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Rebekka Brouwer

Adventsgeschwister Mit Sophie, Ole und Bastian durch die schönste Zeit im Jahr


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Inhalt

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Advent. Einladung zum „etwas anderen Adventskalenderbuch“ Warten Der Abend vor dem ersten Advent: Adventskalender

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Erster Advent – Von ersten Päckchen und Adventsbräuchen

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Erster Dezember – Backtag „Ausgestochenes“ – Plätzchenbacken wie bei Familie Maibaum Zweiter Dezember – Die erste Krippenspielprobe Dritter Dezember – Adventsleuchten für Sophie „Adventssterne“ – Basteln wie mit Oma Marie Vierter Dezember – Macht hoch die Tür Ein Adventslied zum Mitsingen Fünfter Dezember – Nikolausabend Sechster Dezember – ein Weihnachtsmärchen zum Nikolaustag Siebter Dezember – Vom Vermissen

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Zweiter Advent – Auf dem Weg zur Krippe

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Achter Dezember – Weihnachtsgeschenke selbstgemacht: Nussvögelchen „Nussvögelchen“ – Christbaumschmuck selbst gebastelt Neunter Dezember – Die zweite Krippenspielprobe Zehnter Dezember – Der erste Schnee – oder: eiskalte Überraschung Elfter Dezember – Es wird gewichtelt Zwölfter Dezember – Das richtige Geschenk

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13. Dezember – Von Engeln und anderen Boten 14. Dezember – Weihnachtsgrüße

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Dritter Advent – ein Abend auf dem Weihnachtsmarkt

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15.Dezember – Die dritte Krippenspielprobe 16. Dezember – O Tannenbaum … 17. Dezember – Die kleinen Dinge Vogelfutterstellen selbst basteln 18. Dezember – Oder: Besser spät als nie … Ein wunderbares Punschrezept (ganz ohne Alkohol, aber mit ganz viel Geschmack) 19. Dezember – Von Weihnachtsmännern, Christkindern und anderen Gründen, sich zu beschenken 20. Dezember – Es war einmal vor langer, langer Zeit. Vom Erinnern 21. Dezember – Das Wichtelgeheimnis wird gelüftet 22. Dezember – Damit es Weihnachten wird … 23. Dezember – Morgen, Kinder, wird’s was geben

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Vierter Advent – Gemeinsam helfen

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24. Dezember – Heiligabend

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Weihnachten

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Advent. Einladung zum „etwas anderen Adventskalenderbuch“ Jetzt ist es fast soweit: Der Advent steht wieder vor der Tür und ihr haltet mit den „Adventsgeschwistern“ ein etwas anderes Adventskalenderbuch in den Händen. Das will ich euch kurz erklären. Vielleicht ist es euch auch schon aufgefallen: Die meisten Adventskalender, die man so kaufen kann, beginnen immer am ersten Dezember – ganz egal, ob der erste Advent mit dem letzten Sonntag im November zusammenfällt oder die ersten Dezembertage schon ins Land gezogen sind, bevor er endlich da ist. Nicht so bei diesem Buch: Das ist ein wirklich echtes, richtiges Adventskalenderbuch und kein heimliches Dezemberbuch. Denn es hat neben 24 Geschichten für die Tage im Dezember auch noch vier Extra-Geschichten für die Adventssonntage. In jedem Jahr, in dem ihr mit den Adventsgeschwistern durch den Advent gehen wollt, findet ihr für die Adventssonntage ein eigenes Kapitel. Schließlich feiern wir doch Advent und nicht Dezember! Die Adventssonntage haben immer eine besondere Farbe, damit ihr gleich erkennt: Hier kommt unsere Sonntagsgeschichte. Dann könnt ihr an diesem Tag (spätestens ab dem zweiten Advent) sogar zwei Geschichten lesen. Einmal die Adventssonntagsgeschichte und einmal die Geschichte zum Datum des Tages. Ganz, ganz selten habt ihr dann natürlich ganz schön viele Geschichte am Anfang, z.B. 2023 oder 2028, wenn der erste Advent erst auf den 3. Dezember fällt. Aber so ein Lesenachmittag, bei Kerzenschein und leckeren Keksen, ist doch eigentlich ein toller Auftakt für den Advent, oder? Ich hoffe, ihr habt eine wunderbare Adventszeit und freut euch auf Weihnachten. Sophie, Ole und Bastian geht es auf jeden Fall so. Aber lest selbst … Viel Spaß mit den Adventsgeschwistern! Eure Rebekka Brouwer

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Warten „Siehst du schon was?“ – Ole und Sophie drücken sich die Nasen an der Fensterscheibe platt. Sie spähen in den dunklen Garten. Aber außer den schemenhaften Umrissen des großen Birnbaums ist im Licht der kleinen Gartenlampe nichts zu erkennen. „Sie müssten doch schon längst da sein!“ „Papa, hat Mama schon angerufen?“ Lutz Maibaum schmunzelt. „Sie werden schon kommen. Wenn euch das alles zu lange dauert, dann helft mir doch den Tisch zu decken!“ Aber die-

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ser Vorschlag verhallt ungehört. Keines der Kinder ist bereit, seinen Spähposten aufzugeben. Viel zu aufgeregt sind die beiden. In aller Ruhe stellt Lutz das schwere Tablett auf dem Wohnzimmertisch ab, deckt den Tisch mit Tellern, Messern, Gläsern und Gabeln, legt auf jeden Teller eine schön gefaltete Serviette. Sein prüfender Blick wandert über den Tisch: So, alles ist fertig! Nun heißt es warten. Maren Maibaum parkt den Wagen vor dem Carport. Spät ist es geworden, Bastians Flieger hatte Verspätung. Durch die kahlen Äste der Sträucher fällt warmes Licht durch die bodentiefen Fenster des kleinen roten Fachwerkhauses auf den Weg vor ihnen. Der Geruch des Kaminfeuers liegt in der Luft. Gemeinsam mit Bastian macht sie sich daran, den schweren Koffer und die Taschen aus dem Auto zu laden. Die Schritte knirschen auf dem gefrorenen Weg. Als die beiden die Haustür erreicht haben, wirbeln ihnen schon zwei kleine Gestalten entgegen: „Bastian!“ Ole und Sophie hüpfen wie zwei Pingpongbälle von einem Bein aufs andere. Lutz schiebt lachend die beiden Kinder zur Seite, nimmt Bastian die Tasche aus der Hand, schiebt ihn in den Hausflur und legt ihm einen Arm um die Schultern. „Und auch dieses Jahr ein herzliches Willkommen im Lerchenweg 3! Ich hoffe, das Begrüßungskomitee hat dich nicht allzu sehr erschreckt. Nun aber mal rein in die gute Stube!“ Bastian strahlt. Zehn Minuten später sitzen die vier Maibaums und Bastian um den großen Wohnzimmertisch. Novemberkälte und lange Fahrt sind schnell vergessen, als Lutz den Deckel der gusseisernen Servierpfanne anhebt: Der süße Duft von Vanille füllt den Raum. Maren lacht, als sie in Bastians zufriedenes Gesicht sieht. „Und wie du es dir gewünscht hast: Dampfnudeln mit Zimtäpfeln und Vanillesauce.“ Bastian seufzt selig. „Jetzt kann der Advent kommen!“

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Der Abend vor dem ersten Advent – Adventskalender Im Lerchenweg ist Ruhe eingekehrt. In den Kinderzimmern schimmert nur noch das Nachtlicht, Ole und Sophie träumen, in ihre Bettdecken gekuschelt, vom Advent. Und aus dem kleinen Gästezimmer in der Mansarde ist wieder Bastians Reich geworden. Bastian hat seine Koffer und Taschen ausgeräumt, Kleider, Bücher und andere Habseligkeiten in den Schränken des Gästezimmers verstaut und noch schnell eine Nachricht an Mama und Papa geschickt, bevor er müde ins Bett gekrochen ist. Das Familienfoto steht auf dem Nachttisch – ein Schnappschuss von einem Familienausflug: Bastian, Mama und Papa, mit Sonnenbrillen und großen Sonnenhüten, lachend und winkend vor dem Jeep in der Wüste von Dubai. Die leuchtende Sonne, der gelbe Sand, der blaue Himmel – das wirkt hier, mitten im norddeutschen Winter mit Frost und klirrender Kälte, wie ein Bild aus einer anderen Welt. Seit drei Jahren schon lebt Bastian mit seinen Eltern in Dubai; und seit drei Jahren schon kommt er immer pünktlich zur Adventszeit, kaum haben seine

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Winterferien begonnen, in den Lerchenweg – zu Mamas Schwester Maren und deren Familie. Das war seine Bedingung, als ihn seine Eltern gefragt haben, was er von der Idee hielte, nach Dubai zu ziehen. Anderes Land, neue Sprache, neues Zuhause, neue Freunde – das war am Anfang nicht einfach, doch mittlerweile hat er Fuß gefasst. Aber die Adventszeit, die muss sein. Mit Kälte, Plätzchenduft und wenigstens einer klitzekleinen Chance auf Schnee. Das gehört für ihn einfach dazu. Für Ole, fünf Jahre, und Sophie, acht Jahre, ist der zehnjährige Bastian wie ein Bruder – genau genommen ihr „Adventsbruder“, das ist die offizielle Bezeichnung, die Sophie sich für Bastian ausgedacht hat. Schon Wochen, bevor die drei sich wiedersehen, hecken sie am Telefon Pläne aus, was sie alles gemeinsam erleben wollen. Denn der Advent, der ist eine ganz besondere Zeit bei den Maibaums. Unten am großen Esstisch sitzen Maren und Lutz vor einem Berg liebevoll ausgesuchter Kleinigkeiten. Genau genommen vor 75 Kleinigkeiten. Drei Adventskalender gilt es heute Abend noch zu basteln mit je 25 Päckchen: für jeden Dezembertag bis Weihnachten eins und noch eins zusätzlich, für den ersten Advent. Blaues, rotes und grünes Geschenkpapier wird zurechtgeschnitten. Kleine Päckchen entstehen, auf die ein goldener Stern mit der Zahl für den Tag geklebt wird. Die Päckchen für die vier Adventssonntage, den Nikolaustag und das Päckchen für Weihnachten aber sind in goldenes Glitzer-Papier eingewickelt, denn sie bergen einen besonderen Schatz. Im Hintergrund läuft auf dem alten Plattenspieler knisternd eine Beatles-Schallplatte, heißer Tee dampft in den Tassen, das Kaminfeuer knistert gemütlich. Die beiden Erwachsenen unterhalten sich leise und planen die kommenden Wochen. Von alldem sehen und hören die drei Kinder nichts. Es ist spät geworden. Der Tag war aufregend. Die Augen sind ihnen schon längst zugefallen. Na dann: Schlaft gut, träumt was Schönes und gute Nacht.

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Erster Advent – Von ersten Päckchen und Adventsbräuchen Die drei Kinder poltern die Treppe hinunter. Ole versucht, sich zwischen Bastian und Sophie seinen Weg zu bahnen. Jeder will als erster nach unten kommen. Im Wohnzimmer endet die wilde Jagd. Andächtig stehen die drei vor der großen Fensterfront. Sie bestaunen die Päckchen, die den Beginn des Advents so greifbar machen: An drei breiten, glänzenden Bändern, von Balken zu Balken in sanftem Bogen vor dem Fester gespannt, ist in jedes von ihnen ein Stück Vorfreude auf Weihnachten gelegt.

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Lutz hält den Kindern einen Weidenkorb entgegen. Darin liegen Strohsterne und kleine goldene Christbaumkugeln. „Ihr kennt das Spiel! Jeden Tag, wenn ihr ein Päckchen vom Adventskalender nehmt, hängen wir ein Stück Tannenbaumschmuck auf. So wird es immer ein wenig weihnachtlicher!“ Sophie wählt eine kleine, matt-golden glänzende Kugel. Ole und Bastian entscheiden sich für einen Strohstern. Behutsam, fast schon feierlich, tauscht Lutz die Päckchen für den ersten Advent gegen die Schmuckstücke aus. Neugierig und aufgeregt nehmen die Kinder die Päckchen entgegen, befühlen die Form, versuchen zu erraten, was sich darin verbirgt. Ole reißt das Papier auf, Bastian löst vorsichtig die Klebestreifen. Sophie wartet erst mal ab, was da bei den anderen zum Vorschein kommt: Jedes der Kinder hält einen kleinen Ausstecher in der Hand. Ole in Form eines Traktors, Sophie hat einen Fußball bekommen und für Bastian, den Vielflieger, gibt es ein Flugzeug. Das kann nur eins heißen, da sind sich die Kinder schnell einig: Bald geht’s ans Backen! Was für ein Auftakt für den Advent! „Aber jetzt gibt’s erstmal Frühstück!“ Der Tisch ist schon gedeckt und in seiner Mitte steht ein großer Adventskranz: grüne Tannen, vier rote seidene Schleifen und vier dicke rote Kerzen, die erst im Laufe der kommenden Wochen nach und nach leuchten werden. Maren stellt die Teekanne auf den Tisch und wendet sich den drei Kindern zu. „Na, wer zündet für uns heute die erste Adventskerze an?“ Drei Kinder rufen wie aus einem Mund: „Ich!“ Sie schauen sich verdutzt an und brechen in schallendes Gelächter aus. „Müssen wir losen, oder schaffen wir das auch so?“ – „Das schaffen wir selbstverständlich auch so“, sagt Bastian mit ernster Miene. Er überlegt. „Ole darf anfangen, er ist der Kleinste, nächste Woche dann Sophie, ich bin am dritten Advent dran. Und am vierten Advent …“ Kurz kommt er ins Stocken, dann huscht ein schelmisches Lächeln über sein Gesicht. „Am vierten Advent darf der die Kerze anzünden, der die meisten Plätzchensorten gebacken hat! Gebacken, wohlgemerkt – nicht gegessen!“ „Ha“, ruft Sophie,

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„dann ist sowieso schon klar, wer das ist. Die vierte Kerze, die zündet dann Papa an. So viele Plätzchen, wie der immer backt, das schafft sonst keiner!“ Ja, die Sache mit dem Plätzchenbacken, das ist schon etwas Besonderes in der Familie Maibaum. Alle helfen mit und jede Woche werden neue Plätzchen gebacken. Der Familienrekord liegt bei 12 verschiedenen Sorten bis Weihnachten! Die meisten sind bewährte Familienrezepte. Lutz hat sie schon mit seiner Mutter gebacken, als er noch ein Kind war. Bei Maibaums ist das Plätzchenbacken Ehrensache: Je größer man ist, desto kompliziertere Rezepte darf man mitbacken und desto mehr Aufgaben darf man übernehmen. Ole, mit seinen fünf Jahren das Nesthäkchen der Familie, war bisher immer fürs Verzieren der Plätzchen zuständig. Er liebt die bunten Zuckergussperlen und den Glanz von geschmolzener Schokolade. Dieses Jahr darf er zum ersten Mal bei den Mandelbaisers helfen: weiße Schaumhäubchen mit Mandelblättern darin und einem Fuß aus zartbitterer Schokolade. Unwiderstehlich! In den kommenden Tagen und Wochen wird das Haus im Lerchenweg zur großen Backstube. Der Duft von Zimt, Vanille, Schokolade, aber auch Orange, Ingwer und Koriander liegt dann in der Luft. Und kleine Kostbarkeiten wandern aus dem Backofen auf Gitter zum Auskühlen und werden liebevoll mit geschickten Händen verziert. In großen Blechdosen wird das zarte Gebäck dann bis zum Heiligen Abend im Keller aufbewahrt – wohl gehütet. Aber an den Adventssonntagen darf probiert werden: Dann steht ein bunter Teller mit kleinen Kostproben zur Teestunde auf dem Tisch. Wie sich alle darauf freuen! Die Kinder können es kaum erwarten, ihre neuen Ausstechförmchen zum Einsatz zu bringen.

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Erster Dezember – Backtag Lutz mustert die Kinderhände mit einem kritischen Blick. „Finger gewaschen?“ Fast schon empört gibt Ole die erwünschte Auskunft: „Aber klar, Papa!“ „Dann kann es ja losgehen.“ Zwischen zwei Lagen Backpapier rollt Lutz den mehlbestäubten Teig mit der schweren Teigrolle hauchdünn aus. Immer wieder lässt er prüfend seine Finger über die Teigplatte wandern, bis sie seinen Anforderungen genügt. Gar nicht so einfach! Da kommt man schon ins Schwitzen. Aber bevor der Teig nicht so hauchdünn ausgerollt ist, dass man eine Zeitung durch ihn hindurch lesen könnte, wird Lutz bestimmt nicht zufrieden sein – so viel lehrt die Erfahrung der vergangenen Jahre. Die Kinder halten den Atem an, als er vorsichtig eine Ecke des oben liegenden Backpapiers anhebt. Geschafft. Der Teig reißt nicht. Bedächtig zieht Lutz das Papier ab, so dass der Blick auf den ausgerollten Teig freigegeben wird. Heute wird „Ausgestochenes“ gebacken: dünne, knusprige Butterplätzchen. Die ersten Plätzchen in dieser Adventszeit.

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Gestern Abend haben Sophie und Bastian bereits den Teig angerührt. In Frischhaltefolie eingewickelt ist der Teig über Nacht durchgekühlt und wird nun weiter bearbeitet. Das Ausrollen übernimmt Lutz. Dazu braucht man wirklich Kraft und Geduld. Aber das Ausstechen, das ist Aufgabe der Kinder. Ihre neuen Ausstecher aus dem Adventskalender haben sie schon vor sich liegen, dazu aber auch eine ganze Kiste mit liebgewonnenen Ausstechförmchen, die die Maibaums im Laufe der Zeit zusammengetragen haben: kleine Pferdchen, Hasen, Elefanten, Teddybären, Pinguine, Segelboote, Blumen, Buchstaben und sogar ein Krokodil reihen sich da an die klassischen Weihnachtsmotive – denn auch Engel, Tannenbäume, Sterne, Monde, Herzen, Glocken, Schneeflocken und Stiefel dürfen selbstverständlich auf einem ordentlichen Plätzchenteller am Heiligen Abend nicht fehlen. Dicht an dicht drücken die Kinder die Förmchen in den Teig, um ja keinen Platz zu verschwenden. Mit einem großen dünnen Messer hebt Bastian die ausgestochenen Plätzchen dann vorsichtig vom Untergrund ab und legt sie auf ein Backblech. Mit fachmännischer Miene bestreicht Sophie die Plätzchen mit einem Gemisch aus Sahne und Eigelb. Dann geht’s ab in den Ofen. Während Lutz schon die nächste Portion Teig ausrollt, kleben die Kinder mit ihren Blicken förmlich am Fenster des Backofens. Nach nur wenigen Minuten strömt ihnen ein süßer, butterzarter Duft aus dem Backofen entgegen. „Vorsicht …!“, ruft Lutz, „Alle aus dem Weg! Jetzt wird es heiß!“ Die Hände in dicken Ofenhandschuhen sicher verpackt, öffnet er den Backofen und zieht die heißen Bleche heraus. Auf der Arbeitsfläche neben der Spüle können die Plätzchen nun erstmal auskühlen. Bastian hilft Lutz, weitere Plätzchen auszustechen. Immer neue Bleche wandern in den Ofen und auf der Arbeitsplatte wächst ein kleiner Berg von knusprigem Gebäck. Währenddessen sieben Sophie und Ole Puderzucker in kleine Schüsseln und rühren mit etwas Zitronensaft Zuckerguss an. Mit Pinseln bestreichen sie die schon fertiggebackenen und ausgekühlten Plätz-

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chen dünn mit dem Guss und streuen dann kleine Zuckerperlen darüber. So, nun noch trocknen lassen und dann sind die ersten Plätzchen für dieses Jahr schon fertig. Und wie die duften!

„Ausgestochenes“ – Plätzchenbacken wie bei Familie Maibaum Das braucht ihr an Zeit: – eine halbe Stunde am Vortag, um den Teig zuzubereiten – ca. eineinhalb Stunden, um die Plätzchen auszustechen, fertig zu backen und zu verzieren – zwei Sekunden, um sich das erste Plätzchen auf der Zunge zergehen zu lassen 

Das braucht ihr an „Werkzeug“: – eine große Rührschüssel – ein Handrührgerät, am besten mit Knethaken – eine Waage – ein Messer – einen Esslöffel –F rischhaltefolie –B ackpapier – eine Teigrolle – ggf. ein Konditormesser, aber ein Kuchenheber tut es auch … –A usstechförmchen – eine kleine Schüssel – einen Backpinsel –B ackhandschuhe

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Das braucht ihr an Zutaten: – 500g Mehl und etwas Mehl zum Bestäuben – 1 Messerspitze Backpulver (bloß nicht zu viel, sonst wirft der Teig hässliche Blasen) – 250g Zucker – 1 Päckchen Vanillezucker – 3 Eier – 175g Margarine, kalt, in Stücken – 75g Butter, kalt, in Stücken – etwas Sahne itronensaft –Z uderzucker –P – bunte Zuckerstreusel

Und so geht’s: – Mit der Waage wiegt ihr eure Zutaten ab. – Butter und Margarine schneidet ihr in kleine Stückchen. – Nun vermischt ihr 500g Mehl mit einer Messerspitze voll Backpulver, 250g Zucker und dem Vanillezucker mit einem Löffel in der Rührschüssel. – Als nächstes verknetet ihr mit dem Handrührgerät zwei Eier mit der Mehl-Backpulver-Zucker-Mischung. – Nach und nach gebt ihr nun die Butter- und Margarinestücke dazu und verknetet alles zu einem gleichmäßigen Teig. Manchmal ist es leichter, an dieser Stelle das Handrührgerät zur Seite zu stellen und die frischgewaschenen () Hände zu verwenden. Knetet den Teig ordentlich durch und formt einen großen, glatten Teigballen daraus. – Jetzt wickelt ihr den Teig fest in Frischhaltefolie ein und lasst ihn über Nacht im Kühlschrank ruhen.

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Am nächsten Tag: – Heizt den Backofen vor. Umluft: 175°C oder Ober- und Unterhitze: 200°C. – Nehmt immer nur ein kleines Stück Teig aus dem Kühlschrank – immer so viel, wie ihr zum Ausrollen braucht. Je wärmer der Teig wird, desto klebriger wird er und desto schwieriger ist es, ihn wirklich dünn auszurollen. – Legt ein Stück Backpapier als Untergrund auf den Tisch. Bestreut es mit ein wenig (!) Mehl. Darauf legt ihr das Teigstück. Etwas Mehl darauf stäuben, zweite Schicht Backpapier und dann heißt es: Muskeln arbeiten lassen! Ausrollen! Rollt den Teig solange aus, bis ihr eine gleichmäßig dünne Teigplatte erhaltet. Sollte der Teig zu sehr kleben, einfach etwas mehr Mehl verwenden. – Vorsichtig könnt ihr nun das obere Backpapier von der Teigplatte abziehen. Und dann: Viel Spaß beim Ausstechen! – Die ausgestochenen Plätzchen mit etwas Abstand auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen, etwas Sahne mit einem Eigelb verrühren und mit der Sahne-Eigelb-Mischung die Plätzchen vorsichtig mit dem Pinsel bestreichen. – Dann im vorgeheizten Ofen so lange backen, bis die Plätzchen am Rand zart braun werden (ca. 5-10 Minuten – bei Umluft könnt ihr auch mehrere Bleche gleichzeitig in den Ofen stellen). Dann raus aus dem Ofen und die heißen Bleche auf Untersetzer oder ein gefaltetes Geschirrhandtuch stellen! Denkt an die Backhandschuhe! Das Blech ist sehr heiß! – Die Plätzchen zum Auskühlen erstmal auf dem Backblech lassen. Nach dem Auskühlen könnt ihr dann aus Puderzucker mit ein wenig Zitronensaft Zuckerguss anrühren (wem Zitronensaft zu sauer ist, kann auch einfach Wasser nehmen). Mit einem Pinsel die Oberseite der Plätzchen bestreichen, mit bunten Zuckerstreuseln bestreuen, etwa 30 Minuten trocknen lassen und fertig ist das „Ausgestochene“.

Tipp – In einer luftdichten Blechdose verpackt und an einem kühlen und trockenen Ort gelagert halten die Plätzchen ohne Probleme drei Wochen.

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Zweiter Dezember – Die erste Krippenspielprobe Heute kommt Sophie mit glänzenden Augen von der Schule nach Hause, ganz fest hält sie einen Zettel in ihren Händen. Ole versucht alles, um Sophie zum Reden zu bringen, aber erst wenn auch Mama und Bastian nach Hause kommen, will sie verraten, was es nun mit dem großen Geheimnis auf sich hat. Aber die beiden lassen auf sich warten. Nicht ungewöhnlich in der Adventszeit – da gibt es immer viel zu tun. Denn den Morgen verbringt Bastian mit Maren und Lutz im „Winkellädchen“, dem kleinen Buch- und Teeladen, den die beiden von Lutz‘ Eltern übernommen haben. Ein Laden wie aus dem Bilderbuch: am Eingang eine fröhlich schellende Türglocke, ein großes Schaufenster zur Straße hin, Bücher über Bücher, bunte Postkarten

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auf Drehständern, ein schön polierter Verkaufstresen aus tiefglänzendem Mahagoniholz, darauf eine Balkenwaage und dahinter ein Regal mit großen Blechdosen mit allerlei Teesorten. Gemütliche Ohrensessel laden dazu ein, sich in ein Buch zu vertiefen, das bunte Treiben auf der Straße hinter sich zu lassen und in eine Abenteuergeschichte einzutauchen. Während Sophie in der Schule sitzt und sehnsüchtig die Tage bis zum Ferienanfang zählt, genießt Bastian jede Minute. Gern hilft er Maren und Lutz dabei, Tee abzuwiegen und erste Weihnachtsgeschenke in buntes Geschenkpapier einzuwickeln, Büchersendungen auszupacken oder kleine Botengänge zu erledigen. Und besonders liebt er es, sich in den großen grünen Ohrensessel im hinteren Teil des Ladens zurückzuziehen und nach Herzenslust zu lesen. Wenn dann um halb eins der Laden für die Mittagspause geschlossen wird und die Schule zu Ende ist, trudeln alle nach und nach im Haus im Lerchenweg ein, um gemeinsam Mittag zu essen. Maren und Bastian sind heute die letzten, die nach Hause kommen. Aber noch bevor Maren anfangen kann, über den vielen Verkehr in der Stadt zu fluchen, über die vielen roten Ampeln und den Regen, der es unmöglich macht, schnell zu fahren, platzt Sophie mit ihren Neuigkeiten heraus: „Stellt euch vor: Heute Nachmittag findet die erste Krippenspielprobe statt! Heute schon! Hier, schaut, ich hab sogar eine Einladung zur Probe in meinem Fach gefunden!“ In kürzester Zeit dreht sich alles nur noch ums Krippenspiel. Wer wohl dieses Jahr alles mitspielen wird? Und wer hat dieses Jahr wohl die größte Chance auf eine der begehrten Hauptrollen? Einmal die Maria spielen dürfen – oder den ersten der Engel … für Sophie würde ein Traum in Erfüllung gehen. Aufgeregt machen sich die drei Kinder am frühen Abend auf den Weg zur kleinen alten Backsteinkirche. Aber sie sind bei weitem nicht die einzigen. Gut 20 Kinder drängen sich in den vorderen Bänken der Kirche. Sie tuscheln und lachen. Aufgeregt recken alle die Hälse, stupsen sich gegenseitig an, als Pastorin Bunt nach vorne ans

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Rednerpult tritt: „Hallo erstmal! Wie schön, dass ihr alle gekommen seid! Mit so vielen Kindern muss das ja ein ganz besonders schönes Krippenspiel werden!“ Freundlich lächelnd begrüßt Frau Bunt die Kinder – mucksmäuschenstill ist es geworden. Die Kinder warten gespannt darauf, wie es nun weitergeht. „Bevor wir uns an die Rollenverteilung machen, wollen wir erst nochmal gemeinsam die Weihnachtsgeschichte hören. Setzt euch doch alle mal hier vorne zu mir auf die Stufen des Altars!“ Die Kinder suchen sich einen guten Platz auf dem dicken Wollteppich auf den Altarstufen. Pastorin Bunt schlägt eine große bunte Kinderbibel auf und erzählt, was sich die Menschen schon seit mehr als 2000 Jahren erzählen: wie damals, in Nazareth, einem kleinen Dorf mitten in Israel, zu Maria, einer jungen Frau, ein Bote Gottes kam. „Einen Engel meint sie“, flüstert Ole Sophie aufgeregt zu. Der Engel hat ihr erzählt, dass sie ein Baby bekommen wird, erzählt Pastorin Bunt weiter, ein Baby, das die ganze Welt verändern wird. „Jesus!“ flüstert Ole aufgeregt. „Das Baby ist Jesus!“ Ole kann kaum ruhig sitzen. „Weiß ich doch, jetzt sei mal ruhig“, weist Sophie Ole ungeduldig zurecht. Frau Bunt zeigt Bilder aus der Kinderbibel. Sie erzählt, dass Maria tatsächlich schwanger geworden ist und sich dann, kurz vor der Geburt, auf eine ganz schön anstrengende Reise begeben musste, zusammen mit ihrem Verlobten. „Bevor du wieder dazwischen quakst: Ich weiß, dass das Josef ist und dass die zwei heiraten wollten!“, murmelt Sophie. Bastian und Sophie wechseln belustigte Blicke. Es ist aber auch zu komisch, wie Ole vor Aufregung immer hin- und herwackelt. „Gut fünf Tage mussten Maria und Josef zu Fuß zurücklegen. Denn damals gab es eine Volkszählung und alle Menschen sollten an den Ort zurückkehren, von dem sie gekommen waren“, erzählt Frau Bunt. Sophie stupst Bastian in die Seite: „Zum Glück gibt es das heute nicht – du wärst ganz schön lange unterwegs, bis du zu Fuß in Dubai wärst!“ Bastian schnaubt nur. Pastorin Bunt zeigt ein gemaltes Bild von einem kleinen Dorf. Eine lange Dorfstraße ist zu sehen, die Nacht bricht schon herein, die ersten Sterne funkeln über den Häusern, aber alle Türen sind verschlossen, alle Fenster

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