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Hanna Buiting

Vom Warten, Wundern und Wenigeristmehr 24mal Vorfreude im Advent Illustrationen von Thomas Bruckschen

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Die Bibeltexte wurden entnommen aus: Bibeltext der Neuen Genfer Übersetzung – Neues Testament und Psalmen, © 2011 Genfer Bibelgesellschaft. Wiedergegeben mit freundlicher Genehmigung. Alle Rechte vorbehalten.

Dieses Buch wurde auf FSC®-zertifiziertem Papier gedruckt. FSC® (Forest Stewardship Council®) ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine ökologische und sozialverantwortliche Nutzung der Wälder unserer Erde einsetzt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2015 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, NeukirchenVluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung: Britta Rungwerth, Düsseldorf, unter Verwendung zweier Abbildungen von © iStockphoto.com/Gil-Design und © iStockphoto.com/flas100 Illustrationen: Thomas Bruckschen, Berlin Lektorat: Rahel Dyck, Bonn DTP: Breklumer Print-Service, www.breklumer-print-service.com Verwendete Schrift: Sabon, Segoe Script Gesamtherstellung: FINIDIR, Lipová Printed in Czech Republic ISBN 978-3-7615-6209-3 www.neukirchener-verlage.de

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„In Licht hüllst du dich wie ein Gewand, den Himmel spannst du wie ein Zeltdach aus.“ Psalm 104,2

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Vor-Weihnachtswort Willkommen! Im Advent. Schön, dass Du da bist. In Liedern zur Weihnachtszeit heißt es: „Es ist für uns eine Zeit angekommen“, oder: „Alle Jahre wieder“, und im Lukasevangelium ist von „jenen Tagen“ die Rede. Und es stimmt: Alle Jahre kehren jene Tage wieder, von denen man sagt, sie seien eine besondere Zeit. Weil sie voller Geheimnisse zu stecken scheint. Eine Zeit voller magischer Momente und voller Wunder. Ich liebe den Advent. Für mich ist der Dezember der Monat der Sternstunden. Und weil ich Schönes gerne teile, gibt es dieses Buch. Für Dich. Du. Das erinnert vielleicht ein bisschen an ein bekanntes schwedisches Möbelhaus und ist ganz absichtlich als Anrede gewählt. Weil ein DU persönlicher ist als ein SIE. Weil dieses Buch nicht förmliche Ratschläge geben soll, sondern begleiten. Und das geht am besten ganz persönlich. Ohne Distanz. DU bist gemeint. Literatur vermag Bilder zu erzeugen, Geschmack und sogar Gerüche. Was den Advent ausmacht, habe ich versucht einzufangen. In 24 vorfreudigen Weihnachtsworten. Für jeden Tag eins. Ich möchte sie Dir mit auf den Weg geben, damit auch Du diese Zeit als etwas

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Wundervolles erfährst, dem Geheimnis der Heiligen Nacht auf die Spur kommst und ein Stück himmlische Herrlichkeit in Deinem Alltag entdeckst – allem vermeintlichen Stress zum Trotz. In diesem Buch findest Du Worte, die Dir hoffentlich besser schmecken als Pappkalender-Schokolade, und hinter denen sich Geschichten, Gedichte, Gedankenspiele und andere Überraschungen verbergen. Am Ende jedes Kapitels warten drei Vorschläge auf Dich. Doch keine Sorge: Sie sind nicht als weitere Punkte auf Deiner Advents-To-do-Liste gemeint, sondern als Ideen, warum gerade dieser Tag im Dezember ein besonderer für Dich werden könnte. Nicht umsonst lautet eine der Anregungen: Streiche aus STRESS zwei S und mach was mit dem REST. Trau Dich, die Perspektive zu ändern und einen neuen Blick zu wagen. Vielleicht gelingt es Dir dann, den Advent nicht nur als eine hektische und erwartungsüberladene Zeit zu sehen und nach einem ausgiebigen Plätzchengenuss nicht direkt von Diätgedanken verfolgt zu werden. Nicht für jeden sind diese Tage im Advent gleich hell. Auch dunkle Zeiten gehören dazu und auch sie finden ihren Platz in diesem Buch. Doch was am Ende steht, ist die Hoffnung auf Licht. Vielleicht in Form eines Sterns, der einen neuen Weg weist. Gegen jede Dunkelheit.

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Und jetzt: Mache Dich auf. Und aus Wunde wird Wunder. Eine lichtreiche Zeit für Dich! Hanna Buiting P.S. Vorsicht, dieses Buch kann Spuren von Sternen enthalten.

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Inhaltsverzeichnis 1. Dezember – Anfang . . . . . . . . . . . . . . . .

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2. Dezember – Gastfreundschaft . . . . . . .

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3. Dezember – Spekulatius . . . . . . . . . . . .

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4. Dezember – Warten . . . . . . . . . . . . . . . .

25

5. Dezember – Begegnung . . . . . . . . . . . . .

32

6. Dezember – Geschenk . . . . . . . . . . . . . .

37

7. Dezember – Engel . . . . . . . . . . . . . . . . . .

42

8. Dezember – Sehnsucht . . . . . . . . . . . . .

46

9. Dezember – Botschaft . . . . . . . . . . . . . .

49

10. Dezember – Traum . . . . . . . . . . . . . . . .

53

11. Dezember – Vorbereitung . . . . . . . . . . .

56

12. Dezember – Segen . . . . . . . . . . . . . . . . . .

60

13. Dezember – Licht . . . . . . . . . . . . . . . . . .

63

14. Dezember – Trost . . . . . . . . . . . . . . . . . .

69

15. Dezember – Wünsche . . . . . . . . . . . . . . .

74

16. Dezember – Würde . . . . . . . . . . . . . . . . .

80

17. Dezember – Zuversicht . . . . . . . . . . . .

85

18. Dezember – Glanz . . . . . . . . . . . . . . . . .

88

19. Dezember – Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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20. Dezember – Liebe . . . . . . . . . . . . . . . . . .

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21. Dezember – Stille . . . . . . . . . . . . . . . . .

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22. Dezember – Kleinod . . . . . . . . . . . . . . .

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23. Dezember – Erinnerung . . . . . . . . . . . .

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24. Dezember – Wunder . . . . . . . . . . . . . . .

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1. Dezember – Anfang Vorausdeutung Das Jahr geht zur Neige an der Schwelle der Zeit stehen wir und sehen zu wie vergeht, was war und kommt, was sein wird über uns das Tagewerk der Sterne in ewiger Wiederkehr und doch immer wieder ein neuer Anfang

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Den Anfang machen Jedes Jahr am ersten Dezember suche ich einen neuen Kalender. Ich gehe in einen kleinen Buchladen oder ein Schreibwarengeschäft. Stöbere, rieche an den unbeschriebenen Seiten, die so gut nach Anfang duften. Streiche mit dem Zeigefinger über kostbare Einbände, wiege das Gewicht eines neuen Jahres in den Händen. Die Entscheidung für einen Kalender fällt nicht leicht. Schließlich soll er ein Jahr lang mein täglicher Begleiter sein. Nur im Urlaub bleibt er zu Hause. In Portugal, auf Kreta oder Ameland braucht man keine Uhrzeit und auch kein Datum. Etwas mehr kosten darf er ruhig. Kein Buch halte ich so oft im Jahr in den Händen wie meinen Kalender, was vielleicht ein bisschen traurig ist, aber wahr. Irgendwann finde ich, was ich suche. Klein genug für die Handtasche und so schön, dass ich Neujahr kaum erwarten kann. Zu Hause sammle ich Worte und Bilder, Fotografien und Rezepte. Aus Zeitschriften und Magazinen schneide ich sie aus und klebe sie ein. Unsortiert. Einfach auf eine der zufällig aufgeschlagenen Seiten. Als Überraschung für mich selbst. Als Gedankenanstoß oder als Beweggrund für ein Lächeln. Warum nicht auch mal im Juni Kokosmakronen backen und sich im November über ein Foto von kristallklarem Meerwasser freuen? Schöne Worte stemple ich mit Farbe und Klecksen dazu. SEHNSUCHT. SOMMERANFANG. ALLERHEILIGEN. Geburtstage von Herzensmenschen trage ich mit blauer 12

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Tinte und meinem Lieblingsfüller ein und vor jeden Namen male ich ein kleines Sternchen. Schon jetzt weiß ich: Viele Termine werden hinzukommen und nicht alle werden von Geburtstagstorte gekrönt sein. Manchmal werde ich mir wünschen, die Seiten wären leerer und am Ende einer Woche bliebe mehr Zeit. Doch so ist es, das Leben. Und eigentlich war es am Ende eines Jahres doch immer so, dass ich dankbar war für reich gefüllte Tage, Stunden und Augenblicke. Woher kämen sonst Erinnerungen? Der Anfang ist gemacht. Das Jahr ist lang. Und ein Geschenk an mich selbst.

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Für diesen Tag: • Wenn Du eine Mutwaage hättest: Wie viel Wagemut würde sie anzeigen? • Plane eine Reise. Vielleicht für das nächste Wochenende oder für das nächste Jahr. Bodensee, Småland, Vancouver. Es kann überall schön sein. • Finde den Zauber, der jedem Anfang innewohnt.

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2. Dezember – Gastfreundschaft Herr Berge lädt ein An der Fensterscheibe rann dichter Regen hinunter. Herr Berge lehnte sich in seinem Sessel zurück und blickte hinaus. In seinem Wohnzimmer brannte kein Licht. So konnte er besser sehen, was auf der Straße passierte. Jedes Mal, wenn ein Auto vorbei kam, wurde Herr Berges Wohnung in helles Scheinwerferlicht getaucht. Kurz darauf war es wieder dunkel. Herr Berge nahm einen Schluck von seinem Tee. Schwarz musste er sein und stark, fast wie Kaffee. Milch nahm er keine, ganz zu schweigen von Sahne oder Kandis. Herr Berge brauchte nicht viel zum Leben. Keinen Fernseher, keine teuren Möbel und keinen Besuch. Er war gern allein, sich selbst meist genug. Auf niemanden musste er Rücksicht nehmen. Als es klingelte, zuckte er zusammen. Die alte Standuhr hatte vor ein paar Minuten acht Mal geschlagen. Herr Berge stand auf, ging zur Wohnungstür und betrachtete durch die Kamera, wer vor der Tür stand. Erst vor Kurzem hatte die Hausverwaltung das Ding angebracht. Das gehöre mittlerweile zum Standard von altersgerechten Wohnungen, hatte man Herrn Berge erklärt. Vor der Haustür standen zwei Gestalten. Gleich fielen ihm Zeitungsberichte von Einbrechern ein, die alte 15

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Leute austricksten, um sie auszurauben. Aber bestimmt war das nur Panikmache. „Hallo?“, fragte Herr Berge durch die Gegensprechanlage. „Wer sind Sie?“ – „Hallo. Ich bin Lara und das ist Jakob, mein Freund. Wir wollten eigentlich zu meiner Großtante. Rosa Zimmermann. Aber sie ist wohl noch unterwegs. Können wir vielleicht kurz bei Ihnen warten, bis sie da ist?“ Die Stimme der Frau klang sehr jung. Sie winkte in die Kamera und zeigte auf sich und ihren Begleiter. Der Regen rauschte im Hintergrund, sodass Herr Berge Mühe hatte, sie genau zu verstehen. Frau Zimmermann – Großtante – nicht da – warten, registrierte er und seufzte. Er wollte die zwei nicht in seiner Wohnung haben. Aber jetzt war es zu spät. Er drückte ohne ein weiteres Wort auf den Türöffner, wartete und knipste das Licht an. Auf einmal war es ihm peinlich, die ganze Zeit in einer so dunklen Wohnung gewesen zu sein. „Das ist so nett, Herr Berge“, schnaufte die junge Frau, als sie vor ihm stand und schob sich die Kapuze vom Kopf. Blonde Locken umrahmten ihr Gesicht und ihr breites Lächeln entblößte sehr weiße Zähne. Herr Berges Mund wurde schmal. Der junge Mann hinter ihr lächelte. „Wir bleiben auch bestimmt nicht lange“, sagt er beschwichtigend. Herr Berge nickte langsam und trat einen Schritt zurück, damit die beiden eintreten konnten. „Sie wollen also Frau Zimmermann besuchen?“, fragte er mit gerunzelter Stirn. „Zu dieser Uhrzeit?“ Die junge Frau, die sich als Lara vorgestellt hatte, zuckte entschuldigend mit den Schultern und ließ ihren Rucksack auf das Parkett gleiten. Herr Berge schluckte schwer. Eine große Pfütze breitete sich auf dem Fußboden aus. 16

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„Ja, genau. Wir sind auf der Durchreise und wollten bei meiner Tante Rosa übernachten. Aber irgendwie scheint sie noch nicht da zu sein“, plapperte Lara sofort los. „Und das bei dem Mistwetter“, stimmte ihr der Mann zu. Um seine Füße bildete sich eine Schlammlache. „So, so. Auf der Durchreise“, grummelte Herr Berge. „Ja, wir haben keine Lust auf den Winter in Deutschland. Weihnachten wollen wir in Australien sein“, erzählte die Frau und schüttelte ihren Lockenkopf, sodass Tropfen umherflogen und Herrn Berge an der Wange trafen. „Wir trampen oder fahren Zug und Fähre“, erklärte Laras Freund Jakob. Trampen, im Winter, nach Australien. Herr Berge hatte selten eine so verrückte Idee gehört. Die beiden waren wohl nicht nur nass, sondern auch größenwahnsinnig und völlig naiv. Immer noch standen sie etwas unschlüssig in der Diele. „Tante Rosa kommt bestimmt bald nach Hause. Es geht wirklich nur um ein paar Minuten. Weil es doch so nass draußen ist“, versuchte die junge Frau die angespannte Situation aufzulockern. „Schon okay“, murmelte Herr Berge und wies ins Wohnzimmer. „Setzen Sie sich doch“, sagte er leise und war überrascht über seine eigenen Worte. Die beiden folgten ihm ins Wohnzimmer und ließen sich auf dem Sofa nieder. „Schön haben Sie es hier“, sagte Lara, nachdem sie sich kurz umgesehen hatte. „Aber schmücken Sie gar nicht?“, fragte sie dann. Herr Berge sah sie verständnislos an. „Schmücken?“ „Ja, für Advent. Haben Sie keinen Kranz?“ Herr Berge schüttelte den Kopf. „Wozu? Ich wohne doch alleine hier“, sagte er. Jetzt blickte die junge Frau verständnislos. „Na und? Sie können es sich selbst doch auch 17

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schön machen.“ „Wollen Sie vielleicht eine Tasse Tee?“, fragte Herr Berge ausweichend. „Moment“, sagte Lara anstelle einer Antwort und lief zurück in die Diele. Ihr Freund grinste. „Ich würde einen Tee nehmen.“ Herr Berge nickte verwirrt und setzte neues Teewasser auf. „Hier. Für Sie“, sagte die Frau, als sie zu ihm in die Küche kam und hielt ihm eine kleine Dose hin. Herr Berge nahm sie in die Hand. Nun noch verunsicherter. „Was ist das?“, fragte er. „Ein Mini-Adventskranz. In die vier Löcher können Sie vier kleine Kerzen stecken. Die sind da drin“, erklärte Lara ihm und deutete auf die Dose. „Äh, also ich brauche so etwas wirklich nicht“, sagte Herr Berge bestimmt. Lara sah ein wenig enttäuscht aus. „Er ist doch winzig klein. Dann nehmen Sie es wenigstens symbolisch. Meine Mutter hat ihn mir für unsere Reise mitgegeben, aber von einer Freundin hab ich den gleichen bekommen. Advent ohne Adventskranz scheint also gar nicht möglich zu sein.“ „Also gut“, murmelte Herr Berge. „Wenn Sie meinen.“ Er stellte die kleine Schatulle auf die Arbeitsplatte und goss den Tee auf. „Sie mögen doch schwarzen Tee?“, fragte er dann. Wenig später erzählten Lara und Jakob von ihren Reiseplänen und dass sie sich ein Urlaubssemester genommen hätten. Laras Großtante Rosa war eine der ersten Stationen auf ihrer Reise. Viele Freunde wollten sie auf ihrem Weg treffen. Herr Berge war überrascht, wie viele Menschen die zwei trotz ihres jungen Alters bereits zu kennen schienen. Er selbst erzählte wenig. Er hörte lieber zu. Das könne er gut, hatte ihm vor langer Zeit einmal jemand gesagt. Doch mit den Jahren waren die Menschen weniger geworden, denen er hätte zuhören können. 18

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Die Standuhr hatte eben erst zehnmal geschlagen, da rief Lara plötzlich: „Ich glaube, sie ist da. Nebenan hat ein Auto gehalten.“ Herr Berge brauchte einen Augenblick, bis er merkte, dass er selbst sehr lange nicht mehr auf den Verkehr auf der Straße geachtet hatte. Das war ungewöhnlich für ihn. Normalerweise konnte er über Stunden nach draußen sehen und beobachten, wie die Jahreszeiten vor dem Fenster vorbeizogen, Autos hielten, Menschen kamen und gingen. Nur er blieb in seinem Sessel sitzen, begleitet vom lauten Ticken der Uhr. „Danke, dass wir hier warten durften“, sagte Jakob und reichte Herrn Berge die Hand. „Keine Ursache“, sagte Herr Berge, auf einmal wieder mit einer Förmlichkeit, die er in den vergangenen zwei Stunden auf wundersame Weise verloren zu haben schien. „Das war sehr nett von Ihnen“, sagte auch Lara und drückte seine Hand. Herr Berge nickte und versuchte ein zaghaftes Lächeln. „Gute Reise“, sagte er, als die beiden im Treppenhaus verschwanden. Auf einmal war er wieder alleine in seiner Wohnung. Nur noch zwei Wasserpfützen auf dem Parkett erinnerten an die unerwarteten Gäste. Und ein kleiner Adventskranz, der auf seinen Einsatz am nächsten Sonntag wartete.

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Für diesen Tag: • Merk Dir das Gesicht der ersten Person, der Du am Morgen begegnest. • Koche eine Suppe. Such Dir winterliche Zutaten, spare nicht an Gewürzen und decke eine festliche Tafel – für 20 Personen oder mehr. Warum nicht? Hungrige finden sich schnell und in Gemeinschaft schmeckt‘s am besten. • Stell Dir vor, im Haus nebenan wohnt Gott. Wäret ihr gute Nachbarn? 20

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