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Christina Herr Die Strandspürnasen | Auf der Jagd nach dem geheimnisvollen Feind
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Christina Herr
Die Strandspürnasen
Band 3
Auf der Jagd nach der geheimnisvollen Feind
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Die Bibelstellen sind der Übersetzung Hoffnung für alle® entnommen, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.®. Verwendet mit freundlicher Genehmigung von ’fontis - Brunnen Basel. Alle weiteren Rechte weltweit vorbehalten. Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abruf bar. © 2020 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.grafikbuero-sonnhueter.de, unter Verwendung einer Illustration von Joy Katzmarzik Illustrationen: Joy Katzmarzik, www.leap4joy.de Lektorat: Anja Lerz, Duisburg DTP: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Verwendete Schriften: Dante MT, Supernett Gesamtherstellung: GGP Media GmbH, Pößneck Printed in Germany ISBN 978-3-7615-6714-2 (Buch) ISBN 978-3-7615-6715-9 (Hörbuch) www.neukirchener-verlage.de/hoerbuchstrandspuernasen www.neukirchener-verlage.de
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Für Daniel, meinen allerbesten Freund. Mit dir habe ich es gut!
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Nick Winter
Ältestes der W inter-Kinder, sp ortlicher Ermittler mit ei ner Vorliebe fü rs Kochen. Hat einen feinen Spürsinn und is t sehr geschickt in der rasanten Verfolgung von Verdächtigen.
Leni Winter
ter, tierlieber Nicks jüngere Schwes Wirbelwind. leicht durchschauen Kann Menschen meist rteidigungskünsten und sorgt mit ihren Ve i Einsätzen. für die Sicherheit be
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meister Albert »Einstein« Stein
und, der Lenis und Nicks neuer Fre dspürnasen. »kluge Kopf« der Stran chnellen Verfügt über einen blitzs vere Idee cle e ein Durchblick, hat immer ge Kolle n mit der parat und stattet seine Ausrüstung aus. passenden technischen
Charlie Schlappohr Felliger Freund und jüngstes Mitglied der Strandspürnasen. Der Beagle mit der tierisch guten Spürnase ist zwar eine ausgezeichnete Wache bei Einsätzen, leider aber auch allzu leicht mit Leckerlis zu bestechen.
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Endlich! BESSER MIT DIR
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Albert!« Schwungvoll öffnet Leni die schwere Haustür der Zeevilla. »Einstein!« Ihr Bruder Nick tritt breit grinsend auf den sommersprossigen Jungen zu, der vor dem Eingang steht. »Wie cool, dass du endlich da bist!« Auch Leni strahlt über das ganze Gesicht. »Ja! Endlich! Ich hab dich so vermisst!« Sie umarmt ihren Freund stürmisch und drückt ihn fest an sich. Mit roten Wangen befreit sich Albert Steinmeister aus Lenis Umarmung. »Ich bin ebenfalls hoch erfreut, euch zu sehen. Auf diesen Moment habe ich in der Tat lange gewartet. Bereits vor zwei Wochen habe ich begonnen, die Stunden bis zu den Herbstferien zu zählen – alle 336 Stunden, um genau zu sein.« »Ach, Albert«, Leni lächelt ihren Freund selig an, »du bist noch immer der Alte.« »Der gute alte Einstein«, fügt Nick hinzu. »So schlau wie eh und je. Und damit du und deine schwer arbeitenden 9
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Hirnzellen auch mit ausreichend Energie versorgt werden, habe ich extra Pfannkuchen für uns gebacken. Als zweites Frühstück sozusagen. Also, nichts wie rein mit dir!« Alberts Augen fangen an zu leuchten, und aus seinem Bauch ertönt ein eindeutiges Knurren. »Großartig«, meint er, »da sagen meine Hirnzellen und mein Magen selbstverständlich nicht Nein.« »Wuff, wu-uff!«, ertönt es da plötzlich aus der Eingangshalle. Ein kleiner Hund kommt schwanzwedelnd angerannt und begrüßt Albert stürmisch. »Charlie Schlappohr!« Liebevoll streichelt Albert das glänzende Fell des Beagles. »Du hast mir gefehlt, du kleine, feine Spürnase.« Fröhlich springt Charlie an Albert hoch, leckt begeistert dessen Hände ab, dreht sich dann mehrmals freudig im Kreis – und lässt anschließend vor lauter Aufregung einen deftigen Pups fahren. »Charlie ist auch immer noch der Alte«, sagt Albert grinsend und hält sich die Nase zu. Nick verdreht die Augen. »Wem sagst du das?« Schnell begeben sich die drei Kinder in die geräumige Küche der Zeevilla, um Charlies Duftwolke zu entkommen. Auf dem Küchentisch erwartet sie bereits ein Berg köstlich duftender, dampfender Pfannkuchen. Albert schiebt sich ein riesiges Stück in den Mund und seufzt zufrieden. »Es ist wahrhaftig wunderbar, bei euch 10
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zu sein. So komme ich endlich wieder in den Genuss von Nicks Kochkünsten.« »Und wir kommen endlich wieder in den Genuss deiner Gesellschaft«, sagt Leni mit vollem Mund und tätschelt Alberts Arm. Seit über zwei Monaten haben sich die Strandspürnasen nicht gesehen. Obwohl sie sich Text- und Sprachnachrichten mit ihren Handys geschickt haben, hat besonders Leni ihren Freund schrecklich vermisst. Im Gegensatz zu ihren Brüdern Nick und Tim hat Leni nämlich noch keine neuen Freunde gefunden. Ganz zu schweigen von einer neuen besten Freundin, nach der sie sich so sehr sehnt. Die Mädchen in ihrer neuen Schule in Elkmaar sind zwar allesamt nett, haben aber bislang kein richtiges Interesse an Leni gezeigt. Die niederländische Sprache beherrscht Leni wie ihre Brüder mittlerweile recht gut. An Verständigungsschwierigkeiten 11
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dürfte eine neue Freundschaft also nicht scheitern. Trotzdem: Ihre Suche nach einer echten, neuen Freundin war bisher erfolglos. Daher ist Leni nun umso froher, dass ihr »alter« Freund Albert seine Herbstferien in Strandvoort verbringen wird. Und dass Albert, Nick, Charlie und sie wieder ganz viel Zeit zusammen verbringen werden. »Wie schön, dass du hier bist«, sagt sie an Albert gewandt. »Es ist echt besser mit dir hier.« »Da hat Leni ausnahmsweise mal recht«, stimmt Nick seiner Schwester zu. »Und die Herbstferien werden mit dir zusammen sicher total cool. Wir können zusammen abhängen, Musik hören, Fußball spielen und ...« Albert verzieht das Gesicht. »Fußball spielen? Muss das unbedingt sein? Meine Begeisterung für dieses Ballspiel hält sich immer noch gewaltig in Grenzen.« »Na, dann chillen wir eben gewaltig.« Nick zuckt die Schultern und versucht, die leichte Enttäuschung mit einer lässigen Miene zu überspielen. »Wer weiß, ob wir wirklich so viel zum Chillen kommen«, wirft Leni ein, »vielleicht müssen wir ja wieder einen Fall lösen.« Grinsend befördert sie einen weiteren Pfannkuchen auf ihren Teller. »Gegen ein neues Abenteuer hätte ich nichts einzuwenden.« »Wuff«, macht Charlie zustimmend. »Ich auch nicht«, meint Nick, »aber was soll denn bitte schön in Strandvoort schon Aufregendes passieren – jetzt, 12
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im Herbst?« Er schüttelt den Kopf, beißt herzhaft in seinen vierten Pfannkuchen und sagt schmatzend: »Das werden sicher total tiefenentspannte Herbstferien.« Ganz so tiefenentspannt beginnen die Ferien dann aber nicht. Die Zeevilla, die Papa Clemens und Onkel Jo in den letzten Wochen fleißig renoviert haben, beherbergt nämlich seit Kurzem etliche Pensionsgäste. Und so gibt es jede Menge zu tun – für Papa Clemens und Mama Viktoria Winter, für die Haushälterin Grietje und leider auch für Nick und Leni. Ihre Aufgabe besteht darin, die Koffer und Taschen der Gäste auf deren Zimmer zu bringen, währenddessen möglichst freundlich zu lächeln und Fragen rund um den Badeort Strandvoort und die Umgebung zu beantworten. Schließlich wohnen die Winters nun schon seit dem Sommer in Holland, und besonders die Kinder kennen sich mittlerweile bestens in der Gegend aus. Auch Albert ist gut beschäftigt. Allerdings nicht in der Zeevilla, sondern in der Ferienwohnung, die seinen Eltern gehört und die er diesmal mit seiner Mutter bewohnt. Da Alberts Eltern sich vor einiger Zeit getrennt haben, verbringt er seine Urlaube immer abwechselnd mit dem Vater und der Mutter in ihrem Strandvoorter Feriendomizil. Und seine Mutter Meike Steinmeister ist alles andere als tiefenentspannt. Sie möchte ihre Urlaube immer möglichst effektiv nutzen, indem sie ihren Körper und die Wohnung 13
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auf Vordermann bringt – was stundenlanges Sporteln und Putzen bedeutet. Sie möchte die Zeit zum Lesen, Spazierengehen, Shoppen und Besichtigen nutzen. Und vor allen Dingen möchte sie viel Zeit mit ihrem Sohn verbringen. »Qualitätszeit nennt sie das«, sagt Albert, als die drei Freunde am Nachmittag in Nicks Zimmer sitzen. Alberts Stimme klingt ein wenig bedrückt. »Außerdem musste ich eben alle Schränke auswischen, bevor ich meine Kleidungsstücke eingeräumt habe. Das Bad musste ich ebenfalls putzen. Die Reinigungskraft hatte das anscheinend nicht gründlich genug gemacht.« Er stößt einen Seufzer aus. »Heute Abend möchte meine Mutter mit mir in aller Ruhe essen. Und beim Kochen soll ich ihr natürlich helfen.« »Wenigstens haben wir den Nachmittag für uns«, entgegnet Leni bemüht fröhlich. »Die meisten Gäste sind jetzt angekommen und um die restlichen Leute wollen sich Papa und Grietje kümmern. Aber sag mal«, sie wendet sich an Albert, »warum ist deine Mama denn so komisch drauf? Konnte sie das Badezimmer nicht selbst putzen, wenn es ihr nicht sauber genug war?« »Ja, genau, Mann«, stimmt Nick zu. »Du bist ja nicht ihr Diener oder so.« Wieder seufzt Albert. »Nun, meine Mutter bezeichnet sich als Feministin. Ihr ist es …« »Häh?«, unterbricht ihn Nick. »Was soll denn das sein? Eine faire Ministerin?« 14
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»Ihr ist es äußerst wichtig«, fährt Albert unbeirrt fort, »dass Frauen und Männer beziehungsweise Mädchen und Jungen gleich behandelt werden, dass sie in allen Dingen gleichberechtigt sind. Das gilt auch für die Hausarbeit. Nur weil ich ein Junge bin, heißt das also nicht, dass ich nicht im gleichen Maße wie meine Mutter im Haushalt mithelfen muss.« Er schaut seinen Freund an. »Ich denke, das erklärt ein wenig, was eine Feministin ist, oder?!« »Hm«, macht Nick nur, und seine Schwester sagt entschieden: »Also, wenn das so ist, bin ich auch eine Feministin! Ich finde, jeder sollte mitmachen im Haushalt – egal ob Junge oder Mädchen, Mann oder Frau.« Sie boxt Nick spielerisch auf den Arm. »Hörst du, lieber Bruder?!« »Ist klar, liebe Schwester.« Er reibt sich den schmerzenden Arm. »Trotzdem finde ich Alberts Mutter etwas zu extrem. Feministin zu sein, ist ja schön und gut – aber auf mich wirkt sie eher wie eine Terroristin.« »In Strandvoort gibt es ganz, ganz viele Terroristen!«, kräht Tim, der soeben ins Zimmer geplatzt ist und Nicks letzte Worte gehört hat. Stolz fügt er hinzu. »Ich weiß das. Weil Grietje hat eben gesagt, sogar im Herbst wimmeln hier lauter Terroristen.« Nick blickt seinen kleinen Bruder streng an. »Tim! Erstens sollst du nicht ohne anzuklopfen in mein Zimmer kommen, zweitens gibt es in Strandvoort keine Terroristen und drittens wimmelt hier auch niemand.« 15
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Tim zieht einen Schmollmund. »Aber du hast doch gesagt …« »Ich meinte was ganz anderes. Und das geht dich gar nichts an«, blafft Nick. »Du hast deinen Bruder in der Tat falsch verstanden, Tim«, sagt Albert freundlich. »Du meintest wahrscheinlich, dass es selbst im Herbst hier vor lauter Touristen wimmelt, nicht wahr?!« »Ja, das meinte ich«, erwidert Tim. »Und mir ist ganz, ganz langweilig. Ich will jetzt mal endlich bei euch mitmachen.« Leni schüttelt energisch ihren Kopf. »Nix da! Wir wollen die nächsten Stunden ganz entspannt mit Albert genießen – und zwar ohne dich.« Tims Schmollmund weicht einer wütenden Grimasse. »Das werdet ihr noch betreuen!«, schimpft er, rennt aus dem Raum und schlägt die Tür mit einem lauten Knall hinter sich zu. »Betreuen …« Leni kichert. »Wen von euch Terroristen soll ich denn nun betreuen?« »Tim und seine Versprecher!« Nick muss ebenfalls lachen. »Am besten betreust du uns beide, Leni. Sonst wirst du’s noch bereuen, einen von uns vernachlässigt zu haben.« Albert schmunzelt still vor sich hin. Nach einer kurzen Pause sagt er: »Was haltet ihr davon, ein Gesellschaftsspiel zu spielen? Von meinem Taschengeld habe ich mir kürzlich 16
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Scotland Yard gekauft. Ist euch dieses Brettspiel bekannt? Ich müsste es allerdings noch rasch aus unserer Ferienwohnung holen.« »Dieses Brettspiel ist uns total bekannt«, antwortet Nick. Leni setzt hinzu: »Ich halte sehr viel davon. Albert, du bist unser Mister X. Wie wäre es, wenn wir zum Spielen in unsere Strandhütte gehen? Da haben wir mehr Ruhe. Charlie könnten wir auch mitnehmen.« Die Jungen erklären sich einverstanden. Und so macht sich Albert auf den Weg zur Ferienwohnung, um das Brettspiel zu holen – in der Hoffnung, dass Meike Steinmeister ihn nicht mit einer weiteren Aufgabe oder Pflicht betraut. Leni und Nick bereiten derweil einen kleinen Snack zum Mitnehmen zu – in der Hoffnung, dass Tim sie dabei nicht entdeckt und wieder mitmachen will. Doch Tim Winter hat mittlerweile andere Pläne. »Papa geht mit mir Pommes und Eis essen«, verkündet er stolz, als er seinen Geschwistern in der Eingangshalle begegnet. »Ich darf ganz viele Pommes und ganz viel Eis essen, damit mir nicht mehr so langweilig ist.« »Na, dann triffst du bestimmt ganz viele Terroristen in Strandvoort beim Essen«, meint Nick grinsend. Leni hebt warnend ihren Zeigefinger. »Pass nur auf, dass du das viele Essen hinterher nicht bereust, Timmy. Denk an deinen empfindlichen Magen. Nicht, dass du wieder brechen musst.« 17
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Ein falscher Ferrari
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KOMMT SCHON GUT
achdem die Strandspürnasen eine Runde Scotland Yard gespielt und Albert als Mister X natürlich nicht erwischt haben, sitzen sie nun wieder in der Villaküche. Vor jedem von ihnen steht ein großes Glas mit Grietjes berühmter Zitronenlimonade. Genüsslich nimmt Albert einen Schluck. »Was habe ich dieses köstliche Getränk vermisst. Ihr könnt euch in der Tat glücklich schätzen, Grietje als Haushälterin zu haben.« Leni nickt zustimmend und schlürft an ihrer Limonade. »Ich schätze mich allerdings nicht so glücklich, dich als Spielgegner zu haben.« Nick wirft seinem Freund einen vorwurfsvollen Blick zu. »Immer gewinnst du. Bei allen Spielen.« »Das ist nicht korrekt«, erwidert Albert lächelnd. »Ich gehe nicht als Gewinner bei allen Spielen hervor. Beim Fußball beispielsweise habe ich keine Chance gegen dich. Außerdem«, er rückt die Brille auf seiner Nase zurecht, »können wir als Detektive unsere Strategie bei der Ver18
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brecherjagd verbessern, wenn wir zukünftig öfter Scotland Yard spielen. Und unsere detektivische Zusammenarbeit kann optimiert werden – schließlich geht es bei diesem Spiel darum, dem flüchtigen Mister X gemeinsam auf die Schliche zu kommen. Für unseren nächsten Fall könnte das ungemein hilfreich sein.« Nick zieht die Augenbrauen hoch. »Welchen nächsten Fall? Ich hab doch schon gesagt, hier in Strandvoort passiert so bald nichts Aufregendes. Und ein Verbrechen schon mal gar nicht.« Er fährt sich über seine raspelkurzen Haare. »Also, ich hab mir fest vorgenommen, in den Ferien ordentlich zu chillen.« Im nächsten Augenblick betreten Tim und Papa Clemens die Küche. Beide sehen satt und zufrieden aus. Tims Gesicht ist mit Schokoladeneis und Ketchup-Resten verschmiert. Auf Papas Pullover prangt ein riesiger Mayonnaise-Fleck. »Na, dann viel Erfolg beim Chillen, Nick«, murmelt Leni mit Blick auf ihren kleinen Bruder. »Ob unsere kleine Nervensäge uns in aller Ruhe entspannen lässt …« Tatsächlich setzt Tim sofort zu einem munteren Geplapper an. »Trinkt ihr da Limo? Ich will bitte gefälligst auch was haben. Aber zuerst muss ich euch noch erzählen, dass ich und Papa einen ganz tollen Essensausflug gemacht haben. Und ihr nicht! Ich durfte mir nämlich vier Kugeln Eis aussuchen und da habe ich Schokoeis genommen. Vier Kugeln! Und danach waren wir bei der neuen Pommesbude und …« 19
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»Ihr habt das Eis nicht als Nachtisch gegessen?«, unterbricht Leni ihren kleinen Bruder. Tim schüttelt den Kopf. »Nein, nein, wir haben heute alles andersrum gemacht. Und außerdem sollst du mich nicht unterbrechen. Also, wir waren bei der Pommesbude. Die gehört jetzt einem neuen Mann und der ist ganz, ganz lieb. Der hat uns zuerst den Ketchup und die Mayo in die Schalen getan und dann erst die Pommes. Also ganz andersrum. Und zum Schluss war der sogar noch lieber und hat uns ein Ferrari geschenkt.« »Wie bitte?« Nick fällt die Kinnlade herunter. »Du hast einen Ferrari geschenkt bekommen? Einen echten, roten Ferrari?« Papa Clemens kann sich ein Grinsen nicht verkneifen, während er seinem jüngsten Sohn ein Glas Limonade einschenkt. »Ja-a«, sagt Tim stolz. »Einen echten Ferrari. Aber der war gar nicht rot, sondern braun und hat ganz lecker geschmeckt.« »Häh? Ich verstehe kein Wort.« In Nicks Gesicht stehen mehrere Fragezeichen. »Seit wann kann man Ferraris essen?«, will Leni wissen. Tim zuckt die Schultern. »Seit immer. Übrigens habe ich ganz schön viele Terroristen gesehen. Und die haben auch was von den Ferraris gegessen.« Clemens Winter verschluckt sich an seiner Limonade 20
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und prustet vor Lachen los. »Timmy, ich glaube, du bringst da etwas durcheinander.« »Das denke ich ebenfalls«, schaltet sich Albert ein. »Könnte es möglicherweise sein, dass du eine kugelförmige Praline mit Nussfüllung geschenkt bekommen und gegessen hast?« »Na, klar.« Wieder zuckt Tim seine Schultern. »Kennt ihr sowas denn nicht?« »Und könnte es sein«, fährt Albert fort, »dass diese leckere Praline den Namen Ferrero trägt?« Tim sieht Albert unschuldig an. »Könnte sein. Warum?« »Mensch, Tim«, antwortet Leni an Alberts Stelle, »weil du ständig irgendwelche Wörter verwechselst!« »Und ich hatte mich schon gefreut, dass in Strandvoort Ferraris verschenkt werden …« Nick nuckelt stirnrunzelnd an seinem Strohhalm und nuschelt: »Obwohl das echt voll unrealistisch gewesen wäre.« Albert nickt. »In der Tat. Durchaus unrealistisch.« Er wendet sich an Tim. »Weißt du, bei einem Ferrari handelt es sich um ein Automobil. Um ein äußerst wertvolles Modell einer italienischen Luxusmarke, das oftmals rot lackiert ist.« Er zieht sein Handy aus der Hosentasche, tippt mit flinken Fingern darauf herum und hält es Tim vor die Nase. »Siehst du? Das ist ein Ferrari.« »Der ist ja schön«, sagt Tim ehrfurchtsvoll. Seine Augen werden immer größer, je genauer er sich das imposante 21
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Fahrzeug anschaut. Aber mit einem Mal nimmt seine Gesichtsfarbe einen seltsamen Grünton an, und er presst eine Hand auf den Bauch. »Timmy? Alles in Ordnung?«, fragt Papa Clemens besorgt. »Ja. Warum?« Tim gibt Albert das Mobiltelefon zurück, leert sein Limonadenglas mit schnellen Schlucken, erhebt sich von seinem Stuhl und – übergibt sich mit einem großen Schwall auf den Küchenfußboden. »Was ist denn hier los?« Mama Viktoria schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, als sie in die Küche kommt. Im Flur sind ihr Leni, Nick, Albert und Papa Clemens bereits entgegengetaumelt – alle vier ziemlich blass um die Nase. Clemens hat seine Hand vor den Mund gehalten und würgende Geräusche von sich gegeben. In der Küche findet Viktoria Winter einen elend aussehenden Tim vor, der 22
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mit hängenden Schultern auf eine große Pfütze am Boden starrt. Charlie sitzt daneben und versucht vergnügt, die Pfütze aufzuschlecken. »Pfui, Charlie!« Rasch schiebt Mama den Hund zur Seite. »Das ist doch Tims Erbrochenes, das sollst du nicht fressen!« Sie rümpft die Nase. »Warum nicht?«, fragt Tim unschuldig. »Charlie will nur helfen, die Küche sauber zu machen. Er will mir helfen, weil er ist mein Freund. Mein allergutester Freund.« Mama seufzt. »Er ist aber keine Hilfe, wenn er selbst gleich brechen muss«, sagt sie und wischt ihrem Jüngsten mit einem feuchten Lappen über das Gesicht. »So, du legst dich erstmal ins Bett und ruhst dich aus. Und das Abendessen ist für heute gestrichen. Für dich zumindest. Okay?« »Na gut. Mein Bauch tut sowieso ganz doll weh«, sagt er weinerlich. »Bestimmt habe ich zu viele Ferraris gegessen.« Mama Viktoria ignoriert Tims Versprecher und versichert ihm, dass es ihm bald besser gehen werde. Außerdem werde sie die Großen zum Supermarkt schicken, um Medikamente gegen Übelkeit und Bauchschmerzen zu kaufen. »Aber mir geht’s ganz, ganz schlecht. Würglich.« Über Tims Wange läuft eine Träne. »Vielleicht werde ich nie mehr gesund.« »Ach was, Süßer!« Liebevoll streicht Mama ihm über den Kopf. »Alles wird gut! Wahrscheinlich habt ihr – Papa und du – nur etwas Falsches gegessen. Oder zu viel.« 23
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»Wahrscheinlich liegt’s an dem falschen Ferrari«, meint Nick, der unbemerkt die Küche betreten hat. Sein Mund verzieht sich zu einem breiten Grinsen. »Beim nächsten Mal überlässt du die Ferraris am besten mir.« Dann wendet er sich wieder zum Gehen. »Ich sage den anderen Bescheid, dass wir zum Supermarkt gehen sollen. Und Tim«, er lächelt seinen Bruder an, »Mama hat recht: Es kommt schon wieder gut!« Wieso sollte das auch nicht so sein?, denkt Nick. So eine harmlose Magenverstimmung ist schließlich nichts Schlimmes. Oder?
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Zwei Ausrutscher und eine Frage IST DA JEMAND?
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lbert wirft einen besorgten Blick auf die Zeitanzeige seines Handys. »Wir sollten uns sputen. In einer halben Stunde muss ich zu Hause sein. Dann möchte Meike mit dem Kochen beginnen.« »Meike?« Leni kratzt sich am Kinn. »Meine Mutter. Sie möchte, dass ich sie mit dem Vornamen anrede.« Albert holt tief Luft. »Also, lasst uns bitte einen Gang zulegen.« »Ach so.« Leni gibt ihrem Freund einen Klaps auf die Schulter und beschleunigt ihre Schritte. »So, ich habe jetzt in den dritten Gang geschaltet.« Nick verfällt ebenfalls in einen leichten Trab. »Wir wollen ja nicht, dass du Meike warten lässt.« Als die Kinder den kleinen Strandvoorter Supermarkt betreten, schlägt ihnen der unangenehme Geruch nach faulen Eiern entgegen. »Igitt, was riecht denn hier so eklig?«, stöhnt Nick. Bevor Albert antworten kann, geraten seine Füße ins 25
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Schlingern und er fängt an, wild mit den Armen durch die Luft rudern. Verzweifelt versucht er, das Gleichgewicht zu halten und nicht zu Boden zu plumpsen. Dort befindet sich nämlich der Grund für den fürchterlichen Gestank und für Alberts Ausrutscher – eine undefinierbare, feucht-klebrige Masse. »Bah! Da hat jemand hingekotzt!«, ruft Nick entrüstet und beginnt zu würgen. Geistesgewärtig packt Leni ihren Freund unter den Achseln und zieht ihn zu sich heran, heraus aus der stinkenden Pfütze. »Danke«, ächzt Albert. Er sieht in Richtung der Verkaufstheke, hinter der Henk Vermeulen, der brummige Supermarktbesitzer, steht und zwei Kunden bedient. Sein Gesicht ist mit roten Flecken bedeckt, auf seiner Stirn stehen Schweißperlen und seine Stimme klingt unfreundlich wie eh und je. »Herr Vermeulen scheint ein wenig überfordert zu sein«, meint Albert. »Sonst hätte er dieses übelriechende Etwas sicher längst beseitigt.« Vorsichtig streift er seine verschmutzten Schuhe ab, befördert sie mit spitzen Fingern vor den Eingang und geht auf Socken zur Theke. Leni und Nick folgen ihm widerwillig. Lieber hätten sie diesen müffelnden Ladenraum und dessen maulenden Besitzer im Handumdrehen wieder verlassen. Umso erstaunter sind sie, als sich der sonst so griesgrämige Verkäufer bei ihnen für den Pfützen-Vorfall entschul26
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digt. Er erklärt, der Großteil seiner heutigen Kundschaft hätte nach Mitteln gegen Magenbeschwerden gefragt und drei Kunden hätten sich sogar in seinem Geschäft übergeben müssen. Bei der Hektik sei er noch nicht dazu gekommen, das letzte Schlamassel zu entfernen. Ab morgen werde ihn allerdings eine neue Mitarbeiterin unterstützen. Henk Vermeulen deutet auf das Foto einer jungen Frau, unter dem geschrieben steht: »Mijn naam is Roos. Ik ben hier nieuw. – Ich heiße Roos. Ich bin neu hier.« »Wie schön für Sie, meneer Vermeulen«, sagt Leni höflich. »Dann müssen Sie all die Arbeit hier bald nicht mehr alleine machen.« »Das bedeutet aber niet, dass ich euch kinderen bald besser leiden kann«, sagt der Supermarktbesitzer patzig und verfällt wieder in seine gewohnte Unfreundlichkeit. »Also«, knurrt er, »was wollt ihr?« Mit einer Jutetasche voller guter Mittelchen gegen Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall und Erbrechen machen sich die Strandspürnasen schließlich auf den Rückweg zur Zeevilla. Kurz vor ihrem Ziel verabschieden sich Leni und Nick von Albert. »Viel Spaß beim Kochen, Einstein. Das schaffst du schon!« Nick versetzt Albert einen freundschaftlichen Schlag auf die Schulter. »Achte bloß darauf, dass du nichts Falsches isst. Sonst erwischt es dich auch noch mit der Kotzeritis.« Leni umarmt ihren Freund. »Bis morgen, Albert. Und 27
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die Kotzeritis wünsche ich dir wirklich auch nicht. Lass dir dein Abendessen lieber so richtig gut schmecken, ja?!« »Das werde ich auf jeden Fall. Trotzdem wundere ich mich über diese gehäuften Vorfälle der Magenverstimmungen. Findet ihr dies nicht ebenfalls merkwürdig?« Merkwürdig, denkt Leni. Sie legt ihr Buch zur Seite und geht in ihrem Zimmer auf und ab. Warum nur habe ich das Gefühl, als würde mir irgendwas fehlen? Als würde ich irgendjemanden vermissen? Albert ist doch wieder da, und wir Strandspürnasen sind endlich wieder zusammen. Sie bleibt stehen und hockt sich neben Charlie, der friedlich auf einer Kuscheldecke liegt und schnarcht. Und Charlie ist auch da, sagt sie sich. Trotzdem: Etwas fehlt noch. Oder jemand? Ihr Blick fällt auf die Zimmertür. Seitdem Papa die Tür mit Tafelfarbe angestrichen hat, verziert Leni sie ständig mit allen möglichen Zeichnungen, Kritzeleien und schönen Sprüchen. Erst neulich hat sie zwei Sprüche darauf geschrieben, die sie in einer Zeitschrift entdeckt hat. Über einen davon muss sie jedes Mal grinsen, wenn sie ihn liest: »Freundschaft ist, wenn man nicht extra aufräumt, wenn der andere zu Besuch kommt.« Im Grunde genommen räumt Leni ihr Zimmer nie auf. Aber bei einem Freund wie Albert schämt sie sich auch nicht für ihre Unordnung. Und Albert stört sich seinerseits kein bisschen an Lenis Chaos. Albert ist ein echter Freund. 28
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Auch der zweite Spruch trifft auf ihre Freundschaft mit Albert zu: »Und plötzlich ist da jemand, der kippt einfach ein paar Eimer Farbe in dein Leben und macht deine Welt wieder bunt.« Es stimmt – Albert bringt tatsächlich Farbe in Lenis und Nicks Leben. Die Sache ist nur, dass Albert zwar jetzt da ist, in weniger als zwei Wochen jedoch abreisen wird. Und dann steht Leni wieder ohne einen Freund da. »Oh, Charlie«, flüstert sie dem kleinen Hund in sein langes Schlappohr, »ich wünsche mir wirklich noch einen Freund oder eine Freundin. Eine richtig gute Freundin, die immer da ist. Und mit der ich das Leben gemeinsam bunt machen kann.« Doch der Beagle setzt ungerührt seinen Schlaf – und sein Geschnarche – fort. Leni stößt einen tiefen Seufzer aus, richtet ihre Augen zur Zimmerdecke und beginnt erneut zu flüstern: »Lieber Papa im Himmel, du hast sicher gehört, was ich zu Charlie gesagt habe, stimmt’s?! Vielleicht kannst du mir diesen Wunsch ja erfüllen? Oder denkst du, ich komme auch allein zurecht, wenn Albert wieder weg ist? Aber vielleicht ist da doch jemand, der meine neue Freundin werden könnte? Das wäre so, so schön.« Am nächsten Morgen scheint die Sonne, der Himmel ist nahezu wolkenlos und das Thermometer zeigt milde siebzehn Grad an. »In den kommenden Tagen soll das Wetter noch einmal richtig sommerlich werden«, verkündet Albert, der direkt 29
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nach dem Frühstück zur Zeevilla gekommen ist. Glücklicherweise möchte Meike den heutigen Tag mit Lesen verbringen. Und so hat er ausreichend Zeit für seine Freunde. »Ich habe mehrere Wettervorhersagen online überprüft und verglichen. Das Ergebnis ist in der Tat positiv. Heute soll es zweiundzwanzig Grad warm werden.« »Cool!« Nick klatscht in die Hände. »Dann können wir den ganzen Tag Fahrrad fahren. Ich hab echt Bock auf eine super lange Fahrradtour. Was sagt ihr dazu?« »Ich sage: Du spinnst wohl!« Leni schüttelt ungläubig den Kopf. »Dass du es mit dem Sport immer so übertreiben musst! Das nervt total. Außerdem dachte ich, du wolltest chillen. Du bist echt …« »Und ich sage«, unterbricht Albert Lenis Schimpftirade, »dass die Idee prinzipiell nicht schlecht ist. Dieses angenehme Wetter bietet sich tatsächlich zum Fahrradfahren an.« Er wendet sich an Nick. »Allerdings solltest du eine kurze Strecke in Erwägung ziehen. Eine Strecke, die Leni und ich bewältigen können, ohne vor Erschöpfung vom Sattel zu fallen.« Nick ignoriert seine Schwester. »Okay, auf eine kürzere Tour könnte ich mich in der Tat einlassen. Hauptsache, wir bewegen uns irgendwie. Und irgendwohin.« »Und Hauptsache, wir spielen heute Abend noch eine Runde Scotland Yard«, wirft Leni ein. »Ich möchte meine detektivischen Fähigkeiten unbedingt trainieren.« 30
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