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Leseprobe

B I R G I T O R T M Ü L L ER ( H G .) • Dennoch ist Hoffnung


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B IRGI T O R T MÜL L ER (H G .)

Dennoch ist Hoffnung Kleine Ermutigungen, die das Leben schrieb


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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abruf bar.

© 2022 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten. Umschlaggestaltung: Kristina Dittert, FreiSinn, Essen unter Verwendung eines Bildes von © kore kei – stock.adobe.com; © JK-Design – stock.adobe.com Lektorat: Sarah Müller, München Verwendete Schriften: Scala DTP: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Gesamtherstellung: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany ISBN 978-3-7615-6856-9 (Print) ISBN 978-3-7615-6857-6 (E-Book) www.neukirchener-verlage.de


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Inhalt Vorwort

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1 Dennoch siehst du mich ANNA BAER

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2 Dennochs brauchen Engel

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STEFAN WAGENER

3 Dennoch verzweifle ich nicht CORNELIA MANDT

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4 Dennoch auserwählt und berufen GÜNTHER BIERL

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5 Dennoch glücklich MADELEINE ORTMÜLLER

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6 Dennoch Gelassenheit einüben ARNO BACKHAUS

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7 Dennoch nimmst du mir meine Last JOHANNES DOSE

28

8 Dennoch ist Gott treu MANUEL A GÜCKER-BR AUN

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9 Dennoch ein lehrreicher Umweg SIMONE RÖHRICHT

33

10 Dennoch am Leben JOSEF MÜLLER

36

11 Dennoch überwindest du mein Aber 39

MANUEL A GARTHE

12 Dennoch wieder aufstehen KERSTIN WENDEL

42

13 Dennoch kann mich nichts von dir trennen 45

SIBYLLE LIMBECK

14 Dennoch hältst du zu mir JUT TA BAMBERGER

49

15 Dennoch gehe ich BET TINA PLÖTNER

51

16 Dennoch Gottes Möglichkeiten sehen DANIELE BEAC A

55

17 Dennoch bewahrt HELMUT BL AT T

58

18 Dennoch getragen und geführt HANNAH KLINKERT

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19 Dennoch verbunden ANKE K AISER

64

20 Dennoch ein ganz besonderer Niki-Tag MIRJAM HENTSCHEL

21 Dennoch ein guter Weg CL AUDIA SCHMIDT

67 71

22 Dennoch nicht am Ende der Geschichte K ATHARINA VON DESSIEN

74

23 Dennoch ist alles gut HELMA REIN

77

24 Dennoch fürchte ich mich nicht DR. ULRICH PALMER

79

25 Dennoch sagen MANUEL K AISER

82

26 Dennoch ist es ein guter Gott HANNE DANGMANN

86

27 Dennoch Sehnsucht MARTIN SIMON

89

28 Dennoch das Abenteuer wagen HANNAH MÜLLER

92

29 Dennoch arbeiten und glauben MAT THIAS JÄGER

95

30 Dennoch verändert Gebet DORIS DANIEL

98

31 Dennoch vertrauen ESTHER MANN

102

32 Dennoch in Schwachheit stark JÜRGEN MET TE

105

33 Dennoch hörst du mein Schweigen BIRGIT ORTMÜLLER

34 Dennoch auf weitem Raum SUSANNE SCHERER

108 111

35 Dennoch gehe ich meinen Weg mit Jesus ULRICH MUTH

114

36 Dennoch aus seiner Kraft leben JOHANNA ULRICH

117

37 Dennoch ein erfülltes Leben GEORG GROBE

120

38 Dennoch freundlich bleiben und beten MARGA KLOCKE

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39 Dennoch Gottesdienst MARTIN SCHOT T

125

40 Dennoch zu Hause bei Gott C AROLIN SCHNEIDER

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41 Dennoch Neuland wagen SVENJA WILLERSHÄUSER

132

42 Dennoch macht Gott keine Fehler WALTR AUD BAUCH

135

43 Dennoch bewährt JOACHIM FUHRL ÄNDER

138

44 Dennoch ist Hoffnung THEA EICHHOL Z

141

45 Dennoch voller Möglichkeiten SCHWESTER CHRISTINA KUHLMANN

145

46 Dennoch suche ich dich, Herr BIRGIT ORTMÜLLER

148

47 Dennoch aneinander festhalten DR. REINER BR AUN

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48 Dennoch kann ich es schaffen CHRISTIANE DÖNGES

155

49 Dennoch will ich ihm treu bleiben MICHAEL A PEZ

158

50 Dennoch Gottes Zusagen vertrauen DEBOR AH MANN

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51 Dennoch auf dem Heimweg TIMO GARTHE

164

52 Dennochs sehen – Tag für Tag ANNE LINDNER

167

Dank

171

Quellenverzeichnis

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Vorwort

I

n der Wohnung meiner Großeltern stand ein kleiner Holzschriftzug mit dem Wort Dennoch. Damit k0nnte ich in meiner Kinder- und Jugendzeit wenig anfangen. Dieses Wort bedeutete mir nicht viel und schön fand ich dieses Holzteil auch nicht. Im Laufe der Zeit verschwand es im Keller. Nach Jahren hat mein Vater diesen Schriftzug wieder im Wohnzimmer aufgestellt. Je mehr ich ihn betrachtete, umso intensiver wurde mir die tiefe Bedeutung dieses einen Wortes bewusst und so manches Dennoch in meinem Leben wurde lebendig. Ich durfte viele Gespräche zum Thema Dennoch führen. Sie waren berührend, nachdenklich, ehrlich und offen. Fortan ließ mich der Gedanke an ein Ermutigungsbuch, gefüllt mit Dennoch-Geschichten aus dem Leben, nicht mehr los. So sind nun 52 hoffnungsvolle Texte zusammengekommen. Wer mag, hat für jede Woche im Jahr einen. Jedes Dennoch ist einzigartig. Es können schöne, aber auch traurige Ereignisse damit verbunden sein. Die Geschichten erzählen von Aufbruch und Neuanfang, von den Umwegen des Lebens und Glaubens und vom Durchhalten und trotzdem Hoffen. Sie alle wollen ermutigen, denn wir gehen unseren Lebensweg niemals alleine. Gottes Liebe und seine Gnade begleiten uns täglich. Er hat einen Plan für einen jeden von uns. Wir reifen am Leben mit seinen Dennochs. Und weil Gottes Zusage feststeht und er uns an der Hand hält, dürfen auch wir an ihm bleiben – trotz allem! Das drückt auch der Psalmbeter in Psalm 73,23 so wunderbar aus: »Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand.« Birgit Ortmüller 9


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1 Dennoch siehst du mich ANNA BAER

G

emeindefest! Endlich, nach so langer Zeit im Corona-Virus bedingten Lockdown können wir wieder ein richtig echtes Gemeindefest feiern! Im Vorbereitungsteam stecken wir uns mit unserer Vorfreude gegenseitig an, es soll unbedingt ein schöner Tag für alle werden. Am Festsonntag läuft alles nach Plan. Nur leider weist dieser Plan einige recht tückische Lücken auf. Alle sind vollauf beschäftigt, aber mir springen bei jedem zweiten Schritt überraschende Details zwischen die Füße, die zwar erledigt werden müssen, aber vorab niemandem zugeteilt wurden. Äußerlich gemessenen Schrittes, innerlich im Sprinttempo arbeite ich eines nach dem anderen ab. Pünktlich beginnt der Freiluft-Gottesdienst. Dass ich nicht rechtzeitig fertig werde, um daran teilzunehmen, ist mir seit zwei Stunden bewusst. Und eigentlich macht mir das nicht viel aus, ich bleibe ja ohnehin lieber im Hintergrund. Aber während ich nun die Würstchen ins heiße Wasser zähle, so leise und unsichtbar wie möglich die anderen Kleinigkeiten erledige, krabbelt langsam Frust in mir hoch. Und als die Gemeinde eines meiner Lieblingslieder singt, kommen mir die Tränen. »Herr, und ich?«, bricht es aus mir heraus, »Siehst du mich auch? Wieder mal sitze ich nicht bei den anderen im Gottesdienst. Siehst du mich trotzdem? Wieder mal singe ich keine Loblieder für dich, stattdessen kleckere ich hier mit Schüsseln und Senf rum – siehst du mich trotzdem? Einer muss die Arbeit doch machen, auch wenn Sonntag ist! Hast du mich trotzdem lieb?« 11


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Der Gott, der mich sieht Danke, dass du mich nicht aus den Augen verlierst, auch wenn kein Mensch mich sieht. Danke, dass dein Blick freundlich und voll Güte auf mir ruht, auch wenn ich versage. Danke, dass du mich mit deinen liebevollen Augen leitest, auch wenn ich deinen Blick nicht immer spüre. Danke, dass du in mein Herz schaust und meine Gedanken kennst, auch wenn mich sonst niemand versteht. Du bist der Gott, der mich sieht!

Mit etwas Mühe habe ich bis zum »Amen!« die Tränen getrocknet und den letzten Salatlöffel in eine Schüssel gesteckt. Alle wandern fröhlich zu den Spielständen, zum Essen oder stehen hier und da beieinander, reden und genießen das Fest. Und da sehe ich den Hund. Eine Festbesucherin hat ihn an der Leine, um die Nase ist sein Fell schon ein bisschen grau und in diesem wuseligen Getümmel ist er sowas von oberbrav, wie es ein knapp kniehoher Hund nur sein kann. Mir schießt es durch den Kopf: »Der hat Durst, dem hol ich jetzt was zu trinken!« Und tatsächlich: Hundi wittert sehnsüchtig den Wassernapf in meiner Hand, und kaum steht der am Boden, schlabbert er schon drauflos. Gerührt sehe ich dem netten Wuffel beim Trinken zu – doch plötzlich hört er auf damit. Nanu, schon fertig?! Der Hund tapst zu mir herüber, schnuffelt kurz an meiner Hand, macht ganz zart »Schleck!« –, und widmet sich dann weiter ausgiebig dem Wassernapf. Augenblicklich zerfließt mein Herz wie Butter in der Sonne: Er hat Danke gesagt! Er ist extra zu mir gekommen und hat auf Hundeart Danke gesagt!

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Erst später begreife ich, was Gott mir durch diesen durstigen Hund geantwortet hat: »Ja, ich sehe dich! Wie du den Durst des Hundes gesehen hast, so habe ich deine Tränen gesehen. Den Gottesdienst hast du nur von Weitem gehört und dennoch war ich dir genauso nah, als hättest du am Altar gesessen. Ja, ich hab’ dich lieb. Und deine Liebe zu mir sehe ich auch an einem Wassernapf, Rasenmäher oder Salatlöffel in deiner Hand.«

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2 Dennochs brauchen Engel STEFAN WAGENER

I

ch bin Jahrgang 1967. Zuweilen halte ich inne und betrachte die bisherige Wegstrecke meines Lebens mit ihren vielen Dennochs. Vermutlich ist es gar nicht anders möglich, wenn man ein Mensch ist, der mit körperlichen Einschränkungen leben muss. In meinem Fall ist es die Hörschädigung. Sie reichte aus, dass ich die Schule wechseln musste und eine gesonderte Schule für Hörgeschädigte besuchte. Außerdem bekam ich Hörgeräte. Am Ende der Schulzeit stand die Berufswahl an. Was konnte ich werden mit meiner Schwerhörigkeit? Ich erinnere mich an den Tag, an dem die Berufsberatung in die Klasse kam und uns helfen sollte, passende Berufe zu finden. Berufe mit viel menschlichem Kontakt wurden mir nicht empfohlen und so wurde ich Schreiner. Es ist ein schöner Beruf, aber so richtig glücklich war ich damit nicht. Ich schlitterte als junger Mensch in eine echte Lebenskrise und haderte mit Gott, dass er mich so, mit meiner Hörschädigung, geschaffen hatte. Eine Auszeit war nötig und so besuchte ich ein Bibelseminar. Anschließend absolvierte ich eine Ausbildung zum Erzieher und ließ das Studium der Theologie folgen. Heute bin ich Pfarrer. Dankbar staune ich über meinen Lebensweg, wenn ich zurückschaue. Wie gut ist alles geworden! Doch wie war das möglich? Ein Dickkopf war nötig. Oft musste ich mit dem Kopf durch die Wand, um die Grenzen des Lebens immer weiter zu verschieben. Ist das das Erfolgsgeheimnis meines Lebens? 14


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Ich denke, dass besonders Menschen mit körperlichen Einschränkungen ohne Dennochs nicht leben können. Wir brauchen dieses Dennoch immer wieder, um uns von Vorstellungen zu lösen, die scheinbar zu unserem Leben gehören und es klein halten. Wir brauchen das Dennoch, um uns mit und trotz unserer Einschränkungen gegen die Vorurteile und Grenzen – auch in uns selbst – in ein Leben zu finden, das uns erfüllt. Aber Dickkopf, Sturheit, starker Wille reichen nicht aus. Da kann man sich schnell verrennen. Wenn ich dankbar zurückschaue, nehme ich wahr, dass diese vielen Dennochs von Engeln begleitet waren. Damit meine ich nicht nur die Engel mit den Flügeln, sondern auch Menschen, die mich auf dem Weg der Veränderung begleitet haben. Mit ihrer Hilfe wurde aus einem, der mit seinem Lebensschicksal hadert, einer, der seine körperlichen Einschränkungen annimmt und aufbricht. Diese Menschen haben Potenzial in mir gesehen, das ich noch nicht erkennen konnte, und haben mich ermutigt, dieses zu entdecken und zu nutzen. In meinem Fall gehörten zu den Engeln auch die Akkustiker und Techniker, die immer wieder neue Hörgerätemodelle entwickelten, und so meine Lebensmöglichkeiten aktiv verbessert haben. Ich denke da an meine ersten durch Computer angepassten Hörgeräte. Das war ein Quantensprung der Technik – und erst recht für mein Leben. Auf einmal standen mir neue Wege offen und das in einer Lebensphase, in der ich meinem Leben noch einmal eine neue Wende geben konnte. So war es möglich, dass ich mit 28 Jahren noch ein Theologiestudium beginnen konnte. Die neuen Hörgeräte haben mir diesen Weg eröffnet. Ich habe einen Beruf, in dem ich mit vielen Menschen zu tun habe. Menschen haben mich auf meinem langen Weg begleitet und mir geholfen, zu werden, wer ich heute bin. Zugleich ist mein Leben stark von den technischen Fortschritten geprägt – 15


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bis heute. Jede neue Entwicklung in der Hörgerätetechnik erweitert meinen Lebenshorizont. So wurden und werden Dennochs möglich, an die vorher nicht zu denken gewesen wäre. Meine Biografie ist also eine Dennoch-Biografie, die sich von Klischees löst und die – dank dem technischen Fortschritt – zu träumen wagt. Ich halte gerne inne, staune und bin den Menschen und Gott dankbar. Wege gehen, Wege geführt werden, einen Weg einschlagen. Wir möchten auf dem besten Weg sein. Und doch sind die Wege verschlungen, die wir gehen. Immer wieder stoßen unsere Füße an Steine. Es ist jemand im Weg, oder wir bleiben auf halbem Wege stehen. Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen, dass sie dich auf Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest. Gott verspricht uns nicht, dass unsere Wege einfach sind. Aber er hat uns versprochen, bei uns zu sein und uns seine Engel zu senden, die uns behüten, wohin wir auch gehen. S T E PH A N G O L D S C H M I D T

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3 Dennoch verzweifle ich nicht CORNELIA MANDT

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or etwa vier Jahren wurde bei meinem Mann Martin ein aggressiver Tumor festgestellt und die ärztliche Prognose lautete: »Achtzig Prozent versterben innerhalb von drei Jahren.« Da waren wir erstmal sprachlos. Mein Mann mobilisierte in einer WhatsApp-Gruppe viele Beter, die für seine Heilung und um Kraft für uns beide beteten, mit dieser Situation zurechtzukommen. Es haben über hundert Leute für uns gebetet und diese Gebete haben uns in der ganzen Krankheitszeit getragen. Als es Martin ein halbes Jahr später immer schlechter ging, gab es einen Tag, an dem sich Verzweiflung bei mir breitmachte. Die Angst, wie es weiter gehen sollte, packte mich. Aber gerade an diesem Tag betete Martin nochmal mit mir und Gottes Frieden kehrte wieder bei mir ein. Abends kam ich nach Hause und hatte ein Päckchen voller Ermutigungen bekommen und einen Brief mit einem Schmuckset erhalten. Darauf stand: »Don‘t be afraid. Just believe.« Ich suchte in meiner Online-Bibel die Stelle und las in Markus 5,36: »Verzweifle nicht. Vertrau mir einfach.« Gott hat mich hier ganz konkret angesprochen, so wie ich es gebraucht habe. Die Kette ermutigt mich bis heute, täglich Gott zu vertrauen. Martin ist kurze Zeit später friedlich eingeschlafen. Seinen Sterbeprozess konnte ich mit Gottes tiefem Frieden im Herzen begleiten. Auch wenn Gott vermeintlich die vielen Gebete nicht erhört hat, so bin ich doch davon überzeugt, dass Gott es dennoch gut mit Martin gemacht hat. Denn jetzt ist er bei Gott in 17


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der Ewigkeit. Dort gibt es kein Leid und keinen Schmerz mehr, wie er es in Offenbarung 21,4 verheißt. Jetzt ist er geheilt und es geht ihm gut. Ich behaupte sogar, Gott hat alle Gebete erhört. Natürlich hätte ich mir gewünscht, dass Martin gesund geworden wäre, und ich verstehe Gottes Entscheidung nicht. Aber Gottes Perspektive ist eine andere und er überblickt das große Ganze, wie auf einem Stickbild. Corrie ten Boom hatte ein wunderschönes Stickbild mit einer Krone. Sie benutzte diesen Vergleich, um zu verdeutlichen, dass unsere Perspektive auf dieses Stickbild – das für unsere Lebenssituation steht – die von hinten ist. Wir sehen nur das Fadenwirrwar und können nicht erkennen, was für ein Bild das werden soll. Aber Gott sieht eben die andere Seite und hat alles genau geplant. Deshalb habe ich mich wie Hiob dazu entschieden: Dennoch vertraue ich auf Gott. Denn er wird es auch mit mir gut machen (vgl. Hiob 13,15).

Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt. 1 . KO R I N T H E R 1 3 , 1 2

In der Zeit nach Martins Tod durfte ich ganz oft Gottes Hilfe erleben und dafür bin ich sehr dankbar. Kürzlich ging zum Beispiel mein Tiefkühlschrank kaputt. Meine Nachbarn haben ein paar Dinge in ihrem Gefrierschrank untergebracht. Am nächsten Tag fand ich mit Hilfe einer Freundin im Internet ein gebrauchtes günstiges Gerät, welches ich noch am gleichen Tag abends abholte. Der Verkäufer half mir, den Tiefkühlschrank 18


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ins Auto zu laden. Zwei junge Männer aus dem Haus packten mit an und gemeinsam haben wir das alte Gerät aus der Wohnung und das neue in die Wohnung getragen. Für die Entsorgung bekam ich von meiner Vermieterin einen guten Tipp und war den defekten Tiefkühlschrank schon am nächsten Tag los. Gott hat mir sechs Helfer geschickt und ich merkte, dass Gott sein Versprechen hält und sich um mich kümmert. Niemand von uns weiß bereits heute, was die nächsten Tage, Monate und Jahre bringen werden. Welches Glück und welche Scherben erwarten uns? Welche Pläne hat Gott für jeden von uns? Was ich jedoch mit ziemlicher Sicherheit sagen kann: Auch in der Zukunft werde ich damit kämpfen, Gott im Glück und in den Scherben zu vertrauen und dennoch wird Jesus da sein. Er wird niemanden verlassen, der ihn und seinen Namen kennt. Seine Liebe wird uns an den unmöglichsten Orten finden, und eines Tages werden wir nicht länger daran zweifeln, dass wir ihm wirklich vollkommen vertrauen können. N AT A L I E M E Y E R

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