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Leseprobe

Irmgard Weth

Neukirchener Bibel Das Alte Testament neu erzählt und kommentiert

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Leseprobe

Die Autorin: Irmgard Weth, geb. 1943 Theologin, Pädagogin und Dozentin für Biblische Theologie

Dieses Buch wurde auf FSC®-zertifiziertem Papier gedruckt. FSC® (Forest Stewardship Council®) ist eine nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation, die sich für eine ökologische und sozialverantwortliche Nutzung der Wälder unserer Erde einsetzt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

© 2014 Neukirchener Kalenderverlag, Neukirchen-Vluyn Alle Rechte vorbehalten Umschlaggestaltung + Satzlayout: JoussenKarliczek GmbH, Schorndorf Lektorat: Birgit Schubert / Nicole Rupschus Karten und Zeittafel: Andreas Sonnhüter, Niederkrüchten DTP: Breklumer Print-Service, Breklum Verwendete Schriften: Scala, Scala Sans Gesamtherstellung: Druckerei C.H.Beck, Nördlingen Printed in Germany ISBN 978-3-920524-81-8 Print ISBN 978-3-7615-6079-2 E-Book www.neukirchener-verlage.de

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Leseprobe

Vorwort „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vorfahren durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn.“ Hebr 1,1

Was ist das Geheimnis der Bibel? Worin liegt ihre eigentümliche Faszination? Warum werden Menschen bis heute von ihrer Botschaft ergriffen? Es ist das Zeugnis von dem Einen Gott, der auf vielfache Weise zu Menschen gesprochen hat und spricht. Es ist das eine Wort Gottes, das verborgen die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht und in Jesus Christus seine Mitte hat. Alle Erfahrungen der Menschen, Freude und Leid, Hoffnung und Enttäuschung, Zeiten der Gottesnähe und Zeiten der Gottesferne, sind von diesem Wort umschlossen. Das ist die verheißungsvolle Botschaft, die das Alte Testament für uns bereithält. Zu Unrecht trägt dieser Teil der Bibel den Namen „Altes“ Testament. Er ist durch das Neue Testament weder überholt noch widerlegt. Vielmehr führt er uns an den Anfang und auf den Grund unseres Glaubens zurück und lädt dazu ein, die Botschaft der Bibel ganz neu und von Anfang an zu buchstabieren. Dabei werden wir die überraschende Entdeckung machen, dass der Gott des Alten Testaments – entgegen vielen Vorurteilen gegenüber dem sog. „alttestamentarischen Gott“ – ein Gott der Liebe ist. „Wo ist solch ein Gott, wie du bist?“, ruft der Prophet Micha aus, überwältigt von Gottes vergebender Liebe (Mi 7,18). Und staunend bekennt die Gemeinde in den Psalmen: „Wer ist wie der Herr, unser Gott, der oben thront in der Höhe und der den Geringen aufrichtet aus dem Staub?“ (Ps 113,5–7). Es ist das Staunen über den Weg Gottes, der in die Tiefen der Menschheit herabsteigt und den Menschen nahekommt. Das ist die gute Nachricht, das „Evangelium“ des Alten Testaments, das zu Recht auch das „Erste Testament“ genannt wird. Es ist der verborgene Schatz, den es in diesem alten Buch neu zu entdecken gilt. Der Vater Jesu Christi ist kein anderer Gott als der, „der Himmel und Erde geschaffen hat“, und der sich seinem Volk als „der Herr, dein Gott“ offenbart hat (Ex 20,2). Der vorliegende Band möchte die Leserinnen und Leser mit auf den Weg nehmen, den die Schriften des Alten Testaments selbst vorgeben. Auf diesem langen, aber lohnenden Weg will er uns die Botschaft dieses alten Buchs neu erschließen. In Entsprechung zu den drei großen Kapiteln des Alten Testaments – Geschichtsbücher, Prophetische Bücher und Lehrbücher – beschreibt er den Weg des Wortes Gottes in drei Schritten: (1) Gottes Wort in der Geschichte seines Volkes, (2) Gottes Wort im Wort der Propheten, (3) Gottes Wort in der vielstimmigen Antwort der Gemeinde auf sein Wort. Dabei sind vorweg zwei grundlegende Fragen zu klären: (1) Wie soll in diesem Band von Gott geredet werden? Gott hat sich Mose mit seinem Namen offenbart (Ex 3,14) und bleibt doch der Unfassbare, der sich dem Zugriff des Menschen entzieht. In jüdischer und auch in christlicher Tradition wird dem dadurch Rechnung getragen, dass der Gottesname JHWH nicht ausgesprochen, sondern durch die Anrede „Herr“ (hebr. „adonaj“ ) ersetzt wurde. Als Ausdruck der Ehrerbie-

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Leseprobe

Vorwort

Vorwort

tung gegenüber dem heiligen Gott wird sie in dieser Ausgabe bewusst beibehalten und nicht durch andere Gottesnamen ersetzt. (2) Wie können die Texte der Bibel in die Sprache unserer Zeit übersetzt werden und dennoch ihrem eigenen Anspruch als verbindliches Wort gerecht werden? Voraussetzung dafür ist, dass wir den Texten zutrauen, dass sie in jeder Zeit und zu allen Menschen sprechen, dass wir sie ausreden lassen und ihnen nicht ins Wort fallen. Dies gilt auch für die Textfassungen in diesem Band. Sie sind aus dem ständigen Dialog mit den biblischen Originaltexten hervorgegangen und möchten diese in unserer Zeit neu zum Klingen bringen. Dabei folgt die vorliegende Ausgabe des Alten Testaments nachstehenden Leitlinien: Alle Bücher des Alten Testaments kommen in ihrer Vielstimmigkeit zur Sprache. Die Auswahl und der Umfang der Texte richtet sich nach ihrem jeweiligen Inhalt. Durch sie soll sich ein repräsentatives Bild des Ersten Testaments und seiner besonderen Botschaft ergeben. Ergänzende Texte aus den apokryphen Schriften konnten nur in Ausnahmen berücksichtigt werden. Der jeweiligen Textfassung liegen neben der hebräischen Textvorlage verschiedene Übersetzungen zu Grunde. Die Texte orientieren sich aber vorzugsweise an der revidierten Fassung der Lutherbibel (1984). Zum einen, weil die Sprache Martin Luthers in ihrer Dichte, in ihrer Ausdruckskraft und in ihrem Sprachrhythmus Maßstäbe gesetzt hat, an der sich die eigene Textfassung zu messen hat. Zum andern, weil sich die Neukirchener Bibel in der Tradition Martin Luthers versteht und vertraute Texte auch bei behutsamen Veränderungen wiedererkennbar bleiben sollten. Bei der Gestaltung der Texte wurde vor allem auf den Sprachfluss und auf den Rhythmus der Sprache geachtet. Dabei war die eigene Erfahrung leitend, dass sich die Texte der Bibel oft erst bei lautem Lesen und bei fortlaufender Lesung voll erschließen. Die Einführungen zu den einzelnen Büchern stellen den jeweiligen geschichtlichen Zusammenhang her und zeigen die inhaltlichen Schwerpunkte ihrer Botschaft auf. Sie sind vor allem als Hilfe zum eigenen Bibelstudium zu verstehen. Die Kommentare im Anschluss an die biblischen Texte möchten einen eigenen Zugang zu den Textaussagen erschließen. Dies gilt insbesondere für jene Texte, die uns fremd und widersprüchlich erscheinen. Die Psalmen bilden einen eigenen Schwerpunkt in dieser Ausgabe. Zum einen sind sie den Erzähltexten zugeordnet, wo immer es die Psalmtexte selbst nahelegen. Zum anderen werden am Ende des Buches ausgewählte Psalmgebete aus dem Psalter vorgestellt. Die dazugehörigen Meditationen möchten dazu anregen, eine eigene Antwort auf die Psalmen zu formulieren.

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Leseprobe Vorwort

Dieser Band wäre ohne intensive Begleitung nicht zustande gekommen. Zuerst danke ich meinem Mann, Dr. Rudolf Weth, der das Projekt von Anfang an unterstützt, beraten und begleitet hat. Ferner danke ich dem Verlag für seine vielfache Unterstützung, und stellvertretend für viele andere danke ich Nicole Rupschus für die sorgfältige und theologisch fundierte Durchsicht des Manuskripts. Mein Dank gilt aber vor allem ­Birgit Schubert, Mitarbeiterin im Neukirchener Kalenderverlag. Durch ihren unschätzbaren Einsatz, ihre kontinuierliche Begleitung und kompetente Beratung hat sie entscheidenden Anteil an der Gestaltung und Fertigstellung dieser Buchausgabe. Allen, die sich auf den Weg machen wollen, das Alte Testament neu zu entdecken, wünsche ich, dass sie sich von dessen einzigartiger Botschaft fesseln lassen. Denn: „Unwiderlegbar, unzerstörbar, nie abgenutzt durch die Zeit wandert die Bibel durch die Zeitalter. Ohne Zögern schenkt sie sich allen Menschen. In 3000 Jahren ist sie nicht um einen Tag gealtert. Ihre Kraft wird nicht geringer. Tatsächlich steht sie erst am Anfang ihrer Wirksamkeit. Noch heute ist es, als sei sie nie angerührt worden, als hätten wir nicht einmal damit begonnen, sie zu lesen.“ Abraham Joshua Heschel

Neukirchen-Vluyn, im September 2014

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Inhalts

Leseprobe

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Inhaltsverzeichnis Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. DIE BOTSCHAFT DER GESCHICHTSBÜCHER

19

DER ANFANG

21

Im Anfang das 1. Buch Mose / Genesis 1

23

Vom Ursprung der Menschheit Genesis 2–11

26

Mann und Frau (Gen 2) . . . . . . . . . . . . Der Fall des Menschen (Gen 3) . . . . . . Kain und Abel (Gen 4) . . . . . . . . . . . . .

26 26 30

Noah (Gen 6–9) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Turm (Gen 11) . . . . . . . . . . . . . . . . .

Vom Ursprung des Volkes Gottes Das 1. Buch Mose / Genesis 12–50

32 35

39

Abraham – Vater vieler Völker (Gen 12–25) Abram und Sarai (Gen 12) . . . . . . . . . . In Ägypten (Gen 12) . . . . . . . . . . . . . . . Lot (Gen 13) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Melchisedek (Gen 14) . . . . . . . . . . . . . . Nacht (Gen 15) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hagar (Gen 16) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Der Bund (Gen 17) . . . . . . . . . . . . . . . . Der Besuch (Gen 18) . . . . . . . . . . . . . . .

41 42 44 45 46 48 49 51

Sodom (Gen 19) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Abimelech (Gen 20) . . . . . . . . . . . . . . . Ismael (Gen 21) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Isaak (Gen 22) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hebron (Gen 23) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Isaak und Rebekka (Gen 24) . . . . . . . . . Isaak und die Philister (Gen 26) . . . . . .

53 55 57 58 61 62 65

Jakob – Stammvater Israels (Gen 25–50) Jakob und Esau (Gen 25) . . . . . . . . . . . Der Betrug (Gen 27) . . . . . . . . . . . . . . . Bethel (Gen 28) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rahel und Lea (Gen 29) . . . . . . . . . . . .

67 68 70 71

Jakobs Söhne (Gen 29,31ff) . . . . . . . . . Israel (Gen 32f) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Dina (Gen 34) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Juda und Tamar (Gen 38) . . . . . . . . . . .

73 74 77 78

Josef und seine Brüder (Gen 37–50) Josef (Gen 37) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . In Ägypten (Gen 39) . . . . . . . . . . . . . . . Im Gefängnis (Gen 40) . . . . . . . . . . . . . Vor Pharao (Gen 41) . . . . . . . . . . . . . . . Die Brüder (Gen 42) . . . . . . . . . . . . . . .

80 82 84 85 87

Die Versöhnung (Gen 43ff) . . . . . . . . . . Josef lebt! (Gen 46) . . . . . . . . . . . . . . . . Jakob in Ägypten (Gen 47) . . . . . . . . . . Jakobs Segen (Gen 48f) . . . . . . . . . . . . Jakobs Tod (Gen 50) . . . . . . . . . . . . . . . .

89 92 93 94 96

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

DER WEG IN DIE FREIHEIT

99

Der Auszug Das 2. Buch Mose / Exodus 1–15

100

Israel in Ägypten (Ex 1) . . . . . . . . . . . . . Moses Geburt (Ex 2) . . . . . . . . . . . . . . . Mose in der Wüste (Ex 2) . . . . . . . . . . . Moses Berufung (Ex 3f) . . . . . . . . . . . .

101 103 104 106

Mose und Aaron (Ex 4ff ) . . . . . . . . . . . Die Plagen (Ex 7ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . Passa (Ex 11ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Durch das Schilfmeer (Ex 14/15) . . . . . .

Der Bund am Sinai Das 2. Buch Mose / Exodus 15–40

108 110 114 116

119

(Auf dem Weg zum Sinai) Mara (Ex 15,22ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Manna (Ex 16) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

121 122

Feinde (Ex 17) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Jitro (Ex 18) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

124 126

(Am Berg Sinai) „Ich bin der Herr, dein Gott“ (Ex 19–24) Das goldene Kalb (Ex 32) . . . . . . . . . . .

127 131

Moses Fürbitte (Ex 33–34) . . . . . . . . . . . Das Zelt (Ex 25ff / 35ff) . . . . . . . . . . . . .

133 136

Rechte und Ordnungen Das 3. Buch Mose / Levitikus Das Priesteramt (Lev 8ff) . . . . . . . . . . . Der Versöhnungstag (Lev 10/16) . . . . .

139 141 142

„Ihr sollt heilig sein!“(Lev 19/25) . . . . . „Ich will unter euch wohnen“ (Lev 26)

In der Wüste Das 4. Buch Mose / Numeri Aarons Segen (Num 6,22ff) . . . . . . . . . Aufbruch (Num 10,11ff) . . . . . . . . . . . . Das verdrossene Volk (Num 11) . . . . . . Aufstand (Num 13f) . . . . . . . . . . . . . . . Korach (Num 16f) . . . . . . . . . . . . . . . . .

147 149 149 150 152 154

Kadesch (Num 20) . . . . . . . . . . . . . . . . Schlangen (Num 21) . . . . . . . . . . . . . . . Bileam (Num 22) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Bileams Segen (Num 23f) . . . . . . . . . . .

Moses Vermächtnis Das 5. Buch Mose / Deuteronomium Rückblick (Dtn 1ff) . . . . . . . . . . . . . . . . Ausblick (Dtn 12ff) . . . . . . . . . . . . . . . .

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144 146

167 169

Heute! (Dtn 26ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . Moses Segen und Tod (Dtn 31–34) . . .

157 158 160 162

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

DIE FRÜHZEIT ISRAELS

175

Einzug ins Land Das Buch Josua

177

Josua (Jos 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rahab (Jos 2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Durch den Jordan (Jos 3ff) . . . . . . . . . . Jericho (Jos 6) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

179 180 182 183

Ai (Jos 7f) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gibeon (Jos 9f) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die zwölf Stämme (Jos 12ff) . . . . . . . . . Josuas Vermächtnis (Jos 23/24) . . . . . .

Die Zeit der Richter Das Buch der Richter Die Richter (Ri 1f) . . . . . . . . . . . . . . . . . Debora (Ri 5f) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gideon (Ri 6ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gideon und die Midianiter (Ri 7–8) . . . Jotam (Ri 9) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

193 195 196 198 200 202

Jeftah (Ri 10) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Simson (Ri 13) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Simson und die Philister (Ri 14f) . . . . . Simsons Fall (Ri 16) . . . . . . . . . . . . . . . . Simsons Ende (Ri 16) . . . . . . . . . . . . . .

Ende und Neuanfang Das Buch Rut Noomi (Rut 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Rut und Boas (Rut 2/3) . . . . . . . . . . . . .

185 187 188 190

204 206 208 211 213

215 217 218

Die Lösung (Rut 4) . . . . . . . . . . . . . . . .

220

DIE ANFÄNGE DES KÖNIGTUMS Das 1. Buch Samuel

225

Samuel – Wegbereiter der Könige (1. Sam 1–15) Samuels Geburt (1. Sam 1) . . . . . . . . . . 227 Das Lied der Hanna (1. Sam 2) . . . . . . . 229 Samuel in Silo (1. Sam 2) . . . . . . . . . . . 230 Samuels Berufung (1. Sam 3) . . . . . . . . 231

„Ikabod“ (1. Sam 4) . . . . . . . . . . . . . . . . Die Bundeslade (1. Sam 5f) . . . . . . . . . Eben–Ezer (1. Sam 7) . . . . . . . . . . . . . . „Gib uns einen König!“ (1. Sam 8) . . . .

233 235 237 239

Saul – der erste König (1. Sam 9–31) Die Salbung (1. Sam 9f) . . . . . . . . . . . . Die Wahl (1. Sam 10) . . . . . . . . . . . . . . . Sauls erster Sieg (1. Sam 11) . . . . . . . . . Samuels Vermächtnis (1. Sam 12) . . . .

241 242 244 245

Saul und die Philister (1. Sam 13) . . . . . Saul und Jonatan (1. Sam 14) . . . . . . . . Sauls Fall (1. Sam 15) . . . . . . . . . . . . . . .

247 248 251

David – der künftige König (1.Sam 16–31) Die Salbung (1. Sam 16) . . . . . . . . . . . . David bei Saul (1. Sam 16) . . . . . . . . . . David und Goliat (1. Sam 17) . . . . . . . . David am Hof des Königs (1. Sam 18f) David und Jonatan (1. Sam 20) . . . . . .

253 255 256 259 261

David auf der Flucht (1. Sam 21f) . . . . . David in der Höhle (1. Sam 24) . . . . . . David und Abigajil (1. Sam 25) . . . . . . . Letzte Begegnung (1. Sam 26) . . . . . . . Sauls Ende (1. Sam 28–31) . . . . . . . . . .

263 266 268 270 272

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

Das Königreich Davids König David (2. Sam 1–5) . . . . . . . . . . . Die Bundeslade (2. Sam 6) . . . . . . . . . . Der Davidbund (2. Sam 7) . . . . . . . . . . David und Mefi-Boschet (2. Sam 8) . . . David und Batseba (2. Sam 11) . . . . . . .

277 279 281 283 284

David und Nathan (2. Sam 12) . . . . . . . Amnon und Tamar (2. Sam 13) . . . . . . . Absalom (2. Sam 15) . . . . . . . . . . . . . . . Absaloms Ende (2. Sam 16–19) . . . . . . Neuanfang (2. Sam 24) . . . . . . . . . . . . .

DIE GESCHICHTE DER KÖNIGE

287 289 291 294 297

299

Das Königreich Salomos 1. Könige 1–11 301 302 304

Der Bau des Tempels (1. Kön 5–8) . . . . Salomos Ende (1. Kön 9/11) . . . . . . . . .

306 308

Die Reichsteilung (1. Kön 11f) . . . . . . . . Jerobeam (1. Kön 12–14) . . . . . . . . . . . .

310 311

Ahab (1. Kön 16/18) . . . . . . . . . . . . . . . .

314

Der Prophet ELIA (1. Kön 17 – 2. Kön 2) „Dein Sohn lebt!“(1. Kön 17) . . . . . . . . . „Der Herr ist Gott!“ (1. Kön 18) . . . . . . In der Wüste (1. Kön 19) . . . . . . . . . . . .

316 318 321

Nabot (1. Kön 21) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Ahabs Ende (1. Kön 22) . . . . . . . . . . . . .

323 325

Der Prophet ELISA (2.Kön 2–9) Elisa (2. Kön 2) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Die Witwe (2. Kön 4,1ff) . . . . . . . . . . . . Die Frau aus Schunem (2. Kön 4,8ff) . . Naaman (2. Kön 5) . . . . . . . . . . . . . . . . Das Friedensmahl (2. Kön 6,1ff) . . . . . .

328 330 332 333 336

Samaria (2. Kön 6,24ff) . . . . . . . . . . . . . Jehu (2. Kön 9–10) . . . . . . . . . . . . . . . . . Das Ende des Königreichs Israel (2. Kön 11–17) . .

337 340

König Salomo (1. Kön 1–3) . . . . . . . . . . Salomos Weisheit (1. Kön 3,16ff) . . . . . Salomos Friedensreich (1. Kön 4f/10) .

Das geteilte Königreich 1. Könige 12 – 2. Könige 17

Die Könige Judas Das 1./2. Buch der Chronik Abija (2. Chron 13) . . . . . . . . . . . . . . . . . Asa (2. Chron 14ff) . . . . . . . . . . . . . . . . . Joschafat (2. Chron 17ff) . . . . . . . . . . . . Atalja und Joasch (2. Chron 22ff) . . . . .

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342

345 347 348 349 353

Hiskia (2. Chron 29ff) . . . . . . . . . . . . . . Josia (2. Chron 33ff) . . . . . . . . . . . . . . . Das Ende des Königreichs Juda (2. Chron 36) . . .

355 358 360

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

UNTER PERSISCHER HERRSCHAFT Esra / Nehemia / Ester

363

Das Buch Esra

365

Heimkehr (Esra 1–2) . . . . . . . . . . . . . . . Der neue Tempel (Esra 3–5) . . . . . . . . .

367 369

Esras Reform (Esra 7–10) . . . . . . . . . . .

Das Buch Nehemia Nehemia (Neh 1–2,10) . . . . . . . . . . . . . Die Mauer (Neh 2f) . . . . . . . . . . . . . . . Widerstand (Neh 4–6) . . . . . . . . . . . . .

375 377 378 380

Das Fest (Neh 8–13) . . . . . . . . . . . . . . . Das Bußgebet der Gemeinde (Neh 9) .

Das Buch Ester Das Fest des Königs (Est 1) . . . . . . . . . Ester (Est 2–3) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Esters Bitte (Est 4) . . . . . . . . . . . . . . . .

372

382 384

387 389 390 393

Die Wende (Est 5–7) . . . . . . . . . . . . . . . Das Purimfest (Est 8–10) . . . . . . . . . . .

395 398

II. DIE BOTSCHAFT DER PROPHETISCHEN BÜCHER 401 DIE PROPHETEN IM 8. JAHrhUNDERT v.Chr. Der Prophet AMOS Die Visionen des Amos (Am 7) . . . . . . Amos in Samaria (Am 1–3) . . . . . . . . . .

405 407 408

Amos in Bethel (Am 4–6) . . . . . . . . . . . Ausblick (Am 8–9) . . . . . . . . . . . . . . . . .

Der Prophet HOSEA Hurenkinder (Hos 1–2) . . . . . . . . . . . . . Treuebruch (Hos 2,7ff) . . . . . . . . . . . . . Reuige Rückkehr (Hos 3) . . . . . . . . . . .

415 417 418 419

Gottes Klage (Hos 4–10) . . . . . . . . . . . 420 Durchbruch der Liebe: „Wie kann ich die preisgeben?“(Hos 11ff) 423

Der Prophet MICHA „Klagen muss ich“ (Mi 1–3) . . . . . . . . . „Er wird der Friede sein“ (Mi 4–5) . . . .

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410 413

425 427 429

„Es ist dir gesagt, Mensch“ (Mi 6) . . . . „Wo ist ein Gott wie du?“ (Mi 7) . . . . . .

430 432

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

Der Prophet JESAJA Jesaja 1–39

433

Texte aus der Frühzeit ( Jes 1–12) „Hört, der Herr redet!“ (Jes 1) . . . . . . . Der Weinberg (Jes 5) . . . . . . . . . . . . . . . Die Berufung (Jes 6) . . . . . . . . . . . . . . . „Immanuel“ (Jes 7) . . . . . . . . . . . . . . . .

435 437 440 442

„Uns ist ein Kind geboren“ (Jes 8–9) . . Der Friedenskönig (Jes 10–11) . . . . . . . Danklied der Befreiten (Jes 12) . . . . . . .

444 446 447

Texte aus der Spätzeit ( Jes 13–39) Barfuß und nackt (Jes 20) . . . . . . . . . . . Der Drohbrief (Jes 36–37) . . . . . . . . . . .

448 449

Schonfrist (Jes 38–39) . . . . . . . . . . . . . .

452

Visionen der Heilszeit . . . . . . . . . . . . . . Das neue Gottesvolk (Jes 2) . . . . . . . . . Das Friedensreich des Messias (Jes 11) Heilung der Völker (Jes 19) . . . . . . . . . .

454 455 456 457

Festmahl auf dem Zion (Jes 25f) . . . . . Heimkehr nach Zion (Jes 35) . . . . . . . .

458 459

DIE PROPHETEN IM 7./6. JAHRHUNDERT v.Chr. Der Prophet JEREMIA Die Berufung (Jer 1) . . . . . . . . . . . . . . . „Ich denke an deine Liebe“ (Jer 2–4) . . Der Prüfer (Jer 5–6) . . . . . . . . . . . . . . . . Die Tempelrede (Jer 7 und 26) . . . . . . . „Was kann mich noch trösten?“ (Jer 7–9) . . . . . . . . . . . . In Anatot (Jer 11–12) . . . . . . . . . . . . . . . Der Gürtel (Jer 13–15) . . . . . . . . . . . . . . Die künftige Heilszeit ( Jer 30–33) Die Wende (Jer 30,1ff) . . . . . . . . . . . . . . Heimkehr nach Israel (Jer 31,1–22) . . . Der neue Bund (Jer 31,31–34) . . . . . . . .

461 465 466 469 470 472 474 476

496 496 497

Der Krug (Jer 18–20) . . . . . . . . . . . . . . . Die Schriftrolle (Jer 36 / 22f) . . . . . . . . . Das Joch (Jer 27–28) . . . . . . . . . . . . . . . Der Brief (Jer 29) . . . . . . . . . . . . . . . . . . Gefangen (Jer 21/37) . . . . . . . . . . . . . . . In der Zisterne (Jer 38) . . . . . . . . . . . . . Der Acker (Jer 32/38) . . . . . . . . . . . . . . . Nach Ägypten (Jer 39–45) . . . . . . . . . . .

478 481 483 485 486 488 490 492

Das neue Jerusalem (Jer 33,10ff) . . . . . Der neue König (Jer 33,14ff) . . . . . . . . .

497 497

Zeitgenossen Jeremias Der Prophet Zefanja 1–3 . . . . . . . . . . . . Der Prophet Nahum 1–3 . . . . . . . . . . . .

499 501 503

Der Prophet Habakuk 1–3 . . . . . . . . . . . Der Prophet Obadja . . . . . . . . . . . . . . .

Die Klagelieder „Wie verlassen liegt die Stadt!“ (Klgl 1)

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505 507

509 511

„Gottes Güte hat kein Ende“ (Klgl 3/5)

512

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

DIE PROPHETEN IN DER EXILSZEIT HESEKIEL (Ezechiel) Die Berufung (Hes 1–3) . . . . . . . . . . . . . Der Wächter (Hes 3) . . . . . . . . . . . . . . . Die Zeichen (Hes 4–5) . . . . . . . . . . . . . „Du sollst leben!“ (Hes 16) . . . . . . . . . . „Kehrt um!“ (Hes 18) . . . . . . . . . . . . . .

515 519 521 523 525 526

„Ich bin der Herr, euer Gott!“ (Hes 20) Der Hirte (Hes 34) . . . . . . . . . . . . . . . . . Ein neues Herz (Hes 36) . . . . . . . . . . . . Neues Leben (Hes 37) . . . . . . . . . . . . . . Die neue Stadt (Hes 40–48) . . . . . . . . .

Jesaja 40–55

528 530 532 533 534

537

„Tröstet, tröstet mein Volk!“ (Jes 40,1–11) 541 „Er gibt dem Müden Kraft“ (Jes 40,12–31) 543 „Fürchte dich nicht!“ (Jes 41) . . . . . . . . 545 „Ich habe dich erlöst“ (Jes 43) . . . . . . . 547

„Ihr seid meine Zeugen“ (Jes 44,1–23) 548 „Ich, ich bin der Herr“ (Jes 44,24–48,22) 550 „Der Herr tröstet Zion“ (Jes 49–54) . . . 551 Ein „ewiger Bund“ (Jes 55) . . . . . . . . . . 554

Die Lieder vom Knecht Gottes . . . . . . . Erwählt (Jes 42) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Berufen (Jes 49) . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Angefeindet (Jes 50,4ff) . . . . . . . . . . . . Erniedrigt und erhöht (Jes 52,13–53,12)

556 557 558

559 560

DIE PROPHETEN IN NACHEXILISCHER ZEIT

563

JESAJA 56–66

565

„Macht Bahn! Macht Bahn!“ (Jes 57) . . 567 „Steh auf! Werde licht !“(Jes 58/60) . . . 568 „Frohe Botschaft für die Armen!“ (Jes 61) 570

„Reiß den Himmel auf!“(Jes 62 /63) . . Ausblick (Jes 65 / 66) . . . . . . . . . . . . . .

Die Propheten Haggai und Sacharja „Mein Geist soll unter euch bleiben“ (Hag 1f) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

577

„Ich will bei dir wohnen“ (Sach 1ff) . . . Ausblick (Sach 8) . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Der Prophet Maleachi „Ich habe euch lieb“ (Mal 1–2) . . . . . . . „Siehe, er kommt!“ (Mal 3) . . . . . . . . . .

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575 579 582

585 587 589

Der Prophet Joel Der „Tag des Herrn“ (Joel 1–4) . . . . . . .

571 573

Epilog (Mal 3,22ff) . . . . . . . . . . . . . . . . .

590

591 593

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

Das Buch Jona Der Prophet Jona (Jona 1–2) . . . . . . . . .

595 597

Jona in Ninive (Jona 3–4) . . . . . . . . . . .

599

601

Das Buch DANIEL Daniel in Babylon (Dan 1) . . . . . . . . . . . Der Traum des Königs (Dan 2) . . . . . . . Das Standbild des Königs (Dan 3) . . . .

603 604 606

Wahnsinn (Dan 4) . . . . . . . . . . . . . . . . . Mene Tekel (Dan 5) . . . . . . . . . . . . . . . . In der Löwengrube (Dan 6) . . . . . . . . . .

608 610 613

Visionen der Zukunft Der Menschensohn (Dan 7) . . . . . . . . . Daniels Bußgebet (Dan 9) . . . . . . . . . .

615 616

Ausblick (Dan 11/12) . . . . . . . . . . . . . . .

618

III. DIE BOTSCHAFT DER LEHRBÜCHER

619

LEBENSWEISHEIT Das Buch der Sprüche Wege zur Weisheit (Spr 1–7) . . . . . . . . . Vom Geheimnis der Weisheit (Spr 8) . .

621 623 625

Lebensweisheiten (Spr 10–22) . . . . . . . . Am Ende (Spr 30/31) . . . . . . . . . . . . . . .

627 630

LEBENSERFAHRUNG Das Buch Kohelet (Der Prediger) Alles Leben ist nichtig (Koh 1–2) . . . . . Alles hat seine Zeit (Koh 3–4) . . . . . . .

635 636

Das Hohelied Hochzeitslied (Hld 4–5) . . . . . . . . . . . .

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633 Was ist Weisheit? (Koh 6–8) . . . . . . . . . Freue dich am Leben! (Koh 9–12) . . . . .

638 641

643 645

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

LEBENSKRISE Das Buch Hiob Hiob (Hiob 1) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Hiobs Leiden (Hiob 2) . . . . . . . . . . . . . Hiobs Klage (Hiob 3) . . . . . . . . . . . . . .

647 649 651 653

Hiob und die Freunde (Hiob 4–19) . . . Hiobs letzte Rede (Hiob 27–31) . . . . . . Die Antwort (Hiob 38–42) . . . . . . . . . . .

654 658 661

LOB UND ANBETUNG Der Psalter Psalmtexte und Meditationen: Psalm 1: Glückwunsch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 22: Mein Gott, warum? . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 27: Der Herr ist mein Licht . . . . . . . . . . . . . Psalm 31: Meine Zeit in deinen Händen . . . . . . . . Psalm 34: Ich will den Herrn loben allezeit . . . . . . Psalm 42/43: Wo ist nun dein Gott? . . . . . . . . . . . . . . Psalm 71: Herr, ich vertraue auf dich . . . . . . . . . . Psalm 84: Wie liebe ich deine Wohnung . . . . . . . .

665

670 672 674 676 678 680 684 686

Psalm 92: Köstlich ist es, dem Herrn zu danken . Psalm :103: Lobe den Herrn, meine Seele! . . . . . . . Psalm 118: Dankt dem Herrn, denn er ist gut! . . . . Psalm 121: Reisesegen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 138: Du erhörst mein Gebet . . . . . . . . . . . . . Psalm 139: Deine Hand hält mich . . . . . . . . . . . . . . Psalm 145: Dich will ich loben immer und ewig . . . Psalm 150: Halleluja . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 119: Freude an Gottes Wort . . . . . . . . . . . . . .

688 690 692 696 698 700 702 704 706

Psalmen, die den Texten in diesem Buch zugeordnet sind: Psalm 72 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 303/305 Psalm 2 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 Psalm 74 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 381 Psalm 8 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Psalm 75 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 352 Psalm 10 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 258 Psalm 79 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 361 Psalm 11 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 262 Psalm 81 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 359 Psalm 14 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 269 Psalm 89 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 282 Psalm 21 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 301 Psalm 95 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125 Psalm 23 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 254 Psalm 100 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 280 Psalm 48 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 383 Psalm 103 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 135 Psalm 51 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 288 Psalm 104 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 Psalm 55 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293 Psalm 105 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97 Psalm 56 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 265 Psalm 106 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 343 Psalm 57 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 267 Psalm 107 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123 Psalm 59 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 260 Psalm 111 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 115 Psalm 69 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 489

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Leseprobe Inhaltsverzeichnis

Psalm 113 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 115 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 116 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 118 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Psalm 122 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

228 236 284 371 307

Psalm 124 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 399 Psalm 126 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 368 Psalm 132 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 278 Psalm 139 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 29/31 Psalm 146 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222

Karten

709

Zeittafel

715

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Leseprobe

I. Die Botschaft der Geschichtsbücher „Was wir gehört und erfahren haben, und unsere Vorfahren uns erzählt haben, das wollen wir ihren Nachkommen nicht verschweigen. Wir verkünden ihnen die großen Taten, die Gott getan hat.“ nach Psalm 78,3ff Die Geschichtsbücher des Alten Testaments enthalten das vielstimmige Zeugnis von der Geschichte Gottes mit seinem Volk. Sie umfassen einen Zeitraum von über 1000 Jahren, der von den ältesten überlieferten Texten bis zur endgültigen Festlegung der Bücher des Alten Testaments reicht. Ihr verbindendes Thema ist die Geschichte Israels im Horizont der Weltgeschichte. Im Unterschied zu profaner Geschichtsschreibung erfassen die Geschichtsbücher des Alten Testaments nur einen verschwindend kleinen Ausschnitt der Weltgeschichte. Und doch haben ihre Zeugnisse die Geschichte der Menschheit bleibend geprägt, weil in ihnen Gott als der Herr aller Geschichte bezeugt wird. Das macht die Eigenart der Geschichtsbücher des Alten Testaments aus: Sie sind ganz in der Geschichte verwurzelt – und gehen doch in ihr nicht auf. Sie konzentrieren sich in ihrer Darstellung auf einen begrenzten Raum in der Geschichte – und doch sprengt ihre Geschichte Raum und Zeit, weil sie sich zu dem einen Gott als dem Herrn aller Menschen bekennen, dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gehören. Sie enthalten Zeugnisse aus vielen Jahrhunderten – und doch wollen sie nicht nur als historische und literarisch wertvolle Zeugnisse wahrgenommen werden, sondern als Gottes Wort, vermittelt durch Menschen, die sein Wort und Wirken in der Geschichte erfahren haben. Sie alle stehen in einer Kette von Zeugen, an deren Anfang nicht nur ein Name steht. Vielmehr sind sie Ausdruck des vielstimmigen Chors der Gemeinde aus vielen Jahrhunderten. Dies gilt insbesondere für die 5 Bücher Mose, die in den christlichen Bibeln nüchtern als „Pentateuch“ (wörtl. die in fünf Krügen aufbewahrten Schriftrollen) bezeichnet werden. Ganz anders dagegen die Hebräische Bibel: Nach jüdischem Verständnis sind sie nicht nur als Geschichtsbücher zu verstehen. Sie enthalten vielmehr das Herzstück der Bibel, die Tora, Gottes Weisung und Wort, wie sie im Ersten Gebot zusammengefasst ist: „ICH bin der Herr dein Gott. Du sollst keine anderen Götter neben mir haben“ (Ex 20,1). Dieses Wort bildet die heimliche Mitte der 5 Bücher Mose. Von dieser Mitte aus wird die Geschichte des Volkes Gottes von seinen Anfängen bis zum Einzug ins Land Kanaan entfaltet.

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Leseprobe

Auf dieser Grundlage bauen auch die folgenden Bücher auf. Sie werden in den christlichen Bibelausgaben, abweichend von der Hebräischen Bibel, als zweiter Teil der Geschichtsbücher bezeichnet. Zu ihnen gehören die Bücher Josua, Richter, das 1. und 2. Buch Samuel und die beiden Bücher der Könige. Alle diese Bücher sind Teil eines großen Geschichtswerks, das den Aufstieg und Niedergang des Königtums in Israel, einschließlich ihrer Vorgeschichte beschreibt. Ihre Leitfrage lautet: Wie hat das Volk Gottes im Lauf seiner Geschichte seinen Glauben in der Auseinandersetzung mit anderen Völkern bewahrt? Die letzten Geschichtsbücher Esra, Nehemia und Ester. beschreiben die Zeit nach der Heimkehr des Volkes aus dem babylonischen Exil. An ihnen wird die Treue Gottes erkennbar, der trotz Israels Versagen an seinem Volk und an seiner Zusage festhält und seinem Volk im Land der Verheißung einen Neuanfang schenkt.

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Leseprobe

Das 1. Buch Mose / Genesis

Der Anfang „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ So vielsagend beginnt das erste Buch der Bibel. Damit bekundet es gleich zu Anfang, von wem in diesem Buch die Rede sein soll. Es ist der Eine Gott, der schon vor allem Anfang an da war, noch ehe die Welt geschaffen war, der Anfang und Ende Zeit umschließt und der darum auch am Anfang allen Nachdenkens über Gott und die Welt steht. Er ist es, der durch sein Wort alles geschaffen hat und sich in der Geschichte der Menschheit auf vielfache Weise offenbart hat. Das ist das große Thema, das sich von Anfang bis Ende durch alle Bücher der Bibel zieht. Es ist aber in besonderer Weise das Thema des ersten Buches. Wie schon sein Name „Genesis“ anzeigt (dt. Ursprung, Anfang), erzählt es von den Anfängen der Welt, der Menschheit und des Volkes Gottes, die alle ihren Ursprung in Gott haben. Durch sein Wort ist die Welt und der Mensch geschaffen. Durch dasselbe Wort wurde Gottes Volk ins Leben gerufen und zum Segen für die ganze Menschheit gemacht. Mit diesem Bekenntnis zu Gott als dem alleinigen Ursprung allen Lebens begegnet das Genesisbuch gleich zu Anfang dem Missverständnis, als enthalte dieses erste Buch nur Mythen und alte Geschichten aus grauer Vorzeit. Vielmehr befasst es sich mit den grundlegenden und bleibend aktuellen Menschheitsfragen: Wer bin ich? Woher komme ich? Wozu lebe ich? Wohin treibt unsere Welt? Das Genesisbuch entfaltet diese Fragen in Form einer fortlaufenden Erzählung. In ihr verdichtet sich eine Fülle menschlicher Erfahrungen, die in ihrer ungeschönten Menschlichkeit alle Höhen und Tiefen des Menschseins ausloten. Aber gerade als solche gibt sie Zeugnis von Gottes offenbarem und verborgenen Wirken in, mit und durch Menschen. Diese Erzählung ist das Ergebnis eines langen mündlichen und schriftlichen Überlieferungsprozesses. Ursprünglich selbständige Überlieferungen, meist an bestimmte Orte gebunden und dort über Jahrhunderte mündlich überliefert, sind mit frühen schriftlichen Zeugnissen zusammengewachsen und stellen in ihrer Endgestalt eine einzigartige Gesamtkomposition dar, die auf vielfache Weise Gottes Wort und Wirken in der Geschichte bezeugt. Aber alle Geschichten des Genesisbuches kreisen letztlich um das eine große Thema: Gottes Volk im Horizont der Völkerwelt. In den ersten 11 Kapiteln entwirft es zunächst ein umfassendes Bild der Welt- und Menschheitsgeschichte, das mit dem gängigen Begriff „Urgeschichte“ nur unzureichend beschrieben ist. In diesem weiten Horizont beschreibt es im zweiten Teil (12-50) den Anfang der Geschichte des Volkes Gottes, der wiederum mit dem Begriff „Vätergeschichte“ nur unzureichend erfasst ist. Es zeigt vielmehr den Weg auf, den Gott mit Abraham und seinen Nachkommen zum Heil der ganzen Welt begann. – 21 –

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Leseprobe

Genesis 1–11

Die Urgeschichte (1) Das erste Kapitel lenkt zuallererst den Blick auf Gott und sein Schöpfungswerk, das den ganzen Kosmos umfasst. Der Mensch ist in ihm nur Teil der Schöpfung, mit allen anderen Geschöpfen zu Gottes Lob geschaffen. (2) Erst im 2. und 3. Kapitel steht der Mensch als Geschöpf Gottes im Fokus. Auf die uralte Menschheitsfrage: Was ist der Mensch? wird in diesen Kapiteln eine zweifache Antwort gegeben: Der Mensch – ein Meisterwerk Gottes, geschaffen zu seinem Bild (1,27) und von Gott mit allen Gaben ausgestattet (2,7ff); Der Mensch – ein Rebell gegen Gott, der gleich zu Anfang aus seiner ursprünglichen Beziehung zu Gott heraus fällt und eigene Wege geht. (3) Die folgenden Kapitel beschreiben die fatalen Folgen des „Sündenfalls“ und den Weg der Menschheit, der zunehmend zur Entfremdung gegenüber Gott und den Mitmenschen führt und in der Sintflutkatastrophe endet. Das negative Bild, das die Urgeschichte von den Anfängen der Menschheit zeichnet, hebt die Notwendigkeit eines radikalen Neuanfangs hervor. Der Grund zum Neuanfang wird durch Gottes Bund mit Noah gelegt. Er bildet das Herzstück der Urgeschichte und zugleich die Voraussetzung für Gottes Geschichte mit Abraham und seinen Nachkommen, die einen radikalen Neuanfang in der Geschichte der Menschheit markiert. Sie ist das große Thema im zweiten Teil des Genesisbuches.

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Leseprobe

1. Mose / Genesis 1. Mose / Genesis

Im Anfang Genesis 1–2,4

I

m Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Aber die Erde war öde und ohne Leben. Dunkelheit bedeckte die Erde. Und Gottes Geist schwebte über den Wassern.

1,1f

Und Gott sprach: „Es werde Licht!“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Licht brach aus dem Dunkel hervor und erhellte die Erde. Und Gott sah das Licht an und sah, dass es gut war. Da trennte er das Licht von dem Dunkel und nannte das Licht Tag. Das Dunkel aber nannte er Nacht. So wurde aus Abend und Morgen der erste Tag.

1,3ff

Und Gott sprach: „Über der Erde soll ein Gewölbe entstehen.“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Gott spannte ein Dach über die Erde und nannte es Himmel. So wurde aus Abend und Morgen der zweite Tag. Und Gott sprach: „Alles Wasser auf der Erde soll weichen!“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Auf der Erde floss das Wasser zusammen und trockenes Land trat aus dem Wasser hervor. Und Gott nannte das Trockene Land. Das Wasser aber nannte er Meer. Und Gott sah an, was er gemacht hatte, und sah, dass es gut war. Und Gott sprach: „Die Erde bringe Gras und Kräuter hervor!“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Aus der Erde wuchsen Pflanzen hervor, die Samen trugen in ihren Früchten. Und Gott sah an, was da wuchs,

1,6ff

1,9f

und sah, dass es gut war. So wurde aus Abend und Morgen der dritte Tag.

1,11ff

Und Gott sprach: „Lichter sollen am Himmel leuchten, die Tag und Nacht scheiden und die Zeiten bestimmen.“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Gott setzte Lichter an den Himmel, ein großes Licht für den Tag und ein kleines Licht für die Nacht, dazu viele Sterne. Und Gott sah an, was er gemacht hatte, und sah, dass es gut war. So wurde aus Abend und Morgen der vierte Tag.

1,14ff

Und Gott sprach: „Das Wasser und die Luft sollen mit Leben erfüllt sein.“ Da geschah es, wie Gott gesagt hatte: Gott schuf mächtige Meerestiere und alles, was im Wasser wimmelt und lebt, dazu auch alle gefiederten Vögel, alle Tiere nach ihrer Art. Und Gott sah an, was er gemacht hatte und sah, dass es gut war. Da segnete Gott die Tiere und sprach: „Seid fruchtbar und mehrt euch! Erfüllt alles mit Leben, die Luft und das Meer.“ So wurde aus Abend und Morgen der fünfte Tag.

1,20ff

Und Gott sprach: „Das Land soll mit Leben erfüllt sein.“ Und so geschah es, wie Gott gesagt hatte: Gott schuf die Landtiere, wilde und zahme, jedes Tier nach seiner Art. Und Gott sah an, was er gemacht hatte, und sah, dass es gut war.

1,24f

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

Zuletzt aber sprach Gott: „Ich will Menschen machen, mir gleich. Über alle Tiere will ich sie setzen.“ Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bild. Nach Gottes Bild schuf er ihn und schuf sie als Mann und Frau. Und Gott segnete sie und sprach: „Seid fruchtbar und mehrt euch! Breitet euch aus und macht euch die Erde zu Eigen! Alles auf dieser Erde vertrau ich euch an: die Feldfrüchte, die Fische und Vögel und auch die Landtiere. Alles soll euch gehören. Aber ihr sollt mir gehören.“ Und Gott sah alles an, was er gemacht hatte: Es war alles sehr gut. So wurde aus Abend und Morgen der sechste Tag. Am siebten Tag aber ruhte Gott von seinen Werken. Und Gott segnete den siebten Tag und er sprach: „Dieser Tag soll mein Tag sein. Mir allein soll er gehören. Solange die Erde besteht, soll man den siebten Tag ehren. Alle Arbeit soll ruhen an diesem Tag.“

L

1,26

1,27

obe den Herrn, meine Seele, Herr, mein Gott, Schöpfer des Lichts, Ursprung des Lebens, wie groß und mächtig bist du! Licht ist dein Kleid, das du anhast. Du breitest den Himmel aus wie einen Teppich. Du hast das Erdreich gegründet, dass es fest bleibt, immer und ewig. Du lässt Wasser quellen in Tälern. Alle Tiere kommen und trinken sich satt. Darüber fliegen die Vögel des Himmels und singen unter den Zweigen ihr Lied.

1,28ff

1,31

Du feuchtest die Berge von oben und füllst mit Früchten das Land. Du hast den Mond geschaffen, der die Zeiten bestimmt und die Sonne, die ihren Auf- und Untergang kennt. Herr, mein Gott, wie groß sind deine Werke! Du hast ihnen allen eine Ordnung gegeben. Himmel, Erde, Meer und was darin lebt, das hast du alles geschaffen. Halleluja! aus Psalm 104

2,1ff

S

o schuf Gott Himmel und Erde durch sein mächtiges Wort. Alles, was in dieser Welt lebt, kommt von ihm und ist zu seinem Lob geschaffen.

2,4

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

So überraschend anders als erwartet setzt das erste Kapitel ein: Nicht mit einem Schöpfungs- „bericht“, sondern mit einem großartigen Schöpfungsgedicht, das in sieben Strophen Gott als den alleinigen Schöpfer und Urheber allen Lebens preist. Sein Thema lautet nicht, wie die Welt entstanden ist, sondern wer sie geschaffen hat und wem sich alles Leben auf dieser Erde allein verdankt. Genau betrachtet, handelt es sich um einen Hymnus, den großen Schöpfungshymnen im Psalter vergleichbar (Ps 8 / 19 / 104 / 148). Durch ihn werden wir gleich zu Anfang aufgerufen, an erster Stelle dem die Ehre zu geben, der „Himmel und Erde gemacht hat“. Unüberhörbar ist der feierliche Ton dieses Gedichts. Die litaneiartig wiederkehrenden Aussagen erinnern an eine gottesdienstliche Liturgie. Sie schaffen einen „Raum der Ehrfurcht“, der sich erst im lauten bzw. lauschenden Lesen erschließt. Dabei fällt die strenge Form auf, in der das Sieben-Tage-Werk in Strophen entfaltet wird. Da ist kein Wort überflüssig. Jeder Satz verrät dichte Reflexion im Staunen über Gottes weise Schöpfungsordnung – in bewusster Konzentration auf Gott selbst und sein schöpferisches Tun:  Gott „spricht“ – und es geschieht. Damit wird ausgesagt: Die Welt ist allein durch sein wirkmächtiges Wort „geschaffen“ (hebr. bara – ein Wort, das einzig für Gottes Schaffen steht).  Gott „trennt“ Licht und Dunkel, Tag und Nacht, Land und Meer und schafft damit einen Lebensraum für seine Geschöpfe.  Aber auch die Bereiche, die bedrohlich erscheinen, wie z.B. die Nacht oder das Meer, unterstehen seiner Schöpfermacht. Gott „nennt“ sie mit Namen und bekundet damit seine Herrschaft über sie.

 Gott „ordnet“ sein Schöpfungswerk. Er verwandelt das Chaos in einen wohl geordneten Kosmos und gibt ihm für alle Zeit eine feste Ordnung.  Gott „baut“ sein Schöpfungswerk in klar gegliederter Abfolge der „Schöpfungstage“. Das heißt: Seine Schöpfung ist das Ergebnis eines Prozesses, an dessen Ende die Erschaffung des Menschen steht.  Gott „sieht an“, was er gemacht hat, und befindet es für „gut“. Das bedeutet: Gott bleibt seiner Schöpfung zugewandt und spricht mit seinem „Es war gut“ sein JA über ihr aus. Dieses Ja Gottes bildet den Grundton des Schöpfungshymnus in Gen 1. Es beinhaltet zugleich auch ein klares Nein gegenüber allen anderen Mächten, die die alleinige Schöpfermacht Gottes infrage stellen wollen, seien es Fruchtbarkeitsgötter wie Baal oder die Gestirngottheiten im babylonischen Weltreich. Nicht Baal lässt Wachstum aus der Erde sprießen, sondern Gottes Schöpferwort (1,11). Und nicht die Gestirne bestimmen über das Schicksal der Menschen. Vielmehr sagt ihnen der Schöpfungshymnus ausdrücklich den Kampf an, indem er sie erst am vierten Schöpfungstag erwähnt und sie zu schlichten Leuchtkörpern am Himmel degradiert (1,17). Dies ist zum Trost für alle gesagt, die sich anderen Mächten ausgeliefert sehen. Als Krönung der Schöpfung beschreibt Gen 1 die Erschaffung des Menschen. Auf ihn zielt Gottes Schöpferhandeln von Anfang an. Aber nicht sein hoher Rang hebt den Menschen aus der übrigen Schöpfung heraus, sondern allein die Würde, die Gott ihm verleiht, verbunden mit seinem besonderen Schöpfungsauftrag. Als Gottes „Gegenüber“ und in der Ausrichtung auf ihn darf er seinen Auftrag in dieser Welt wahrnehmen, als Sachwalter Gottes und seiner Schöpfung, die er dem Menschen anvertraut hat (1,27ff).

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

Genesis 2–11

Vom Ursprung der Menschheit

Mann und Frau Genesis 2

So schuf Gott den Menschen: Er formte ihn aus Erde und hauchte ihm den Atem des Lebens ein. Darum heißt der Mensch Adam, das heißt Erdling, weil er aus Erde gemacht ist. Durch Gottes Lebensatem wurde er ein lebendiger Mensch. Und Gott pflanzte für den Menschen einen Garten im Land Eden. Darin wuchsen vielerlei Bäume mit köstlichen Früchten. Der Mensch durfte ihn pflegen und seine Früchte ernten. Und vom Garten ging ein Strom aus, der teilte sich in vier Arme und machte das ganze Land fruchtbar. In diesem Garten durfte der Mensch leben. Aber mitten im Garten stand ein Baum, der gehörte allein Gott: der Baum der Erkenntnis. Wer von diesem Baum aß, wusste, was gut und was böse ist. Darum sprach Gott zum Menschen: „Von allen Bäumen darfst du essen. Aber vom Baum der Erkenntnis sollst du nichts essen. Denn wenn du davon isst, wirst du sterben.“ Und weiter sprach Gott: „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm ein Gegenüber schaffen, das ihm entspricht, das ihn versteht und mit ihm spricht.“

2,7

Darauf brachte Gott die Tiere zu ihm, die er geschaffen hatte. Und der Mensch gab ihnen Namen, jedem Tier seinen eigenen Namen. Aber unter allen Tieren fand sich kein Tier, das dem Menschen entsprach. Mit keinem konnte er sprechen. Und keines konnte den Menschen verstehen.

2,19f

Da ließ Gott den Menschen in einen tiefen Schlaf sinken. Und als er aufwachte, sah er: Eine Frau stand vor ihm. Gott hatte sie ihm als sein Gegenüber gegeben, ihm gleich, aus seiner Rippe geformt, und dennoch ein eigener Mensch, von Gottes Händen geschaffen.

2,21f

„Da ist sie ja“, rief der Mensch froh, „sie, die zu mir gehört! Der Mensch, der mir gefehlt hat!“ Und Adam nannte sie Eva, das heißt: Leben.

3,20

Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und seiner Frau angehören. Und sie werden eins sein, Mann und Frau, Frau und Mann. Gott hat sie füreinander geschaffen.

2,24

2,8ff

2,16f

– – –

2,18

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H

err, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name! Wenn ich den Himmel betrachte, das Werk deiner Hände, den Mond und die Sterne, die du gemacht hast: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, und was ist des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn wenig niedriger als Gott gemacht.

Mit Ehre und Schmuck hast du ihn gekrönt. Du hast den Menschen über das Werk deiner Hände gesetzt. Alles hast du ihm unterstellt: Schafe und Rinder, dazu auch die wilden Tiere, die Vögel unter dem Himmel und die Fische im Meer. Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name! aus Psalm 8

Was ist der Mensch? Sobald der Mensch ins Blickfeld rückt, fängt das Genesisbuch an zu erzählen. Es erzählt vom ursprünglichen Einssein des Menschen mit Gott und seiner Schöpfung, von seinem Schöpfungsauftrag und von seiner geschöpflichen Bestimmung als Mann und als Frau. Im Unterschied zum einleitenden Schöpfungshymnus wird hier ganz schlicht und ganz menschlich von Gott erzählt und von den Gaben und Aufgaben, die er dem Menschen zugeteilt hat. Aber gerade darin ist diese scheinbar so altertümliche Erzählung zeitlos. Sie zeigt auf, wodurch aus biblischer Sicht der Mensch seine einzigartige Würde, aber auch seine Begrenzung erfährt:  Gott formt den Menschen aus Erde, d.h. aus einem Klumpen Lehm. Das bedeutet: Der Mensch ist ein Meisterwerk Gottes, jeder einzelne Mensch ein Unikat, geformt von Gottes Hand, kein namenloses Massenprodukt. Aber auch das andere gilt: Der Mensch, ein „Erdmensch“ (das bedeutet der Name Adam, abgeleitet von adamah = Ackerboden), ist aus vergänglichem Material geschaffen (vgl. 3,19: „Staub bist du und zum Staub wirst du zurückkehren“). Daraus folgt für den Menschen ein klares Ja zu seiner Leiblichkeit, aber zugleich auch die Einsicht in seine Vergänglichkeit.  Gott haucht den Odem des Lebens in seine Nase. Das heißt: Der Mensch erhält sein Leben nicht aus sich selbst, sondern aus dem Lebensgeist Gottes. So erfährt sich der Mensch, wie auch alle anderen Lebewesen, mit jedem Atemzug von Gott abhängig. So drückt es auch der 104. Psalm aus. „Du sendest aus deinen Lebensgeist, so werden sie geschaffen. Nimmst

du weg ihren Lebensgeist, so kommen sie um und werden wieder Staub“ (104,30.29).  Gott gibt dem Menschen Lebensraum und Arbeit. Er setzt ihn in den Garten Eden, den er bewohnen und bearbeiten darf. Der Garten ist kein Schlaraffenland, sondern ein Ort, den der Mensch durch seiner Hände Arbeit pflegen und gestalten kann. Er wird auch nicht als jenseitiges Paradies vorgestellt, sondern als ein besonderer Ort mitten in unserer Welt, der von Gott für den Menschen geschaffen ist, ein Ort, von dem alles Leben auf dieser Erde ausgeht. Dies zeigen die vier Paradiesströme an: Sie kommen von Gott und bewässern unsere Erde. Bei ihm ist die Quelle des Lebens (Ps 36,10). Ohne dieses Wasser gäbe es kein Leben auf der Erde.  Gott überträgt dem Menschen die Verantwortung für die Tierwelt. Er darf die Tiere „benennen“, das heißt: Er darf über sie bestimmen, aber er hat kein Recht, sie auszubeuten oder sie nur auf ihren Nutzwert hin zu betrachten. Die Tiere sind dem Menschen vielmehr als eigenständige Geschöpfe Gottes an die Seite gestellt (vgl. auch Ps 8,7ff).  Aber das kostbarste Geschenk ist der Mitmensch, den Gott dem Menschen an die Seite stellt. Gott schafft ihm ein „Gegenüber“, sein Ebenbild, das ihm entspricht (2,18). Erst im Du, in der Gleichheit und Verschiedenheit von Mann und Frau, findet der Mensch zu seiner wahren Identität (hebr. isch und ischah). Ein großes Geheimnis liegt über der Erzählung von der Erschaffung der Frau. Feinsinnig vermeidet sie jeden Verdacht auf männliche Vorherrschaft, wie sie in patriarchalischen Gesellschaftsformen üblich war. Stattdessen heißt es: Gott lässt den

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Menschen in einen tiefen Schlaf fallen (2,21). Damit wird ausgedrückt: Der Mensch ist bei der Erschaffung seines Gegenübers selbst nicht beteiligt. Sein Gegenüber ist zwar aus seiner Rippe genommen – Zeichen der Gleichwertigkeit –, aber es ist Gottes ureigenes Schöpfungswerk und nicht nur seine Kopie (2,22). Hochzeitliche Freude liegt über dieser Szene: Wie der Brautvater die Braut dem Bräutigam zuführt, so führt Gott die Frau dem Mann entgegen (2,22b). Beide, Mann und Frau, dürfen einander als Gottes Gabe annehmen.  Doch über allem steht das Gebot Gottes, das dem Menschen eine klare Grenze setzt: Alles ist dem Menschen von Gott übergeben. Nur eines ist ihm verwehrt: Er darf sich nicht an Gottes Stelle setzen und sich anmaßen, über gut und

böse zu entscheiden, was allein Gott zusteht. Daran erinnert der „Baum der Erkenntnis“. Das Verbot Gottes, von diesem Baum zu essen, ist aber nicht als Einschränkung des Menschen zu verstehen, sondern als Ausdruck seiner besonderen Stellung innerhalb der Schöpfung: Als mündiger Mensch ist er aufgerufen, in Freiheit sein Ja zu Gottes Gebot zu sagen. Damit unterstreicht dieses Kapitel: Am Anfang allen Nachdenkens über den Menschen steht Gottes Ja zu seinem Geschöpf. Die Antwort des Menschen auf die ihm verliehene Würde kann nur dankbares Staunen sein, wie es in Psalm 8 ausgedrückt wird: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst? … Du hast ihn wenig niedriger gemacht als Gott, mit Ehre und Hoheit hast du ihn gekrönt“ (Ps 8,5f).

Der Fall des Menschen Genesis 3

Adam und Eva wohnten im Garten Eden. Sie lebten dort im Frieden mit Gott und seinen Geschöpfen. Aber unter den Tieren, die Gott geschaffen hatte, war auch die Schlange. Sie war listiger als alle anderen Tiere, die Gott geschaffen hatte. Heimlich machte sie sich an die Frau heran und flüsterte ihr zu: „Wie? Hat Gott wirklich gesagt: Von allen Bäumen im Garten dürft ihr nichts essen?“ „Nein!“, entgegnete Eva. „Von allen Bäumen des Gartens dürfen wir essen. Nur von dem Baum in der Mitte dürfen wir keine Frucht essen. Gott hat uns geboten: Esst ja nichts davon! Rührt auch keine Frucht an! Sonst werdet ihr sterben.“ Doch die Schlange erwiderte: „Nein, nein! Ihr werdet nicht sterben.

Gott weiß genau, warum er das sagt. Denn wenn ihr davon esst, werdet ihr sein wie Gott und erkennen, was gut und böse ist.“

3,4f

Da sah die Frau den Baum an. Seine Früchte lachten sie an. Sie streckte die Hand aus, pflückte eine Frucht, biss hinein und gab sie ihrem Mann. Der nahm die Frucht und aß auch davon.

3,6

Da gingen den beiden die Augen auf. Mit Schrecken erkannten sie, dass sie nackt waren. Schnell rissen sie sich ein paar Feigenblätter vom Baum und flochten Lendenschurze daraus.

3,7

3,1

3,2f

Schon kam der Abend heran. Da hörten die beiden Gott kommen. Erschrocken versteckten sie sich unter den Bäumen im Garten. Aber Gott rief Adam: „Wo bist du?“ Zitternd kam Adam aus seinem Versteck.

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„Ich hörte dich kommen“, stammelte er. „Ich fürchtete mich und versteckte mich, weil ich nackt bin.“ „Adam“, fragte Gott, „wer hat dir gesagt, dass du nackt bist? Hast du von der Frucht gegessen?“ „Ja“, gestand Adam, „ich habe es getan. Aber die Frau, die du mir gabst, die war schuld daran. Sie gab mir die Frucht.“ „Was hast du getan?“, sprach Gott, zu Eva gewandt. Die aber wich aus: „Ich war nicht schuld daran! Die Schlange war schuld. Sie hat mich betrogen.“ Da sprach Gott zu der Schlange: „Verflucht sollst du sein und verstoßen von allen Tieren, weil du solches getan hast. Kriechen sollst du auf der Erde, und ewige Feindschaft soll sein zwischen dir und den Menschen.“ Und zu Eva sprach Gott: „Du wirst Kinder bekommen, aber sie werden dir viel Kummer und Schmerzen bereiten. Du wirst dich nach deinem Mann sehnen. Er aber wird dich beherrschen.“

3,10

3,11f

3,13

Und deine Arbeit wird dich viel Schweiß kosten, bis du wieder zur Erde wirst, aus der du gemacht bist. Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden.“

3,17ff

So sprach Gott zu Adam und Eva. Darauf wies er sie aus dem Garten. Kein Weg führte dorthin zurück. Engel mit feurigen Schwertern bewachten den Zugang zum Garten.

3,23f

Aber auch in Zukunft ließ Gott seine Menschen nicht los. Er erhielt sie am Leben und gab ihnen, was sie zum Leben brauchten: Kleider aus Fellen, die sie vor Kälte schützten, und Früchte des Feldes, die ihren Hunger stillten. Gott sorgte für sie wie ein Vater für seine Kinder.

3,21 1,29

– – – 3,14f

H

err, du siehst mich und kennst mich Ob ich sitze oder aufstehe – du weißt es. Du kennst meine Gedanken von ferne. Ob ich am Boden liege oder weglaufe vor dir, du bleibst mir auf der Spur. Du siehst alle meine Wege. Du weißt alles, was ich rede und denke. Von allen Seiten umgibst du mich. Ich kann deiner Hand nicht entkommen. Herr, du siehst mich und kennst mich. Sieh, ob ich auf verkehrtem Weg gehe und leite mich auf dem Weg, der zurück führt zu dir.

3,16

Und zu Adam sprach Gott: „Du hast getan, was dir verboten war, darum sei dein Acker verflucht. Nur mit Mühe wirst du dich von ihm ernähren. Dornen und Disteln werden dort wuchern.

nach Psalm 139

Was ist der Mensch? Die Antwort dieser Geschichte verschlägt einem fast den Atem: der Mensch – ein Rebell gegen Gott. Kaum ist er geschaffen, löst er sich von seinem Ursprung und verfehlt seine geschöpfliche Bestimmung, einer, der sich über Gottes Gebot hinwegsetzt,

der selbst sein will „wie Gott“ und sich dabei immer mehr von Gott entfernt. Das ist das Drama, von dem diese Geschichte erzählt, in dem der Mensch zum Täter und Opfer seiner Tat wird, scheinbar ein alter Mythos aus grauer Vorzeit und doch so erschreckend realistisch und

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unheimlich nah, dass man sich selbst in diesem Drama wiedererkennt. Es ist der „Fall“ des Menschen schlechthin, der hier in zwei Akten aufgerollt wird:  Der erste Akt beschreibt den Einbruch der Sünde (3,1–6) als einen Prozess, der sich schleichend im Innern des Menschen abspielt. Damit wird deutlich: Der Mensch ist für sein Tun allein verantwortlich. Er kann die Schuld für seinen Absturz weder Gott noch einer anderen Macht zuschreiben. (Die Schlange wird auffällig zurückhaltend nur als „listiges“ Geschöpf, nicht aber als teuflische Gegenmacht vorgestellt.) Subtil und psychologisch einfühlsam entfalten die ersten Verse, wie es aus dem anfänglichen bloßen Gedanken am Ende zur Tat kommt. Es ist vor allem der verführerische Gedanke „Ihr werdet sein wie Gott“, der in beiden, Mann und Frau, das Verlangen weckt, sich über Gottes Gebot zu stellen, und sie am Ende zur gemeinsamen Tat verführt.  Der zweite Akt zeigt die unwiderruflichen Folgen der Tat auf (3,7ff). Kaum ist die Entscheidung gegen Gottes Gebot gefallen, müssen die beiden erkennen, dass sich ihre Absicht ins Gegenteil verkehrt hat: – Sie wollten sein wie Gott. Aber ihr Streben treibt sie immer weiter von Gott weg. Auf ihr Versteckspiel folgt am Ende die Trennung von Gott. – Sie suchten Gemeinschaft als Mann und als Frau. Aber schon ihre erste gemeinsame Aktion führt zur schleichenden Entfremdung zwischen beiden. Der Mann gibt der Frau die Schuld (mit

dem vielsagenden Zusatz „die Frau, die du mir gabst“). Und diese wälzt wiederum die Schuld auf die Schlange ab. Erste Machtansprüche zeichnen sich ab. (Bezeichnend wird erst an dieser Stelle – abweichend von Gen 2,23f – die Herrschaft des Mannes über die Frau erwähnt!) Menschlich betrachtet, ein hoffnungsloser Fall mit katastrophalen Folgen! Aber mitten in dieser dunklen Geschichte leuchtet Gottes Erbarmen mit seinen Geschöpfen auf: Gott überlässt die Menschen nicht sich selbst. Er geht ihnen nach, er ruft sie aus ihrem Versteck und stellt sie als ihr Richter zur Rede (3,11). Sein richterliches Urteil hört sich hart an, aber in Wahrheit will es die Menschen vor noch größerem Unheil bewahren. Trotz seiner Ankündigung „Ihr werdet sterben“ (2,17) erhält Gott sie am Leben und gibt ihnen Zukunft, wenn auch unter Mühsal und Schmerzen (3,16ff). Und schließlich versorgt Gott sogar seine Menschen mit Kleidung und Nahrung. Am Ende steht das Bild eines fürsorglichen Vaters, der seine rebellischen Kinder nicht preisgibt. Die Geschichte vom Fall des Menschen hat immer wieder Menschen dazu veranlasst, über den Ursprung des Bösen und das Wesen der Schlange zu spekulieren. Aber in Wahrheit verweigert sich diese Erzählung solchen Spekulationen. Stattdessen ruft sie den Menschen auf, zu Gott umzukehren und ihn, wie in Psalm 139, im Gebet zu suchen.

Kain und Abel Genesis 4

Adam und Eva hatten zwei Söhne. Der ältere hieß Kain, der jüngere Abel. Kain wurde ein Bauer, Abel aber wurde ein Hirte. Von Zeit zu Zeit brachten beide Gott ein Dankopfer dar. Dazu wählte Abel ein Lamm

aus seiner Schafherde aus und verbrannte es auf dem Altar. Und Gott sah sein Opfer gnädig an. Kain aber nahm von seinen Feldfrüchten, legte sie auf den Altar und zündete sie an. Aber es schien, als sehe Gott sein Opfer nicht an. 4,1–4

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Da verfinsterte sich Kains Gesicht. Grimmig sagte er sich: „Gott liebt nur Abel. Mich liebt er nicht.“ Aber Gott sprach zu Kain: „Warum bist du erzürnt? Warum weichst du mir aus und senkst deinen Blick? Ist es nicht so: Hast du Gutes vor, dann kannst du deinen Blick frei erheben. Hast du aber Böses im Sinn, dann gib acht, dass du nicht sündigst.“ Doch Kain hörte nicht mehr auf Gott. Er lockte seinen Bruder aufs Feld. Dort fiel er über ihn her und schlug auf ihn ein, bis er tot war. Auf einmal war es totenstill auf dem Feld. Reglos lag Abel in seinem Blut. Da hörte Kain, wie Gott rief: „Kain, wo ist Abel, dein Bruder?“ „Wie soll ich das wissen?“, gab Kain trotzig zurück. „Soll ich denn meinen Bruder hüten?“ Aber Gott sprach zu ihm: „Was hast du getan? Das Blut deines Bruders schreit zum Himmel. Es klagt dich an. Verflucht seist du auf der Erde, die du mit seinem Blut getränkt hast. Dein Acker wird dir künftig keinen Ertrag geben. Du kannst nicht länger hier leben. Fliehen musst du. Doch wohin du auch fliehst, nirgendwo kannst du bleiben.“

4,6f

4,8

Da begriff Kain erst, was er getan hatte. Seinen eigenen Bruder hatte er umgebracht! Nicht Abel, er hätte den Tod verdient! Erschrocken antwortete er: „Die Strafe ist mir zu schwer. Ich kann sie nicht tragen. Du vertreibst mich von hier. Ich muss vor dir fliehen. Ruhelos muss ich von Ort zu Ort ziehen. Doch nirgendwo bin ich sicher.“

4,13f

Aber Gott sprach zu Kain: „Nein! Sondern wer Kain tötet, wird siebenfache Strafe empfangen.“ Und Gott machte ein Zeichen an Kain. das ihn vor Rache schützte, sodass niemand wagte, Hand an ihn zu legen.

4,15

So zog Kain weg und wohnte im Osten, jenseits von Eden.

4,16

– – – 4,9

H

err, du siehst mich und kennst mich. Wohin soll ich fliehen vor dir? Ich kann dir nirgends entkommen. Steige ich in Himmelshöhen hinauf, so bist du da. Verstecke ich mich tief unten im Grab, so bist du auch da. Fliege ich mit der Morgenröte und bleibe am fernsten Meer, so wird auch dort deine Hand mich führen und halten. Herr, du siehst in mein Herz. Sieh, was ich plane und denke. Und lass mich nicht weglaufen von dir.

4,10ff

nach Psalm 139

Der Stein ist ins Rollen geraten. Das Unheil nimmt seinen Lauf und immer schlimmere Ausmaße an. Unmittelbar auf die Geschichte vom „Sündenfall“ folgt die Geschichte vom Brudermord. Sie zeigt, wie das maßlose Streben des

Menschen, „sein zu wollen wie Gott“, in der nächsten Generation noch eskaliert, indem sich der Mensch zum Herrn über Leben und Tod macht. Und wie in Gen 3, so geht auch hier der Tat eine innere Geschichte voraus:

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Ausgangspunkt ist das Opfer beider Brüder. Ausgerechnet an dieser frommen Handlung entzündet sich die Sünde, die zunächst nur im Innern des Menschen schwelt. Aus dem Vergleich beider Opfer folgt Eifersucht und Hass, der am Ende zum Brudermord führt. Kain sieht sich von Gott nicht geliebt. Er kann nicht anerkennen, dass seine Verbindung zu Gott gar nicht abgerissen ist, solange Gott noch zu ihm spricht. Stattdessen kündigt er eigenmächtig die Beziehung zu Gott auf. Er wendet sich von ihm ab („senkt“ den Blick) und beseitigt den Bruder, Gottes Warnung zum Trotz. Und als Gott ihn zur Rede stellt, verweigert er jede Verantwortung gegenüber seinem Bruder: „Soll ich denn meinen Bruder hüten?“ Aus anfänglicher Rivalität zwischen den Brüdern ist offene Rebellion gegen Gott geworden. Sie treibt Kain immer weiter von Gott weg („jenseits von Eden“, 4,16). Aber auch diese Geschichte durchzieht Gottes bewahrende Gnade, die hier sowohl dem Täter wie auch dem Opfer gilt: Gott tritt für Abel ein, der selbst nicht mehr für sich sprechen kann. Das Blut Abels, das die Erde aufgesogen hat, „schreit“ zu ihm. Als Anwalt des Ermordeten und Richter des Mörders stellt er Kain zur Rede.

Aber er fordert nicht den Tod des Mörders als Sühne, sondern erhält ihn am Leben und gibt ihm sogar ein Zeichen, das ihn vor der Rache der Menschen bewahren soll. Das Kapitel endet mit dem Ausblick auf Kains Nachkommen. Dabei wird deutlich: Die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter. Sie findet ihren Ausdruck in dem Lied des Lamech: „Einen Mann erschlug ich für meine Wunde … Kain soll siebenmal gerächt werden und Lamech ­siebenundsiebzigmal“ (4,23f). Das anfängliche Familiendrama weitet sich zunehmend zum Drama der ganzen Völkerfamilie aus. Der Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt nimmt immer drastischere Ausmaße an. Er kann vom Menschen nicht mehr durchbrochen werden. Aber die gute Nachricht am Ende des Kapitels lautet: Gott schafft im Verborgenen die Voraussetzung für einen Neuanfang durch die Geburt Sets, der nun die Stelle des ermordeten Bruders einnimmt (4,25). Sets Nachkommenschaft lässt neue Hoffnung aufkommen (5,1ff). Aus ihr geht am Ende Noah hervor (5,29). Mit ihm setzt Gott einen Neuanfang in der Geschichte.

Noah Genesis 6–9

Bald erfüllte sich, was Gott den Menschen zugesagt hatte. Sie mehrten sich und füllten die Erde. Aber je mehr sie an Zahl wuchsen, desto größere Schuld häuften sie auf. Kains Kinder trieben es noch schlimmer als ihr Ahnvater Kain, der seinen Bruder ermordet hatte. Sie schmiedeten Waffen aus Eisen 4,22 und säten Feindschaft unter den Völkern. 4,23 Sie scheuten auch nicht vor Kriegen zurück. Und als Held galt, wer die andern besiegte. 6,4b Als aber Gott sah, dass die Menschheit von Grund auf

verdorben war und auch alles, was sie in ihrem Herzen erdachte, da war es ihm leid, dass er die Menschen geschaffen hatte. Und tief bekümmert sprach er zu sich selbst: „Es reut mich, dass ich die Menschen gemacht habe. Ich will sie wieder von der Erde nehmen, mitsamt allen Tieren.“ Nur einer, Noah, fand Gnade bei Gott. Er hielt sich zu Gott und hörte auf ihn. Ihn wollte Gott am Leben erhalten. Er sprach zu Noah: „Bau dir ein Schiff! Denn bald wird eine Flut die ganze Erde heimsuchen.

6,5ff

6,8f

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Und alles, was lebt, wird in den Fluten ertrinken. Aber dich will ich am Leben erhalten. Mit dir will ich meinen Bund schließen.“ 6,14ff Da hörte Noah auf Gott. Und er baute die Arche, einen riesigen Kasten, drei Stockwerke hoch, mit zahllosen Kammern, mit Tür und Fenster und darüber mit einem Dach, wie Gott ihm geboten hatte. Und Gott sprach zu Noah: „Nun geh in die Arche mit deiner Frau, deinen drei Söhnen und ihren Frauen. Und wähle von allen Tieren ein Paar aus. Bringe sie in die Arche hinein! Auch sie will ich am Leben erhalten.“ Da hörte Noah auf Gott. Er wählte von allen Tieren ein Paar aus und brachte sie in die Arche. Und Noah schaffte für sie gewaltige Mengen an Futter herbei. Darauf ging er selbst in die Arche, mit seiner Frau, mit seinen drei Söhnen und ihren Frauen. Und Gott schloss die Tür hinter ihm zu. Sieben Tage lang blieb es noch still auf der Erde. Danach verschwand die Sonne hinter den Wolken. Der Himmel wurde ganz schwarz. Ein furchtbarer Regen brach los. Es schüttete. Es goss in Strömen. Sogar aus den Tiefen der Erde stieg das Wasser empor. Die Fluten überschwemmten das Land. Bald stand das ganze Land unter Wasser. Menschen und Tiere ertranken. Und immer noch goss es in Strömen. Das Wasser stieg höher und höher, bis zu den höchsten Bergen empor. Schließlich war nichts mehr zu sehen, nur Wasser – ein endloses Meer. Aber die Arche trieb ruhig auf dem Wasser dahin.

Hundertundfünfzig Tage lang hielt der gewaltige Regen an. Da dachte Gott an Noah und setzte dem Regen ein Ende. Aber noch war alles Land von den Fluten bedeckt.

7,24

8,1

Tage und Wochen vergingen. Das Wasser sank nur ganz langsam. Die Arche trieb immer noch ziellos auf dem Wasser dahin. 6,15f 6,22

6,18f

Endlich, nach Wochen, stieß die Arche unter Wasser an eine Bergspitze. Und bald darauf traten auch die Berge wieder hervor. Da öffnete Noah das Fenster der Arche und ließ eine Taube hinausfliegen. Aber die Taube kam am Abend zurück. Sie hatte kein Futter gefunden.

8,8f

Da wartete Noah noch eine Woche. Danach ließ er die Taube noch einmal hinausfliegen. Und wieder kam sie zurück. Doch diesmal hielt sie ein Blatt vom Ölbaum im Schnabel, als wollte sie sagen: Seht doch, die Bäume tragen schon wieder Blätter!

8,10f

Noch eine Woche verging. Danach ließ Noah die Taube noch einmal hinausfliegen. Doch nun kam sie nicht mehr zurück. Da deckte Noah das Dach ab und sah: Das Land war überall trocken!

8,12f

„Noah“, sprach Gott, „nun geht aus der Arche, du und deine Frau, deine drei Söhne mit ihren Frauen, dazu alle Tiere!“ Da machte Noah die Tür weit auf. Menschen und Tiere stürmten hinaus. Noah aber baute zuerst einen Altar. Darauf brachte er ein Dankopfer dar. Gott hatte sein Versprechen gehalten. Er hatte alle, Menschen und Tiere, am Leben erhalten. Aber noch lag ihre Zukunft im Dunkeln.

8,15ff

8,3f

7,7ff

7,10f

7,17ff

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Da sprach Gott zu Noah: „Ich will in Zukunft nie mehr die Erde verfluchen. Und wenn die Menschen künftig alles Leben auf der Erde zerstören, so will ich dennoch die Erde erhalten. Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Und Gott sprach weiter zu Noah und seinen Söhnen: „Heute schließe ich meinen Bund mit euch und euren Nachkommen: Nie mehr soll eine Sintflut wie diese die Erde heimsuchen. Seht, meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt. Der soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde. Und wenn in Zukunft wieder ein schweres Unwetter kommt, dann blickt auf zum Himmel! Dort steht in den Wolken mein Bogen. Niemals will ich vergessen, was ich euch zugesagt habe. Mein Bund mit euch und mit allen Geschöpfen bleibt ewig bestehen.“

Da schöpfte Noah Mut und fing an, das verwüstete Land neu zu bestellen. Er säte und pflanzte, legte Äcker und Weinberge an. Und Gott ließ wachsen und reifen, was er gepflanzt hatte.

9,20

– – – 8,21ff

Gott spricht:

9,8ff

ch habe dich einen kleinen Augenblick verlassen, aber mit großer Barmherzigkeit will ich dich sammeln. Ich habe mein Angesicht im Augenblick des Zorns ein wenig vor dir verborgen, aber mit ewiger Gnade will ich mich über dich erbarmen. Ich halte es wie zur Zeit Noahs. Damals schwor ich, dass die Wasser nicht mehr über die Erde kommen sollten. Denn Berge mögen einstürzen und Hügel einfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen und mein Friedensbund soll nicht zerstört werden.

I

aus Jesaja 54

Gottes Bund mit Noah bildet das Herzstück der Urgeschichte. Es ist die Antwort Gottes auf die verhängnisvolle Entwicklung der Menschheit, die unausweichlich zur globalen Katastrophe führt. Mit der Sintflut droht Gottes gute Schöpfung gleich zu Anfang wieder ins Chaos zurückzufallen. Ihr geht in den vorangehenden Kapiteln ein langer Prozess voraus, der durch die Verkettung einzelner Geschichten zunehmend an Schärfe gewinnt und mit dem Menschen die ganze Schöpfung in den Abgrund zu reißen droht. Was anfänglich mit einer einzelnen Tat zweier Menschen begonnen hat (3,1ff), zieht mit Kains Nachkommenschaft immer weitere Kreise (4,17ff) und übersteigt am Ende alle menschliche Vorstellungskraft. (So z.B. in 6,1ff, wo, gleichsam als Auftakt zur Sintfluterzählung,

die übermenschlichen Folgen menschlicher Maßlosigkeit aufgezeigt werden.) Je mehr Menschen auf der Erde leben, desto mehr Schuld häufen sie an und verwandeln so Gottes Segen (s. 1,28: „Seid fruchtbar und mehrt euch!“) ins Gegenteil. Nun lässt sich die Sünde des Menschen nicht mehr an einzelnen Taten auflisten, vielmehr gilt ganz grundsätzlich: „Das Dichten und Trachten des Menschen“ ist von Grund auf verdorben (6,5; 6,11ff). Insofern muss sich der Mensch auch selbst die Schuld an der Zerstörung der Schöpfung zuschreiben. Was sich auf den ersten Blick als gnadenloses Strafgericht Gottes liest, erweist sich in Wahrheit als unerbittliche Konsequenz dessen, was die Menschen auf der Erde angerichtet haben.

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

Umso erstaunlicher, was die Sintfluterzählung über Gott aussagt! Schon die einleitenden Verse in 6,4ff zeigen an: Gott ist kein Despot, der aus sicherer Distanz gnadenlos mit seinen Menschen verfährt, sondern selbst im Gericht bleibt er seinen Menschen ganz nah. Es ist ihm nicht gleichgültig, was aus seinen Geschöpfen wird, sondern es „bekümmert ihn in seinem Herzen“, ja, es „reut“ ihn, dass er die Menschen gemacht hat (6,6). Mit ganz menschlichen Zügen wird Gottes Schmerz über den Irrweg seiner Geschöpfe beschrieben. Damit wird bereits in der Einleitung angezeigt: Nicht Vernichtung, sondern Bewahrung seiner Schöpfung ist das Ziel der Wege Gottes, auch durch das Gericht hindurch. Das ist die frohe Botschaft dieser sonst so bedrückenden Geschichte. Sie findet ihren sichtbaren Ausdruck in dem Bild der Arche (in Wirklichkeit nichts anderes als ein riesiger schwimmender „Kasten“), die mitten in der Zerstörung die Hoffnung auf Gottes Neuanfang wachhält. Diese Hoffnung wird im Verlauf der Erzählung immer wieder durch Sätze wie diese erinnert: „Aber Noah fand Gnade bei Gott“ (6,8). „Der Herr schloss (die Arche) hinter ihm zu“ (7,16b). „Gott gedachte an Noah“ (8,1). Damit wird der

Ernst des Gerichtes, das mit der Sintflut ergeht, nicht aufgehoben. Aber mitten im Gericht leuchtet Gottes Gnade und Fürsorge auf. Sie ist allein in Gottes Treue begründet. Dass Gott dennoch am Menschen festhält, trotz seines Versagens, das ist das Wunder, von dem auch das Ende der Geschichte erzählt: Gott schenkt der Menschheit einen Neuanfang und besiegelt ihn durch seinen Bund mit Noah und dessen Nachkommen. In diesen Bund ist die ganze Schöpfung mit eingeschlossen. Als sichtbares Zeichen seines Bundes setzt Gott seinen Bogen in die Wolken. Der Bogen erinnert viele Ausleger an einen Kriegsbogen. Als solcher hat er ein für allemal ausgedient. Gott erklärt mit diesem Zeichen seiner Schöpfung für immer den Frieden. Als Regenbogen wird er in Verbindung mit Gottes Zusage zum Zeichen der Hoffnung über einer zerstörten Erde. Durch ihn sollen nicht nur die Menschen an Gottes Versprechen erinnert werden, sondern Gott bindet sich selbst an dieses Zeichen seiner unverbrüchlichen Treue. Er „gedenkt“ an seinen Bund (hebr. sachar, 9,15). Das bedeutet im Klartext: Mögen auch die Menschen vergessen, was Gott versprochen hat – Gott vergisst nicht und hebt niemals auf, was er ein für allemal zugesagt hat!

Der Turm Genesis 11

Dies sind die Namen der Söhne Noahs: Sem, Ham und Jafet. Ihre Nachkommen breiteten sich über die ganze Erde aus. Sie entwickelten mit der Zeit verschiedene Kulturen und Sprachen. Doch zu Anfang zogen sie gemeinsam von Ort zu Ort und sprachen alle ein und dieselbe Sprache. In jenen Tagen, so erzählt man, trug es sich zu, dass die Menschen im Osten ein Land fanden, Schinar genannt,

10,1ff

ein weites und ebenes Land. Da sagten sie zueinander. „Hier wollen wir bleiben. Auf! Lasst uns aus Lehm Ziegel formen und brennen und daraus Häuser bauen!“ Und so nahmen sie Ziegel als Steine und fügten sie mit Erdharz zusammen.

11,3

Aber die Menschen wollten noch mehr: Sie riefen: „Auf! Lasst uns eine große Stadt bauen! Dann bleiben wir für immer zusammen. Sonst werden wir in alle Länder zerstreut.“

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

Und sogleich fingen sie an und bauten die große Stadt Babel mit einer mächtigen Mauer ringsum. Aber die Menschen wollten noch mehr. Sie riefen: „Auf! Lasst uns einen hohen Turm bauen, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Dann sind wir die Größten. Und alle Welt rühmt unseren Namen.“ Und sogleich fingen sie an, und setzten einen Stein auf den andern. Der Turm wuchs von Tag zu Tag. Er wurde höher und höher. Bald ragte er über die ganze Stadt. Aber die Menschen riefen: „Höher! Viel höher! So hoch wie der Himmel!“

11,4

Da ließen die Menschen von ihrem gemeinsamen Vorhaben ab. Nach und nach verließen alle die Stadt und zerstreuten sich über die Erde. Der Turm aber blieb unvollendet zurück, als Mahnmal für künftige Zeiten. Babel – Verwirrung, so lautet der Name der Stadt. Er erinnert bis heute daran, wie Gott dem Wahn der Menschen für alle Zeit eine Grenze gesetzt hat.

11,9

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Warum treten die Völker 11,4

Doch Gott im Himmel sah auf den Turm herab. Und er sprach zu sich selbst: „So sind die Menschen. Sie kennen keine Grenzen und wollen immer höher hinaus. Und dies ist erst der Anfang ihrer Vorhaben. Bald wird ihnen nichts mehr unmöglich erscheinen. Auf! Lasst uns herabfahren und ihre Sprache vermischen, sodass keiner mehr den andern versteht.“ 11,5ff Und so geschah es. Bald verstanden sich die Menschen nicht mehr. Sie hörten nicht mehr aufeinander und sprachen nicht mehr miteinander. Bald sprachen sie nur noch ihre eigene Sprache.

zum Aufstand gegen Gott an? Warum schmieden sie gemeinsam vergebliche Pläne? Ihr Tun führt doch am Ende zu nichts. Die Herrscher dieser Welt verschwören sich und lehnen sich auf. Sie sprechen zueinander: Auf! Wir wollen die Fesseln zerreißen und die Stricke, die uns angelegt wurden! Aber Gott im Himmel lacht über ihre nichtigen Pläne. Er hält seinen Spott nicht zurück. So nehmt endlich Verstand an, ihr Mächtigen auf Erden, Lasst euch warnen! Ihr haltet über andere Gericht. Aber Gott ist Richter auf Erden. Beugt euch vor ihm und seid ihm in Ehrfurcht ergeben, damit sein Zorn nicht über euch kommt! Wer auf ihn baut, ist glücklich zu preisen.

aus Psalm 2

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Leseprobe 1. Mose / Genesis

Die Geschichte vom Turmbau zu Babel bildet den Abschluss der Urgeschichte. Sie erzählt von dem gescheiterten Versuch der Menschheit, einen gemeinsamen Neuanfang aus eigener Kraft zu schaffen. Statt des erwarteten Neuanfangs, zeigt sie an einem letzten Beispiel auf, wohin die Menschheit steuert, wenn ihr nicht Einhalt geboten wird. Ausgangspunkt ist die Erfindung des Ziegelsteins als Voraussetzung für den Städtebau. Damit ist auch der Übergang vom Nomadentum zur Sesshaftwerdung und zur Gründung von weltlichen Machtzentren angezeigt. Mit ihnen ist eine höhere kulturelle Stufe der Menschheit erreicht. Das Streben des Menschen nach mehr Wissen und Können hat ihm tatsächlich erkennbare Fortschritte beschert (vgl. dazu auch 4,21.22; 9,20). Aber es fördert zugleich auch seinen Allmachtswahn und sein Verlangen, sich selbst an Gottes Stelle zu setzen. Dies wird hier eindrucksvoll am Beispiel der Stadt Babel aufgezeigt. Babel gilt in der Bibel als Inbegriff einer gottlosen und selbstherrlichen Stadt, deren Herrscher sich gottgleich über andere Völker hinweggesetzt haben (vgl. z.B. Ps 2 und Dan 4,27). In dem gigantischen Projekt des Turmbaus von Babel kommt das grenzenlose Verlangen des Menschen zum Ausdruck, sich selbst an Gottes Stelle ein Denkmal zu setzen (wörtl. „sich einen Namen machen“, 11,4). Aber die Erzählung in Gen 11 zeigt: Das Projekt des Menschen kann nicht gelingen, auch nicht mit gewaltigen gemeinsamen Anstrengungen. Im Gegenteil: Der Himmel – hier ein Bild für die

Welt Gottes – bleibt für den Menschen unerreichbar. Die Tatsache, dass bei diesem Turm auch die Erinnerung an den berühmten babylonischen Tempelturm (Zikkurat) mitschwingt, verschärft noch die Aussage dieser Erzählung: Auch die größten gemeinsamen Leistungen der Menschheit, und seien es Tempeltürme oder andere sakrale Monumente, verfehlen letztlich ihr Ziel, wenn sie den Menschen dazu dienen, sich selbst „einen Namen“ zu machen. Die stilisierte Form der Erzählung unterstreicht deren Dynamik noch zusätzlich. Im ersten Teil ist es der dreifache Selbstaufruf der Menschen, der ihr Vorhaben und ihre ungeheuerliche Vermessenheit von Satz zu Satz steigert, wobei Gott nicht einmal erwähnt wird. Ein Ausdruck extremer Gottvergessenheit! Erst im zweiten Teil wird der Blick auf Gott gelenkt. Analog zum Selbstaufruf der Menschen spricht Gott: „Auf, lasst uns herabfahren.“ Sein Wort beschreibt die gegenläufige Richtung: So tief muss sich Gott herabbeugen, um den Turm überhaupt wahrzunehmen. So lächerlich und verschwindend klein ist das menschliche Machwerk aus göttlicher Perspektive! Am Ende erreichen die Menschen genau das, was sie befürchtet haben: Sie können nicht zusammen bleiben. Die Urgeschichte endet mit einer unausgesprochenen Frage: Kann es für diese zerrissene Menschheit überhaupt noch Zukunft und Hoffnung geben?

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