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Leseprobe

Sabine Kley

Für jeden Tag ein kleines Wunder Geschichten aus Gottes schöner Welt


Leseprobe

Die Bibelverse sind folgender Ausgabe entnommen: Lutherbibel, revidierter Text 1984, durchgesehene Ausgabe, © 1999 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart. Einige der in diesem Buch verwendeten Texte wurden bereits in der Zeitschrift »Lebensspuren / Frau und Mutter«, © Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, abgedruckt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2018 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: 3Kreativ, Essen, unter Verwendung eines Bildes von © Gtranquillity (shutterstock..com) Lektorat: Nadine Weihe, Hille Illustrationen und Satz: rasani.design Daniel Raßbach, Leipzig Verwendete Schriften: Adobe Garamond Pro Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6522-3 www.neukirchener-verlage.de

Inhalt Winterbrachzeit – Alles hat alles seine Zeit Häng dich doch dran Sorgentrophäe Es hört wohl doch einer mit Zugfahrt Winterstürme Ins Schwarze getroffen Spätwinter Befreit zum Leben Geschmacksache Frühlingserwachen Geschenke der besonderen Art Frühling Auge im Sturm Ein wiederbelebter Garten Verzählt und vergessen Osterwunder Ohrenschmaus und gute Aussicht Verschwundene Schlüssel Plätschernde Erkenntnisse Überraschungen Wertvolle Kommunikation Backofenüberraschung Überlebenstraining im Urlaub 5

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Ein aufmerksamer Schöpfer Die Geschichte vom kleinen Mann Sommerabende Abendgeschenk Stehaufmännchen Mal wieder ein Umzug Neue Sichtweisen Für Sabine Ausgebremst Sturm Dankbarer Rückblick Wehmut Mit demselben Gott unterwegs Reise durch den Nebel Was Beißhunde uns lehren können Herbstzauber am Horizont Unvergessene Begegnungen Wünsche Kerzenzauber Bettgeschichten Gipfelkreuz Von Keksen und himmlischen Perspektiven Das sprechende Wort Gottes Winterflügel Siehe, dein König kommt zu dir – und findet keinen Adventskranz vor Sich genießend bejahen, lässt neue Kräfte wachsen 6

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Vom Jagen Weihnachten einmal anders Gehalten Was ich dir wünsche

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Winterbrachzeit – Alles hat alles seine Zeit

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s ist Februar. Nach der langen nasskalten Zeit lechzt die Seele nach Luft und Weite. Deshalb gönne ich mir trotz bewölktem Himmel einen längeren Feldspaziergang. Mit strammen Schritten laufe ich die Wege entlang. Auf den kahlen Feldern entdecke ich vereinzelte Schneeflecken. Die Ruhe der still liegenden Felder überträgt sich auf meine Seele. Sind wir nicht pausenlos am Schaffen?, denke ich. Es tut gut, einen Moment innezuhalten. In dieser Ruhe sinne ich über die Tiere im Winter nach. In der Tierwelt gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, mit dieser kalten und dunklen Jahreszeit umzugehen. Einige Tiere halten die sogenannte Winterruhe. Da ihre im Herbst angefressene Speckschicht nicht für den ganzen Winter ausreicht, unterbrechen sie manchmal ihren Schlaf und suchen nach versteckten Vorräten. Diese Tiere überleben durch Schlafen und Fressen. Sie wissen, was für sie zum Überleben notwendig ist, und haben ihren Aktionsradius eingeschränkt, um im Frühjahr wieder voll bei Kräften zu sein. Wie kommen wir durch den Winter? Stürzen wir uns in tausend Aktivitäten oder konzentrieren wir uns auf das Wesentliche? Mancher von uns findet sich in den winteraktiven Tieren wieder. Zu ihnen zählen zum Beispiel 9


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der Maulwurf und das Reh. Diese Tiere passen sich der kalten Jahreszeit und den veränderten Lebensbedingungen an. Das Reh bekommt für diesen Zeitabschnitt ein dichteres Fell. Es gibt Menschen, die sich in der vierten Jahreszeit besonders wohlfühlen und somit auch problemlos aktiv sein können. Warmer Tee, dicke Socken und Kerzenbeleuchtung motivieren sie und lassen sie die Kälte besser ertragen. Die Fledermaus und der Siebenschläfer halten ihren Winterschlaf. Sie haben sich genug Reserven angefressen und können im Schlaf davon zehren. Das Leben geht ohne sie weiter, sie haben sich ihm eine Weile entzogen. Man könnte sagen: Sie sind Aussteiger. Kaum wird es ungemütlich, sind sie weg vom Fenster. Zugvögel suchen ebenso das Weite, sobald es Herbst wird. Sie nehmen die Mühe einer langen Flugstrecke in Kauf, um in der Wärme zu überwintern. Wo sind unsere begrenzten Auszeiten? Es kann auch uns Mühe bereiten, sie zu suchen. Aber hinterher merken wir, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Die unterschiedlichen Tiere wissen um ihre Bedingungen, wie sie durch den Winter kommen. Ihr jeweiliges Verhalten gehört zu ihrem Überlebensrhythmus. Und diesen halten sie ein, sonst würden sie das nächste Frühjahr nicht erleben. Eine lang bewährte Lebensstrategie.

Wir können von diesen gottgeschaffenen Geschöpfen lernen. Im Alten Testament lesen wir im Buch Prediger 3,1: »Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.« Erkenne ich, was wann bei mir an der Zeit ist, oder lebe ich darauf los? Nehme ich mir einmal Zeit zum Rückzug – für ein wenig Winterruhe? Dabei kann ich mein Leben überdenken, mit meinem Gott neu ins Gespräch kommen. Eine Kerzenstunde mit mir und meinem Schöpfer lässt mich ruhig werden. Das kann zum Überleben wieder neue Kraft geben. Das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden, drückt folgendes Gebet aus:

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»Ewigkeit, in die Zeit – in meine Zeit – leuchte hell hinein, dass uns werde klein das Kleine und das Große groß erscheine – sel’ge Ewigkeit.«


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Häng dich doch dran

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ei meinem morgendlichen Frühstück blickte ich zu den Meisenbällchen. Sie hingen direkt vor meinem Küchenfenster in den Sträuchern. Ein kleiner Spatz saß auf einem Ästchen und pickte an einem der Bällchen. Der Frühling war zwar tagsüber schon eingekehrt. Morgens und abends aber durchzog das Land noch eine gewisse Kühle, die sich teils in Raureif ausdrückte. Reste eines nicht richtig da gewesenen Winters, so als könnte diese Jahreszeit es selbst nicht glauben, dass ihr Auftritt nicht der Beste war, und daher trotzig noch die letzten Spuren legte. Da waren die Vögel froh, Nahrung an den Meisenbällchen zu finden. Schwerfiel es diesem besagten Spatz, ein paar von den Körnern zu erhaschen. Immer wieder schwang das gewünschte Futter hin und her. Da musste ich an seine Artgenossen denken – die Meisen. Sie haben eine andere Strategie, sich ihre Nahrung zu besorgen. Diese kleinen Vögelein hängen sich direkt an die Futterbällchen. Parallelen zum alltäglichen Leben fallen mir ein. Jesus von Weitem zu beäugen, bringt herzlich wenig. Sich aber an ihn dranzuhängen, das bringt’s! Er freut sich sogar darüber. Er lässt es zu. Er weicht uns nicht aus. 12

Häng dich doch dran, du Spatz, dann geht’s leichter. Häng dich doch dran – du Mensch – an Jesus – ganz. Er hält dich aus, es lohnt sich.

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Sorgentrophäe enn es einen Oscar für »das Sorgen« gäbe, stünde ich bestimmt in der engsten Auswahl! In meinen ersten zwei Lebensjahren hatte ich keine Haare auf dem Kopf, meine Eltern befürchteten, dass es bei der anfänglichen Glatze bliebe. Dann ging aber ein unstoppbarer Haarwuchs los. Als einmal eine Friseurin meine Haare als »Mord« bezeichnete, wechselte ich den Friseur. Dicke, krause und lockige Haare sehe ich mittlerweile im Älterwerden als ein großes Geschenk. Ich weiß von vielen Frauen in meinem Alter, die darunter leiden, dass ihnen die Haare ausgehen. Früher machte mir meine Mutti einen sogenannten »Dutt«, auch Vogelnest genannt. Die Haare wurden wie zu einem Vogelnest auf dem Kopf zusammengeschlungen und befestigt. An dieses Bild musste ich bei folgendem Spruch von Martin Luther denken: »Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über deinem Haupte fliegen, kannst du nicht ändern. Aber dass sie Nester in deinem Haar bauen, das kannst du verhindern.« Wie schnell entdecke ich mich in der Sorgenmühle – herauszukommen ist eine Kunst, reinzugelangen ein Kinderspiel. Spielend gelingen mir fünf Jahrespläne. Wie gerne plane ich und mache mir damit auch Sorgen für die nächste Zeit. In man-

chen Nächten werden diese Sorgentiger riesengroß und stehlen mir den Schlaf. Als ich neulich sorgenvoll den Verkauf meines Autos und den damit verbundenen Neukauf eines anderen Autos in Angriff nahm, war mein Herz wiederholt sorgenvoll beladen. Viele Fragen taten sich auf. Wie dankbar war ich, als ich an einem solchen sorgenbeladenen Tag das Psalmwort lesen durfte: »Bei dem Herrn findet man Hilfe. Dein Segen komme über dein Volk« (Psalm 3,9). Ich erhielt wieder eine andere Perspektive. Ich muss nicht alles alleine durchziehen, Jesus möchte mir helfen und mich auch in diesen Dingen begleiten. Das durfte ich in dieser ganz konkreten Angelegenheit erfahren. In Matthäus 6,34 finden wir die entlastenden Worte von Jesus: »Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass ein jeder Tag seine eigene Plage hat.« Das ist für mich eine tägliche Therapie, wie ich mit meinen Sorgen umgehe. Ich fühle mich dabei von Jesus erkannt. Er weiß um meine Schwäche, er nimmt mich darin ernst und möchte mir helfen. Das heutige Sorgen ist genug, damit habe ich schon genug zu tun. Wenn ich mir auch das Morgen noch dazu aufbürde, überfordere ich mich. Das möchte Jesus nicht, deshalb sagte er diese Worte. Auch in dem folgenden Satz entdecke ich Wahrheit: »Sorge, aber nicht zu viel. Es geschieht doch, was Gott will.«

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Es hört wohl doch einer mit

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in plötzlicher Wintereinbruch der feinsten Sorte veränderte alles. Zuvor waren alle schon fast auf Frühling eingestellt, die ersten Primeln im Garten blühten, bei verschiedenen Pflanzen waren schon Knospen zu sehen, die Luft war mild und seichte Winde durchzogen das Land. Sportgeschäftsinhaber, die auf den Verkauf von Skisachen angewiesen sind, waren schon ganz frustriert. Dann wurde tatsächlich noch einmal Schnee angekündigt, aber nicht jeder konnte das nach der vorangegangenen milden Witterung glauben. Der Schnee kam schließlich mit einer Vehemenz, dass alles außer Rand und Band geriet. Baiersbronn und Freudenstadt hatten Unwetterwarnungen, die der Realität entsprachen. Es war kein Durchkommen mehr, da Lkw quer standen. Mein Nachbar musste auf seinem Weg zu seiner Arbeit wieder umdrehen. Mir kam es vor, als habe der Himmel einen Einlauf erhalten, als sei er die ganze Zeit verstopft gewesen. Es schneite ohne Ende. Als ich am Vormittag das Haus verließ, um einige Botengänge zu Fuß zu erledigen, konnte ich nur auf der geräumten Straße laufen, da die Bürgersteige von Schneemassen belagert waren. Traf ich hin und wieder Menschen, lachte man sich zu, man 16

kam sich vor wie Außerirdische, denn die meisten Leute verließen ihr Haus lieber nicht. Als ich wieder zu Hause war, versuchte ich, den Gehweg vom Schnee zu befreien. Das gelang mir nur mühsam. Der weitere Schnee und die Schneeräumfahrzeuge schütteten ihn jedoch in Kürze wieder zu. Unser großer Hof war hoffnungslos mit Schneemassen belagert. Mit einer einfachen

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Schneeschippe konnten wir ihn nicht freischaufeln. Außerdem hatte ich eine Schulterentzündung, die recht schmerzhaft war. Ich merkte, dass ich schon zu viel gemacht hatte. Mehrere Leute versuchten, uns mit unserer Schneefräse zu helfen. Einer Bekannten hatte ich auf den Anrufbeantworter gesprochen, dass wir für unseren Schnee Hilfe bräuchten. Sie gab es ihrem Sohn weiter, der uns mit einem Bagger von der Schneelast befreite. Es war mir eine richtige Gebetserhörung. Er entfernte auch den hohen Schnee auf dem Gehweg. Mit der Schneefräse wäre das nicht mehr gegangen, sagte er. Ich konnte Gott dafür nur danken und dem jungen Mann für die spontane Hilfe. Wie schnell ärgert man sich über Dinge, die man nicht ändern kann, und vergisst, das Anliegen Gott vorzutragen. F. B. Meyer sagte: »Die große Tragödie eines Lebens ist nicht ein unerhört gebliebenes Gebet, sondern ein nicht gebetetes Gebet.« So erfuhr ich, dass einer »mitgehört« hatte. Der lebendige Gott nahm sich meines Anliegens an. Er hatte mich gehört, bevor ich ihn um Hilfe gebeten hatte. Was war das für ein unverdientes Geschenk!

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Zugfahrt

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erschwindend schnell gleiten Landschaften am Zugfenster vorbei. Nichts kann festgehalten werden. Mein Blick muss sich an ständig wechselnde Bilder gewöhnen. Nur an den Haltestationen tritt ein wenig Ruhe ein, wenn auch nur für einen kurzen Augenblick. Dann geht die Reise weiter mit neuen Sinneseindrücken. Das ist ein gutes Beispiel für die heutige Schnelllebigkeit. Veränderung ist das Normale, Langeweile bleibt ein Fremdwort. Mithalten können, mitreden müssen ist gefragt. Beweglichkeit in jegliche Richtung ist notwendig. Wer rastet, der rostet. Deshalb fragen sich viele, ob sie das Ende ihrer Arbeitszeit erreichen werden. Total erschöpft trat schon mancher seinen Ruhestand an, und es gab überraschende Todesfälle. Wir wissen nicht um das Ende unserer Lebenszeit. Trotzdem sollten wir diese bewusst gestalten. In unserem Haus hängt ein Poster, auf dem eine Hand zu sehen ist, in der eine alte Taschenuhr sichtbar liegt. Anfangs hatte ich das Empfinden, diese Hand würde mich schlagen. Dann sah ich genauer auf die Uhr. Zuerst fiel mein Blick erleichtert darauf, dass es noch nicht zwölf Uhr war. Sie zeigte zwanzig vor zehn an. Dabei kam mir der Gedanke, dass ich schon viel Lebenszeit hinter mir habe, und dennoch 19


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steht mir eine Strecke bevor. Das bedeutet: Ich darf noch eine geschenkte Zeit erleben. Seitdem schaue ich nicht mehr ängstlich auf das Bild, sondern weiß meine Zeit in Gottes Händen geborgen. Wie gehen wir mit unserer Zeit um? Verleben wir sie sinnlos oder erfüllen wir sie sinnvoll? Erlauben wir Gott, dass unsere Wege von ihm durchkreuzt werden, weil er diese damit verbundene Lebensschule für uns als wichtig ansieht? Können wir stille Zeiten noch aushalten, sie sogar damit verbringen, dass wir in der Bibel lesen und uns dadurch neu ausrichten lassen? Stille ist nicht die Abwesenheit von Lärm. Wahre Stille kann auch im Tosen des Sturmes erfahren werden. Wenn wir mit Gott verbunden sind, dürfen wir im Auge des Sturmes ruhig werden, egal, wie es um uns herum tobt. Somit muss für uns auch die Schnelllebigkeit nichts Bedrohliches an sich haben, wenn unser Lebensboot in Jesu Wundmalen verankert ist.

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Winterstürme

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ie rütteln an den blätterlosen Ästen. Was da nicht gut verankert ist, wird schnellstens heruntergeweht. Der Restschnee muss durch wärmere Temperaturen gezwungenermaßen tauen. Von den lange vereisten Bächen sind wieder tosende Töne zu vernehmen. Das Tauwasser ist nicht zu überhören. Es ist eine Zwischenzeit, denn der Winter ist noch nicht vorbei. Auch wenn sich alles nach dem lebenssprudelnden Frühling sehnt, ist noch eine Warteschleife angesagt. Wenigstens hat die Stallpflicht meiner Hühner ein sehnlichst erwünschtes und erlaubtes Ende gefunden. Mein liebes Nachbarehepaar hatte ihnen als Weihnachtsgeschenk einen kleinen Unterstand als Auslauf gebaut, der nach oben abgedichtet war. So konnten die zehn Hühner immer wieder Luft schnappen, denn in dem kleinen Stall wäre es diese Wochen über doch für sie unerträglich eng geworden. Ich staunte, wie meine Damen die Enge miteinander aushielten. Die fünf jungen Hennen saßen nachts einträchtig mit den fünf alten Damen zusammen auf der Stange. Anfangs hatte es ziemliche Hackereien gegeben. Doch als ich mich einige Zeit mit ihnen beschäftigte, sie in ihre Grenzen verwies, aber auch lobte, wurden sie alle ruhiger. So entstand ein Familienzusammenhalt, der diese engeren Grenzen gut überlebte. 21


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Meine Hühnerfamilie ist schon etwas Besonderes. Cocco, eine meiner alten Damen, hatte deutlich an Energie abgenommen. Mit ihrem watscheligen Gang glich sie nun mehr einer Ente. Dennoch war sie gut in die Gruppe integriert und ließ sich nicht unterkriegen. Ihre Kollegin Angel befand sich zu dieser Zeit in der Mauser. Sie war meine »Sopranistin«; wie oft sang sie mir Lieder ins Ohr und schmiegte sich zärtlich an mich. Während ihrer Mauser nahm ich oft ihren Hals mit Köpfchen vorsichtig zwischen meine Hände und flüsterte ihr zu, dass sie bald wieder hübsch sei. Sie ließ sich das gefallen. Pauline war eines meiner frechsten Hühner. Oft überlegten wir als Familie, ob es nicht Zeit wäre, sie zu schlachten. Aber als ich sie mehrfach allein auf den Arm nahm und mit ihr sprach, bemerkte ich eine Veränderung. Sie wurde zugänglicher. War sie vorher zu kurz gekommen oder brauchte sie besondere Beachtung? Jedenfalls war sie nun ein wunderschönes, altes Huhn, das irgendwie zur Ruhe gekommen war. Erleben wir das nicht auch bei Menschen, die im Alter eine besondere Ausstrahlung erhalten? Man hält sich gerne in ihrer Nähe auf, sie strahlen eine Hoffnung und Zuversicht aus, besonders wenn sie im Glauben stehen. Sie wissen um ihre begrenzte Lebenszeit und ihr Lebensziel und lassen Jesus besonderen Raum in ihrem Leben. Trauen wir Gott

zu, dass er auch uns und andere verändern kann, oder haben wir bei schwierigen Menschen alle Hoffnungen auf Erneuerung aufgegeben?

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Ins Schwarze getroffen n der Mitte einer Zielscheibe ist es meistens schwarz. Wer also genau zielt, trifft ins Schwarze und hat damit bei einem Spiel einen Treffer. Kennen wir das nicht auch bei Gesprächen? Dabei kann man sowohl negativ als auch positiv ins Schwarze treffen. Als ich neulich jemanden nach seinem Befinden fragte, erhielt ich zur Antwort: »Danke der Nachfrage, nächste Frage.« Der andere verschwand. Ich hatte ins Schwarze getroffen und betrat wohl mit meiner Frage wackliges Terrain, worauf sich der andere nicht einlassen wollte. Meine Frage wurde nicht beantwortet, sondern nur eine Gegenfrage gestellt, die für mich sehr verletzend war. Auf die gesundheitliche Frage wäre eine Antwort wie »Es geht grad nicht so gut, aber ich möchte jetzt nicht darüber reden, sei mir bitte nicht böse« viel besser und verständnisvoller für mich gewesen. Positiv ins Schwarze getroffen hatte ich, als ich mit einer jungen Mutter spazieren ging und diese fragte, wie es ihr in ihrer neuen Situation als Mutter gehe. Dabei kam manches zutage. Es wurden Dinge offen beim Namen genannt, ich konnte aus eigener Betroffenheit von früher dazu etwas sagen. Es blieb kein einsilbiges Gespräch. Es floss dahin wie laufendes Wasser und erinnerte mich an das Bächlein, das an unserem Haus stetig entlangfließt, mal mit

mehr, mal mit weniger Wasser, aber ständig ist es in Bewegung. Liegen dagegen dicke Äste oder große Steine darin, wird der Wasserfluss aufgehalten und eine Störung ist vorhanden. So ist es auch bei Gesprächen. Stimmt der Kommunikationsfluss nicht, steht meistens etwas im Wege. Nicht immer muss man es persönlich nehmen. Es kann ja sein, dass man selbst einen schlechten Tag hat und genauso umgekehrt der andere auch. Es ist aber auch durchaus möglich, dass etwas zwischen zwei Personen steht, was ungeklärt ist. Eigentlich wäre Redebedarf vorhanden, aber einer von beiden möchte sich nicht darauf einlassen. Das Miteinander ist etwas sehr Zerbrechliches. Wie wohltuend ist es, wenn nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, wenn man den Faktor Humor mit hineinnehmen kann, der viel entkräftet. Auch gehören viel Feingefühl, Geduld und Liebe dazu. Wie wunderbar ist es, dass wir in Gottes Wort Hilfen für unsere Kommunikation finden: »Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!« (Psalm 141,3). Dieser Bibelvers kann eine Bitte sein, wenn wir Dinge nicht ausplaudern sollen oder wenn wir entgegengebrachte verletzende Äußerungen nicht ebenso zurückgeben möchten. Im Predigerbuch lesen wir die bekannten Worte: »Ein jegliches hat seine Zeit, (…) weinen hat seine Zeit, (…) klagen hat seine Zeit, (…) schweigen hat

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seine Zeit, reden hat seine Zeit« (Prediger 3,1.4.7). Lassen wir uns von Gott zeigen, was in unseren Gesprächen dran ist und welche Zeit die richtige ist, dann können wir mit Gottes Hilfe einen wertvollen Beitrag für ein gutes, heilsames Miteinander leisten.

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Spätwinter

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achdem der Schnee seinen Tauvorgang durch wärmere Temperaturen und Sonnenepisoden begonnen hatte, wurde unser Garten samt den benachbarten Bäumen von einem Vogelheer bevölkert. Viele Menschen hatten die Vögel in diesem Winter vermisst, denn die Vogelhäuschen blieben unberührt. Man fragte sich, wo die sonst so hungrigen Tiere sich befanden. Nun waren sie plötzlich zurückgekehrt und belebten die Natur. Sie faszinierten durch ihre Lebendigkeit, wühlten unter liegen gebliebenen Blättern, ihr wohltuendes Gezwitscher wertete die noch triste Natur sehr auf. Gott hat die Natur wunderbar gemacht. Jedes Tier hat seinen Platz und seine Lebenszeit. Überleben in der kalten Jahreszeit muss aber gelernt werden. Wir Menschen ziehen uns dann wärmer an, verfrorene Frauen freuen sich über ihre Bettwärmflaschen, heißer Tee ist an der Tagesordnung. Meine Hühner bekommen im Winter morgens warmes Wasser zum Trinken. Sie stürzen sich täglich gierig darauf. Mein lieber Nachbar schneidet ihnen Gemüse klein, diese Wintervitamine werden dankbar verputzt. Wenn ich die Hühner aus dem Stall lasse, inspizieren sie heißhungrig jeden Grashalm und vertilgen ihn. 27


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Was gibt uns in Kälte- bzw. Wüstenzeiten die nötige Überlebenskraft? Unsere Kinder und Freunde schicken mir Nachrichten mit ermutigenden Bibelversen, ein lustiges Bild oder einen Videoclip. Diese erfrischenden Beiträge erfreuen mein Herz. Gestärkt gehe ich durch den Tag, wenn ich Gottes persönliche Ansprache durch sein Wort erfahren habe.

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Befreit zum Leben

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enn Gott unser Herz neu entfacht, kann es anfangen, wieder Hoffnung zuzulassen. Dann trauen wir wieder dem gelegten Samen zu, dass er zu seiner Zeit keimen und aufgehen wird. Wenn Gott mit im Lebensboot ist, hat der Mut keine Chance, unterzugehen. Von alleine wächst er aber nicht, er muss gut genährt werden. Wenn wir uns ständig von Zweifeln umgeben, sinkt der Mut minütlich. Gottes großes Ja zu uns in seinem Wort ist die Lebensermutigung an sich. Jeden Tag wagt er das Abenteuer Mensch, täglich lässt er sich neu auf uns ein. Auch wenn ich persönlich keine Krisen bräuchte, möchte ich die ihnen folgenden Veränderungen nicht vermissen. In der Natur erleben wir sie ständig. Auf Regen folgt Sonnenschein, manchmal bekommen wir einen wunderschönen Regenbogen als Bonusgeschenk. Die Schneeschmelze erleben wir in Baiersbronn als ein aufgeregtes Geplätscher, überall sprudelt das Wasser in den Quellen, Rinnsalen und Bächen. Pures Leben ist angesagt, will totes Leben übertönen, will melden, es geht weiter – nicht nur in der Natur, sondern auch in unserem Leben, Gottes Handschrift hört bei uns nicht auf. Mit positiver Spannung den neuen Tag erwarten, gibt diesem Tag Vorschussvertrauen. Hat das nicht jeder von uns 29


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nötig? Gerade die Menschen, die aus ihren SchwarzWeiß-Ummantelungen nicht herauskommen, die es sich selbst nicht erlauben, ihr übergroßes Pflichtbewusstsein für ein Stück Lebensfreiheit zu öffnen, bedürfen da unserer Ermutigung und Hilfe. In einem Lied heißt es: »Die Güte des Herrn hat kein Ende.« Wie begrenzt ist unsere Geduld, Güte und Barmherzigkeit dem Nächsten gegenüber? Wir können sie nur dann ausüben, wenn wir an die himmlische Lebensquelle angeschlossen sind. Dann können wir den Lebensstürmen trotzen, in ihnen standhalten, uns an Jesus, dem Lebensüberwinder, festhalten.

begab mich auf einen kurzen Spaziergang. Ich durfte ein gutes Gespräch mit einem Gemeindemitglied führen, ein sehr wertvoller Austausch erfolgte unter freiem Himmel. Danach wusste ich, dass diese Begegnung aus Gottes Hand kam. Erfüllt begab ich mich ans Kochen des Mittagessens. Die Aussage »Wenn Gott allmächtig ist, entgleitet ihm nichts« vertreibt dunkle Wolken, lässt mich durchatmen, befreit mich zum Leben. Immer wieder geht es um mein Verhältnis zu meinem großen Gott, immer wieder liegt es an mir, wenn ich keine klare Sicht zu ihm habe. Er hat den Durchblick in meinem kleinen, oft so verwickelten Leben. Das tut gut.

Als ich neulich morgens recht niedergeschlagen den Hühnerstall öffnete, setzte sich sofort mein Huhn Joy vor mich nieder, um gestreichelt zu werden. Übersetzt heißt »Joy« Freude. Die hatte ich an dem Morgen nötig. War das ein Zufall? Für mich nicht. Mich durchströmte Dankbarkeit. Jesus wusste, was ich brauchte: Freude! Ich gab den Hühnern Namen, und immer wieder erfahre ich, wie ich dadurch gesegnet werde. Eines Morgens las ich in der Losung die Worte: »Tu, was dir vor die Hände kommt; denn Gott ist mit dir« (1. Samuel 10,7). Ich war gespannt, was das wohl für meinen Tag zu bedeuten hatte. Wegen plötzlicher Hüftprobleme nahm ich meine Walking-Stöcke und 30

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