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Leseprobe

Thomas Kröck und Heinrich Christian Rust (Hg.) fromm + grün


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Thomas Kröck und Heinrich Christian Rust (Hg.)

fromm + grün Schöpfungsverantwortung und Nachhaltigkeit in der christlichen Gemeinde


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Gefördert durch Mittel der Akademie für christliche Führungskräfte, Gummersbach, www.acf.de, www.developmentstudies.de

Unterstützt durch Brot für die Welt

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2022 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung eines Bildes © Mary Long (shutterstock.com) Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim DTP: Burkhard Lieverkus, Wuppertal Verwendete Schrift: Chapparal, Myriad Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6876-7 Print ISBN 978-3-7615-6877-4 E-Book www.neukirchener-verlage.de


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Inhalt Einleitung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7

Teil 1: Wo wir stehen – Wie umweltbewusst sind christliche Gemeinden? Eine empirische Bestandsaufnahme (Thomas Kröck) . . . . . . . . . 11 Warum dieses Thema? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 13 Wie wurden die Daten erhoben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 14 Wie umweltbewusst sind Mitglieder christlicher Gemeinden? . . . . . . 19 Wie setzen sich christliche Gemeinden für Natur- und Klimaschutz ein?

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29

Wie wird das Engagement für Natur- und Klimaschutz begründet? . . . . 36 Was spricht gegen ein Engagement für Natur- und Klimaschutz? . . . . . 46 Wie lassen sich die Unterschiede zwischen den Gemeindeverbänden erklären? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 66 Wo stehen wir und wie kann es weitergehen? . . . . . . . . . . . . . . 79 Eine Reaktion auf die Studie: Gespräch über Schöpfungsverantwortung und den Auftrag der Gemeinde

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89

Teil 2: Wie wir darüber denken können – Aspekte einer ökologischen Theologie, Ethik und Spiritualität (Heinrich Christian Rust) . . . . . 115 Das aufgescheuchte Zeitalter – Gemeinde Jesu Christi im ökologischen Umbruch . . . . . . . . . . .

117


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Der Schöpfer und seine Schöpfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . 126 Eschatologische Perspektiven einer ökologischen Theologie . . . . . . 136 Die Gemeinde Jesu Christi – Labor und Modell des Reiches Gottes . . . 146 Kirchliche Handlungsempfehlungen, Arbeitshilfen und Vernetzungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 162

Teil 3: Was wir tun können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 181 Naturschutz und Nachhaltigkeit als Themen im Gottesdienst (Walter Faerber in Zusammenarbeit mit Michael Rentz) . . . . . . . . 184 Naturschutz und Nachhaltigkeit als Thema in der Arbeit mit Konfirmanden (Walter Faerber) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189 Naturschutz und Nachhaltigkeit als Themen in der Pfadfinderarbeit (Christian Holfeld) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 196 Kleingruppen als Motivationszentren für Nachhaltigkeit (Lukas Gerber) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 202 Impulse in die Gesellschaft (Tabea Gutmann) . . . . . . . . . . . . . 209 „Zero Waste“ in der Kirche (Martin Horstmann)

. . . . . . . . . . . . 216

Nachhaltige Beschaffung in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen (Martina Faseler) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 223 Ressourcen teilen (Debora Alder-Gasser) . . . . . . . . . . . . . . . 229 Gemeindeveranstaltungen nachhaltig gestalten (Wiebke Suter-Blume) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 235 Gemeindegrundstücke und -gebäude als Raum für biologische Vielfalt (Hans-Hermann Böhm/Dorothea Seeger) . . . . . . . . . . . . . . . 241 Als Gemeinde Energie effizient nutzen oder bereitstellen (Felix Schweikhardt) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 248 Klimaschonende Mobilität fördern (Lisa Stadtherr) . . . . . . . . . . . 256 Nachhaltigkeitsziele in der Gemeinde systematisch umsetzen (Hans-Hermann Böhm)

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262

Erste Schritte: Bestandsaufnahme und wie es weitergehen kann (André Galli) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267

Die Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 275


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Einleitung Klimawandel und Artensterben sind Themen, die unsere gesamte Gesellschaft, ja, die ganze Menschheit betreffen und bewegen. Spätestens seit dem Pariser Klimagipfel, den Fridays for Future-Demonstrationen und der Einführung von Programmen wie dem European Green Deal, sind sie kein Alleinstellungsmerkmal mehr von einzelnen politischen Parteien oder Aktivisten. Der Verlust biologischer Vielfalt und Klimaveränderungen sind längst nicht nur am Amazonas, auf Inseln im Pazifik oder in Bangladesch zu spüren, sondern auch bei uns in Mitteleuropa angekommen. Es besteht weite Übereinstimmung, dass sich unser Wirtschaftssystem und unsere Gewohnheiten in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verändern müssen. Diese Herausforderungen stellen auch Anfragen an die christlichen Kirchen und ihre Mitglieder. Sollten wir uns bei diesen Themen zurückhalten im Glauben, dass Gott selbst seine Schöpfung erhält oder die sichtbare Welt am Ende sowieso vergehen wird? Oder ist für Christinnen und Christen, die eine Begegnung mit dem Schöpfergott suchen, die Verantwortung für seine Schöpfung ein zentrales Anliegen? Was können christliche Gemeinden zu den nötigen Veränderungen beitragen? Stehen sie dabei nicht in der Gefahr, ihren eigentlichen Auftrag zu vernachlässigen? Zum Nachdenken und zur Diskussion über diese Fragen soll das vorliegende Buch anregen. Da7


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bei bleibt es nicht auf der Ebene der Stellungnahmen von Kirchenleitungen und Gemeindeverbänden stehen, sondern fragt danach, was Christinnen und Christen an der Basis dazu denken und was sie konkret tun können. Das Buch greift Themen aus der Praxis auf und gibt Hilfestellungen dafür. Ausgangspunkt ist eine empirische Studie, an der über 900 Personen, vor allem aus den evangelischen Landeskirchen, Freien evangelischen Gemeinden und dem Gnadauer Gemeinschaftsverband teilnahmen. Die Untersuchung mit quantitativen und qualitativen Ansätzen wurde 2020/21 von Dr. Thomas Kröck durchgeführt. Sie bietet einen Überblick über die Einstellung und das Verhalten von Christinnen und Christen zu den Themen Natur- und Klimaschutz und ihre Begründungen dafür. Außerdem beschreibt sie das Engagement von Gemeinden in diesem Bereich. Die anschließende Diskussion und Bewertung der Ergebnisse der Studie mit Leitungspersonen aus den drei genannten kirchlichen Verbänden rundet das Ganze ab. Dabei wurde insbesondere die Wertschätzung der Schöpfung und die Hoffnung angesprochen, die Christinnen und Christen in diese Debatte einbringen können. Da die Gründe für oder gegen das Engagement von Christinnen und Christen für Natur- und Klimaschutz oft mit theologischen Positionen zu tun haben, werden im zweiten Teil des Buchs Aspekte einer ökologischen Theologie, Ethik und Spiritualität aufgezeigt. Dr. Heinrich Christian Rust geht dabei besonders auf das Verständnis von Schöpfung, eschatologische Perspektiven und die Rolle der Gemeinde Jesu Christi ein. Außerdem bietet dieser Teil einen Überblick über kirchliche Handlungsempfehlungen, Arbeitshilfen und Netzwerke. Damit wird der Bogen zum dritten Teil geschlagen. Der dritte Teil des Buchs wendet sich dem konkreten Handeln im Kontext christlicher Gemeinden zu. Wie können diese Themen gezielter in Gemeinden angesprochen und Gemeindeaktivitäten ökologisch nachhaltiger gestaltet werden? Fachleute aus Deutschland und der Schweiz geben Hinweise, wie die Schöpfungsverantwortung in Gottesdiensten, bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und in 8


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Kleingruppen thematisiert werden kann. Konkret werden praktische Fragen nach Vermeidung von Müll, einer ökologisch nachhaltigen Beschaffung und der effizienten Nutzung von Energie und der Förderung biologischer Vielfalt angesprochen. Ebenfalls werden Konzepte zur Förderung von nachhaltigem Gemeindemanagement vorgestellt. Zu diesen Themen werden jeweils weiterführende Literatur und Informationsquellen im Internet genannt. Das Buch bleibt damit nicht auf der Ebene von „man sollte eigentlich“ stehen, sondern geht auf konkrete Chancen und Hindernisse für das Engagement christlicher Gemeinden für ökologische Nachhaltigkeit ein, bietet Anstöße zur theologischen Reflektion dieses Themas und Hinweise für praktisches Handeln. Es richtet sich damit insbesondere an Mitglieder und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Gemeinden und möchte Diskussionsprozesse und Aktivitäten auf örtlicher und überregionaler Ebene anstoßen.

Die Herausgeber

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Teil 1: Wo wir stehen – Wie umweltbewusst sind christliche Gemeinden? Eine empirische Bestandsaufnahme (Thomas Kröck)


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Warum dieses Thema? Wie im Vorwort beschrieben, ist die ökologische Krise mit dem Klimawandel und dem Verlust der Artenvielfalt und anderer natürlicher Ressourcen die große, globale Herausforderung dieses Jahrhunderts, mit der sich die Gesellschaften aller Nationen und damit auch christliche Kirchen auseinandersetzen müssen. Für Christinnen und Christen ist der verantwortliche Umgang mit Gottes Schöpfung kein fremdes Thema. Mit dem Auftrag, den Garten Eden zu bebauen und zu bewahren, der Geschichte von Noah, dem Lob Gottes durch die Natur in den Psalmen und anderen Hinweisen zur Bedeutung der Schöpfung, geht die Bibel auf diese Themen ein. Schon vor Jahrhunderten setzten sich Christen wie Franz von Assisi und Vertreter des Pietismus für die Bewahrung der Schöpfung ein. In den 1990er-Jahren initiierte der Weltkirchenrat den „konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung“. In der jüngeren Vergangenheit beschäftigten sich die Leitungen verschiedener Kirchen und christlicher Verbände mit diesen Themen. Zu nennen sind unter anderem die Denkschrift des Rates der EKD „Umkehr zum Leben“ (2009)1; Stellungnahmen von Papst Franziskus („Laudato Si“, 2015)2 und dem orthodoxen Patriarchen Bartholomäus (ebenfalls 2015)3; die Konsultation der Lausanner Bewegung 13


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zu „Creation Care and the Gospel“ (2012)4 und das Impulspapier der EKD von 20185. Auch auf der Ebene von Kirchengemeinden gibt es Anstöße, sich für dieses Thema einzusetzen. Zu nennen wären hier Der Grüne Hahn6 und ähnliche Programme zur Zertifizierung der Nachhaltigkeit von christlichen Gemeinden. In der Schweiz besteht dazu in der Evangelischen Allianz die „Arbeitsgemeinschaft Klima, Energie, Umwelt“7. Es gibt aber kaum empirische Untersuchungen darüber, ob und wie sich christliche Gemeinden und ihre Mitglieder für die Bewahrung der Schöpfung8 einsetzen. Diese Lücke wurde durch eine wissenschaftliche Studie der Akademie für christliche Führungskräfte geschlossen, die 2020–21 durchgeführt wurde. Ihr Ziel war es, zu erkunden, welche Bedeutung Natur- und Klimaschutz für Gemeinden unterschiedlicher Prägung haben, wie das Engagement in diesem Bereich begründet wird und welche Hindernisse es dafür gibt. Befragt wurden dazu Mitglieder und Gemeinden aus den evangelischen Landeskirchen, Freien evangelischen Gemeinden und aus dem Gnadauer Gemeinschaftsverband. Als empirische Beschreibung des Ist-Zustandes bildet die Studie die Grundlage dieses Bandes, auf der dann die theologische Reflexion und Hinweise zu konkretem Handeln aufbauen.

Wie wurden die Daten erhoben? Die vorliegende Studie stellt den Versuch dar, ein weites Wissensfeld, zu dem wenige Informationen vorliegen, zu erkunden. Sie ist keine repräsentative Untersuchung, wie wir dies von Marktforschungsinstituten und Wahlprognosen kennen. Andererseits ist sie mehr als eine Beschreibung zufällig gewonnener Einsichten in ein komplexes Thema. Um verlässliche Daten zu dem Thema zu erheben, wurden zwei Methoden genutzt, die einander ergänzen: Zunächst wurde ab Mitte 2020 bis Anfang 2021 eine anonyme Online-Umfrage durchgeführt. Die damit erhobenen Daten dienten 14


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dazu, das persönliche Umweltbewusstsein der Befragten sowie ihre Einstellungen zu verschiedenen Themen zu untersuchen. Ein Teil der Daten konnte genutzt werden, um das Engagement von Gemeinden für Natur- und Klimaschutz zu charakterisieren. In einem zweiten Schritt wurden von April bis Juni 2021 in 13 Gemeinden Gruppeninterviews mit jeweils fünf bis zehn Personen durchgeführt und qualitativ ausgewertet. Die Studie richtete sich ursprünglich an das ganze Spektrum christlicher Gemeinden in Deutschland, und es wurde versucht, Gemeinden aus den evangelischen Landeskirchen, der römisch-katholischen Kirche, verschiedenen evangelischen Freikirchen, des Gnadauer Verbandes sowie internationale bzw. Migrationsgemeinden für die Teilnahme zu gewinnen. Die Mehrzahl der auswertbaren Rückläufe zur Online-Umfrage kamen aus drei Gruppen von Gemeinden, aus den evangelischen Landeskirchen, dem Bund der Freien evangelischen Gemeinden und dem Gnadauer Gemeinschaftsverband. Entsprechend wurden auch nur in Gemeinden aus diesen Verbänden Gruppeninterviews durchgeführt. Sowohl bei der Online-Umfrage als auch bei den Gruppendiskussionen wurden die Teilnehmenden über das Ziel der Untersuchung und die Verwendung der Ergebnisse aufgeklärt und die Daten anonymisiert. Im Folgenden wird das Vorgehen kurz dargestellt und die Befragten werden charakterisiert. Online-Umfrage Für die Online-Umfrage wurden zunächst Gemeindeverbände (bzw. Landeskirchen und Bistümer) und einzelne Gemeinden angeschrieben und um Weitergabe des Umfrage-Links an ihre Gemeindeglieder gebeten. Über eine Referenz konnten die anonymen Rückläufe bestimmten Gemeinden zugeordnet werden. Später wurde der Link zur Umfrage zusätzlich über verschiedene Verteiler und in den sozialen Medien verbreitet. Diese Ergebnisse können nicht bestimmten örtlichen Gemeinden zugeordnet werden. Insgesamt ergab die Online-Umfrage 904 auswertbare Rückläufe. Davon kamen 234 aus den evangelischen Landeskirchen, 242 aus den Freien evangelischen Ge15


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meinden und 270 aus dem Gnadauer Gemeinschaftsverband. 158 kamen vor allem aus anderen Freikirchen, der katholischen Kirche oder die Befragten machten keine Angaben zur Konfession. Die Auswertung der Daten konzentriert sich daher auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den drei genannten Gruppen. Um die Ergebnisse interpretieren zu können, ist es notwendig, wichtige Charakteristiken der Befragten zu kennen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über einige Faktoren, die bei der Online-Umfrage erhoben wurden. Tabelle 1: Charakteristiken der Teilnehmenden der Online-Umfrage. Gemeindezugehörigkeit

EKD

FeG

Gnadau

sonstige gesamt

Anzahl der auswertbaren Rückläufe

234

242

270

158

904

durchschnittliches Alter (Jahre)

52

47

46

48

48

Anteil weiblicher TN

55 %

51 %

47 %

44 %

50 %

Anteil TN mit Abitur oder Studium

75 %

79 %

80 %

82 %

79 %

Anteil TN aus Westdeutschland

94 %

89 %

80 %

84 %

87 %

Anteil sehr religiöser TN*

22 %

40 %

51 %

43 %

39 %

Anteil TN, die sich überdurchschnittlich für Naturschutz und Nachhaltigkeit interessieren**

45 %

34 %

32 %

46 %

38 %

* Selbsteinschätzung; ** Selbsteinschätzung im Vergleich zu anderen Mitgliedern der eigenen Gemeinde.

Wie die Tabelle zeigt, hatte die Mehrheit der an der Online-Umfrage Teilnehmenden höhere Bildungsabschlüsse und sie lebten überwiegend in den alten Bundesländen. Wie zu erwarten war, interessierte sich ein großer Anteil stärker für Naturschutz und Nachhaltigkeit als der Durchschnitt der Mitglieder ihrer Gemeinden. Das war zu erwarten, denn allgemein sind Menschen eher dazu bereit, an Umfragen zu Themen teilzunehmen, die sie interessieren. Dieser Aspekt wurde bei der Auswertung der Daten berücksichtigt, indem jeweils die Gruppen mit schwächerem, durchschnittlichem und stärkerem Interesse an diesen Themen verglichen wurden. 16


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Auswertung von Angaben zu Gemeinden Da über eine Referenz ein Teil der anonymen Rückläufe bestimmten Gemeinden zugeordnet werden konnten, wurden diese Daten genutzt, um die Aktivtäten der Gemeinden zu untersuchen. Dazu wurden Angaben aus Gemeinden genutzt, aus denen jeweils mindestens vier Rückläufe vorlagen und die zu den oben genannten Verbänden (EKD, FeG, Gnadau) gehören. Bei den Gemeinden der evangelischen Landeskirchen wurde zwischen solchen, die in dieser Hinsicht zertifiziert waren (z. B. Grüner Hahn, Faire Gemeinde u. a.) und solchen ohne Zertifizierung unterschieden. Tabelle 2 gibt einen Überblick über diese Gemeinden. Tabelle 2: Merkmale der Stichprobe zu Gemeindeaktivitäten. Gemeinden

Befragte

Anzahl % Mittel und Großstadt

Bedeutung v. Naturschutz f. Gem. schwächer/ durchsch./ stärker*

Anzahl Alters- % durch- weibl. schnitt

% mit Abi/ Studium

EKD mit Zertifizierung

7

43 %

0%

29 %

71 %

78

54

47 %

64 %

EKD ohne Zertifizierung

7

43 %

0%

71 %

29 %

44

56

55 %

48 %

FeG

12

67 %

42 %

50 %

8%

163

50

47 %

72 %

Gnadau

13

69 %

15 %

85 %

0%

126

51

43 %

78 %

* Bedeutung von Naturschutz und Nachhaltigkeit für die Gemeinde im Vergleich zu anderen Gemeinden des jeweiligen Verbandes.

Die Stichprobe umfasste 411 Befragte aus 39 Gemeinden. Insgesamt waren die Charakteristiken der Stichprobe recht ausgeglichen. Bei den FeGs und Gnadauer Gemeinden war jedoch der Anteil von Gemeinden aus Mittel- oder Großstädten höher und ein höherer Anteil der Befragten hatte Abitur oder Studium. Bei den Gemeinden aus den evangelischen Landeskirchen wurde ein größerer Anteil als über17


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durchschnittlich an Naturschutz und Nachhaltigkeit interessiert eingeschätzt. Dies ist bei der Übertragung der Ergebnisse der Befragung auf die Gesamtheit der jeweiligen Verbände zu beachten. Gruppen-Interviews In einem zweiten Schritt wurden Diskussionen (leitfadengestützte Gruppeninterviews) in Gemeinden aus den drei Gemeinderichtungen (EKD, FeG, Gnadau) durchgeführt. Dazu wurden verschiedene Gemeinden angefragt und gebeten, einen Querschnitt ihrer Mitglieder zu den Diskussionen einzuladen. Wie Tabelle 3 zu entnehmen ist, nahmen jeweils fünf bis zehn Mitglieder der verschiedenen Gemeinden teil. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen während der Covid19-Pandemie wurden die Diskussionen als Video- bzw. Telefonkonferenzen durchgeführt. Sie dauerten zwischen 49 Minuten und 1:35 Std. Die Diskussionen wurden aufgezeichnet und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet. Tabelle 3: Charakterisierung der Gruppendiskussionen.

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Code

Dauer

Bundesland

Kontext

Anzahl TN

Altersspanne

EKD 1

0:49

Hessen

Mittelstadt

7

50–ü70

EKD 2

1:08

Baden-Würt.

Dorf

5

60–ü70

EKD 3

1:31

Rhl.-Pfalz

Dorf

9

50–69

EKD 4

1:18

Hessen

Kleinstadt

6

20–59

FeG 1

1:22

NRW

Großstadt

5

20–ü70

FeG 2

1:11

NRW

Großstadt

9

40–59

FeG 3

0:56

Bayern

Kleinstadt

5

40–69

FeG 4

1:16

Hessen

Großstadt

8

20–59

Gnadau 1

1:21

Hessen

Dorf

7

14–59

Gnadau 2

1:35

Hessen

Dorf

9

30–69

Gnadau 3

1:17

Hessen

Kleinstadt

5

60–ü70

Gnadau 4

1:22

Thüringen

Großstadt

7

20–ü70

Gnadau 5

1:35

Hessen

Dorf

10

20–ü70


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Auch diese Gemeinden lagen weitgehend in den alten Bundesländern. Das Alter und der Bildungsstand der Teilnehmenden waren vergleichbar mit den Befragten der Online-Umfrage.

Wie umweltbewusst sind Mitglieder christlicher Gemeinden? Wie in der Einleitung angedeutet finden sich in der Bibel zahlreiche Hinweise, durch die sich eine Wertschätzung der Natur als Gottes Schöpfung begründen lässt. Andererseits gibt es Stimmen, die der christlichen Theologie vorwerfen, eine rücksichtslose Ausbeutung der Natur zu rechtfertigen. Wie steht es also um das Umweltbewusstsein von Christen? Unterscheiden sich die Einstellungen und das Verhalten von Mitgliedern christlicher Gemeinden in dieser Hinsicht von denen der deutschen Gesamtbevölkerung? Dies waren Fragen, die in dieser Studie untersucht wurden. Das Umweltbewusstsein der Deutschen wird seit 1996 im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt (BMU) im zweijährigen Rhythmus mit repräsentativen Studien untersucht. Die 2019 veröffentlichte Studie9 wurde daher als Vergleich für diese Untersuchung genutzt und ein Teil der Fragen direkt übernommen. Dabei ging es um die subjektive Einschätzung der Umweltqualität, die Bewertung der Bedeutung von Umwelt- und Klimaschutz und das persönliche Umweltbewusstsein. Beurteilung der Umweltqualität und die Bedeutung von Umweltund Klimaschutz Die Studie fragte nach der subjektiven Einschätzung der Umweltqualität am Wohnort, in Deutschland und weltweit (Tab. 3). Dabei zeigten sich in unserer Untersuchung unter Gemeindemitgliedern die gleichen Tendenzen wie in der repräsentativen Umfrage des BMU. Mit zunehmender Entfernung wurde die Umweltqualität als schlechter beurteilt. Beim Vergleich der Mitglieder der verschiedenen Gemein19


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deverbände zeigt sich, dass die Mitglieder der Freien evangelischen Gemeinden (FeGs) und des Gnadauer Verbandes die Umweltqualität insbesondere in Deutschland etwas positiver beurteilen als die Mitglieder der Landeskirchen oder der Durchschnitt der Deutschen (BMU 2019). Tabelle 4: Subjektive Einschätzung der Umweltqualität.

gut am Wohnort

in Deutschland

weltweit

EKD

FeG

Gnadau

BMU 2019

82 %

77 %

87 %

78 % 22 %

schlecht

17 %

22 %

12 %

k. A.*

1%

1%

1%

gut

55 %

71 %

76 %

61 %

schlecht

40 %

28 %

22 %

39 %

k. A.

5%

1%

2%

gut

4%

11 %

7%

7%

schlecht

94 %

85 %

85 %

93 %

k. A.

2%

4%

8%

* k. A.: keine Antwort.

Eine weitere Frage widmete sich den wichtigsten Problemen, denen sich unser Land gegenübersieht. Dazu sollten zehn Problemfelder nach ihrer Bedeutung bewertet werden. Übereinstimmend wurden der Zustand des Bildungswesens, soziale Gerechtigkeit und Umweltund Klimaschutz als die drei wichtigsten Bereiche genannt. Anders als bei den anderen Gruppen rangierte bei den Mitgliedern der evangelischen Landeskirchen der Umwelt- und Klimaschutz dabei auf Platz 1 vor dem Zustand des Bildungswesens und sozialer Gerechtigkeit.

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Tabelle 5: Bedeutung von Problemfeldern. EKD

FeG

Gnadau

BMU

Rang 1

Umwelt/ Klimaschutz

Bildungswesen

Bildungswesen

Bildungswesen

Rang 2

Bildungswesen

soziale Gerechtigkeit

soziale Gerechtigkeit

soziale Gerechtigkeit

Rang 3

soziale Gerechtigkeit

Umwelt/ Klimaschutz

Umwelt/ Klimaschutz

Umwelt/ Klimaschutz

Persönliches Umweltbewusstsein Für die Bewertung des persönlichen Umweltbewusstseins wurden für die Studie des BMU die Kategorien Umweltkognition, Umweltaffekt und Umweltverhalten entwickelt. Umweltkognition betrifft Bewertungen dieses Themenfeldes, Umweltaffekt die positive und negative Betroffenheit und Umweltverhalten beruht auf eigenen Angaben zu Verhaltensweisen10. Es liegt eine Skala von 0 (niedrig) bis 10 (hoch) zugrunde. Um den unterschiedlichen Anteil an hochengagierten Gemeindegliedern (siehe Tab. 1) zu berücksichtigen, wurde beim Vergleich zwischen Personen, die sich im Vergleich zur Mehrheit der Mitglieder ihrer Gemeinde als schwächer, durchschnittlich oder stärker an Naturschutz und Nachhaltigkeit interessiert einschätzten, unterschieden. Die Abbildungen 4 bis 6 zeigen die Ergebnisse für die Mitglieder der drei Gemeindeverbände sowie die Durchschnittswerte der Deutschen.

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Abbildung 1: Umweltkognition in Abhängigkeit von Gemeindezugehörigkeit und Interesse an Naturschutz.

Abbildung 2: Umweltaffekt in Abhängigkeit von Gemeindezugehörigkeit und Interesse an Naturschutz.

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Abbildung 3: Umweltverhalten in Abhängigkeit von Gemeindezugehörigkeit und Interesse an Naturschutz.

Auch hinsichtlich der Kenngrößen des Umweltbewusstseins wurden ähnliche Ausprägungen und Tendenzen wie in der Studie des BMU beobachtet. Die Werte der Umweltkognition waren etwas höher als die des Umweltaffekts, während das Umweltverhalten deutlich zurückblieb. In allen Kategorien erreichten die Mitglieder der Landeskirchen höhere Werte als die Mitglieder der FeGs oder Gnadauer Gemeinden. Diese Unterschiede waren vor allem bei den Gemeindegliedern mit schwächerem oder durchschnittlichem Interesse an Naturschutz ausgeprägt. Ausgewählte Fragen zum Umweltbewusstsein Als Beispiele für Unterschiede zwischen den verschiedenen Gruppen sollen im Folgenden die Ergebnisse zu einigen Einzelfragen dargestellt werden. Um die Gemeindegruppen besser vergleichen zu können, wurden bei den folgenden Ergebnissen nur Befragte berücksichtigt, die ihr Interesse für Naturschutz als durchschnittlich bewerteten. Bei der Umweltkognition und dem Umweltaffekt wurde nach der Zustimmung (zwischen „stimme überhaupt nicht zu“ bis „stimme voll und ganz zu“) zu verschiedenen Aussagen gefragt. 23


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Als Aspekt der Umweltkognition wurden Grenzen des Wirtschaftswachstums von Mitgliedern der evangelischen Landeskirchen stärker wahrgenommen als von Mitgliedern Freier evangelischer und Gnadauer Gemeinden (Abb. 4). Ähnlich waren auch die Zustimmungen zur Aussage, dass wir nicht mehr Rohstoffe nutzen sollten, als nachwachsen können, und dass wir Verantwortung dafür tragen, nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt zu hinterlassen.

Abbildung 4: Zustimmung zu Grenzen des Wachstums (Online-Umfrage, Befragte mit durchschn. Interesse an Naturschutz)

Beim Umweltaffekt geht es um positive und negative Gefühle bezüglich Umweltveränderungen und Naturschutz. Der Anteil von Personen, die die Umweltproblematik für übertrieben halten, ist in den untersuchten christlichen Gemeinden eher etwas geringer als in der Gesamtbevölkerung (Abb. 5). Hinsichtlich der Umweltbedingungen für künftige Generationen zeigten sich Mitglieder von Gemeinden des Gnadauer Verbandes und von Freien evangelischen Gemeinden weniger beunruhigt als Mitglieder der evangelischen Landeskirchen oder der Durchschnitt der deutschen Bevölkerung (Abb. 6). Dieses Ergebnis kann in einem bestimmten Gottvertrauen oder Endzeiterwartungen begründet sein, auf die in Abschnitt 5 eingegangen wird. Ein Bezug zwischen dieser Frage und der Religiosität wurde aber nicht 24


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sichtbar. Ein ähnliches Bild wie bei der Beunruhigung gab es hinsichtlich der Wut über das Verfehlen von Klimaschutzzielen (Abb. 7).

Abbildung 5: Zustimmung zur Aussage „Die Umweltproblematik wird übertrieben.“ (Online-Umfrage, Befragte mit durchschnittlichem Interesse an Naturschutz).

Abbildung 6: Zustimmung zur Beunruhigung über künftige Umweltbedingungen (Online-Umfrage, Befragte mit durchschnittlichem Interesse an Naturschutz).

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