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Leseprobe

Axel Kühner

Überlebensgeschichten für jeden Tag

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. 21. Auflage 2018 © 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.sonnhueter.com unter Verwendung eines Bildes von © Anna Jedynak (shutterstock.com) DTP: Breklumer Print-Service, www.breklumer-print-service.com Verwendete Schrift: Times New Roman Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6526-1 www.neukirchener-verlage.de

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„Siehe, ich mache alles neu“ Wie ein heller Stern leuchtet über der dunklen Zukunft eines neuen Jahres das Wort Jesu: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5) „Siehe, ich mache alles alt“, sagt die Zeit. „Siehe, ich mache alles anders“, sagt die Jugend. „Siehe, ich mache alles verkehrt“, klagt oft das Herz. „Siehe, ich mache alles stumm“, sagt der Tod. Aber Jesus sagt uns: „Siehe, ich mache alles neu!“ Das neue Jahr bedeutet neue Gnade, neue Kraft, neue Hoffnung. Über meinem Leben und der ganzen Welt steht eine wunderbare Aussicht. Das Leben veraltet nicht, sondern wächst einer Vollendung und Erneuerung entgegen. Es gibt nicht nur alte und junge Menschen, sondern auch neue Menschen. Es gibt nicht nur unsere alte Erde und einen verborgenen Himmel, sondern einmal eine neue Erde und einen neuen Himmel, in dem Gerechtigkeit wohnt.

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Ins neue Jahr Nun lasst getrost uns gehen ins neue Jahr hinein! Ob Stürme uns umwehen, wir stehn im hellen Schein. Es leuchtet Gottes Gnade auch durch die tiefste Nacht auf unserm Erdenpfade, bis sie uns heimgebracht. Wir dürfen nur nicht zagen, wenn wir den Weg nicht sehn, auch in den schwersten Tagen willst Du, Herr, mit uns gehn. Du stehst uns ja zur Seiten und führst uns jeden Schritt. Durch alle Dunkelheiten gehst Du getreulich mit. Halt uns an Dich gebunden mit ganzer Zuversicht, dass nicht in dunklen Stunden erlischt des Glaubens Licht! Du Trost zu allen Zeiten, Du Heil und Gottesgnad, Du Licht der Ewigkeiten erleuchte unsern Pfad! Mach täglich uns getreuer auf unsrer Lebensbahn und zünd der Liebe Feuer aufs Neue in uns an, dass wir Dir ganz gehören in Kreuz und Ungemach, mit unserm Werk Dich ehren, Dir treulich folgen nach! Das alte ist vergangen, das neue kommt herbei, mit Dir sei’s angefangen, der Du die ew’ge Treu. Nimm uns in Deine Hände, Du Heiland Jesus Christ, und führ uns bis ans Ende, wo unsre Heimat ist.

(Käte Walter)

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1. Januar

Die Nummer eins Der indische Evangelist Sundar Singh hat einmal gesagt: „Christus ist die Nummer eins. Stellen wir die Eins an die Spitze und fügen nach rechts hin eine Anzahl Nullen an, so wird die Summe immer größer, denn die Eins steht an der Spitze. Setzen wir aber die Nullen nach links hin an, dass die Eins am Schluss steht, werden alle diese Nullen bedeutungslos bleiben. Christus ist die Eins. Wer ihn ans Ende stellt, bleibt eine hoffnungslose Null. Wer ihn an die Spitze stellt, wird aufgewertet und wichtig.“ Was ist in unserem Leben die Nummer eins? Was ist das Erste in einem neuen Jahr? Nehmen die Angst vor dem Kommenden und die Trauer über das Vergangene die erste Stelle in uns ein? Regieren uns die unheimlichen Sorgen um unser Lebensglück? Oder ist der Herr der Zeit, der Machthaber der Welt, der König aller Könige, der Erste, der den Tod überwand, auch für uns die Nummer eins? Ist Jesus in unserem Leben, in einem neuen Jahr das Wichtigste, dann können wir noch so klein und winzig, schwach und gebrechlich sein, unser Leben wird mit ihm kostbar und wertvoll, erfüllt und vollendet. Steht Christus mit seiner Liebesmacht am Ende unserer Gedanken und Pläne, können wir noch so reich und erfolgreich, tüchtig und tatkräftig sein, es wird nichts bringen und nichts bedeuten. Wir bleiben null und nichtig. Bei Gott, in der Geschichte, über den Kosmos, über den Tod und im Leben ist Jesus Christus der Herr. Ist er es auch in uns, über das neue Jahr, in allem Wollen und Handeln, Denken und Fühlen, Lieben und Hoffen, Schaffen und Leiden? „Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerech­ tigkeit, so wird euch solches alles zufallen!“ (Matthäus 6,33)

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Dein ist der Tag und dein die Nacht, dein, was versäumt, dein, was vollbracht, dein Saat und Ernte, täglich Brot, das Leben samt Geburt und Tod. So gehn wir, Gott, aus dem, was war, getrost mit dir ins neue Jahr, ins Jahr, dem du dich neu verheißt, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist. (Arno Pötzsch)

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2. Januar

Ein gesegnetes neues Jahr Kolumbus richtete, als er den neuen Erdteil betrat, als erstes ein Kreuz auf. Das neue, unbekannte Land sollte unter dem Zeichen Jesu stehen. Kolumbus konnte nicht ahnen, dass das Kreuz auch für Menschenschuld und Leid und vielfachen Tod stehen würde. Wieviel Unrecht und Grausamkeit kam mit den Europäern nach Amerika! Und doch brauchen gerade Menschenschuld und Menschenleid, Menschengewalt und Menschentod das erlösende Zeichen Jesu Christi. Wenn wir ein neues Jahr wie ein unbekanntes Land betreten, wollen wir ein Kreuz aufrichten. Das neue Jahr soll von Anfang an unter dem Zeichen Jesu stehen. Gerade weil wir wissen, dass wir im neuen Jahr wieder schuldig werden, einander verletzen werden. Menschen werden leiden und sterben. Aber gerade darum wollen wir das Kreuz Jesu als Zeichen des Sieges aufrichten. In Jesu Namen wollen wir das neue Jahr beginnen. Alles, auch unsere Schuld, unser Leid und Tod, soll unter dem Zeichen seiner überwindenden Liebe stehen. Das heißt ein gesegnetes Jahr: ein signiertes Jahr, ein Jahr unter dem Siegeszeichen Jesu, ein Jahr unter dem Zeichen des Kreuzes. Jesus soll die Losung sein, da ein neues Jahr erschienen; Jesu Name soll allein denen zum Paniere dienen, die in seinem Bunde stehn und auf seinen Wegen gehn. (Benjamin Schmolck) Alles im neuen Jahr, Freude und Leid, Schönes und Schweres, Erfolg und Versäumnisse, Menschen und Begegnungen, Reisen und Taten sollen unter dem Zeichen und Segen Jesu stehen. Unser Name soll zugedeckt werden durch den Namen Jesu. Unser Elend wird aufgewogen werden durch seine Herrlichkeit. Seine Liebe wird unsere Schuld bedecken. Wir bergen uns in allem in seinen Sieg hinein. Das ist ein von Jesus gezeichnetes Jahr. Jesus soll die Losung sein!

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3. Januar

Kostbare Schätze Eine persische Sage erzählt von einem Mann, der am Strand des Meeres entlanggeht und ein Säckchen voll kleiner Steine findet. Achtlos lässt er die Steine durch seine Finger gleiten und schaut dabei auf das Meer. Er beobachtet die zahlreichen Möwen, die auf den Wellen schaukeln, und wirft übermütig mit den Steinchen nach den Vögeln. Spielerisch schleudert er die kleinen Dinger ins Meer, und eins nach dem anderen versinkt in den Wogen. Einen einzigen Stein behält er in der Hand und nimmt ihn mit nach Haus. – Groß wird sein Schrecken, als er beim Schein des Herdfeuers in dem unscheinbaren Stein einen herrlich funkelnden Diamanten erblickt. Wie gedankenlos hat er den ungeheuren Schatz verschleudert. Er eilt zum Strand zurück, die verlorenen Diamanten zu suchen. Doch vergebens, sie liegen unerreichbar auf dem Meeresgrund verborgen. Keine Selbstanklage und Reue, keine Tränen und Vorwürfe können ihm den achtlos weggeworfenen Schatz zurückgeben. Spielen wir nicht ebenso mit den uns geschenkten Tagen unseres Lebens? Gedankenlos lassen wir die „kleinen Dinger“ durch unsere Hände gleiten und werfen sie spielerisch fort. Wir träumen vom großen Leben und verschleudern die einzelnen Tage. Bis wir dann erschrocken feststellen, welche kostbaren Schätze die Tage unseres Lebens sind, die wir vertändelt und vertan haben. – Jeder Tag ist ein Schatz und birgt in sich die Möglichkeit, erfüllt zu leben. Sorgsam und bewusst wollen wir mit unseren Tagen umgehen. Denn unser großes Leben besteht aus vielen kleinen richtig gelebten Tagen. „Carpe diem!“ – pflücke den Tag, sagt ein altes Sprichwort. Ganz neu wollen wir unsere einzelnen Lebenstage empfangen, gestalten, erfüllen und in Gottes Hand zurücklegen. „Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein!“ (Psalm 118,24)

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4. Januar

Die Wunderpillen Ein Arzt besucht seine Patienten im Altenheim. Ihm fällt ein 96jähriger Mann auf, der stets zufrieden und freundlich ist. Eines Tages spricht ihn der Arzt darauf an und fragt nach dem Geheimnis seiner Freude. Lachend antwortet der Mann: „Herr Doktor, ich nehme jeden Tag zwei Pillen ein, die helfen mir!“ Verwundert schaut ihn der Arzt an und fragt: „Zwei Pillen nehmen Sie täglich? Die habe ich Ihnen doch gar nicht verordnet!“ Verschmitzt lacht der Mann und antwortet: „Das können Sie auch gar nicht, Herr Doktor. Am Morgen nehme ich gleich nach dem Aufstehen die Pille Zufriedenheit. Und am Abend, bevor ich einschlafe, nehme ich die Pille Dankbarkeit. Diese beiden Arzneien haben ihre Wirkung noch nie verfehlt.“ „Das will ich Ihnen gerne glauben“, meint der Arzt. „Ihr gutes Rezept werde ich weiterempfehlen.“ „Der Dank ist eine Gewalt, vor der alle finsteren Mächte weichen.“ (H. Bezzel) „Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich prei­ (Psalm 118,28) sen!“

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5. Januar

Es ist Zeit zum Leben Den Geschäftigen rinnt sie wie Sand durch die Finger. – Den Trägen hängt sie wie ein Mühlstein um den Hals. – Die jungen Leute können nicht abwarten, bis sie vergeht. – Die Älteren möchten sie gern noch ein wenig festhalten. – Die einen flehen um sie und empfangen sie wie eine Freundin. – Die anderen verfluchen sie und vertreiben sie wie einen Feind. Die Zeit! Nichts täuscht uns mehr als die Zeit! Die einfachste Täuschung: Zeit ist Geld. - Ein kleines Mädchen geht mit einem großen Korb in einen Spielwarenladen und packt sich viele schöne Sachen ein. An der Kasse legt sie einen Stapel Papierstreifen hin. Als die Verkäuferin entsetzt abwehrt, sagt das Mädchen: „Papier ist Geld!“ – Natürlich ist unter ganz bestimmten Umständen Papier auch Geld. Wenn es von der Bundesbank herausgegeben und amtlich als Geldschein bedruckt ist. Ebenso ist manchmal Zeit auch gutes Geld. Aber stimmt die Gleichung wirklich? Zeit ist viel mehr als Geld. Sie ist die Chance zum Leben. Man kann an einem Tag sein ganzes Leben zerstören und in einer Stunde die letzte Erfüllung des Lebens empfangen. Ich denke an den Schächer, der neben Jesus gekreuzigt wurde. Nach einem verpfuschten Leben gewann er buchstäblich in einer Minute das ganze Leben, als er zu Christus rief: „Herr, denke an mich!“ Die Begegnung mit Christus, der das Leben in Person ist, wird zum Maßstab für Leben und Sinn­ erfüllung. Zeit ist mit Geld nicht zu bezahlen und in Euro nicht zu umschreiben. Zeit ist die große Leihgabe Gottes an die Menschen. Sie ist wie ein Gefäß, das sich mit Freude, Liebe und Leben füllen kann oder unter unseren Händen in tausend Scherben zerbricht. Gott gab uns die Zeit, damit wir in ihr mit Gott und nach seinem Willen leben. So wird die bloße Zeit zur erfüllten und gewonnenen Zeit, zur Zeit des Heils, die in die Ewigkeit einmündet. Gott gibt uns diesen Tag, Zeit für ihn und das Leben. „Ein Tag kann eine Perle sein, und ein Jahrhundert nichts.“ (G. Keller)

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6. Januar

Der richtige Halt „Irgendeinen Halt braucht der Mensch“, sagen wir. – Zwei Jungen unternahmen eine Paddelbootfahrt auf dem Rhein. Sie gerieten in einen gefährlichen Strudel. Ihr Boot wurde mit unheimlicher Gewalt herumgewirbelt und von starken Kräften in die Tiefe gezogen. Die Jungen kämpften um ihr Leben und schrien um Hilfe. Vom Ufer aus wurde der Unfall beobachtet. Männer eilten herbei und warfen ein Rettungsseil in den Fluss. Jeder der beiden Jungen suchte in seiner Todesangst nach einem Halt. Der eine Junge klammerte sich an das Boot, wurde mit ihm in die Tiefe gezogen und ertrank. Der andere griff nach dem Seil und wurde an das rettende Ufer gezogen. Nicht irgendeinen Halt braucht der Mensch. Wenn der Strudel der Not und die Wirbel von Leid, wenn Grenzen und Krisen des Lebens, die Sogwirkungen des Bösen kommen und uns bedrohen, brauchen wir den richtigen Halt. Am eigenen Lebensschiff kann man sich nicht festhalten. Die eigene Tüchtigkeit reicht dann nicht mehr aus. Wir brauchen einen Halt, der uns vom rettenden Ufer aus zugeworfen wird. Wir brauchen Kräfte und Möglichkeiten über uns hinaus. – Gott streckt uns in Christus seine Hand entgegen. Jesus kam in den Strom der Zeit, in unsere Strudel von Angst und Sorge, Einsamkeit und Not, Schuld und Leid. Christus ist die ausgestreckte Hand Gottes, das Rettungsseil der Liebe vom rettenden Ufer aus. Damit möchte Gott unser Leben retten und bergen, es ans Ufer ziehen. Wir müssen nur zugreifen und uns an Christus halten. Alles andere hält nicht. Aber Christus hält uns fest! „Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich!“ (Psalm 63,9)

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7. Januar

Gott lädt uns ein zu seinem Fest „Zwei Menschen wollten Hochzeit halten. Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche guten Wein mitzubringen. Am Eingang des Festsaales würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten. So sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein. Als nun das große Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Versteinert standen sie da, als ihnen allen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: ,Die eine Flasche Wasser, die ich eingieße, wird niemand schmecken!‘ Als um Mitternacht die Flöten verstummten, gingen alle schweigend nach Hause, und jeder wusste, das Fest hatte nicht stattgefunden.“ (Aus einer chinesischen Parabel) In Gottes großer Geschichte hat jedes Menschenleben eine Bedeutung. Das Reich Gottes ist wie eine große Hochzeit. Gott möchte, dass wir unsere Gaben mitbringen in die Gemeinde, damit daraus ein Fest wird. Aber wir denken ,Ich bin doch nur eine Flasche‘, lassen unsere Gaben zu Hause und wundern uns, wenn das Gemeindeleben eher einer Trauerfeier als einer Hochzeit gleicht. Wenn wir Gott und seiner Gemeinde unsere kleinen Gaben verweigern, fehlt etwas, und das Fest der Gemeinde kann leider nicht gefeiert werden. Es ist ja, Herr, dein Gschenk und Gab, mein Leib und Seel und was ich hab in diesem armen Leben. Damit ichs brauch zum Lobe dein, zu Nutz und Dienst des Nächsten mein, wollst mir dein Gnade geben. (M. Schalling)

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8. Januar

Arm oder reich Wir haben als Kinder ein Spiel gespielt: „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das sieht blau aus!“ Vielleicht könnten wir einmal in unseren Gemeinden ein Spiel spielen. Das würde dann so gehen: „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das sieht reich aus!“ Unsere Gemeinden sind oft so klein, kümmerlich und begrenzt, dass wir resignieren. Wir träumen von großen Gaben, vielen Menschen, unbegrenzten Möglichkeiten, tiefen Erkenntnissen. Aber die Wirklichkeit sieht ja anders aus. Eine kleine Schar, eine kleine Kraft, eine winzige Hoffnung und viel Uneinigkeit und Hemmung. Besinnen wir uns einmal ganz neu auf die Reichtümer, die wir in der Gemeinde haben. Wir haben einen Herrn, der alle Macht und Gewalt im Himmel und auf Erden hat, zu unserem Freund. Wir haben in Jesus einen Mitwisser um unser kleines Leben, aber auch einen Mitkämpfer in allen Nöten und Leiden. Wir haben einen Sieger über alles Begrenzte in unserer Mitte. Wir haben sein herrliches Wort mit den unzähligen Verheißungen und grenzenlosen Aussichten. Wenn wir uns auf diesen Herrn ganz neu besinnen, werden wir auch die Kämpfe und Leiden, die Schwächen und Grenzen noch als einen Reichtum erkennen, der uns immer mehr auf den Herrn wirft und uns immer unabhängiger von allen anderen Verhältnissen macht. Unser Kämpfen und Ringen im Glauben und in der Liebe sind eigentlich der Reichtum seiner Gemeinde. Die kleine Gemeinde ist ein Schatz Jesu Christi. ,,Ich sehe was, was du auch siehst, und das sieht reich aus!“ „Ich weiß deine Trübsal und deine Armut, du bist aber reich!“ (Offenbarung 2,9)

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9. Januar

Warten und Handeln Ein Junge kommt eines Tages zu seinem Vater und bekennt ihm kleine Fehler. Der Vater verspricht ihm, dass damit alles gut ist. Dann beten sie zusammen. Der Junge betet: „Vater im Himmel, lasse mich so groß und stark werden wie mein Vater. Du kannst mir alle Schwächen vergeben. Ich bitte dich darum!“ Abends, als der Junge im Bett ist, betet auch der Vater: „Vater im Himmel, lasse mich so klein und vertrauensvoll werden wie mein Kind!“ In dieser Spannung wird sich unser Leben ereignen: stark sein und handeln wie ein Mann, klein werden und Vertrauen haben wie ein Kind. Es wird Situationen geben, da bleibt uns das Warten und Vertrauen. Dann wird es andere Umstände geben, die ein Handeln und Zupacken erfordern. Ruhen und Tun, Stillesein und Tätigsein, Besinnen und Beginnen, Horchen und Gehorchen, von Gott etwas erwarten und für Gott etwas tun, dazwischen wird sich unser Leben gestalten. Am Anfang der Bibel heißt es: „Gott schuf Himmel und Erde.“ Und dann heißt es: „Gott ruhte von allen seinen Werken.“ Auch Gott hat die Spannung von Handeln und Ruhen gelebt. Im Leben Jesu kehrt die Spannung wieder. Jesus hat viel getan und gehandelt, Kranke geheilt, Kinder gesegnet, Stürme gestillt und Hungrige gespeist. Er ist viel gelaufen, hat viel gepredigt und getan. Aber dann hat er wieder sein Leben so ganz in die Hand Gottes gelegt und gewartet. „Herr, ich warte auf dein Heil und tue nach deinen Geboten!“ (Psalm 119,166)

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10. Januar

Die Zeit heilt nichts! „Die Zeit heilt alles!“ lautet ein altes Sprichwort. – Zeitlicher Abstand von aufregenden Ereignissen, von Momenten des Ärgers oder der Enttäuschung tut gut, rückt alles in ein milderes Licht. Aber die Wunden des Lebens, Angst und Einsamkeit, Schuld und Kränkung, Leiden und Sterben heilen nicht dadurch, dass Jahre vergehen. Kein tieferes Problem des Lebens, keine wirkliche Verletzung eines Menschen heilt allein dadurch, dass Zeit vergeht. Würde ein Arzt zu einem Jungen, der mit einem gebrochenen Arm zu ihm kommt, sagen: „Die Zeit heilt das schon“? Jeder gute Arzt wird die gebrochenen Knochen sorgsam richten, den Arm eingipsen, und dann braucht es auch Zeit. Heilen tut das ärztliche Eingreifen von außen und die Kräfte des Körpers von innen. Und alles geschieht in der Zeit. Aber nicht die Zeit heilt alles. So ist es auch mit Brüchen, Verletzungen und Kränkungen des Menschen. Sie müssen unter die Hand eines guten Arztes. Sein Eingriff von außen und die Lebenskräfte von innen vermögen die Wunden des Lebens zu heilen. Gott heilt die Wunden unseres Lebens. Dass der Heilungsprozess auch Zeit braucht, bedeutet nicht, dass die Zeit selbst heilt. Mein Bruder war sechs Jahre alt, als er sich mit einem Topf kochenden Wassers den ganzen Rücken verbrühte. Nach einem langen Krankenhausaufenthalt war der Rücken noch eine große eitrige Wunde, die täglich neu verbunden werden musste. Jeden Morgen ganz früh wurden die Schmerzen für ihn unerträglich, und er weinte und schrie: „Ich will zum Verbinden, ich will zum Verbinden!“ Das ist der Schrei des verletzten, zerrissenen, gekränkten Menschen: „Ich will zum Verbinden!“ Gott hat seinem Volk sagen lassen: „Ich bin der Herr, dein Arzt.“ Und dann hat Gott seinen Heiland gesandt, damit er die Wunden unseres Lebens verbinde. Waren wir schon bei Jesus mit unseren Verletzungen? Er will uns heilen. Die Zeit heilt nichts. Jesus heilt uns in der Zeit, und dann gilt es für eine ganze Ewigkeit. „Heile du mich, Herr, so werde ich heil: hilf du mir, so ist mir gehol­ (Jeremia 17,14) fen!“ 17

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11. Januar

Bin ich ein toter Bahnhof? In der kleinen Schwefelbergwerkstadt Riesi auf Sizilien gibt es einen einsamen Bahnhof. Man findet dort ein Bahnhofsgebäude, einen Bahnsteig und Signalanlagen. Aber es sind niemals Schienen gelegt worden. So ist niemals ein Zug in Riesi angekommen. Kein Zug konnte von dort abfahren. Der Bahnhof ist tot. Es gibt Menschen, die gleichen jenem Bahnhof von Riesi. Sie sind Geschöpfe Gottes. Sie haben ihre Ohren zum Hören, was Gott ihnen sagen will. Sie haben Herzen, um Gottes Liebe zu empfangen. Sie haben Hände, um Gottes Liebe weiterzuschenken. Aber sie haben die Verbindung zu Gott abgebrochen. Darum sind auch ihre Verbindungen zum Mitmenschen gestört. Ja, auch zu sich selbst haben sie ein gespaltenes Verhältnis. Sie wollen leben und tun alles, um es kaputtzumachen. Wir alle sind tot wie der Bahnhof der kleinen Stadt auf Sizilien, wenn Gottes Liebe nicht bei uns ankommt und durch uns weitergeht zu anderen Menschen. Auch wenn wir einer Kirche angehören und ein normales Leben führen, sind wir ohne eine persönliche Beziehung im Glauben an Jesus tot. Ohne Gottes Liebe sind unsere religiösen Bücher wie Kursbücher in einem toten Bahnhof. Ohne Gottes Liebe ist unsere Kirchenmitgliedschaft wie eine Fahrkarte, die nie gebraucht wird. Das Leben, das Gott uns in Jesus schenken will, kommt nie bei uns an. Die Liebe, die Gott durch uns hindurch in die Welt tragen will, geht nie von uns aus. Wir sind tot, wie schön auch alles Äußere sein mag. – Gott hat die Verbindung zu uns gesucht und hergestellt. Seine Züge kommen bei uns an. Wir können einsteigen in eine lebendige Beziehung zu Gott im Glauben an Jesus, im Danken und Hoffen. Wir müssen nicht länger ein toter Bahnhof sein. „Ich bin bei dir, spricht der Herr, dass ich dir helfe!“

(Jeremia 30,11)

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12. Januar

Güterzug oder Personenzug Zwei junge Menschen verlieben sich und beschließen zu heiraten. Das Mädchen kommt aus einem überreichen Elternhaus. Dort wird der junge Mann zum Abendessen eingeladen und will um die Hand der Tochter bitten. Verlegen steht er mit seinem Blumenstrauß den zukünftigen Schwiegereltern gegenüber. Die wohlüberlegten Sätze sind wie weggeblasen. Schließlich spricht er von einem ungeheuren Zug, der ihn zu dem Mädchen zieht, dass der Zug immer stärker wird, dass er sich so zu dem Mädchen hingezogen fühlt, dass er um die Hand der Tochter bitten möchte. Der zukünftige Schwiegervater legt ihm gütig lächelnd die Hand auf die Schulter und fragt: „Dieser Zug, von dem Sie da sprechen, ist das ein Güterzug oder ein Personenzug?“ Ist Gott für uns nur der Geber und Wünscheerfüller und unsere Beziehung zu ihm nur ein Güterzug? Oder ist Gott unser Herr und Vater, Freund und Vertrauter und unsere Beziehung zu ihm ein Personenzug? Gott schickt wahrlich viele Güterzüge: Kosmos und Erde, Sonne und Regen, Zeit und Leben, Schätze und Reichtümer. Aber dann kam der Personenzug Gottes. Gott wurde Mensch und erklärte uns seine Liebe, trug unsere Schuld, teilte unser Leid und starb unseren Tod. Wenn wir darauf mit Liebe antworten und eine persönliche Beziehung zu Gott im Glauben und Vertrauen finden, dann werden auch unsere Beziehungen untereinander wieder gelöster, menschlicher und liebevoller. Sind unsere Bezüge in Familie, Gemeinde und Gesellschaft Güterzüge des Begehrens, Neidens und Habenwollens oder Personenzüge des Vertrauens, Schenkens und Liebens? „Ich habe dich je und je geliebt!“ ist die Einladung Gottes in seinen Personenzug der Liebe, sein Angebot, zu Teilhabern des Lebens zu werden. Und wir wollen einsteigen: „Mein Herr und mein Gott!“

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13. Januar

Jesus war auch eingeladen Manchmal ist das Leben wie eine Hochzeit. Glück ist angesagt. Liebe blüht auf. Freude liegt in der Luft. Ein großes Abenteuer beginnt. Alles ist heiter und festlich, herrlich und gelöst. Wie ein wunderbares Land liegt das Leben offen vor uns. So war es auch bei der Hochzeit zu Kana. Ein herrlicher Festsaal, ein glückliches Brautpaar, liebe Gäste, fröhliches Feiern, köstliches Essen, guter Wein, reich gedeckte Tische und strahlende Gesichter. Und Jesus war auch eingeladen. Jesus war zur Hoch-Zeit, zur Freudenzeit, zur Glückszeit, zur Festzeit eingeladen. Die Brautleute wollten ihre Ehe nicht ohne Jesus beginnen, ihr Fest nicht ohne ihn feiern. Sie wollten ihr Glück mit ihm teilen. Laden wir Jesus auch zu den Hoch-Zeiten unseres Lebens ein? Wenn wir fröhlich sind, vor Glück nicht wissen wohin, gesund und wohl­ situiert? Oder warten wir mit der Einladung bis zu den Tief-Zeiten des Lebens, wenn Angst uns packt, Sorgen uns quälen, Einsamkeit uns überfällt, Mutlosigkeit sich ausbreitet, Sünde uns belastet? Das wäre ein ganz einfacher Maßstab für unser Leben: Nichts ohne Jesus beginnen, nichts ohne seine Gegenwart tun, kein Fest ohne ihn feiern, keine Entscheidung ohne ihn treffen, nichts ohne Jesus wagen oder angehen. Wir können Jesus in unsere Freude, zu unserem Glück, in unsere Beziehungen, unsere Ehe und Familie, in Gesundheit und Erfolg, in unser Lachen und Singen einladen. Er teilt es mit uns wie kein anderer. Der einfachste Maßstab für ein richtiges Leben: Jesus ist eingeladen!

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14. Januar

Spuren im Sand Eines Nachts hatte ich einen Traum: Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorübergezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens. Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“ Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“ „Da hast du gesehen, dass dich der Herr, dein Gott, getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert (5. Mose 1,31) seid!“

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15. Januar

Lebende Brücke Drei Männer arbeiten auf einem Hochhaus in Brooklyn. In der Mitte des Wolkenkratzers bricht ein Feuer aus. Mit Windeseile breitet es sich nach oben aus. Als die drei Männer das Feuer bemerken, sind die Fluchtwege schon von Rauch und Feuer versperrt. Verzweifelt kämpfen und schreien sie um ihr Leben. Die Feuerwehren rücken aus. Wassertürme werden aufgebaut, Leitern ausgefahren. Rasch klettert der Hauptmann die Leiter empor und macht eine furchtbare Entdeckung. Die Leiter reicht nicht bis an den Dachrand. Er sieht über sich die verzweifelten Gesichter der Bauarbeiter, unter sich den gähnenden Abgrund. In ihrer Todesangst schreien die Männer auf. Da streckt sich der Hauptmann hoch, wirft sich mit aller Kraft an die Dachkante und umklammert mit seinen Händen die Dachrinne. Seine Füße hängen in der letzten Leitersprosse. Die Männer oben verstehen sofort und rutschen über seinen Körper auf die rettende Leiter hinab. Kaum hat der letzte über die lebende Brücke die Leiter erreicht, verlassen den Hauptmann die Kräfte, und er stürzt in die Tiefe. Von seinen Kameraden wird er tot geborgen. Aber die drei Männer verdanken dem Opfer ihr Leben. Auch Jesus hat sich als lebende Brücke über den Abgrund gelegt, der sich zwischen Gott und Mensch, Leben und Tod aufgetan hat. Über seine Liebe und Hingabe können wir Menschen aus dem Feuer der Verlorenheit gerettet werden. Jesu Liebe bildet die Brücke, über die auch wir mit unserer ganzen Not und Last, Sorge und Sünde, Angst und Verzweiflung uns retten können. Die Brücke ist da und hält. Sind wir über sie zum Leben gekommen?

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16. Januar

Mehr Leben Ein Kind wird geboren. Es schreit, schreit nach Leben. Alle jungen Eltern wissen, wie unangenehm das Geschrei kleiner Kinder sein kann. Aber es dient dem Leben. Hinter dem Schreien der Kinder wohnt das Verlangen nach Nahrung und Liebe, nach Wärme und Zuwendung. Alle Menschen haben diese Sehnsucht nach Leben und Liebe, Anerkennung und Zuneigung. Ich war neun Monate alt, lag in meinem Stubenwagen im Wohnzimmer und schrie laut. Mutter war in der Küche beschäftigt und konnte nicht herbeikommen. Meinem älteren Bruder wurde das Schreien lästig. So redete er auf mich ein: „Baby leise sein!“ Als seine Ermahnungen nichts nützten, nahm er ein dickes Sofakissen und drückte es mit beiden Händen fest auf mein Gesicht. Noch ein schwaches Wimmern, dann war es still. Das Baby war leise, im Zimmer war Totenstille. Gerade in diesem Augenblick kam meine Mutter herein, riss das Kissen weg, nahm mich auf den Arm, drückte mich an sich, und die Atmung setzte wieder ein. Ich schrie und lebte. Dann stillte mich meine Mutter, und ich wurde ruhig. Menschen haben Hunger nach Leben und Durst nach Liebe. Sie sind wund an Leib und Seele. Sie rufen und schreien in ihren Ängsten und Sorgen nach Hilfe. Wie oft werden die Sehnsüchte nicht gestillt, sondern stillgemacht, nicht erfüllt, sondern mit sanfter Gewalt zum Schweigen gebracht. Jesus möchte unser Lebensverlangen wirklich stillen. Unter seiner Fürsorge und Liebe kommen wir wirklich zur Ruhe. Das eine ist Totenstille, das andere Lebensruhe. Jesus ist wie eine gute Mutter. Er lässt unseren Schrei nach Leben und Liebe gelten und will uns mit seiner Barmherzigkeit wirklich stillen und uns mit seiner Kraft zur Ruhe führen. Ist unser Leben nur stillgemacht, dann breitet sich Totenstille aus. Ist unser Leben bei Jesus gestillt, wächst eine tiefe Geborgenheit des Lebens.

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17. Januar

Unser Lebenselement Die Fische eines Flusses sprachen zueinander: „Man behauptet, dass unser Leben vom Wasser abhängt. Aber wir haben noch niemals Wasser gesehen. Wir wissen nicht, was Wasser ist!“ Da sagten einige, die klüger waren als die anderen: „Wir haben gehört, dass im Meer ein gelehrter Fisch lebt, der alle Dinge kennt. Wir wollen zu ihm ziehen und ihn bitten, uns das Wasser zu zeigen.“ So machten sich einige auf und kamen auch endlich in das Meer und fragten den Fisch. Als der Fisch sie angehört hatte, sagte er: „0, ihr dummen Fische! Im Wasser lebt und bewegt ihr euch. Aus dem Wasser seid ihr gekommen, zum Wasser kehrt ihr auch wieder zurück. Ihr lebt im Wasser, aber ihr wisst es nicht!“ So lebt der Mensch in Gott. Gott ist in allen Dingen, und alle Dinge sind in Gott. Und doch fragt der Mensch: „Kann es Gott geben? Wer (Aus einer Klosterhandschrift) ist Gott?“ „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, (Apostelgeschichte 17,28) weben und sind wir!“

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18. Januar

Nimm das Leben ernst! Auf einem Kalenderblatt lese ich einen Spruch, der mir zu denken gibt. Dort heißt es fettgedruckt: „Nimm das Leben nicht so ernst, denn du kommst am Ende ja doch nicht lebend davon!“ Das bedeutet: „Nimm das Leben leicht und locker, genieße die Tage, denk nicht an morgen und die andern, denn am Ende steht ja ohnehin der Tod!“ Viele Menschen meinen, sie könnten auf diesem Weg der Leichtigkeit mehr Lebensfreude und sorgenfreie Tage haben. Aber die Erfahrung zeigt, wer leichtfertig mit sich, den anderen, dem Leben umgeht, wird oft schwermütig und traurig. Wer aber das Leben, sich selbst, die anderen, seine Zukunft ernst nimmt, kann viel Freude entdecken und empfangen. „Lasst uns essen und trinken, feiern und genießen, denn morgen sind wir tot!“, das ist der direkte Weg ins Aus und den Untergang. Wenn wir aber das Leben und den, der es uns gab, lieben und ernst nehmen, wird es der Weg zur Lebenserfüllung und Vollendung sein. Darum würde ich auf einen Kalender schreiben: „Nimm das Leben und Gott, dich und die anderen, deine Herkunft und Zukunft, nimm Gottes Wort und seine Liebe ganz ernst, und du kommst immer lebend davon!“ „Wer den Sohn hat, der hat das Leben: wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht!“ (1. Johannes 5,12)

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19. Januar

Die beste Sehnsucht Ein neunjähriges Mädchen hört, wie in einer Unterhaltung von Erwachsenen ein älterer Mann zu ihrer Mutter sagt: „Ach ja, alles ist eitel!“ Das Mädchen fragt später die Mutter, was eitel bedeutet. Die Mutter erklärt ihr, dass eitel in dem Zusammenhang so viel wie vergänglich und nichtig bedeutet. Der Mann meinte damit, alles vergehe. Darauf versinkt das Mädchen in tiefes Nachdenken. Nach einer ganzen Zeit geht sie durchs Haus und legt ihre kleinen Hände auf alles, was sie erreicht, und sagt: „Du vergehst!“ Schließlich läuft sie hinaus und ruft dem Haus zu: „Du vergehst!“ Auch dem Garten, der Sonne und den Bäumen ruft sie zu: „Ihr alle vergeht!“ Dann kommt sie zur Mutter zurück und fragt erschrocken: „Mutter, vergehen wir Menschen denn auch alle?“ Die Mutter antwortet ihr: „Ja, auch die Menschen sind vergänglich. Nur Gott bleibt ewig und die Menschen, die seine Kinder werden und sich an ihn halten.“ Da ruft das Mädchen: „Dann hilf mir doch, dass ich ein Kind Gottes werde!“ Diese Sehnsucht, ein Kind Gottes zu werden und zu bleiben, wäre die beste Sehnsucht unseres Lebens. In allen Veränderungen und Wechseln des Lebens sollte das unser bleibender Wunsch sein, ein Kind Gottes zu werden und zu bleiben. „Alles ist eitel! Du aber bleibst, und wenn du ins Buch des Lebens schreibst!“ (Ein Kanon)

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20. Januar

Die richtige Wahl Ein Segelschiff geriet in einen heftigen Sturm. Der Mast knickte wie ein Streichholz entzwei. Das Steuerruder zerbrach. Schiff und Mannschaft trieben hilflos auf die Klippen einer kleinen Insel zu. Das Schiff zerbarst an einem Felsen, aber die Mannschaft konnte sich retten. Die Lebensmittelvorräte konnten die Männer mit auf die kleine, einsame Insel bringen, darunter auch einen Sack Weizen. Notdürftig rodeten die Männer ein Stückchen Land, um einen Teil des Weizens auszusäen, damit sie überleben konnten. Als sie die Erde umgruben, fanden sie einen Goldschatz. Das Saatgut war vergessen. Alle gruben wie besessen nach dem Gold. Sie waren reich und wohlhabend. Erst als die Lebensmittel aufgebraucht waren, merkten sie, dass sie von dem Gold nicht leben konnten. Angesichts ihres Todes erkannten sie die Wertlosigkeit des Reichtums und den Fluch ihrer Begierde. Die Insel ist die Welt. Das Saatgut ist Gottes Wort. Die Schiffbrüchigen sind wir. Uns locken Reichtum und Habsucht mehr als Gottes Heil. So müssen wir entdecken, dass man von Gold und Reichtum nicht überleben kann. Jesus sagt: „Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?“ (Matthäus 16,26)

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