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Ursula Schmidt Gott schauen


Ursula Schmidt

Gott schauen

Verlag Gottfried Bernard Solingen


1. Auflage: November 2014

© Verlag Gottfried Bernard Heidstraße 2a 42719 Solingen E-Mail: Verlag.GottfriedBernard@t-online.de Internet: www.gbernard.de

Satz: Satz & Medien Wieser, Stolberg Covergestaltung: Stefanie Riewe, Kirchheim/Thüringen Bildquelle: „sunrise with clouds“ von style_TTT, shutterstock Druck: Müller Fotosatz, 95152 Selbitz ISBN 978-3-941714-36-6 Best.-Nr. 175536

Für Bibelzitate wird, wenn nicht anders angegeben, die Einheitsübersetzung verwendet. Weitere Übersetzungen: ELB = Elberfelder Übersetzung.


Inhalt Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Gottes Angesicht sehen: Biblische Aussagen . . . . . . 9 „Mit aufgedecktem Angesicht“ – Eine tägliche Übung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 Beten mithilfe der Vorstellungskraft . . . . . . . . . . . . . . 15 „In Übereinstimmung mit dem Glauben“: Vom Prüfen der Bilder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 „Wir schauen die Herrlichkeit des Herrn an“: Beispiele . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 „Wir werden verwandelt in sein Bild“: Praktische Auswirkungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Geheiligte Vorstellungskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28 Eine verunreinigte Vorstellungskraft . . . . . . . . . . . . . 28 Die verwundete Vorstellungskraft . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Gebet um Reinigung und Heilung der Vorstellungskraft . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 34

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Vorwort Jede Zeit hat ihre eigenen Schlagworte, die in jedermanns Munde sind. Heute etwa sind es unter uns Christen die Begriffe Intimität oder Gegenwart Gottes. Doch was heißt das praktisch? Was muss ich tun, damit solche Begriffe für mich Hand und Fuß bekommen? Genau hier hakt die Autorin dieses Booklets ein. Sie schafft – fast möchte ich sagen: mit mütterlicher Hand – souverän Ordnung in dem oft unbewussten Durcheinander von Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen. Mit ihrer Lehrbegabung und Klarheit der Sprache geht sie mit uns Schritt für Schritt immer tiefer hinein in die Materie. Was vorher kompliziert schien, wird plötzlich einfach und einleuchtend. Immer wieder wurde ich beim Lesen an den Altmeister christlicher Lehre, Derek Prince, erinnert, der in derselben Weise Zusammenhänge erhellen konnte. Zum Schluss ihrer Ausführungen werden Nägel mit Köpfen gemacht. Auch da wieder die mütterliche, aber bestimmte Hand der Autorin, die niemanden auf dem Weg zurück lässt. Dass sie auch Splitter ihres eigenen Lebens einfließen lässt, gibt dem Ganzen zusätzlichen Glanz und Glaubwürdigkeit. Persönlich glaube ich, dass der Engel mit dem Flammenschwert hinten auf dem Gepäckträger ihres Studentenfahrrads auch diesmal mit von der Partie gewesen ist. Er hat allen Grund, zufrieden zu sein, und ich hoffe mit ihm, dieses Booklet sei ein Versprechen für künftige Publikationen. Geri Keller 7


Der Tag war lang gewesen – und nicht so besonders befriedigend. Müde kam ich heim, legte Jacke, Tasche und Schuhe ab und lies mich in einen Sessel fallen. Zum Beten war mein Kopf zu leer und zu müde. So setzte ich mich in Gedanken auf den Schoß Jesu, lehnte meinen Kopf an seine Schulter, stellte mir vor, wie seine Arme mich einhüllten, und war einfach still. Nichts Besonderes geschah in dieser Stille; nur ein leiser Trost kam, ein Bewusstsein seiner liebenden Gegenwart. Er wusste alles, was an diesem Tag gewesen war. Er war dabei gewesen und hielt alles jetzt in seiner Hand. Er würde mir helfen, das Erlebte nach und nach zu sortieren. Auf viele unterschiedliche Arten und Weisen können wir Menschen beten und so Gott begegnen. In alltäglichen Stoßgebeten gehen für Sekunden meine Gedanken kurz zu Gott. In manchen Gottesdiensten betet die Gemeinde mit den biblischen Psalmen, gesungen oder im Wechsel gesprochen. Gemeinsam beten wir das Vaterunser. Auch viele der geistlichen Lieder sind Gebete, die an Gott gerichtet sind. In der persönlichen oder gemeinsamen Fürbitte für die Anliegen Gottes in der Welt haben wir Teil am Wirken Gottes. Im persönlichen Gebet kann ich mit Gott reden wie mit einem Freund. Ich danke ihm. Ich bringe ihm meine Traurigkeit und meinen Schmerz oder meinen Ärger. Ich darf meine Anliegen vor ihm ausbreiten und um sein Eingreifen bitten. Gott möchte alle diese Gedanken und Gefühle hören. Er möchte Anteil nehmen an meinem Leben. Er ist ja selbst Mensch geworden, so dass er alles, was Menschen er8


leben, kennt. Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freud ist doppelte Freud – sagt das Sprichwort. Gott möchte unsere Freude verdoppeln und unser Leid mit uns tragen. In diesem kleinen Buch aber soll es um eine noch ganz andere Form des Betens gehen, eine Form der Begegnung mit Gott, die oft ohne Worte auskommt und dabei vielfach tiefer in mein Herz geht.

Gottes Angesicht sehen: Biblische Aussagen Das Alte Testament verwendet vielfach den Begriff „schauen“ oder „sehen“ für die Begegnung mit Gott. Mose bat Gott, Gottes Herrlichkeit und sein Angesicht zu sehen, um den Mut aufzubringen, das Volk durch die Wüste zu führen. Gott antwortete ihm: „Du kannst mein Angesicht nicht sehen; denn kein Mensch kann mich sehen und am Leben bleiben“ (2. Mose 33,20). Und Simsons Vater erwartete, sterben zu müssen, weil er Gott in Gestalt eines Engels gesehen hatte: „Sicher müssen wir sterben, weil wir Gott gesehen haben“ (Richter 13,22). In der Gegenwart der Heiligkeit Gottes zerbricht unser unheiliges menschliches Leben wie eine Eierschale, mit 9


der man Wasser aus einem donnernden Wasserfall zu schöpfen versucht. Als Jesaja in einer Vision Gott auf seinem Thron schaute, rief er: „Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen“ (Jesaja 6,5). Nur weil Gott selber ihn von seiner Schuld reinigte, konnte Jesaja bestehen. Daraufhin wurde er von Gott beauftragt, als Prophet zum Volk Israel zu sprechen. Mose durfte Gott hinterherschauen und empfing so den Mut für die Wanderung durch die Wüste. Simsons Vater bekam mit seiner bisher unfruchtbaren Frau einen Sohn. Diese Erfahrung einer tiefen Kraft macht auch Hiob, als er Gott schaut. Mitten im seinem unfassbaren Leid erlebt er eine Begegnung mit Gott: „Vom Hörensagen nur hatte ich von dir vernommen; jetzt aber hat mein Auge dich geschaut“ (Hiob 42,5). Sein Leid ist nicht vorbei, seine Fragen bleiben unbeantwortet. Aber Hiob scheint von nun an nicht mehr fragen zu müssen. Die Schau Gottes bringt in ihm etwas zur Ruhe, sie hat seine Fragen „erlöst“. Bei Hiob bricht außerdem die Ahnung auf, dass es eine Zeit geben wird, in der das Schauen Gottes nicht mehr Lebensgefahr bedeutet, sondern ungebrochene Gemeinschaft mit ihm:

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