Er und meine Groûmutter lebten sehr einfach, wie die Chinesen auch. Er rief nie zu finanzieller Unterstçtzung auf. Er gab weiter, was er nicht brauchte. Er erwarb sich die Liebe und den Respekt der Missionare in ganz Taiwan, sogar von denen, deren Methoden sich stark von seinen eigenen unterschieden. Und ich kænnte nie sein Zeugnis vergessen, nicht einmal fçr einen Moment. Der Dienst meines Groûvaters zeichnete sich durch eine Mischung aus Wort und Geist aus, die meinen Glauben in all diesen Jahren getragen hat. Er lieû nie zu, dass Wunder und Manifestationen ihn von den Lehren der Bibel ablenkten, noch zægerte er aufgrund seiner Treue zum Wort, von der Wirklichkeit all dessen zu trinken, was in jenem Wort geschrieben steht. Er war vorsichtig. Er durchforschte die Schrift, um eine Beståtigung fçr das zu bekommen, was er hærte und sah, und er fand den lebendigen Gott in der Schrift. Er war nachvollziehbar fçr mich, er prågte mein Leben. 10
Er war auch einschçchternd fçr mich. Lange håtte ich mir çberhaupt nicht vorstellen kænnen, dass ich einen Dienst wie den seinen auch nur annåhernd weiterfçhren kænnte. Es war wundervoll, aber solch ein Werk war etwas fçr ungewæhnliche Heilige, nicht fçr gewæhnliche Menschen wie mich. Aber çber die Jahre hielten die Erinnerungen an Visionen jenseits des Horizonts den Hunger nach Erweckung in meinem Herzen aufrecht, bis ich es nicht mehr aushielt, ¹gewæhnlichª zu sein. In Erweckung zu leben, am Thron Jesu, gepackt von Ihm und allem, was mit Ihm zu tun hat, ist die einzig attraktive Art zu leben fçr mich geworden. Jetzt sind meine Frau Heidi und ich in Afrika und arbeiten unter den årmsten Menschen, die wir finden kænnen, nehmen die verwaisten und verlassenen Kinder auf und suchen çberall, wo wir kænnen, nach den verlorenen Schafen. Und wieder offenbart sich Jesus diesen ¹Geringstenª, genau wie Er es in Kunming, China vor so vielen Jahren im Waisenhaus meines Groûvaters tat. Jene Ausgieûung war nicht vergebens; sie geschah nicht nur zum Nutzen einiger isoliert lebender Menschen in einem weit entfernten Land. Seine Geschichte hat die Herzen unter den geistlich Hungrigen auf der ganzen Welt in Brand gesetzt, zwei und jetzt drei Generationen lang, und dies setzt sich heute fort in jenen, die in Seinen Augen wie die Kinder werden. Mein Groûvater sah unter seinen bettelnden Waisen, wie der Heilige Geist çberschwånglich die Freuden des Himmels sogar in die erbarmungswçrdigsten Herzen ausgoss. Er sah das Herz Jesu, der jede Tråne in den Augen jener trocknet, die Er aus der Hand Satans rettet. Und wenn Er ungebildete, heruntergekommene und vergessene Waisen im abgelegenen China in Denkmåler Seiner Gnade und Såulen Seiner Gemeinde verwandeln kann, dann kann Er auch uns auf jede Art und Weise erlæsen. Er ist gut, und wir werden Ihn fçr immer und ewig lieben! Rolland E. Baker Afrika, April 2000 11
Einfçhrung Dieses Buch erzåhlt die Geschichte einer åuûerst ungewæhnlichen Bewegung des Heiligen Geistes, die sich in einem Waisenhaus in der chinesischen Provinz Yunan ereignete. Die Adullam Rescue Mission in Yunanfu war ein Heim fçr Kinder, die meisten von ihnen Jungen im Alter von sechs bis achtzehn Jahren, die Bettler auf den Straûen der Stadt gewesen waren, oder Waisen, die man in dieses Heim brachte, wenn ein oder beide Elternteile verstorben waren. Manche waren aus irgendeinem Grund von Zuhause weggelaufen und stammten aus weiter entfernten Landesteilen oder angrenzenden Provinzen. Diese Kinder wurden im Heiligen Geist getauft und empfingen auûergewæhnliche Offenbarungen und Visionen von Gott. Wenn die Kinder im Heim ankommen, sind sie ungezogen und undiszipliniert. Bevor sie zu uns kamen, hatten sie oft zu Banden gehært und durch Betteln und Stehlen çberlebt und hatten gelernt, nach dem Gesetz der Straûe zu leben. Im Adullam-Heim lernen die Kinder die Bibel kennen und hæren das Evangelium. Diejenigen, die in unser Heim kamen, waren immer offen fçr diese Lehren und einige waren zweifellos bereits bekehrt, als der Heilige Geist mit Macht zu wirken begann, wåhrend andere bereits sehr gute Kenntnisse von den Hauptthemen der Bibel hatten. All jene, die den Heiligen Geist empfingen, wussten genug çber den Glauben, um an den einen Gott zu glauben und zu verstehen, dass sie nur durch das Blut Christi errettet werden konnten. Sie beteten darum, mit dem Heiligen Geist erfçllt zu werden und verbrachten Zeit damit, den Herrn zu suchen. Wir sahen bei keinem, dass sie speziell irgendeine dieser Visionen oder Manifestationen anstrebten, die sie Tag fçr Tag empfingen, wåhrend sie auf Ihn warteten. Ûber all die Wochen dieser Bewegung des Geistes hinweg beteten sie und 13
priesen den Herrn und wollten Seinem Namen allein Ehre geben. Der Herr behandelte alle Kinder unparteiisch. Die åltesten und die jçngsten, die ersten Heimkinder und die Neuankæmmlinge, die besten und die schlechtesten ± ihr himmlischer Vater segnete sie alle gleichermaûen mit Seinen wundervollen himmlischen Gaben. Diese Gabe des verheiûenen Geistes war klar eine Liebesgabe der Gnade, die nichts zu tun hatte mit den ¹Werkenª oder persænlichen Verdiensten. Es war nichts, das sich erarbeiten lieû. Es war etwas, das herab kam. Es war nicht das Ergebnis einer Charakterschulung, die auf menschlicher Ebene erreicht wurde. Es war ein Segen Gottes, der umsonst von oben geschenkt wurde.
Keine natçrliche Erklårung Es gibt keine natçrliche Erklårung fçr die Erfahrungen jener Adullam-Kinder, denn: 1. Jene Wunder konnten unmæglich das Produkt eines kindlichen Verstandes sein. Solch ungebildete, mental untrainierte, phantasielose Jungen wie diese konnten sich solche Dinge nicht selbst ausgedacht haben. 2. Diese geistlichen Erfahrungen, Visionen und Offenbarungen konnten nicht das Werk des Unterbewusstseins sein. Viele dieser Kinder waren zu jung, zu unwissend oder zu frisch aus ihrem gottlosen Hintergrund errettet, als dass sie die biblischen Lehren zu diesen Themen håtten kennen kænnen. 3. Sie kænnen nicht psychologisch erklårt werden als mentale Suggestion durch andere. Wir selbst hatten nie solche Visionen gesehen und hatten nie Versammlungen besucht, in denen sie aufgetreten wåren, wir hatten nicht einmal von solchen Visionen gelesen oder gehært, wie sie diesen Kindern gegeben wurden. Diese Erfahrungen waren fçr uns alle neu. 14
4. Sie haben nicht voneinander abgeschaut. Als die Kraft des Herrn unter uns fiel, wurden viele Kinder gleichzeitig mit dem Geist erfçllt. Kinder in verschiedenen Råumen hatten manchmal simultan dieselbe Vision. Es gab keine Mæglichkeit, sich untereinander abzusprechen. 5. Es gibt keine natçrliche Erklårung fçr die Tatsache, dass der Inhalt der Visionen vællig çbereinstimmte und sie zahlreiche Details gemeinsam hatten. Sogar die einfachsten Kinder, die man im Kreuzverhær leicht håtte durcheinander bringen kænnen, gaben klare und çbereinstimmende Antworten, wenn sie einzeln oder in Gruppen zu einer Vielzahl von Details befragt wurden, wie es nur einem Augenzeugen mæglich sein konnte. 6. Auch kænnen diese Erfahrungen nicht irgendeiner mentalen Erregung, religiæser Ekstase, natçrlichen Gefçhlen, einer nervæsen Reizung oder irgendeiner Art von selbst herbeigefçhrtem Zustand zugeschrieben werden. Der Heilige Geist kam in Kraft auf normale Kinder in einem normalen Gemçtszustand frei von allen zuvor genannten Zustånden.
Die wahre Gemeinde ist çbernatçrlich Ûbernatçrliche Visionen und Offenbarungen sind Grundsteine, auf denen die Gemeinde gebaut wurde und auf denen sie steht. Die ganze Bibel, das Alte und Neue Testament, ist eine çbernatçrliche Offenbarung Gottes. Im Alten Testament sprach Gott zu Seinem Volk auf vielfåltige Weise. Er offenbarte Seinen Willen, indem er die Propheten direkt inspirierte, vorbei an ihrem Verstand. Er erschien Månnern und Frauen und sprach zu ihnen mit einer ¹Stimmeª und mit ¹Wortenª, wie zum Beispiel bei Mose, mit dem Er sprach wie ein Mensch mit einem anderen, von Angesicht zu Angesicht (2. Mose 33,11). Gott offenbarte sich auch in Tråumen, in Visionen und verschiedenen Arten çbernatçrlicher Offenbarungen. Engel brachten Månnern und Frauen 15
Botschaften und waren ståndig aktiv als Gottes Botschafter, die Seinen Plan der Erlæsung auf Erden ausfçhrten. Auch das Neue Testament behauptet, eine çbermenschliche Offenbarung zu sein. Paulus sagte von dem Evangelium, das er predigte: Ich habe es nåmlich weder von einem Menschen empfangen noch erlernt, sondern durch Offenbarung Jesu Christi. (Galater 1,12) Seine Briefe waren Teil dieser çbernatçrlichen ¹Offenbarung Jesu Christiª. Ohne die Hilfe des Heiligen Geistes und ohne diese Art von Visionen und Offenbarungen, die in Adullam geschenkt wurden, gåbe es çberhaupt kein Christentum. Die wahre Gemeinde besteht heute noch, weil gerade çbernatçrliche Manifestationen wie diese ein natçrlicher Bestandteil ihres Lebens von Anfang an war und in der Tat den Grund fçr ihr starkes Wachstum darstellen. Als Herodes Jesus als Såugling zerstæren wollte, wurden die Weisen ¹in einem Traum gewarntª (Matthåus 2,12). Ein Engel erschien Josef in einem Traum (Matthåus 2,13); ein Mann aus Mazedonien erschien Paulus in einer Vision (Apostelgeschichte 16,8-10). Als Paulus im Tempel in Jerusalem betete, geriet er in ¹Verzçckungª und sah Jesus, der mit ihm sprach und ihm Anleitung fçr sein Werk gab (Apostelgeschichte 22,17). Petrus geriet ebenfalls in eine Trance, als er auf dem Hausdach betete. Er sah eine Vision und hærte den Herrn mit scheinbar hærbarer Stimme reden (Apostelgeschichte 10,13-15). Cornelius hatte am helllichten Tag eine Vision von einem Engel (Apostelgeschichte 10,1-3). Das ganze Buch der Offenbarung, die eine Aufzeichnung von Visionen ist, die im Geist durch den Dienst von Engeln geschenkt wurden, wurde Johannes als çbernatçrliche Offenbarung gegeben, als er ¹im Geist warª. Entweder schwebte Paulus einmal zwischen Leben und Tod und erlebte eine ¹Out-of-bodyª-Erfahrung, bei der er in den Himmel kam. Oder er wurde in einer Vision in den Himmel aufgenommen, 16
so wie unsere Adullam-Kinder das Paradies sahen. Er hatte so viele çbernatçrliche Offenbarungen, dass der Herr ihm einen Dorn ins Fleisch senden musste, um ihn demçtig zu halten (2. Korinther 12,1-3). Engel hatten ebenfalls einen groûen Anteil am Werk der Urgemeinde. Die frçhen Jçnger wurden in ihrem Werk von Engeln geleitet und wurden dadurch oft vor drohenden Gefahren geschçtzt. Ein Engel wies Philippus an, auf der Straûe von Jerusalem nach Gaza zu gehen, wo er dem åthiopischen Eunuchen begegnete (Apostelgeschichte 8,26-40). Ein Engel erschien Paulus, um ihn zu ermutigen und vor der Zukunft zu warnen (Apostelgeschichte 27,23+24). Es war ein direktes Ergebnis einer Engelsvision, dass Cornelius und sein ganzes Haus errettet und dann getauft wurden (Apostelgeschichte 10,3). Als Paulus im Gefångnis war, rettete ihn ein Engel, læste seine Ketten und befahl ihm, sich anzukleiden, worauf er die Gefångnistçren und das verschlossene Stadttor æffnete, bevor er ihn auf die Straûe fçhrte (Apostelgeschichte 12,7-8). Aber noch machtvoller als all diese çbernatçrlichen Eingriffe war das Werk des Heiligen Geistes. Er kam, wie der Herr es verheiûen hatte, als Jesus zu Seinem Vater zurçckkehrte. Die Urgemeinde las keine Gebete ab. Sie sprachen auch keine Gebete. Die Urgemeinde betete von Herzen zu Gott, und Gott antwortete direkt und çbernatçrlich. Als die Jçnger in Gefahr waren, kamen sie zusammen und beteten zu Gott. Dies war kein formelles Gebet; es war keine leidenschaftslose, gewåhlt formulierte Gebetsgemeinschaft, mit der menschliche Ohren beeindruckt werden sollten. Jeder betete gleichzeitig; jeder rief mit lauter Stimme zu Gott. Es war ein besondere Gebetsversammlung mit dem Ziel, Antwort auf eine groûe Not zu bekommen. Als Gott antwortete, wusste es jeder. Der Heilige Geist erschçtterte das Haus, in dem diese Menschen beteten, und jeder wurde ¹mit dem Heiligen Geist erfçlltª, mit einer måchtigen çbermenschlichen Kraft. Dann gingen sie hinaus mit dem Feuer Gottes in ihren Herzen im Angesicht des Todes. 17
Die Urgemeinde hatte einen lebendigen Gott. Durch den Heiligen Geist lebte Christus unter ihnen. Er wirkte çbernatçrlich in ihnen und durch sie durch die Gaben des Heiligen Geistes. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben. Denn dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist, einem anderen aber Wunderwirkungen, einem anderen aber Weissagung, einem anderen aber Unterscheidungen der Geister; einem anderen verschiedene Arten von Sprachen, einem anderen aber Auslegung der Sprachen. (1. Korinther 12,7-10) Dies ist die Verheiûung des lebendigen Gottes. Christus versprach, wenn Er weggehen wçrde, dann wåre dies besser fçr Sein Volk, denn dann wçrden sie Seine Gegenwart nåher erleben als je zuvor. Er verhieû: Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nçtzlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden. (Johannes 16,7) Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wåre, wçrde ich euch gesagt haben: Ich gehe hin, euch eine Ståtte zu bereiten? (Johannes 14,2) Wenn es wirklich einen lebendigen Gott gibt, wenn es Engel gibt, wenn es einen wunderwirkenden Christus gibt, wenn der Heilige Geist jemals ausgegossen worden ist, wenn die Bibel tatsåchlich eine çbernatçrliche Offenbarung Gottes ist, 18
dann sollten wir erwaren, dass wir ebenfalls die Trancezustånde, Visionen, Offenbarungen und Wirkungen des Heiligen Geistes erfahren, die in Adullam geschenkt wurden. Sie sind normale Erfahrungen in einer çbernatçrlich gegrçndeten, çbernatçrlich erfçllten und çbernatçrlich geleiteten Gemeinde im Neuen Testament ± die einzige Gemeinde, an der die Bibel interessiert ist.
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Kapitel 1
Der Heilige Geist kommt mit Macht Das Morgengebet dauerte långer als çblich. Die ålteren Kinder verlieûen nach und nach den Raum, um im Klassenzimmer mit dem Lernen zu beginnen, wåhrend einige der kleineren Buben auf ihren Knien blieben, tief im Gebet versunken. Der Herr war nahe; wir alle spçrten die Gegenwart des Heiligen Geistes unter uns. Einige, die nach drauûen gegangen waren, kamen wieder zurçck ins Zimmer. Trånen begannen çber die Gesichter all derer zu laufen, die dabei waren, als eine tiefe Ûberfçhrung von Sçnde çber sie kam ± etwas, wofçr wir schon lange gebetet hatten ± und mit erhobenen Armen riefen sie zum Herrn um Vergebung. Einer nach dem anderen fiel unter der måchtigen Kraft des Heiligen Geistes zu Boden, bis mehr als zwanzig flach auf dem Fuûboden lagen. Als ich sah, dass der Herr etwas wirklich Ungewæhnliches unter uns wirkte, schlçpfte ich hinçber ins Klassenzimmer und sagte den Buben, dass sie, wenn sie das Drången verspçrten, wieder hinçberzukommen und zu beten, ausnahmsweise ihre Schularbeit liegen lassen dçrften. Nach kurzer Zeit saû der chinesische Lehrer allein an seinem Pult. Alle seine Schçler waren in den Gebetsraum zurçckgekehrt und beteten jetzt enthusiastisch und priesen den Herrn. Als der Lehrer sah, dass es fçr ihn nichts zu tun gab, beschloss er nach Hause zu gehen. Ich hatte ihn nicht eingeladen, mit zu den Kindern hineinzukommen, denn obwohl er schon lange bei uns war, schien er doch çberhaupt kein Interesse an geistlichen Dingen zu haben. Er ging ein Stçck seines Weges, drehte dann aber wieder um. Als er den Gebetsraum betrat, nahm niemand Notiz von ihm; jeder war zu beschåftigt, sein eigenes Herz vor dem Herrn zu bewegen. Er ging in eine weit entfernte Ecke des Raumes und kniete sich zum ersten Mal in seinem Leben nieder und versuchte zu beten. 21
Da solch ein starkes Gefçhl der Gegenwart des Herrn im Raum war, hielt ich es fçr besser, den jungen Mann sich selbst zu çberlassen und mich nicht einzumischen, weil ich wusste, dass es ein Werk des Geistes und des Herrn allein sein musste. Nur kurze Zeit spåter bemerkte ich, wie der Lehrer mit erhobenen Armen und Trånen im Gesicht den Herrn anflehte, seine Sçnden zu vergeben, von denen ich ihn sagen hærte, dass es viele seien. Er war ein stolzer Mann, und die Tatsache, dass er bereit war, sich in Gegenwart seiner Schçler zu demçtigen, war der Beweis, dass der Heilige Geist wirklich am Werk war. Die Gemeinschaft blieb Stunde um Stunde zusammen und die Kinder zeigten keine Anzeichen, dass sie gehen wollten. Ich musste nichts tun oder sagen; der Herr schien vællig die Kontrolle zu haben; ich versuchte nur, Ihm nicht im Weg zu stehen. Als die Kinder in ihren Visionen den Schrecken der Hælle sahen, die Verzweiflung derer, die verloren waren und die unbeschreibliche Bosheit des Teufels und seiner Engel, stieûen sie in ihrer Agonie Schreie aus, wie ich sie noch nie zuvor gehært hatte. Es war alles so unglaublich real fçr sie. In ihren Visionen sahen viele sich selbst, wie sie in Ketten an den Rand der Hælle gezerrt wurden, die dabei zu einer schrecklichen und furchterregenden Realitåt wurde. Als sie erkannten, dass sie Sçnder in den Fången des Teufels waren, die Strafe verdient hatten, bekamen sie schreckliche Angst. Aber die Gnade des Herrn Jesus, Freiheit zu schenken, war genauso real. Die Freude, das Lachen und der Frieden, den sie empfingen, und die Erkenntnis, wovor sie bewahrt worden waren, war eine Erfahrung, von der ich sicher bin, dass sie nie in Vergessenheit geraten wird. Da sie alle seit dem frçhen Morgen in der Gegenwart des Herrn gewesen waren, dachte ich, dass in dem Moment, wenn das Abendessen zubereitet war, der Gottesdienst fçr diesen Tag mit Sicherheit zu Ende wåre. Das war nicht der Fall. Einige verlieûen den Gebetsraum fçr kurze Zeit, aber sie kamen alle bald zurçck und sagten, sie wollten die ganze Nacht auf den Herrn warten. Wir hatten so etwas noch nie 22
zuvor erlebt ± bis dahin hatte ein einstçndiger Gottesdienst fçr manche von ihnen schon zu lang gedauert. Wir hatten uns immer gewçnscht, dass sie mehr beten: jetzt, da sie es tatsåchlich wollten, warum sollten wir es ablehnen? Alle Kinder gingen an jenem Abend erst sehr spåt ins Bett, und erst um 6 Uhr am nåchsten Morgen verstummten auch die letzten Stimmen. Der Gebets- und Lobpreisgottesdienst, der ohne græûere Pausen çber 20 Stunden gedauert hatte, ging schlieûlich zu Ende. Josephine Baker
Die Ausgieûung setzt sich fort Nach den ersten beiden Tagen spçrte man Gottes Gegenwart nicht mehr so stark wie zuvor und Routine kehrte wieder ein, aber wir wollten am Abend noch etwas Zeit damit verbringen, auf den Herrn zu warten. Die Buben beschåftigten sich mit ihren Schulaufgaben und ich ging aus dem Haus, um einigen Leuten Besuche abzustatten und ihnen vom Evangelium zu erzåhlen. Unsere morgendliche Gebetsgemeinschaft begann jeden Tag gegen halb sieben. An jenem Morgen beteten wir wie sonst auch alle gleichzeitig und jeder verlieû den Raum, wann er wollte. Als ich um zwælf Uhr wieder kam, hærte ich, wie jemand im Gebetsraum betete. Als ich hineinging, um nachzusehen, wer es war, fand ich dort unseren ruhigsten und schçchternsten Jungen, Wang Gi Suen, einen Buben im Alter von ungefåhr acht Jahren, der sich hinter der Orgel versteckt hatte und mit lauter Stimme betete und weinte, wåhrend er seine Sçnden dem Herrn bekannte. Er hatte pausenlos seit dem Morgengottesdienst gebetet, ohne sich fçr das Frçhstçck Zeit zu nehmen. Als ich den Gebetsraum verlieû, war fçr die Jungen bereits Unterrichtsende. Normalerweise wçrden sie dann fçr den Rest des Tages in den Garten gehen oder eine andere Tåtigkeit suchen, aber ein paar von ihnen wollten wissen, ob sie bleiben kænnten, um zu beten. Nachdem ich ihnen gesagt 23
hatte, dass jeder der es wollte, zum Gebet bleiben konnte, gingen ein paar von ihnen an ihre Arbeit, wåhrend all die anderen in den Gebetsraum stræmten und anfingen zu beten. Beinahe sofort gab es eine erneute Ausgieûung des Heiligen Geistes. Von jenem Moment hielt die Ausgieûung an und çber eine Woche lang unternahm keiner den Versuch, irgendeiner geregelten Arbeit nachzugehen. Wir taten nur das Nætigste. Jeder verbrachte den Rest der Zeit damit, die herrlichen Segnungen Gottes in sich aufzusaugen. In den ersten paar Tagen legte niemand groûen Wert auf Essen oder Schlafen. Wann immer die jungen Leute anfingen zu beten, kam die Kraft Gottes und lieû viele zu Boden fallen. Es war unmæglich, das Essen zu regulåren Zeiten einzunehmen, ohne dem Werk des Heiligen Geistes in die Quere zu kommen. Wenn die Kraft Gottes sich von ihnen hob, gingen ein paar zusammen hinaus, um sich eine Zeit lang auszuruhen oder etwas zu essen, und dann kamen sie wieder zurçck in den Gebetsraum, um bald wieder unter der Kraft des Heiligen Geistes zu stehen. Diese Manifestationen des Geistes hielten so beståndig an, dass fast den ganzen Tag lang bis spåt in die Nacht manche unter Seiner Kraft standen. Wenn es abends gegen neun oder zehn Uhr ruhiger wurde, schlugen wir vor, dass alle zu Bett gehen und sich bis zum nåchsten Morgen ausruhen. Ûblicherweise wollten manche noch långer beten und auf den Herrn warten. Wåhrend diese weiter beteten, standen schlieûlich fast alle, die sich schlafen gelegt hatten, wieder auf und kehrten in den Gebetsraum zurçck. In diesen Nåchten gab es nicht viel Schlaf. Manche der Buben blieben die ganze Nacht çber im Gebetsraum. Sie wollten nicht schlafen. Wenn sie mçde wurden, ruhten sie sich auf dem Boden ein wenig aus und standen dann wieder auf, um den Herrn zu suchen. Bald hatten sie sich wieder ganz in Gottes Sache verloren. Eines ist sicher. Von uns Missionaren war wåhrend dieser Bewegung des Heiligen Geistes nur gefordert, nicht im Weg zu sein und sich nicht einzumischen in Sein wunderbares Werk. Unser Teil war, unsere eigenen Herzen zu æffnen, da24
mit auch wir eine tiefere Erfahrung der himmlischen Segnungen erleben konnten, die auf uns ausgeschçttet wurden. Unsere An- oder Abwesenheit bei den Zusammenkçnften machte wenig Unterschied. An einem der ersten Morgen wurden wir auf unserem Weg nach unten aufgehalten. Ohne gerufen werden zu mçssen, war ein Kind nach dem anderen in die Gebetsråume gegangen und hatte begonnen zu beten und den Herrn zu preisen. Als wir schlieûlich nach vielen Unterbrechungen bei den Gebetsråumen ankamen, fanden wir mehrere der jçngeren Kinder flach auf dem Boden unter der Kraft des Heiligen Geistes liegend und in anderen Sprachen singend vor. Von Anfang an çberstieg diese Erfahrung mit dem Heiligen Geist ± all die Manifestationen, Visionen und Offenbarungen ± alles, was wir bis dahin gekannt oder von dem wir je gehært hatten, sodass meine Frau und ich zueinander sagten, dass das einzige, worauf wir zurçckgreifen konnten, war, dass wir glaubten, dass Gott græûer war als der Teufel. Wir vertrauten auf Gottes Verheiûung: Oder welcher Mensch ist unter euch, der, wenn sein Sohn ihn um ein Brot bittet, ihm einen Stein geben wird? Und wenn er um einen Fisch bittet, wird er ihm eine Schlange geben? Wenn nun ihr, die ihr bæse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird euer Vater, der in den Himmeln ist, Gutes geben denen, die ihn bitten! (Matthåus 7,9-11) In all den Wochen, die folgten, bewies Gott uns, dass diese Verheiûung wahr ist. Wir wurden dadurch frei von Angst, als wir die wundervollen Taten Gottes sahen und hærten, die unter uns stattfanden. Jeder Tag war anders. Ein Wunder folgte dem anderen, wåhrend unser wunderwirkender Gott Seine Adullam-Schutzbefohlenen Schritt um Schritt und von Herrlichkeit zu Herrlichkeit durch Seine Schule des Heiligen Geistes fçhrte. 25