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Ok k o H e r ly n · Das Glaubensbekenntnis

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Okk o Herlyn

Das Glaubensbekenntnis Verstehen, was wir bekennen

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2021 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de Lektorat: Ekkehard Starke DTP: Breklumer Print-Service, www.breklumer-print-service.com Verwendete Schriften: Scala, Scala Sans Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6771-5 (Print) ISBN 978-3-7615-6772-2 (E-Book) www.neukirchener-verlage.de

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Inhaltsverzeichnis

I.

WAS IST EIGENTLICH EIN BEKENNTNIS? Ein paar Beobachtungen vorweg

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II.

„ICH GLAUBE AN GOTT“ Aufbruch in ein Abenteuer

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III.

„DEN VATER“ Heilsame Irritation

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IV.

„DEN ALLMÄCHTIGEN“ Bollwerk gegen Omnipotenzphantasien

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V.

„DEN SCHÖPFER DES HIMMELS UND DER ERDE“ Von einem alten Konflikt und einer neuen Neugier

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VI.

„UND AN JESUS CHRISTUS“ Die Frage, wer das Sagen hat

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VII.

„SEINEN EINGEBORENEN SOHN, UNSERN HERRN“ Ein Geheimnis mit Selbstverpflichtung

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VIII.

„EMPFANGEN DURCH DEN HEILIGEN GEIST, GEBOREN VON DER JUNGFRAU MARIA“ 96 Sinnvoller Stolperstein

IX.

„GELITTEN UNTER PONTIUS PILATUS“ Mehr als eine Marotte

X.

„GEKREUZIGT, GESTORBEN UND BEGRABEN, HINABGESTIEGEN IN DAS REICH DES TODES“ Eine Ungeheuerlichkeit, die uns zugutekommen soll

XI.

XII.

XIII.

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„AM DRITTEN TAGE AUFERSTANDEN VON DEN TOTEN“ Machtvoller Eingriff in eine Welt des Todes

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„AUFGEFAHREN IN DEN HIMMEL, ER SITZT ZUR RECHTEN GOTTES, DES ALLMÄCHTIGEN VATERS“ Zur Abwechslung eine Predigt zum Himmelfahrtstag

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„VON DORT WIRD ER KOMMEN, ZU RICHTEN DIE LEBENDEN UND DIE TOTEN“ Erhobenes Haupt statt Selbstverwerfung

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XIV.

„ICH GLAUBE AN DEN HEILIGEN GEIST“ Gottes bewegende Gegenwart

XV.

„DIE HEILIGE CHRISTLICHE KIRCHE, GEMEINSCHAFT DER HEILIGEN“ Keine religiöse Wagenburg

XVI.

„VERGEBUNG DER SÜNDEN“ Verdrängung geht anders

XVII.

„AUFERSTEHUNG DER TOTEN UND DAS EWIGE LEBEN“ Gottes letztes Wort

XVIII. HILFREICH ZU WISSEN Zusätzliche Informationen für neugierig Gewordene XIX.

WARUM ICH GLAUBE Ausnahmsweise ein persönliches Nachwort

Quellenangaben

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II. „ICH GLAUBE AN GOTT“ Aufbruch in ein Abenteuer

1. „Ich“ und „ich“ sind zweierlei „Ich kann da natürlich nur für mich sprechen.“ Katharina macht ein irgendwie endgültiges Gesicht. Wir befinden uns gerade in einer Planungsrunde für den nächsten Betriebsausflug. Die Vorstellungen darüber, wo es diesmal hingehen soll, gehen deutlich auseinander. Hart stehen sich eine Duisburger Hafenrundfahrt, der Allwetterzoo in Münster und eine zünftige Bergische Kaffeetafel gegenüber. Katharina, weil ursprünglich vom Niederrhein stammend, hat soeben ihr Plädoyer für das heimatliche Duisburg gehalten. „Aber ich kann da natürlich nur für mich sprechen.“ Leider sind wir mit dieser Feststellung um keinen Deut weitergekommen. Aber das steht auf einem anderen Blatt. Dass man „nur für sich“ sprechen kann, scheint mittlerweile zu einer Art Dogma geworden zu sein. Sätze, die Allgemeingültigkeit beanspruchen, werden mehr und mehr empört zurückgewiesen: „Bitte niemals ,man‘ sagen! Grundsätzlich nur 16

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Ich-Sätze!“ Und wer sich gar auf die Suche nach der Wahrheit aufmacht, muss sich nicht selten sagen lassen, dass eine solche Suche allenfalls bei einem selbst landen könne, weil eben jeder seine eigene Wahrheit habe. Meine Wahrheit muss noch lange nicht deine sein. Das hängt offenbar mit einer Entwicklung zusammen, in der es kaum noch ein „Wir“ zu geben scheint, unsere Gesellschaft also weniger eine alle verbindende Gemeinschaft, sondern mehr eine lose Ansammlung vieler „Ichs“ ist. Was Wunder, wenn jedermann meint, ständig sein Ich nach vorne bringen zu müssen. Wie viele Menschen begegnen uns, die eigentlich von nichts anderem als sich selbst erzählen. Egal, ob es um die Gesundheit, den Urlaub, das berufliche Fortkommen oder die Enkelkinder geht – jeder scheint nur noch seine eigenen Belange im Blick zu haben. Man hat manchmal den Eindruck, als sei man geradezu umzingelt von Leuten, die offenbar für gar nichts anderes als sich selbst ein Interesse haben. Ganze Bücherstapel zur „Ich-Kultur“ und unzählige kommerzielle Angebote zur persönlichen Selbst-Optimierung tun ein Übriges. Der viel gepriesene moderne Individualismus hat offenbar eine neue Generation von Ich-Menschen hervorgebracht. „Aber ich kann da natürlich nur für mich sprechen.“ Und nun fängt auch noch das Glaubensbekenntnis mit „ich“ an: „Ich glaube …“ Das klingt nach dem Bisherigen ziemlich zeitnah, weil ja womöglich auch im Glauben nur jeder für sich sprechen kann. Aber wenn dem tatsächlich so wäre, dann müssten wir im Grunde Millionen und Abermillionen von individuellen, womöglich völlig verschiedenen Glaubensbekenntnissen haben. Das ist aber nicht der Fall. Das Glaubensbekenntnis wird vielmehr Sonntag für Sonntag von unendlich vielen ver17

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schiedenen Menschen im gleichen Wortlaut gesprochen. Und das nun schon seit über eineinhalb tausend Jahren. Wir schließen daraus: „Ich“ und „ich“ sind offenbar zweierlei. Es gibt ein „Ich“, das in der Tat „nur für sich sprechen kann“. Und es gibt ein „Ich“, das sich bewusst in ein größeres Ganzes einfügt. Genau zu einem solchen „Ich“ scheint das „Ich“ des Glaubensbekenntnisses zu gehören. Wer hier „ich“ sagt, tut es im Chor mit anderen, im Verbund mit der weltweiten Christenheit. Das erinnert an mancherlei „Ichs“ in der Bibel. Wie oft begegnet uns dieses Wort nicht allein in den Psalmen. Vor allem dort, wo einzelne Menschen ihre sehr persönliche Situation – sei’s ihre Not, sei’s ihr Glück – vor Gott bringen. „Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir“ (Psalm 130,1). „Ich will den Herren loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein“ (Psalm 34,2). Aber diese „Ichs“ sind immer eingebettet in einen größeren Zusammenhang, nämlich in den Glauben Israels. Manchmal kommt es dadurch zu dem scheinbar kuriosen Sachverhalt, dass in ein und demselben Text, etwa in Psalm 118, „ich“ und „wir“ unvermittelt ineinander übergehen. Singular und Plural scheinen gar keine grundsätzliche Alternative zu sein. Man kann sich diese Kuriosität unschwer damit erklären, dass der Entstehungsort der Psalmen wohl nicht das „stille Kämmerlein“, sondern der öffentliche Gottesdienst gewesen ist, in dem sich der Einzelne auch mit seinen sehr persönlichen Anliegen aufgehoben wusste. Das biblische „Ich“ ist also keinesfalls mit dem „Ich“ des neuzeitlichen Individuums zu verwechseln. Selbst der im Bauch des Fisches völlig isolierte Jona betet mit seinem „Ich“ noch Worte aus dem Psalmengut seines Volkes (vgl. Jona 2ff.).

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Das „Ich“, mit dem das Glaubensbekenntnis anfängt, steht nun offensichtlich genau in dieser biblischen Tradition. Aber wer weiß das heute schon noch? In Zeiten, in denen das „Ich“ eine ziemlich andere Bedeutung gewonnen hat, besteht doch zumindest die Gefahr, dass das „Ich glaube“ einem religiösen Individualismus Vorschub leistet, bei dem dann am Ende jeder glauben kann, was er für richtig hält. Der Theologe Karl Barth hat einmal gewarnt: „Ein Satz, der mit ,ich‘ anfängt, ist selten gut – selbst wenn das Beste und Schönste hinterher kommt.“ Manche neueren Glaubensbekenntnisse haben daraus die Konsequenz gezogen, nicht mit „ich“, sondern mit „wir“ zu beginnen. So etwa das Bekenntnis der indonesischen Batakkirche von 1951, das bei jedem einzelnen seiner achtzehn Artikel in fast monotoner Gleichmäßigkeit mit einem „wir glauben und bekennen“ einsetzt. In Erinnerung an das biblische „Ich“ könnte man dem „Ich“ unseres Glaubensbekenntnisses aber vielleicht doch noch einen guten individuellen Sinn abgewinnen. Er könnte darin bestehen, dass auch ein Glaube, der in eine größere Gemeinschaft eingebunden ist, immer noch persönlich zu verantworten ist. Größere Zusammenhänge hin oder her – irgendwann sind wir in der Tat gefragt, wo wir denn im Glauben wirklich selber stehen. Etwa im Gespräch oder gar in einer Auseinandersetzung mit Menschen anderer Überzeugung nützt es ja herzlich wenig, darauf hinzuweisen, dass man sich dem Bekenntnis der alten Kirchenväter, der Reformatoren oder gar der Batakkirche verbunden weiß. Es gibt Situationen, in denen es nicht anders geht, als unverstellt und unvertretbar nichts anderes als eben „ich“ zu sagen: „Ich glaube.“ Aber was ist das – Glauben?

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2. Nicht wissen? Von wegen „Glauben heißt: nicht wissen.“ Mit der ihm eigenen Unerschütterlichkeit versucht Henry unserem Gespräch über Gott und die Welt ein vorläufiges Ende zu setzen. Wir sitzen in der Kneipe gegenüber und sind einmal wieder bei einem unserer Lieblingsthemen: warum Kirche, warum Glaube, warum überhaupt Religion? Henry gehört zu denen, die sich die Welt vor allem – wie er es nennt – „mittels Fakten“ zu erschließen suchen. Möglichst auf eindeutiger wissenschaftlicher Basis. Dass es indes gerade in der Wissenschaft immer wieder sogenannte „Fakten“ gibt, die sich schon bald wieder als Irrtümer herausstellen, ficht ihn nicht weiter an. „Glauben heißt: nicht wissen.“ Er, Henry, halte es grundsätzlich mit dem Wissen. Da wisse man, was man habe. Sonst müsse er am Ende auch noch für wahr halten, dass da jemand über Wasser gelaufen sei. Nein, den gesunden Menschenverstand an den Nagel zu hängen, könne nun wirklich niemand von ihm verlangen. – „Prost Gemeinde!“ Henry ist mit dieser Einstellung bei Weitem nicht allein. Immer wieder macht man die Beobachtung, dass bereits dem Wort „Glauben“ so eine Art Minderwert anhaftet. Glauben ist eben nur glauben. So etwas Ähnliches wie meinen, wähnen oder bloß vermuten. „Ich glaube, wir müssen die dritte Straße links nehmen“, sagt Regine neben mir auf dem Beifahrersitz. „Es könnte aber auch die vierte sein. Ich weiß es nicht mehr so genau.“ Wir sind auf der Fahrt zu einer Geburtstagsfeier. „Und was erwartet uns diesmal essensmäßig?“, frage ich zurück. „Ich glaube, wie immer: Chili con Carne. Anschließend Himbeer-Mascarpone“, erwidert Regine. Sie hätte statt „glauben“ genauso gut „annehmen“ oder „vermuten“ sagen können. Glauben ist eben nicht Wissen, um mit Henry zu sprechen. 20

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Unser Glaubensbekenntnis spricht nun auch an prominenter Stelle von „glauben“: „Ich glaube“. Lateinisch: „credo“. Dieses erste Wörtchen im Glaubensbekenntnis hat ihm auch seinen Kurznamen gegeben. Im innerkirchlichen Sprachgebrauch, etwa im Rahmen der gottesdienstlichen Liturgie, ist meistens vom „Credo“ die Rede. Wie so manches aus der Welt der Religion so hat auch dieses Wort mittlerweile seinen ganz eigenen Weg in die Banalitäten des Alltags gefunden. „Mein Credo lautet: Weniger arbeiten, mehr leben“, lässt uns beispielsweise Barbara Karlich in ihrer Show im österreichischen Fernsehen wissen. Inzwischen kann man unter dem Firmenschild „Credo“ u. a. Seifen, Nagelzangen oder sogar ganze Garagen-Schwingtore käuflich erwerben. In der Profanität der übrigen Warenwelt scheint „Credo“ dem einen oder anderen Produkt geradezu einen gewissen Mehrwert zu verleihen. Verrückt. Jedenfalls haben wir allen Anlass, dem „ich glaube“ unseres Glaubensbekenntnisses nun doch ein wenig näher auf die Spur zu kommen. Wenn das Glaubensbekenntnis von „glauben“ spricht, so greift es damit vor allem auf das biblische Verständnis des Glaubens zurück. Das Wort kommt im Alten wie im Neuen Testament ziemlich häufig vor. Was aber schon auf den ersten Blick auffällt: Nirgendwo wird es im Sinne von „meinen“ oder „vermuten“ verwandt. „Abraham glaubte dem Herrn und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit“, lesen wir beispielsweise schon auf einer der ersten Seiten (1.Mose 15,6). Was ist der Hintergrund? Abraham vernimmt von Gott eine geradezu unglaubliche Verheißung. Er soll im hohen Alter endlich Vater werden. Er hätte diese Verheißung – wäre er Henrys Fakten-Weisheit gefolgt – eigentlich rasch ins Reich der Phantasie verbannen können. Aber er „glaubte dem Herrn“, wie es heißt. Sein Glaube hat 21

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hier offenbar gar nichts mit irgendeiner Mutmaßung zu tun, sondern ist schlicht Ausdruck seines Vertrauens. Genauer gesagt: seines Gottvertrauens. Das hebräische Ursprungswort für „Glauben“ („aman“, aus dem später unser „Amen“ hervorgeht) meint so viel wie „fest“, „beständig“, „treu“ oder eben „vertrauensvoll sein“. Wenn also Abraham „dem Herrn glaubt“, so geht es gar nicht um seine Meinung, auch nicht um seine Meinung über Gott, sondern darum, dass er sich an Gottes Verheißung „festmacht“, ihm vertraut. Der Glaube meint also eine bestimmte Beziehung, ein unbedingtes Vertrauensverhältnis zu Gott. Das ist so ähnlich wie unter Menschen. Er zu ihr: „Ich liebe dich.“ Sie zu ihm: „Ich glaube dir.“ Äußert sie etwa nur eine Meinung oder eine bloße Vermutung? Nein, etwas unendlich Größeres und Schöneres als das: Vertrauen. Das Motiv des Vertrauens zieht sich nun wie ein roter Faden durch die ganze Bibel hindurch. Im Neuen Testament lesen wir z. B. von einem heidnischen Hauptmann, der Jesus um die Heilung seines kranken Knechts bittet. Er solle „nur ein Wort“ sprechen. Jesu Botschaft an die Umstehenden: „Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden“ (Matthäus 8,10). Der Hauptmann wird also nicht wegen seiner korrekten theologischen Ansichten über Gott gelobt. Wie auch? Er gehört ja offensichtlich einer anderen Religion an. Er wird wegen seines unbedingten Vertrauens gelobt. Sowohl an Abraham als auch an dem Hauptmann wird deutlich: Wer glaubt, wer vertraut, verlässt sich auf einen anderen. Dabei darf man das „Sich-Verlassen“ durchaus wörtlich nehmen. In ihrem Glauben verlassen sie in gewisser Weise ein Stück ihrer 22

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„selbst“: Abraham seine Heimat, der Hauptmann seine Religion. Ähnlich wie die Propheten, die um ihres Auftrags willen ihr gesellschaftliches Ansehen verlieren, oder die Jünger, die ihre bürgerliche Existenz hinter sich lassen, um dem Ruf Jesu zu folgen. Wer Gott vertraut, „verlässt sich“ geradezu wörtlich. Nicht um sich selbst aufzugeben, sondern um sich woanders „fest“ zu machen. „Wenn man völlig darauf verzichtet hat, aus sich selbst etwas zu machen“, sagt Dietrich Bonhoeffer, „dann wirft man sich Gott ganz in die Arme. Und ich denke, das ist Glaube.“ Und doch ist das nicht alles. Die Menschen in der Bibel, die es mit dem Glauben aufnehmen, vertrauen nämlich nicht einfach blindlings. So wie es in einem vermeintlich frommen Kirchenlied heißt: „Laß ruhn zu deinen Füßen dein armes Kind: es will die Augen schließen und glauben blind“ (EG 376,2). Der biblische Glaube ist grundsätzlich nicht blind, sondern sehend. Abraham ist ja nicht gänzlich verborgen, worauf er sich einlässt. Er hat die Verheißung auf Land, Nachkommenschaft und Segen. Auch den Jüngern wird bei ihrer Berufung gesagt, was auf sie zukommt. Wer glaubt, stürzt sich also nicht einfach in ein unbekanntes Abenteuer. In allem Vertrauen geht es auch um bestimmte, unverwechselbare Inhalte. Inhalte, um die man in der Tat auch wissen muss. „Glauben heißt: nicht wissen“? Von wegen. Vielmehr gilt – um es mit einem anderen Kirchenlied zu sagen – „Ich weiß, woran ich glaube“ (EG 357). Deshalb sagt das Glaubensbekenntnis ja auch nicht einfach nur „ich glaube“, sondern „ich glaube an“. Aber an was genau?

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