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LESEPROBE

Andreas Lau, Tabea Schönfelder Und ihr werdet finden


LESEPROBE

Andreas Lau, Tabea Schönfelder

Und ihr werdet finden Erprobte und kreative Formate für die Advents- und Weihnachtszeit


LESEPROBE

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen, insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG zu gewinnen, ist untersagt. © 2025 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Andreas-Bräm-Straße 18/20, 47506 Neukirchen-Vluyn, info@neukirchener-verlage.de Alle Rechte vorbehalten Covergetaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung eines Bildes © HappyPictures (shutterstock) Lektorat: Anna Böck DTP: publish4you, Roßleben-Wiehe Verwendete Schrift: Chaparral Pro, Myriad Pro Gesamtherstellung: Dimograf Sp. z o.o., Bielsko-Biała Printed in Poland ISBN 978-3-7615-7074-6 www.neukirchener-verlage.de


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Inhalt

Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Adventswochen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ochsenkopfantennen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Geistlicher Impuls und Gebet zu einem Adventskonzert . . . . . . Gebet (im Wechsel von zwei Personen gebetet) . . . . . . . . . .

Zeitgeber . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Geistlicher Impuls zu einem Adventskonzert . . . . . . . . . . .

Wut . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zur Adventszeit über Jesaja 63,15–64,3 . . . . . . . . . .

In guten wie in schlechten Zeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . .

14 14 17 17

Predigt zur Adventszeit über 2. Korinther 1,12–20 . . . . . . . . .

21 21

Stille im Advent (Gerechtigkeit) . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Besonderes Andachtsformat zum Thema Gerechtigkeit – mehrteilig . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abend 1 – „Muss ich die Welt retten?“ . . . . . . . . . . . . . . .

Abend 4 – „Vielfalt im Sein” . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Gottesdienstentwurf zur Andachtsreihe: Stille im Advent – Was bin ich wert? . . . . . . . . . . . . . . . .

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Abend 2 – „Wer ist mein Nächster?” . . . . . . . . . . . . . . . . Abend 3 – „Was geht mich fremdes Elend an?” . . . . . . . . . .


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Stille im Advent (Spiegel) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Abend 4 – Veränderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

53 53 53 57 60 64

Gottesdienstentwurf zu Stille im Advent – Spieglein, Spieglein … . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Besonderes Andachtsformat zum Thema Spiegel – mehrteilig . . Abend 1 – Ebenbild Gottes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abend 2 – Sehen, handeln, werden . . . . . . . . . . . . . . . . Abend 3 – Reflexion . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Kindergruppen-Entwürfe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Entwürfe für die Arbeit mit Kindern . . . . . . . . . . . . . . . . Elisabeth – Stundenentwurf zum Thema „Mut machen” . . . . . Maria – Stationenweg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Josef – Stundenentwurf mit Stationen zum Ausprobieren . . . .

Rückenschule des Glaubens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Beginn der Adventszeit . . . . . . . . . . . . . . . . .

Zweifel und Hoffnung, ein Briefwechsel . . . . . . . . . . . . . . Predigt oder zweiteiliger Beitrag im Gemeindebrief . . . . . . . .

Feindiagnostik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu einem Adventssonntag . . . . . . . . . . . . . . . . .

Licht in der Dunkelheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

76 76 76 79 85 91 91 95 95 99 99

Predigt zu einem Adventssonntag . . . . . . . . . . . . . . . . .

102 102

Schneegrenze Gottesdienstentwurf . . . . . . . . . . . . . . . .

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Kompletter Gottesdienstentwurf samt Predigt zu 1. Könige 19,1–13 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Was bleibt, wenn das Mitleid zu Ende ist? . . . . . . . . . . . . .

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Text für den Gemeindebrief oder als geistlicher Impuls zu verschiedenen Anlässen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Wer drückt den Knopf? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Text für den Gemeindebrief oder als geistlicher Impuls zu verschiedenen Anlässen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

117

Abschiedsbrief von Josef an Jesus . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Text mit Impulsfragen für ein Adventsthema in verschiedenen Erwachsenenkreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Heilig Abend und Weihnachtsfeiertage . . . . . . . . . . . . .

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Ambiguitätstoleranz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Predigt zu 2. Mose 2,1–10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Bei Störung draufhauen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Heiligabend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Lächerlich? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

129 129

Predigt zu Heiligabend vor einem Krippenspiel . . . . . . . . . .

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Und ihr werdet finden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ausformulierter Weihnachtsgottesdienst für zu Hause mit Broschürenvorlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Oh, bitte nicht! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Lukas 2,1–20; Matthäus 2,1–12; Lukas 1,46–55 . . . . . .

Bewegte Herzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Lukas 2,18–19 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Radikale Freundlichkeit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Titus 3,4–7 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Als die Welt sich schätzen ließ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Kurzpredigt zu Lukas 2,1–2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

140 140 147 147 152 152 155 155

Jahreswechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Auf dem Weg . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

158 158

Predigt zu Josua 1,9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Steuern oder steuern lassen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Sprüche 16,9 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Verwerfen – Einordnen – Rahmen . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Komplett ausformuliertes Gottesdienstformat zum Altjahresabend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Neujahrspost . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Predigt zu Lukas 4,18–19 zum Neujahrstag mit Karte zum Mitgeben als Vorlage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Epiphanias . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Zeichen deuten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ausformulierter Entwurf eines Familiengottesdienstes zu Epiphanias . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

179

Gottes Wege und Gedanken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu Jesaja 55,8.9 und Matthäus 2,1–12 . . . . . . . . . . .

Goldene Farbe? – Gottes anstößige Farbwahl . . . . . . . . . .

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Predigt zu 2. Korinther 4,3–6 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Lichtmess . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Vom Umgang mit Krisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Predigt zu 2. Mose 32,7–14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Licht und seine zwei Aufgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zum Thema Licht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Der Letzte macht das Licht aus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Predigt zu einem Abendgottesdienst anlässlich Lichtmess . . . .

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Adventswochen

Ochsenkopfantennen Geistlicher Impuls und Gebet zu einem Adventskonzert #kirchennah Ochsenkopfantennen – das waren jene selbstgebauten Drahtgebilde, mit denen man in der DDR versuchte, Westfernsehen zu empfangen. Heute sieht man sie kaum noch und früher sollte man sie nicht sehen, zumindest nicht im DDR-Gebiet. 1968 erschien erstmals ein Buch über die zahlreichen Möglichkeiten, eine Antenne zu bauen. Das Antennen-Buch von Eberhard Spindler umfasste über 200 Seiten. Was wurde nicht alles gebastelt und probiert, um ein Signal zu empfangen – ein Bild, das mehr war als Rauschen und verschwommene Umrisse. Was wurde nicht alles getüftelt und an Ausrichtungen getestet, um endlich Westfernsehen schauen zu können. Auch im Adventslied „Wie soll ich dich empfangen“ (EG 11) singen wir von der Suche nach der richtigen Ausrichtung. Dabei geht es nicht um die Klarheit eines Fernsehbildes, sondern um die Suche nach einem klaren, unverzerrten Bild vom Leben und von der Welt. Auch für diese Klarheit spielt die richtige Ausrichtung eine entscheidende Rolle. Zeit und Aufmerksamkeit sind nötig. „Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir?“, so heißt es im Lied.

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Gott, wie geht das eigentlich bei Dir? Wie kann ich etwas von Dir spüren, Dir begegnen und Dich in Klarheit erleben? Es gibt gewisse Orte, an denen ein guter Empfang zu erwarten ist, und Orte, an denen es schwerfällt. Früher war es das sogenannte Tal der Ahnungslosen – das Dresdner Elbtal, in dem der Empfang von Westfernsehen kaum möglich war. Durch die Glaubenserfahrungen vieler Generationen vor uns sind Orte oder zumindest Wege markiert, auf denen es wahrscheinlicher ist, Gott zu empfangen und ihm zu begegnen: in der Ruhe, der Stille, in Musik, Gemeinschaft, der Natur, in von Geist erfüllten Worten und vielem mehr. Gerade in der Adventszeit suchen wir diese Orte besonders. Vielleicht gehört auch dieses Adventskonzert zu dem Versuch, Besinnlichkeit – oder sollte man sagen „Empfangsstärke“ – zu erleben. Vielleicht sind wir heute eine Art Antennengemeinschaft, die das gleiche Anliegen verbindet. Was die Ochsenkopfantennen zu DDR-Zeiten so bekannt machte, war eine einfache Tatsache: Sie haben funktioniert. Und das, was durch sie sichtbar wurde, hat den Horizont erweitert. Als Menschen Jesus erlebten – sein Handeln, seine Worte und die Art, wie er Menschen begegnete –, da empfingen sie die Nähe Gottes so klar und intensiv wie nirgendwo sonst. Diese Erfahrung machten nicht nur Menschen zu Lebzeiten Jesu. Dass mit ihm noch immer ein lebensveränderndes Bild von uns und dieser Welt empfangen werden kann, davon zeugen zwar kein Antennenbuch mit 200 Seiten, dafür aber die Erfahrungen unzähliger Menschen damals wie heute. Die Adventszeit läuft auf Jesus zu und sagt uns: Mit Jesus kann etwas empfangen werden, das unseren Horizont übersteigt. Die Ausrichtung der Adventszeit hat mit ihm zu tun. Kopf und Herz mit ihm auf Gott auszurichten, bringt ein neues Bild für vieles. Für das, was mit Jesus empfangen werden kann, gibt es glücklicherweise kein Tal der Ahnungslosen. Es gibt keine Schattenseiten, aus denen heraus man ihn nicht mehr empfangen könnte. Es ist immer eine Frage der Ausrichtung. Und dort, wo ich weiß, dass etwas empfangen werden kann, bin ich vielleicht auch geduldiger in 12


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diesem Prozess des richtigen Ausrichtens. Möge dieser Abend uns dabei helfen, zu erleben, wie die Ausrichtung mit Jesus unser Leben und das, was uns beschäftigt, neu sehen lässt. Gebet (im Wechsel von zwei Personen gebetet) 1. Person Wie soll ich dich empfangen und wie begegn’ ich dir? Gott, wo finde ich Dich im Durcheinander meiner Gedanken und im Schneesturm meiner Gefühle? Wo kann ich Dich suchen in der endlosen Weite all der Meinungen und Ansichten?

2. Person O aller Welt Verlangen, o meiner Seele Zier, die Welt sucht Dich und nennt Dich Glück, Erfüllung, Frieden und Ruhe. Doch Du suchst uns und nennst uns Deine Kinder – egal, ob wir zu Dir hin oder von Dir weglaufen. 1. Person O Jesu, Jesu, setze mir selbst die Fackel bei. Du leuchtest mir den nächsten Schritt, nicht mit Flutlichtstrahlern aus der Ferne, sondern mit der Fackel Deiner Geborgenheit, weil Du an meiner Seite bist. 2. Person Damit, was dir gefällt, mir kund und wissend sei. Hilf mir, zu erkennen, was Deinem Wesen entspricht. Lass mich den Klang hören, den Du in diese Welt bringen willst. Gib mir den Ton, der Dein Lied der Hoffnung hörbar macht – für mich und für die Welt. A. L. 13


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Heilig Abend und Weihnachtsfeiertage

Ambiguitätstoleranz Predigt zu 2. Mose 2,1–10 #kirchennah Ambiguitätstoleranz. Na super. Wahrscheinlich erwartet ihr an diesem Weihnachtsmorgen eine gut verständliche Predigt – und ich starte direkt mit einem Fremdwort. Vielleicht kennt es der eine oder die andere auch schon: Ambiguitätstoleranz. Klingt erstmal fremd – es wird euch aber nicht fremd sein.

Vielleicht erkennt ihr euch in einer der folgenden Situationen wieder: Du bist ein total strukturierter Mensch, dessen Tag eine geplante To-do-Liste hat, die abgehakt wird. Ordnung ist für dich das A und O. Gleichzeitig lebst und arbeitest du oft mit Menschen zusammen, die völlig chaotisch sind. Und erstaunlicherweise funktioniert das irgendwie! Ihr seid Eltern oder Großeltern und habt den Blick immer auf die Bedürfnisse eurer Kinder und Enkel gerichtet. Ihr wollt ihnen gerecht werden und gleichzeitig spürt ihr, dass Zeit, Energie und Ressourcen manchmal einfach nicht ausreichen. 124


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Oder vielleicht achtet ihr darauf, was ihr kauft. Nachhaltigkeit und Schöpfungsbewahrung liegen euch am Herzen, das ist für euch ein großes Gut. Gleichzeitig greift ihr trotzdem manchmal zu Produkten, die weder nachhaltig noch bio sind, weil es eben gerade nicht anders geht. Ihr wisst genau, dass es euch guttun würde, euch mehr zu bewegen und öfter an die frische Luft zu gehen. Gleichzeitig seid ihr am Ende eines langen Tages oft einfach zu erschöpft, um noch die Kraft für eine Runde draußen aufzubringen. Oder: Man steht am Grab und ist zutiefst dankbar für ein gelebtes Leben und gleichzeitig ist da eine große Traurigkeit um den Verlust. Wir feiern heute Weihnachten in einer gut beheizten Kirche, und ich vermute, die meisten von euch werden nachher ein leckeres Essen genießen. Gleichzeitig geschieht all das in einer Welt, in der Krieg herrscht, in der Menschen andere schmerzlich vermissen und in der Einsamkeit für viele Alltag ist. Um all diese oder auch andere Situationen auszuhalten, braucht es Ambiguitätstoleranz. Ambiguitätstoleranz bedeutet, das und gleichzeitig im Leben anzunehmen. Es beschreibt die Fähigkeit, mit Widersprüchen und Mehrdeutigkeiten zurechtzukommen – und das auch zu müssen, weil es oft keine einfache Lösung oder den einen richtigen Weg gibt. Ambiguitätstoleranz heißt, Spannungen wahrzunehmen und irgendwie auszuhalten. Das gilt nicht nur heute, sondern es galt auch damals – wie in unserem Bibeltext aus 2. Mose 2,1–10. Lesung 2. Mose 2,1–10 Diesem Anfang, dieser Geburtsgeschichte, wohnt kein Zauber inne. Im Abschnitt vor dieser Passage erfahren wir, dass der Pharao – von unsagbarer Angst getrieben, das Volk der Hebräer könnte zu mächtig werden – den grausamen Befehl gab, alle neugeborenen Jungen in den Nil zu werfen. Und genau in dieser Situation bringt eine 125


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Frau – ihr Name ist Jochebed – einen kleinen Sohn zur Welt, der später Mose genannt werden wird. Sie schaut ihn an, sieht, dass er schön, wertvoll oder, wie es auch übersetzt werden kann, gut ist. Sie hält dieses kleine, zerbrechliche Leben in ihren Armen, erfüllt von Liebe und gleichzeitig von tiefster Angst. Drei Monate lang kann sie ihren kleinen Sohn verstecken. Doch dann bleibt ihr keine andere Wahl: Sie legt ihn in ein kleines Kästchen. Das Wort, das hier für Kästchen oder Körbchen verwendet wird, ist dasselbe wie für Arche – ein Behältnis, das retten soll. Voller Hoffnung und Angst setzt sie ihren Sohn in dieses Kästchen und versteckt es am Ufer des Nils – jenes Flusses, der bereits so viele tote Jungen in seinen Wassern verborgen hielt. Wie widersprüchlich: Ihr geliebtes Kind genau dort zu verstecken, wo eigentlich der Tod lauerte, und gleichzeitig die Hoffnung zu haben, dass er gerettet wird. Am Ende darf sie ihren eigenen Sohn weiter stillen und versorgen – in ihrem Herzen als seine Mutter, offiziell jedoch nur als seine Amme. Jochebed musste enorme Spannungen, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten ertragen. Es brauchte Ambiguitätstoleranz. Und dann ist da noch Mirjam, die Schwester. Auch ihr Name wird erst später erwähnt. Sie sieht, wie ihre Mutter das Körbchen mit ihrem kleinen Bruder am Nil ablegt, und bleibt in der Nähe, um zu beobachten, was geschieht. Mirjam musste damit rechnen, ihren Bruder im Nil ertrinken zu sehen. Gleichzeitig hatte sie die Hoffnung, dass alles gut ausgehen würde. Im entscheidenden Moment trifft sie die richtigen Entscheidungen – Entscheidungen, die alles andere als einfach waren. Doch was wäre der einfachere Weg gewesen? Gab es ihn in dieser Situation überhaupt? Auch Mirjam brauchte Ambiguitätstoleranz, die Fähigkeit, das Gleichzeitige auszuhalten. Eine weitere Frau tritt in dieser Erzählung auf – die Tochter des Pharao. Ihr Name bleibt unbekannt. Sie entdeckt den Jungen, erkennt, dass es ein hebräisches Kind ist, das eigentlich getötet werden sollte. Und gleichzeitig kann sie das nicht zulassen. Auf der 126


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einen Seite weiß sie um den Befehl ihres Vaters, auf der anderen Seite spürt sie den Wunsch, dieses Kind zu retten und bei sich zu behalten. Ambiguitätstoleranz – Aushalten von Spannungen. Was ist das für eine Geschichte – so nah am Leben. Sie enthält kein Schwarz-Weiß, sondern jede Menge Graubereiche. Die drei Frauen werden in ihren ganz persönlichen Situationen gezeigt, und es wird deutlich: Es gibt keine einfachen Wege. Es fehlt die eine klare Handlungsoption, die eindeutig und unstrittig die richtige wäre. Alle drei handeln nicht strikt nach dem, was ihnen vorgegeben wird. Stattdessen treffen sie inmitten von Spannungen, Widersprüchen und Mehrdeutigkeiten mutige Entscheidungen. Sie geben kluge Ratschläge und widersetzen sich der grausamen Machtpolitik. Was befähigt diese Frauen, die Spannungen auszuhalten und so zu handeln, wie sie es tun? Für Mirjam und Jochebed ist es die Hoffnung auf Leben – für ihren Bruder und Sohn. Die Tochter des Pharaos wird von Mitgefühl bewegt. Alle drei halten Spannungen aus, suchen nicht nach einfachen Lösungen und kooperieren trotz ihrer Unterschiede in dieser herausfordernden Situation. Dadurch bewirken sie die Rettung eines Kindes, das später das hebräische Volk aus der Sklaverei führen wird. Ambiguitätstoleranz – die Fähigkeit, Spannungen auszuhalten – schafft Leben. Ist euch aufgefallen, wer in dieser Geschichte nicht vorkommt? Jedenfalls nicht klar erwähnt? Gott. Und doch erkennen wir im Rückblick auf diese Erzählung seine Handschrift im größeren Zusammenhang. Er ist da – mitten in den Widersprüchen und Spannungen. Er ist es, der Hoffnung schenkt, die Jochebed und Mirjam nicht resignieren, sondern mutig nach anderen Wegen suchen lässt. Er ist es, der Mitgefühl schenkt, das die Tochter des Pharaos den Befehl ihres Vaters missachten lässt. Er ist es, der den Mut schenkt, der Mirjam auf die Pharaostochter zugehen lässt. 127


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Gott wirkt in den Spannungen, den Widersprüchen und den Graubereichen. Heute ist Weihnachten. Wir feiern nicht die Geburt von Mose, aber seine Geschichte erinnert uns an eine weitere, die ebenso Ambiguitätstoleranz erfordert – eine Geschichte voller Spannungen und Widersprüche. Ein Gott, der Mensch wird. Geboren von einer Jungfrau. Nicht in einem Palast, sondern in einem Stall. Gefunden von einfachen Hirten und klugen Sterndeutern. Der Beginn einer Geschichte, die Menschen immer wieder herausfordert – und die ganz widersprüchlich endet: aus Liebe am Kreuz. Damit wir Menschen ewig in Beziehung zu Gott leben können. Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist kein einfacher, geradliniger Weg. Sie ist geprägt von Spannungen und Widersprüchen – sowohl im damaligen Denken als auch in unserem heutigen. Gott wirkt in den Spannungen. Natürlich wäre das Leben leichter, wenn es immer klare, einfache Antworten und Wege gäbe – schwarz oder weiß. Aber das Leben ist oft komplexer, voller Grautöne dazwischen. Und genau das erfordert Ambiguitätstoleranz: die Fähigkeit, mit diesen Grautönen zu leben und sie auszuhalten. Das klingt vielleicht leicht gesagt, aber oft ist es alles andere als einfach. Spannungen können so groß werden, dass sie uns innerlich fast zerreißen. Doch Gott wirkt in diesen Spannungen. Er hält sie zusammen. Gott wirkt in den Widersprüchen und Mehrdeutigkeiten unseres Lebens. Wo die Gleichzeitigkeit von Glaube und Zweifel spürbar wird, bleibt Gott an unserer Seite. In Zeiten, die nicht eindeutig sind, die von Unsicherheiten und Ängsten geprägt sind, gibt er uns sein Versprechen: Er ist immer da wie eine feste Burg, auf die wir vertrauen können. Wo wir mit anderen Menschen unterwegs sind, wo unterschiedliche Frömmigkeitsstile, Ansichten und Meinungen Spannungen erzeugen, da kann der Blick auf Jesus uns die Bereitschaft zum Dialog und die Liebe füreinander schenken. 128


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Wo wir die Gleichzeitigkeit von eigenen Ansprüchen und den begrenzten Ressourcen – Zeit, Kraft und Nerven – spüren, dürfen wir Gnade annehmen. Eine Gnade, die uns trägt und ruhig werden lässt. Wo Leben und Tod ineinander verwoben sind, ist Gott derjenige, der trägt, tröstet und uns das Versprechen des ewigen Lebens gibt. Zu Weihnachten lesen wir davon, dass Gott kommt, dass er handelt. Bei Mose erkennen wir ihn im Rückblick auf die Geschichte. Gott wird erlebbar in den Spannungen – damals bei Mose am Nil, bei Maria, Josef und Jesus im Stall und auch heute in unserem eigenen Leben. Manchmal begegnet er uns ganz leise und erst im Rückblick spürbar. Und manchmal kommt er mit Engeln und Posaunen. Gott wirkt. Amen. T. S.

Bei Störung draufhauen? Predigt zu Heiligabend #kirchenfern Der Röhrenfernseher – eigentlich taucht er heute nur noch selten auf. Ja, ich meine jenes Gerät, das so tief war und so viel Platz brauchte, dass es immer um einen gefühlten Meter über die Schrankwand hinausschaute. Was die wenigsten wissen, ist, dass der Röhrenfernseher unser Verhalten gegenüber Technik bis heute geprägt hat. Denn was machte man, wenn das Bild einmal nicht in Ordnung war oder flackerte? Man haute einfach mal auf den Fernseher drauf, und schon war das Bild wieder stabil. Wieso das Ganze funktionierte? Nun, manchmal gab es kalte Lötstellen im Gerät. Kalte Lötstellen sind gelötete Verbindungen,

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Lichtmess

Vom Umgang mit Krisen Predigt zu 2. Mose 32,7–14 #Kerngemeinde „Meine größte Angst ist es, Kinder in eine Welt zu setzen, die so ist wie unsere gerade.“ Diesen Satz hörte ich vor kurzem in ähnlicher Form von einer Jugendlichen. Wenn ich ehrlich bin, war ich darüber zum einen erschrocken, zum anderen konnte ich ihn nachvollziehen. Er bringt etwas zum Ausdruck, was junge Menschen heute bewegt: eine negative Sicht auf die Welt, in der sie leben und erwachsen werden. Im Jahr 2024 wurde eine Studie veröffentlicht, die Jugendliche zu ihrer Lebenssituation, ihren Befürchtungen und ihren Zukunftsaussichten befragte. Die Studie „Jugend in Deutschland“ bringt es auf den Punkt: Junge Menschen blicken heute sehr pessimistisch in die Zukunft – mit großen Sorgen und Ängsten, aber wenig Hoffnung. Sie sorgen sich um unsere Welt und darum, dass nicht genug gegen die Klimakrise unternommen wird. Sie nehmen die Spaltungen in der Gesellschaft wahr und wissen oft nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie erleben die Inflation hautnah und werden in Nachrichten und sozialen Medien ständig mit negativen Schlagzeilen zur politi-

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schen Lage im eigenen Land sowie zu Kriegen und Gewalt weltweit konfrontiert. All das führt dazu, dass viele glauben, weder ihr eigenes Leben noch die gesellschaftlichen Lebensbedingungen könnten positiv beeinflusst werden. Kurz gesagt: Viele haben das Gefühl, dass alles den Bach runtergeht. Das hat zur Folge, dass 51 % der Befragten angeben, hohen psychischen Belastungen ausgesetzt zu sein. 36 % der Jugendlichen fühlen sich erschöpft, 17 % hilflos, und 11 % sind aufgrund psychischer Belastungen sogar in Behandlung. Viele Jugendliche sind also geprägt von Sorgen, Hoffnungslosigkeit und dem Gefühl, dass sich niemand um ihre Probleme kümmert. Eine ihrer Reaktionen darauf ist, sich verstärkt radikalen Parteien zuzuwenden, weil sie sich vom Rest der Gesellschaft im Stich gelassen fühlen. Pessimismus und das Gefühl, im Stich gelassen zu werden, kannte auch das Volk Israel. Nach der Befreiung aus Ägypten ziehen sie 40 Jahre durch die Wüste – unter herausfordernden Bedingungen. Wie lange das noch dauern wird, wissen sie nicht. Die Zeiten sind schwer, und zu allem Überfluss ist ihr Anführer Mose lange Zeit nicht bei ihnen. Das Volk wird unruhig, wünscht sich eine andere Perspektive und bittet Aaron, ihnen Halt zu geben in dieser schwierigen Zeit. Sie wünschen sich eine Gottheit, die nahbar und sichtbar ist, etwas Greifbares. Aaron lässt sich darauf ein und formt aus dem Gold der Israeliten das Goldene Kalb. Mose – der Mann, dem das Volk vertraute, weil er es aus der Sklaverei führte – bekommt davon zunächst nichts mit. Er erfährt davon erst durch Gott selbst. Lesung 2. Mose 32,7–14 (Einheitsübersetzung) Verschiedene Akteure der Geschichte haben verschiedene Gefühle und Handlungen – lasst uns in jede Perspektive für einen Moment eintauchen. Das Volk Israel Das Volk Israel fühlt sich verlassen. Mitten in der Wüste erleben sie weder ihren starken Anführer noch den Gott, der sie schon aus 194


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weitaus schlimmeren Situationen befreit hat. Sie müssen in unklaren Zeiten ausharren, und das kostet enorm viel Kraft. Doch sie haben weder die Energie, um geduldig auf eine Besserung zu warten, noch die Zuversicht, um Gott um Hilfe zu bitten. Stattdessen sehnen sie sich nach Veränderung – doch ihre Lösung führt in die völlig falsche Richtung: Sie lassen eine Statue aus Gold anfertigen, die ihnen scheinbar Schutz und Hilfe geben soll. Es ist ihre Strategie, mit der belastenden Situation umzugehen. Dabei bedenken sie nicht, dass diese Handlung nicht nur unwirksam ist, sondern auch Gott missfällt und ihn zornig macht. Gott Gott ist sauer. Hatte er nicht sein Volk befreit, es durch das Meer geführt und ihm Gebote für ein gelingendes Leben gegeben? „Ich bin der Herr, dein Gott! Ich habe dich aus dem Land Ägypten he­ rausgeführt – aus dem Leben in der Sklaverei. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben!“ (2. Mose 20,2–3 – Basisbibel) – so lautet das erste Gebot, das das Volk Israel nur kurze Zeit zuvor empfangen hatte. Und nun muss Gott mitansehen, wie das Volk einen Weg einschlägt, den er nicht vorgegeben hat. Einen Weg, der das Volk nicht in Beziehung zu ihm bringt, sondern weg von ihm. Gott ist so zornig, dass er nicht mehr von „seinem“ Volk spricht. Stattdessen heißt es: „Da sprach der HERR zu Mose: Geh, steig hinunter, denn dein Volk, das du aus dem Land Ägypten heraufgeführt hast, läuft ins Verderben.“ (2. Mose 32,7 – Einheitsübersetzung) Gott ist so wütend, dass er seinem Zorn freien Lauf lassen will. Und mitten in diesen Zorn hinein spricht ein Mensch: Mose Mose ist überrascht – er hat von all dem, was geschehen ist, überhaupt nichts mitbekommen. Wie er persönlich zu dem steht, was das Volk Israel getan hat, erfahren wir an dieser Stelle nicht. Doch er tritt als Anwalt des Volkes auf und geht mit Gott in eine Diskus195


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sion. Dabei bringt er drei Argumente vor, warum Gott seinen Zorn zurücknehmen sollte: 1. Dann wäre doch alles umsonst gewesen! Du hast dein Volk, das du liebst, aus der Sklaverei befreit und bist diesen Weg mit ihm gegangen. Sollte das alles vergeblich gewesen sein? 2. Was sollen denn die Ägypter denken? Sollen sie glauben, dass du ein Gott bist, der sein Volk nur befreit, um es am Ende selbst zu vernichten? 3. Denk an dein Versprechen! Denk an Abraham, Isaak und Israel, denen du zugesagt hast, dass sie zu einem großen Volk werden und dass du ihr Gott sein wirst! Mose lässt nicht locker und sein eindringliches Plädoyer bringt Gott dazu, seine Meinung zu ändern: Aus dem Volk Mose wird wieder das Volk Gottes: „Da ließ sich der Herr das Unheil reuen, dass er seinem Volk angedroht hatte.“ (2. Mose 32,14 – Einheitsübersetzung. Hervorhebung durch Autorin) Zwar gibt es in der Geschichte nur diese drei Akteure, die auf die Situation blicken, doch durch das Lesen und Hören werden auch wir Teil der Erzählung. Wie gehen wir damit um, dass die Bibel von einem Gott berichtet, der so zornig ist, dass er sein eigenes Volk vernichten möchte? Gerade in einer Zeit, die von Krieg geprägt ist, ist das ein Bild, das schwer auszuhalten ist. Wie gehen wir damit um, dass Gott sich umstimmen lässt – wo er doch als souverän gilt? Wie begegnen wir dem Mut und vielleicht auch der Frechheit von Mose, der es wagt, Gott „in Frage“ zu stellen? Welche Antworten haben wir auf all das? Wir können versuchen, eine geschichtliche Erklärung zu finden: Vermutlich handelt es sich bei unserem Text um eine nachpriesterliche Erweiterung. Das bedeutet, er ist erst viel später entstanden, als die eigentliche Geschichte des Volkes Israel in der Wüste spielt. Eine Erklärung, die vermutlich deshalb entstand, weil sich Menschen im Nachhinein fragten, warum Gottes Zorn das Volk nicht getroffen hat. 196


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Eine weitere Antwortmöglichkeit könnte ein Perspektivwechsel sein. Statt auf den zornigen Gott zu blicken, können wir den Fokus auf die Chance richten, die das Gespräch zwischen Mose und Gott auch für uns eröffnet: Zum einen ist es Gott nicht egal, was sein Volk tut. Er leidet mit. Er leidet unter dem Beziehungsabbruch. Sein Zorn entbrennt, weil er sieht, dass das Volk in eine völlig falsche Richtung unterwegs ist – in ein Leben ohne ihn. Und ich vermute, Gott ist es auch heute nicht egal, wenn wir mit unserer Gesellschaft, Kirche und Welt in eine falsche Richtung abdriften. Dieses „Nicht-egal-Sein“ ist doch das, was echte Beziehungen ausmacht. Gleichgültigkeit wäre viel schlimmer. Zum anderen dürfen wir in all unseren persönlichen und gesellschaftlichen Krisen, im Pessimismus über die Zukunft und der Angst, dass unsere Gesellschaft und Welt den falschen Weg einschlagen, Gott in den Ohren liegen. Wir können ihm Argumente liefern, warum er sich nicht abwenden darf, warum die Welt ihn braucht. Wir dürfen ihn bitten, diese Welt nicht aufzugeben, sondern an seinem Versprechen festzuhalten. Zum Beispiel an diesem: Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Matthäus 28,20 – Luther 2017) Das Volk Israel erlebte eine Krise, die sie in eine völlig falsche Richtung führte. Auch unsere Jugend, unsere Gesellschaft, wir – erleben Krisen. Die Frage ist: In welche Richtung leiten sie uns? Lassen wir uns von Pessimismus leiten und treffen aus Angst und Hoffnungslosigkeit heraus unbedachte Entscheidungen? Oder wenden wir uns an Gott, bringen ihm unsere Anliegen, vertrauen ihm und halten mit Hoffnung die Krisen aus? Lassen Sie uns Hoffnung dort säen, wo Menschen – persönlich oder gesellschaftlich – hoffnungslos sind! Wollen wir Licht in der Welt sein, indem wir offene Ohren und helfende Hände haben? Finden wir Worte für Gebete, wo sie anderen fehlen? Erheben wir die Stimme, wo wir Unrecht wahrnehmen? Erzählen wir von der Liebe Gottes und davon, dass er versprochen hat, immer bei uns zu sein? 197


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Heute – am Ende der Weihnachtszeit – stehen wir weiterhin vor Krisen und Herausforderungen, gesellschaftlich und vielleicht auch persönlich. Doch wie das Volk Israel in seiner Krise gelernt hat, dass Gott in der Wüste präsent ist, dürfen wir darauf vertrauen, dass das Licht, das von Weihnachten her strahlt, nicht mit diesem Tag endet. Es leuchtet weiter, schenkt Orientierung und Hoffnung, selbst in schwierigen Zeiten – weil Gott es versprochen hat. Und der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes (Römer 15,13 – Luther 2017). Amen. T. S. Quelle: https://ijab.de/alle-kurzmeldungen/neue-trendstudie-jugend-in-deutschland-2024-veroeffentlicht

Licht und seine zwei Aufgaben Predigt zum Thema Licht #Kerngemeinde Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. (1.Mose 1,1–4a – Luther 2017) Das Licht ist tatsächlich gut. Neulich erst hatte ich im Dunkeln einen kleinen Gegenstand verloren, irgendwo auf dem Weg. Da half mir die Taschenlampen-App meines Smartphones. Und auch ich konnte sehen, dass das Licht gut ist, weil es mir meine Umgebung zeigte, etwas erhellte, was ich vorher nicht sehen konnte.

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