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Ute Brodd In deiner Sonne blühe ich


Ute Brodd

In deiner Sonne blühe ich Belebende Gottesdienste für die Seniorenarbeit


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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2023 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung eines Bildes © XXXXXX Lektorat: Viktoria Tersteegen DTP: Burkhard Lieverkus Verwendete Schrift: xxx ((bitte ergänzen)) Gesamtherstellung: XXXXXXXX Printed in XXXXXX ISBN 978-3-7615-6916-0 www.neukirchener-verlage.de


Inhalt

Vorwort. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Einleitung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Begegnung – mit Hindernissen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Begegnung – mit Mut und Augenhöhe . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Gottesdienst feiern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Gottesdienst vorbereiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18 Begegnung mit dem Bibeltext . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Ein schöner Rahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Vertraut und verständlich. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Sprache und Sprechen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 Dialogische Elemente:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 22 Demenz berücksichtigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 Leid (nicht) vermeiden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 Hiob – geht das? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Segnen und Salben. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Ohne Funken gibt’s kein Feuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29 1. A wie Anfang. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 Ein Gottesdienst zum Jahresanfang | 1. Mose 1; 1. Mose 12, 1-4

2. Hans im Glück. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 Ein Gottesdienst für die Karnevalszeit und andere lustige Gelegenheiten | Psalm 23; Matthäus 5, 3-9

3. Ostern – da bin ich richtig!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 Ein Gottesdienst mit Abendmahl für die Osterzeit | Johannes 10, 11.27-30; 20, 1-18


4. Mein Leib – ein Tempel des Heiligen Geistes . . . . . . . . . . . 55 Ein Gottesdienst zu Pfingsten | Psalm 139, 13-17; 1. Korinther 6, 19-20

5. Frisch gewaschen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 64 Gottesdienst für einen Sommermorgen | 1. Mose 1,1-5

6. Ein Mensch wie eine Blume. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 72 Ein Gottesdienst im Altenheim für den Sommer oder Herbst | Psalm 103, 15-17; Matthäus 5, 26b.32

7. Im Vorgarten Gottes gepflanzt. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 Ein sommerlicher Gottesdienst im Garten eines Altenheims | Psalm 92,13-16

8. Du krönst mich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89 Ein Gottesdienst anlässlich royaler Ereignisse | Psalm 103, 1-4

9. Jung werden wie ein Adler . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 Ein sommerlicher Gottesdienst im Freien | 5. Mose 32,1.11; Psalm 103,1-5; Psalm 63,8

10. Gut gemacht!. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 Ein Gottesdienst anlässlich eines Sportereignisses | Matthäus 5, 14-15

11. Ganz Ohr. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 Ein Gottesdienst für alle Tage | 1.Könige 19, 8-9.11-13; Jesaja 50,5 Variante 1: Wenn der Gottesdienst morgens gefeiert wird. . . . . . . . . . 117 Variante 2: Wenn der Gottesdienst am Abend gefeiert wird. . . . . . . . 118

12. Verabredung mit Gott. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 124 Ein Gottesdienst für alle Tage zum Thema ­Freundschaft mit Gott | 2. Mose 33, 7-11a

13. Auf der Gartenbank . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 131 Ein sommerlicher Gottesdienst im Freien | Matthäus 11,28; Johannes 14, 8.; Markus 6,30

14. Beim Namen gerufen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Ein tröstender Gottesdienst für alle Tage | Jesaja 43, 1; Johannes 10, 14-15.a. 27-30; Lukas 10,20b

15. Heller und Pfennig. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 147 Ein Gottesdienst für alle Tage über Vertrauen und Hingabe | Matthäus 6, 26.28 b-30; Markus 12, 41-33

16. Danken – wofür? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 157 Ein Gottesdienst zum Erntedankfest | 5. Mose 26, 5b-10a


17. Knoten im Taschentuch. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 167 Ein Gottesdienst für die Trauer-und Gedenktage im November | Johannes 10,11.27-30; Jesaja 49, 15-16

18. Hiobsbotschaften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 175 Ein Gedenkgottesdienst für die Trauer-und ­Gedenktage im November | Die Hiobsgeschichte; Matthäus 5, 1-10 Variante 1: . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Variante 2:. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 182

19. Es kommt ein Schiff. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185 Ein Gottesdienst für die Adventszeit mit Liedpredigt | EG 8; Lukas 1,26-35.38

20. Der Hirte mit den leeren Händen . . . . . . . . . . . . . . . . . 195 Ein Gottesdienst in der Weihnachtszeit | Lukas 2, 1-20

Quellennachweise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205


Vorwort

Ich freue mich, dass Sie mein Buch in die Hand genommen haben, und will es Ihnen kurz vorstellen: Es ist ein Praxisbuch mit vollständig ausgearbeiteten Gottesdiensten. Sie sind entstanden in meiner Arbeit als Pfarrerin und Seelsorgerin in verschiedenen Altenheimen. Als ich diese Aufgabe vor mehr als zehn Jahren übernommen habe, hatte ich durchaus gemischte Gefühle. Was erwartet mich denn im Altenheim? Leid, Tod, Sterben, Einsamkeit. Und da soll ich hin? „Was kann ich da ausrichten?“, habe ich mich gefragt. „Was kann ich – aus der vermeintlichen Sicherheit eines wesentlich jüngeren Lebensalters – den Menschen dort Tragfähiges sagen? Das wollte ich herausfinden. Schnell habe ich gemerkt: Eine Predigt, die über etwas redet, geht an den Menschen vorbei. Nur wenn ich auf Augenhöhe spreche und im Gottesdienst in Beziehung und im Dialog mit den Menschen bin, kann etwas rüberkommen und wenn Menschen durch das, was im Gottesdienst geschieht, mit sich selbst in Kontakt kommen – also mit dem, was sie erlebt haben und erinnern, und mit ihrem Erleben und Empfinden im Hier und Jetzt. Das muss durch kleine Impulse, Fragen und Beispiele angeregt werden, damit die Menschen anknüpfen können an die biblische Botschaft, und darüber in Berührung kommen mit dem großen, ewigen Du. Dafür ist in der Gottesdienstvorbereitung Sorgfalt nötig. Es braucht kleine Schritte, Zeit, eine leichte Sprache, die direkt ist, nah am Erleben, ohne rhetorische Schnörkel und Umwege. Es braucht Anschaulichkeit, auch durch Bilder und Gegenstände. Es braucht Geschich9


ten, die man erzählen kann, Angebote, die etwas erleben lassen, und immer wieder dialogische Elemente: Fragen, die echte Fragen sind und zum Mitdenken und Mitreden anregen. All das findet sich in den Gottesdienstentwürfen wieder. Sie sollen das Selbsterleben der Menschen anregen und erweitern, aber auch ihre Sicht auf Gott. Wichtig ist mir: Vertrauen und Dankbarkeit nicht vorauszusetzen, sondern zu ermöglichen Und: schwierige und leidvolle Themen nicht vermeiden. „Alt werden ist nix für Feiglinge!“ Das höre ich oft. Der Mut dazu kann auch aus dem Gottvertrauen erwachsen. Biblische Texte und Bilder haben hier viel zu bieten. Sie stützen den Selbstwert, begleiten an den Grenzen, in Zweifeln, Ängsten und Ausweglosigkeit. Sie eröffnen neue Sichtweisen des Glaubens und neue Perspektiven auf das Leben auch angesichts seines Endes. Gottvertrauen ist mehr als Rückbindung an Früher. Gottvertrauen erwächst im Hier und Jetzt. Und der Schritt ins Gottvertrauen ist immer ein Schritt nach vorne. Nur so wird gelebt. Das gilt auch für Menschen im Alter. Diese lebensbejahende Perspektive kommt im Titel des Buches zum Ausdruck: In deiner Sonne blühe ich! Das Buch ist gedacht für alle die in der Seniorenarbeit tätig sind und dabei auch Gottesdienste gestalten: Kolleginnen und Kollegen im Pfarramt, die oft wenig Zeit für Vorbereitungen haben, und Ehrenamtliche, die diese Aufgabe mit großem Engagement übernehmen, ohne dafür geschult zu sein. Jeder der 20 Gottesdienste hat ein eigenes Thema. Viele können über den eigentlichen Gottesdienst hinaus genutzt werden, etwa zur Gestaltung eines Seniorennachmittages oder einer Seniorenfreizeit. Ich wünsche allen, die das Buch in die Hand nehmen und nutzen, dass sie Lust bekommen auf diese Arbeit und Spaß dabei haben. Denn Menschen im Alter sind tolerant und direkt. Sie zeigen, wenn 10


ihnen etwas guttut. Sie gehen auch weg, wenn ihnen etwas zu viel ist. Man spürt, woran man ist. Das fordert heraus. Man hat aber auch Freiheiten, die der normale Sonntagsgottesdienst nicht bietet. Und man erlebt immer wieder Überraschungen. Das genieße ich. Ich will an dieser Stelle all den Ehrenamtlichen herzlich danken, die in den zurückliegenden Jahren zusammen mit mir Gottesdienste in den Altenheimen gefeiert haben oder jetzt mit dabei sind. Wenn ich darauf schaue, kann ich nur sagen: Es sind unsere Gottesdienste. Denn die Ehrenamtlichen laden die Bewohnerinnen und Bewohner am Tag vorher persönlich und mit einem Erinnerungszettel ein, holen sie zum Gottesdienst ab und bringen sie anschließend wieder aufs Zimmer. Sie haben dabei ein offenes Ohr, einen freundlichen Blick, Geduld und warme Worte. Sie halten Kontakt zu den Pflegekräften. Sie helfen mir im Gottesdienst bei allem, was nötig ist. Manche bereiten den Gottesdienstraum vor. Und vor allem sind sie mit dabei, singen und feiern mit. Ich danke auch den Mitarbeitenden in der Pflege und der sozialen Betreuung, die diese Aufgaben ebenso übernehmen – oft zusätzlich zu Ihrem ohnehin schon dicht gefüllten Arbeitspensum – und so das Gottesdienstangebot unterstützten. In besonderer Weise danken will ich meiner Freundin und Kollegin Renate Voswinkel, Pfarrerin i.R. Sie hat mich in vielen Gesprächen auf dem Weg dieser Arbeit begleitet und mir dabei geholfen, „meine Stimme“ zu finden, d.h. meinen Zugang und meine Weise der Verkündigung. Ihre kritischen Rückfragen, Anregungen und ihr Zuspruch waren und sind mir sehr wertvoll. Zuletzt danke ich meiner Lektorin, Frau Viktoria Tersteegen für die gute Zusammenarbeit. Unser Austausch war offen, klar, verständnisvoll und heiter. Es hat Freude gemacht. Danke! Ute Brodd 11


Einleitung

Belebung „Belebende Gottesdienste für die Seniorenarbeit“ – so lautet der Untertitel dieses Buches. Vielleicht haben Sie sich schon beim ersten Lesen gefragt: Können Gottesdienste beleben? Ist das überhaupt möglich? Es ist doch ein altes, geradezu verstaubtes Format! Jede:r mag selbst die Antwort darauf geben und überlegen: Was ist meine Gottesdiensterfahrung? Hat mich ein Gottesdienst schon einmal „belebt“, und was genau war das belebende Moment? Vielleicht ist das nur vage zu beschreiben: Ich fühlte mich angesprochen. Ich konnte innerlich dabei sein und mitgehen. Ich habe neuen Schwung bekommen. Ich bin mit Kraft und einer neuen Aussicht nach Hause gegangen. Wenn Ihnen diese Erfahrung fehlt, was würden Sie sich von einem Gottesdienst wünschen, damit er sie belebt? Ein lebhaftes, interessantes und kontroverses Gespräch könnte hier entstehen – das wir leider nicht führen können, schade! Ich kann ihnen an dieser Stelle nur meine Antwort vorstellen, die auf meine Erfahrung als Seelsorgerin für Menschen im Altenheim zurückgeht. Aber eigentlich geht sie viel weiter zurück. „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“1. Dieser Satz des jüdischen 1

Martin Buber, Ich und Du, Gütersloh 1999, S. 18.

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­ eligionsphilosophen Martin Buber begleitet mich schon sehr lange. R Was er in seinem Buch „Ich und Du“ beschreibt, hat mich auf die Spur gebracht. Es hat mir verständlich gemacht und erschlossen, was für mich das belebende Element in Vielem, wenn nicht in Allem, ist: Begegnung. Begegnung bedeutet, dass einer den anderen wahrnimmt, ohne Wertung und Einordnung in Schubladen. Einer zeigt sich dem anderen auch, mit Worten und Gesten, mit dem Ausdruck der Augen und des Körpers; zeigt was in ihm/ihr ist. Augenhöhe, Einfühlung und Respekt kennzeichnen eine Begegnung in diesem Sinn. Begegnung belebt, weil sie herausführt aus Isolation und Selbstbezogenheit. Begegnung belebt, weil sie Zugang ermöglicht zu einem Reichtum und zu Quellen, die außerhalb liegen. Sie ermöglicht Teilhabe und Verbundenheit. Sie ist das, was uns menschlich macht. Begegnen heißt „Du“ sagen, heißt, einen anderen wesenhaft anreden und angeredet werden. Diese Weise der Begegnung kennzeichnet auch die Gottesbeziehung. Die biblischen Schriften des Ersten und Zweiten Testaments stellen uns Gott nicht als ferne, fremde Größe vor, die über allem steht und unberührt ist von dem, was geschieht, sondern als ein großes, ewiges Du, das uns in Liebe anredet und auf Antwort wartet. Auch mein Anliegen als Seelsorgerin im Altenheim kann ich so beschreiben: Ich will den Menschen begegnen. Ich möchte sie wahrnehmen und in einen einfühlsamen Austausch kommen, so wie es jeweils möglich ist. An den Grenzen, also da, wo Sprechen nicht mehr möglich ist, kann dies geschehen, indem ich aufmerksam und zugewandt, auch betend, da bin. Ich kann in Liedern und im Segen die Gegenwart des großen ewigen DU zusprechen.

Begegnung – mit Hindernissen „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Dieser Satz steht für mich auch für das, was in Gottesdiensten geschieht. Besonders in Gottesdiensten mit alten Menschen wird seine Wahrheit offensichtlich. 14


Denn hier funktioniert Verkündigung nur in der Begegnung und in der Beziehung. Alles, was distanziert, von oben herab, mit dem Gestus der ordinierten Amtsträgerin oder der Wissenden gesagt wird, geht an den Menschen vorbei und lässt sie allein. Nur wenn ich auch im Gottesdienst Begegnung suche und auf Augenhöhe spreche, kann etwas ankommen. Diese Begegnung ist freilich oft erschwert. Der Zugang zu einem alten Menschen fällt nicht immer leicht. Zu den Hindernissen zählen Faktoren, die vom alten Menschen ausgehen, wie etwa körperliche Einschränkungen, die dazu führen, dass jemand nur im Bett liegend besucht werden kann oder nur für kurze Zeit aufmerksam ist. Aber auch Faktoren, die von uns ausgehen, können die Begegnung behindern. Hierzu zählen Stereotypen und Vorurteile, mit denen etwa die Begriffe „alter Mensch“, „Seniorinnen und Senioren“ oder „Bewohner und Bewohnerinnen im Altenheim“ behaftet sind. Diese Bezeichnungen sind geläufig, aber nur begrenzt hilfreich. Sie können zwar einen wichtigen Aspekt einer Lebenssituation bezeichnen. Doch erschließen sie nicht annähernd, in welcher Lebenssituation sich ein Mensch tatsächlich befindet und wie er/sie diese erlebt, was er/ sie sich wünscht und braucht. Dazu kommen die eigenen Ängste vor dem Altwerden und Sterben, die mit den Begriffen konnotiert und in der Begegnung auf die Menschen projiziert werden. Dass in einem schwachen Körper ein durchaus lebensfroher und widerstandsfähiger Mensch stecken kann, und hinter einem runzeligen, eingefallenen Gesicht eine reiche, sogar faszinierende Lebensgeschichte, wird dann nicht mehr wahrgenommen. Es braucht die vielfältigen, oft berührenden und überraschenden Erfahrungen, die man in der Begegnung mit alten Menschen machen kann, damit diese Hindernisse überwunden werden. Das theoretische Wissen etwa, das hinter jedem Gesicht eine reiche und kostbare Lebensgeschichte steht – auch wenn ich nichts davon weiß und nicht im Mindesten von ihr erahne – kann durch Begegnung zu einer le15


bendigen Erfahrung werden. Das Wissen kann durch Begegnung vom Kopf ins Herz gelangen und auch mich auf diese Weise verändern. Ich hatte in diesem Zusammenhang ein Schlüsselerlebnis: Über längere Zeit besuchte ich eine über 80-jährige Frau, die keine Angehörigen hatte. Sie erzählte mir immer wieder von ihrer Kindheit, vor allem von ihren Erinnerungen an den Vater, bevor dieser als Soldat im Zweiten Weltkrieg eingezogen wurde und nicht wiederkehrte. Viel mehr erzählte sie nicht. Erst anlässlich ihrer Beerdigung erfuhr ich im Trauergespräch von ihrem gesetzlichen Betreuer und langjähriger Wegbegleiter: Die Verstorbene war eine gebildete und weitgereiste Frau. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war sie in führenderer Stelle für eine Organisation osteuropäischer Exilregierungen tätig gewesen, später als Redakteurin im Rundfunk, und hatte über viele Jahre einen „Salon“ geführt, d.h. eine regelmäßige Gesprächsrunde in ihrem Haus mit Interessierten, zu aktuellen politischen und kulturellen Fragen. Nichts davon hatte ich im Gespräch mit ihr erfahren. Am Ende ihres reichen Lebens war ihr nur eines wichtig: die innige Verbindung zu ihrem Vater. Diese eindrückliche Erfahrung hat mich verändert. Seitdem schaue ich anders in die Gesichter und Augen der Menschen, die ich vor Beginn eines Gottesdienstes begrüße. Ich empfinde Respekt und Achtung, oft auch Zuneigung und Freude, und werde beschenkt, wenn ich die Menschen anschaue. Es sind kurze Momente der Begegnung, die mir helfen, mich auf den Gottesdienst mit diesen Menschen einzustellen und mich innerlich vorzubereiten auf das, was im Gottesdienst geschieht und was ich erhoffe: Begegnung und Beziehung.

Begegnung – mit Mut und Augenhöhe Sich auf Begegnung einzulassen, bedeutet, Stereotypen und Vorteile hinter sich zu lassen. Das braucht Mut – auch den Mut, die eigene Re16


1. A wie Anfang Ein Gottesdienst zum Jahresanfang | 1. Mose 1; 1. Mose 12, 1-4

Material y ein großes farbiges A, aus Pappkarton gebastelt, zum Aufstellen y eine Bibel zum Aufschlagen

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Ablauf Musik Begrüßung

Lied: Die güldne Sonne voll Freud und Wonne (EG 449, 1.4.8) Eröffnung

Psalm: Psalm 23 (LUT) Gebet Ein neues Jahr hat angefangen! Gott, wir danken dir, dass wir das erleben dürfen Aber wir haben auch Mühe und sind voller Fragen: Wie wird das Jahr werden? Werden wir Kraft haben, um alles zu bewältigen, was auf aus ­zukommt?

Gott, wir bringen vor dich was uns bewegt. Höre, was wir dir in der Stille sagen. (Gebetsstille) So nimm du uns jetzt an die Hand und führe uns. Wir möchten dir vertrauen. Amen. Lesung: 1. Mose 12, 1-4 (LUT) Glaubensbekenntnis

Lied: Weiß ich den Weg auch nicht, du weißt ihn wohl (EG 650, 1-3)

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Predigt Liebe Gemeinde, ein neues Jahr hat angefangen. Darum habe ich heute das große A mitgebracht. A – wie Anfang, oder für die Fußballfreunde unter uns: A – wie Anpfiff und Anstoß. A – wie Aufbruch. Oder ganz einfach A – wie ABC. Das A ist der erste Buchstabe im Alphabet. Wir lernen es in der Schule. Das A erinnert mich darum an meinen Schulanfang. Wie ich mit Freude und Stolz zum ersten Mal in die Schule gegangen bin! Mit der Schultüte im Arm und dem Schulranzen auf dem Rücken. Ich war neugierig auf das, was mich erwartet.

An welchen Anfang können Sie sich erinnern? Welcher Anfang war wichtig für Sie? (Pause) Auch der Schulanfang? Oder der Anfang in der Lehre? Als sie aus dem Elternhaus ausgezogen sind und neu angefangen haben, an einem neuen Ort? Der erste Tag bei einer neuen Arbeit? Als sie jung verheiratet waren und in einem möblierten Zimmer wohnten? Mit ganz wenig haben sie da angefangen. Oder später, nach dem Ende Ihrer Ehe, als sie noch einmal ganz neu anfangen mussten, allein und vielleicht mit Kindern? Anfänge sind nicht leicht. Manchmal weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Anfangen ist aber auch schön. In der Schule habe ich mich immer über ein neues Heft gefreut. Ich hatte Freude, ein neues Heft anzufangen. Die erste Seite im Heft war noch ganz weiß und sauber, ohne Eselsohren und Flecken. Und auch ohne Fehler. Nichts war rot angestrichen. Ich habe mir besondere Mühe gegeben, dass alles schön wird, was ich schreibe. Und hab habe mir vorgenommen: So schön soll jetzt das ganze Heft werden. Anfangen heißt auch: ich darf neu anfangen. Und das ist ein immer Geschenk. Wer macht uns dieses Geschenk? Womit fängt alles an? Schlagen 33


wir einmal die Bibel auf. Was steht da: (Bibel aufschlagen und vorlesen!) Da steht: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde“ (1. Mose 1, 1). Das sind die ersten Worte der Bibel. Das also ist der Anfang: Gott erschafft das Leben,– Land und Meer, Pflanzen, Tier und Menschen und die Ruhe. Er sorgt dafür, dass alles da ist. Das ist der Anfang von Allem: Gottes schöpferische Liebe, seine Freude am Leben, sein Ja zu uns, seine Fürsorge. Aller Anfang ist schwer, sagen wir. Doch hier werden wir daran erinnert. Gott hat den Anfang gemacht. Das müssen wir gar nicht tun. Und weil Gott den Anfang schon gemacht hat, ist auch immer schon etwas da, wenn wir anfangen, etwas das Gott vorbereitet hat, das uns auch hilft. Überlegen wir doch, wie das bei uns war. Als wir Kinder waren und in die Schule gegangen sind, haben wir uns gefreut, aber vielleicht hatten wir auch Angst, denn alles war neu. Das war nicht leicht. Doch dann haben wir gemerkt: Es gibt in der Schule auch Freundinnen zum Spielen und eine verständnisvolle Lehrerin. Und wie war es später, bei den Anfängen, die dann gekommen sind, die vielleicht auch schwer waren? Was hat uns da geholfen? Sollen wir mal sammeln. Was hat ihnen geholfen bei einem neuen Anfang? (Antworten erfragen und/oder folgendes anbieten: – Es hilft, wenn man nicht allein ist, wenn noch andere da sind, die auch neu anfangen. Die verstehen, was Mühe macht. – Es hilft, wenn man einen Partner hat oder eine Freundin, gemeinsam kann man es schaffen. – Es hilft, wenn Leute das sind, die teilen, die etwas abgeben. – Es hilft, jung zu sein: da hat man Kraft und kann arbeiten! Fleißig sein hilft und Ausdauer haben. – Aber man braucht auch Glück. Man braucht gute Gelegenheiten, die man am Schopf packen kann. 34


– Und manchmal bekommt man unerwartet Hilfe: Ich fühlte mich ganz verloren, aber da war plötzlich jemand, dem bin ich aufgefallen. Der hat gemerkt, was ich kann, und hat mir eine gute Arbeit gegeben. Da ging es aufwärts.) Hat Gott hier nicht seine Spuren gelegt und für uns gesorgt und uns geholfen, auch durch Menschen, die für uns da waren? Auch wenn wir in dieses neue Jahr gehen, ist das so: Wir müssen nicht den Anfang machen. Wir können in das neue Jahr gehen und Gott legt seine Spuren. Er sorgt dafür, dass da ist, was wir brauchen, damit wir neu anfangen können. A – wie Anfang, dazu gehört auch A – wie Angst: Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten; Angst vor dem, was kommt. Doch das große A hier in unserer Mitte erinnert uns daran: Gott macht den Anfang. Er macht nicht nur einmal mit der Welt einen Anfang. Er macht auch mit uns Menschen immer wieder einen neuen Anfang. Und steht uns bei, wenn wir neu anfangen. Abraham, von dem wir in der Lesung gehört haben, hat das erlebt. Abraham lebte mit seiner Frau Sara in Haran. Da ruft ihn Gott: „Abraham, mach dich auf den Weg. Verlass deine Heimat, zieh fort in ein neues Land, das ich dir zeigen will. Ich werde mit dir gehen und zu dir halten. Ich werde für dich sorgen. Ich werde dich auch verteidigen. Ich werde dich segnen“ (1. Mose 12, 1-4). Abraham ist 75 Jahre alt als er diese Stimme hört. Und er folgt ihr. Obwohl er schon so alt ist, fängt er noch einmal neu an. Er verlässt seine Heimat. Er macht sich auf einen neuen Weg. Ich finde das unglaublich. Er bricht auf, weil er Gottes Stimme hört und ihm vertraut. Er macht einen neuen Anfang im Gottvertrauen. Das A steht heute in der Mitte: A wie Anfang und Aufbruch. A wie Angst, die uns an der Schwelle zu Neuem überkommt. Und A – wie Abraham, der einen neuen Anfang macht im Gottvertrauen. Von allen Anfängen, die Gott uns schenkt, ist das wohl der kostbarste: 35


wenn wir wie Abraham anfangen, Gott zu vertrauen. Und für diesen Anfang ist es nie zu spät. Dafür sind wir nie zu alt! Und jetzt sage ich Amen. Amen bedeutet: So soll es sein. Und das ist gewisslich wahr. Noch so ein schönes Wort, das mit A anfängt. Lied: Vertraut den neuen Wegen (EG 395, 1-3) Gebet6 Am Anfang, bevor die Welt begann, als alles noch ohne Gestalt war, da warst du da, Gott, hast Himmel und Erde geschaffen. Alles, was grün und blau ist, was tief ist oder wächst. Alles, was zart ist, fest, duftend und eigenartig ist. Alles, was redet, singt, schreit lacht oder schweigt. Alles, was leidet, mangelt, hinkt oder am Ende ist. Deine Hand, lieber Gott, hat alles geschaffen. Dafür loben wir dich.

Bevor wir da waren, noch im Mutterleib, ohne Form, da warst du da, hast uns dein Eigen genannt, hast uns einzigartig gemacht und uns ins Leben gerufen. Dafür loben wir dich. Und jetzt, wo ein neues Jahr beginnt, bist du da. Du weitest unseren Blick und gibst uns Hoffnung. Du hebst die Fäden unseres verlorenen Vertrauens wieder auf. Und so wird es immer sein. Denn du hast gesagt, ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. 6

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Nach dem Morgensegen der Liturgie der Iona-Kommunität in Schottland.


Du hast uns nicht das Paradies auf Erden versprochen, aber dass du bei uns bist und mit uns gehst. Dafür loben wir dich. Amen. Vaterunser Segen

Lied: Großer Gott, wir loben dich (EG 331, 1.10.11) Musik

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2. Hans im Glück Ein Gottesdienst für die Karnevalszeit und andere lustige Gelegenheiten | Psalm 23; Matthäus 5, 3-9

Material y ein Märchenbuch y ein großer, in Goldpapier eingewickelter Stein als „Goldklumpen“ y zwei einfache Feldsteine y ein bunter Karnevalsschlips und ein Clownshut für den/die Prediger:in

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Ablauf Musik Begrüßung Heute geht es ums Glücklichsein! „Glück muss man haben“, sagen wir, zum Beispiel wenn wir ein Los gezogen und gewonnen haben. An Gott glauben zu können ist auch ein Glück. Wenn wir glauben, haben wir schon das große Los gezogen. Davon hören wir heute.

Lied: Lobet den Herren alle, die ihn ehren (EG 447, 1-2.6-7) Eröffnung

Psalm: Psalm 23 (LUT) Gebet Gott, du bist bei uns – auch an dunklen Tagen. Das ist unser Glück. Deine Nähe tut gut. Deine Worte trösten uns und helfen weiter.

Wir brauchen dich auch. Denn immer wieder drückt uns Angst und Sorge. Wir fragen: Wie geht es weiter? Wir bitten dich: Nimm die Last von uns. Helle unsere Seele auf Schenk uns, dass wir glücklich sein können in deiner Nähe. Amen.

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Einleitung zur Lesung Ist Glücklichsein eigentlich ein Thema in der Bibel? Aber ja! Hören wir auf einen Abschnitt aus der Bergpredigt, den Sie sicher kennen. Lesung: Matthäus 5,3-9 (BB) Glaubensbekenntnis

Lied: Such, wer da will, ein ander Ziel (EG 346, 1.3-4) Predigt Liebe Gemeinde, heute ziehe ich einen bunten Schlips an und setze mir einen bunten Hut auf; einen Clownshut – und einen Clownsschlips für einen Spaßmacher. Denn wir haben Karneval! Die fünfte Jahreszeit! (Schlips und Hut anziehen) Überall am Rhein wird gefeiert, von Düsseldorf bis Mainz und auch hier im Haus – mit Schunkeln, Spaß und Lustig sein. Am Rosenmontag ziehen die Umzüge durch die Stadt. Und manch ein Politiker kriegt von der Bütt aus den Marsch geblasen. Denn, so sagt es das Sprichwort: Kinder und Narren, die sagen die Wahrheit! Denn in manchem Spaß und in mancher Narretei steckt tiefe Weisheit Auch in der Geschichte, die ich für heute ausgesucht habe. Es ist, weil wir Karneval haben, ein Märchen: das Märchen von Hans im Glück!7 (Märchenbuch zeigen)

7 Ich bürste in meiner Predigt das Märchen „Hans im Glück“ gegen den Strich, denn ich verstehe Hans hier als Held und nicht als Antiheld. Üblicherweise ist Hans ein Antiheld, weil er unüberlegt handelt und seinen Goldklumpen – Symbol für ein großes Potential, das aber noch geformt werden muss, – nicht nutzt, sondern unvorteilhaft eintauscht. Im Kontext des Altwerdens kann man seine Geschichte aber, wie in diesem Beispiel, durchaus anders verstehen und auslegen. Man sieht also: Heldentum ist relativ.

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