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Leseprobe

TOBIAS FAIX TOBIAS KÜNKLER

GENERATION LOBPREIS UND DIE ZUKUNFT DER KIRCHE Das Buch zur empirica Jugendstudie 2018

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WIDMUNG Wir widmen dieses Buch unserem ehemaligen Mitarbeiter Tim Sandmann (1986–2017), den wir schmerzlich vermissen .

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb .d-nb .de abrufbar . © 2018 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www .sonnhueter .com, unter Verwendung eines Bildes von © Cookie Studio (shutterstock .com) Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim DTP: Q . Gute Grafik, Fabiola Quadflieg, Köln Verwendete Schriften Innenteil: Milo OT, Milo Serif OT Gesamtherstellung: BALTO Print, Vilnius Printed in Lithuania ISBN 978-3-7615-6542-1 Print ISBN 978-3-7615-6543-8 E-Book www .neukirchener-verlage .de

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„Also, ich finde Lobpreis sehr, sehr wichtig, das ist ja auch gleichzeitig beten.“ LUKAS

„Ich denke häufig, beim Lobpreis, wo ich mich so überwältigt gefühlt habe, dass ich etwas Transzendentes vernommen habe oder so eine Form von vagem Gefühl – sage ich mal.“ PHILIPP

„Ich habe Lobpreis-Gottesdienst sehr, sehr gerne – mit viel Singen und so.“ ANNA

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ENDORSEMENTS „Sie suchen Gotteserfahrungen, gehen in ihre Gottesdienste und lieben Bibel, Lobpreis und Gebet, sie übernehmen Verantwortung und reden über ihren Glauben. Hochengagierte junge Erwachsene haben enormes Potential für Verantwortung in unserer Kirche, aber sie können mit herkömmlichen Formaten oder Mitgliedschaften wenig anfangen. Wo werden sie vorkommen? Dieses Buch ist ein Augenöffner für alle, denen die Zukunft der Kirchen nicht egal ist. Unbedingt lesen – und dann mit Leuten aus dieser Generation diskutieren.“ Hans-Hermann Pompe, Leiter EKD-Zentrum für Mission in der Region

Die Zukunftsgeneration der Kirche ist vielfältiger, widersprüchlicher und komplexer als gedacht. All jene, die an einer Kirche von Morgen interessiert sind, können in diesem Buch viel über deren maßgebliche Protagonistinnen und Protagonisten lernen. Dr. Sandra Bils ist Pastorin der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und arbeitet bei Kirchehochzwei

Wieder einmal ein spannender, qualitativ hochwertiger „Thriller“ aus dem Hause Faix/Künkler: Auf jeden Fall gehört dieses Buch in die Hände aller Verantwortlichen in Kirchen und Gemeinden. Dr. Michael Diener, Präses Evangelischer Gnadauer Gemeinschaftsverband, Mitglied im Rat der EKD

Die Generation der 14- bis 29-Jährigen unterscheidet sich grundlegend von den Generationen davor. Wann lassen wir es (endlich) zu, dass sie ganz aktiv auch unsere Kirche(en) grundlegend verwandeln dürfen? Ein absolut lohnenswertes Buch für alle, die noch immer versuchen, Jugendliche aus dem eigenen (begrenzten) Erfahrungshorizont zu begleiten, zu deuten und zu verstehen. Ilse-Dore Seidel-Humburger, Landesreferentin im Evangelischen Jugendwerk in Württemberg

Wissenschaftlich belastbare Daten gewinnen aus dem, was junge Leute über Beten, Bibel, Gemeinde und Gottesdienst sagen – das mag so schwierig sein wie Wolken abheften und Pudding an die Wand nageln. Aber Künkler & Faix schaffen das. Gewohnt

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akribisch. Spannend spurensichernd und scharfsinnig schlussfolgernd. Dabei wunderbar flüssig lesbar. Wenn Ihnen die Sinusstudien, die Shell Jugendstudien, der ­Bertelsmann Religionsmonitor und die Kirchenmitgliedschaftsstudie der EKD zu grobkörnig waren – dieses Buch schießt ein gestochen scharfes, hochauflösendes Bild davon, welche jungen Leute was glauben, warum und wie sie das tun und was das für die Kirche von morgen bedeutet. Sagen Sie jetzt nicht „ach, so genau wollte ich das gar nicht wissen“. Doch, das sollten Sie! Es sind nämlich die Kita-Leiterinnen, die Lehrer, die Ausbilder, die Pfarrerinnen und Pfarrer Ihrer Enkel, die da gerade heranwachsen. Andreas Malessa, Hörfunkjournalist, Theologe, Buchautor

Wer „Generation Lobpreis“ gelesen hat, sieht mehr als vorher. Er bekommt aus erster Hand Einblick in ein Lebens- und Glaubensgefühl, dass viele „fromme Jugendliche“ heute bestimmt. Man versteht besser, warum manche Gottesdienstformen jüngere Menschen anziehen – und andere nicht. „Generation Lobpreis“ gibt der jugendlichen Sehnsucht nach einem authentischen und erfahrungsgesättigten Glauben verschiedene Stimme und Gesichter. Und es hilft beim einfühlsamen Verständnis und der kritischen Reflexion gleichermaßen. Prof. Dr. Thorsten Dietz, lehrt Systematische Theologie an der Evangelische Hochschule Tabor und sitzt für die EKD in der Kammer für Theologie

Mit diesem Buch haben wir ein Ohr an der Jugend. Großartig. Eine wunderbar eindrückliche und präzise Beschreibung hochreligiöser junger Menschen. Nachdenklich machend, irritierend, ermutigend, herausfordernd. Hansjörg Kopp, Generalsekretär des CVJM Deutschland

Generation Lobpreis ist ein weiteres, spannendes bis aufregendes, detailliertes Puzzle­ teil zum Bild einer jungen Generation, die wir in Kirche mehr und mehr vermissen: das Puzzleteil zu den sogenannten Hochreligiösen. Es hilft verstehen und öffnet damit ein Stück weiter unseren Horizont. Stephanie Schwenkenbecher, Theologin und Autorin von „Generation Y. Wie wir glauben, lieben, hoffen“

Das Autorenduo Faix & Künkler liefert eine aufschlussreiche und gründliche Sozialstudie über eine schwer greifbare aber oftmals etikettierte Gruppe junger Menschen in unseren Kirchen und Gemeinden. Hier wird das, was wir nur ahnen und vermuten, gründlich erforscht und bewertet. Eine inspirierende Lektüre für alle, die sich nicht auf ihre gefühlte Wahrnehmung verlassenwollen. Jürgen Mette, Theologe und Publizist

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Ein notwendiges Buch. Es öffnet die Augen für die unterschätzte Gruppe der jungen Menschen mit intensiven Glaubenserfahrungen. Dieses Buch hilft, die Ambivalenzen der Generation Lobpreis zu verstehen und deshalb verdient das Buch höchste Aufmerksamkeit von allen, denen es wichtig ist, mit jungen Menschen die lebensverändernde Kraft des Glaubens an Jesus Christus zu entdecken. Dr. Roger Mielke M.A., Oberkirchenrat

Und wieder ein großer Wurf von Faix/Künkler. Als Vater von zwei Jugendlichen der „Generation Lobpreis“ freue ich mich ganz besonders über diese wertvolle Arbeit – eine gründliche und verständliche Analyse, viele hilfreiche Einblicke in die Glaubenswelt verschiedenster junger Menschen und abschließend einige Fragen an mich und die ältere Generation. Absolute Leseempfehlung! Detlef Kühlein, Sprecher & Theologe aus Lörrach

Für mich ist das Buch auf zwei Weisen sehr bereichernd, einerseits bin ich altersmäßig noch fast Teil dieser Generation und zweitens bin ich als Hauptamtliche in der ­Gemeinde wieder herausgefordert meine Vorbildfunktion auch kritisch wahrzunehmen und gleichzeitig den Jugendlichen eine ganzheitliche Glaubenserfahrung zu ­ermöglichen. Genial, ist dass die Generation selbst mit einem Kommentar über die erhobene Darstellung zu Wort kommt. Birte Krumm, Jugendreferentin in der Ev. Kirchgemeinde Niederkaufungen

Endlich wird sich einmal mit dem nötigen Aufwand empirisch jenen jungen Menschen gewidmet, die sich und ihr Leben stark im christlichen Glauben verorten. Bedeutsamkeiten wie die Sehnsucht nach spirituellen Erfahrungen werden ebenso dargelegt auf wie eine bemerkenswerte Heterogenität in dogmatischen Fragen und Unsicherheiten im Umgang mit der Bibel oder bei ethischen Fragen, z. B. im Umgang Sexualität. Die Sichtweisen der Befragten werden dabei in Beziehung gesetzt zu aktuellen ­jugendsoziologischen Erkenntnissen aus dem säkularen Bereich, dies bietet einmal mehr spannende Erkenntnisse. Hinweise für die pädagogische Arbeit finden sich als Schlussfolgerungen in diesem Buch ebenso wie kritische theologische Wahrnehmungen und die Warnung vor einer seichten, sich an Seelenwellness orientierender Glaubenskultur. Das Buch ist ein Muss für alle, die in dieser Zeit verantwortlich in der Glaubensbildung tätig sind. Diakon Tobias Petzoldt, Dozent für Jugendbildungsarbeit und Institutsleiter, Ev. Hochschule Moritzburg

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INHALT DANKSAGUNG . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . GELEITWORT von Mike Corsa und Michael Freitag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . EINLEITUNG Was von dem Buch zu erwarten ist . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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KAPITEL 1

Eine Einführung in die Generation Lobpreis . . . . . . . . . . . .

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Kleine Landkarte des evangelischen Glaubens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die vergessene Gruppe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Was genau bedeutet hochreligiös? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Wen wir befragt haben und wie wir dabei vorgegangen sind . . . . . . . . . . . . . . . .

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KAPITEL 2 Eine Verortung der Generation Lobpreis . . . . . . . . . . . . . . . .

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Aus welchem Milieu stammt die Generation Lobpreis? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Werte-Orientierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der neue Mainstream der heutigen Jugendgeneration . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Alltagsgestaltung und ästhetische Orientierungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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KAPITEL 3 Fromme Typen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

47

Ein differenzierter Blick auf die Generation Lobpreis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 1: Die Höchstleister . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 2: Die Ambivalenten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 3: Die Erweckten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 4: Die Unauffälligen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 5: Die Ganzheitlichen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 6: Die Erlebnisorientierten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 7: Die Sozialpolitischen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Typ 8: Die Reservierten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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KAPITEL 4

Wie die Generation Lobpreis glaubt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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Die Glaubenspraxis: Gott muss erlebt werden . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84 Wie die Jugendlichen Gott sehen: „Das ist eigentlich so das, was Gott für mich ausmacht.“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 110 Mission und Sprachfähigkeit: „Über Gott kann ich gut reden“ . . . . . . . . . . . . . . . . 121 Das Verständnis der Bibel (am Beispiel der Sexualethik): „Die Bibel sagt es teilweise ganz klar“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 136

KAPITEL 5

Kirche, Gottesdienst und Ehrenamt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155

Jugend und Kirche – Status: „Es ist kompliziert“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Gottesdienst – der Ort, um Gott zu erleben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Ehrenamt – weil es Spaß macht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Hauptamtlichen – (berufliches) Vorbild gesucht? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

KAPITEL 6

156 177 191 208

Generation Lobpreis – eine kritische Reflexion . . . . . . . . 219

Lobpreis als Resonanzraum. Oder: Lobpreis als postmoderne Liturgie . . . . . . . . 221 Die Therapeutisierung des Glaubens. Oder: Lobpreis als „Tyrannei der Intimität“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 227

KAPITEL 7  Vier Kommentare zur Generation Lobpreis aus vier unterschiedlichen Perspektiven . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 233 Aus der Perspektive junger Erwachsener: von Büren, Klötzer und Guttenberger . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aus der Perspektive eines Lobpreisleiters und Songwriters: Frey . . . . . . . . . . . . . Aus der Perspektive eines Kirchenmusikers: Zeller . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Aus der Perspektive eines Theologen: Bachmann . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

234 243 249 256

ABSCHLUSS . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Generation Lobpreis und die Zukunft der Kirche . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 268 ANMERKUNGEN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 273 AUTOREN . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288

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DANKSAGUNG Diesem Buch liegt die Studie „Glaubens­ und Lebenswelten von Jugendlichen. Wie hochreligiöse Jugendliche heute glauben“ zugrunde. Durchgeführt wurde diese Forschungsarbeit von einem Team des Forschungsinstituts empirica für Jugend, Kultur und Religion der CVJM­Hochschule, sie wurde im Jahr 2014 begonnen und im Jahr 2018 abgeschlossen. Solch ein langer, intensiver und komplexer Forschungsprozess ist nur möglich, wenn sich viele Menschen in unterschiedlichen Rollen auf unterschiedliche Weise daran beteiligen, was in dieser Studie zweifelsohne der Fall war. Bei all diesen Menschen wollen wir uns hiermit ganz herzlich für ihren Beitrag bedanken. Ohne sie wäre dieses Forschungsprojekt nicht möglich gewesen. Zuerst gilt unser Dank unseren Forschungspartnern, zum einen dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen. Namentlich haben Udo Bußmann und Silke Gütlich das Vorhaben von der ersten Idee bis zu diesem Buch maßgeblich begleitet und gefördert. Zum anderen dem Evangelische Bank Insti­ tut für Ethisches Management der CVJM­Hochschule, namentlich Prof. Dr. Stefan Jung (CVJM­Hochschule) und André Armbruster (Helmut­Schmidt­Universität), für die das Gleiche gilt. Um eine hohe wissenschaftliche Qualität zu gewährleis­ ten, gab es für diese Studie einen wissenschaftlichen Beirat, der sich regelmäßig traf, den kompletten Forschungsprozess begleitete und uns in einzelnen Schrit­ ten beriet. Dies war von unschätzbar großem Wert, und wir sind allen Beteiligten sehr dankbar für die guten und kritischen Anmerkungen und Diskussionen. Der wissenschaftliche Beirat bestand aus Prof. Dr. Dieter Beese (Landeskirchenrat der Evangelischen Kirche von Westfalen, Ruhr­Universität Bochum), Prof. Dr. Petra Freudenberger­Lötz (Universität Kassel), Prof. Dr. Bert Roebben (Universität Bonn), Michael Freitag (Referent für Theologie, Bildung und Jugendsoziologie, Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland) sowie Udo Buß­ mann und Silke Gütlich (Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen). Besonders Silke Gütlich wollen wir zusätzlich dafür danken, dass sie sich immer wieder aktiv in die Forschungsarbeit eingebracht und das Manuskript inhaltlich gegengelesen hat.

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DANKSAGUNG

Ein besonderer Dank gilt auch dem Neukirchener Verlag, der uns in vielfacher Weise unterstützt hat, besonders Herrn Siepermann, Frau Atkinson und Frau Heinz. Ebenso danken wir für die unkomplizierte und kompetente Zusammen­ arbeit mit unserem Lektor Hauke Burgarth und unserer Grafikerin Fabiola ­Quadflieg. Ohne finanzielle Hilfe wäre solch ein großes Forschungsprojekt unmöglich. Wir sind daher dem Amt für Jugendarbeit der Evangelischen Kirche von Westfalen, der Wertestarter Stiftung und der Deichmann Stiftung für ihre großzügige Unter­ stützung und das Vertrauen in unsere Forschungsarbeit sehr dankbar. Auch danken wir dem Christival in Karlsruhe (stellvertretend dem Vorsitzenden Karsten Hüttmann) und dem Jugendkirchentag in Offenbach (stellvertretend dem Projektleiter Herrn Hans-Joachim Adolph) für die Möglichkeit der Datener­ hebung auf besagten Events und die großartige Unterstützung, die wir dabei ­erfahren h ­ aben. Eine große Hilfe waren zudem alle Studierenden der CVJM-Hoch­ schule, des mbs Marburg und der Evangelischen Hochschule Tabor, die sich auf dem Christival ehrenamtlich daran beteiligt haben, Jugendliche zu befragen. ­Darüber hinaus dankbar sind wir den vielen Vertreter*innen von Jugendverbän­ den, Kirchen und Freikirchen, die den Fragebogen unter Jugendlichen sowie ­Stakeholdern verteilt haben. Große Dankbarkeit gebührt nicht zuletzt unserem umfangreichen Forschungs­ team am Institut empirica: unserem ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeiter Tim Sandmann, den vielen Beteiligten wissenschaftlichen Mitarbeitenden ­(Daniel Beckemeier, Philipp Funke, Annika Hauschildt, Thomas Kröck, Pia Ren­ nert, Julia Wassmuth) und den beteiligten studentischen Hilfskräften (Philipp Angelia und Annika Völker). Ein besonderer Dank gilt Annika Völker für ihre ­unermüdliche Hilfe als Korrekturleserin. Dankbar sind wir zudem allen Jugendlichen, die einen Fragebogen ausgefüllt ­haben oder sich haben interviewen lassen, und die uns so einen Einblick in ihre Glaubens- und Lebenswelt gegeben haben.

Tobias Faix & Tobias Künkler Sommer 2018

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GELEITWORT Würden Sie, liebe Leserin, lieber Leser, sich als „hochreligiös“ bezeichnen? Oder lieber doch als „normal religiös“? Oder ganz anders? Um solch eine Selbstzu­ schreibung vorzunehmen oder sich mit einer Etikettierung dieser Art versehen zu lassen, müssten Sie natürlich erst einmal wissen, was sich hinter diesem Begriff verbirgt und wie das religiöse Leben, der Glaube und das Selbstverständ­ nis von „Hochreligiösen“ möglicherweise zu beschreiben wäre. Wenn Sie darü­ ber etwas wissen wollen oder zumindest eine plausible wissenschaftliche Sicht­ weise zur Kenntnis nehmen wollen, dann sollten Sie diese Studie unbedingt lesen. Mit diesem Band liegt eine Studie über „hochreligiöse Jugendliche“ vor. Es ist unseres Wissens die erste deutsche Studie, die sich speziell diesem Segment christlicher jugendlicher Religiosität widmet. Hochreligiöse Jugendliche sind dem Verständnis der Studie zufolge keine religiös abgefahrenen Sonderlinge und sie sind, allermeist jedenfalls, keineswegs vor­ nehmlich in irgendwie gearteten fundamentalistischen Zirkeln mit entspre­ chenden Ideologiemustern aufzuspüren. Es handelt sich hier um jugendliche Menschen, die in kultureller Zeitgenossenschaft stehen, für die aber ihr christ­ licher Glaube inhaltlich und in ihrer Glaubenspraxis einen hohen, oft zentralen Stellenwert besitzt und spürbar lebensprägende Auswirkungen hat. Außerdem bildet das Segment der hochreligiösen Jugendlichen einen gewichti­ gen Teil derjenigen evangelischen Jugendlichen, die ein dezidiert positives Verhältnis zu Religion und christlichem Glauben aufweisen – und ein positives Verhältnis auch zu ihrer jeweiligen Kirche. Gerade Letzteres hat der Studie und ihrem Titel zufolge durchaus erhebliche Auswirkungen auf die „Zukunft der Kirche“. Genauer: auf die Zukunft der evangelischen Kirchen im Plural. Denn nicht nur die Volkskirche evangelisch­landeskirchlicher Prägung, sondern genauso die evangelischen Freikirchen beheimaten der Studie zufolge viele junge

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GELEITWORT

Menschen, die als hochreligiös einzustufen sind – und die, gerade weil sie mit ihrem christlichen Glauben hochidentisch sind, signifikante Mitarbeits-Bereit­ schaften aufweisen und ein erhebliches Potential für tragende und prägende ­Rollen in ihren Kirchen bilden – auch als zukünftige Hauptberufliche und Ehren­ amtliche. Der Titel der Studie „Generation Lobpreis“ überrascht zunächst. Natürlich verein­ fachen und verschlagworten die Etikettierungen von Jugendgenerationen zwangsläufig. Aber wir kennen durchaus eine Vielzahl von Jugendlichen, die hochreligiöse Glaubensmuster aufweisen, aber dennoch keineswegs ihr geist­ lich-spirituelles Leben auf die Ausdrucksform des gottesdienstlichen und priva­ ten Lobpreises fokussieren oder reduzieren. Auch unter Hochreligiösen dürfte die Vielfalt religiöser Gestaltungsformen groß sein. Die vorliegende Studie trägt dieser Erkenntnis allerdings Rechnung und simplifi­ ziert bzw. reduziert ganz und gar nicht. Sie differenziert die in sich unterschied­ lichen Glaubensmuster und Typen der hochreligiösen Jugendlichen gewissen­ haft. „Generation Lobpreis“ steht dabei nicht nur für eine unter diesen Jugendlichen fraglos auch verbreitete Anbetungspraxis als eine Art „Liturgie der Postmoderne“ – der Begriff kennzeichnet darüber hinaus auch ein viel weiter ­reichendes gegenwärtiges Glaubens- und Lebensgefühl, das religiöse Intensitä­ ten übergreift und für eine Vielzahl junger Menschen gilt. Markierungen dieses Lebensgefühls sind vor allem Subjektivierung und Emotionalisierung, verbun­ den mit einer umfassenden Ästhetisierung von Leben und Glauben. Darüber ­hinaus deutet der Begriff eine tiefe Ernsthaftigkeit des Glaubens und der Gottes­ beziehung an. Genau darum geht es! Wir wünschen dem Band kritische, aber vor allem neugierige und für neue ­Erkenntnisse und Impulse aufgeschlossene Leser*innen.

Mike Corsa (Generalsekretär) bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej) Michael Freitag (Referent für Theologie und Jugendsoziologie) bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej)

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EINLEITUNG Was von dem Buch zu erwarten ist Mit diesem Buch möchten wir einen Einblick in das Glaubensleben von evangeli­ schen hochreligiösen Jugendlichen geben und damit einen Diskussionsbeitrag zu einem aus unserer Sicht sehr wichtigen und oftmals unterbelichteten Thema liefern. Wir nennen diese Gruppe „Generation Lobpreis“ und werden in Kapitel eins genauer erklären warum. In diesem Buch stellen wir die wichtigsten Ergeb­ nisse der empirica Jugendstudie 2018 vor und fragen danach, was diese für Kirche und Freikirche bedeuten. Dabei haben wir ehren­ und hauptamtliche Mitarbei­ ter*innen aus Kirchen und Freikirchen genauso im Blick wie Menschen, die sich für christliche Jugendliche oder Jugendforschung interessieren. Da wir nicht die Ersten und hoffentlich nicht die Letzten sind, die sich mit Jugendforschung und Religion beschäftigen, haben wir immer wieder unsere Ergebnisse mit anderen aktuellen Studien verglichen, damit unsere Schlussfolgerungen besser eingeord­ net werden können. Denn manches wird erst im Vergleich mit anderen Jugend­ lichen oder früheren Ergebnissen prägnant. Für die Studie war uns wichtig, dass wir einen Einblick in das Glaubensleben von hochreligiösen Jugendlichen bekommen. So soll aufgezeigt werden, welche Be­ deutung der Glaube auf den verschiedenen Ebenen ihres Alltagslebens hat, um diese neue Generation besser zu verstehen. Es geht also zunächst um einen Akt des Lernens, des Zuhörens und des Sich­darauf­Einlassens. Es sollen die Jugend­ lichen durch die Befragungen selbst zu Wort kommen. Aber der Reihe nach. Zu­ nächst wollen wir die Gruppe, die hinter der Generation Lobpreis steckt, etwas genauer betrachten: Was verbirgt sich unter dem Begriff „hochreligiöse Jugend­ liche“? Wie ordnen sie sich in die evangelische Landkarte ein und wie sieht ihr Glaube ganz praktisch aus? Abgeschlossen wird das erste Kapitel mit einigen Hin­ weisen, wie wir bei unserer Studie vorgegangen sind. Im zweiten Kapitel verorten wir die Generation Lobpreis auf der sozialen Landkarte und überprüfen, zu welchen sozialen Milieus sie gehören, was ihre Werte sind und wie sie sich im Kontext der heutigen Jugendgeneration verorten. Während so die Generation

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EINLEITUNG

Lobpreis als Teil einer größeren Jugendgeneration eingeordnet wird, wollen wir im dritten Kapitel genauer auf ebendiese Generation schauen und sie nach innen differenzieren. Dafür haben wir acht Typen gebildet, die wir vorstellen werden. Im vierten Kapitel geht es dann darum, was diese Generation glaubt und wie ihre Glaubenspraxis aussieht, zum Beispiel das Gebetsleben. Es geht aber auch um das Gottesbild der Generation Lobpreis und ihre Vorstellung von Mission oder ihr Verständnis der Bibel. Daran schließt das fünfte Kapitel an, in dem wir fragen, was die Generation Lobpreis über Kirche denkt. Wie sehen ihre Wunschgottes­ dienste aus und was denken sie über ehrenamtliches Engagement? Abgeschlos­ sen wird dieses Kapitel mit einem Blick auf die Rolle der Hauptamtlichen im kirchlichen Kontext und die Frage: Können sich Jugendliche heute eigentlich noch vorstellen, Pfarrerin oder Jugendreferent zu werden? Nachdem wir das Glau­ bensleben der Generation Lobpreis ausführlich analysiert haben, gibt es in Kapi­ tel sechs eine erste Reflexion und wir fragen, wie die von uns erhobenen Gesamt­ ergebnisse zu verstehen und einzuordnen sind. Im letzten Kapitel gibt es vier verschiedene Gastbeiträge, die unsere Ergebnisse aus unterschiedlichen Blick­ winkeln deuten. Diese setzen sich zusammen aus der Zielgruppe der jungen Er­ wachsenen, einem erfahrenen Lobpreisleiter, einem Kirchenmusiker und einem Theologen. Diese unterschiedlichen Interpretationen zeigen gut auf, wie viele unterschiedliche Zugänge es zu den Ergebnissen gibt und wie entscheidend der eigene Blickwinkel beim Lesen der Ergebnisse ist. Doch auch in die bloße Darstel­ lung von Ergebnissen fließen immer auch schon der eigene Blickwinkel und eige­ ne Deutungen mit ein – vor allem dann, wenn man versucht, sie unterhaltsam und lesbar zu präsentieren. Wir haben versucht, dies so gering wie möglich zu halten und so weit wie möglich nachvollziehbar zu machen. Insgesamt hoffen wir, dass unsere Ergebnisse einen Auftakt für eine breite Dis­ kussion in Kirche, Jugendarbeit und Forschung darstellen und somit eine wichti­ ge kirchliche Gruppe mehr Aufmerksamkeit und Beachtung geschenkt bekommt. Denn diese Gruppe ist nicht nur gegenwärtig Teil der Kirchen und Gemeinden, sondern bildet auch deren Zukunft maßgeblich ab.

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KAPITEL 1

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Eine Einführung in die Generation Lobpreis

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KAPITEL 1

Durch die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre ist eine neue global und digital geprägte Generation herangewachsen, die ein ganz eigenes Profil entwi­ ckelt hat. Diese wurde in den letzten Jahren vielfach etikettiert und empirisch genau­ estens untersucht. Jugendsoziologische Studien erforschten vor allem die Lebens­ welten von Jugendlichen im Allgemeinen. Religiosität wird in diesen Studien jedoch lediglich als eines von vielen Merkmalen relevant. Jugendliche, in deren Lebenswelt der christliche Glaube eine zentrale Rolle spielt, kommen darin allerdings kaum oder nur am Rande vor. Auch die Frage, wie ihr Glaube mit anderen Merkmalen zusam­ menhängt, wie zum Beispiel ihrer sozialen Herkunft, wird nicht untersucht. Oft herrscht das Bild vor, dass es kaum noch Jugendliche in Deutschland gibt, in ­deren Lebenswelt der Glaube eine zentrale Rolle spielt. Der aktuelle Religionsmoni­ tor der Bertelsmann Stiftung zeigt aber, dass über 20 Prozent der Menschen im Alter von 16 bis 29 Jahren in Deutschland „hochreligiös“ sind.1 Der Religionsmonitor der Bertelsmann Stiftung aus dem Jahr 2007 definiert Hochreligiöse dabei als Menschen, für die religiöse Inhalte, Deutungsmuster und Praktiken besonders relevant sind und „einen strukturierenden Einfluss auf das gesamte Erleben und Verhalten“ h ­ aben, 2 wie zum Beispiel durch tägliches Gebet. Die Gruppe der hochreligiösen Jugendlichen ist in sich sehr heterogen und umfasst muslimische, christlich-orthodoxe, katholische sowie evangelische Jugendliche. Selbst die Untergruppe evangelisch-hochreligiöser Jugendlicher hat sehr unter­ schiedliche Ausprägungen. Sie reichen vom Engagement in einer evangelischen ­Kirche über Freikirchen bis zu selbstorganisierten Hauskreisen.

Kleine Landkarte des evangelischen Glaubens Diese Pluralität und Heterogenität zeigt sich auch in der evangelischen Jugendarbeit. Das wird unter anderem deutlich, wenn wir einen kurzen Blick auf die „Zahlen und Fakten zum kirchlichen Leben“ werfen. 12.017 Jugendgruppen mit 120.994 teilneh­ menden ­Jugendlichen zählen wir in Deutschland.3 Hinzu kommt die Konfirmanden­ arbeit mit ca. 205.000 Jugendlichen als zentraler Einstiegspunkt in die kirchliche Jugend­arbeit. Allerdings gibt es auch Bereiche, die schnell übersehen werden, wenn wir von Jugendarbeit sprechen, wie beispielsweise die 8.048 Kinder- und Jugend­ chöre oder Instrumentalkreise (Kirchenmusik) mit 95.957 Teilnehmenden oder die 467 Schulen in evangelischer Trägerschaft. Laut dem Jahresbericht 2017 der Arbeits­ gemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) gibt es neben der

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Eine Einführung in die Generation Lobpreis

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J­ugendarbeit m ­ ittlerweile rund 200 Jugendkirchen in Deutschland (zu je einem ­Drittel ­Jugendliche der Katholischen und Evangelischen Kirche, sowie der verschie­ denen Freikirchen). So unterschiedlich diese auch sind, haben sie alle e­ ines gemein­ sam: Sie wollen eigenständige „Orte des Glaubens“ für Jugendliche sein. Wenn wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen wollen, dann vielleicht in unter­ schiedlichen Graden der Verbundenheit. Da gibt es auf der einen Seite die eher lose verbundenen Jugendlichen in offenen Arbeiten wie in Jugendzentren, evangelischen Schulen, Freizeiten, Musikarbeit etc. und auf der anderen Seite die eher hoch verbun­ denen ­Jugendlichen in klassischer und/oder missionarischer Jugendarbeit wie in ­Jugendkreisen oder Jugendgottesdiensten. Dazu kommen teilweise verschiedene ­Jugendverbände (CVJM, EC …) und Jugend- und Teenagerarbeit im Bund freier ­Evangelischer Gemeinden (FeG) und Gemeindejugendwerk Deutschland (GJW) mit ca. 1.500 regelmäßigen Jugendgruppen). Bereits 2013 machten wir uns zusammen mit dem Amt für Jugendarbeit der Evange­ lischen Kirche von Westfalen auf den Weg, in einer größeren Studie die Spiritualität von Jugendlichen in ihrer ganzen Breite und Heterogenität zu vermessen, und befrag­ ten 1.330 Jugendliche aus den Bereichen „offene Jugendarbeit“, „evangelische Schu­ len“ und „evangelische Freizeitarbeit“. Die Ergebnisse dieser Studie („Spiritualität von Jugendlichen“) können eingesehen werden und wurden vielfach diskutiert.4 ­Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Jugendliche, die sich eher am Rande der evangelischen Kirche bewegen, d. h. an ihren Angeboten partizipieren, sich mit Kir­ che aber nicht identifizieren, durch die großen gesellschaftlichen Veränderungspro­ zesse zwischen Traditionsabbruch und individualistischer Spiritualität geprägt sind. Das heißt, die untersuchten Jugendlichen haben ein grundsätzliches Interesse an Spiritualität oder stehen dieser mindestens gleichgültig gegenüber. Dabei lässt sich diese Spiritualität allerdings nicht mehr in die klassischen evangelischen Kategorien einordnen, weshalb es immer weniger gelingt, mit Jugendlichen über ihren Glauben zu sprechen. Der Theologe Elmhorst verweist in diesem Zusammenhang auf eine „semantische Leerstelle“.5 Denn weder Jugendmitarbeitende noch viele Jugendliche selbst haben eine Sprache, auf die sie zurückgreifen können, um das zu beschreiben, was sie glauben. Es scheint daher nicht zu hoch gegriffen, von einer „religiösen Sprachkrise“ zu sprechen. Dies lässt sich an drei wesentlichen Punkten festmachen: a) kaum Anbindung an die traditionelle, konfessionelle Glaubenssprache der ­Kirchen, b) kaum Anbindung an die institutionellen Organisationen/Kirchen, die tradi­ tionell für diese Glaubenssprache verantwortlich sind, c) kaum Anbindung an semantische Verständnisse theologischer Grundbegriffe des Glaubens (dogmatische Grundaussagen).

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KAPITEL 1

Der Wegfall der konfessionellen Grenzen erinnert an den Wegfall der Grenzen Euro­ pas durch das „Schengener Abkommen“. Ein Beispiel dafür stellt in unserer Studie Mike dar, der anmerkt: „Ich fühle mich vom Glauben her eher den Baptisten zugehörig, bin aber Landeskirchler.“ Viele Jugendliche besuchen die Angebote, die ihnen dabei helfen, mit ihrem Glauben anzudocken, und wo sie sich ernst genommen fühlen, unabhängig von ihrem konfessionellen Hintergrund. Im evangelischen Kontext sind sie zwar formal Mitglieder der Kirche, doch genau dies sagt nichts mehr über ihre Bindung zur Kirche aus. Wir fanden die Ergebnisse sehr spannend, wurden aber im­ mer wieder auf die Frage gestoßen, wie Jugendliche im Zentrum der evangelischen Landeskirchen glauben. Der Frage sind wir nun in dieser Studie nachgegangen. Es war eine spannende Reise.

Die vergessene Gruppe Die wenigen Studien, die bisher diesen zentralen Bereich bzw. Hochreligiöse erfor­ schen, fokussieren nicht das gesamte Spektrum, sondern beschäftigen sich meist ausschließlich mit Jugendlichen in freikirchlichen Gemeinden.6 Jugendliche mit An­ bindung an evangelische Kirchen oder solche ohne Bezug zu den traditionellen Insi­ tutionen werden darin nicht in den Blick genommen, denn es gibt unter freikirchlich organisierten Jugendlichen religiöse Inhalte, die sich stark von der inhaltlichen Aus­ richtung anderer hochreligiöser Jugendlicher unterscheiden. Darüber hinaus bieten die vorliegenden Studien auch in Bezug auf hochreligiöse Jugendliche, die Mitglied in freikirchlichen Gemeinden sind, kein differenziertes Bild ihrer ­Lebensrealität an. Kirchensoziologische Studien hingegen befassen sich meist mit der Bedeutung von Kirche für Jugendliche und stellen einen Trend zur Individualisierung von Religiosi­ tät fest, der sich empirisch in Form eines „Bastelglaubens“ ausgestaltet. Sie geben jedoch kaum Aufschluss darüber, ob sich diese Individualisierung des Glaubens auch bei hochreligiösen Jugendlichen wiederfindet und inwiefern sie einen Einfluss auf ihre Lebenswelt hat. Viele Studien, wie beispielsweise die Shell Jugendstudie 2015, behandeln das Thema Glaube und Religion eher marginal. Die letzten großen Studien, die sich mit Glaubensinhalten beschäftigt haben, waren die deutschland­ weite „Konfirmandenstudie“7 (2012–2017, Schweitzer, Ilg u. a.) sowie die beiden in Baden-Württemberg verorteten Studien „Jugend gefragt“ (2016, Schweitzer/Ilg) oder „Glaube – Wertebildung – Interreligiosität“ (2018, Schweitzer, Wissner, Bohner u. a.), die einen sehr hilfreichen Ein- und Überblick bieten, wie Jugendliche, die am ­Religions- und Ethikunterricht teilnehmen, heute über Glauben denken. Diese Studi­ en richten ihren Fokus aber auch nicht auf hochreligiöse Jugendliche.

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Es fehlen somit belastbare Erkenntnisse über das breite Spektrum hochreligiöser Ju­ gendlicher aus dem Kontext freikirchlicher Gemeinden, in Anbindung an evangeli­ sche Kirchen oder solcher ohne Gemeindebezug. Die bisherigen Studien weisen al­ lerdings darauf hin, dass Jugendliche aus freikirchlichen Gemeinden einen nicht zu vernachlässigenden Teil des zu untersuchenden Felds der hochreligiösen Jugendli­ chen ausmachen. Kurzum: Wir fanden, es war an der Zeit, sich ein genaues Bild von hochreligiösen Jugendlichen zu machen. In der Vorbereitung zu unserer Studie sprachen wir mit vielen Verantwortlichen aus unterschiedlichen Kirchen und Gemeinden und stellten dabei oftmals große Ratlo­ sigkeit fest, wenn es um eine neue christliche Jugendbiografie ging. Für viele ist sie nicht richtig fassbar. Obwohl sie die nächste Generation derer bilden, die sich maß­ geblich in den kirchlichen Gemeinden und Strukturen engagieren und auch die nächste Generation an Hauptamtlichen bilden werden, wissen wir also wenig über evangelisch hochreligiöse Jugendliche. Es ist fast unbekannt, was und wie diese glauben und wie sich der Glaube in ihrem Alltag zeigt. Diese Forschungslücke woll­ ten wir schließen. Dazu haben wir uns unter anderem folgende Fragen gestellt: Wie leben hochreligiöse Jugendliche ihren Glauben konkret? Welche Bedeutung hat beispielsweise die Bibel noch für sie? Wie identitätsstiftend ist der Glaube für hochreligiöse Jugendliche? Wie stark prägt er ihren Alltag, zum Beispiel ihre Beziehung zu Gleichaltrigen? Wie urteilen sie in ethischen Fragen? Welche Grundwerte und Überzeugungen haben sie? Inwiefern und wie ausschlaggebend wird der Glaube hochreligiöser Jugendlicher durch ihr soziales Umfeld (Familie und Freunde) geprägt? Welche Erfahrungen mit und Erwartungen an Gemeinde und Kirche haben diese Jugendlichen? Wo und wie engagieren sie sich? Inwiefern können sie sich vorstellen, später in der Kirche mitzuarbeiten? In diesem Buch werden wir die wichtigsten Ergebnisse vorstellen, sie einbetten in die Ergebnisse vieler anderer Forschungen und weitere Erkenntnisse und Konse­ quenzen für Jugend- und Gemeindearbeit ziehen, auch im Hinblick auf die Nach­ wuchsgewinnung in den Kirchen. Denn die „Generation Lobpreis“, wie wir diese Gene­ ration evangelisch hochreligiöser Jugendlicher im Folgenden nennen werden, macht einen zentralen und kaum zu unterschätzenden Teil der Zukunft der Kirche aus.

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KAPITEL 1

Wenn wir in diesem Buch von evangelischen Jugendlichen sprechen, dann beziehen wir uns immer auf Jugendliche aus den evangelischen Landeskirchen, den unter­ schiedlichen Freikirchen, den Gemeinschafts- und den evangelischen Jugend­ verbänden. Wenn hingegen die Rede ist von Jugendlichen, die sich der Kirche oder den evangelischen Kirchen zugehörig fühlen, dann beziehen wir uns hier auf alle Jugendlichen, die nicht freikirchlich sind, auch wenn die Freikirchen zu den evange­ lischen Kirchen zählen. Wir wollten aber den sperrigen Terminus Landeskirche ver­ meiden, der innerkirchlich selten benutzt wird. Warum „Generation Lobpreis“? Bei den Versuchen, die aktuelle Jugendgeneration zu beschreiben, gibt es bereits eine gewisse Inflation an Generationsbegrifflichkeiten. Nun fügen wir noch eine hinzu – „Generation Lobpreis“ – und dann auch noch für eine recht spezielle Untergruppe der Generation Y oder Z oder wie immer man sie nennen mag. Uns ist klar, dass ein solcher Versuch immer in der Gefahr steht Miss­ verständnisse hervorzurufen oder zu pauschal zu sein und den Unterschieden in ­einer Gruppe nicht gerecht zu werden. Um dies zu vermeiden, differenzieren wir in dem Buch zwischen acht verschiedenen Typen von evangelisch hochreligiösen ­Jugendlichen (Kapitel 3). Für uns bringt der Begriff „Generation Lobpreis“ jedoch ­etwas zum Klingen, das sich durch fast alle Ergebnisse hindurchzieht und stimmig ist mit dem Gesamtbild, das wir aus der Vielzahl und Vielfalt der Ergebnisse gewon­ nen haben. Einerseits spielt ganz faktisch der Lobpreis eine wichtige Rolle. Uns war das vorher bewusst, jedoch hat uns überrascht, wie intensiv Lobpreis im Glauben der evangelisch hochreligiösen Jugendlichen verortet ist und welch tiefe und beispiel­ hafte Bedeutung er für das eigene Glaubensleben hat. Dabei geht es nicht nur um Lobpreis als Musik, sondern es geht um das Lebens- und Glaubensgefühl, das Lob­ preis vermittelt. Hierin zeigt sich auch das, was man eine Individualisierung, Emoti­ onalisierung oder Subjektivierung des Glaubens nennen könnte. Dies gilt für das Gottesbild (höchster Wert: Gott liebt mich bedingungslos) wie für die Glaubens­ praxis (Lobpreis ist eine wichtigere Quelle des Glaubens als Gebet und Bibellesen), für die Kirche (höchster Wert: Gemeinschaft) oder die Motivation zum Ehrenamt (höchster Wert: weil es Spaß macht).

Was genau bedeutet hochreligiös? Im Verlauf der Studie und der ersten Präsentation einzelner Ergebnisse merkten wir, dass der religionssoziologische Fachbegriff der „Hochreligiosität“ selbst von Fachleuten anderer Disziplinen schnell missverstanden wird. Er weckt sofort

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­ ssoziationen, die in Richtung Fundamentalismus, Radikalismus oder einer ver­ A stockten bzw. verengten Frömmigkeit gehen. Diese Assoziationen sind sehr missver­ ständlich. Deswegen erläutern wir hier gleich zu Beginn des Buches, warum wir den Begriff der Hochreligiosität verwenden und was genau wir darunter verstehen. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist etwas so wenig Greifbares und Gegenständ­ liches wie Glaube bzw. Religiosität eines Menschen schwierig wissenschaftlich zu erfassen. In verschiedenen Religionen sind sehr unterschiedliche Dinge wichtig. In ihrem Zentrum steht beispielsweise ein heiliger Text, bei anderen spielen Texte eine viel geringere Rolle. Und selbst innerhalb einer Religion gibt es große Unter­ schiede. So ist für viele Katholiken der Besuch der Beichte für den Glauben existen­ ziell wichtig, für Pfingstler hingegen die Geisttaufe oder die Zungenrede. Hinzu kommen noch die persönlich-charakterlichen Unterschiede jedes Menschen (jeder bzw. jedes Gläubigen). Jedoch gibt es mittlerweile eine mehr als 100-jährige Traditi­ on empirischer Religionsforschung, die hier bewährte Instrumente, Verfahren und Messmodelle entwickelte. Eines der bislang wohl elaboriertesten und anerkanntes­ ten Verfahren zur Messung von Religiosität stammt vom Religionssoziologen Stefan Huber. Dieses wurde bereits in mehr als 100 Studien in 25 verschiedenen Ländern eingesetzt. Die bekannteste und umfangreichste davon ist der Religionsmonitor. Dieser ist eine der größten Studien zum Thema Religion weltweit, bei der zuletzt 2013 ca. 14.000 Menschen aus 13 Ländern befragt wurden.8 Das Messverfahren von Huber hat sich in vielen Studien bewährt und bestätigt. So konnte beispielsweise gezeigt werden, dass es eine hohe Korrelation mit der religiösen Selbsteinschätzung einer Person gibt.9 Mit diesem Modell haben wir daher auch in der empirica Jugend­ studie gearbeitet. Huber versucht mit seinem Messmodell vor allem zu untersuchen und vergleichbar zu machen, wie intensiv Menschen gläubig sind bzw. wie zentral dieser Glaube in ihrem Leben verankert ist oder auf das Leben ausstrahlt. Mit anderen Worten: Es wird erfasst, wie stark Wahrnehmung, Denken und Verhalten einer Person durch ­deren Glauben beeinflusst wird. Um diese Intensität oder Zentralität der Religiosität zu messen, werden sechs verschiedene religiöse Dimensionen erfasst, die (in unter­ schiedlicher Ausprägung) in jeder Religion eine Rolle spielen. Diese sind: Glaubensinhalte: Woran glauben hochreligiöse Jugendliche? Welches Gottesbild haben sie? Private Glaubenspraxis: Wie praktizieren sie ihren Glauben im privaten Raum? Welche Rolle spielen persönliches Gebet und Bibellesen im Alltag der Jugend­ lichen?

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KAPITEL 1

Öffentliche Glaubenspraxis: Wie praktizieren sie ihren Glauben im öffentlichen Raum? Inwiefern besuchen sie Veranstaltungen wie Gottesdienste, Jugend­kreise etc.? Erfahrung: Welche Erfahrungen machen die Jugendlichen mit ihrem Glauben? Erleben sie Gottes Nähe?

Intellekt: Wie denken Jugendliche über ihren Glauben nach? Wie beurteilen sie ihr Wissen und ihre Auskunftsfähigkeit über den Glauben? Konsequenz: Wie wirkt sich der Glaube in ihrem Alltag aus? In welcher Form wirken die Jugendlichen im Kirchen- und Gemeindeleben mit? Um ein differenziertes und genaues Bild des Glaubens der untersuchten Jugend­ lichen zu geben, haben wir alle sechs Dimensionen bei unserer Erhebung berück­ sichtigt. Denn von der Ausprägung einer Dimension kann nicht hinreichend auf die Ausprägung einer anderen geschlossen werden. Mit dem Modell von Huber kann man letztlich die Religiosität eines Menschen mes­ sen und mittels des Durchschnittswertes aller sechs Dimensionen zwischen hochre­ ligiösen, religiösen und nichtreligiösen Personen unterscheiden. Der Unterschied in der Intensität bzw. Zentralität des Glaubens ist dabei nicht nur graduell, sondern auch in qualitativer Hinsicht gegeben.10 Bei Hochreligiösen befindet sich der Glaube quasi im Zentrum ihrer Persönlichkeit und übt von dort einen starken Einfluss auf alle anderen Aspekte der Person und deren Leben aus. Deutlich wird dies vor allem darin, dass auch für Bereiche wie zum Beispiel politische Einstellungen und Hand­ lungsweisen der Glaube eine zentrale Rolle spielt und darauf Einfluss hat, während nichtreligiöse und religiöse Menschen politische Einstellungen üblicherweise eher unabhängig von ihren Glaubensüberzeugungen entwickeln.

Wen wir befragt haben und wie wir dabei vorgegangen sind Untersucht haben wir hochreligiöse, evangelische Jugendliche und junge Erwachse­ ne zwischen 14 und 29 Jahren. Die Beschränkung auf evangelische Jugendliche ergab sich aus dem Umstand, dass katholische Jugendliche und deren Glaube regelmäßig auf dem Weltjugendtag der Katholiken untersucht werden und man über sie ver­ gleichsweise gut Bescheid weiß. Da, wie bereits erläutert, die Gruppe evangelischer

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Jugendlicher in sich sehr heterogen ist und wir hier unterschiedliche Zugangswege wählen mussten, haben wir uns für die Fokussierung auf evangelisch hochreligiöse Jugendliche entschieden. Unter „evangelisch“ verstehen wir hierbei Jugendliche, die sich ihrem subjektiven Empfinden nach der evangelischen Kirche, der evangelischen Gemeinschaftsbewegung oder einer evangelischen Freikirche zugehörig fühlen. Zwar erhoben wir auch die formale Mitgliedschaft, es zeigte sich jedoch bereits im Pretest, dass es oft Unterschiede zwischen der formalen Mitgliedschaft und einer subjektiven Zugehörigkeit gab und für die Jugendlichen Letztere bedeutungsvoller war. Weil wir also evangelische, hochreligiöse Jugendliche untersuchen wollten und da­ bei schon eine recht spezifische Gruppe im Blick hatten, suchten wir Zugangswege, bei denen zum einen die Wahrscheinlichkeit groß war, dass wir diese spezielle Grup­ pe erreichen konnten und bei der diese Gruppe in ihrer Unterschiedlichkeit auch ge­ nügend zum Zuge kommen konnte. Dazu haben wir unterschiedliche Zugangswege gewählt. Ein erster und wichtiger Zugangsweg war das Christival, eine mehrtägige Veranstal­ tung, die sich vornehmlich an christliche Jugendliche richtet und die unter anderem Konzerte, Gottesdienste und Seminare umfasst. Seit dem ersten Christival 1976 in Essen gab es fünf weitere Veranstaltungen. Das Christival 2016 fand vom 4.–8. Mai 2016 in Karlsruhe statt und wurde von über 13.000 Jugendlichen besucht. Es schien uns für die Zielgruppe der Studie sehr geeignet. Bereits andere Studien (Weltjugend­ tag der Katholiken) zeigten,11 dass Großereignisse sich heute besonders für Studien eignen, da sie einen großen Querschnitt an Jugendlichen anziehen. Für das Christi­ val hatten wir zudem Statistiken vorliegen, nach denen die Teilnehmer*innen aus einem breiten evangelischen Hintergrund kamen, wobei über 50 Prozent aus einer der evangelischen Landeskirchen kamen und der Rest sich auf verschiedene Frei­ kirchen sowie landeskirchliche Gemeinschaften aufteilte. Entsprechend machten wir uns mit einem Team nach Karlsruhe zum Christival 2016 auf. Im Gepäck hatten wir 100 Tablets, die speziell für unsere Befragung program­ miert wurden. Mithilfe von ca. 40 ehrenamtlichen Interviewer*innen, die wir ­sowohl schriftlich als auch mündlich in ihre Aufgabe einwiesen, konnten wir inner­ halb von wenigen Tagen sehr viele Jugendliche befragen. Die Interviewer*innen hat­ ten hierbei vor allem die Aufgabe, Jugendliche anzusprechen und kurz zu erläutern, worum es in der Befragung ging. Teilnahmewillige Jugendliche konnten a­ nschließend selbstständig den Fragebogen über den Touchscreen der Tablets ­ausfüllen. Auf

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KAPITEL 1

­ iesem Weg konnten mit einer begrenzten Zahl von Interviewer*innen relativ viele d ­Befragungen gleichzeitig durchgeführt werden. Als Anreiz zur T ­ eilnahme an der ­Befragung konnten sich Jugendliche, welche den Bogen vollständig ausgefüllt hat­ ten, in ein Gewinnspiel eintragen, bei dem es fünf Tablets zu ­gewinnen gab. Die Be­ reitschaft zur Teilnahme war erstaunlich hoch. Wir befürchteten zunächst, dass sich viele Jugendliche nicht auf eine Befragung einlassen würden, da sie ­zumeist in Grup­ pen zu dem Festival kamen, welches mit einem sehr vollen und abwechslungsrei­ chen Programm lockte. Zudem dauerte das Beantworten der Fragen (mithilfe des Tablets) bis zu einer halben Stunde. Wir hatten ganz subjektiv jedoch den Eindruck, dass viele Jugendliche froh waren, als kleine Erholung für ­kurze Zeit einzeln vor einem Bildschirm zu sitzen. Neben dem Christival führten wir auch auf dem Jugendkirchentag 2016 der Evange­ lischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) eine ähnliche Erhebung durch, um ­einen klassischeren kirchlichen Kontext mit einzubeziehen. Zusätzlich zu diesen beiden Offline-Erhebungen kam eine Online-Version des Frage­ bogens zum Einsatz, auf den über folgende Wege aufmerksam gemacht wurde: Christival: Hinweis in der Begrüßungstüte, welche alle Teilnehmenden am ­Eingang erhielten, plus Verteilen von Flyern auf dem Festivalgelände. Jugendkirchentag: Hinweis auf der Homepage, Verteilen von Flyern auf dem ­Festivalgelände etc. Websites und Blogs: z. B. evangelisch.de, jesus.de, aej.de, aej Newsletter, JAT ­K inder- und Jugendwerk der Methodisten, CVJM-Blog, GJW oder Jugend der FeG etc. Soziale Netzwerke: Facebook, Twitter, „Start in den Tag“-App des Neukirchener Verlags etc. Anschreiben an Institutionen und Schlüsselpersonen, die in der Jugendarbeit ­tätig sind (diese verteilten den Link zum Fragebogen dann weiter), zum Beispiel: aej information, cvjm Newsletter etc. Auf diese Weise konnten wir insgesamt 3.187 evangelische Jugendliche untersuchen. Ziemlich genau drei Viertel (75 Prozent bzw. 2.386) von ihnen konnten wir als hoch­ religiös identifizieren. Diese hochreligiösen evangelischen Jugendlichen bilden die Kernstichprobe, auf die wir uns im Folgenden beziehen, sofern wir es nicht anders

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benennen. An vielen Stellen werden aber die religiösen Jugendlichen aus unserer Studie als Vergleichsgruppe herangezogen. Weitere Vergleichsgruppen wurden aus dem Zensus, dem ALLBUS 2012 und 2014, V. KMU, sowie den Daten der Shell Jugend­ studie 2015 entnommen.12

Zugehörigkeit Denomination Hochreligiös

Religiös 14,6

Andere

6,0

FeG

5,1

Baptisten

1,9

Pfingst- & charism. Freik.

7,5 0,8

16,1 5,1

9,1 3,3

Landesk. Gemeinschaft

47,6

Ev. Kirche 0,0

20,0

40,0

83,0 60,0

80,0

100,0

Prozent Grafik 1: Welcher christlichen Kirche oder Gemeinde fühlst du dich zugehörig?

Die untersuchten hochreligiösen Jugendlichen fühlen sich knapp zur Hälfte (48 Pro­ zent) der evangelischen Kirche zugehörig. Die restlichen Fälle verteilen sich auf landeskirchliche Gemeinschaften, verschiedene Freikirchen und sonstige Angaben. Damit ist der Anteil der Freikirchler*innen unter den Hochreligiösen sehr groß. In Grafik 1 wird deutlich, dass mit der Religiosität auch der Anteil von Jugendlichen mit freikirchlicher Zugehörigkeit steigt. Der hohe Anteil von Freikirchler*innen ist daher vermutlich keine Verzerrung der Stichprobe, sondern tendenziell eine Eigen­ art der Grundgesamtheit hochreligiöser Jugendlicher und junger Erwachsener mit evangelischer Zugehörigkeit. Umgekehrt erlebten wir, dass in kirchlichen Kreisen hochreligiöse Jugendliche ausschließlich mit freikirchlichen jungen Menschen assoziiert wurden. Wie sich zeigt, stimmt dies aber nicht, da in unserer Stichprobe knapp die Hälfte der Jugendlichen eine kirchliche Zugehörigkeit aufweist. Auch wenn in der kirchlichen Jugendarbeit die Hochreligiösen eine vergleichsweise

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KAPITEL 6

Bis zu diesem Punkt haben wir in die wichtigsten Ergebnisse der Studie eingeführt, sie vorgestellt, eingeordnet und erste vorsichtige Reflexionen angestellt. Wie zu ­Beginn formuliert, wollten wir zunächst verstehen und auch die Leser*innen ein­ laden, die Ergebnisse in ihrer Vielfalt und vielleicht auch Widersprüchlichkeit mög­ lichst neutral wahrzunehmen und nicht gleich in das Korsett eigener Sichtweisen oder Vorurteile zu pressen. Erst jetzt, gegen Ende des Buches, werden wir in eine ­tiefere Reflexion und Analyse einsteigen und diese in zwei Schritten durchführen. Zum einen werden wir selbst einen Versuch machen, die dargelegte Analyse zu ­reflektieren; hier wagen wir sehr unterschiedliche Deutungen. Zum anderen haben wir vier Personen aus unterschiedlichen Gruppen eingeladen, unsere Analyse zu ­lesen und explizit aus ihrem subjektiven Blickwinkel einen Kommentar zu schrei­ ben. In vielen Gesprächen über erste Ergebnisse bemerkten wir, wie sehr sich die ­Interpretation der Ergebnisse, abhängig vom Standpunkt der Person, verändert. ­Daher wollten wir die stärkeren Deutungen nicht in den Grenzen unserer Perspektive halten, sondern direkt erweitern. Und so haben wir zunächst drei Vertreter*innen der Generation Lobpreis gefragt, ob sie sich in den Beschreibungen wiederfinden, was sie dazu sagen und was sie gerne aus ihrer Sicht ergänzen würden. Sodann h ­ aben wir einen erfahrenen Lobpreisleiter „der ersten Stunde“ gefragt, was er zu den Ergeb­ nissen denkt und ob er sich je hätte vorstellen können, dass es einmal eine „Genera­ tion Lobpreis“ geben würde. Wir wollten allerdings auch explizit kritische Stimmen ­einbeziehen und so haben wir einen Kirchenmusiker gebeten, seine Perspektive auf die Generation Lobpreis zu beschreiben, und dann noch einen Theologen, der die Ergebnisse stärker theologisch deutet. Herausgekommen sind vier wunderbare ­ ­Kommentare, die eine vielstimmige Perspektive auf die Generation Lobpreis werfen und dazu einladen ­sollen, als Leser oder Leserin selbst in die Debatte einzusteigen. Beginnen wollen wir die Reflexion aber mit unseren Deutungen und einigen ­kritischen Anfragen an die Generation Lobpreis, die uns im Laufe des Schreibens ­gekommen sind. Mithilfe des Resonanzverständnisses des Soziologen Hartmut Rosa sowie eines Vergleichs von Liturgie und Lobpreis versuchen wir zunächst, die ­Charakteristika der Generation Lobpreis positiv zu deuten, um nicht in die Falle des Kulturpessimismus zu geraten – das heißt, das Eigene zur Norm zu erklären und ­alles, was davon abweicht und anders ist, abzuwerten. Mithilfe der Theorie des ­„Moralistic Therapeutic Deism“ sowie einigen soziologisch-gesellschaftsdiagnos­ tischen Perspektiven wie der „Tyrannei der Intimität“ von Richard Sennett werfen wir dann ­jedoch einen eher kritischen Blick auf die Ergebnisse. Wir haben im Laufe des Buches immer wieder betont, dass unterschiedliche Deutungen der Daten ­möglich und legitim sind, und wollen das hiermit selbst praktizieren. Abgeschlossen

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wird das Buch dann mit Chancen und Herausforderungen der Ergebnisse für die kirchliche Arbeit. Sie sollen an das Ende des Buches einen Doppelpunkt setzen und können als Diskussionsgrundlage über die Ergebnisse dienen.

Lobpreis als Resonanzraum. Oder: Lobpreis als postmoderne Liturgie Jede Generation muss für sich wieder neu lernen, den eigenen Glauben auszudrü­ cken, dies ist zumindest die allgemeine religionspädagogische Meinung, der wohl die wenigsten Menschen widersprechen würden. Liturgie hingegen verändert sich nicht, bleibt beständig, auch durch den Wandel der Zeiten. Allein von dieser Aus­ gangslage her ist es nicht verwunderlich, dass kirchliche Liturgien bei Jugendlichen, die sich gerade in der Phase der Aneignung des eigenen Glaubens befinden, auf wenig Resonanz stoßen. Den Wert von Liturgien erkennen viele erst in der zweiten Lebens­ hälfte, in der diese als feste Rituale Sicherheit und Halt geben. Bei unserer Studie haben wir bemerkt, dass für viele Jugendliche Lobpreis eine große Bedeutung hat, dabei geht es auch um Musik, um Emotionalität, um Körperlichkeit, um einfache Texte – vor allem aber geht es um eine Art Lebensstil, der in der Lobpreismusik seinen Ausdruck findet. Um dies besser darzustellen, möchten wir zunächst versuchen, die Generation Lobpreis durch die Brille des Soziologen Hartmut Rosa zu sehen, der uns einige Erklärungshilfen geben kann, warum ausgerechnet Lobpreis hochreligiöse Jugendliche anspricht.

Die Generation Lobpreis und die Suche nach Authentizität Der Soziologe Hartmut Rosa hat mit „Resonanz. Eine Soziologie der Weltbezie­ hung“137 ein spannendes und vielbeachtetes Buch geschrieben, in dem es darum geht, wie wir Menschen in aller Unterschiedlichkeit auf die Veränderungen unserer Welt reagieren und wie unsere Weltbeziehung dabei aussieht. Dies ist ein großes Thema, aus dem wir nur einen Aspekt herausnehmen wollen, der uns für das Verste­ hen der Generation Lobpreis von Bedeutung erscheint. Rosa geht davon aus, dass der Mensch seit der Aufklärung danach strebt, selbstständig und glücklich zu leben. Der Schlüsselsatz der Moderne zur eigenen Lebensführung, so Rosa, lautet: „Die Frage nach dem Glück und nach dem guten Leben.“ 138 Um das gute Leben zu erreichen, muss jede*r für sich selbst entscheiden und auch verantwortlich sein. Dies klingt in unse­ ren Ohren zunächst vielleicht nicht spektakulär, allerdings beinhaltet es letztlich

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KAPITEL 6

ein radikales Autonomieversprechen und starke Selbstbestimmung im Hinblick auf Beruf, Partnerschaft, Familie, Wohnort, Glaube, politische Orientierung, Sexualität, Bildung, Kleidung etc. Rosas Beobachtungen durch die letzten Jahrhunderte sind, dass sich diese Entwicklung zur Selbstverantwortung immer stärker beschleunigt und es uns westlich geprägten Menschen immer schwererfällt „gute“ Entscheidungen für unser Leben zu fällen. Dabei unterliegen wir einer Steigerungslogik, in der (so Rosa) alles immer schneller entschieden werden muss. Nach welchen Kriterien entschei­ den wir überhaupt? Sind es ethische Leitlinien? Ist es die Vernunft? Die Erfordernisse des Gemeinwohls? Die Religion? Laut Rosa ist es die Authentizität (die eigene, innere Stimme bzw. das „wahre Selbst“ zu finden, auszudrücken und sich darin treu zu blei­ ben und nicht verbiegen zu lassen). Sie wird zum Maßstab der Selbstverwirklichung. Rosa folgt in dieser Beurteilung dem großen Sozial- und Religionsphilosophen Charles Taylor, der die „Authentizitätsthese“ in seinem Opus eindrucksvoll begrün­ det hat (zuletzt in seinem Buch „Ein säkulares Zeitalter“). Darüber hinaus gibt es eine wechselseitige Kausalität zwischen der Selbstbestimmung des Subjekts und dessen sozioökonomischer Positionierung. In diesem Kontext kommen nun Beschleuni­ gung und Sehnsucht nach Authentizität zusammen und bestimmen die Beziehung zur Welt, in der wir als Menschen jeweils stehen. Diese Weltbeziehung bezeichnet Rosa als „Resonanzraum“. Was damit gemeint ist, formuliert Rosa fast lapidar: „Wenn Beschleunigung das Problem ist, dann ist Resonanz vielleicht die Lösung.“ 139 Er meint damit, dass wir als Menschen Resonanzerfahrungen machen, und zwar in all den Erfahrungen und sozialen Zusammenhängen, die vorhin genannt wurden (Beruf, Partnerschaft, Familie, Wohnort, Glaube, politische Orientierung, Sexualität, Bil­ dung, Kleidung etc.). Rosa fasst seinen Resonanzbegriff in einem Interview gut zu­ sammen: „Resonanz ist ein Zustand, eine Art und Weise des Verbundenseins mit der Welt, bei der tatsächlich in uns sowas zu schwingen beginnt. Man kann das, glaube ich, wirklich in diese Metapher fassen, weil das eine Art des In-der-Welt-Seins beschreibt, bei dem uns Dinge noch berühren oder bewegen oder ergreifen – das sagt ja schon unsere Sprache, also etwas in Schwingung kommt –, wo wir aber auch das Gefühl haben, wir können da draußen sozusagen Klänge erzeugen, also Dinge in Schwingung bringen.“140 Schauen wir auf die Ergebnisse unserer Studie, dann steht die Generation Lobpreis für vieles, was wir aus der Analyse Rosas kennen. Die Generation Lobpreis lebt in ei­ ner beschleunigten Welt unter dem „Diktat der Authentizität“ und versucht nun, mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln den eigenen Resonanzraum zu gestalten. Viele Jugendliche leben in einer Spannung zwischen Autonomie und dem Streben nach einem guten Leben. So kommt es, dass hochreligiöse Jugendliche an einen lie­ bevollen Gott glauben, der in ihr Leben eingreifen kann, für das sie jedoch selbst

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verantwortlich sind. Sie sind sich ihres Glaubens sicher, sehen Mission aber eher kri­ tisch, finden die Bibel wichtig, entscheiden in der Gemeinde aber eher pragmatisch. Wichtigstes Kriterium in diesen Spannungen ist für die Jugendlichen, dass sich ihre Entscheidungen authentisch anfühlen, für sie stimmig sind oder, um es mit Rosas Worten zu sagen: Für die Jugendlichen muss in ihrem Resonanzraum etwas zum Schwingen kommen.

Lobpreis als Resonanzraum zwischen Selbst und Welt Eine zentrale Funktion in diesem Resonanzraum spielt der eigene Körper. Denn die primäre Resonanzerfahrung vollzieht sich durch unseren Körper (beim Atmen, ­Essen, Lieben, Lachen etc.). Der Körper stellt dabei eine Art „Mittlerfunktion“ zwi­ schen Selbst und Welt da, daher gibt es keine Welterfahrung ohne körperliche Ver­ mittlung. Wir stehen mit den Füßen auf der Erde. Durch das Schuhwerk wird die ­Resonanz zwischen mir und der Welt auf Distanz gebracht. Die Haut ist wie eine Membran zwischen der Welt und dem Selbst. Körperliche Erkrankungen können auch ein Zeichen für eine gestörte Weltbeziehung sein. Der Körper drückt unser Selbst aus. Wir sagen dazu: „Ich fühle mich wohl in meiner Haut.“ Hartmut Rosa nennt dies die „Welt-Körper-Beziehung“. Ohne Körper gibt es keine Weltwahrneh­ mung. Jugendliche heute wachsen in einer Welt auf, in der die Wahrnehmung des eigenen Körpers oftmals nicht gefördert wird, manchmal sogar gestört ist. Was aber passiert, wenn der Körper die Mittlerrolle zwischen Selbst und Welt nicht mehr oder nur eingeschränkt einnehmen kann? Wir können heute vielfältige Störungen in der eignen Wahrnehmung des Körpers und seiner Mittlerfunktion erkennen. Burnout oder Zwangs- und Essstörungen können Ausdrucksweisen solcher Störungen sein. Aber auch ein übersteigertes Körperbewusstsein durch Sport (beispielsweise Mara­ thon als neuer Volkssport) oder überzogene Körperästhetik (beispielsweise in den sozialen Medien mit dem dortigen Fitnesstrend) sind solche Zeichen, die eine Welt­ beziehungsangst und eine Entfremdung vom eigenen Körper aufzeigen. Wenn Rosa recht hat und es keine Weltwahrnehmung ohne Körper gibt, dann gilt dies auch für den Glauben, denn für Rosa ist Gott die Vorstellung einer antwortenden Welt.141 ­Welche Rolle spielt der Körper für den Glauben hochreligiöser Jugendlicher? Welche spirituelle Vermittlung kann er für die Jugendlichen und ihren Glauben einnehmen? Das sind wichtige ­Fragen, wenn es um die heutige jugendliche Spiritualität geht. Nun ist der evangelische Glaube nicht gerade für eine hohe Körperlichkeit bekannt, ­sondern wird eher kognitiv vermittelt – im Vordergrund steht das Wort und dessen Verkündigung. ­Natürlich gibt es das Gesangbuch, die Liturgie oder das Abendmahl und somit auch explizit körperliche spirituelle Elemente und Erfahrungen. Jedoch

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sind diese ­Elemente für Jugendliche meist fremd. Sie suchen Elemente, die ihre ­(kulturelle) „Sprache sprechen“, in der sie sich ausdrücken können, kurz: die bei ­ihnen Resonanz erzeugen. Lobpreis scheint ein solcher Resonanzraum zu sein. Emotional und körperlich lässt Lobpreis die Jugendlichen ihren Glauben spüren, er überwindet den Dualismus aus Körper und Geist und verbindet beides miteinander. Lobpreis ist auf Begegnung und somit auf Resonanz angelegt, der Mensch mit Körper und Geist reagiert darauf. So wird Lobpreis für die Jugendlichen zu einer Resonanz­ erfahrung zwischen Gott und sich selbst.142 Rosa selbst bezieht religiöse Erlebnisse explizit in seine Theorie mit ein. Er argumentiert mit Martin Buber, dass es gerade die Ansprechbarkeit Gottes ist und das Gegenversprechen, dass dieser antwortet, welches eine Art Tiefenresonanz in uns Menschen hervorruft. Diese Sehnsucht, die Rosa hier ausdrückt, spiegelt wunderbar die Sehnsucht vieler hochreligiöser Jugend­ liche wider: „Da ist einer, der Dich hört, der Dich versteht, und der Mittel und Wege ­finden kann, Dich zu erreichen und Dir zu antworten.“ 143 Hier geht es um eine Gottes­ begegnung, die sich im Lobpreis zeigt, aber auch über Lobpreis als Musik hinausgeht. Es geht um eine Art Hermeneutik des Alltags, in der die Beziehung in der Glaubens­ praxis beschrieben wird, die die Kraft hat, die eigene Welt zu verwandeln. Der öster­ reichische Theologieprofessor Michael Nausner fasst dies gut zusammen, wenn er schreibt: „Es geht [bei der aktuellen Generation] um eine grundlegende Lebenshaltung, eine Weltbeziehung, die nach meinem Dafürhalten viel gemeinsam hat mit einer christ­ lichen Lebensführung. Denn geht es im christlichen Leben nicht um ein aufmerksames ­‚Widerhallen‘ auf den Anruf Gottes, ja auf die ganze Vielfalt der Schöpfung, die von Gott ständig neu erschaffen wird?“ 144 In klassisch evangelischer Tradition würde die Liturgie als ein solcher Resonanz­ raum gelten, aber wie wir festgestellt haben, gilt dies nur für einen sehr kleinen ­Ausschnitt der Generation Lobpreis. Deshalb wollen wir nun der These nachgehen, Lobpreis sei für hochreligiöse Jugendliche ihre Liturgie, eine Liturgie mit den M ­ itteln ihrer Kultur.

Lobpreis als kultureller Ausdruck von Identität Im Verlauf der Arbeit an diesem Buch gab es am Rande einer EKD-Sitzung ein inte­ ressantes Gespräch zum Für und Wider von Lobpreis in der Kirche. Die Diskussion darüber wurde sehr emotional geführt und endete mit der Aussage: „Da können die Jugendlichen ja gleich in ein Popkonzert gehen und nicht in die Kirche!“ Ja, das ist gar nicht so verkehrt. Vielen Jugendlichen geht es genau darum. Sie wollen ihren­

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Glauben mit den Mitteln ihrer kulturellen Präferenzen ausdrücken. Die meisten ­Jugendlichen haben sicher nichts gegen Liturgien, sie sind ihnen lediglich fremd und haben nichts mit ihrer Lebenswelt zu tun. Sie verstehen die Sprache nicht, finden die Gesänge befremdlich und, wenn wir ehrlich sind, gibt es auch wenig Hilfe, diese ­Dinge kennenzulernen. Ich (Tobias Faix) war vor einiger Zeit zur Konfirmation mei­ ner Nichte in der Evangelischen Kirche in Bayern und habe im Gottesdienst eine ­echte Fremdheitserfahrung gemacht. Denn aus der badischen oder kurhessischen Landeskirche sind mir bestimmte Liturgien bekannt, allerdings fühlte ich mich den ganzen Gottesdienst unsicher, weil ich nie wusste, wann ich aufstehen muss, was jetzt von wem gesungen wird und was als Nächstes dran ist. Während des Gottes­ dienstes musste ich daran denken, dass es vielen Jugendlichen wahrscheinlich ­genauso geht: Das ist ihnen fremd. Was für die einen ein wertvolles Ritual ist, um Gott zu begegnen, ist für andere fremd, ja sogar abstoßend. Auch beim Thema ­Lobpreis sind die Erfahrungen ähnlich polarisierend. Für die einen ist Lobpreis ein legitimer Weg zur Gottesbegegnung in einer hoch informalisierten, erlebnisorien­ tierten und individualisierten Kultur, für die anderen ist er emotional manipulie­ rend und geistlich vereinseitigend. Liturgie und Lobpreis – vielleicht haben sie mehr gemeinsam, als auf den ersten Blick vermuten lässt. Was nun, wenn die aktuelle Generation sich ihre eigene Liturgie erfindet, die alte ablöst, ja sie ersetzt? Sie ersetzt durch Sprache und Musik, die Jugendliche aus ihrem Alltag kennen, in der sie sich sicher fühlen und die ihnen echt vorkommt. Im Folgen­ den wollen wir einige aus der Liturgie bekannte Merkmale aufnehmen und sie auf die Generation Lobpreis übertragen: Die Gegenwart Gottes: Liturgie ist nicht zweckfrei, sondern soll in die Gegenwart Gottes führen. Der Grazer Liturgiewissenschaftler Bert Groen sagt, dass Liturgie die Brücke zwischen Gott und Mensch ist, um dem Geheimnis Gottes näherzukom­ men.145 Liturgie ist daher niemals Selbstzweck, sondern hat zum Ziel, dass eine ­Gottesbegegnung stattfindet. Ähnlich würden das viele Jugendlichen aus der Gene­ ration Lobpreis bei Anbetung oder Lobpreis beschreiben. Es geht nicht in erster Linie um Musik oder Texte, sondern diese sind Mittel zum Zweck. Lobpreis führt in die Gegenwart Gottes. Klar und fest: Eine Liturgie lebt von Wiederholung, Einfachheit (nicht mit Bana­ lität zu verwechseln!) und der Einprägsamkeit der Texte. Auch hier gibt es Parallelen zum Lobpreis. Auch Lobpreis lebt von Wiederholungen. Die Texte sind oftmals eher einfach gehalten, und viele Jugendliche können spätestens bei der dritten

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­ iederholung des Refrains mitsingen. Diese oft kritisierte Einfachheit sehen wir bei W vielen Lobpreisliedern, die wiederum viele unterschiedliche Lobpreistypen vereint. So wie die Liturgie einen festen Aufbau und Ablauf hat, gibt es auch im Lobpreis ­einen festen Ablauf und bestimmte Abfolgen, die man schnell erkennen und erler­ nen kann. Diese Wiederholungen von Liedern oder Liedzeilen, Gebeten oder Ein­ ladungen zeigen, wie man sich Gott öffnen und sich auf ihn einlassen kann. Affirmativ und emotional: In einer rationalisierten und digitalen Welt wächst die Sehnsucht, berührt zu werden. Gerade in einer eher kognitiven Tradition, wie der des Protestantismus, fehlt es an Emotionen und Körperlichkeit. Liturgie und Abendmahl sind Elemente, die nicht nur über den Verstand, sondern ganzheitlich wahrgenom­ men werden. Lobpreis wird ebenso von vielen Jugendlichen als Berührung Gottes verstanden. Ganz hingegeben spüren die Jugendlichen die Gegenwart Gottes und ­erleben diese als eine Art subjektiven Gottesbeweis. Gemeinsam erleben: Liturgie lebt über die gemeinsame Sprache, den Rhythmus des Sprechens, das Gemeinschaftliche. Sich mitnehmen lassen, auch unabhängig von den eigenen Gefühlen und Erfahrungen. In der Liturgie trägt die Gemeinschaft den Einzelnen. Auch Lobpreis, das gemeinsame Singen, hat eine große Kraft, die ­gerade in einer individualisierten Welt zur Rarität geworden ist. Das Gefühl, zu einer Gemeinschaft zu gehören, sich tragen zu lassen vom Rhythmus und der Schwin­ gung, ist für viele junge Menschen ein wichtiges Erlebnis. Gerade hochreligiöse ­Jugendliche erleben auf ihren Glauben im Alltag von Schule, Studium und Beruf nicht nur positive Resonanz, sie fühlen sich nicht immer verstanden und suchen ­gerade durch gemeinsamen Lobpreis Gemeinschaftserfahrungen, die sie in ihrem Glauben tragen und bestätigen. Natürlich ist uns klar, dass es deutliche Unterschiede zwischen Lobpreis und Litur­ gie gibt. Gerade was die Kraft der Liturgie durch die Jahrhunderte ausgemacht hat. Trotzdem glauben wir, dass es sich lohnt, über die genannten Vergleiche zumindest nachzudenken. Was beide Zugänge gemeinsam haben, ist, dass sie von der aufrichti­ gen Haltung der Teilnehmenden leben. Ebenso verlieren beide ihre Kraft, wenn sie rein egoistisch für das eigene Wohlempfinden genutzt oder ihre Texte nur lapidar dahingesprochen werden. Doch schon in diesem Gedanken, den wohl die meisten Christ*innen heute unterschreiben würden, liegt ein starker Subjektivismus bezie­ hungsweise schwingt die Kultur der Authentizität mit. In diesem Sinne ist klassische Liturgie tatsächlich anders gedacht: Indem ich eine Liturgie mitspreche, werde ich zum Teil einer Gemeinschaft, die schon seit vielen Jahrhunderten besteht. Ich klinke

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mich ein in einen Rhythmus, der schon lange vor meiner Existenz entstand. ­Entscheidend dabei ist, dass ich mich einklinke, Teil davon werde. Es ist egal oder zumindest nicht primär wichtig, was ich dabei empfinde. Liturgie in diesem Sinn befreit mich vom Diktat der Aufrichtigkeit und vom Zwang der Ungezwungenheit. Kommen wir noch einmal auf Rosa zurück. Er spricht von „Entfremdung“, wenn es nicht zu einer „Gleichschwingung“ kommt, was bei vielen Jugendlichen in Bezug auf klassische Liturgien geschieht. Es entstehen keine Resonanz, kein Resonanzraum, keine Schwingungen. Beim Wort Resonanz schwingt jedoch bereits etwas Musikali­ sches mit. Rosa erklärt: „Wenn zwei Instrumente, etwa Klavier und Geige, miteinander in Resonanz treten, dann bedeutet das, dass jedes in seiner Eigenfrequenz spricht und auf das andere reagiert. Ich meine mit Resonanz eine Beziehung zur Welt, in der man einerseits offen ist, um sich berühren zu lassen, vielleicht ergreifen zu lassen, aber andererseits auch selber seine eigene Stimme entfalten kann und damit etwas oder jemanden erreichen kann in der Welt.“ 146 In diesem Verständnis beschreibt Lobpreis genau solch einen Resonanzraum und stellt eine neue Form jugendlicher Liturgie dar.

Die Therapeutisierung des Glaubens. Oder: Lobpreis als „Tyrannei der Intimität“ Wir haben in diesem Buch versucht, die Generation Lobpreis zunächst möglichst ur­ teilsfrei zu verstehen und sie dann in den vorangehenden Teilkapiteln ihre Charak­ teristika zunächst sehr positiv zu deuten. In diesem Teilkapitel werfen wir jedoch eher einen kritischen Blick auf die Generation Lobpreis, da es uns, wie bereits er­ wähnt, wichtig ist, unterschiedliche Deutungen der Daten in unsere Reflexion mit einzubeziehen.

Moralisch-therapeutischer Deismus Vor einigen Jahren erregte ein Buch des US-amerikanischen Soziologen Christian Smith und seiner Kollegin Melinda Lundquist Denton einiges Aufsehen: „Soul ­Searching: The Religious and Spiritual Eyes of American Teenagers“.147 Smith und sein Team hatten über 3.000 US-amerikanische Jugendliche zu ihren spirituellen und religiösen Überzeugungen befragt. Es zeigte sich, dass in den USA, in der nach wie vor eine große Mehrheit der Gesellschaft offen religiös ist, die meisten Jugend­ lichen ­ einen Glauben haben, den Forscher als „Moralistic Therapeutic Deism“

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AUTOREN

FAIX, TOBIAS, Dr. theol., ist Professor für Praktische Theologie an der CVJM­Hochschule Kassel und leitet dort gemeinsam mit Tobias Künkler das Forschungsinstitut empirica für Jugend, Kultur & Religion sowie den Master­ studiengang Transformationsstudien: Öffentliche Theologie & Soziale Arbeit. Er engagiert sich in Kirche und Gesellschaft und sitzt für die EKD in der Kammer für Soziale Ordnung.

KÜNKLER, TOBIAS, Dr. phil., ist Professor für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit an der CVJM­Hochschule Kassel und leitet dort gemeinsam mit Tobias Faix das Forschungsinstitut empirica für Jugend, Kultur & Religion sowie den Masterstudiengang Transformationsstudien: Öffentliche Theologie & Soziale Arbeit.

Fotos: © Tobias Faix, Tobias Künkler

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