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Christina Herr Die Strandspürnasen | Das Geheimnis der Schmugglerhöhle
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Christina Herr
Die Strandspürnasen
Band 7
Das Geheimnis der Schmugglerhöhle
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abruf bar. Die automatisierte Analyse des Werkes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG zu gewinnen, ist untersagt. © 2024 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, unter Verwendung eines Bildes von Joy Katzmarzik Illustrationen: Joy Katzmarzik, www.leap4joy.de Lektorat: Anja Lerz, Moers DTP: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Verwendete Schriften: Dante MT Std Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o., Český Těšín Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6956-6 (Buch) ISBN 978-3-7615-6957-3 (Hörbuch) www.neukirchener-verlage.de
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Für dich. Danke, dass du dieses Buch liest! … denn ohne dich gäbe es die Strandspürnasen nicht.
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Nick Winter
Ältestes der W inter-Kinder, sp ortlicher Ermittler mit ei ner Vorliebe fü rs Kochen. Hat einen feinen Spürsinn und is t sehr geschickt in der rasanten Verfolgung von Verdächtigen.
Leni Winter
ter, tierlieber Nicks jüngere Schwes Wirbelwind. leicht durchschauen Kann Menschen meist rteidigungskünsten und sorgt mit ihren Ve i Einsätzen. für die Sicherheit be
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meister Albert »Einstein« Stein
und, der Lenis und Nicks neuer Fre dspürnasen. »kluge Kopf« der Stran chnellen Verfügt über einen blitzs vere Idee cle e ein Durchblick, hat immer n mit der ge lle Ko parat und stattet seine Ausrüstung aus. passenden technischen
Charlie Schlappohr Felliger Freund und jüngstes Mitglied der Strandspürnasen. Der Beagle mit der tierisch guten Spürnase ist zwar eine ausgezeichnete Wache bei Einsätzen, leider aber auch allzu leicht mit Leckerlis zu bestechen.
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Eine Entdeckung
»
Freunde, ich brauche eure Hilfe«, erklingt Alberts Stimme über den Lautsprecher von Lenis Handy. »Wäre es euch eventuell möglich, spontan bei mir vorbeizukommen?« »Klaro.« Leni nickt in Richtung des Telefons und sieht ihren Bruder Nick fragend an. »Du bist dabei, oder?!« Achselzuckend erwidert Nick: »Joa. Hab heute nichts Besonderes mehr vor. Aber erst mal will ich wissen, worum es überhaupt geht.« Er grinst. »Bist du vielleicht auf einen spannenden Fall für uns gestoßen, Einstein? Dann wäre ich so was von dabei.« »Äh … eher nicht.« Albert räuspert sich. »Vielmehr hat mich meine Mutter dazu verdonnert, den Keller aufzuräumen und zu putzen.« »Verdonnert?« Nick wirft einen übertrieben skeptischen Blick aus dem Fenster seines Zimmers. »Ich höre keinen Donner.« Lachend schaltet sich Leni wieder ein. »Das meint Albert doch nicht, du Dummerchen. Seine Mutter zwingt ihn sozusagen zur Hausarbeit.« 9
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»Als ob ich das nicht verstanden hätte«, brummt ihr Bruder. »Ich wollte nur mal einen kleinen Scherz machen. Aber mich versteht ja sowieso niemand. Und Lust auf so ’ne blöde Putzerei habe ich auch nicht. Immerhin musste ich heute schon die ganzen Klos der Gäste putzen.« In der Pension Zeevilla, die Nick und Leni Winter mit ihrer Familie nun schon seit einigen Jahren bewohnen, ist an diesem Samstag im Februar Ab- und Anreisetag und damit für die ganze Familie jede Menge zu tun. So viele Gäste wie in den Sommermonaten reisen zu dieser Jahreszeit zwar nicht in den niederländischen Badeort Strandvoort. Doch es sind genug, um die Winters auf Trab zu halten und Nicks Nerven zu strapazieren. Und da er neuerdings an jedem Samstag für die Reinigung der Bäder zuständig ist, sind seine Nerven heute bereits überstrapaziert. »Armes Nickilein«, murmelt Leni und verdreht die Augen. »Dürfte ich trotzdem mit deiner Hilfe rechnen?«, fragt Albert vorsichtig. »Ich versichere dir auch, dass du keine einzige Toilette putzen musst.« Nick seufzt. »Okay. Weil du es bist.« Er wirft einen wehmütigen Blick auf seinen Computer. Lieber würde er jetzt eine Runde zocken. Er hat ein neues Computerspiel … Aber was soll’s – Freunde müssen einander schließlich unterstützen. Und Strandspürnasen sowieso. »Prima!« Leni klatscht in die Hände. »Wir sind gleich bei 10
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dir, Albert. Ich frage nur noch schnell Marieke, ob sie auch Zeit hat zu helfen.« Einige Minuten später schlendern die Winter-Kinder und Marieke durch die Gassen von Strandvoort, die heute ziemlich verlassen sind. Die wenigen Touristen, die gerade in dem beschaulichen Badeort ihren Urlaub verbringen, halten sich wahrscheinlich in ihren Ferienwohnungen oder Hotelzimmern auf. Nur eine Handvoll Urlauber hat es bei dem trüben Wetter nach draußen gezogen – und die meisten von ihnen führen ihre Hunde spazieren. »Cool, dass du mitkommst«, sagt Nick an Marieke gewandt. »Du bist echt ’ne tolle Assistentin!« Seitdem die Strandspürnasen ihr letztes Abenteuer bestanden haben, gehört Lenis beste Freundin Marieke de Koning fest zur Gruppe der jungen Detektive. Zwar nur als Detektiv-Assistentin, doch das stört sie nicht im Geringsten. Marieke ist froh, überhaupt ein Teil der Strandspürnasen zu sein; Eitelkeit oder Stolz sind ihr fremd und zählen nicht zu ihren Charaktereigenschaften. Sie erwidert Nicks Blick und errötet leicht. »Danke. Aber eigentlich bin ich als Assistentin ja dazu da, um euch beim Lösen von Kriminalfällen zu helfen.« Schüchtern fügt sie hinzu: »Und nicht beim Aufräumen von Kellern.« Leni hakt sich bei ihrer Freundin ein. »Da hast du absolut recht. Aber vielleicht gibt’s im Keller von Steinmeisters 11
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ja irgendein Geheimnis und es wartet bald ein neues Abenteuer auf uns.« »Träum weiter«, sagt Nick und versucht, seine Schwester in den Arm zu kneifen, was diese mit einer geschickten Bewegung abwehrt. »Du solltest dich mal damit abfinden, dass nicht hinter jeder Ecke ein neuer Fall lauert. Im Moment herrscht hier wieder mal total tote Hose, Leute. Ups … was …?« Nick stößt mit seinem kleinen Bruder Tim zusammen, der soeben um die Häuserecke gebogen ist und mit der einen Hand den kleinen Familienhund Charlie Schlappohr an der Leine führt. In der anderen Hand hält Tim ebenfalls eine Hundeleine – und an die ist sein Freund Vincent-William gebunden. »Was macht ihr denn da?«, beendet Nick verdutzt seine Frage. »Und warum bitte schön habt ihr nur Badehosen an? Bei der Kälte?« Entsetzt mustert Leni ihren kleinen Bruder und dessen Freund. Hier scheint doch ein neuer Fall hinter der Ecke gelauert zu haben, wenn auch nur ein ziemlich kleiner und sehr nerviger. Jedenfalls führen Tim und das WillKind wieder nichts Gutes im Schilde. Statt zu antworten, klappert Vincent-William KleinLauth, der mit seinen Eltern fast jedes Wochenende in Strandvoort verbringt, mit den Zähnen. Geistesgegenwärtig schlüpft Marieke aus ihrer Daunenjacke und legt sie ihm über die Schultern. 12
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»Och«, erwidert Tim unschuldig, »Papa hat gesagt, dass im Februar immer so ein Hundewetter ist. Und da haben wir uns gedacht, das probieren wir mal aus.« Leni legt die Stirn in Falten. »Ausprobieren? Wie jetzt?« »Na, wir probieren aus, wie das für die Hunde so ist. Also, das Wetter natörlich.« Ungeduldig fährt er fort: »Und weil die Hunde ja nix anhaben, durften wir uns auch nix anziehen. Damit das alles würglich echt ist. Wie für die Hunde.« »Ein würgliches Hundewetter«, fügt Vincent-William bibbernd hinzu. »Mit allem Drum und Dran.« »Ich würde eher sagen, mit ziemlich wenig Drum und Dran – nämlich nur mit einer Badehose und einer Hundeleine«, sagt Nick kopfschüttelnd. »Und ich würde sagen, ihr geht jetzt mal schleunigst nach Hause und zieht euch was Warmes an!«, sagt Leni. »Sonst holt ihr euch noch den Tod.« Tim verzieht das Gesicht. »Also, den Tod wollen wir bitte gefälligst nicht zu uns holen.« »Ich will das auch nicht«, sagt sein Freund mit zittriger Stimme. »Dann schon lieber tote Hosen.« Nachdem Nick, Leni und Marieke in Alberts Zuhause im Witteweg angekommen sind, machen sie sich sofort an die Arbeit. Zum Glück muss nicht der gesamte Keller aufgeräumt werden, sondern nur ein fensterloser großer Raum, 13
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den Frau Steinmeister – Alberts Mutter – als Abstellraum für Lebensmittel, Getränke und ihre riesige AktenordnerSammlung benutzen möchte. Albert wohnt mit seinem Vater nun bereits seit über einem halben Jahr hier und er liebt dieses gemütliche, verwinkelte Haus, das über zwei geräumige Stockwerke verfügt und eins der ältesten Backsteingebäude Strandvoorts ist. Herr Steinmeister hat seinen Sohn damals mit dem Kauf des weiß getünchten Häuschens und dem Umzug überrascht. Davon war natürlich nicht nur Albert selbst begeistert, seine Freunde waren es ebenso. Endlich wohnen die Strandspürnasen alle im selben Ort und können sich sehen, sooft sie wollen. Dafür nehmen sie auch den langen Fußweg gern in Kauf – das Haus liegt am anderen Ende des Badeorts, mit unmittelbarem Zugang zum Dünenreservat. Obwohl seine Eltern schon eine Weile getrennt sind, ist Frau Steinmeister vor einer Woche ebenfalls in Het Witte Huis gezogen. In die Erdgeschoss-Wohnung, wohlgemerkt. Dort hat sie ihr eigenes Reich, in dem sie ungestört von Herrn Steinmeister schalten und walten kann und ihren Sohn in unmittelbarer Nähe hat. Auch von den einzigen Nachbarn, einem älteren Ehepaar, deren Haus an die rechte Außenwand des Witte Huis grenzt, wird sie sicher nicht viel mitbekommen. Fast wie eine richtige Familie, denkt Albert ab und zu. Und dabei fährt ihm immer wieder ein kleiner Stich ins Herz. 14
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Denn eine »richtige« und glückliche Familie im klassischen Sinn sind die Steinmeister schon lange nicht mehr. Aus Erfahrung weiß er, dass es auch trotz der getrennten Wohnungen oft zu Streit zwischen beiden Elternteilen kommen wird. Und er wird dann wieder zwischendrin – oder besser gesagt: zwischen Mutter und Vater – stehen. Hastig vertreibt Albert die düsteren Gedanken und widmet sich erneut den unzähligen Spinnweben an den Wänden und der Decke. Mit einem Besen wird er sie wohl kaum vernünftig entfernen können. Er wendet sich an Nick, der gerade den Boden mit einem Staubsauger bearbeitet. »Dürfte ich mir das Gerät bitte einmal ausleihen, wenn du deine Tätigkeit beendet hast?« »Das kannst du auch sofort haben«, knurrt Nick. »Meine Nerven haben nämlich ihre Tätigkeit schon längst beendet.« Leni und Marieke, die gerade ein paar volle Müllbeutel nach draußen gebracht haben, kichern. »Stell dich nicht so an, Brüderchen«, meint Leni und verpasst ihm einen leichten Klaps auf den Rücken. »Wir sind schon richtig weit gekommen – und das meiste haben Marieke, Albert und ich gemacht.« Sie schaut auf die leeren und abgestaubten Regale, in die gleich nur noch die Konservendosen, andere haltbare Lebensmittel und ein paar Flaschen geräumt werden müssen. »Hilf mir lieber mal mit diesem Monstrum.« Energisch geht Leni auf einen wuchtigen 15
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Holzschrank zu. »Den sollen wir auch noch ausmisten. Und danach müssten wir ihn mal von der Wand abrücken, um dahinter sauberzumachen. Da tummeln sich sicher jede Menge Spinnen.« »Die kannst du dann gerne killen«, sagt Nick mit gerümpfter Nase und klopft sich eine Ladung Staub von den Armen. »Du weißt ja, was ich von Spinnen halte …« »Hier wird nichts und niemand gekillt!« Leni greift nach einer leeren Kiste und inspiziert den Inhalt des Schranks. »Du weißt ja, was ich von dir halte … Ein Angsthase bist du! Und brutal noch dazu! Ich töte doch keine Tiere!« Liebevoll befördert sie eine dicke Spinne auf ihre Hand, die sich im Innern der Kiste versteckt hat. »Siehst du – die tut überhaupt nichts.« Nick schreckt zurück und Marieke quietscht laut auf. Leni grinst. »Sorry, ihr Süßen. Ich bringe sie raus, wenn du mir versprichst, jetzt kräftiger mit anzupacken, Nick.« Wortlos beginnt Nick, den riesigen Schrank auszuräumen. Nach einer weiteren Stunde ist der Kellerraum von Schmutz und Spinnennetzen befreit, alle Regale sind ordentlich neu bestückt, die meisten Spinnen haben eine neue Heimat im Garten gefunden und sogar der Fliesenboden blitzt in einem strahlenden Weiß. 16
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»Abschließend sollten wir uns um den Schrank und den Staub dahinter kümmern«, sagt Albert und rückt die Brille auf seiner Nase zurecht. »Meines Erachtens benötigen wir acht Arme, um ihn zu bewegen. Ihr müsstet eure Kräfte also ein letztes Mal mobilisieren.« »Wenn ich mich danach verdünnisieren kann, gerne.« Nick strafft die Schultern. »Los, Leute! Gemeinsam schaffen wir das.« Tatsächlich – zu viert lässt sich der massige Schrank zur Seite schieben. Wenn auch nur langsam, Zentimeter für Zentimeter. Doch hinter dem Schrank kommen nicht nur staubbedeckte Spinnweben zum Vorschein. Die Kinder glauben bei dem Anblick, der sich ihnen bietet, ihren Augen nicht zu trauen. »Krass«, stößt Nick hervor. »Eine versteckte Tür«, ruft Leni. »Eine Stahltür«, verbessert Albert sie. »Und wozu soll die gut sein?«, will Nick wissen. »Ich dachte, es gibt bloß einen Eingang zu diesem Raum.« »Wohin die wohl führt?«, haucht Marieke. »Das, werte Kollegen, werden wir gleich herausfinden.« Mit entschlossenem Gesicht drückt Albert die Klinke der geheimnisvollen Tür herunter. Nichts geschieht. Die Tür lässt sich keinen Millimeter weit öffnen. 17
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»Lass mich mal. Wahrscheinlich klemmt die nur.« Nick drängt seinen Freund zur Seite. »Manchmal braucht’s einfach ein bisschen mehr Muskelkraft.« »Oder auch nicht, du Muskelprotz«, sagt Leni trocken, als Nick ebenfalls keinen Erfolg hat. »Manchmal braucht’s einfach einen Schlüssel.« Albert nickt. »In der Tat. Das scheint in diesem Fall zuzutreffen.« Dann kramt er in seiner Hosentasche und zieht einen Schlüsselbund hervor. »Womöglich passt einer von diesen.« »Das wäre ja zu schön«, sagt Leni seufzend. »Wisst ihr noch – unser erster Fall? Da hatten wir mit einer verschlossenen Zimmertür in der Zeevilla zu kämpfen.« Bei dem Begriff »kämpfen« muss Albert kurz schmunzeln. Dieses Wort passt zu Leni und zu ihrer Vorliebe für Kampfsportarten wie Karate. Dann nickt er erneut. »Selbstverständlich ist mir dies in Erinnerung geblieben.« Vergeblich testet er einen Schlüssel nach dem anderen. Mit keinem lässt sich die Tür aufschließen. »Ich erinnere mich ebenfalls, dass wir damals den fehlenden Schlüssel im Laufe unserer Ermittlungen aufgespürt haben.« »Tja, dann hoffe ich mal stark, dass wir ihn auch diesmal aufspüren«, sagt Nick. »Ich wüsste nämlich zu gern, was hinter dieser Tür steckt.«
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Zweieinhalb Neuigkeiten
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ie letzte Woche vor den anstehenden Frühlingsferien ist angebrochen und die Tage verlaufen relativ ruhig. Am Sonntag haben die Winters den Gottesdienst ihrer Kirche in der nahegelegenen Stadt Elkmaar besucht, während Albert mit Frau Steinmeister einen Ausflug ins Amsterdamer Tulpenmuseum gemacht hat. Meike – Albert muss seine Mutter mit dem Vornamen anreden – ist stets darauf bedacht, dass seine kulturelle Bildung nicht zu kurz kommt. Und so schleift sie ihn von Museum zu Museum und von Ausstellung zu Ausstellung. Im Grunde genießt Albert es, Neues zu lernen, zu entdecken und zu erforschen. Aber viel lieber noch verbringt er Zeit mit seinen Freunden. Außerdem verspürt er seit der Aufräumaktion im Keller den dringenden Wunsch, endlich den Schlüssel zu der geheimnisvollen Stahltür zu finden. Dazu bleibt ihm allerdings nur wenig Zeit: Die Schule mitsamt den Hausaufgaben und aller Lernerei nimmt sowohl ihn als auch Leni, Nick und Marieke ziemlich in Anspruch. Trotzdem nutzt Albert jede freie Minute, um sein Haus Zimmer für Zim19
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mer zu durchstöbern. Und das möglichst unauffällig – seine Eltern sollen schließlich nicht bemerken, dass er nach einem speziellen Schlüssel sucht, geschweige denn, dass es im Keller eine verborgene Tür gibt. Tim und Vincent-William sind trotz des Hundewetters und ihres leicht bekleideten Spaziergangs nicht krank geworden. Dafür ist hauptsächlich Grietje van der Vaart, die herzensgute Haushälterin der Winters, verantwortlich: Sie hat die beiden kleinen Badehosenträger sofort aufs Sofa geschickt, in warme Decken eingepackt und mit heißer Schokolade und Erdnusskeksen versorgt. Leni und Nick hätten ihren kleinen Bruder und das nervige Will-Kind nicht so verwöhnt, das steht fest. Stattdessen kümmern sich die beiden seit drei Tagen abwechselnd um Mama Viktoria, die mit Bauchschmerzen und Übelkeit im Bett liegt und ganz blass um die Nase ist. Im Gegensatz zu den großen Winter-Kindern eignet sich Papa Clemens nämlich kein bisschen als Krankenpfleger. Als er neulich seiner Frau eine Tasse Ingwertee ans Bett bringen wollte, ist er über den Eimer mit ihrem Erbrochenen gestolpert. Der stinkende Inhalt des Eimers hat sich fröhlich über den Bettvorleger verteilt und der heiße Tee quer über die Bettdecke. Viktoria musste sich beim Anblick der Schweinerei erneut übergeben und Papa ist vor lauter Verzweiflung einfach aus dem Zimmer geflüchtet. Glücklicherweise war Grietje wieder mal zur Stelle, um die eklige Masse aufzuwischen, 20
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den Boden zu putzen und das Bett neu zu beziehen. Mama war darüber so dankbar, dass sie der Haushälterin einen Extra-Tag Urlaub versprach. »Herein«, sagt Viktoria nun, als es am Freitagnachmittag an ihrer Zimmertür klopft. »Ach, du bist es, Leni-Schatz. Ich dachte schon, Papa kommt wieder und will mich mit Tee überschütten.« Leni kichert und wirft einen raschen Blick auf den Eimer neben dem Bett, in dem zum Glück keine Suppe aus Erbrochenem schwimmt. Dann stellt sie vorsichtig ein Tablett mit Zwieback, Bananenstücken, Wasser und einem Blumentopf auf den Nachttisch. »Ich hab’ dir was zur Stärkung gebracht. Hoffentlich geht’s dir dann bald besser. Und in dem Topf ist eine Tulpe. Das heißt, eine Tulpenzwiebel. Die hat Albert mir geschenkt. Du kannst sie beim Wachsen beobachten, während du im Bett liegst. Den grünen Trieb kann man schon ein bisschen sehen.« »Danke, Süße. Das ist lieb von dir.« Ein Lächeln huscht über Mamas müdes Gesicht. »Ich fühle mich schon deutlich besser. Und ich hoffe nicht, dass ich so lange im Bett bleiben muss, bis die Tulpe aufgeblüht ist.« Sie tätschelt Lenis Hand. »Am Montag habe ich einen Termin bei meiner Ärztin und lasse mich mal gründlich untersuchen. Vielleicht hat die ein Mittelchen, das mir schnell wieder auf die Beine hilft. Hier im Zimmer halte ich es nämlich kaum noch aus. Auf der Arbeit werde ich von meinen Patienten vermisst, 21
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und ihr braucht mich doch auch.« Seufzend fügt sie hinzu: »Tim stellt sicher wieder jede Menge Unsinn an.« Leni schüttelt den Kopf. Sie kennt ihre Mutter als Wirbelwind, dem es wie ihr schwerfällt, untätig herumzusitzen und auf etwas zu warten. Trotzdem sollte Mama sich jetzt erst mal ordentlich ausruhen und auskurieren, bevor sie ihren Job als Ergotherapeutin im Elkmaarer Krankenhaus wieder aufnimmt. Tim ist momentan ohnehin friedlich. Sein Temperament hat sich nach dem Badehosen-Spaziergang fürs Erste abgekühlt. »Alles gut«, sagt Leni beruhigend. »Wir kommen gerade auch ohne dich klar. Obwohl …« Sie klemmt sich eine blonde Haarsträhne hinters Ohr. »… wir dich natürlich irgendwie immer brauchen. Du bist schließlich unsere Mama.« Schmatzend drückt sie Viktoria einen Kuss auf die Stirn. »Und ich hab dich mega lieb!« »Und ich dich erst«, sagt Mama und ihre Augen werden ein bisschen feucht. Leni erhebt sich. »Jetzt muss ich aber los. Albert will sich unbedingt mit uns treffen. Keine Ahnung, was es so Dringendes gibt.« »Tja, dann bestell ihm mal liebe Grüße. Und sag ihm, er soll euch nicht schon wieder in ein neues Abenteuer mit reinziehen.« »Albert? Mit reinziehen? Nee, in neue Abenteuer geraten wir immer gemeinsam.« Achselzuckend fährt Leni fort: 22
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»Und zurzeit ist hier in Strandvoort sowieso nichts Besonderes los. Du kannst also ganz beruhigt sein.« Die verschlossene Tür im Kellerraum des Weißen Hauses erwähnt sie vorsichtshalber nicht … »Kollegen, ich bin höchst erfreut, dass wir uns an diesem Ort versammelt haben.« Albert blickt feierlich in die kleine Runde, die dicht gedrängt um den Tisch in der winzigen Strandhütte sitzt. Alle sind seiner Einladung, sich in der Strandspürnasen-Zentrale zu treffen, gefolgt. Und alle tragen Winterjacken, Schals und Mützen, da es um diese Jahreszeit im ungeheizten Strandhäuschen frostig kalt ist. Auch Charlie hat sich in eine Decke zu Lenis Füßen gekuschelt und schnarcht vor sich hin. Ab und zu läuft ein leichtes Zittern über sein Fell. Aber das liegt wahrscheinlich mehr an seinen aufregenden Träumen als an der Kälte. »Jetzt sag schon, Mann, warum wolltest du uns so dringend sprechen? Und warum unbedingt hier?«, will Nick wissen und trommelt ungeduldig mit seinen behandschuhten Fingern auf die Tischplatte. »Ich bin jetzt schon am Erfrieren und hab keine Lust, so kurz vor den Ferien noch krank zu werden.« »Weil wir hier sicher sind vor den beiden kleinen Terrorkrümeln und uns ungestört unterhalten können«, entgegnet Leni an Alberts statt. »Du bist echt so ein Weichei! Mir macht die Kälte g-g-gar …« 23
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