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P. Wilhelm Busch · Lass dein Heil uns schauen

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E LM H P.WILH WILH E L MBUSC BUSCH

365 maluns ERschauen Lass dein Heil Tä gl i c h e A nd a c ht e n

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Diese Auflage wurde nahezu unverändert nachgedruckt, daher entstammen die Bibelstellen aus: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Revidierte Fassung der deutschen Übersetzung Martin Luthers, Stuttgart 1912. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d–nb.de abrufbar. 8. Auflage 2020 (Großdruckausgabe) © 1961 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen–Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.sonnhueter.com, unter Verwendung eines Bildes von © Alex Stemmer (shutterstock.com) DTP: Breklumer-Print-Service, info@breklumer-print-service.com Verwendete Schrift: Arno Pro, Stone Sans Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6718-0 www.neukirchener–verlage.de

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V O R WO R T ZUR 3. AUFL AG E

Viele, viele stille Stunden hat der Verfasser am Schreibtisch gesessen und an dem Andachtsbuch geschrieben. Und eines Tages gibt er’s aus der Hand. Es wird gedruckt und wandert aus der Stille des Studierzimmers in die weite, laute Welt hinaus. Jetzt kann der Verfasser nichts mehr tun, als hinterherbeten. Und er stellt sich vor: Da ist ein Hausvater, der mit seiner Familie das Buch liest; ab und zu hebt er den Blick und fragt sich, ob die muntere Kinderschar wohl zuhört. Und dort nimmt in einem kleinen Witwenstübchen eine reife Christin das Buch zur Hand. Sie kann „Steine“ und „Lebensbrot“ wohl unterscheiden. Ein Ladenmädchen liest eine Andacht, ehe sie in den Trubel ihres Geschäfts geht. Ein Ingenieur schlägt das Buch auf. Er ist ein kritischer Geist, aber sein Herz hungert nach dem Heil Gottes. Alte und Junge, Männer und Frauen, Reiche und Arme werden das Buch lesen. Weil der Verfasser nicht weiß, in welcher inneren und äußeren Lage seine Leser sind, darum bittet er Gott, dass Er das Wort segnen möge. Und eines Tages kommt das Echo in sein stilles Studierzimmer zurück. Es kommen Briefe mit Kritik und mit Dank. Der Verfasser liest alles aufmerksam, freut sich daran – und wird sich klar darüber, dass einige Veränderungen nötig sind. So ist diese dritte Auflage „verbessert“. Und diese „Verbesserung“ ist eine „Mannschaftsarbeit“ der Leser. Nun wird das Buch zum dritten Male gedruckt. Und der Verfasser kann wiederum nichts tun, als hinterherbeten. Und außerdem freut er sich, dass das Wort Gottes reichlich durch unser Land geht. „Es soll nicht leer zurückkommen“, hat ER versprochen. Und ER hält Sein Wort. Essen, im Juni 1955 Wilhelm Busch

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V O R WO R T ZUR 5. AUF L AG E

Wieder waren die Druckmaschinen stampfend an der Arbeit – fleißige Augen haben die sogenannten Fahnenabzüge auf Druckfehler untersucht – Buchbinder taten ihr Werk. – Und nun gehen erneut – zum fünften Mal – einige Tausend Exemplare dieses Andachtsbuches hinaus in die Städte und Dörfer, in Häuser und Familien und zu einsamen Leuten. Es ist doch wundervoll, dass in dieser lauten Zeit überall Menschen sind, die ein paar Minuten still werden, um nachzudenken über das herrliche Heil, das Gott in Jesus geschenkt hat. Es ist wundervoll, dass überall Menschen sind, die sich nicht verlieren wollen in dem Vielerlei, sondern die trachten nach dem „Einen, was not tut“. Ich grüße alle diese Leser und wünsche ihnen, dass sie nicht meine, sondern die Stimme des Guten Hirten hören. Essen, im Herbst 1960

Wilhelm Busch, Jugendpfarrer

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1 . AD V E NT SSON N TAG

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen“, spricht der Herr. — Sacharja 2, 14 „Ich will bei dir wohnen!“ Es ist nicht wegzuleugnen: Wenn das heute jemand zu uns sagt, dann bekommen wir einen Schrecken. Wir hausen schon so dicht aufeinander, dass wir uns beständig bedrängen. Da ist es bestimmt keine Freudenbotschaft, wenn jemand zu uns sagt: „Ich will bei dir wohnen!“ Darum will es uns paradox erscheinen, dass die Botschaft: „Ich will bei dir wohnen“ eingeleitet wird mit den Worten: „Freue dich und sei fröhlich.“ Aber es ist ja nicht irgendjemand, der hier spricht, sondern der lebendige Gott. Der Schöpfer aller Dinge will kommen und bei uns wohnen. Nun ist es wiederum nicht wegzuleugnen: Bei dieser Botschaft bekommen die allermeisten Menschen erst recht einen Schrecken. „Das fehlte noch!“, denken sie, „dass Gott uns so nahe käme. Dann sieht er ja in alle dunklen Vorgänge unseres Lebens! Nein! Das wollen wir nicht!“ Aber es gibt eine ‚Tochter Zion‘. Das ist die Schar derer, die sagen: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ Und mit denen wird hier geredet. Sie jauchzen bei der Botschaft, dass der Herr kommen will. Sie wissen: „Das ist nicht eine Einengung unseres Lebens, sondern eine Verklärung: Nun wird der Himmel bis zu mir ausgedehnt. Mein armes Leben wird in die himmlische Welt einbezogen.“ „Siehe, ich komme und will bei dir wohnen“, spricht der Herr. Er hat es wahrgemacht. Johannes sagt: „Er ward Fleisch und wohnte unter uns!“ Nun freut sich Zion, weil der Herr so nahe ist. Amen.

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M O NTAG NAC H DEM 1. ADVEN T

… und seine Herrlichkeit erscheint über dir. — Jesaja 60, 2 In einem großen Krankenhaus lagen zwei junge Männer. Als ich an das Bett des einen trat, sagte der: „Bei der Arbeit wurde mir die Wirbelsäule verletzt. Wenigstens zwei Jahre muss ich so liegen.“ Der andere murmelte: „Es ist vorn Krieg. Völlig aussichtslos!“ Ich stand erschüttert: Zwei junge Männer, die schaffen und leben wollen – Opfer der Arbeit und des Krieges. Mir blieb das Wort in der Kehle stecken. Da fiel mein Blick auf den Nachttisch. Darauf hatte die Schwester ein Kärtlein gestellt mit dem Wort: „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Ich konnte nur stumm auf dies Kärtlein zeigen. Da meinte einer: „Ja, wenn man das liest, dann gehen einem die Augen über.“ Gehen auch uns die Augen über? Ich treffe einen Bekannten. „Wie geht es?“ – „Ach, schlecht! Mir geht alles schief.“ – „Ja, es ist ein mühseliges Leben …“ Und dann klagen wir uns unser Leid, schelten über die bösen Zeiten. Schließlich verabschiede ich mich. Wir geben uns die Hand. Und – da – in diesem Augenblick – fällt mir das Kärtchen aus dem Krankenhaus ein – auf der Straße – im Regen – bei verdrießlicher Laune! Und ich muss sagen – es fährt mir so heraus: „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über uns!“ Betroffen sieht er mich an. „Ja, das ist …“ Nachdenklich geht er fort. In mir aber ist es auf einmal hell geworden. Jesus kommt! Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir und deinem grauen Alltag! Amen.

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D IE NS TAG NAC H DEM 1. ADVEN T

Stehe auf, du gefangenes Jerusalem! Mache dich los von den Banden deines Halses! — Jesaja 52, 2 In einem alten Missionsbuch sah ich einmal ein Bild von einer afrikanischen Sklavenkarawane. Da trug jeder der armen Sklaven ein Halseisen. Diese eisernen Ringe waren untereinander verbunden durch Ketten. So konnte keiner entrinnen. Seither verstehe ich dies Textwort von den „Banden des Halses“: Die Menschen tragen Sklavenketten Satans. Und einer hält den andern dabei fest. In diesem Bild ist die Wirklichkeit der Welt erschütternd geschildert. Nun müssen wir darauf achten: Gott spricht hier „Jerusalem“ an. Damit ist die Gemeinde Gottes gemeint. Ja, die Bibel weiß in ergreifender Weise davon zu reden, wie Satan auch Kinder Gottes in seine Halseisen zwingt: Da ist der König David, der in Ehebruch und Mord gerät. Da ist das Weib des Hiob, das über den Verlust ihrer Kinder und Habe in Verzweiflung fällt und Gott lästert. Da ist ein Petrus, der in Menschenfurcht seinen Heiland verleugnet … Nun, das sind alte Geschichten. Die neuen schreiben wir! Das ist die Klage Gottes: „Du gefangene Tochter Zion!“ Aber größer ist in unserm Text der Jubel: „Mache dich los von den Banden deines Halses!“ Kann das denn ein Sklave? Ja, er kann es, wenn einer das Schloss an der Kette löst. Und dieser eine ist da. Er heißt Jesus. Als Er rief: „Es ist vollbracht!“ ist das Schloss aufgesprungen. Nun geht’s nur noch darum, ob wir herauswollen aus der Kette. Amen.

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M IT T WO CH N AC H DEM 1. ADVEN T

Mache dich auf, mache dich auf, Zion! Zieh deine Stärke an! — Jesaja 52, 2 Das alte Lied! Die ausgefahrenen Gleise! Das alte Leben! Immer dasselbe! Ach, wie abscheulich ist das alles! Aber nun ist ja Advent. Und das heißt: Gott macht einen ganz neuen Anfang. „Advent feiern“ – das heißt: Wir dürfen einen ganz neuen Anfang machen! Wenn das nicht schön ist –! Doch nun wird mancher heimlich seufzen und denken: „Ja, das ist wohl ganz schön. Aber es wird doch nichts aus der Sache. Die trüben Verhältnisse in meinem Leben – und meine unselige Natur – und die Macht der Versuchung – und die Gewalt der Gewohnheiten – das alles ist ja viel stärker als mein guter Wille. Es ist doch nichts mit dem: Mache dich auf! Ich kann mich nicht aufmachen. Die Verhältnisse sind stärker als ich.“ Ja, so seufzt mancher. Und nun ist es, als habe Gott schon diesen Seufzer gehört. Darum ruft Er nicht nur: Mache dich auf! – sondern Er setzt hinzu: Zieh deine Stärke an! Das ist ein wunderliches Wort. Stärke, die besitzt man doch – oder man hat sie nicht. Wie kann man sie „anziehen“? Das wäre ja großartig, wenn man Stärke anziehen könnte wie ein Gewand! Aber so steht es hier. Und gerade dies ist ein rechtes Adventswort. Denn es weist auf den kommenden Heiland hin. In uns ist keine Kraft. Das ist wahr. Aber Er, der Erlöser, ist unsre Stärke: Jesus! „Zieh deine Stärke an!“ Im Galaterbrief steht: „Wir haben Jesum angezogen.“ Das gibt es also! Ja, schlüpfe nur in Ihn hinein! Wickle dich in Ihn ein! Birg dich ganz in Ihm. Das ist es nämlich, was die Bibel unter „Glauben“ versteht. Wie schön ist das: Ich darf schwach sein. Aber Jesus ist meine Stärke! Amen.

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D O NNE R S TAG NACH DEM 1. ADVEN T

Mache dich auf, mache dich auf, Zion! … Schüttle den Staub ab, Jerusalem! — Jesaja 52, 1–2 Das Wort fängt so prächtig an: „Mache dich auf!“ Und Kenner der Bibel denken da gleich an das andere Jesaja-Wort: „Mache dich auf, werde licht. Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Nicht wahr, das ist ein herrliches Adventswort: „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“ Das Schönste daran ist, dass es ja wirklich wahr ist. Bei diesem Wort sah Jesaja im Geist den Heiland, in dessen Erlösungslicht wir stehen dürfen. Der hat uns für Gott erkauft mit Seinem Blut. Und Er hat uns berufen zu der zukünftigen Herrlichkeit. „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir“ – das heißt also: Wir dürfen die Erlösung im Glauben fassen und als versöhnte Menschen Gottes der Ewigkeit zuwandern. So! Und nun lasst uns im Licht dieser großen Heilstatsachen unser Alltagsleben ansehen! Dann wissen wir, was Gottes Wort mit dem „Staub“ meint. Der Glanz Gottes sollte über unserm Leben liegen. In Wahrheit aber steht es so, dass lauter – Staub auf uns liegt. Da ist der Sorgengeist! Ach, dieses abscheuliche „Immer-Rechnen-Müssen“! Nirgendwo will es reichen – weder mit dem Geld noch mit der Kraft! „Schüttle den Staub ab!“ Wenn wir nur halb so viel beten wollten, wie wir uns sorgen oder wie wir über unsre Nöte reden – der Staub des Sorgengeistes wäre abgeschüttelt. Staub über Gotteskindern! Da sind die kleinen Streitereien! Die Unredlichkeiten! Das Spiel mit bösen Gedanken! „Schüttle den Staub ab!“ Jesus ist da! Der Herr lässt Sein Angesicht leuchten über dir! Amen.

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F R E I TAG NAC H DEM 1. ADVEN T

Mache dich auf, mache dich auf, Zion! Zieh deine Stärke an … Mache dich los von den Banden deines Halses. — Jesaja 52, 1–2 Nun möchte ich euch auf etwas Merkwürdiges aufmerksam machen: In unserm Textwort steht so gewaltig der Ruf: „Mache dich auf!“ Diesen Ruf hören wir fast wörtlich ebenso im Kapitel vorher. Da heißt es: „Mache dich auf! Ziehe Macht an!“ Hier – also im vorigen Kapitel – rufen das die bedrängten Herzen ihrem Gott zu. Gott ist so ferne. Die Welt ist so dunkel. Die Menschen sind böse und ungerecht. Das Leben ist so gequält und unheimlich. Da schreien die bekümmerten Herzen zu Gott: „Mache dich auf! Ziehe Macht an, du Arm des Herrn!“ Und was geschieht nun? Gott antwortet so, dass Er „den Spieß umdreht“. Er antwortet den bedrängten Herzen fast wörtlich mit ihren eigenen Worten: „Mache du dich auf, Zion! Mache du dich auf und ziehe Stärke an!“ Verstehen wir, was das heißt? Da sagt der lebendige Gott: „Mich braucht ihr nicht zu wecken. Ich habe mich schon aufgemacht. Aber euch – dich, Gemeinde! muss man wecken! Mache du dich auf und ziehe endlich Stärke an!“ Ja, Gott hat sich schon aufgemacht – in Jesus Christus, Seinem lieben Sohn, unserm Heiland und Erretter. In Jesus ist Gott da! In Jesus ist Er auf den Plan getreten. Die Welt möge sich nicht täuschen: In Jesus hat Gott die Sache Seines Reiches mächtig in die Hand genommen. Und die Kinder Gottes sollen nicht mutlos werden. Gott hat sich aufgemacht in Jesus. In Ihm ist unsre Hilfe da. Nun geht es nur noch darum, dass wir uns aufmachen und im Glauben Stärke anziehen. Amen.

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S O NNAB E ND NACH DEM 1. ADVEN T

Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen. — Jesaja 35, 4 „Er kommt!“, ruft einer in die Schulklasse. Und sofort breitet sich ein schreckensvolles Schweigen über die eben noch tobende Schar, wenn der Direktor streng und ernst die Klasse betritt. „Er kommt“, riefen wir als Kinder voll Freuden, wenn der Vater von einer Reise zurückkam. Und lachend liefen wir ihm entgegen. So verschiedene Wirkung können die beiden Wörtlein „Er kommt“ hervorrufen. Nun ist die ganze Botschaft der Bibel zusammengefasst in diesen beiden Worten: „Er kommt.“ Und die Bibel erzählt uns, welch verschiedenartige Wirkung auch diese Botschaft hatte. „Er kommt!“, schrie Adam der Eva zu. Und Hals über Kopf flüchteten sie in die verborgensten Winkel des Paradieses. Sie hatten allen Grund dazu. Denn Gott kam als Richter. Und vor diesem Richter muss der Mensch wohl erschrecken. „Er kommt“, flüsterten die Israeliten erschrocken, als sie in feiertäglichem Gewand an dem kahlen Felsenberg Sinai versammelt waren, als ein durchdringender Posaunenton immer stärker ward und die finstere Wolke den Berg einhüllte. Heilige Schauer überrieselten sie. Ja, da kam Gott als Gesetzgeber. Und wir Menschen täten gut daran, in heiliger Ehrfurcht Seinen Willen zu ehren und – zu tun. „Er kommt!“, riefen die Hirten in der Heiligen Nacht und liefen fröhlich über Berg und Tal nach Bethlehem. Ja, sie hatten wohl Grund, fröhlich zu sein. Und wir mit ihnen. Gott ist gekommen – oh, es ist unerhört und unausdenkbar! – als unser Bruder, als unser Knecht, als Lastträger, als Versöhnungslamm, als Friedefürst, als Freudenbringer. Hört es: „Er ist gekommen!“ Amen.

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2 . AD V E N TSSON N TAG

Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. — Lukas 21, 27 Wir kennen doch wohl alle die berühmte Geschichte von dem Gordischen Knoten. Das war ein ganz komplizierter Knoten, der in einem Heiligtum des griechischen Gottes Zeus aufbewahrt wurde. Und so ging die Sage: Wer diesen Knoten lösen kann, dem fällt die Weltherrschaft zu. Nun kam eines Tages Alexander der Große dorthin. Als er den Knoten sah, zog er sein Schwert und zerhieb einfach das komplizierte Ding. Der Gordische Knoten war ein Kinderspiel gegen die immer verworrener werdenden Probleme dieser Welt. Ja, die Bibel sagt, dass sie sich immer noch mehr verwirren werden. Aber die Bibel verkündet uns auch: Es gibt einen, der diesen Knoten der Weltprobleme durchhauen wird. Und dann wird Ihm die Weltherrschaft zufallen. Jesus wird in Herrlichkeit wiederkommen. Und Seine Wiederkunft wird alle unlösbaren Probleme der Welt mit einem Schlage lösen. Darum können Christenleute gelassen durch die Not und die Verwirrung unsrer Zeit gehen. Sie kennen ja den Einen, von dem sie singen: „All unsre Not zu End’ er bringt …“ Ja, je verworrener und undurchsichtiger die Zeitläufe werden, je ratloser die Menschen werden, je verzweifelter sie nach einer Hilfe ausschauen – desto getroster werden Kinder Gottes. Sie wissen: Wenn der Knoten ganz und gar verwirrt ist, dann kommt Jesus wieder. Sie denken an Jesu Wort: „Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so erhebet eure Häupter, darum dass sich eure Erlösung naht.“ Ich wüsste nicht, was getroster und gelassener machen könnte als der Blick auf die Wiederkunft Jesu. Amen.

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M O NTAG NACH DEM 2. ADVEN T

Ihr werdet sehen des Menschen Sohn sitzen zur Rechten der Kraft und kommen in den Wolken des Himmels. — Matthäus 26, 64 Wie ein Blitz für einen kurzen Augenblick das Dunkel der Nacht zerreißt – so ist dies Wort. Der Heiland sprach es, als Er in der tiefen Erniedrigung vor dem Hohenrat stand, ein gefesselter Angeklagter. Da stellte Er für einen Augenblick vor Seine Verächter dies gewaltige Zukunftsbild, wie Er in Herrlichkeit wiederkommen wird; und wie dann alle Welt erkennen wird, dass Er in Wahrheit der König aller Könige ist. Einen Augenblick lang mögen die Feinde Jesu vor diesem Wort sich geduckt haben. Aber dann brach ihr Hass nur mächtiger hervor, und Jesu Erniedrigung wurde noch größer. Diese Niedrigkeit Jesu hat bis zum heutigen Tage nicht aufgehört. „Er will hier seine Macht und Majestät verhüllen …“ Das ist eine Tatsache, die den Freunden Jesu viel Not macht. Ich erinnere mich, wie mir einst eine Rotte fanatisierter Burschen hohnlachend ein Kruzifix vor die Füße warf. Da lag das Bild des sterbenden Heilandes im Schmutz der Straße. Das Bild der größten Liebe verachtet und geschändet! Ich meinte, ein Blitzstrahl müsse die Ehre Jesu wieder herstellen. Aber es geschah nichts. Aus der Ferne hörte ich nur das höhnische Lachen der Burschen. Und da fiel mir Jesu Wort ein, dass Er „kommen werde in den Wolken des Himmels“. Nun wurde mein Herz fröhlich und getrost. Es ist nicht unsre Aufgabe, um die Ehre Jesu und Seines Reiches zu eifern. Wir haben nur Seine Liebe und Seine Wunden zu preisen. Er wird einmal vor aller Welt offenbar werden als der König. Dann werden alle Knie sich Ihm beugen. Und alle Zungen werden bekennen: „Er ist der Herr!“ Amen.

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D I E NS TAG NA C H DEM 2. ADVEN T

Denn er selbst, der Herr, wird mit einem Feldgeschrei und der Stimme des Erzengels und mit der Posaune Gottes herniederkommen vom Himmel. — 1. Thessalonicher 4, 16 Thessalonich war eine heidnische Stadt in Griechenland. Hier war durch den Dienst des Apostels Paulus eine kleine Christengemeinde entstanden. Sie hatten es schwer, die Leute dort. Schon bald, nachdem der Apostel seine Predigt begonnen hatte, entstand ein Sturm der Empörung gegen die Jesus-Botschaft. Und das blieb so. Der Apostel deutet es in seinem Brief an, dass die Christen allerlei erdulden mussten „von ihren Blutsfreunden“. Da wurde sicher manch ein Herz verzagt. Und nun will Paulus ihnen Mut machen. Womit richtet er sie auf? Mit der Botschaft von der Wiederkunft des Herrn Jesus! Ja, in dieser Hoffnung überwinden die Chris­ ten. Es war im Jahre 1950 auf einem Kirchentag. Tausende waren versammelt. Da sprach ein bedeutender Mann und machte den Leuten Mut, sich zu Jesus zu bekennen. Es ging allen Hörern durch Mark und Bein, als er rief: „Wenn sie euch anfechten, dann sagt ihnen: Eure Herren gehen! Unser Herr kommt!“ Ja, unser Herr kommt! Glaubt vielleicht jemand, Jesus könne lügen? Das meint niemand. Und Jesus hat es doch immer wieder gesagt, dass Er in Herrlichkeit wiederkommen werde. Mit dieser Hoffnung gehen wir durch die Nöte unsrer Tage. Als einst ein paar Leute jammerten im Gedanken daran, was wohl die Zukunft bringen werde, da machte einer nicht mit. Und als man ihn fragte: „Was meinen Sie denn, was kommen wird?“, antwortete er: „Was kommt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, wer kommt!“ Amen.

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M IT T WO CH NACH DEM 2. ADVEN T

Dieser Jesus, welcher von euch ist aufgenommen gen Himmel, wird kommen, wie ihr ihn gesehen habt gen Himmel fahren. — Apostelgeschichte 1, 11 Viele Leute meinen, es gäbe gar nichts Starreres und Toteres als das Christentum. Das Gegenteil ist wahr! Das Evangelium ist nicht etwas Statisches, Starres, Endgültiges! Nein, es ist Dynamik, Bewegung, Leben. Davon spricht die Zeit, in der wir jetzt stehen: Die Adventszeit. Advent – das heißt Ankunft. Diese Zeit predigt uns: Jesus ist beständig im Kommen. Ich stand einmal am Nordseestrand und sah zu, wie da unablässig die Wogen auf den Strand zurollen. Es ist ein beständiges Kommen. So ist es mit Jesus. Immer neu kommt Er auf die Welt zu. Zuerst kam Er im Fleisch. Da wurde Er ein Kindlein und lag in der Krippe. Heute kommt Er im Geist zu uns. Da heißt es: „Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. So jemand meine Stimme hören wird und die Tür auftun, zu dem werde ich eingehen.“ Möchten wir doch Sein Kommen und Klopfen nicht überhören! Das dritte Kommen aber steht uns und der Welt noch bevor. Da wird Er wiederkommen in Herrlichkeit. Da wird der Schleier, der Ihn unsern Augen verhüllt, zerreißen. Da werden Ihn sehen alle Geschlechter auf Erden. Advent – das heißt: Jesus kam, kommt und wird kommen. Jesus führt beständig den Angriff auf die Welt. Die Welt mag tun, was sie will: Er ist im Kommen. Was werden wir tun? Amen.

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D O NNE R S TAG N AC H DEM 2. ADVEN T

Draußen sind die … Zauberer und die Hurer und die Totschläger und die Abgöttischen und alle, die liebhaben und tun die Lüge. — Offenbarung 22, 15 In dieser Woche beschäftigt uns das große Zukunftsereignis: die Wiederkunft Jesu in Herrlichkeit. Das ist etwas, was die Herzen der Kinder Gottes höher schlagen lässt. Je dunkler die Weltzeit wird, desto dringender wird der Ruf, mit dem die Offenbarung schließt: „Ja komm, Herr Jesu!“ Aber da stehen nun ein paar Verse vorher noch einige Worte, die uns nachdenklich machen müssen: „Draußen sind …“ Es gibt allezeit so ein „Draußen“. Das macht allerdings den meisten Leuten jetzt nichts zu schaffen. Es fällt ja kaum in die Augen, wenn man „draußen“, vor den Toren des Reiches Gottes, steht. Und dann – die Türen stehen ja noch so weit offen! Aber eines Tages sind die Türen zu. Und das Reich Gottes wird in Herrlichkeit offenbart. Davon ist die Wiederkunft Jesu nur der Anfang. Und da muss es schrecklich sein, draußen zu stehen. Sind wir sicher, dass wir nicht dabei sind? Wie, wenn uns Jesu Wiederkunft mitten in einem ungeistlichen Leben überfiele? Unser Herz ist doch auch so abgöttisch, dass es alles andre mehr liebt als Gott! Und lieben wir nicht heimlich die Lüge? Und sind wir nicht auch noch „Totschläger“, wenn wir hassen und streiten? Und wie viel dunkle Geheimnisse der Unkeuschheit sind in der Gemeinde des Herrn verborgen! Man kann die Botschaft von der Zukunft nicht hören, ohne dass man in die Buße getrieben wird. Jesus kommt! Darum: Heraus aus allem, was aufhält und beschwert! Amen.

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F R E I TAG NAC H DEM 2. ADVEN T

Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. — Lukas 21, 27 Das wird ein Tag sein! Wie wird er uns finden? Der Herr Jesus hat sich einmal verglichen mit einem Hausherrn, der von der Tafel aufsteht. Vielleicht ist der Tag sehr nahe, da Er kommen wird. Wenn wir die Weltgeschehnisse ansehen, dann ist uns oft – um in dem Bilde Jesu zu bleiben –, als hörten wir schon das Rücken der Stühle. Es gibt ein ernstes Wort Jesu, das uns aus aller Weltseligkeit aufwecken kann: „Denn gleichwie sie waren in den Tagen der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie freiten und ließen sich freien … und sie achteten’s nicht, bis die Sintflut kam und nahm sie alle dahin –, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.“ Mein Großvater war Lehrer in einem schwäbischen Dörflein. Eines Tages kam er sehr betrübt aus seiner Schlafkammer und sagte: „Ich habe einen schweren Traum gehabt. Ich träumte, es erginge auf einmal der Ruf: Jesus kommt! Da bin ich gelaufen – hinaus nach der ,Germania‘ zu. (Das war ein Gasthaus am Ende des Dorfes.) Und ich meinte, das ganze Dorf müsse mir nachkommen. Ich habe ihnen doch allen von Jesus gesagt. Aber – als ich mich umkehrte, waren da nur ein paar alte Weiblein und einige Kinder. Alle anderen waren nicht bereit.“ Jesus hat es so ernst mit uns gemeint, als Er Sein Blut und Leben für uns dahingab. Nun lasst uns Ihm so zugehören, dass wir freudig Seiner Wiederkunft entgegengehen können! Amen!

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S O NNAB E ND N AC H DEM 2. ADVEN T

Darum wachet; denn ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird. — Matthäus 24, 42 Immer unheimlicher wird es in der Welt. Immer größer und unlösbarer werden die Probleme. Da regt es sich hier und dort in der Christenheit. Man besinnt sich darauf, dass Jesus gesagt hat, Er werde wiederkommen am Ende der Zeit. Jahrzehnte, ja, Jahrhunderte hindurch sprach man kaum davon. Die Christenheit glich jenen törichten Jungfrauen, die dem Bräutigam entgegenzogen und dabei einschliefen. Aber nun ist ein Aufwachen gekommen. Es ist uns, als hörten wir in der Ferne das Geschrei: „Der Bräutigam kommt! Auf! Geht ihm entgegen!“ Aber – sind wir wirklich richtig wach? „Wachet! Ihr wisset nicht, welche Stunde euer Herr kommen wird!“ Kann Er heute kommen? Findet Er uns bereit? Es war in der Zeit des „Dritten Reiches“. Da saßen wir in einer Sitzung. Unsere Mappen und viele Papiere lagen auf dem Tisch. Auf einmal sprang die Tür auf. Ein paar Männer erschienen und riefen streng: „Geheime Staatspolizei! Alle aufstehen und an die Wand stellen! Alle Papiere und Mappen liegen lassen!“ Da hätte manch einer gern noch dies oder jenes versteckt oder geordnet. Das ging nun nicht mehr. So wird die Wiederkunft Jesu sein. Lasst uns doch heute noch unser Leben ordnen! Lasst uns Frieden machen, wo wir Streit haben! Lasst uns um Vergebung bitten, wo es not tut! Lasst uns Bindungen zerreißen, die Gott nicht gefallen! Lasst uns wachen und im Licht wandeln! Dann wird uns Sein Licht nicht erschrecken. Dann dürfen wir uns freuen, wenn Er kommt. Amen.

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3 . AD V E NT SSON N TAG

In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa … da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. — Lukas 3, 1–2 Wozu eigentlich bringt der Lukas die lange Liste der Fürsten und Hohenpriester? Hätte es nicht genügt, wenn er gesagt hätte: „Es war im 15. Jahr des Tiberius“? Ja, wenn der Lukas nur eine Zeitangabe hätte machen wollen, dann hätte er sich und uns eine langweilige Aufzählung ersparen können. Aber ich bin sicher, dass er viel mehr mitteilen wollte als nur das Datum vom Auftreten des Johannes. Wenn wir diese Liste von Namen ansehen, dann geht uns auf, dass es damals eine böse Zeit war. Das ist ja eine schlimme Liste: Ehrgeizige Priester, bestechliche Landvögte, blutige Tyrannen, ehebrecherische Kleinfürsten … Solche Leute beherrschten damals die öffentliche Meinung. Es war „böse Zeit“. Aber – die böse Zeit und die bösen Menschen können unsern Gott nicht hindern, Seinen Heilsplan durchzuführen. „Da!“ – so steht hier – „da“ – in solch einer bösen Zeit – „geschah Gottes Befehl an Johannes.“ Da rief Gott den Herold, der dem Heiland vorangehen sollte. Mitten hinein in die böse und verlorene Welt stellt Er Sein herrliches Werk und Sein Heil. Es lohnt sich also nicht, über böse Zeiten zu schelten, zumal wir selbst ja immer unser Teil Schuld daran haben. Lasst uns lieber auf Gottes Heil in der bösen Welt sehen! Amen.

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M O NTAG NAC H DEM 3. ADVEN T

In dem fünfzehnten Jahr des Kaisertums Kaisers Tiberius, da Pontius Pilatus Landpfleger in Judäa war und Herodes ein Vierfürst in Galiläa und sein Bruder Philippus ein Vierfürst in Ituräa … da Hannas und Kaiphas Hohepriester waren: da geschah der Befehl Gottes zu Johannes, des Zacharias Sohn, in der Wüste. — Lukas 3, 1–2 Wenn ein Kaufmann einen neuen Laden einrichtet, dann erfüllt er die Welt mit Reklame. Wenn ein Politiker eine neue Idee hat, sind die Zeitungen voll davon. Wie anders handelt unser Gott! Er fängt Seine größten Dinge in der Stille an. Ja, Er kann es sich leisten, still und verborgen Sein Werk zu tun. Davon spricht unser Text: Der Kaiser Tiberius, der Landpfleger Pontius Pilatus, der König Herodes und der Kirchenfürst Kaiphas machten genug Lärm, die Aufmerksamkeit der Menge auf sich zu ziehen. „Da geschah der Befehl Gottes zu Johannes …“ Wer war Johannes? Kaum ein Mensch kannte ihn. So fängt Gott ein Neues an. Er beruft einen einzelnen, unbekannten Mann. So berief Er einst den Abraham – und es begann eine neue Zeit. „… da geschah der Befehl Gottes zu Johannes in der Wüste.“ Auch das noch: „In der Wüste“! Ja, so macht es unser Gott. In der Stille und im Verborgenen geschieht das Große. In einem Stall in einem kleinen Dorf wird der Sohn Gottes geboren. Wer die Augen voll hat mit den grellen Dingen der Welt, wird das heimliche, rettende Tun Gottes nie sehen. Der Herr gebe uns Liebe zu den stillen Dingen! Amen.

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Da sprach Johannes zu dem Volk, das hinausging, dass es sich von ihm taufen ließe: „Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, dass ihr dem zukünftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Früchte der Buße.“ — Lukas 3, 7–8 Wie wohltuend sanft ist eine moderne Predigt gegenüber dieser schrecklichen, leidenschaftlichen Rede! „Schlangenbrut! Wer hat euch den Wahn beigebracht, dass es keinen Zorn Gottes und keine Hölle gäbe?!“ Allerdings weiß ich auch keinen Prediger der letzten Jahrhunderte, der nur annähernd solch eine gewaltige Wirkung ausgeübt hätte wie dieser Johannes. Das kommt daher: Diese furchtbaren Worte kamen nicht aus seinem Temperament, sondern sie wurden im Auftrag Gottes gesprochen. Es heißt: „Da geschah der Befehl des Herrn zu Johannes in der Wüste …“ Und weil es also Gottes Worte sind, haben sie eine ewige Geltung. Wir sollten es aufgeben, den Johannes als einen originellen Redner anzusehen, wo doch Gott es uns jetzt zuruft: „Schlangenbrut! Wer hat euch den Wahn beigebracht, dass ihr nicht verloren gehen könntet? Tut rechtschaffene Früchte der Buße!“ Da legt Gott den Finger auf das in unserm Leben, was vor Seinen Augen nicht in Ordnung ist. Er reißt die Verbände und schützenden Hüllen ab, hinter denen wir unsere Wunden verbergen. Wollen wir auf Ihn hören? Wissen wir, was Er meint? O ja, wir wissen es! Wir stehen vor der großen Entscheidung, ob wir jetzt unser Leben in das Licht bringen wollen. Amen.

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Der Engel sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias! denn dein Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen. Und er wird der Kinder von Israel viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren. Und er wird vor ihm her gehen.“ — Lukas 1, 13 + 16 + 17 Kurz vor Weihnachten sah man in einer „Illustrierten“ ein seltsames Bild: Da hat irgendeine amerikanische Stadt, „um der Weihnachtsstimmung Rechnung zu tragen“, die Lichtmasten mit Tierfiguren geschmückt. Es ist ja nicht ganz einzusehen, was das mit Advent zu tun hat. Dasselbe muss man oft denken, wenn man bei uns in den Großstädten den „Adventsbetrieb“ sieht: Tannenkränze, Kerzen und Weihnachtsbäume auf öffentlichen Plätzen. Es ist etwas Rührendes um dies adventliche Bemühen. Aber wir müssen uns doch klar machen: Dies alles ist nur ein hauchdünner Firnis über dem unsagbaren Jammer der Welt. Und darum bin ich froh, dass wir Christen nicht auf diese „Adventsstimmung“ und all den „Weihnachtszauber“ angewiesen sind. Wir dürfen hören und zeugen von den Weihnachts-Vorbereitungen Gottes. Das ist nicht nur ein Firnis über dem Jammer der Welt, das ist nicht nur ein Spiel für das Gemüt. Da geht’s um Heilung des Jammers. Zacharias erlebte Advent dort im Tempel. Es wurde ihm ein Sohn verheißen, den er Johannes nennen sollte. Von dem wird gesagt: „Er wird vor ihm hergehen.“ Vor Ihm! Vor wem? Antwort: Vor dem Sohne Gottes, vor dem Heiland, vor Jesus. Das ist das letzte Große, das Gott vor dein Ende der Welt an dieser Welt tut: Er sendet Seinen Sohn als Erretter. Jawohl, das ist das Letzte, was Gott tut. Da wird’s ernst! Die Bibel sagt: „Nachdem vorzeiten Gott manchmal geredet hat, hat er am letzten zu uns geredet durch seinen Sohn.“ Amen.

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D O NNE R S TAG NACH DEM 3. ADVEN T

Der Engel sprach zu ihm: „Fürchte dich nicht, Zacharias! denn dein Gebet ist erhört, und dein Weib Elisabeth wird dir einen Sohn gebären, des Namen sollst du Johannes heißen. Und er wird der Kinder von Israel viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren. Und er wird vor ihm her gehen.“ — Lukas 1, 13 + 16 + 17 Was sind wir doch für eilige Leute! Unser Gott hat Zeit. Wenn Er Advent bereitet, dann geht das durch lange Zeiträume. Das merken wir an unserm Text: Das erste Adventslicht steckt Gott an, indem der Engel Gabriel die Geburt des Johannes verkündet. Das zweite Adventslicht Gottes heißt: „Der wird viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren.“ Zwischen diesem ersten und dem zweiten göttlichen Adventslicht liegen immerhin dreißig Jahre. Die wollen wir eben im Geist überspringen. Da steht dieser Johannes dort, wo die Wüste beginnt, am Jordan. Und nun berichtet die Bibel: „Da predigte er … und es ging zu ihm hinaus das ganze jüdische Land … und sie bekannten ihre Sünden.“ Das war ein Advent! Dunkle Abgründe wurden aufgedeckt; Fassaden brachen zusammen; Gewissen wurden offenbar. Ja, darum geht es im Evangelium: dass die Gewissen getroffen und aufgedeckt werden. Wir meinen immer wieder, das Evangelium sei etwas für unser Gemüt und für unseren Intellekt. Nun, gewiss ist das Evangelium auch dafür! Es hat die tiefsten Gedanken und bewegt unsre Gemütskräfte in der höchsten Weise. Aber das Entscheidende ist das noch nicht. Das Evangelium will unser Gewissen aufrütteln. Erst dann kommt es dazu, dass sich auch unter uns „viele zu Gott, ihrem Herrn, bekehren“. In der Siegerländer Erweckungszeit sagte ein Bergmann unter Tage zu seinem Steiger: „Ich muss ausfahren. Ich halte es vor Sündennot nicht mehr aus. Ich muss einen Christen suchen, der mir helfen kann.“ Seht, das ist Advent Gottes! Amen.

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Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ — Lukas 1, 26–28 In meiner Jugend erzählte man sich eine nette, lustige Geschichte von einem exotischen Fürsten. Der Fürst machte eine Europa-Reise. Irgendwo wurde er auch in ein Konzert geführt. Am Schluss der herrlichen Darbietungen fragte man ihn, welches Stück ihm am besten gefallen habe. Da sagte er: „Das erste!“ Darauf wiederholte man ihm zu Ehren das erste Stück. Aber er schüttelte den Kopf und meinte: „Nein! das allererste!“ Und da stellte es sich he­ raus: Er meinte das Ton-Durcheinander beim Stimmen der Instrumente. Bei unserm Text geht es mir ähnlich wie diesem barbarischen Fürsten. In dem ersten Kapitel des Lukas-Evangeliums wird erzählt, wie die Instrumente gestimmt werden für das große Weihnachtsspiel Gottes. Wie gewaltig sind schon diese großen Vorbereitungen! Der Himmel kommt in Bewegung. Herrliche Engel aus dem Hofstaat Gottes erscheinen den Menschenkindern. Und wie lieblich sind diese Vorbereitungen! Es liegt ein unendlicher Glanz über diesem Besuch des Engels bei Maria, der reinen Magd. Ja, hier ist das „Stimmen der Instrumente“ wundervoll. Und doch – das Spiel selbst, die große Symphonie Gottes, ist noch viel herrlicher. Die handelt nicht nur von Engeln, sondern von dem Sohne Gottes selbst. Die spricht in erschütternden Klängen von dem Jammer und der Schuld dieser verlorenen Welt. Und in Jubelmelodien verkündet sie das Heil Gottes in Jesus Christus. Amen.

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S O NNAB E ND NACH DEM 3. ADVEN T

Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ — Lukas 1, 26–28 Wir Menschen leben in horizontalen, waagerechten Schichtungen: Alte – Leute in mittleren Jahren – Jugend – Kinder. Oder so: Kapitalisten – Mittelstand – Arbeiter. Es ist traurig und langweilig, dass es so ist. Aber diese horizontalen Schichtungen bestehen nun einmal. Geradezu beglückend und auch interessant ist es nun, wenn vertikale, senkrechte Beziehungen entstehen: Wenn etwa Jugend an Weihnachten alte Leute aufsucht, um sie zu erfreuen. Die unheimlichste, grauenvollste waagerechte Zertrennung ist diese: Dort Gott und die himmlische Welt – hier die verlorene, unheilvolle Welt ohne Gott. Wie beglückend müsste hier eine Senkrechte sein! Darum ist das Evangelium so herrlich, weil es zeugt von solch einer Senkrechten, die kein Mensch ziehen konnte. Das Evangelium ist die Botschaft von der Linie, die Gott vom Himmel zur Erde zieht. „Und der Engel Gabriel ward gesandt nach Nazareth …“ Da haben wir die Senkrechte. Die himmlische Welt stößt vor in die irdische. Allerdings ist hier nur der Anfang. Es geht so weiter: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab.“ Der Himmel zerreißt! Und es kommt der Engel Gabriel. Reden wir nicht von Gabriel! Er kommt nur als Bote, um zu sagen: Der Heiland kommt! Amen.

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4 . AD V E N TSSON N TAG

Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ — Lukas 1, 26–28 Kennt ihr das Bild vom Isenheimer Altar? Da kniet Maria vor einem Lesepult. Sie ist ganz versunken in das Wort des Propheten Jesaja: „Eine Jungfrau wird schwanger werden und einen Sohn gebären …“ Und nun hat der Maler Matthias Grünewald das herrlich dargestellt, wie in diesen stillen Raum der gewaltige Engel Gabriel hereinbraust. Seine weiten Gewänder flattern ihm voraus, als stieße ihn die Hand des mächtigen Gottes in dies Gemach der Maria hinein. Da hat der Maler es deutlich sagen wollen: Von Gott kam das alles her. So steht es in unserm Text: „… ward der Engel Gabriel gesandt von Gott …“ Das ist das Herrlichste am Evangelium, dass hier alles von Gott her kommt. Sonst wäre es mit diesem Evangelium auch schon längst aus und zu Ende. Es ist den Menschen ja so ärgerlich. Es ist „den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit“, sagt Paulus. In unsre Sprache übersetzt, heißt das: Die Sünder ärgern sich, dass sie sich ändern sollen. Die Gelehrten finden das Evangelium abgeschmackt. Und die selbstgerechten Leute sind empört, dass das Evangelium sie „Sünder“ nennt. So hat das Evangelium wenig Chancen in dieser Menschenwelt. Aber weil es nun vom lebendigen Gott her kommt, aus der Quelle allen Lebens, ist es ein Lebensstrom, der sich rettend in die Welt ergießt, den kein Mensch aufhalten kann und der immer mächtig und frisch bleibt. Amen.

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Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ — Lukas 1, 26–28 Haben wir eigentlich noch ein Ohr für diese zarten Klänge? Unsre Zeit versteht es meisterhaft, den Menschen abzustumpfen. Was dringt alles auf uns ein: Schreckensnachrichten und Aufregungen, Riesen-Reklame und beständige Unruhe. Da ist der Sinn dann abgestumpft für die zarten Klänge der biblischen Geschichte. Hören wir sie noch? Können wir stille werden über der feinen Lieblichkeit dieser Geschichte von Maria und dem Engel? Diese Lieblichkeit geht ja durch das ganze Evangelium: Da knien die armseligen Hirten und die geheimnisvollen Weisen vor dem Kind in der Krippe. Da wandert der Heiland durch eine blühende Landschaft und predigt dem armen Volk von den Lilien auf dem Felde. – Da sitzt Er im Schatten eines Baumes und zieht die unmündigen Kindlein an Sein Herz. Ja, noch in der furchtbaren Kreuzigungsszene bricht diese Lieblichkeit durch, als der sterbende Herr dem trauernden Johannes die Sorge für Seine Mutter an das Herz legt. Und welch köstlicher Glanz liegt über den Auferstehungsgeschichten: wie da die Magdalena weint und auf einmal der Herr Jesus vor ihr steht und sie so vertraut bei ihrem Namen ruft. Ja, dieser liebliche Charakter des Evangeliums vollendet sich in dem herrlichen Ausblick der Offenbarung: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen.“ Haben wir eigentlich noch ein Ohr für diese zarten Klänge? Amen.

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D I E NS TAG NA C H DEM 4. ADVEN T

Und im sechsten Monat ward der Engel Gabriel gesandt von Gott in eine Stadt in Galiläa, die heißt Nazareth, zu einer Jungfrau, die hieß Maria. Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach: „Gegrüßet seist du, Holdselige!“ — Lukas 1, 26–28 Wie schön ist dieser Gruß! Aber – wieso ist Maria holdselig? War sie besonders schön? Die Maler haben das „holdselig“ so verstanden. Aber die Bibel sagt davon nichts. Oder nennt der Engel sie so, weil sie eine unberührte Jungfrau war? Nun, das ist bestimmt etwas Großes in einer Welt, in der unsere Leidenschaften alles beschmutzen. Aber wenn wir den Engelgruß darauf beziehen wollten, hätten wir die Herrlichkeit des Wortes noch nicht verstanden. Wer war denn diese Maria? Sie war ein armes Mädchen aus einem übel beleumdeten Nest des halb heidnischen Galiläa. Sie war Nachkomme eines degenerierten Königsgeschlechtes. Und wer ihren Stammbaum liest, der weiß, dass da viel trübe Erbmasse vorhanden war. Sie spricht selbst einmal von ihrer „Niedrigkeit“. Und dies Mädchen nennt der Engel Gabriel eine „Holdselige“. Warum? Es gibt nur eine Antwort: um Jesu willen! Um des Sohnes Gottes willen, der aus ihr geboren werden sollte. Ihre Holdseligkeit war nicht eine Eigenschaft, die sie besaß, sondern um Jesu willen war sie in den Augen Gottes lieblich und angenehm. Da habt ihr das ganze Evangelium! Der größte Sünder, der sein Elend fühlt, darf sich neben Maria setzen und im Glauben den Heiland aufnehmen. Dann sieht Gott nicht das verfehlte Leben an, sondern nur Seinen lieben Sohn. Ich denke mir: Die himmlischen Scharen haben den Schächer, der im Glauben neben Jesus am Kreuz starb, in der Ewigkeit willkommen geheißen mit dem Ruf: „Gegrüßet seist du, Holdseliger!“ Davon rühmt Paulus: „Wir sind angenehm gemacht in dem Geliebten.“ Amen.

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