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Hanna Buiting
Von Lichtgestalten und Sterneguckern 24 Glanzpunkte im Advent
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Die Bibeltexte sind folgender Übersetzung entnommen: Neue Genfer Übersetzung - Neues Testament und Psalmen. Copyright © 2011 Genfer Bibelgesellschaft.Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar. © 2017 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Agentur 3Kreativ, Essen, unter Verwendung eines Bildes von © Shutterstock Innenillustrationen:Thomas Bruckschen, Berlin Lektorat: Christina Herr, Lich DTP: Magdalene Krumbeck,Wuppertal Verwendete Schrift: Bembo Std, Lauren Script Gesamtherstellung: Finidr, s.r.o. Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615- 6458-5 www.neukirchener-verlage.de
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Inhalt Vor-Weihnachtswort 9 1. Dezember – Aufbruch 11 2. Dezember – Frieden 14 3. Dezember – Schätze 20 4. Dezember – Blütezeit 24 5. Dezember – Glanz 28 6. Dezember – Gold 35 7. Dezember – Ewigkeit 40 8. Dezember – Erwartung 47 9. Dezember – Türöffner 52 10. Dezember – Zeit 56 11. Dezember – Zauber 60 12. Dezember – Willkommen 64 13. Dezember – Leuchten 71 14. Dezember – Wegbegleiter 77 15. Dezember – Pause 83 16. Dezember – Genuss 88 17. Dezember – Sternstunden 96 18. Dezember – Herz 100 19. Dezember – Entdeckung 105 20. Dezember – Kehrtwende 111 21. Dezember – Andenken 117 22. Dezember – Zusammen 123 23. Dezember – Winter 128 24. Dezember – Gnade 133 Nach-Weihnachtswort 138
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»Manche Menschen wissen nicht, dass sie ein Geschenk des Himmels sind. Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen.« – Petrus Ceelen
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Für all die wunderbaren Menschen, die mich in den letzten Jahren an jedem Tag des Advents mit Worten beschenkten. Eure Texte waren meine Türchen. Danke, dass ihr Licht und Sterne in mein Leben bringt. Keine Zeile dieses Buches, die nicht auch von euch erzählt. Und: Für Mio. Seh’ ich nur dein Leuchten, so weiß ich, ich find heim.
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Vor-Weihnachtswort Liebe Lesende, warum erinnern wir uns? Warum ist die Weihnachtsgeschichte bis heute unvergessen? Warum geben wir unserer Vorfreude auf Weihnachten 24 Tage Zeit? Alle Jahre wieder und doch jedes Mal ganz neu? Vielleicht, weil die alte Geschichte vom Kind in der Krippe weitererzählt wurde. Jahrhundert um Jahrhundert. Bis heute. Und damit aktuell geblieben ist. Vielleicht, weil Weihnachten das menschlichste aller christlichen Feste ist: Niemand Geringeres als Gott selbst wird Mensch. Vielleicht, weil die Geschichte, die diesem Fest den Rahmen gibt, von Menschen handelt, wie wir selbst welche sind: Lichtgestalten und Sternegucker. Lichtgestalten, das sind die, die anderen einen Weg weisen und die Welt heller machen, als sie oft scheint. Jesus war so einer. Und Astrid Lindgren. Und vielleicht deine Nachbarin im Hochpattere? Sternegucker, das sind die auf der Suche und die, die Fragen stellen: Wo begegnen mir Spuren von Licht? Was steht in den Sternen? Was braucht es, damit diese alte Weihnachtsbotschaft tatsächlich wahr werden kann, dass Frieden herrscht auf Erden?
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Die Hirten auf dem Feld waren so welche. Und Dietrich Bonhoeffer. Und vielleicht auch du selbst? Dieses Buch verbindet Vergangenheit und Gegenwart miteinander. Es fragt nach den Menschen hinter den Geschichten und Traditionen. In 24 adventlich-vorfreudigen Kapiteln. Texte statt Türchen. Worte vor Weihnachten. Glanzvoll Vertrautes und wundervoll Überraschendes. Manchmal wird aus einer Wunde ein Wunder und manchmal aus einem Sternbild eine Schatzkarte. Und auch du kommst vor, wenn du es willst. Wenn du dich fragst, was passiert, wenn man mal die Perspektive wechselt. Wenn man den Advent neu buchstabiert und sich gedanklich mit auf den Weg macht. Eine Herberge sucht, guter Hoffnung ist, das Menschsein ganz und gar auslotet. Und nach Gott fragt. Am Ende jedes Kapitels findest du »Worte zur Nacht«. Worte, die deine Vorfreude auf morgen wecken, in dir einen neuen Gedanken säen oder dich in den Schlaf wiegen können. Du entscheidest. Es ist dein Advent. Lichtgestalten und Sternegucker. Menschen, wie du und ich. Suchen wir sie gemeinsam? In jedem Fall: Willkommen! Im Advent und in diesem Buch.Wie schön, dass du da bist.
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1. Dezember – Aufbruch Zuversicht Als du einmal losgingst war Angst dein täglicher Begleiter. Wer weist mir den Weg? fragtest du dich. Worauf kann ich vertrauen? wolltest du wissen. Woher weiß ich, dass alles gut wird? Doch dann legte sich ein Hauch auf dein Herz. Du spürtest: Segen ist ganz nah. Licht zeigt dir den Weg. Du darfst dir sicher sein: Einer ist dir vorausgegangen. Du wirst erwartet. Ihr könnt euch nicht verfehlen.
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Verkündigung Es war ein Tag im Dezember, als ein alter Mann auf dem Marktplatz seine Stimme erhob. Er hatte etwas Mühe, sich Gehör zu verschaffen zwischen all den Händlern, die lautstark ihr Obst anpriesen und ihr Gemüse, ihr herrlich-klebriges Baklava und die frischen Sesamringe. Doch mit der Zeit gelang es auch ihm. Er hatte sich eine alte Holzkiste, in der wohl einmal Apfelsinen gewesen waren, verkehrt herum aufgestellt und war daraufgeklettert. »Fürchtet euch nicht! Ich verkünde euch eine große Freude! Euch ist heute der Heiland geboren«, rief er. Erst zaghaft, dann immer mutiger und lauter. Viele Menschen hasteten an ihm vorbei, vielleicht, um die U-Bahn noch zu erwischen, die unter dem Marktplatz hindurchrauschte, vielleicht auch, ohne ihm überhaupt Beachtung geschenkt zu haben. Manche warfen ihm einen kurzen Blick zu und dachten: Ach, wieder so ein Verrückter. Davon hat Berlin doch wirklich schon genug. Andere senkten schnell den Blick, aus Sorge, der alte Mann könnte sie in ein Gespräch verwickeln oder um Geld anbetteln. Ein paar von ihnen schüttelten nur verächtlich den Kopf.Was für ein Spinner! Ein Heiland? Was soll das denn sein? »Geh zurück in dein Land, du Heiland«, rief einer, nachdem der alte Mann erneut seine Botschaft über den Platz gerufen hatte. Nur wenige, ganz wenige, begleiteten die Worte des alten Mannes auf ihrem Weg. Sie blieben zwischen Einkaufszettel und Facebook-Veranstaltung einfach irgendwo im Kopf haften und klangen darin nach: Fürchtet euch nicht. Eine große Freude, oh ja, das wäre schön.
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Nach einer Weile stieg der alte Mann langsam von seiner umgedrehten Kiste hinunter.Wieder und wieder hatte er seine Sätze verkündigt. Immer im Wechsel mit den türkischen Händlern, deren Stimmen viel geübter im Anpreisen ihrer Waren waren und die dem alten Mann doch gern seine Nische zum Rufen gelassen hatten. Einer von ihnen kam nun zu ihm, reichte ihm lächelnd einen Sesamring und sagte: »Fürs Abendbrot. Wenn Herr Heiland zu Besuch kommt.« Der alte Mann nickte dankbar und lächelte. Zumindest einer schien seine Botschaft verstanden zu haben. Vielleicht trägt er sie weiter, dachte der alte Mann und machte sich fröhlich pfeifend auf den Heimweg. Sein Part der Geschichte war erfüllt.
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Worte zur Nacht
Stell dir vor, der Advent wäre ein Wanderweg und du würdest ihn Schritt für Schritt gehen. Wer begegnete dir unterwegs? Was hättest du im Gepäck? Mit welchem Gefühl würdest du gern ankommen?
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2. Dezember – Frieden Weihnachten wie inVimmerby Liebe Astrid! Ich bin dir so dankbar. Für all die Geschichten, die mich in den Schlaf wiegten, in mir Mut und Trotz säten, mich sehnsüchtig machten und selig. Ich bin dir dankbar für all die Worte, die bereits in meiner Kindheit in mein Herz einzogen und mir auch beim Erwachsenwerden immer wieder einfielen: Spunk. Seligkeitsding. Nangijala. Ich bin dir dankbar für all die Heldinnen und Helden. Die mit einem Propeller auf dem Rücken und die mit roten Zöpfen. Die mit einer Heimat wie Bullerbü und die, die sich trauen, über den Höllenschlund zu springen. Du hast meine Kindheit reich gemacht, liebe Astrid. In mir die Liebe zum Lesen und Schreiben geweckt, zum Zuhören und zum Weiterdenken. Kein Frühling ohne Maditas Maifeuer, kein Sommer ohne Ferien auf Saltkrokan, kein Herbst ohne Radfahren mit Lotta, kein Winter ohne Weihnachtsvorfreude mit den Kindern vom Nord-, Süd- und Mittelhof. »Oh, wie haben wir es schön in
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Bullerbü.« Oh, wie haben wir es schön mit deinen Geschichten, Astrid Lindgren. Ich bin dir dankbar für deinen Ideenreichtum, deine Erzählungen und deinen Erfindergeist. Kaum ein Kleinsein kommt ohne Pippi, Michel und Lotta aus. Kaum ein Großwerden ohne Kalle Blomquist, die Brüder Löwenherz und Ronja Räubertochter. Du hast uns nicht allein gelassen, Astrid. Angst vor der Einsamkeit? Warum denn, wenn direkt nebenan Tommy und Annika wohnen, Lasse, Bosse und Ole, Inga, Britta und Lisa, Freunde fürs Leben. Angst vor dem Zahnarzt? Warum denn, wenn es Bindfäden, hohe Heuböden und schnelltrabende Ochsen gibt? Angst vor dem Tod? Warum denn, wenn doch das Heckenrosental einem Paradiesgarten gleicht? Meinen Ängsten hast du deine Lebensweisheiten entgegengesetzt, deine Wunderwelten, in denen immer ein gutes Ende wartet. Spätestens auf der letzten Seite des Buches. Und ich frage mich: Kann es überhaupt eine mutigere und mehr ins Leben verliebte Frau geben als dich, Astrid? Lange war meine Antwort: Niemals. Und dann lese ich in deinem Tagebuch. Von Bombennächten über Stockholm.Von Lebensmittelrationen und der Angst vor dem Sterben. Dein Leben war nicht immer friedlich. Auch du kanntest Heimweh, Erschöpfung und Verzweiflung. Schwanger von einem Mann, mit dem du
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nicht verheiratet warst. Mutterseelenallein, als du deinen kleinen Lasse in andere Obhut geben musstest.Vom Leben erschöpft, als dein Ehemann Sture öfter betrunken, als nüchtern war. Jahrelang. Die Welt um dich herum war dir nie egal. Auch wenn du oft das Gefühl hattest, die Menschheit habe ihrenVerstand verloren. Du sammeltest Zeitungsausschnitte, machtest dir Notizen zum Krieg, wolltest begreifen, zu was Menschen fähig sein können. Wer kämpft an welcher Front? Was ist gut und was ist böse? Wo stehe ich zwischen all dem? Vielleicht ist deine Pippi so trotzig geworden, weil auch du es warst. Die Welt befindet sich im Krieg und du schreibst.
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Trotzdem.Von einem Mädchen, so stark, dass sie ein Pferd stemmen kann. Mit einem Koffer voll Gold unterm Bett und doch niemals habgierig. Solch eine Menschenfreundin, dass sie allen Nachbarskindern zu Weihnachten Geschenke in den Baum hängt. Einfach so. Deiner Tochter Karin schenktest du Pippis Geschichten zum Geburtstag. In einem hübschen schwarzen Ordner. 1944. Auf dass sie vielleicht ein bisschen so werde wie Pippi. Frech und wild und wunderbar. Und immer wieder kam Weihnachten. Trotz Krieg. Immer wieder eine Unterbrechung. 1941 schriebst du in dein Tagebuch: »Das stärkste Gefühl vor Weihnachten war hier in Schweden in diesem Jahr heiße innige Dankbarkeit, dass wir das Fest noch feiern können, wie wir es tun.« Dein Leben war nicht immer friedlich. Auch du kanntest Heimweh, Erschöpfung und Verzweiflung. Und dennoch hast du nicht aufgehört zu erzählen. Du schreibst dir die Welt-widde-widde-wie-sie-dirgefällt. Denn die Welt, wie sie einmal war, so wie du sie kanntest, damals in Vimmerby, ist nicht mehr. Bullerbü überschattet durch die Shoah. Nangijala so reich an Toten wie noch nie. Das Land der Ferne, in dem Mios Vater der König ist, unvergleichlicher Sehnsuchtsort für all die Heimatlosen des Krieges. Nie hast du aufgehört zu schreiben. Trotzig und mutig und mit einem so stark pochenden Herzen, wie sonst nur
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ein Kind es hat. Mit einem Herzen für Kinder. Deine wohl bekannteste Rede trägt den Titel »Niemals Gewalt!«.Vielleicht hast du sie auch dir selbst gewidmet. Dem Kind in dir, das nie fortgegangen ist.Aber vor allem ist sie wohl ein Appell an die Menschheit, die den Verstand verloren zu haben scheint: »Niemals Gewalt!« Ich lese deine Worte über den Frieden in den Tagen vor Weihnachten und denke: Vielleicht ist das die beste Weihnachtsbotschaft, die wir kriegen können. »Wir alle wollen ja den Frieden. Gibt es denn da keine Möglichkeit, uns zu ändern, ehe es zu spät ist? Könnten wir es nicht vielleicht lernen, auf Gewalt zu verzichten? Könnten wir nicht versuchen, eine ganz neue Art Mensch zu werden? Wie aber sollte das geschehen, und wo sollte man anfangen? Ich glaube, wir müssen von Grund auf beginnen. Bei den Kindern.« Liebe Astrid, um mich herum leben Kinder. So viele. Sie begegnen mir auf dem Weg zur Bushaltestelle, wenn ich meine Patentochter aus der Kita abhole, in der Schlange vor der Eisdiele, im Kindersitz auf dem Fahrrad hinter mir. Ich will ihnen vorlesen und deine Geschichten erzählen. Damit auch sie Heldinnen und Helden an ihrer Seite wissen, sich nicht zu fürchten brauchen, eine Liebe entwickeln, Fantasie haben und mutig werden, aufzustehen, für das, was ihnen wichtig ist. Mit einem Gespür für das Wesentliche unserer Zeit. Mit dem Wunsch und der Hoffnung in einer Welt zu leben, in der eine Verabredung gilt: Niemals Gewalt.
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Danke, Astrid, für deine Worte. Ich teile sie gern. Im Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und ganz besonders zu Weihnachten. Deine Hanna Inspiriert durch: Lindgren, Astrid (1978): Niemals Gewalt. Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978. Oetinger Verlag, Hamburg 2017, S.22. Lindgren, Astrid: Die Menschheit hat den Verstand verloren.Tagebücher 1939-1945. Ullstein Verlag, Berlin 2015, S.127. …und außerdem alle Astrid-Lindgren-Bücher meiner Kindheit
Worte zur Nacht
Stell dir vor, es ist Krieg. Und du bist mittendrin.Würde deine Hoffnung auf Weihnachten größer werden? Was würdest du erwarten? Was müsste geschehen, damit wirklich endlich und wahrhaftig Frieden auf Erden herrschen könnte?
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3. Dezember – Schätze Schatzsuche In einer Schatzkarte eingezeichnet: ein Stern. Die Augen zum Himmel gerichtet folgst du den Weissagungen den Wegweisern und Weggefährten. Doch erst als dein Blick vom Himmel auf die Erde fällt findest du ihn: den Schatz.
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Sammlerglück Stell dir vor, einmal klingelte bei dir die nette Postbotin, die beim Briefeverteilen immer Musik hört und daher ganz vergnügt daherkommt. Sie brächte dir ein großes Paket. Eingeschlagen in schönes Papier. Rot mit weißen Tannen darauf. So ein ganz echtes Weihnachtspaket, bei dessen Anblick dein Herz vor Vorfreude hüpft. Stell dir vor, die Postbotin würde dich vom Weihnachtsmann oder vom Christkind grüßen, einfach, weil das schön klingt und sie die Botin ist und so etwas daher ruhig tun kann. Fröhlich pfeifend würde sie zum nächsten Haus ziehen, das Weihnachtspäckchen aber bliebe bei dir. Ein Absender stände nicht darauf, nur deine Anschrift, mit Computer getippt, was es dir unmöglich machen würde, zu erahnen, wem du dieses Paket zu verdanken hast.Vielleicht ja wirklich dem Christkind oder Weihnachtsmann? Mit ein wenig nervösen Fingern würdest du den Tesafilm vom Papier lösen. An jeder Seite, sorgsam und geduldig, um den Moment des Erkennens noch ein wenig länger hinauszuzögern. Doch irgendwann würde das schöne Papier zu Boden gleiten und vor dir auf dem Küchentisch läge eine Kiste. In Stoff eingebunden wäre sie und versehen mit einer feinen Schleife auf einem abnehmbaren Deckel. Du würdest sie vorsichtig in die Höhe nehmen, ihr Gewicht in den Händen wiegen und von allen Seiten betrachten. Und dann, erst dann, würdest du es wagen, den Deckel abzunehmen.
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Die Kiste wäre leer. Doch das enttäuschte dich nicht, vielleicht überraschte es dich nur ein wenig. Wer würde dir eine leere Kiste schicken? Aber dann würde dein Blick auf ihren Innenboden fallen und du entdecktest darauf die Worte: »Willkommen im Advent. Schön, dass du da bist.« Stell dir vor, wie warm dir ums Herz werden würde, beim Anblick dieser Worte. Willkommen. Im Advent. Schön, dass du da bist.Wie lange bist du nicht mehr willkommen geheißen worden? Wie lange hast du kein Paket mehr erhalten? Wie lange ist es her, dass dir wirklich adventlich zumute war? Und jetzt: Diese Kiste.Wie eine Einladung. Nur für dich. Eine Kiste, die du mit dem füllen darfst, was dir wichtig ist, was du schön findest. Weißt du noch, früher? Als eine Schatzkiste unter deinem Bett versteckt war? Als du noch an Prinzessinnen, Raubritter und Goldschätze glaubtest? Als du dir die Worte von Janoschs Tiger und Bär nicht zweimal sagen ließest: Komm, wir finden einen Schatz! Als du das Leben aufspürtest und in jedem glitzrig-klebrigen Bonbonpapier einen Schatz entdecken konntest, in jeder Murmel und jedem Eislöffelchen? Als du sammeltest: Schätze, groß und klein. Nur für dich. Zum Beschützen und Betrachten, versteckt unter deinem Bett.
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Und jetzt: Diese Kiste.Wie eine Einladung. Nur für dich. Eine Kiste, die du mit dem füllen darfst, was dir wichtig ist, was du schön findest. Wie früher. Auf dass der Advent zu einer Zeit voller Schätze werde.
Worte zur Nacht
Mal angenommen: Dieses Jahr ist alles ausverkauft. Marzipan und Schokolade.Tannenzweige und Christbaum. Krippenfiguren und Kerzen.Was bräuchtest du, um dich trotzdem weihnachtlich zu fühlen?
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4. Dezember – Blütezeit Trostkraft Es gibt Zeiten Da trägt mein Herz Schwarz Keine Kraft zum Blühen Keine Kraft zum Sein Doch dann spüre ich plötzlich und zaghaft Gottes heilendes Nicken und mein Weinen ist wie Sommerregen mitten im Winter
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