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Leseprobe

Leseprobe

Lichtgewand Alltagskleid &

Engeln auf der Spur Geschichten & Gedichte

Die Rechte der Texte in diesem Buch liegen bei der Autorin, Tina Willms (@lautersegen)

Bei Interesse an einer Lesung und Schreibwerkstätten wenden Sie sich bitte direkt an tina.willms@t-online.de.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG zu gewinnen, ist untersagt.

© 2025 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Andreas-Bräm-Straße 18/20, 47506 Neukirchen-Vluyn, info@neukirchener-verlage.de

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung und DTP: Miriam Gamper-Brühl, Essen, www.3kreativ.de unter Verwendung eines Bildes von © Shutterstock/grafius

Lektorat: Mareike Würtele

Verwendete Schrift: Minion Pro & Just Loveley

Gesamtherstellung: Dimograf Sp. z o.o., Bielsko-Biała

Printed in Poland

ISBN 978-3-7615-7033-3

www.neukirchener-verlage.de

Wegweisend, die Engel

Hinter und vor uns _ ein Engel

Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder.

1. Mose 28,12 (L)

Eigentlich ist es doch wie immer: Die Zeit hält ihren Takt ein, Sekunde um Sekunde, Minute um Minute, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Und doch gibt es Momente, die wie ein Einschnitt sind. Mir wird bewusst, dass genau jetzt etwas zu Ende geht und etwas Neues beginnt.

Dann spüre ich: Die Zeit läuft nicht einfach immer weiter, nein, es gibt auch Augenblicke, die wie ein Übergang sind: in eine neue Zeit, ein neues Land, ein neues Leben.

An einem solchen Übergang hat Jakob einen Traum: „Und ihm träumte, und siehe, eine Leiter stand auf Erden, die rührte mit der Spitze an den Himmel, und siehe, die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder“ (1. Mose 28,12 L). Oben an der Leiter aber ist Gott selbst und verspricht Jakob, ihn zu segnen.

Wenn etwas endet und anderes beginnt, träume ich diesen uralten Traum mit Jakob. Und ich sehe diese Leiter vor mir, die bis an den Himmel reicht. Engel steigen daran auf und nieder.

Die einen klettern hinauf zum Himmel und – so stelle ich mir vor – nehmen mit, was gewesen ist. So hüten sie die Vergangenheit. Vielleicht verwandeln sie manches auf ihrem Weg in den Himmel oder vollenden es. Und die anderen Engel kommen herab zur Erde. Als wollten sie zeigen: Ich gehe mit dir in das, was nun beginnt, und bleibe dir nah in dem, was werden wird.

Ja, der Takt der Zeit geht weiter, wie immer. Aber mir tut es gut, gelegentlich die Zäsur zu spüren, die mich heraushebt aus dem Einerlei, und ganz bewusst den Übergang

wahrzunehmen, an dem Altes endet und Neues beginnt. Mir wird deutlich: Dieser Moment kann immer sein.

An jedem Tag meines Lebens geht etwas zu Ende. Und doch geht es nicht verloren, denn wie in Jakobs Traum sind Engel da, die es hüten und zum Himmel tragen.

Und ebenso beginnt immer wieder, in jedem Augenblick meines Lebens, etwas Neues. Engel steigen aus dem Himmel herab, sie sind mir voraus, geleiten mich und tragen den Segen Gottes in meine Zeit.

Engel der Erinnerung

Loslassen –was vergangen ist, dem Engel anvertrauen, der die Erinnerung hütet. Er trägt das, was war, voraus und empor; er hält lebendig, was ich vergesse.

Unsere Namen schreibt er ins Buch des Lebens und bewahrt das, was uns ausmacht, bei sich.

Leseprobe

Engel im Weg

Damals, als du im Wege standst, habe ich auf dich geschimpft. Ich habe versucht, dich beiseite zu schieben. Doch du warst standhaft. Und bliebst, wo du warst.

Nichts zu machen. Wütend wandte ich mich um. Und suchte mir einen anderen Weg.

Lange haderte ich mit den Straßen und Gassen, die ich nicht freiwillig gewählt hatte.

Doch dann fielen Lichtblicke durch Mauerritzen.

Menschen begegneten mir, die mich nahmen, wie ich bin.

Und am Wegrand fand sich ganz unspektakulär das ein oder andere Wunder.

Heute schaue ich zurück. Und gebe verwundert zu:

Ich traf auf dem anderen Weg ein Stück vom Glück.

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