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Warum ziehst du aus, Papa?

Leseprobe

Anna Koppri

geb. 1982, ist Sozialpädagogin, systemische Therapeutin und Autorin. Themen, die wenig Raum in der Gesellschaft bekommen, sind ihr dabei ein besonderes Anliegen.

Mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Söhnen lebt sie in Berlin.

Rebekka Morgenstern geb. 1991, arbeitet als Grafikerin in einem Handwerksbetrieb.

Mit ihren Kindern hat sie auch ihre Liebe zum Illustrieren für sich entdeckt. Sie lebt mit ihrer Familie in Zschopau (Erzgebirge).

ANNA KOPPRI | REBEKKA MORGENSTERN

Warum ziehst

du aus, PaPa?

Wenn Eltern sich trennen

Eine Vorlesegeschichte

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG zu gewinnen, ist untersagt.

© 2024 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn

Alle Rechte vorbehalten

Umschlaggestaltung und DTP: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de

Illustrationen: Rebekka Morgenstern, Zschopau Lektorat: Anja Lerz, Moers Verwendete Schriften: Salted, Minion, Cervo Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o.

Printed in Czech Republic

ISBN 978-3-7615-6993-1

www.neukirchener-verlage.de

Für Jessica, die Löwenmama, und ihre mädchen.

Gott ist mit euch!

Leseprobe

Endlich Wochenende! Mama, Papa, Liam und Leni sitzen gut gelaunt am Frühstückstisch. Samstags gibt es immer Brötchen vom Bäcker an der Ecke, die Leni schon ganz allein kaufen geht. Plötzlich sagt Papa: „Ich habe heute leider doch keine Zeit für den Zoo, ich muss noch so viel arbeiten.“

Über Mamas Gesicht breitet sich sofort eine dunkle Wolke aus. „Wie bitte? Die Kinder freuen sich seit Tagen auf den Ausflug. Dir ist wohl deine Arbeit wichtiger als unsere Familie!“

Liam und Leni schauen sich erschrocken an.

In Lenis Hals ist auf einmal ein Gefühl, als würde etwas Dickes darin stecken, fast wie ein ganzes Brötchen.

Leseprobe
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Papa kommt trotzdem mit in den Zoo. Zuerst ist er grummelig und hat schlechte Laune, doch bei den Affen ist er richtig lustig.

Papa kann nämlich Affisch: Er erzählt den Affen etwas und macht dabei komische Bewegungen mit den Armen und Beinen. Die Affen schauen ihn aufmerksam an und turnen dann wild durch das Gehege.

Leni und Liam lachen.

„Was hast du ihnen denn gesagt?“, fragt Leni.

„Dass ich die allertollsten Kinder auf der ganzen Welt habe und ihr mindestens genauso gut klettern könnt wie die Affen!“

Darüber muss Leni noch mehr lachen. Jetzt fühlt sie sich ganz leicht und glücklich. Das blöde Gefühl, das heute Morgen in ihrem Hals steckte, ist verschwunden.

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Bei der Imbissbude streiten sich Mama und Papa.

„Ich finde es nicht gut, wenn die Kinder so viel Ungesundes essen.“

„Jetzt gönn ihnen doch mal ihre Pommes und ein Eis, wir machen schließlich nicht jeden Tag einen Ausflug in den Zoo!“

„Ja, aber gestern hast du auch schon Pizza bestellt!“

So geht es immer hin und her und die Eltern werden dabei lauter und lauter.

Liam weint und zieht an Mamas Hose:

„Ich will jetzt mein Schokoeis.“

Leni fühlt sich auf einmal ganz allein. Merken ihre Eltern denn gar nicht, dass sie auch noch da sind? Sind Liam und sie schuld, dass Mama und Papa immer wütend miteinander werden?

Neulich ist Mama sauer geworden, als Liam seinen Saft verschüttet hat. Sie hat den Tisch sauber gemacht und Papa dabei ganz grimmig angeschaut.

Als Leni ihren Turnbeutel in der Schule vergessen hat, haben die Eltern sich auch gestritten, wer den jetzt holen muss.

Leseprobe

Für die erwachsenen

Für die Erwachsenen

Eltern treffen die Entscheidung, sich zu trennen, nie leichtfertig. Meist erleben sie leidvolle Monate voller Sorgen, schlafloser Nächte und Abwägungen: Sollen wir dem Kind* das wirklich antun? Können wir uns ihm zuliebe nicht noch einmal zusammenraufen? Wie wird es das verkraften? Wie werden wir finanziell klarkommen? Und so weiter.

Letztlich hat eine*r oder beide entschieden, dass eine Trennung die beste Option darstellt.

Es ist schwer für Eltern, ihrem Kind das damit verbundene Leid zuzumuten, denn kein Kind bleibt unberührt von der Trennung seiner engsten Bezugspersonen. Allerdings kann es für ein Kind auch sehr belastend sein und seine Entwicklung gefährden, wenn Paare zusammenbleiben, die sich nur noch streiten und nicht in der Lage sind, ihm eine liebevolle Beziehung vorzuleben. Eine Trennung stellt in diesem Fall langfristig auch für das Kind die bessere Alternative dar.

Aus vielen Studien geht hervor, dass es einem Kind später möglich ist, den erlebten Riss in seiner Biografie gut zu bewältigen. Besonders wenn es Eltern gelingt, weiterhin gemeinsam für ihr Kind da zu sein, kann es sogar gestärkt aus der überwundenen Krise hervorgehen und in schwierigen Momenten von den erlernten Bewältigungsstrategien profitieren. Die meisten Trennungskinder sind später trotz dieser Erfahrung in der Lage, stabile, langfristige Beziehungen einzugehen. Dieses Buch möchte Anregungen geben, Kinder möglichst gut durch die Zeit nach einer Trennung zu begleiten.

Die Bilderbuchgeschichte ist bewusst eine „Bilderbuchgeschichte“, an der Eltern sich orientieren können. Im wahren Leben laufen Trennungen selten so friedlich und reflektiert ab – gerade deshalb soll hier gezeigt, werden, wie es sein könnte. Nicht als unerreichbares Ideal, sondern als Anregung und Reflexionshilfe.

Wie kann einem Kind die Trennung am besten

kommuniziert werden?

Wenn Paare die Entscheidung getroffen haben, sich zu trennen, und darüber hundertprozentig klar sind, sollten sie dies ihrem Kind mitteilen. Kinder spüren, dass etwas anders ist, und sind verwirrt, wenn sie nicht greifen können, was passiert. Dass die Mitteilung über die Trennung ein Schock für sie sein wird und eine enorme Veränderung bedeutet, können Eltern nicht verhindern. Doch sie können als Erwachsene so gut wie möglich die Verantwortung übernehmen und ihrem Kind unnötiges Leid ersparen. Wenn es Eltern letztendlich nach einer Trennung besser geht, wird sich dies auch positiv auf die Entwicklung und das Wohlbefinden des Kindes auswirken.

* Der leichteren Lesbarkeit zuliebe wird immer von „Kind“ (im Singular) gesprochen, natürlich gilt dasselbe auch für mehrere Kinder. Zudem ist von Trennung die Rede, was genauso auch Scheidung mit einbezieht.

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