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Tobias Faix, Florian Karcher (Hg.)
PRAXISBUCH TEENAGERARBEIT Wichtige Grundlagen, kreative Methoden, innovative Ideen
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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Grafikbüro Sonnhüter, www.sonnhueter.com, unter Verwendung eines Bildes von (c) George Rudy (shutterstock.com) Lektorat: Hauke Burgarth, Pohlheim DTP: Q. Gute Grafik, Fabiola Quadflieg, Köln Verwendete Schrift: Milo OT Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6485-1 www.neukirchener-verlage.de
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Teenager – die wunderbaren Wesen . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . .
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Biblisch-theologische Rahmenbedingungen für die Teenagerarbeit. . . . . . . . . . . . 3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Die Bedeutung von Familie und Schule für die Teenagerarbeit. . . . . . . . . . . . . . . . 5 Mission: Diakonie und Evangelisation in der Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Teenager im Mittelpunkt – Teenagerarbeit neu denken. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Mit einem Bein im Gefängnis? Teenagerarbeit und Recht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Mediennutzung – über den rechtlichen Umgang mit Internet, Video & Co. . . . .
14 24 30 39 46 53 59 66
Ideen, Inhalte und Methoden für die Teenagerarbeit . . . . . .
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Vorbereiten: Teenagerarbeit gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Mit Teens zu Bibeltexten arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Mit Teens einen Themenabend vorbereiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Erlebnispädagogik in der Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Chancen und Gefahren von sozialen Medien (WhatsApp, Snapchat & Co.). . . . . . 5 Projekte professionell mit Teenagern entwickeln und umsetzen . . . . . . . . . . . . . . 6 Ethische Fragen mit Teens durchdenken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
74 74 80 88 95 101 110
Mitmachen: Mit Teenagern Glauben und Gemeinde gestalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Beten mit Teens . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Predigen mit Teenagern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Wie Teens geistlich wachsen können . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Neue Wege in Konfirmandenarbeit und Biblischem Unterricht . . . . . . . . . . . . . . . 5 Teenager in Gemeinde und Gottesdienst integrieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Teenagerarbeit neu gründen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Inhaltsverzeichnis
Mitarbeiten: Teenager fördern und fordern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Mitarbeiterkultur in der Teenagerarbeit: Was Mitarbeitende können müssen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Vom Teen zum/r Mitarbeiter/in . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Die leise Revolution: Mentoring in der Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Musisch-kulturelle Arbeit mit Teenagern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Pornografie als Thema in der Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Kunst und Kreativität als Resilenzfaktoren in der Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . .
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Verantworten: Mission – lokal und global . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Das Leben in einer ungerechten Welt. Teenager und das Thema Gerechtigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Mit Teenagern die Welt gestalten .. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Kooperationen – eine Chance für deine Teenagerarbeit! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Interreligiöser Dialog mit Teenagern am Beispiel des Islam . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Interkulturelle Teenagerarbeit am Beispiel mit Geflüchteten . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Missionarische Teenagerarbeit mit Teenagern in Ostdeutschland . . . . . . . . . . . . .
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Weitere Methoden und Bausteine für die Teenagerarbeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Ausführliches Inhaltsverzeichnis zum Markt der Möglichkeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 1 Programmgestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2 Arbeit mit einem Text . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Kreative Gestaltung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Spielerische Einführung/Vertiefung. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5 Praktisches (Basteln, Werken etc.) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6 Arbeit mit Medien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
242 244 247 258 263 265 269
Unsere Autorinnen und Autoren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Bildquellenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
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Einleitung Teenager – die wunderbaren Wesen Tobias Faix, Florian Karcher
Vom Teddybär zum ersten Kuss: Lebensphase Teenager Es gibt in der Gemeinde- bzw. Jugendarbeit kaum etwas Schöneres, als mit Teenagern zu arbeiten. Diese besonderen Wesen, die nicht mehr Kind und noch nicht erwachsen sind, suchen gerade mitten im vielleicht größten Umbruch ihrer Biografie ihren Weg zu sich selbst und ins Leben. Es ist die Zeit der großen Gefühlswelten und Entwicklungs zeiten, die viele Teenager als extrem erleben. Besonders ihre Gefühlswelt wird oftmals stark durcheinandergewirbelt und in vielen Situationen fühlen sie sich unverstanden und reagieren sehr empfindlich. So kann es vorkommen, dass zwei extreme Gefühls ausbrüche innerhalb kurzer Zeit in völlig unterschiedliche Richtungen gehen. Ein Teeniemädchen brüllte während einer kleinen Auseinandersetzung bei uns im Teenkreis zum Beispiel einen Jungen an. Sie hasse ihn abgrundtief, er sei das Allerletzte und sie würde nie wieder in den Teenkreis kommen, wenn er da sei. Die Situation eskalierte so, dass ich sie dann heimfahren musste. Auf dem Rückweg beruhigte sie sich und auf die Frage, was denn gerade los gewesen sei, antwortete sie, dass sie genau diesen Jungen so unglaublich süß findet und gar nicht weiß, was sie machen soll. Diese Gefühlswirrungen sind auf dem Hintergrund der körperlichen, psychischen und emotionalen Entwicklung, die ein Teenager durchlebt, völlig normal und zeigen sich beim einen stärker und bei der anderen schwächer, machen die Arbeit mit Teenagern aber unglaublich spannend und lebendig. Denn Teenager verfügen über unglaubliche Energien, eine unbändige Kreativität und eine hohe Begeisterungsfähigkeit. Und gleichzeitig müssen sie mit den großen Veränderungen an ihrem Körper und der aufbrechenden Sexualität umgehen lernen, ihre sozialen Beziehungen in der Familie und im Freundeskreis umbauen, sich mit den Bildungs- und Leistungserwartungen der Gesellschaft auseinandersetzen und ein neues Selbstkonzept entwickeln, das eine eigenständige Idee dessen enthält, was und wer sie sein wollen. Vom Sandkasten zum Superstar: Zielgruppe Teenager Teenager sind in der heutigen Zeit sehr vielen Trends ausgesetzt. Marketingexperten und Trendscouts haben die Kaufkraft der Teenies entdeckt und buhlen mit schrillen Bildern und verlockenden Angeboten um die junge Generation, die noch hungrig und 5
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Einleitung
unverbraucht ist. Der Trend wird vorge geben und viele Teenies folgen dem angezeigten Weg willig nach. Das ist nicht verwunderlich, denn keine Generation vorher hatte in jungen Jahren schon so viel Geld zur Verfügung, solch ein vielfältiges Wissen und wurde so konsequent umworben. Dabei geht es nicht nur um „Fame“, wie es die Teenager ausdrücken, sondern um ein Lebensgefühl, das sich gut in den großen Fernsehformaten wie „Germany’s Next Topmodel“ oder „Voice of Germany“ und „Deutschland sucht den Superstar“ zeigt. Es geht um Identifikation (mit den eigenen Favoriten), Abgrenzung (mit den Blöden und Zicken und Unsympathischen) und Teilhabe (von der App über die Peergroup auf dem Schulhof), also die zentralen Entwicklungsaufgaben im Teenageralter. Perfekt darauf abgestimmt gibt es ein umfassendes Merchandisingprogramm, das den Teens scheinbar alles bietet, was sie brauchen, um die aufkommenden Fragen des Lebens zumindest kurzfristig zu beantworten. So gibt es neben wöchentlich erscheinenden Journals Kleider für alle Lebenslagen, Schminkutensilien, Handyhüllen, Parfüms, Caps, Tassen, Lanyards und noch vieles mehr. Die I ndustrie hat die Teens als ökonomische Zielgruppe längst entdeckt, untersucht und ihre Produkt reihen perfekt auf sie abgestimmt. Professionell sagen die einen, perfide die anderen. Was sagen eigentlich die Kirchen und Gemeinden zur Zielgruppe Teenager? Von der Randgruppe zur Zielgruppe: Teenager in der Gemeinde Teenager und Gemeinde scheinen auf den ersten Blick nicht sonderlich gut zusammenzupassen und, ja, die Lebensphase von Teenagern und traditionelle Gottesdienste vertragen sich nicht gut. Oft hören sich die Begegnungen so an: Stur, bockig, unverständlich, unmöglich angezogen und voller unbändiger Energie, so sehen viele Erwachsene Teenager. Man möchte im Gottesdienst geistlich auftanken, Gott in der Stille und in seiner geistlichen Tradition und Gewohnheit begegnen, und dann versuchen ein paar Teens aus ihren elektronischen Instrumenten auch noch das Letzte rauszuholen. Ist das zu verkraften? Spießig, durchschaubar, angepasst und unendlich langweilig, so sehen viele Teens Erwachsene. Man möchte in den Gottesdienst und Gott erleben, seine Größe in einer power vollen Anbetung fühlen und spüren, radikal in der Predigt herausgefordert werden und 6
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Teenager – die wunderbaren Wesen
dann singt der Kirchenchor einen vierstimmigen Choral und der Pfarrer benutzt einen Wortschatz, den man bis dahin nur aus den Besuchen im Altersheim kannte. Ist das zu verkraften? Ja – es ist zu verkraften! Denn Teenager sind nicht nur ein wichtiger Teil, sondern haben auch das Recht auf einen Platz in der Gemeinde. So zeigen auch die letzten Umfragen, sowohl in der evangelischen Kirche (KMU 5) als auch in der Fresh-X-Bewegung in England („From Anecedote to Evidence“), dass ein zentraler Wachstumsgrund in der Gemeinde die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist. Und hier liegt die Schnittstelle in der Teenagerarbeit, da nach der Konfirmation bzw. dem Biblischen Unterricht der größte Bruch zu verzeichnen ist. Genau hier wollen wir ansetzen mit unserem Praxisbuch, Teenager in ihrer Lebens- und Glaubensphase ernst nehmen und Teenager als einen Teil von Gemeindearbeit sehen. Dies impliziert beides, sowohl generationsübergreifende Begegnung als auch die Arbeit in der eigenen Peergroup. Gerade Letzteres hat für das Alter eine besonders hohe Bedeutung. Von der Fremdwahrnehmung zur Selbstwahrnehmung: Teenager und die Gruppe Die Gruppe ist für das Teenageralter besonders wichtig. Der junge Mensch sucht und braucht Gemeinschaft. Die Gruppe ist für Heranwachsende von entscheidender Bedeutung (Peergroup), darum versucht er, sich solch einer Gruppe anzuschließen. Eltern und Verantwortliche der Gemeinde sollten darauf achten, dass Teenager rechtzeitig in eine gesunde Gruppe hineinfinden. In der Gruppe findet der Teenager neue Bezugspersonen, Anerkennung und Geborgenheit. Werte, die die Gruppe vertritt, macht er sich leichter und schneller zu eigen, ebenso Leitbilder. Eine lebendige und gute Teenagerarbeit ist für die Entwicklung des jungen Menschen von ausschlaggebender Bedeutung. Vom elterlichen zum eigenen Glauben: Teenager und Glaubensvermittlung Die Zeit der Identitätskrise und der Ich-Findung ist für das Glaubensangebot von größter Wichtigkeit. Die Offenheit für den Glauben ist zu keiner Zeit größer als in diesem Alter. Es ist darum eine Zeit der Entscheidung. Das Angebot des Evangeliums trägt auch zur Findung der eigenen Identität bei. In der Pubertät braucht der junge Mensch Beistand, Begleitung und persönliche Zuwendung. Eltern können das in der Regel nur zum Teil leisten. Darum kommt der Gemeinde und den Verantwortlichen in der Jugendarbeit eine umso größere Bedeutung zu. Trotz aller Ablösungskonflikte, Kritik an der Erwachsenenwelt und dem Hinterfragen des Glaubenslebens (und der Glaubenslehre), suchen 7
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Einleitung
junge Menschen Väter und Mütter im Glauben, die sie ernst nehmen, verstehen, ihnen zuhören, Freiraum zur Entfaltung geben, ihnen Vertrauen entgegenbringen, aber auch Grenzen aufzeigen, Maßstäbe vermitteln, Festigkeit vorleben, sie vor allem aber ermutigen. Denn Teenager sind auch und gerade in ihrer Entwicklungsphase vollständige Personen, die es nicht nur ernst zu nehmen gilt, sondern von denen auch Mitarbeitende lernen können. Vom Objekt zum Subjekt: Teenagerarbeit für, mit und von Teenagern Teenagerarbeit speist sich wesentlich aus der Einsicht, dass Teenager in einer spezifischen Lebenslage sind, die von Kindheit und Erwachsenenalter unterschieden werden muss. Sie sind eigene Subjekte und die besten Expertinnen und Experten ihrer Altersgruppe. Sie nehmen die Welt mit besonderen Augen wahr und dies gilt auch für ihre Gottesbeziehung und Glaubensentwicklung. Das formale und abstrakte Denken wird zunehmend ausgeprägt und komplexe Zusammenhänge werden verstanden, entdeckt und hinterfragt. Was bisher im Glauben selbstverständlich war, wird plötzlich infrage gestellt. Wichtige Lebensentscheidungen werden getroffen und mit voller Kraft umgesetzt. Deshalb gilt für die Teenagerarbeit dreierlei: a) Die Arbeit für Teenager ist die Arbeit, in der theologische Wahrheiten für das Alter entsprechend aufbereitet werden, sodass sie von Teenagern mit ihren spezifischen Denk- und Sprachkompetenzen erfasst und verarbeitet werden können. b) Die Arbeit mit Teenagern ist das, was in vielen Teenkreisen ein fester Standard ist: Teilnehmende und Mitarbeitende setzen sich gemeinsam mit theologisch relevan lltagswelt der Teenager beten Fragen auseinander, überlegen, was dies für die A deutet, und motivieren sie dazu, dass die gemeinsamen Erkenntnisse praktisch umgesetzt werden. c) Die Arbeit von Teenagern setzt bei der Kompetenz der Teenager an, ihrem besonderen Wissen, ihrer Leidenschaft und Sprachfähigkeit. Sie übernehmen im Teenkreis selbst Verantwortung, können Entscheidungen treffen, Evangelium verkünden und Teenkreisabende gestalten. Die neue Generation an Teenagern ist nach unserem Erleben höchst motiviert und kompetent, selbst aktiv Teenagerarbeit zu gestalten. Sie brauchen den Raum und die Begleitung dafür; auch darum soll es in diesem Buch gehen. Vom guten Programm zu gelingenden Beziehungen: Vertrauen ist der Anfang von allem Wir finden gute Programme und innovative Konzeptionen enorm wichtig, deshalb bilden sie auch einen wesentlichen Teil dieses Buches, aber sie werden nur greifen, wenn sie auf einer gesunden Beziehungsgrundlage aufbauen. Beziehungen bilden die 8
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Teenager – die wunderbaren Wesen
Basis in jeder Art von Teenagerarbeit. Du kannst noch so ein gutes und abgefahrenes Programm leisten, noch so fette Action bieten; wenn du keinen Beziehungsdraht zu deinen Teens hast, verfehlt die Arbeit ihre eigentliche Wirkung. Wenn du deine Teens begleiten willst, ihnen durch die Zeit der Pubertät durchhelfen und für sie da sein willst, dann geht kein Weg daran vorbei, Beziehungen zu bauen. Und diese entstehen nur durch Vertrauen, das du dir erst einmal gewinnen musst. Eine Beziehung muss gepflegt werden und das kostet Zeit, was sich als wertvollste Währung in unserer Gesellschaft darstellt, die sich in den letzten Jahrzehnten wesentlich verändert hat.
Teenagerarbeit neu denken Fragen wir die Forscherinnen und Forscher, dann sprechen die meisten von großen gesellschaftlichen Transformationsprozessen, in denen wir gerade leben. Es fallen dann meist ähnliche Stichworte: Globalisierung, Digitalisierung, Individualisierung und Pluralisierung. Und ja: Sie beschäf tigen uns in diesem Buch auch, nicht so sehr analytisch, dafür gibt es andere gute Bücher, sondern eher als Hintergrundfolie, denn die Teenagergeneration, um die es in diesem Buch geht, ist die erste in diesen Umbrüchen aufgewachsene und geprägte Generation. Deshalb erregt sie auch eine besondere mediale Aufmerksamkeit, wird „Generation Y“ und eigentlich schon „Generation Z“ genannt. Soziologisch betrachtet wachsen Teenager in einer Gesellschaft auf, die ihnen vielfältige Optionen offenhält, ohne dass es einen gesamtgesellschaftlichen Konsens darüber gibt, was ein gutes und erfülltes Leben auszeichnet. Verschiedene Weltanschauungen und Religionen stehen gleichberechtigt nebeneinander und es ist am einzelnen Teenager, wie er/sie mit dieser Vielfalt umgehen will. So wachsen Teenager in einer immer traditionsloseren Welt auf, die auf der einen Seite mehr individuelle Freiheit mit sich bringt, auf der anderen Seite aber auch beinhaltet, dass das Individuum das Risiko seines eigenen Lebensentwurfs selbst tragen muss. Teenager haben mehr Optionen und mehr Geld, ihr Leben zu gestalten, aber auch den Druck, die für sie richtigen Entscheidungen zu treffen. Eine Entscheidung für eine Sache bedeutet immer auch eine gegen 10, 50 oder 100 andere Optionen. Eingebettet ist dieser Prozess in unterschiedliche Lebenswelten bzw. soziale Milieus, wobei sich zwei Milieus dadurch unterscheiden, dass sie ein und demselben Ereignis unterschiedliche Erlebnisqualität zuschreiben. Teenagerarbeit ist oftmals eines der wenigen gemeindepädagogischen Handlungsfelder, die von unterschiedlichen 9
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Einleitung
Milieus besucht wird. Dies ist ein großer Schatz. Das Milieu, in dem man aufwächst, prägt nicht nur den individuellen Lebensstil, sondern auch die Wertorientierung und das Ideal dessen, was man später einmal erreichen will. Bezogen auf das religiöse Feld führt die gesellschaftliche Individualisierung zu einem Bedeutungsverlust religiöser Institutionen. Außerdem wachsen Teenager in einer Gesellschaft auf, in der sie unterschiedlichen Weltanschauungen und religiösen Traditionen – zum Teil real, in vielfacher Weise aber virtuell – begegnen.
Wie dieses Buch funktioniert Theorie und Praxis kombiniert Wir haben versucht, in diesem Buch grundsätzliche Überlegungen zur Teenagerarbeit mit Ideen, Beispielen und Methoden zu kombinieren. Wir sind davon überzeugt, dass es wichtig ist, die Theorie mit der Praxis zu verknüpfen. Wir wollten keine Beiträge schreiben, die eine Sache einfach nur theoretisch betrachten, sondern alles auch praktisch umsetzbar abbilden. Aber wir wollten auch nicht einfach nur Methoden auflisten, die du in deiner Arbeit einsetzen kannst, ohne auf die wirklich wichtigen Hintergründe aufmerksam zu machen. Deshalb findest du in allen Beiträgen Hintergrundinformationen und Gedankenanstöße, aber auch wichtige Bausteine für die Praxis der Teenagerarbeit. Dabei helfen dir unsere Icons:
ME THODE
Hier findest du ganz konkrete Bausteine und Methoden für die Praxis. Du bekommst in der Regel erklärt, wie die jeweilige Methode funktioniert und was du dafür brauchst. Wenn du das Buch nach dem ersten Lesen zur Seite legst und später nach guten Methoden für ein bestimmtes Thema suchst, kannst du es einfach nach diesem Icon durchblättern.
Hier findest du meist Fragen, die dir helfen sollen, das Gelesene auf dich persönlich und vor allem auf deine Teenagerarbeit anzuwenden. Sie sind dafür da, um die Inhalte vom Allgemeinen punktgenau in deine Situation zu übertragen. Auch wenn man über solche Fragen gerne hinwegliest, nimm dir die Zeit dafür – es lohnt sich.
BEISPIEL
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Hier bekommst du Beispiele gezeigt, wie etwas in der Arbeit mit Teenagern konkret aussehen kann. Manchmal stellen wir hier Projekte und Aktionen vor oder es gibt eine Art Fallbeispiel, das die Inhalte noch einmal verdeutlichen und in die Praxis übertragen soll.
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Teenager – die wunderbaren Wesen
Und hier findest du alles, was du gut gebrauchen kannst, um am Thema dranzubleiben, noch mal etwas nachzulesen oder weitere Methoden und Ideen zum Thema zu finden. Die Materialhinweise passen immer genau zu dem, was du gerade gelesen hast.
BUCHTIPP Am Ende der meisten Beiträge findest du noch eine Liste von Büchern oder Internetseiten, die sich mit dem Thema allgemein beschäftigen.
Drei Teile für deine Teenagerarbeit Unser Buch ist in drei Teile eingeteilt. Diese Gliederung soll dir helfen, dich besser zurechtzufinden.
In Teil 1 findest du Beiträge, die sich mit allgemeinen Fragen der Teenagerarbeit beschäftigen, quasi dem, was eigentlich alle betrifft. Hier geht es darum, was Teenager heute ausmacht, welche Veränderungen sich in der Arbeit mit Teenagern ergeben haben und was z. B. die rechtlichen Rahmenbedingungen sind. Mit diesen Fragen sollten sich alle Mitarbeitenden in der Teenagerarbeit einmal auseinandergesetzt haben.
In Teil 2 findest du dann Gedanken, Ideen und Methoden zu verschiedenen Themen, die für deine Teenagerarbeit wichtig sind oder sie bereichern können. Es sind verschiedene Konzepte oder Methoden, z. B. Erlebnispädagogik oder der Umgang mit Medien, aber auch grundlegende Themen zum Alltag in deiner Teenagerarbeit, z. B. wie man Bibelarbeiten gestalten oder mit Teens beten kann. Hier kannst du dir genau das raussuchen, was du gerade brauchst oder was dich interessiert.
In Teil 3 findest du eine Sammlung von weiteren Methoden und Ideen, die du an verschiedenen Stellen einsetzen kannst. Sie helfen dir, wenn du gerade mal unkreativ oder auf der Suche nach etwas Neuem bist. 11
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Einleitung
Danke! Wir haben uns dagegen entschieden, dieses Buch komplett selbst zu schreiben, weil wir davon überzeugt sind, dass die Kreativität vieler die Teenagerarbeit stärker bereichern kann. Wir sind begeistert von dem Ergebnis. Über 25 erfahrende Autoren und Autorinnen haben an diesem Buch mitgearbeitet und dazu beigetragen, dass wir so viele Themen und Methoden bearbeiten konnten. Jedem und jeder von ihnen sagen wir von Herzen danke für die investierte Kreativität und Zeit. Ein besonderer Dank geht an Lena Fraszczak, die uns geholfen hat, dieses Buch möglichst fehlerfrei und übersichtlich zu gestalten. Danke auch an das Verlagsteam um Frau Atkinson des Neu kirchener Verlags für die freundliche und gute Betreuung. Ein letzter Dank geht an dich! Danke, dass du dich für Teenager einsetzt. Danke, dass du deine Zeit für sie investierst und dabei sogar Bücher liest. Wir wünschen dir, dass dieses Buch deine Arbeit bereichert. Gottes Segen dafür!
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen Tobias Faix
„Experten können uns alles in der objektiven Welt erklären, aber wir verstehen unser eigenes Leben immer weniger. Kurzum: Wir leben in der post-modernen Welt, wo alles möglich ist und so gut wie nichts gewiss.“ Vaclav Havel (1936–2011), Ex-Präsident der Tschechischen Republik, Club of Rome
Hybride Identitäten – die Generation XYZ verstehen Teenager im Zeichen des Umbruchs. Globalisierung und Digitalisierung als identitätsstiftende Elemente im Aufwachsen der neuen Generation „Ich weiß selber, wer ich bin!“ Keine Frage, die neue Teenager- und Jugendgeneration kommt selbstbewusster daher als ihre Vorgänger. Schon die Generation Y hat dies deutlich gemacht. Ein Zeichen dafür ist, dass sie die Beschreibung und Erklärung ihrer Generation nicht mehr alleine den ExpertInnen überlässt, sondern sich selbst erklären will. Wie der 18-jährige Philipp Riederle, der das Buch „Wer wir sind, und was wir wollen: Ein Digital Native erklärt seine Generation“ schrieb, oder Oliver Jeges, der Ähnliches mit dem Buch „Generation Maybe: Die Signatur einer Epoche“ tat. Und wenn man die „Paten“ dieser neuen Generation sucht, dann wird man bei Tanja und Johnny Haeusler fündig, die zwei große Plattformen für die neue Generation geschaffen haben: zum einen die re:publica- Konferenz, die jedes Jahr in Berlin stattfindet und mittlerweile schon Standard geworden ist für frische und innovative Ideen, und zum anderen die Internetplattform Spreeblick (spreeblick.com) als neues Sprachrohr der Jugendbiografie. Aber dies gilt vor allem für die 19- bis 29-Jährigen. Die nächste Generation folgt bereits und sie beschreibt sich stärker online. Wenn man sie kennenlernen will, wird man bei YouTube fündig. In „LifeWithMelina“ zum Beispiel erklärt Melina, die mit bürgerlichem Namen Melanie Sophie heißt, fast 1,2 Millionen Abonnenten täglich, wie sie die Welt sieht. Und damit steht sie noch nicht mal an der Spitze, „LeFloids“ mit 2,7 Millionen Followern oder „Dagi Bee“ mit 2,3 Millionen stehen noch weit vor ihr. Es lohnt sich, in diese YouTube- Kanäle reinzuhören, um einen eigenen Eindruck zu bekommen. 14
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen
re:publica https://re-publica.de/ Spreeblick https://spreeblick.com Melina Sophie http://de.youtube.wikia.com/wiki/Melina_Sophie „Ich habe immer das Problem, dass wenn ich von Heimat spreche, zwei oder drei Orte gleichzeitig infrage kommen, die gemeint sein könnten.“ Klaus Die globalen Veränderungsprozesse der letzten Jahrzehnte haben viele Fragen aufgeworfen. Wenn man die rasante gesellschaftliche Entwicklung zu Beginn des 21. Jahrhunderts beobachtet, wird besonders an der Jugendkultur deutlich, welche Auswirkungen diese globalen Veränderungen auf die Entwicklungsprozesse unseres Lebens und Glaubens haben werden. Globalisierung wird als offener und gestaltbarer Prozess begriffen und zeigt sich sowohl in der wirtschaftlichen und politischen als auch in der privaten Realität des Alltags. So ist uns der neue amerikanische Präsident Trump schon näher als mancher unserer Nachbarn, und andererseits bleiben uns 975 Millionen hungernde Menschen völlig fern – trotz Globalisierung. Wir können in Ländern Urlaub machen, über deren Geschichte und Kultur wir so gut wie nichts wissen, essen dort aber bei McDonald’s und trinken deutsches Bier. Auf der einen Seite können wir per Mausklick um die ganze Welt surfen und via Skype kostenfrei auf allen Kontinenten kommunizieren, können fast überall hinfliegen und es wird uns suggeriert, dass alles möglich sei. Auf der anderen Seite wächst die Sehnsucht nach eigener Identität und Heimat. Diese gegensätzlichen Tendenzen sind typisch für unsere Zeit und spiegeln die Spannung wider, in der sich viele Menschen befinden. Diese Generation ist geprägt von den globalen Erfahrungen und Ereignissen, die ihren Alltag, ihr Denken und Handeln bestimmen. Die dadurch entstehenden zunehmenden Optionen bringen den Jugendlichen nicht nur Vorteile, sondern drängen sie immer mehr in Entscheidungsnot. So nannte Oliver Jeges die neue Generation symptomatisch die „Generation Maybe“, die sich im Entweder-oder verrannt hat. Aber die neue Generation kann dafür spielerisch mit der „digitalen Revolution“ umgehen und überhaupt können wir einiges von ihr lernen, wie wir gleich erfahren werden. 15
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
„Ich surfe, also bin ich“ – Teenager und digitale Netzwerke „Ich surfe, also bin ich.“ Marie Die sozialen und technisch-medialen Bedingungen haben sich in den letzten Jahren drastisch verändert. Die sogenannte Mediatisierung der Jugend und die Dynamik der Kommunikationsgesellschaft haben Spuren hinterlassen, die wir wahrscheinlich erst in einigen Jahren verstehen werden. Es ist für Teenager heute nahezu ausgeschlossen, außerhalb der Medien und besonders der Social Media zu leben. Experten sprechen von der mit und in diesen Technologien aufgewachsenen Generation als den „Digital Natives“. Die 17. Shell-Studie (Okt. 2015) drückt das in Zahlen aus, was wir längst vermutet haben: 99 Prozent der Jugendlichen sind online, 81 Prozent aller Jugendlichen nutzen ein Smartphone und 47 Prozent haben drei oder mehr Geräte (Smartphone, Computer, Tablet etc.). Eine der interessanten Fragen, die sich daraus entwickeln, ist die nach der Identität der Jugendlichen. Sie leben in zwei Realitäten, der virtuellen Social Media und der realen des Alltags. Diese stehen nicht nebeneinander, sondern kommen im Alltag so eng zusammen, dass sie sich vermischen. Man spricht von „hybriden Identitäten“, einem Begriff, der aus der Migrationsforschung stammt. Kai-Uwe Hugger erklärt dies folgendermaßen: „Jugendliche suchen zunehmend Orte im Internet auf – Online-Communities –, wo sie eine Aushandlung ihrer hybriden Identität unter Globalisierungsvorzeichen vornehmen können.“ Diese „Neuschöpfung“ der eigenen Identität lässt sich nicht mehr mit den klassischen Identitätsmerkmalen beschreiben, sondern stellt sich als ein „kreativer Prozess der Selbstorganisation“ dar. So entsteht aus einer „Entwederoder-Zuordnung“ eine „Sowohl-als-auch-Zuordnung“, die eine Mischung von Ambivalenzen, Brüchen und Komplexitäten vereint. Dies führt dazu, dass durch die neuen Möglichkeiten und Vielfältigkeiten neue, oftmals ambivalente Identitätsformen bei den Jugendlichen entstehen. So werden die Grenzen zwischen der virtuellen und der realen Welt fließend und nicht mehr trennbar. Was heißt das für Glauben und Teenagerarbeit? Die lutherische Frage heute: Was ist die gute Nachricht für diese Generation? „Lass mich dich lernen, dein Denken und Sprechen, dein Fragen und Dasein, damit ich daran die Botschaft neu lernen kann, die ich dir zu überliefern habe.“ Klaus Hemmerle Überlegen wir nun, was dies für die gemeindliche Teenagerarbeit bedeutet, dann ergeben sich eine ganze Menge an guten Möglichkeiten. Die Grundlage führt uns ganz an den Anfang zurück – zum neuen Selbstbewusstsein. Die neue Generation möchte vor allem eines: ernst genommen werden. Mit ihrem subjektiven Glauben, ihrer Suche 16
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen
nach Sinn und ihrer hybriden Identität. Der Aachener Bischof Klaus Hemmerle hat deshalb recht, wenn er sagt, dass wir die neue Generation wieder lernen müssen, ihr Denken und Sprechen, ihre Fragen und ihr Dasein. Denn wir müssen neu sprachfähig werden und damit die gesellschaftlichen und religiösen Veränderungen im Leben der Teenager verstehen lernen. Die Teenager selbst sind offen, freuen sich, wenn sie in ihrer Suchbewegung Dialogpartner finden, und so ergibt sich eine Reihe von guten Möglichkeiten für die Teenagerarbeit. 1. Beschreibe die Teenager deiner Stadt. Was fällt dir auf? 2. Welche Rolle spielen digitale Medien für deine Teenagerarbeit?
Religiöse Touristen – Einblicke in das Glaubensleben der neuen Generation Religiöse Pluralität ist im Alltag angekommen – ein Glaubensporträt Die religiöse Vielfalt, auf die Teenager im Zuge der Globalisierung und Pluralisierung treffen, fordert uns heraus, über die eigene Spiritualität nachzudenken. Trotzdem erscheinen Teenager eher als pragmatische Generation; man kann mit Vorbehalt vom Ende der Ideologien sprechen. „Große utopische Ideen sprechen diese Jugendlichen kaum an. Sie vertrauen auf das Machbare“ und konzentrieren sich eher auf konkret naheliegende Dinge, wie z. B. Beziehungsgeflechte in Freundschaften und der Familie realisiert werden. Spiritualität spielt im Leben der Jugendlichen, besonders im Leben der männlichen Teenager, eine mäßige Rolle und verliert immer mehr an Relevanz. Teenager signalisieren vielmehr eine gewisse Gelassenheit gegenüber der Bedeutung von Religion im eigenen Leben. Religion wird als selbstverständlicher Teil des eigenen Umfelds akzeptiert, der – ungeachtet von Einzelfällen – weder zu großer Ablehnung noch zu großem Bekenntnis herausfordert. Dabei ist die aktuelle Generation wohl die erste, die nahezu flächendeckend spürbar in einer religiös pluralen Gesellschaft aufwächst. Ein weiterer Aspekt, der die Gottes- und Glaubensvorstellungen beeinflusst, betrifft die individuellen Plausibilitätsstrukturen. In postmodernen, pluralistischen Gesellschaften sind diese Strukturen subjektiv wählbar. Zusammenfassend ist zu sagen: Es gibt unter Teenagern ein großes Interesse an Spiritualität. Diese Spiritualität lässt sich aber nicht mehr in die klassischen Kategorien einordnen. Dabei gelingt es immer weniger Teenagern, ihren Glauben sprachlich zu kommunizieren. Der Theologe Elmhorst verweist in diesem Zusammenhang auf eine „semantische Leerstelle“. Viele Teenager haben schlichtweg keine Semantik (Sprache), auf die sie zurückgreifen können, um das zu beschreiben, was sie glauben. Es scheint deshalb nicht zu hoch gegriffen von einer „religiösen Sprachkrise“ zu sprechen. 17
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BEISPIEL
Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
Ich möchte dir Tim vorstellen. Tim ist 17 Jahre alt und geht aufs Gymnasium, er findet Gott ziemlich spannend und interessiert sich für religiöse Erfahrungen, kann aber mit traditionellen Gottesdiensten nichts anfangen. Im Folgenden findest du ein Plakat, in dem Tim seinen Glauben beschrieben hat und was ihm daran wichtig ist:
Eine Generation von spirituell Suchenden, die aber nicht in der christlichen Teenagerarbeit sucht! Warum nicht? „Ich bin gerne evangelisch, da es eine Konfession der Freiheit ist, in der sich Yin und Yang das Gleichgewicht halten.“ Janine Die großen Traditionsbrüche, von denen in den letzten Jahren immer wieder gesprochen wurde, zeigen ihre Spuren, und so entwickelt sich eine Generation, die weniger an konfessionelle Grenzen gebunden ist und dafür mehr glaubt. Was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch aussieht, ist eigentlich einfach zu erklären. Teenager suchen in einer immer individualisierteren und technischer werdenden Welt Halt, Orientierung und das übernatürliche Erlebnis. Dies finden sie immer weniger in den traditionellen Kirchen, sondern in einer subjektiven Suche nach dem Sinn im eigenen Leben. Viele 18
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen
Teenager gleichen dabei mehr religiösen Touristen1, die sporadisch immer mal wieder in religiöse Kontexte eintauchen und die Angebote mitnehmen, die ihnen derzeit bei der Lebensbewältigung am nützlichsten erscheinen. Dabei entsteht oft eine Art Patchwork-Glaube, wie wir ihn im Zitat von Janine sehen. Alle großen Studien der letzten Jahre bestätigen diesen Trend (60 Prozent der Deutschen sind nach Paul Zulehner „spirituell Suchende“; der Bertelsmann-Religionsmonitor teilt die Jugendlichen in Deutschland in zwei Gruppen ein: 11 Prozent Hochreligiöse und 41 Prozent Religiöse). Dass sich dabei auch das Gottesbild verändert, zeigen die Ergebnisse der neuen Shell-Studie, die feststellt, dass noch 26 Prozent der Jugendlichen an einen persön lichen Gott, 21 Prozent an eine göttliche Macht glauben, 24 Prozent nicht so recht wissen und nur 27 Prozent an keinerlei Gott glauben. Zusammenfassend könnte man festhalten, dass Teenagern die Frage „Was glaube ich?“ nicht mehr so wichtig ist, sondern eher die Frage „Wie glaube ich?“. Glaube muss individuell erlebbar sein, subjektiv nachempfunden werden und für die eigene Lebenssituation im wahrsten Sinn des Wortes: Sinn machen. Zentrales Problem in der Teenagerarbeit: die Anschlussfähigkeit der Sprache Wenn Teenager heute über zentrale Begriffe ihres Glaubens reden wie Gott, Sünde oder Gnade, dann sind damit nicht mehr dogmatisch-konfessionelle Begriffe gemeint, die anschlussfähig an eine bestimmte Theologie sind, sondern meist sind sie gefüllt mit den subjektiven Erlebnissen der Teenager selbst: „Das Kreuz steht für Gesundheit“.
BEISPIEL
In einem Bild gesprochen, könnte man von einem „Schengener Abkommen2 des Glaubens“ reden. Die bisherigen Grenzen von Glauben, Konfessionen, gesellschaft lichen Normen und Traditionen werden aufgelöst, bisherige Grenzen verschwimmen und neue Wege werden gegangen, sodass neue Identitäten des Glaubens entstehen. Dies lässt sich an drei wesentlichen Punkten festmachen: 1. Kaum Anbindung an die traditionelle, konfessionelle Glaubenssprache der Kirchen. 2. Kaum Anbindung an die institutionellen Organisationen/Kirchen, die traditionell für das Erstere verantwortlich sind. 3. Kaum Anbindung an sprachliche Verständnisse theologischer Grundbegriffe des Glaubens (dogmatische Grundaussagen). 1 Dies gilt oftmals auch für christliche Jugendliche, die sich ebenfalls wie religiöse Touristen ihre geistliche Heimat an unterschiedlichen Orten suchen. Sie gehen ab und zu sonntags in den Gottesdienst „ihrer Gemeinde“, dazu in einen Studentenhauskreis und in den Lobpreisabend einer anderen Gemeinde. Dazu hören sie sich online die besten Predigten aus den USA an und suchen sich so Stück für Stück ihre eigene geistliche Identität. 2 Das „Schengener Abkommen“ ist das Abkommen der EU, welches die Öffnung der Grenzen zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten garantiert.
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
Diese Grenzüberschreitungen empfinden Teenager selbst meist als normal und für sich stimmig. Sie wissen, was sie glauben, und können dies auch ausdrücken. Problematisch wird es, wenn sie im Kontext der Teenagerarbeit auf konfessionell gebundene Begriffe stoßen und es zu Verständnis- und Kommunikationsproblemen kommt. Hier muss es neue Wege und Räume geben, miteinander in ein konstruktives Gespräch zu kommen. Für Teenager im Alter von 14–19 Jahren spielt Glaube eine Rolle im Leben und zeigt sich in erster Linie durch Beziehungen und Gemeinschaftsstrukturen. Die dabei erlebten subjektiven Grenzerfahrungen und die Überschreitung von bisherigen Glaubensgrenzen eröffnen einen neuen Dialograum in der Teenagerarbeit. Dies sind herausfordernde und spannende Zukunftsaussichten, die es zügig anzugehen gilt. 1. Was ist die „gute Nachricht“ für Teenager heute? 2. Was ist die Frage „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ für die Teenager deiner Stadt?
„Lass mich dich lernen“ – Teenagerarbeit mit Teenagern gestalten Auf die Stärke von Teenagerarbeit setzen: Beziehung als zentraler Wert Beziehungen und Gemeinschaft sind ein zentraler und sinnstiftender Wert bei der neuen Generation – unabhängig von religiösen Vorstellungen oder ihren globalen Einflüssen. Da Gemeinschaft auch ein zentraler christlicher Wert ist und untrennbar mit christlicher Jugendarbeit zusammenhängt, sollte sich die Teenagerarbeit beispielsweise auf diesen zentralen Wert besinnen und versuchen, in Beziehungen zu investieren. Allerdings leben viele Jugendliche ihre Beziehungen in den unterschiedlichsten realen und virtuellen Netzwerken. Beides fließt, wie beschrieben, im Leben der Teenager zusammen. Hier gilt es, in der Teenagerarbeit zu lernen, damit diese neuen Beziehungsebenen verstanden und genutzt werden können. Sichere Räume anbieten Ein weiterer zentraler Wunsch von vielen Teenagern sind sichere Räume, in denen sie über ihren Glauben reden und ihn leben können. Dabei geht es nicht nur (aber auch) um physische Räume, sondern vor allem um einen sicheren emotionalen Platz, manchmal sogar um einen virtuellen Raum. Teenager haben Bedarf, über ihren Glauben zu reden, und können ihre eigenen Glaubensvorstellung bei einem methodisch niederschwelligen Angebot gut ausdrücken. Aber es fehlen Glaubens- und Erlebnisräume, die dies in ihrem Alltag möglich machen. 20
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen
Eine Theologie von Teenagern Wurde früher vor allem auf die Glaubensvermittlung für und mit Teenagern und Jugendlichen gesetzt, gibt es in den letzten Jahren ein neues Konzept, das sich „Theologie von Jugendlichen“ nennt. Dort geht es, in Anknüpfung an all das, was hier bisher beschrieben wurde, um einen neuen Schwerpunkt in der didaktischen und inhaltlichen Ausrichtung auf die subjektiven Glaubenserfahrungen und Theologien von Jugend lichen. Dies bedeutet auch einen Rollenwechsel, dass bspw. Mitarbeitende von Teenagern und ihren Glaubenserfahrungen lernen und sich mit ihnen auseinandersetzen. Dadurch entsteht ein neues, gleichberechtigtes, dialogisches Miteinander, das den Teenagern eine gestärkte Rolle innerhalb der Teenagerarbeit gibt. Es zieht aber auch eine kritische Auseinandersetzung nach sich, da sich viele Teenager von konfessionellen Theologien verabschiedet haben. Gebet – auf der Suche nach transzendenten Erfahrungen Insgesamt ist festzustellen, dass viele Jugendliche eine Offenheit für transzendente Erfahrungen haben, egal was sie glauben. Interessant ist, dass dabei für viele Teenager das Gebet eine wichtige Rolle spielt, obwohl sie oftmals unsicher sind, was Gebet überhaupt ist und zu wem sie beten können. Gebet scheint gerade in einer pluralistischen und globalen Welt beides zu vereinen: die große und transzendente Hoffnung auf mehr als das eigene Leben und die Hoffnung auf ein übernatürliches Eingreifen in das eigene Leben, das „glokalisierende“ Gebet sozusagen, weltweit vernetzt mit lokalem Empfänger. Gute Aussichten für eine suchende Generation. Den Glauben der Teenager ernst nehmen Teenager identifizieren ihren Glauben oftmals nicht mit dem Glauben, den sie von der Kirche erwarten. Dazu kommt die gesellschaftliche Entwicklung, dass Religion vermehrt zur Privatsache wird und vorgegebene Dogmen kritisch gesehen werden. Die Ergebnisse der eben aufgezeigten qualitativen Erhebung haben aber gezeigt, dass Teenager ein Bedürfnis haben, über ihren Glauben zu reden, und dass es methodisch möglich ist, ihnen dafür Möglichkeiten zu bieten. Zentrale Voraussetzung ist es, dass Glaube offen verstanden wird. Diese Herangehensweise gibt den Teenagern die Sicherheit, dass ihr Verständnis von Glauben ernst genommen und wertgeschätzt wird.
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
Kirchen und Gemeinden sollten sich auf ihre Stärken besinnen: Beziehungen als zentraler Wert Beziehungen und Gemeinschaft sind wesentliche sinnstiftende Werte bei Teenagern – unabhängig von pluralistischen Vorstellungen oder ihren globalen Einflüssen. Da Gemeinschaft ein zentraler christlicher Wert ist und untrennbar mit der Kirche zusammenhängt, sollte beispielsweise die Teenagerarbeit sich auf diesen Wert besinnen und versuchen, in Beziehungen zu investieren. Sie braucht hier auch zunächst die Konkurrenz von Online-Communities, wie zum Beispiel Facebook, nicht zu fürchten, da es in der Jugendarbeit um reale Beziehungen geht mit echten Menschen – das, wonach sich viele Teenager sehnen. Allerdings sehen und leben sie ihre Beziehungen in den unterschiedlichsten Netzwerken, sowohl realen als auch virtuellen. Beides zerfließt, wie eben beschrieben. Hier haben gerade Kirchen und christliche Werke Nachholbedarf, weil sie beide Realitäten streng trennen und somit die Kommunikationsstrukturen der Jugendlichen nicht verstehen. Welche neuen methodischen und inhaltlichen Wagnisse müssen eingegangen werden? In vielen Bereichen gibt es eine zu große Kluft zwischen christlicher Teenagerarbeit und dem Alltagsleben der Teenager. Diese Kluft sollte aus dem Lebens- und Erfahrungsraum der Jugendlichen geschlossen werden. Dazu müssen aber Räume, Mittel und Strukturen geschaffen werden, damit Teenager ihre digitalen Kompetenzen in die Teenagerarbeit einbringen können. Durch die Subjektivierung (auch des Glaubens) und die grundsätzliche Skepsis gegenüber (religiösen) Institutionen dienen die unterschiedlichen Netzwerke bei der (subjektiven) Wahrheitsfindung und helfen vielen Jugendlichen bei der Orientierung in ihrem Alltagsleben. Was bedeutet das für die Jugendarbeit vor Ort? Wo siehst du Anschlussmöglichkeiten, über sinnstiftende Themen/Glauben mit Teenagern ins Gespräch zu kommen? 1. Welche Botschaft hast du für die Teenager? Wo spricht das Evangelium zu ihnen? 2. Welche der Punkte sind für deine Teenagerarbeit dran? Welche Rolle spielen dabei Beziehungen? Wo gibt es „Erprobungsräume“?
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1 Glauben und Leben: Die neue Generation verstehen
BUCHTIPPS Shell Deutschland (Hg.): Jugend 2015 – 17. Shell Jugendstudie. Fischer 2015. Dirk Villányi, Matthias D. Witte, Uwe Sander (Hg.): Globale Jugend und Jugendkulturen – Aufwachsen im Zeitalter der Globalisierung. Juventa 2007. Paul M. Zulehner: GottesSehnsucht – Spirituelle Suche in säkularer Kultur. Schwabenverlag 2010. Tobias Faix u. a.: Warum ich nicht mehr glaube – Warum junge Erwachsene den Glauben verlieren. 3. Auflage. SCM R.Brockhaus Verlag 2015. Tobias Faix u. a.: ZeitGeist – Kultur und Evangelium in der Postmoderne. Verlag der Franckebuchhandlung 2007. Tobias Faix u. a.: ZeitGeist 2 – Postmoderne Heimatkunde. Verlag der Franckebuchhandlung 2009. Udo Bußmann, Tobias Faix, Silke Gütlich (Hg.): Wenn Jugendliche über Glauben reden – Gemeinsame Erfahrungsräume gestalten. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2013. Tobias Faix u. a.: Warum ich mündig glauben darf – Wege zu einem widerstandsfähigen Glauben. SCM R.Brockhaus Verlag 2015. Tobias Faix, Anke Wiedekind: Mentoring – Das Praxisbuch. Geistliche Begleitung in Glaube und Leben. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2010. Tobias Faix: Logbuch Berufung: Navigationshilfen für ein gelingendes Leben. Verlag der Franckebuchhandlung 2013. Tobias Faix, Ulrich Riegel, Tobias Künkler (Hg.): Theologien von Jugendlichen – Empirische Erkundungen zu theologisch relevanten Konstruktionen Jugendlicher. LIT Verlag 2015. Oliver Jeges: Generation Maybe – Die Signatur einer Epoche. Haffmans & Tolkemitt 2014. Philipp Riederle: Wer wir sind, und was wir wollen – Ein Digital Native erklärt seine Generation. Knaur 2013.
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2 Biblisch-theologische Rahmenbedingungen für die Teenagerarbeit Tobias Faix
Keine Frage, Teenagerarbeit, wie wir sie heute verstehen, gab es so in der Bibel nicht. Und doch hat Gott mit und durch Teenager im Alten und Neuen Testament gearbeitet und gesprochen. Dazu kommt, dass Gott Teenager und Kinder ernst genommen hat und sie für seinen Dienst gebraucht hat, wie beispielsweise David, Samuel, Jeremia, die Sklavin von Naeman, Mirjam, Josua und viele mehr. Das Entscheidende daran war dabei gar nicht in erster Linie das Alter der Personen selbst, sondern dass Gott sie berufen hat. Er hat sie ausgewählt und befähigt, ihre Gaben genutzt, ihnen neue Fähigkeiten gegeben, ihnen Partner und Helfer an die Seite gestellt.
Der Auftrag zur Teenagerarbeit Überhaupt war die Weitergabe des Glaubens eine feste Generationenaufgabe, die im Alten Testament eine wichtige Rolle spielte. Die Weitergabe des mit Gott Erlebten war zum einen Aufgabe der Eltern, aber auch des ganzen Volkes. Die Älteren sollten ihre Gotteserfahrungen an die Jüngeren weitergeben: Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du zu Herzen nehmen und sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Hause sitzt oder unterwegs bist, wenn du dich niederlegst oder aufstehst. (5. Mose 6, 6–7) Daran hat sich im Laufe der Jahrhunderte nichts geändert (Psalm 78, 3–6) bis hin ins Neue Testament bei Jesus (Mt 28, 18–20) und Paulus (Eph 6, 4). Besonders Paulus hat immer wieder junge Leute herangeführt und sie gefördert und unterstützt, wie zum Beispiel Titus, Silas oder Timotheus: Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit. (1. Tim 4, 12) Paulus stellt Timotheus trotz seiner Jugend in die Verantwortung. Er soll der Gemeinde, Alten und Jungen, ein Vorbild sein. Ihm soll die Gemeinde nacheifern. Niemand soll Timotheus wegen seines noch jungen Alters aburteilen, nein, im Gegenteil, nicht das Alter zählt, sondern die geistliche Reife und die Beziehung zu Gott. 24
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2 Biblisch-theologische Rahmenbedingungen für die Teenagerarbeit
Was ich dir vor vielen Zeugen als die Lehre unseres Glaubens übergeben habe, das gib in derselben Weise an zuverlässige Männer weiter, die imstande sind, es anderen zu vermitteln. (2. Tim 2, 2) Wenn wir Teenagerarbeit machen wollen, können wir dies nur aus dieser Tradition heraus und in der Kraft Gottes tun. Dies ist die zentrale Grundlage vor jeder Methode, jeder Idee, jeder Zielgruppe, jedem Programm. Es gibt immer verschiedene Phasen und Trends, z. B. zielorientierte Teenagerarbeit, raumorientierte Jugendarbeit etc. Das ist auch alles richtig und hat seine Berechtigung, wenn der Auftrag über allem und vor allem im Zentrum steht. Es ist die Hauptaufgabe der Leitenden, dass dies immer wieder neu in die Köpfe und Herzen der Mitarbeiter/innen gepflanzt wird. Alles richtet sich dann auf diesen Auftrag aus, in dessen Zentrum zwei Dinge stehen: Gott und seinen Nächsten lieben (Mt 22, 37–38) und dem Beispiel Jesu folgen (Joh 13, 34 + 35) Darin wird der Auftrag Gottes sehr deutlich, daran können wir uns ausrichten, wenn wir mit Teenagern arbeiten wollen. Dabei zeigt sich die Ausführung dieses Auftrags ganz unterschiedlich, wie wir an Jesus selbst sehen. Er ist den Menschen nie pauschal begegnet, sondern hat sich Einzelnen oder Gruppen immer persönlich angenommen. Er hat sich nach ihren Bedürfnissen und Nöten erkundigt und ist darauf eingegangen, dabei stand der Mensch immer im Vordergrund (Joh 3: Jesus und Nikodemus; Joh 4: Jesus und die Samariterin; Joh 5: Jesus und der Kranke am Teich Betesda; Joh 6: Jesus und die Speisung der 5.000; Joh 8: Jesus und die Ehebrecherin; Joh 9: Jesus und der Blindgeborene etc.). Das Ziel Jesu und unser Ziel heute ist es, das Reich Gottes zu bauen, dies schließt alle Menschen ein, Kinder, Teenager, Jugendliche, Erwachsene und Ältere. Alle sind wertvoll, geliebt und Ebenbilder Gottes. 1. Was sind Auftrag und Ziele für deine Teenagerarbeit? 2. Wie könnte dies in zwei/drei prägnanten Sätzen beschrieben werden?
Teenager als Ebenbilder Gottes verstehen Wir haben Teenager als wunderbare Wesen bezeichnet, auch mit dem Wissen, dass es in diesem Alter nicht immer einfach ist. Deshalb ist eine grundlegende Frage: Wie sehe ich Teenager? Wir wollen sie in diesem Buch immer als Ebenbilder Gottes sehen und verstehen. Die inhaltliche Begründung der Menschenwürde und der Menschenrechte geht auf das alttestamentliche Verständnis der „Imago Dei“ zurück, der Ebenbildlichkeit des Menschen gegenüber Gott in der Schöpfung (1. Mose 1, 26f.). Gott schafft den Menschen nach seinem Bilde und verschafft ihm dadurch, unabhängig von seinem Tun, 25
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
einen absoluten und universalen Wert sowie eine Teilhabe an Vernunft und Macht, die der Mensch als Gestaltungsauftrag auf der Erde nutzen soll. Diese Ebenbildlichkeit ist die Grundlage allen menschlichen Seins und macht den Menschen nicht nur zum Repräsentanten Gottes auf Erden, sondern spiegelt Gottes Herrlichkeit wider. Zur Geschichte des Menschen gehört aber auch der Sündenfall (Gen 3), durch den der Mensch, wie zu Beginn beschrieben, in all seinen Beziehungsebenen gestört und entfremdet wurde. Trotzdem nennt der Psalmschreiber David den Menschen „mit Herrlichkeit gekrönt“ und „ein wenig niedriger gemacht als Gott selbst“ (Psalm 8). Diese Sichtweise zieht sich durch das ganze Alte und Neue Testament (Ps 106, 20; Röm 1, 23; Eph 4, 24; Kol 3, 10). Der Mensch steht trotz seiner Gefallenheit in einer unauflöslichen Beziehung zu seinem Schöpfer und in einer großen Geschichte der Wiederherstellung dieser Beziehung. In dieser Spannung zwischen Ebenbildlichkeit auf der einen und dem Wissen um das Sündersein auf der anderen Seite befinden wir uns in unserer Teenagerarbeit. Im Neuen Testament wird die Ebenbildlichkeit Gottes besonders in der Ebenbildlichkeit Christi (Imago Christi) deutlich. In Christus können wir Menschen Gott wieder neu erkennen und uns selbst widerspiegeln in seiner Herrlichkeit. Dies hat aber nicht nur Auswirkungen auf die eigene Wahrnehmung, sondern kommt allen anderen Menschen zugute (Röm 9, 28; 2. Kor 4, 4; Kol 1, 15). Durch die Rechtfertigung des Sünders entfaltet sich die Menschenwürde unabhängig von seiner Beschaffenheit, Leistung und Herkunft. Es gibt also nach dem Sündenfall eine Kontinuität der Ebenbildlichkeit Gottes in der ungebrochenen Würde und im Gestaltungsauftrag. Zugleich besteht eine Diskontinuität in der Gebrochenheit der Beziehungsebenen. So wird nirgends in der Bibel die Ebenbildlichkeit Gottes im Menschen aufgelöst. Im Gegenteil, die Geschichte Gottes mit dem Menschen ist eine Geschichte der Wiederherstellung der unterschiedlichen Beziehungsebenen des Menschen in Kreuz und Auferstehung Christi. Die Hoffnung (dass Christus am Ende wiederkommt und Gerechtigkeit bringt) besteht in diesem Zusammenhang darin, dass die Ebenbildlichkeit des Menschen durch die Gnade Christi wieder ganz hergestellt wird. Auch wenn wir heute in der Spannung leben, Gottes Ebenbild und doch in sündhaften Strukturen verhaftet zu sein, können wir erahnen, dass diese zukünftige Hoffnung unser Handeln und Denken schon heute verändert. Das ist die gute Nachricht in der Teenagerarbeit, die wir in Wort und Tat mit den Teens teilen, leben und hoffen. In aller Gebrochenheit, in aller Fehlerhaftigkeit, da es bei Jesus nie um Perfektion, sondern immer um Beziehung geht. 1. Was bedeutet es für die Konzeption der Teenagerarbeit, wenn Teens Ebenbilder Gottes sind? 2. Wie kann dies den Teenagern inhaltlich und methodisch vermittelt werden? 26
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2 Biblisch-theologische Rahmenbedingungen für die Teenagerarbeit
Glauben sehen und verstehen Glauben zu vermitteln, ist eine schwierige Sache. Auf der einen Seite wissen wir, dass nur Gott selbst Glauben schenken kann. Auf der anderen Seite wissen wir auch, dass Gott uns Menschen dazu gebraucht, diesen Glauben bei unseren Mitmenschen zu wecken. In der Teenagerarbeit ist es genauso. Was heißt das? Das bedeutet zum einen, den Teenagern die Grundwahrheiten der Bibel so zu vermitteln, dass sie sie verstehen und in ihrem Leben anwenden können und zum anderen, ihnen genau dieses durch unser persönliches Verhalten vorzuleben. Ein älterer Mann kam bei der letzten Kreissynode auf mich zu, um mit mir über unsere Teenagerarbeit zu sprechen. Normalerweise freue ich mich sehr, wenn gerade Ältere Anteil nehmen. Nun, ich merkte bald, dass meine Freude fehl am Platz war. Der Mann wollte mit mir über unsere Glaubensvermittlung sprechen. Er habe davon gehört, dass wir in unsere Bibelarbeiten kreative Elemente einbauten, Gruppenarbeiten machten und versuchten, die Sprache der Teenager zu sprechen. Wäre bei alldem überhaupt noch Platz für Gott selbst? Und wäre es für die Teenager nicht besser, wenn sie in den Sonntagsgottesdienst kommen würden? Mir ist klar, dass dieser Mann es nur gut gemeint hat. Aber ich glaube, dass viele Teenager es nicht schaffen, sich für mehr als 15 Minuten richtig zu konzentrieren und dass es eine der wichtigsten Aufgaben für Mitarbeiter ist, die Teenager an der Bibelarbeit aktiv zu beteiligen. Dies kann auf verschiedene Arten und Weisen geschehen. Ein wichtiger Punkt ist die Auswahl der Texte oder Themen. Ich glaube, dass beides gut und wichtig ist, einmal von einem Bibeltext auf unser Leben zu kommen, damit die Teenager merken, dass Gottes Wort lebendig ist und in ihr Leben ganz persönlich hineinspricht. Und zum anderen Themen zu wählen, die sie interessieren, bei denen sie merken, dass die Bibel sich auch dafür interessiert und Antworten gibt. Bei der Auswahl der Themen und Texte sollten die Teenager beteiligt sein, sie sollen sagen, was sie interessiert, anspricht, was sie für wichtig halten. Trotzdem sollten die Leiter immer auch fragen, was Gott im Moment für den Teenkreis will, welche Themen oder Bibeltexte gerade dran sind. Beides schließt sich nicht aus, sondern ergänzt sich.
Glaube zum Anfassen – Vorbild sein Einer der wichtigsten Punkte in einer Teenagerarbeit ist die Beziehung zwischen Mitarbeitenden und Teilnehmenden. Das Angebot Teenkreis kann von seiner professionellen Gestaltung nicht mit TV-Formaten mithalten, aber wir können eine Stärke ausspielen, die diese Medien nicht haben: Beziehungen! Uns ist es möglich, mit den Teenagern eine direkte Beziehung einzugehen, sie anzusprechen, mit ihnen Zeit zu verbringen und 27
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
eine Vertrauensbasis aufzubauen. Als wir unseren ersten Teenagerkreis gründeten, hatten wir sechs Teenies aus der Gemeinde, mit denen wir starten konnten. Ich fing erst mit dem Teenagerkreis an, als wir fünf Mitarbeiter/innen hatten, die drei Monate lang geschult wurden. Einige aus der Gemeinde verwunderte das sehr, da in anderen Bereichen auch Leute fehlten und ich für sechs Teenies fünf Mitarbeiter/innen brauchte, was doch etwas übertrieben war. Aber das war es nicht. Wir wollten von Anfang an eine beziehungsorientierte Teenagerarbeit aufbauen, die eine gewisse Kontinuität besaß. Das heißt, die Teenager konnten sich ihre „Kontaktperson“ selbst aussuchen. Jeder der fünf hatte einen unterschiedlichen Charakter, andere Stärken und Schwächen, darauf wurde bei der Mitarbeitersuche extra geachtet. Was sie gemeinsam hatten, war die Liebe zu den Teenagern. Außerdem ist es nicht gut, wenn ständig neue Mitarbeiter/ innen gesucht werden und von der Teenagergruppe aufgenommen werden müssen. Viele Teenager brauchen eine sehr lange Zeit, bis sie sich einem/r Mitarbeiter/in anvertrauen und über ihre Freuden, Probleme und Zweifel reden. Nach einem Jahr Teenagerkreis kamen ungefähr 25 Teenager und das Verhältnis zwischen Teenagern und Mitarbeitenden war sehr gut, weil es ein homogenes und gewachsenes Verhältnis war. Das Entscheidende dabei ist, dass die Teenager die Möglichkeit haben, im Leben der Mitarbeitenden zu sehen, dass sie das, was sie ihnen über den Glauben sagen, auch leben! Die Teenager sollen ihnen beim Glauben „über die Schulter“ schauen, bei ihnen sehen, wie man seinen Glauben im Alltag lebt, Erfahrungen mit Jesus macht, sich entschuldigt, wenn man Fehler macht oder auch mit Enttäuschungen umgeht. Dafür braucht man Zeit. Ein Teenagerkreis, der in der Woche für zwei Stunden stattfindet, kann diesen Beziehungsaufbau nicht leisten. So haben wir uns entschlossen, dass unser normaler Teenagerkreis dreieinhalb Stunden dauert und wir uns zusätzlich sonntagnachmittags (viele Teenies langweilen sich Sonntagmittag, da sie keine Lust mehr auf öde Verwandtenbesuche haben) für vier Stunden treffen. In dieser Zeit entstand immer wieder die Möglichkeit, mit jemandem (oder einer kleineren Gruppe) länger ungestört zu sprechen. Das sind oftmals die intensivsten und wichtigsten Gespräche über die verschiedensten Themen, wie z. B. Glauben, Eltern, Schule, Freunde etc. Mitarbeitende sollen Vorbilder und Ansprechpartner für die Teenager sein, die ihren Glauben so authentisch wie möglich vor und mit den Teenagern leben. 28
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2 Biblisch-theologische Rahmenbedingungen für die Teenagerarbeit
BUCHTIPPS Udo Bußmann, Tobias Faix, Silke Gütlich: Wenn Jugendliche über Glauben reden – Gemeinsame Erfahrungsräume gestalten: Ein Praxisbuch für die Jugendarbeit. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2013 Florian Karcher, Petra Freudenberger-Lötz, Germo Zimmermann (Hg.): Selbst glauben – 50 religionspädagogische Methoden und Konzepte für Gemeinde, Jugendarbeit und Schule. Neukirchener Verlagsgesellschaft 2017 Tobias Faix: Logbuch Berufung – Navigationshilfen für ein gelingendes Leben. Verlag der Franckebuchhandlung 2013 Reinhold Krebs, Burkhard vom Schemm: Aktivgruppen – Jugendliche entfalten Talente und entdecken den Glauben. buch+musik 2006
Eigene Notizen
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3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht Florian Karcher
Laura streitet schon wieder mit ihrer Mutter. Die 14-Jährige möchte sich gerne schminken, bevor sie heute in die Schule geht. Schließlich machen das doch alle (!) Mädchen in ihrem Alter. Sie versteht überhaupt nicht, was für ein Problem ihre Mutter damit hat. Das ganze Problem versteht auch ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Leon nicht, der auch am Frühstückstisch sitzt. Warum wollen die Mädchen immer gut aussehen, wo sich doch Jungs sowieso nur für Fußball und Star Wars interessieren. Uninteressiert ist auch Jonas, der 15-jährige Stiefbruder der beiden. Er hockt nämlich während des ganzen Dramas wie immer in seinem Zimmer und zockt.
Teenager sind eben so !? Vielleicht findest du dich in dieser kleinen Szene wieder und entdeckst Verhaltens weisen, die du selbst als Teenager gezeigt hast oder Teenager, mit denen du zu tun hast. Vielleicht denkst du auch an andere Fragen und Streitthemen: Wie lange darf ich abends wegbleiben? Was ziehe ich auf der Party an? Wie kommt man an das coole neue Board, obwohl man kein Geld hat? Wie küsst man richtig? Wie sind Teenager eigentlich? Solche und andere Fragen haben dich vermutlich beschäftigt, beschäftigen deine Teenager und sie werden auch zukünftige Generationen in diesem Alter beschäftigen. Vielleicht hast du im vorherigen Kapitel schon gelesen, dass man junge Menschen nicht vereinheitlichen kann und es die „typische“ Jugend nicht gibt. Trotzdem durchlaufen alle jungen Menschen eine Entwicklung, die zwar nicht gleich, aber vergleichbar ist. Die Entwicklungspsychologie beschäftigt sich damit, wie aus Kindern nach und nach Erwachsene werden, und hat dabei festgestellt, dass Teenager, egal ob sie in der Stadt oder auf dem Land, in wohlhabenden oder ärmlichen Verhältnissen aufwachsen, ob sie auf eine Hauptschule oder ein Gymnasium gehen, ähnliche Prozesse und Stufen durchlaufen. Manche dieser Prozesse hängen mit der Entwicklung des Gehirns, andere mit den körperlichen Veränderungen dieser Lebensphase und wieder andere mit dem Umfeld der Teenager zusammen. 30
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3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht
Bevor du dich damit beschäftigst, wie sich Teenager allgemein entwickeln, nimm dir einen Augenblick Zeit und denke an deine eigene Teeniezeit zurück – egal, ob sie erst ganz kurz oder schon lange zurückliegt: Womit hast du deine freie Zeit verbracht? Wer waren die wichtigsten Personen in deinem Leben? Wie war das, als du das erste Mal verliebt warst? Worüber hast du zu Hause gestritten? Was hast du dir gewünscht? Wovon hast du geträumt?
„Und plötzlich wachsen da Haare“ – ein Körper, der sich permanent verändert Die Kindheit ist u. a. davon geprägt, den eigenen Körper zu kontrollieren und beherrschen. Angefangen von den ersten Schritten bis hin zum Austesten körperlicher Grenzen, z. B. beim Sport oder dem notwendigen Pensum an Schlaf. Ältere Kinder sind dann in der Lage, mit dem eigenen Körper gut umzugehen. Und dann kommt die Pubertät. Gerade in dem Moment, in dem junge Menschen den eigenen Körper akzeptiert und unter Kontrolle haben, setzt einer der massivsten körperlichen Veränderungsprozesse des gesamten Lebens ein, der alles bisher Gelernte und Erfahrene, was den Körper betrifft, infrage stellt. Dazu kommt, dass dieser Veränderungsprozess während der Pubertät und darüber hinaus anhält. Das heißt, wenn Teenager vielleicht eine körperliche Veränderung gerade akzeptiert und gelernt haben, damit umzugehen, verändert sich der Körper wieder weiter. Damit stellt der eigene Körper eine der zentralen Herausforderungen für Teenager dar. Der Hauptauslöser dieser Veränderungen ist die Ausschüttung körpereigener Stoffe, der Sexualhormone. Bei Mädchen ist es Östrogen und bei Jungen Testosteron. Diese Stoffe sollen dafür sorgen, dass der Körper geschlechtsreif wird, also dass aus Jungen Männer und aus Mädchen Frauen werden, die auch in der Lage sind, eigene Kinder zu zeugen und zu gebären. Die Tatsache, dass es Sexualhormone sind, die körperliche Veränderungen verursachen, erklärt auch gut, warum das andere Geschlecht und das Thema Sexualität in der Pubertät eine so große Rolle spielen. Teenager, die sich für Partnerschaft, Küssen, Intimität und Sex interessieren, sind also nicht „verdorben“, sondern im wahrsten Sinne des Wortes hormongesteuert und damit auf dem Weg einer ganz normalen Entwicklung. Sich das immer wieder bewusst zu machen, hilft ungemein, Teenager zu verstehen und mit ihnen umzugehen. Wie sehen nun diese körperlichen Veränderungen aus? 31
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
Bei Mädchen kann die frühe Phase der Pubertät teilweise bereits mit acht Jahren einsetzen, durchschnittlich beginnt sie jedoch mit zehn Jahren. Oftmals beginnen die Veränderungen mit dem Wachstum von Schamhaaren an der Scheide. Der gesamte Körper beginnt, in die Länge zu wachsen, während Arme und Beine teilweise diesem Wachstum nicht nachkommen und im Verhältnis zu kurz wirken. Dann setzen auch das Wachstum der Brust und die erste Regelblutung ein. Diese beiden Entwicklungen werden von Mädchen oftmals als besonders einschneidend erlebt. Durch das Wachstum der Brüste kann die körperliche Veränderung erstmals von außen wahrgenommen werden und die Menstruation kann besondere Gefühle der Unsicherheit und teilweise auch Scham auslösen. Gegen Ende der Pubertät hat sich dann die gesamte Statur verändert mit schmaler Taille, breiteren Hüften und entsprechendem Oberkörper. Bei Jungen setzt die körperliche Veränderung meist etwas später ein, in der Regel frühestens mit neun oder zehn, im Durchschnitt mit zwölf Jahren. Auch hier ist die Schambeharrung oft das erste sichtbare Merkmal, gefolgt vom Wachstum der Geschlechtsorgane. Schon früh kann es zum ersten (meist nächtlichen) Samenerguss kommen. Was für manche Jungen zu Stolz führt, löst bei anderen oft eine Unsicherheit aus, weil sie scheinbar keine Kontrolle mehr über den eigenen Körper haben. Es folgt das Wachstum der Bart- und Körperbehaarung. Von außen besonders wahrnehmbar ist dann der Stimmbruch, bei dem die Stimme in der Regel deutlich tiefer wird. Zum Ende der Pubertät hat sich dann der Körperbau verändert. Der Oberkörper ist häufig breiter und muskulöser.
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3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht
Eine besondere Herausforderung für Teenager in der Pubertät stellt die Tatsache dar, dass all diese körperlichen Entwicklungsprozesse sich zwar typisch darstellen lassen, aber insbesondere das erste Einsetzen und die zeitliche Abfolge der V eränderungen sehr unterschiedlich sein können. So kann es auf der Teenagerfreizeit dazu kommen, dass der Zwölfjährige mit kindlichem K örper und Interessen auf die 14-Jährige trifft, deren Körper und Interesse schon sehr reif sind und einer jungen Frau entsprechen. Dies macht insbesondere die Programmplanung in der Teenagerarbeit zu einer entwicklungs psychologischen Herausforderung. Andere Extreme wie z. B. gleichaltrige Mädchen, die sehr unterschiedlich weit in der Pubertät sind, stellen gruppendynamische Herausforderungen dar. Für die Teenager selbst ist diese Unterschiedlichkeit ebenfalls oft eine Belastung, die sich sogar auf das Selbstwertgefühl auswirken kann. Ein Beispiel: Bei einem 14-Jährigen hat die Pubertät noch nicht eingesetzt. Viele seiner Altersgenossen sind schon deutlich größer, prahlen mit ihrem Haarwachstum und interessieren sich für Mädchen, während er eigentlich nur Fußball im Kopf hat. Besonders heikel sind Situationen wie das gemeinsame Duschen nach dem Sportunterricht oder auf Freizeiten, da hier die Entwicklungsunterschiede auch „in der empfind lichen Zone“ sehr offensichtlich werden. Zu der Selbstwahrnehmung, noch nicht so weit wie die anderen zu sein, kommt nun häufig ein Feedback von außen. Blöde Sprüche und Hänseleien von anderen sind keine Seltenheit und Versuche, auch „cool“ zu sein und z. B. mit Mädchen in Kontakt zu kommen, scheitern oder enden mit einem Ausgelacht-Werden.
BEISPIEL
Ein solches Beispiel könnte genauso gut auf Mädchen übertragen werden und macht deutlich, welche psychische Belastung die körperlichen Veränderungen mit sich bringen. Negative Selbstbilder, die hierbei entstehen, können sich über die Jugend und bis in das Erwachsenenalter fortsetzen. Hier gilt es, in der Teenagerarbeit sehr sensibel zu sein und Mittel und Wege zu finden, angemessen mit der unterschiedlichen körper lichen Entwicklung umzugehen. Die Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie sollten uns auch bei der Altersein teilung in der Teenagerarbeit helfen. Eine Teeniegruppe mit einer Altersspanne von 12 bis 15 Jahren umfasst komplett den oben genannten Konflikt. Wenn es die örtlichen Gegebenheiten zulassen, könnte hinsichtlich der Alterseinteilung auf folgende Modelle zurückgegriffen werden: Angebote für sogenannte Pre-Teens von 10 bis 13 Jahren getrennt von Teenagern von 13 bis 16 Jahren machen.
ME THODE
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
Überlappende Altersgruppen, z. B. 9 bis 14 Jahre für die Jüngeren und 13 bis 16 Jahre für die Älteren. So können die Teenager selbst entscheiden, in welcher Gruppe sie sich wohler fühlen. Bei einer größeren Altersspanne können im Programm unterschiedliche Kleingruppen angeboten werden, z. B. Gesprächsgruppen bei Bibelarbeiten, Interessensgruppen beim Sport etc. Geschlechtsgetrennte Angebote ergeben in dieser Altersgruppe besonders Sinn.
„Ich bin doch kein Kind mehr“ – auf dem Weg in die Unabhängigkeit Eng zusammen mit der körperlichen Entwicklung steht auch eine geistige und kognitive Entwicklung, also eine „Entwicklung im Kopf“, an. Auch hier geht es darum, vom Kind zum Erwachsenen zu werden. Kinder stehen in der Regel unter der Aufsicht ihrer Eltern, die auch die meisten Entscheidungen für sie oder im besten Fall mit ihnen treffen. Ein ganz normaler Teil der Entwicklung im Teenageralter ist es dann, dass sie das Bedürfnis haben, zunehmend selbstständiger zu werden und eigene Entscheidungen zu treffen, die dann nicht immer der Meinung der Eltern entsprechen. Hier geht es den Teenagern jedoch nicht darum, einen grundsätzlichen Konflikt mit den Eltern oder anderen Erziehungspersonen zu provozieren, sondern es geht entwicklungspsychologisch darum, eine eigene Persönlichkeit und Identität zu entwickeln. Dazu gehört es eben auch, eigene Standpunkte und Meinungen zu haben und diese auch im Alltag umzusetzen. Der Entwicklungspsychologe Erik Erikson (1902–1994) beschreibt es als Aufgabe der Lebensphase zwischen 13 und 20 Jahren, ein eigenes Selbstbild zu entwickeln, und macht deutlich, dass es deshalb notwendig ist, sich davon abzugrenzen, was bisher die Identität bestimmt hat – dazu gehören die Eltern, aber manchmal eben auch der bzw. die Pastor/in oder der bzw. die Leiter/in der Teeniegruppe. Und auch hier gilt: Es ist ganz normal, ja sogar sehr gesund, wenn 34
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3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht
Teenager anfangen, das zu hinterfragen, was andere über sie oder für sie bestimmt haben. Als Erwachsene müssen sie in der Lage sein, eigene und verantwortliche Entscheidungen zu treffen, und dies können sie nun lernen. Das heißt aber nicht, dass andere Menschen ihnen nichts mehr zu sagen haben, und das gehört auch zu diesem Lernprozess. Erwachsene stehen ebenfalls in Abhängigkeiten z. B. zum bzw. zur Chef/in, (Ehe-)Partner/in oder gesellschaftlichen Institutionen und müssen daher in der Jugendphase lernen, dies für ihre Identität und Entscheidungen zu berücksichtigen. Teenager mit ihren manchmal falschen Entscheidungen immer gewähren zu lassen, ist also nicht die Lösung. Aber sie brauchen den Freiraum, zwischen den eigenen Bedürfnissen und Wünschen und den Ansprüchen anderer ein gutes Maß zu finden und genau daran ihre Identität zu entwickeln. Mit Klaus Hurrelmann kann man diesen Prozess als einen Balanceakt auf einem Seil beschreiben. Manchmal fällt man auf der einen Seite herunter und ist zu sehr auf sich und die eigenen Bedürfnisse fixiert. Manchmal fällt man auf der anderen Seite herunter und richtet sich zu viel nach der Meinung anderer. Aber eigentlich geht es darum, die Balance und damit die eigene Identität zu finden. Reflektiere deine Arbeit mit Teenagern: Wie viele Freiräume für eigenständige Entscheidungen haben die Teenager? Wo brauchen sie klare Grenzen? Welche Entscheidungen können sie nicht selbst treffen? Wo haben sie die Möglichkeit, die eigene Identität zu entwickeln?
„BFF – best friends forever“ – neue Vorbilder und Werte Teil dieser Identitätsarbeit ist es, dass das, was Freunde, Kumpels oder die Clique sagen, eine besondere Bedeutung bekommt. Schließlich ist dies die Personengruppe, die am meisten Verständnis für die eigene Situation mitbringt und von der häufig direktes Feedback auf eigenes Verhalten und Entscheidungen erfolgt. Wie der neue Style ankommt, erfährt ein Teenager nicht von den Eltern, sondern von Freunden. Diese sogenannte Peergroup (also die Gruppe der etwa Gleichaltrigen) wird daher das wichtigste Bezugssystem im Leben von Teenagern: Cool ist, was die anderen cool finden. Was von außen vielleicht wie eine Abhängigkeit von der Meinung anderer scheint, ist für Teenager in Wirklichkeit ein Schutzraum, um die eigene Identität zu entwickeln: 1. In der Peergroup lernen Teenager, was es heißt, Teil einer Gruppe zu sein und zu werden. Dazu gehört auch, dass es in Gruppen bestimmte Werte und Normen („ungeschriebene Gesetze“) gibt, die es zu berücksichtigen, aber auch mit zu prägen gilt. Die Peergroup bestimmt, was für sie geht und was nicht. Wenn Teenager Teil der Gruppe sind, können sie in diesem Prozess mitwirken. 35
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
2. Gleichzeitig bietet die Peergroup die Möglichkeit, sich auszuprobieren, was Verhalten, Styles und Meinungen betrifft. Hier können Teenager testen, was ankommt und was nicht. Sie lernen damit umzugehen, wenn sie negative Rückmeldung bekommen, ohne aber gleich drastische Auswirkungen erleben zu müssen. Die Peergroup ist in der Regel tolerant gegenüber Versuchen, sich selbst darzustellen. 3. In fast jeder Gruppe gibt es Personen, die einen größeren Einfluss auf die Gruppe (man könnte auch von Macht sprechen) ausüben als andere. Deswegen ist die Peergroup auch für Teenager ein Ort, an dem sie lernen, selbstbestimmt mit Hierarchien und Autoritäten umzugehen. Es ist für die eigene Entwicklung ein wichtiger Prozess, weg von gegebenen Hierarchien (die Eltern, die über mich bestimmen, kann ich mir nicht aussuchen) dazu zu kommen, sich selbstbestimmt und bewusst in einer Hierarchie einzufügen. 4. Bei alldem bietet die Peergroup vor allem Unterstützung und Sicherheit im Prozess der Loslösung von den Eltern. Sich bei den Freunden ausheulen zu können über den Frust mit der Familie und einen Rückzugsort zu haben, ist für Teenager enorm wichtig. „Ich bin immer für dich da“, ist die Message dieser Freundschaften. 5. Nicht zuletzt ist die Peergroup auch ein Ort, der es Teenagern ermöglicht, Kontakt zum anderen Geschlecht aufzunehmen. Kindliche Freundschaften und Freundeskreise gestalten sich häufig (aber nicht ausschließlich) gleichgeschlechtlich. Peergroups bestehen in der Regel aus beiden Geschlechtern und ermöglichen somit auch Beziehungen, die über Freundschaften hinausgehen. In dieser Phase wird aus dem bzw. der Sandkastenfreund/in nicht selten die erste große Liebe.
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3 Teenager aus entwicklungspsychologischer Sicht
Es ist für die Teenagerarbeit essenziell, die Peergroups zu berücksichtigen. Dabei sind zwei Herausforderungen für die Arbeit mit Teenagern besonders relevant: Teenager, die zu den Angeboten der Jugendarbeit kommen, sind in der Regel entweder dabei, sich Peer-Beziehungen aufzubauen, oder sind Teil bestehender Peergroups. Der Teenagerkreis kann dabei durchaus als Konkurrenz zu diesen Gruppen wahrgenommen werden. Nicht selten stehen Teenager in der Spannung zwischen ihrer Peergroup in der Schule und den Freunden/innen aus dem Teenkreis. Wir helfen Teenagern, wenn wir ihnen – zeitlich und inhaltlich – zugestehen, auch Freundeskreise außerhalb der Gemeinde oder der Jugendarbeit zu pflegen. Denn auch das gehört zum Entwicklungsprozess dieser Lebensphase: Zu lernen, dass es unterschiedliche Gruppen mit mehr oder weniger Überschneidungen gibt, in denen es unterschiedliche „ungeschriebene Gesetze“ gibt und die verschiedene Schwerpunkte haben. Teenager lernen in der Jugendphase auch, mit diesen unterschiedlichen Bezugssystemen umzugehen. Die zweite wichtige Herausforderung besteht darin, entstehende Cliquen in der Jugendarbeit oder z. B. auf Freizeiten nicht als negativ zu bewerten. Teenager brauchen diese Gruppen für ihre Identitätsentwicklung. Peer-Education Bei dem Ansatz der Peer-Education wird die besondere Rolle der Peergroup genutzt, indem nicht Mitarbeitende Inhalte weitergeben, sondern Jugendliche geschult werden, dies in ihrer Peergroup zu tun. Besonders im Bereich der Medien- und Sexualpädagogik kommt dieses Konzept zum Einsatz. Aber auch in der Jugend- und Gemeindearbeit mit Teenagern kann das funktionieren. Hier ein paar Ideen: – Bereite gemeinsam mit deinen Teenagern Andachten vor und lasse sie diese dann halten. – Gib deinen Teenagern gutes Material für ein thematisches Programm an die Hand und lass sie es selbst vorbereiten. – Schule deine Teenager in Sachen Moderation und lass sie dann gemeinsam mit der Gruppe das Programm für das nächste Quartal oder eine Freizeit erarbeiten.
BEISPIEL
HINWEIS Einige Teile dieses Buches folgen genau diesem Ansatz, z. B. der Beitrag „Mit Teens predigen“ von Katharina Haubold. Vielleicht helfen dir diese Gedanken und Erkenntnisse, deine Teenager besser zu verstehen. Die Lebensphase, in der sie sich befinden, ist alles andere als einfach und manches, was Teenager tun oder auch nicht tun, ist eben diesem Umstand geschuldet. Wenn du auf ihre körperliche und psychische Entwicklung beim Umgang mit ihnen und bei deinen Planungen Rücksicht nimmst, hilfst du ihnen, sich zu entwickeln, sich aber auch auf deine Angebote und Programme einzulassen. 37
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Wichtige Grundlagen für die Teenagerarbeit
BUCHTIPPS Eveline Crone: Das pubertierende Gehirn – Wie Kinder erwachsen werden. Droemer 2016. Dr. Frances E. Jensen / Amy Ellis Nutt: Teenager Hirn – Was in der Pubertät im Kopf Ihres Kindes los ist. Goldmann 2016. Daniel J. Siegel: Aufruhr im Kopf. Was während der Pubertät im Kopf unserer Kinder passiert. mvg-Verlag 2015.
Eigene Notizen
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