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Leseprobe

SYLVIA BUKOWSKI / JOCHEN DENKER / HOLGER PYK A

Worte finden

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Sylvia Bukowski / Jochen Denker / Holger Pyka

Worte finden Neue Gebete für Gottesdienst und Alltag

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2021 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung eines Fotos von Plasteed (shutterstock.com) Lektorat: Ekkehard Starke Satz und Layout: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Verwendete Schrift: Chaparral Pro, PrivaTwoPro Gesamtherstellung: PBtisk a.s. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6779-1 www.neukirchener-verlage.de

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Inhalt

Geleitwort Vorwort

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Gebete für bedeutsame Tage und Zeiten

13 15 19 23 25

Advent Weihnachten »Zwischen den Jahren« Jahreswechsel 27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus) Gründonnerstag Karfreitag Karsamstag Ostern Himmelfahrt Pfingsten Israelsonntag Reformationstag 9. November (Gedenktag der Novemberpogrome) Buß- und Bettag Ewigkeitssonntag

27 29 30 32 33 36 37 42 44 46 49 51

Betend durch den Tag

55 57 58 59 61

Morgen Mittag Abend Nacht

Gebete zu bestimmten Themen

63 65 66

Abschied Alltag 5

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Altern, älter werden Angst Arbeitslos Behinderung Beten Bewahrung Bildung Burn-out Dankbarkeit Demokratie Depression Diskussionskultur Diversität Dürre Elternsein Ehrgeiz Essen Frauen Freude Freundschaft Frieden Geborgenheit Geflüchtete Geld Gemeinde Gewalt Gott, Gottesbilder Grenzen Hass Hoffnung Kinder Kirche, Kirchengebäude Körper Krankheit Kreativität Lebensmitte

67 70 72 74 76 77 78 79 80 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 93 94 97 98 101 105 106 110 115 117 118 119 120 124 125 126 127

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Liebe und Sexualität Medien Musik Mütter Neid Pandemien Politik Rassismus Scham Schönheit Segen Selbstvertrauen Sterben, Tod, Trauer Sternenkinder Streit Terror Trennung Umzug Urlaub Verfolgte Christ*innen Vergessene Menschen Vielfalt (LGBTQI) Wortwelten Wut

129 131 135 136 137 138 144 146 149 151 152 153 154 156 158 159 160 162 163 164 165 167 169 170

Gedanken und Anregungen zum Gebet

175

JOCHEN DENKER

Gedanken und Anregungen zum Gebet

175

SYLVIA BUKOWSKI

Gebet und Sprache

183

HOLGER PYKA

Schreibend beten, betend schreiben

189

Die Gebete und ihre Verfasser*in

200

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Geleitwort

»Es tut so gut, mit dir reden zu können. Es tut so gut zu wissen, dass du ein Ohr und ein Herz für uns hast.« So heißt es in einem Gebet, das in diesem Buch zu finden ist. Es beschreibt in wenigen Worten, was das Beten für uns bedeutsam macht. Zugleich ist so auch das Vorzeichen dieses Buches benannt. Sie halten ein Buch in Händen, das mich persönlich sehr anregt, nachdenklich macht und bewegt. Ja, manchmal fehlen uns die Worte; in mancher Situation wissen wir nicht, was wir beten sollen. Häufig fragen wir uns, ob Gebete überhaupt »erhört« werden. Wie gut ist es dann, auf Worte anderer zurückgreifen zu können, so wie wir es schon immer mit dem Gebetbuch des Volkes Israel, dem Psalter, getan haben und tun. Ich freue mich und bin dankbar, dass mit Sylvia Bukowski, Jochen Denker und Holger Pyka eine Pfarrerin und zwei Pfarrer der Evangelischen Kirche im Rheinland sich dieser Aufgabe angenommen haben und ein alltagstaugliches Gebetbuch herausgeben, dessen Gebete hoffentlich häufig auch in Sonntagsgottesdiensten vorkommen werden. Sie haben Gebete formuliert, die sich zum einen an bedeutsamen Tagen des Kirchenjahrs orientieren. Zum anderen sind auch Gebete zu Themen zu finden, die seltener zur Sprache gebracht werden, darunter Altwerden, sexualisierte Gewalt, Rassismus. Ich verstehe das Buch als Hilfestellung für das eigene Gebet und als Anregung für das Verfassen persönlicher Gebete. Es unterstützt Pfarrer*innen und Prädikant*innen im pastoralen Dienst. Dietrich Bonhoeffer hat einmal formuliert: »Wer betet, kennt sich selbst nicht mehr, sondern nur noch Gott, den er anruft. Weil das Gebet nicht in die Welt hineinwirkt, sondern allein auf Gott gerichtet ist, ist es das 8

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undemonstrativste Handeln schlechthin.« Diese Haltung ist in den vorliegenden Gebeten durchgängig spürbar. Die Lektüre dieses Buches hat mich bereichert. Insbesondere den im Schlussteil entfalteten praktischen Erwägungen zum Gebet wünsche ich viel Resonanz in unserer Kirche.

Präses Manfred Rekowski

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Vorwort Worte finden – darum geht es. Auch für Themen und Situationen, die schwierig, sperrig, komplex oder anrüchig erscheinen, aber die gerade deswegen im Lebensgespräch mit Gott nicht außen vor bleiben dürfen. Worte finden – das geht. Das wollen wir mit der vorliegenden Sammlung von Gebeten zeigen. Sie sind in verschiedenen Zeiten zu verschiedenen Anlässen entstanden, und so unterschiedlich wie ihre Verfasser*innen. Wir hoffen, damit eine große Bandbreite abzudecken, ahnen jedoch auch, dass einige Hinweise zu Aufbau und Gebrauch hilfreich sein können: Ein kürzeres Kapitel versammelt Gebete zu bedeutungsvollen Tagen im Kirchen- und Kalenderjahr. Wir haben uns dabei auf die großen und auch zivilgesellschaftlich wahrgenommenen Kirchenfeste beschränkt und etwa dem Gedenktag der Auschwitzbefreiung Vorrang eingeräumt vor dem 18. Sonntag nach Trinitatis. Die meisten dieser Gebete stammen aus Gottesdiensten, die wir in unseren oder anderen Gemeinden gefeiert haben. Der größte Teil des Buches besteht aus Gebeten, die nach Stichworten sortiert sind. Im Fokus stehen gesellschaftliche Phänomene (Rassismus, Demokratie, Diskussionskultur), Gefühle (Wut, Dankbarkeit), Lebenswelten und zentrale Bestandteile menschlichen Lebens (Liebe und Sexualität, Krankheit, Sterben). Das macht das Buch nicht nur für den gottesdienstlichen Gebrauch geeignet, sondern auch für die persönliche Andacht und Besinnung: Manche Gebete können vielleicht abends oder morgens einfach mitgesprochen werden, andere regen zum betenden Durchdenken der eigenen Lebenssituation an und inspirieren zu eigenen Formulierungen. Wieder andere haben den Charakter von Meditationen und machen deutlich, dass aus unserer Sicht eine realistische Wahrnehmung der Welt, persönliche Spiritualität und biblische Theologie einander durchdringen und ergänzen. Im dritten Teil finden sich theoretische und praktische Erwägungen zum Gebet. Mit ihnen legen wir zunächst Rechenschaft ab über unsere theologischen Grundentscheidungen und -überzeugungen: Als Theolog*innen aus drei Generationen, die zu unterschiedlichen Zeiten an verschie10

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Weihnachten

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roßer Gott, richte unseren Blick auf das Kind in der Krippe und lehre uns deine Herrlichkeit sehen im Unscheinbaren. Öffne unsere Ohren für die Worte der Himmelsboten, die unserer geschundenen Erde Frieden ansagen. Füg uns zu denen, die sich aufmachen, den Christus zu finden in Menschengestalt. Füll unser Herz mit den Lobgesängen der heiligen Nacht und tauche unser Leben in dein gnädiges Licht.

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Jahreswechsel

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uter Gott, unsere Zeit steht in deinen Händen. Wieder ist ein Jahr vergangen. wir bringen vor dich, was es uns gebracht hat: Unsere schönen Erlebnisse, das Glück, das du uns geschenkt hast, gelungene Begegnungen, neue Freunde, alte Weggefährten, neugeborene Kinder und was immer unser Herz froh gemacht hat. Wir bringen dir auch unsere Traurigkeit, den Schmerz über das Sterben lieber Menschen, die Angst vor dem, was kommt, und die Unsicherheit, ob wir damit zurechtkommen werden, auch den Zweifel, ob du denn wirklich alles in deiner Hand hast. Wir bringen dir unser Versagen, unsere Schuld, und die ungenutzten Gelegenheiten, Gutes zu tun. Wem sollten wir unseren Dank bringen und wem unsere Klage – wenn nicht dir, dem Herrn aller Herren und Vater von uns allen, der täglich seine Hand nach uns ausstreckt, um uns zu tragen, zu heben und zu erretten.

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H

err über Zeit und Ewigkeit, wir wagen es, alles von dir zu erhoffen und zu erbitten.

Lass dieses Jahr ein Jahr des Friedens werden – auch wenn alles dagegen zu stehen scheint. Lass es ein Jahr der Hoffnung werden – auch wenn wir tausend Gründe wissen, die uns die Hoffnung nehmen wollen. Lass es ein Jahr werden, in dem Menschen aufeinander zugehen, deren Wege sich getrennt haben – auch wenn wir noch keine Zeichen dafür erkennen. Lass es ein Jahr werden, in dem sich Menschen aufrufen lassen, füreinander da zu sein – und stärke die Zeichen, die wir dafür schon sehen. Lass es ein Jahr deines Wortes werden, dass es wieder etwas gilt im Land und in den Häusern und in deiner Kirche – auch wenn wir allesamt vor Umtriebigkeit taub zu werden drohen. Schenk uns deinen Geist, dass wir deine Zeichen recht fassen und deine Nähe nicht übersehen. Amen

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27. Januar (Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus)

B

armherziger Gott, wir erinnern uns an die Befreiung der KZ. Wir erinnern uns an das Grauen, das dort geschah und nun aller Welt sichtbar wurde. Wir wollen die deutsche Schuld nicht leugnen, nicht verharmlosen, gleichzeitig fragen wir: Wo warst du in jener dunklen Zeit? Warum hast du dein Antlitz so vielen verborgen, die dich suchten in einem leeren Himmel? Warum hast du sie nicht gerettet aus der gnadenlosen Mordmaschine, bist den Mördern nicht in den Arm gefallen? Gott, auch wenn wir keine Antworten finden, klammern wir uns an dich. Wir bitten dich für die Überlebenden und ihre Nachkommen, für die der Schmerz nicht vorbei ist, die immer noch eingeholt werden von der Trauer um alles, was sie verloren haben: die Menschen, die ihnen wichtig waren, die Orte, wo sie zuhause waren, das Vertrauen in deine Güte. Du allein kannst sie trösten, wo aller menschliche Trost versagt.

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Gott, wir danken dir für die, die die Erinnerung an unsere Schuldgeschichte wachhalten, damit wir aus ihr lernen, auch vom Mut und der Menschlichkeit derer, die sich nicht haben brechen lassen. Segne die Arbeit der Gedenkstätten, und lass sie heilsam wirken in unserer Gesellschaft. Gott, mehr als wir erinnern können, hältst du im Gedächtnis. Kein Unrecht ist bei dir vergessen, kein Leiden bleibt verborgen vor dir. Die vielen Opfer von Gewalt, deren Namen wir nicht kennen, haben einen Namen bei dir, sind deine geliebten Söhne und Töchter. Du wirst ihnen Recht verschaffen. Wir bitten dich: Wehre allem Vertuschen und Verbrämen des Grauens, das von Deutschen angerichtet wurde. Mach uns sensibel für die Gefahren unserer Zeit, damit, was geschehen ist, nie wieder geschieht.

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