Skip to main content

156553

Page 1

Leseprobe

STEPHAN GOLDSCHMIDT

Denn du bist unser Gott Gebete, Texte und Impulse für die Gottesdienste des Kirchenjahres

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 3

20.08.19 12:07


Leseprobe

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http:// dnb.d-nb.de abrufbar. Die Texte für die Wochensprüche wurden entnommen aus: Lutherbibel, revidiert 2017, © 2016, Deutsche Bibelgesellschaft Stuttgart.

2. Auflage 2019 © 2018 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Lektorat: Ekkehard Starke Layout und DTP: Magdalene Krumbeck, Wuppertal Verwendete Schriften: Arno Pro, Info Gesamtherstellung: cpi books, Ebner & Spiegel, Ulm Printed in Germany ISBN 978-3-7615-6553-7 www.neukirchener-verlage.de

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 4

20.08.19 12:07


Leseprobe

Inhalt Vorwort

9

1. Advent

15

2. Advent

20

3. Advent

24

4. Advent

28

Christvesper

32

Christnacht

37

1. Weihnachtsfeiertag

43

2. Weihnachtsfeiertag

47

1. Sonntag nach Weihnachten

51

Altjahresabend

55

Neujahr – 1. Januar

61

2. Sonntag nach Weihnachten

67

Epiphanias – 6. Januar

71

1. Sonntag nach Epiphanias

75

2. Sonntag nach Epiphanias

79

3. Sonntag nach Epiphanias

83

Letzter Sonntag nach Epiphanias

87

5. Sonntag vor der Passionszeit

91

4. Sonntag vor der Passionszeit

95

3. Sonntag vor der Passionszeit – Septuagesimae

99

2. Sonntag vor der Passionszeit – Sexagesimae

103

Sonntag vor der Passionszeit – Estomihi

107

1. Sonntag der Passionszeit – Invokavit

111

2. Sonntag der Passionszeit – Reminiszere

116

5

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 5

20.08.19 12:07


Leseprobe

3. Sonntag der Passionszeit – Okuli

120

4. Sonntag der Passionszeit – Lätare

125

5. Sonntag der Passionszeit – Judika

130

6. Sonntag der Passionszeit – Palmsonntag

136

Tag der Einsetzung des heiligen Abendmahles – Gründonnerstag

142

Tag der Kreuzigung des Herrn – Karfreitag

147

Tag der Auferstehung des Herrn – Ostersonntag

152

Ostermontag

156

1. Sonntag nach Ostern – Quasimodogeniti

162

2. Sonntag nach Ostern – Miserikordias Domini

167

3. Sonntag nach Ostern – Jubilate

172

4. Sonntag nach Ostern – Kantate

176

5. Sonntag nach Ostern – Rogate

180

Christi Himmelfahrt

185

6. Sonntag nach Ostern – Exaudi

189

Tag der Ausgießung des Heiligen Geistes – Pfingstsonntag

193

Pfingstmontag

197

Tag der Heiligen Dreifaltigkeit – Trinitatis

201

1. Sonntag nach Trinitatis

206

2. Sonntag nach Trinitatis

210

3. Sonntag nach Trinitatis

214

4. Sonntag nach Trinitatis

219

5. Sonntag nach Trinitatis

224

6. Sonntag nach Trinitatis

229

7. Sonntag nach Trinitatis

233

8. Sonntag nach Trinitatis

237

9. Sonntag nach Trinitatis

242

10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag) – Kirche und Israel

247

6

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 6

20.08.19 12:07


Leseprobe

10. Sonntag nach Trinitatis (Israelsonntag) – Gedenktag der Zerstörung Jerusalems

251

11. Sonntag nach Trinitatis

257

12. Sonntag nach Trinitatis

261

13. Sonntag nach Trinitatis

265

14. Sonntag nach Trinitatis

269

15. Sonntag nach Trinitatis

273

16. Sonntag nach Trinitatis

278

17. Sonntag nach Trinitatis

283

18. Sonntag nach Trinitatis

287

Erster Sonntag im Oktober – Erntedankfest

291

19. Sonntag nach Trinitatis

297

20. Sonntag nach Trinitatis

302

21. Sonntag nach Trinitatis

307

31. Oktober – Gedenktag der Reformation (Reformationsfest)

311

22. Sonntag nach Trinitatis

315

23. Sonntag nach Trinitatis

319

24. Sonntag nach Trinitatis

324

Drittletzter Sonntag des Kirchenjahres

329

Vorletzter Sonntag des Kirchenjahres

333

Buß- und Bettag

338

Letzter Sonntag des Kirchenjahres – Ewigkeitssonntag

343

Letzter Sonntag des Kirchenjahres – Totensonntag

348

7

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 7

20.08.19 12:07


Leseprobe

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 8

20.08.19 12:07


Leseprobe

Vorwort Die Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder löst ab dem 1. Advent 2018 die bisherige Perikopenordnung ab. Sie wurde in den Jahren 2010 bis 2017 in einem aufwändigen und zugleich transparenten Verfahren von zwei Arbeitsgruppen erarbeitet. Immer wieder gab es für Interessierte die Möglichkeit, sich über den Revisionsprozess zu informieren und durch Rückmeldungen an ihm mitzuwirken. Ende 2017 wurden dann die kirchenleitenden Beschlüsse zur Einführung der neuen Ordnung gefasst. Sie wird ab dem Kirchenjahr 2018/2019 für den Gebrauch empfohlen. Vergleicht man die neue Ordnung mit der aus dem Jahr 1978, kann man im Wesentlichen von einer Weiterentwicklung sprechen. Das 6-jährige System der miteinander verschränkten Lese- und Predigt­ texte bleibt erhalten und auch der Zuschnitt des Kirchenjahres orientiert sich weitgehend an der bisherigen Ordnung, auch wenn es einige signifikante Änderungen gibt. Dennoch wird sich mit der neuen Ordnung manches ändern. Zu den größten Änderungen gehören viele neue Texte aus dem Alten Testament, die zu einem guten Teil aus bisher wenig berücksichtigten Gattungen stammen. Eine ganze Reihe weisheitlicher und poetischer Texte sind als neue Predigttexte vorgesehen. Neben der Erweiterung des Ensembles der Texte der Hebräischen Bibel auf ca. 33 % wird mit dem Durchmischen der Predigttext-Reihen ein unter der Pfarrerschaft häufig geäußertes Bedürfnis nach mehr Abwechslung in den Predigtjahrgängen verwirklicht. Von nun an folgt auf einen Predigttext aus den Evangelien am darauf folgenden Sonn- oder Feiertag ein Predigttext aus dem Bereich der Briefliteratur und dann einer aus dem AT. Deutlich spürbar sind auch die Änderungen bei den Wochenliedern. Gab es bisher an manchen Sonn- und Feiertagen ein Wochenlied und an manchen zwei, so werden mit der neuen Ordnung durchgängig zwei Lieder pro Proprium vorgeschlagen, die sich von ihrer Entstehungszeit, ihrem Charakter oder ihrem Genre 9

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 9

20.08.19 12:07


Leseprobe

in der Regel unterscheiden. Dennoch klingen sie mit den Texten der jeweiligen Sonn- und Feiertage im Sinne der Konsonanz zusammen und erweitern den Textraum zum Klangraum. Entstammten die meisten Wochenlieder bisher der Reformationszeit oder der Zeit des Konfessionalismus, bilden nun die Lieder aus dem 20. Jahrhundert die größte Gruppe. 32 Lieder gehen sogar über den Stammteil des Evangelischen Gesangbuches hinaus.* Insgesamt sind die Änderungen der neuen Ordnung so gravierend, dass von einem Tag auf den anderen das Evangelische Gottesdienstbuch und entsprechende Agenden veraltet sind. Auf den ersten Blick einleuchtend ist, dass die Angaben zum liturgischen Kalender überarbeitet werden müssen. Doch wer sich mit der neuen Ordnung intensiver beschäftig, wird feststellen, dass ihr solche kosmetischen Änderungen nicht gerecht werden. Die Wahl neuer Texte und Lieder hat den Charakter mancher Proprien so stark verändert, dass die in den Agenden gebotenen Gebete nicht mehr recht passen. Auch die Änderung im Kirchenjahr mit einer festen Epiphaniaszeit und einer flexiblen Vorfastenzeit beeinflusst die Gestalt der liturgischen Stücke dieser Sonntage. Dies gilt natürlich bei einem neu gestalteten Propium am 10. Sonntag nach Trinitatis in besonderer Weise. An diesem Sonntag stehen künftig zwei Proprien mit jeweils unterschiedlichem Charakter zur Auswahl (Kirche und Israel, bzw. Gedenktag der Zerstörung des Tempels). Hier stellt sich die Frage nach angemessenen Gebeten auf besonders dringliche Weise. Es ist meine große Hoffnung, dass viele derjenigen, die zu den Proprien im Kirchenjahr passende Gebete und Impulse suchen, in diesem Buch fündig werden. Über die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres (Teil 1 der Ordnung gottesdienstlicher Texte und Lieder) hinaus finden sich auch für das Erntedankfest und den Gedenktag der Reformation liturgische Texte, Liedvorschläge und Impulse. Sie sind quasi ins * Vgl. dazu die passende Begleitpublikation: Beate Besser/Stephan Goldschmidt (Hg.): Tastenbegleitheft für das Ergänzungsheft zum EG, München 2018. Ebenfalls im Strube-Verlag ist ein Bläserbegleitheft für die 32 Wochenlieder erschienen, die über den EG-Stammteil hinausgehen.

10

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 10

20.08.19 12:07


Leseprobe

Kirchenjahr eingereiht und finden sich nach dem 18., bzw. nach dem 21. Sonntag nach Trinitatis. Dieses Buch ist mit dem Ziel entstanden, Pfarrerinnen und Pfarrer, aber auch ehrenamtlich für den Gottesdienst Verantwortliche bei der wichtigen Arbeit der Gottesdienstvorbereitung zu unterstützen. Dazu stellt es die Änderungen der neuen Ordnung konkret für den jeweiligen Sonn- und Feiertag des Kirchenjahres dar. Wer nach Angaben zu Wochenspruch, Wochenpsalm und Lesungen sucht, wird hier fündig. Aber es werden auch Vorschläge zu passenden Liedern gemacht, stets beginnend mit den beiden Wochenliedern (W), dem Vorschlag für ein Eingangslied (E), weiteren Liedern und einem Schlusslied (S). Darüber hinaus werden für die Sonn- und Feiertage jeweils eine Meditation des Wochenpsalms, ein Eingangs- und Fürbittengebet und ein geistlicher Impuls zum Evangelium des Sonn- oder Feiertags geboten. An einigen Stellen gibt es auch weitere meditative Texte und Impulse. Gelegentlich werden neben den Lesungen nach der neuen Ordnung Alternativen genannt. Bei allen liturgischen Stücken, insbesondere bei den Gebeten habe ich mich um eine vertikale Blickrichtung bemüht. Werden diese im Gottesdienst gebetet, wenden sich die liturgisch Handelnden in ihrer Gebetshaltung im Namen der anwesenden Gemeinde an Gott. Das klingt eigentlich selbstverständlich. Wer jedoch Agenden, Vorbereitungsliteratur und Materialien genauer betrachtet, wird feststellen, dass sich erstaunlich viele Gebete nicht nur an Gott, sondern auch mehr oder weniger an die Gemeinde richten. Sie informieren, fordern zum Handeln auf oder sind eine Art Verkündigung in der Gattung des Gebetes. Die vorliegenden Gebete sind zu einem guten Teil Ergebnis meiner pastoralen und liturgischen Arbeit der vergangenen 20 Jahre. In dieser Zeit habe ich natürlich verschiedene Agenden oder auch Gebete aus der Vorbereitungsliteratur und anderen Materialsammlungen verwendet. Auf diese Weise habe ich mit der Zeit meine eigene Gebetssprache entwickelt. Dennoch können manche Gebete auf diese vorgegebenen 11

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 11

20.08.19 12:07


Leseprobe

Stücke zurückgehen, ohne dass dies heute noch rekonstruiert werden kann. Aber auch dort, wo liturgische Stücke auf Vorlagen zurückgehen mögen, wurden sie stets überarbeitet. Ich habe sie im Laufe der Jahre zum Teil persönlich so angeeignet, dass sie zu meinen eigenen Gebeten wurden. Ich hoffe, dass dieses Buch in vielen Gottesdiensten verwendet wird und einen Betrag zur Schönheit der Gottesdienste leistet. Für Anregungen und Korrekturen des Manuskriptes danke ich meiner langjährigen Mitarbeiterin Christine Griesbach. Hannover, im Juni 2018 Stephan Goldschmidt

12

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 12

20.08.19 12:07


Leseprobe

Gebete, Texte und Impulse für die Gottesdienste des Kirchenjahres

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 13

20.08.19 12:07


Leseprobe

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 14

20.08.19 12:07


Leseprobe

1. Advent WO C HE NS PR U C H Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. (Sacharja 9,9b)

WO C HE NPS AL M Psalm 24,1–10

LE S U N GEN Sacharja 9,9–10 Römer 13,8–12 Matthäus 21,1–11

LI E D VO R S C H L ÄGE W: Nun komm, der Heiden Heiland (EG 4) W: Wie soll ich dich empfangen (EG 11) E: Macht hoch die Tür, die Tor macht weit (EG 1) Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9) Tochter Zion, freue dich (EG 13) Jesus zieht in Jerusalem ein, Hosianna (EG 314,1–5) S: Komm, o mein Heiland Jesu Christ (EG 1,5)

15

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 15

20.08.19 12:07


Leseprobe

M E D I TATION Z U PS AL M 24 Macht die Tore weit und alle Türen in der Welt hoch, dass Gott wie ein König einziehe.

Warum sollen wir die Türen öffnen, damit Gott zu uns kommt wie ein König? Gehört ihm nicht schon die Erde, die er aus dem Chaos geschaffen hat? Und sind nicht alle Geschöpfe des Erdkreises das Werk seiner Hände? Macht die Tore weit und alle Türen in der Welt hoch, dass Gott wie ein König einziehe. Wer kann die Gegenwart Gottes ertragen, wenn er zu uns kommt, um bei uns zu wohnen? Wer für Gerechtigkeit eintritt und nach Frieden trachtet und sich vergeben lässt, wo er schuldig geworden ist. Macht die Tore weit und alle Türen in der Welt hoch, dass Gott wie ein König einziehe. Wer Gott die Tore öffnet und für ihn die Tür seines Herzens weit macht, der wird Segen empfangen, und seine Gebete werden den Weg zu Gott finden. Darum machet die Tore weit und alle Türen in der Welt hoch, dass Gott wie ein König einziehe.

16

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 16

20.08.19 12:07


Leseprobe

TAGE S GEBET Komm uns nahe, guter Gott. Komm mit deiner Gerechtigkeit in unsere unheile Welt. Komm in unsere Herzen, uns zu erlösen und zu heilen. Helle unsere Gesichter auf, dass sie von innen her strahlen, dass wir aus uns herausgehen können und einander gerecht werden. Amen. FÜ R B I T TEN Himmlischer Vater, wir danken dir, dass du uns nicht allein lässt auf unserer Erde, sondern zu uns kommst, um uns von unserer Erdenschwere zu erlösen.

Wir bitten dich für die Menschen, die dich nicht erwarten, sondern in diesen Tagen anderes im Sinn haben. Komm zu denen, die nichts von dir erwarten und die mit deinem Kommen überhaupt nicht rechnen. Lass uns und unsere Welt nicht allein! Wir bitten dich für die Einsamen, die sich kaum mehr etwas zu erwarten trauen. Wir bitten dich für die Unzufriedenen, die sich nicht mehr freuen können. Kehre bei ihnen ein. Wir bitten dich für die Menschen in den Geschäften und Betrieben, die in diesen Tagen besonders gefordert sind. Komm du mit deiner Menschenfreundlichkeit zu ihnen und hilf ihnen, Zeiten der Ruhe zu finden.

17

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 17

20.08.19 12:07


Leseprobe

Wir bitten dich für die Menschen, die sich in diesen Tagen überflüssig vorkommen und meinen, keiner wolle etwas mit ihnen zu tun haben. Komm zu denen, die bloß noch hoffen, dass diese Adventszeit schnell an ihnen vorübergeht, weil sie einsam sind und sich verlassen fühlen. Kehre du bei ihnen ein mit deinem Geist der Freundlichkeit und Liebe. Wir bitten dich für die Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, auf der Flucht vor Krieg und Verfolgung, die in Flüchtlingsunterkünften wohnen müssen oder auf der Suche sind nach einer sicheren Bleibe. Komm, um unter ihnen zu wohnen, und wende ihre Not. Wir bitten dich, dass du uns offene Augen schenkst, mit denen wir in diesen Tage des Advent Zeichen deiner Nähe entdecken. Öffne unsere Herzen für die Sorgen und Nöte der Menschen in der Nähe und in der Ferne und mach unsere Hände bereit zum Tun des Guten. Amen. I M P U L S zu Matthäus 21,1–9 Der Einzug Jesu in Jerusalem stimmt uns auf das Kommen Gottes in diese Welt ein, auf die wir uns jedes Jahr in der Adventszeit vorbereiten. Angesichts der Menge, die Jesus zujubelt auf seinem Weg in die alte Königsstadt, sind wir gefragt, wie wir ihn heute empfangen. Wie machen wir uns bereit, damit der Heiland der Welt auch bei uns einziehen kann? Wie gelingt das in unserer Zeit, in der das Warten so schwerfällt und gern mit Langeweile verwechselt wird? Längst hat sich die Adventszeit gewandelt, und zwar deutlich mehr, als es die wohlfeilen Kommentare im Raum der Kirche bemängeln, nach denen aus einer Buß- und Fastenzeit eine Zeit der Fülle geworden ist. Sicher steckt in dieser Klage über die immer früher beginnenden

18

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 18

20.08.19 12:07


Leseprobe

Weihnachtsmärkte und die weihnachtliche Beleuchtung eine berechtigte Kritik. Dadurch soll der Konsum gestärkt und das Weihnachtsgeschäft des Einzelhandels angekurbelt werden. Viel tiefgreifender ist allerdings ein Wandel, den man als einen Umdeutungsprozess von der Advents- in die Vorweihnachtszeit bezeichnen kann. Weihnachten wird in die Adventszeit vorverlegt: Die Weihnachtsfeiern der Betriebe finden allesamt vor der Weihnacht statt, und nach dem Heiligen Abend ist Weihnachten für den Großteil der Bevölkerung auch schon vorbei. Die Tage „zwischen den Jahren“ werden als eine Zeit des Durchatmens begriffen, dem zur-Ruhe-Kommen, bevor das neue Jahr mit neuem Schwung begonnen werden kann. Man mag diese Entwicklung beklagen, umkehren wird man sie sicher auf längere Zeit nicht. Darum gilt es, sich darauf einzustellen und sich einzugestehen, dass die Vorbereitung auf Gottes Kommen in unsere Welt heute besonders schwerfällt. Wie also können wir Heutigen uns bereit machen, damit der Heiland auch bei uns einzieht? Die Antworten auf diese Frage können ganz individuell sein: die Herzenstür öffnen durch Ruhe, Stille und Andacht. Oder sie können sich auf die gesellschaftlichen Herausforderungen beziehen: Dann bedeutet es, die Utopie einer gerechteren und friedlicheren Welt hochzuhalten, damit der Friedefürst in die Welt einziehen kann. Wie auch immer wir uns bereit machen, um Jesus Christus zu empfangen, eines sollte uns immer bewusst bleiben: Das Kommen des Heilandes ist trotz aller Vorbereitung unverfügbar und überraschend.

19

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 19

20.08.19 12:07


Leseprobe

2. Advent WO C HE NS PR U C H Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. (Lukas 21,28) WO C HE NPS AL M Psalm 80, 2.3b.5–6.15–16.19–20 LE S U N GEN Jesaja 63,15–64,3 Jakobus 5,7–8(9–11) Lukas 21,25–33 LI E D VO R S C H L ÄGE W: O Heiland, reiß die Himmel auf (EG 7) W: Es kommt die Zeit (EG Ergänzungsheft 8) E: O komm, o komm, du Morgenstern (EG 19) Das Volk, das noch im Finstern wandelt (EG 20) Seht auf und erhebt eure Häupter (EG 21) Der Morgenstern ist aufgedrungen (EG 69) S: Wir warten dein, o Gottes Sohn (EG 152) M E D I TATION Z U PS AL M 80 Tröste uns, o Gott und verbirg dein Angesicht nicht vor uns. Wende dich zu uns, damit wir wieder heil werden.

20

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 20

20.08.19 12:07


Leseprobe

Wie lange willst du uns noch zürnen, Gott? Wie lange müssen wir auf dein Kommen warten? Wann endlich speist du dein Volk nicht mehr mit dem Brot der Trauer und tränkest uns nicht mehr mit einem Krug voll Tränen? Du lässt es zu, dass uns unsere Feinde verspotten und die Nachbarn sich um dein Volk streiten. Wende dich zu uns, und richte uns wieder auf! Schütze uns mit deiner Rechten, komm uns zur Hilfe, tröste uns wieder und lass dein Angesicht über uns leuchten. TAGE S GEBET Herr Jesus Christus, wir kommen heute zu dir, damit wir in diesen Tagen des Advent bereit werden für deine Ankunft. Komm in unsere Welt, um uns zu erlösen. Tritt ein in unser Leben, damit es hell werde. Befreie uns von den Mächten der Dunkelheit, und lass uns wieder voller Hoffnung leben. Amen. FÜ R B I T TEN Gott, du Erlöser der Welt, komm du zu uns mit deiner Macht, kehre bei uns ein

21

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 21

20.08.19 12:07


Leseprobe

und mach unsere Seelen wieder gesund. Wir rufen: Komm und erlöse uns. Wir bitten dich für alle, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit, für die Hungernden in der Welt, für die Gebeugten und Zerschlagenen, für Menschen, die niedergedrückt werden von der Last ihres Lebens. Wir rufen: Komm und erlöse uns. Wir bitten dich für alle, die allein sind in diesen Tagen des Advent, für die Alten, deren Kräfte schwinden, für die Kranken mit ihrer Angst vor der ungewissen Zukunft. Wir rufen: Komm und erlöse uns. Wir bitten dich für alle, die der alten Verheißung nicht mehr glauben können, dass alle Dunkelheit begrenzt ist und alles Leid ein Ende findet. Amen. I M P U L S zu Lukas 21,25–33 Am 2. Advent heben wir unsere Augen und nehmen ein anderes Kommen Christi in den Blick als an den anderen Adventssonntagen: das Kommen Christi am Ende der Welt. Die Worte aus Lukas 21 weisen auf Zeichen, die die bevorstehende Weltenwende einläuten. Dies entspricht einem apokalyptischen Denken, das uns heute weithin fremd erscheint. Dennoch wollen uns die Worte aus Lukas 21 eine Vision vor Augen stellen: Trotz der Dunkelheit der Welt und der Rastlosigkeit des eigenen Lebens gibt es eine Hoffnung auf Erlösung. Die Ungerechtigkeit und die Willkür der Mächtigen sind zeitlich begrenzt. Wer auf das Kommen des Erlösers hofft, entzieht sich dem Griff der Mächtigen, kann jetzt schon seinen gebeugten Rücken

22

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 22

20.08.19 12:07


Leseprobe

aufrichten: Erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht. Die Hoffnung auf das Kommen Christi darf sich bis in die Körperhaltung auswirken. Die gesenkten Köpfe können sich erheben. Aus niedergebeugten Menschen werden solche, die frei und mit geradem Rücken ein Stück der Vision der endzeitlichen Erlösung heute schon vorwegnehmen.

23

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 23

20.08.19 12:07


Leseprobe

3. Advent WO C HE NS PR U C H Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. ( Jesaja 40,3.10) WO C HE NPS AL M Psalm 85,2–8 Lukas 1,68–79 LE S U N GEN Jesaja 40,1–11 1.Korinther 4,1–5 Lukas 1,67–79 A LT E R NATIV E L ES U NG Matthäus 11,2–10 LI E D VO R S C H L ÄGE W: Mit Ernst, o Menschenkinder (EG 10) W: Die Nacht ist vorgedrungen (EG 16) E: Wie soll ich dich empfangen (EG 11) Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9) Wir wollen singn ein’ Lobgesang (EG 141) Herr, der du vormals hast dein Land (EG 283) S: Noch manche Nacht wird fallen (EG 16,4–5)

24

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 24

20.08.19 12:07


Leseprobe

M E D I TATION zu Psalm 85 Wende dich zu uns, Gott, und schenke uns dein Heil! Lass uns doch hören und glauben, was dein Wort uns verheißt, dass du Frieden zusagst deinem Volk und denen, die an dich glauben; dass deine Hilfe nahe ist, allen, die dich fürchten; dass Wahrhaftigkeit wieder einzieht in unser Land; dass Güte und Treue sich begegnen, Gerechtigkeit und Frieden sich küssen; dass Vertrauen wächst und Gerechtigkeit sich vom Himmel zu uns neigt; dass du uns Gutes tust und reiche Frucht hervorbringen lässt; dass Friede sich ausbreitet, wenn du kommst, um bei uns zu wohnen. Wende dich zu uns, Gott, und schenke uns dein Heil! TAGE S GEBET Komm du uns nahe, guter Gott. Komm mit deinem Frieden in unsere unheile Welt. Komm in unsere Herzen, uns zu erlösen und zu heilen. Wecke uns auf und führe uns aus unserer Trägheit und unserer Lieblosigkeit. Mache es hell, dass wir von deinem Licht ergriffen werden, dass wir es heraustragen können zu unseren Nächsten und einander gerecht werden. Amen.

25

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 25

20.08.19 12:07


Leseprobe

FÜ R B I T TEN Vater im Himmel, wenn wir nur Dunkel sehen, dann lass uns dein Licht aufgehen. Wenn wir in Angst und Sorge sind, dann lass uns nicht verzweifeln.

Wenn wir müde geworden sind und nicht mehr die Kraft haben zu glauben, dann wecke du uns wieder auf, der du uns in diesen Tagen des Advent nahe kommst. Wenn wir uns nur noch um uns selbst drehen, dann mache unsere Sinne wieder wach, dass wir die Not des Nächsten erkennen, dass wir uns von ihr anrühren lassen. Mache uns bereit, auf andere zuzugehen, uns anderen zuzuwenden. Komm zu uns, wo wir uns mit Irrtümern und Missverständnissen gegenseitig plagen, wo wir uns mit bösen Worten verletzen, wo wir lieblos miteinander umgehen und aneinander schuldig werden. Wir bitten dich um Vergebung und um die Kraft zum Guten. Wir bitten dich für die Menschen in unserer Gemeinde, in unserer Stadt, Gib uns offene Augen und einen wachen Verstand, wo und wie wir ihnen begegnen können. Lass dein Licht aufgehen in diesen Tagen des Advent, damit es die Dunkelheit in uns und um uns vertreibt, damit wir unsere inwendige Müdigkeit überwinden und zu dem finden, was wirklich wichtig ist. Amen.

26

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 26

20.08.19 12:07


Leseprobe

I M P U L S zu Matthäus 11,2–10 „Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt.“ Mit diesen Worten, einem Rückgriff auf alte Weissagungen des Propheten Jesaja, beantwortet Jesus die Frage von Johannes dem Täufer, ob er der ist, der da kommen soll. Auch für uns Heutige stellt sich die Frage: Ist Jesus der Messias, der von Gott gesandte Retter, oder ist er bloß ein vorbildlicher Mensch? Jesu Antwort verweist auf das, was Menschen in der Begegnung mit ihm erlebt und erfahren haben: Sie sind sehend geworden, wurden geheilt und zu einem neuen Leben befähigt. Arme und Mittellose wurden mit der Fülle des Evangeliums beschenkt. Dies alles zeigt, dass Gott mit Jesus ist und seine Kraft in ihm lebendig wird. Die Frage des Täufers mögen wir heute beantworten, indem wir auf das blicken, was wir mit Jesus Christus erleben: Wo nimmt er uns an, trotz unserer dunklen Seiten? Wo öffnet er uns die Augen oder die Ohren? Wo schenkt er uns neue Kraft? Wo öffnet sich uns durch ihn eine neue Perspektive? Wo werden wir zu einem neuen Leben befähigt? Wo werden wir von ihm reich beschenkt?

27

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 27

20.08.19 12:07


Leseprobe

4. Advent WO C HE NS PR U C H Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe! (Philipper 4,4.5b) WO C HE NPS AL M Psalm 102,13–14.16–18.20–23 oder Lukas 1,46–55 LE S U N GEN Jesaja 62,1–5 Philipper 4,4–7 Lukas 1,26–38(39–56) LI E D VO R S C H L ÄGE W: Nun jauchzet, all ihr Frommen (EG 9) W: O komm, o komm, du Morgenstern (EG 19) E: Es kommt ein Schiff, geladen (EG 8) Wie soll ich dich empfangen (EG 11) Tochter Zion, freue dich (EG 13) Hoch hebt den Herrn mein Herz und meine Seele (EG 309) S: Macht hoch die Tür (EG 1,4–5) M E D I TATION zu Psalm 102 Mache dich auf, Gott, und erbarme dich über Zion. Ich weiß, dass du das Gebet des Verlassenen hörst 28

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 28

20.08.19 12:07


Leseprobe

und das Rufen der Niedergebeugten nicht verschmähst. Du bleibst nicht im Himmel, in deiner heiligen Höhe. Du siehst vom Himmel auf die Erde und vernimmst die Klagen der Gefangenen. Du eilst, sie loszumachen von ihren Banden. Du kommst, damit dein Name wieder verkündet und dein Lob gesungen wird. Du führst die Völker zusammen und bringst sie zu deiner heiligen Stätte. Mache dich auf, Gott, und erbarme dich über Zion. TAGE S GEBET Du willst unsere Herzen mit Freude erfüllen, du gütiger und barmherziger Gott. Wir danken dir, dass du für uns der ewige Grund der Freude bist, und wir in wenigen Tagen einstimmen können in den Jubel der Engel, dich zu loben für das Geschenk deines Sohnes. Er lebte unter uns wie unser Bruder und hat uns deine Liebe vor Augen gemalt. Wir danken dir, dass du in ihm einem jeden nahe bist, den Kleinen wie den Großen, den Jungen und Alten, den Armen und Reichen. Wir danken dir, dass du in ihm auch zu uns kommst, um bei uns zu wohnen. Amen. FÜ R B I T TENGEBET Lass es Weihnachten werden, Herr unser Gott, in unseren Gedanken und Gefühlen, dass wir hinter den geschmückten Straßen und Geschäften 29

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 29

20.08.19 12:07


Leseprobe

dein Kommen in diese Welt entdecken und uns dafür bereit machen. Lass es Weihnachten werden für die Menschen in den Kliniken und Altenheimen, die aus ihrer Beeinträchtigung keinen Ausweg mehr sehen. Lass uns erkennen, dass du in die Welt gekommen bist, um uns den Weg zu zeigen durch den Tod ins Leben. Lass es Weihnachten werden für die Benachteiligten in unserer Welt, denen so viele Möglichkeiten genommen sind. Lass uns erkennen, dass du Mensch geworden bist, uns von den Mächten der Unterdrückung zu erlösen. Lass es Weihnachten werden für die, die hungern müssen, die in wenigen Tagen nur schweren Herzens Weihnachten feiern können, die Mangel leiden und sich nach Gerechtigkeit sehnen. Lass uns erkennen, dass du gekommen bist, die Niedrigen zu erhöhen und aufzurichten. Lass es Weihnachten werden für unsere Welt, die unter Krieg und Terror leidet und ächzt. Lass Frieden einziehen, wo der Hass regiert damit alle Menschen ohne Angst leben können. Lass es Weihnachten werden für die ganze Welt, für unsere Nächsten und für uns selbst. Amen. I M P U L S zu Lukas 1,39–56 Der Lobgesang der Maria beschreibt einen Weg vom Kleinen zum Großen, vom persönlichen Glück hin zur gesellschaftlichen Relevanz. Es ist die Hoffnung der Adventszeit, dass sich das Kommen Gottes weltweit auswirken möge, dass die Hungrigen gesättigt und die Niedrigen erhöht werden. Wie unscheinbar diese Ver-

30

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 30

20.08.19 12:07


Leseprobe

heißung auch zunächst wirken mag, sie trägt die Kraft zu politischen Veränderungen in sich. Maria erscheint in ihrem Lobgesang als die exemplarisch Glaubende, die Gottes Verheißung an und in sich geschehen lässt. Sie erlebt das göttliche Handeln als etwas Befreiendes und Aufrichtendes: „Er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.“ Maria bleibt aber nicht dabei stehen, dass Gott große Dinge an ihr getan hat. Sie hebt ihren Blick und sieht auf das Elend ihres Volkes. Und so wird Maria zum Vorbild für alle, die ihren Glauben still für sich leben. Sie lässt uns achtsam werden für die Not unserer Welt, für Gewalt und Unterdrückung vor unserer Tür und in der globalen Welt. Ihre Hoffnung nimmt diese Not mit auf in ihren Lobgesang und lässt sie dafür beten, dass die Not gewendet wird. Der Weg vom Kleinen zum Großen, den Maria in ihrem Gebet beschreibt, lässt schon am 4. Advent an die Botschaft von Weihnachten denken, an das Kind in der Krippe, das arm und unscheinbar wirkt und doch das Gesicht der Welt verändert.

31

2.Aufl.2019_001-352_Goldschmidt-Denn du bist unser Gott.indd 31

20.08.19 12:07


Turn static files into dynamic content formats.

Create a flipbook
156553 by Fontis-Shop - Issuu