R. Loren Sandford Die Zukunft kommt – sind wir bereit?
R. Loren Sandford
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Gedanken vom Herzen Gottes ßber uns und die kommenden Zeiten
Copyright © 2012 by R. Loren Sandford Titel der amerikanischen Originalausgabe: Visions of the Coming Days Die amerikanische Originalausgabe ist erschienen bei: Chosen, a division of Baker Publishing Group, Grand Rapids, Michigan, 49516, U.S.A. Aus dem Englischen übersetzt von Sabine Njock Die Bibelzitate in diesem Buch folgen der Schlachter-Übersetzung, Copyright © 2000 Genfer Bibelgesellschaft, wenn nicht folgendermaßen gekennzeichnet: NL: Neues Leben. Die Bibel, Copyright © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten Hfa: Hoffnung für alle, Copyright © 1983, 1996, 2002 by Biblica Inc.TM REÜ: Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R.Brockhaus im SCM-Verlag GmbH & Co. KG, Witten 1. Auflage 2014 Copyright © der deutschen Ausgabe 2014 by Asaph-Verlag Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpi books Printed in the EU ISBN 978-3-940188-73-1 Bestellnummer 147473 Dieser Titel ist auch als E-Book erhältlich. Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: Asaph, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid asaph@asaph.net – www.asaph.net
Stimmen zum Buch Loren Sandford ist ein glaubwürdiger Prophet, dem ein Einblick in die vor uns liegenden Zeiten gegeben wurde. Die Zukunft kommt – sind wir bereit? wird in so manchem Leser heilbringende Fragen hervorrufen und für viele eine aufschlussreiche Bestätigung sein. Außergewöhnliche Zeiten warten auf jene, die vorbereitet sind. Bei der Vorbereitung darauf wird Ihnen das Buch von Loren Sandford eine große Hilfe sein. Patricia King, XP Ministries Aus dem Blickwinkel eines Heilungsdienstes mit der Berufung, christlichen Leiter im Umgang mit ihren Verletzungen zu helfen, ist ein prophetisches Buch, das uns auf das Vaterherz Gottes hinweist, sehr erfrischend. Lorens zahlreiche ernste und direkte Warnungen und Mahnungen zur Vorsicht, die Bezug nehmen auf die aktuellen Trends in der christlichen Szene, sollten uns nicht beschämen, sondern uns wieder zu einer Ausrichtung auf die Liebe des Vaters zurückbringen. Seine Liebe ruft uns nach oben und zieht uns zu seiner Heilung. Wenn wir geheilt werden, können wir unsere Verteidigungsmechanismen des Stolzes usw. fallen lassen, Buße tun und das Herz des Vaters suchen. Danke, Loren, für diesen Posaunenstoß. Chester und Betsy Kylstra, Restoring the Foundations Ministries
Als Mitarbeiter und Mitstreiter von Loren, sowohl in den westlichen Ländern als auch in Osteuropa, empfehle ich Die Zukunft kommt – sind wir bereit? von ganzem Herzen. Seine rasiermesserscharfen Worte der Warnung und der Zurechtweisung können erschrecken, doch sie werden gemildert durch die Liebe des Vaters für sein Volk, in einer Zeit, in der die Werte und der Lebensstil innerhalb des Leibes Christi immer konfuser werden. Lorens Worte treffen unser Gewissen, doch spricht er aus einem Herzensverlangen nach Erlösung und Gnade heraus. Wir werden aufgerufen, uns selbst und unsere Gemeinden zu prüfen und Rechenschaft abzulegen im Licht der Barmherzigkeit und Wahrheit unseres Herrn, der sowohl Löwe als auch Lamm ist. Ich habe selbst beobachtet, wie Loren auch in sehr unbequemen Situationen immer die Interessen anderer im Blick hat, nicht die eigenen, deshalb weiß ich, dass er ganz persönlich das lebt, was er in diesem Buch schreibt. Lesen Sie es mit einem offenen Herzen! Dan Slade, Internationaler Koordinator Partners in Harvest
Inhalt Vorwort von John Paul Jackson ...................................................9 Einleitung ......................................................................................15 Teil 1: Den Grundton festlegen ...................................................19 Kapitel 1: Gottes Herz haben .........................................................21 Kapitel 2: Eine Offenbarung über das Herz Gottes .......................35 Kapitel 3: Auf dem Weg zu einer wahren Erweckung ...................43 Teil 2: Die kommenden Zeiten ....................................................57 Kapitel 4: Wie in den Tagen von Amos .........................................59 Kapitel 5: Fünf Jahre der Vorbereitung ..........................................73 Kapitel 6: Vorbereitung durch Buße ..............................................93 Kapitel 7: Die Offenbarung der Söhne Gottes .............................109 Kapitel 8: Die letzte Einladung: Offenbarung 14 ........................127 Kapitel 9: Zeichen des Baalsgeistes.............................................143 Kapitel 10: Strategisches Gebetsfeuer .........................................149 Kapitel 11: Die Wolke der Herrlichkeit ist weitergezogen ..........165 Kapitel 12: Der große Abfall........................................................177 Kapitel 13: Die Simson-Generation .............................................191 Kapitel 14: Die Offenbarung wirft ihre Schatten voraus .............205 7
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Teil 3: Kurz angerissen...............................................................219 Kapitel 15: Der Islam....................................................................221 Kapitel 16: Ein neuer jßdischer Exodus........................................225 Kapitel 17: Die drohende Kriegsgefahr........................................229 Kapitel 18: Noch ein Blick auf Amerika.......................................231 Der Autor.....................................................................................237
8
Vorwort von John Paul Jackson Ich liebe Gottes Wege, Gottes Macht, Gottes Autorität und wie Gott für uns eintritt, noch ehe wir ihn darum bitten. Ich liebe auch wahre prophetische Worte, übernatürliche, von Gott gewirkte Begegnungen und von Gott geschenkte Träume. Durch solche Begebenheiten und andere Wunder bestätigt Gott seine Gottheit. Tagtäglich beweist er uns immer wieder seine Attribute wie Allwissenheit, Allmacht, Allgegenwart, Unveränderlichkeit und Ewigkeit. Ob uns die Herrlichkeit seiner Taten bewusst ist oder nicht, ändert nichts an der Tatsache, dass er möchte, dass wir ihn auf ganz unterschiedliche Art und Weise erkennen. Parallel zu all den himmlischen Erfahrungen in unserer Mitte glaube ich, dass wir tun sollen, was die Bibel uns aufträgt: Wir sollen von seinen herrlichen Taten erzählen und unsere Kinder und unsere Enkelkinder darüber lehren. Wenn wir das tun, werden alle immer wieder mit Ehrfurcht für Gott erfüllt werden. Wir sollen auch Gott beständig alle Ehre geben und keinen Ruhm für uns selbst beanspruchen. Wir sollen seine Taten nicht übertrieben darstellen, abschwächen, was er gesagt hat, oder etwas, was er gar nicht getan hat, so darstellen, als hätte er es getan. Wir sollen an klarer, kraftvoller biblischer Lehre festhalten und unsere Überzeugungen vor den Menschen ausleben. Auf diese Weise bezeugen wir, 9
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? was Gott getan hat und noch tut, und können anderen Menschen die Hoffnung vermitteln, dass Gott auch weiterhin so handeln wird wie in der Vergangenheit. Leider muss gesagt werden, dass dies im Großen und Ganzen heutzutage nicht geschieht. Tatsache ist, dass wir, der Leib Christi, immer weniger Relevanz haben in einer Welt, in die wir hineingestellt wurden, um sie zu beeinflussen. Folglich leben wir in einer Zeit, in der die Logik der Politiker, die Expertise der Fachleute, die Predigten der Kanzelredner und die Offenbarungen der Propheten allesamt nicht mehr die Herzen der Menschen, die sie erreichen wollen, in den Bann ziehen. Das sollte nicht so sein, aber es ist so. Jesus und die Propheten der Schrift prophezeiten, und zwar mit beunruhigender Genauigkeit, dass eine Zeit kommen würde, wo die humanistische Logik der Menschen die Nationen in die Verwirrung führen würde. Diese Zeit ist heute gekommen. Die heutige Logik kann im besten Fall eine kurzfristige Lösung für das menschliche Dilemma anbieten, doch langfristig verstärkt sie dieses nur noch. Wir ernten heute die Frucht dieser Denkweise und die Ratlosigkeit der Völker hat sich inzwischen auf dem gesamten Globus ausgebreitet. Im Gegenzug entwickelt sich besonders in dem breiteren Strom charismatischer und evangelikaler Gemeinden der ebenso gegen jede Logik gehende Gedanke von einem „netten“ Gott, der seine Kinder nie bestrafen oder züchtigen würde. Parallel zu diesem unlogischen Paradigma verläuft eine Denkweise, bei der die geistlichen Erfahrungen das Ziel werden. Wenn diese Denkweise nicht gebremst wird, wird sie sich so weit ausbreiten, dass sie zu einem anerkannten theologischen Prinzip werden wird. So ist es zum Beispiel in manchen Kreisen üblich, dass geistliche Erfahrungen mehr gesucht werden als eine tiefe Beziehung zu Gott. Die erfahrungsorientierte Umgebung führt dazu, dass es mir wichtiger erscheint, was mit mir passiert, als das, was in mir passiert. Das Reden über meine Erfahrung wird wichtiger als die Transformation meines Wesens, und was noch betrüblicher ist, meine Philosophie wird wichtiger als meine Theologie. Ganz allmählich, fast unbemerkt, breitet sich der Sauerteig eines philosophischen Verständnisses der Bibel immer mehr aus und eine 10
Vorwort von John Paul Jackson philosophisch-moralische Sicht von Gott setzt sich durch. Folglich, wenn Gott Liebe ist, kann es einen Ort wie die Hölle nicht geben. Die Ehe wird eher als eine Zweckgemeinschaft betrachtet denn als ein heiliger Bund. Man bemüht sich eher darum, Sünde zu managen, als sie zu beseitigen, und sogar der Teufel wird gerettet werden. Wenn das so weitergeht, wird immer mehr Gewicht auf sogenannte geistliche Eindrücke und auf das Intellektualisieren geistlicher Realitäten gelegt werden in dem Versuch, die eigene Vorstellung auf die gleiche Stufe zu heben wie echte übernatürliche Erfahrungen. Anders ausgedrückt, wenn man es sich vorstellen kann, hat man es sozusagen wirklich erlebt. Ich fürchte, dass wir an einen Scheideweg gekommen sind, an dem der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse und der Baum des Lebens fast nicht mehr voneinander zu unterscheiden sind. Leider klettern die meisten dabei auf den falschen Baum und übernehmen unwissentlich eine Art New-Age-Denken als ein legitimes Mittel, die christliche Erfahrung zu fördern. Wenn wir nicht aufpassen, werden wir irgendwann feststellen, dass wir in unseren Bemühungen, dem Leib Christi die biblische Wahrheit der Geistesgaben (Charismen) nahezubringen, den Maßstab bezüglich der Ausübung dieser geistlichen Gaben sehr niedrig angesetzt haben. Wir haben anscheinend vergessen, dass im Leben einer jeden Person, die eine bestimmte geistliche Gabe empfangen hat, Integrität und Charakter in zunehmendem Maße vorhanden sein müssen. Das führt dazu, dass schwache und unvollständige prophetische Worte als reife Aussagen betrachtet und gleichzeitig falsche Prophetien nicht konfrontiert werden. Das alles geschieht bereits. Die Folge ist, dass jene, die angeblich geistliche Gaben empfangen haben, nicht etwa einen neuen Hunger nach biblischer Wahrheit und nach den übernatürlichen Gaben des Heiligen Geistes hervorrufen, sondern andere Gläubige eher davon wegbringen. Wenn dieser Missstand bestehen bleibt, wird die Gemeinde den neuen Wein, den Gott so gerne ausschenken möchte, abstoßend finden, weil der alte Wein noch gut genug schmeckt. Wenn die reife und reine Offenbarung von Gott nicht freigesetzt wird, nimmt das Profane ihren Platz ein und wir werden uns sehr 11
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? schnell auf einer rasanten geistlichen Talfahrt befinden. Im Zuge dieser Talfahrt wird man Apathie als Friedfertigkeit anpreisen, Eifer als Unruhe stiftend abwürgen, Lethargie als Einverständnis werten und Leidenschaft als Rebellion ansehen. In manchen Kreisen wird das Wort heilig jetzt schon als ein teuflisches Schimpfwort gehandelt, und Gerechtigkeit ist ein Synonym für Gesetzlichkeit geworden. Wir nähern uns aktuell einer Situation, in der, wie schon der Prophet Jeremia schrieb, Propheten und Priester das Volk durch ihre falschen Träume und ihren Leichtsinn in die Irre leiten. Es gibt heute mehr und mehr Anzeichen dafür, dass beides in gleichem Maße zu einer wahren Epidemie wird. Ein Gleichgewicht muss wieder hergestellt werden, ein Gleichgewicht zwischen Wort und Geist. Indem wir dieses Gleichgewicht wieder herstellen, können wir wieder das Heilige vom Profanen unterscheiden, das Kostbare vom Wertlosen und das Reine vom Unreinen. Meiner Meinung nach ist das, was Loren Sandford in Die Zukunft kommt – sind wir bereit? geschrieben hat, nicht nur ein Weckruf für die Endzeit, sondern beschreibt es auch eine Art Übersichtskarte, wie Prophetie heutzutage in Anbetracht der noch wichtigeren Prophetien und Offenbarungsprinzipien in der Bibel eingeordnet werden muss. Ich bin sicher, dass viele, die dieses Buch lesen, an bestimmten Punkten verärgert oder vielleicht sogar wütend auf Loren sein werden, weil er so mutig und radikal Stellung nimmt. Dieses Buch ist keine mit Zucker überzogene Verabreichung eines bitteren Problems. Es ist liebevolle Strenge in Kombination mit rauer Wirklichkeit. Es verfolgt die Absicht, ein Umdenken zu provozieren in den Herzen aller, die wahrlich hungrig sind nach einer tieferen und erfüllteren Beziehung mit Gott und nach dem, was er uns schon für die vor uns liegenden Zeiten angekündigt hat. In mancher Hinsicht kann es so aussehen, als ob Loren eine schlafende Braut mit einem Atomsprengkopf aufzuwecken versucht, doch die Schuppen der Selbstgefälligkeit fallen nicht so leicht von den Augen, und wenn sanfte Worte keine Wirkung mehr zeigen, dann folgen eben härtere. 12
Vorwort von John Paul Jackson Möge Die Zukunft kommt – sind wir bereit? unser Denken verändern, nicht nur in Bezug darauf, wie wir prophetische Ereignisse und Prophetien über das Bevorstehende einordnen, sondern auch in Bezug auf unser eigenes Verhalten und die Weise, wie wir Gemeinde und ihren Einfluss auf die Welt, in der wir leben, verstehen. Die Welt steht vor einem radikalen Umbruch, wie auch immer er kommen wird. Nichts wird mehr so sein wie zuvor. John Paul Jackson Gründer und Präsident von Streams Ministries International
13
Einleitung Auch wenn im englischen Originaltitel dieses Buches Visions of the Coming Days das Wort Visionen vorkommt, enthält dieses Buch nur sehr wenige tatsächliche Visionen im mystischen Sinn. Im Unterschied zu vielen anderen prophetischen Stimmen empfange ich nur sehr wenige Offenbarungen durch Träume oder Visionen. Meine Gabe fließt eher aus der einfachen Vertrautheit mit Gott. Aus diesem Grund darf man nicht erwarten, auf den folgenden Seiten symbolhafte Bilder, mystische Erlebnisse, Berichte von himmlischen Visionen oder Reisen in die Himmelswelt zu finden, sondern eher sehr direkte Aussagen von Gottes Vaterherz über die bevorstehenden Zeiten. Und was noch wichtiger ist: Ich schreibe dies als ein Pastor, der von vielen heute als Prophet angesehen wird. Denn ganz unabhängig davon, wie mich andere Menschen bezeichnen, steht die Rolle des Pastors, der die Menschen liebt und sich danach sehnt, dass sie ihr Leben auf gute Weise im Herrn Jesus Christus leben, für mich immer an erster Stelle. Aus diesem Grund kann ich nicht einfach über zukünftige Ereignisse prophezeien, ohne gleichzeitig darüber zu lehren und den Leib Christi auf eine klare und praktische Weise darauf vorzubereiten, wie er sich auf diese Ereignisse einstellen kann. Ich habe mich in diesem Buch größtenteils darauf konzentriert, das prophetische Wort zu untermauern, indem ich die bevorstehenden Ereignisse erkläre, aber auch indem ich Gottes Volk darauf vorbereite, wie es damit umgehen kann. So gut es mir möglich ist, habe ich all dies in der Schrift und in den biblischen Prinzipien verankert. 15
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Sollte ich dem gläubigen Leser zu viel Angst einflößen, würde ich mit Sicherheit die Absicht des Herrn verfehlen, sein Volk zuzurüsten. Aus diesem Grund habe ich mich bemüht, negative Voraussagen mit geltenden Verheißungen auf Herrlichkeit und Hoffnung auszubalancieren. Unser Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben. Und wie der Apostel Johannes schreibt, treibt die vollkommene Liebe die Furcht aus (vgl. 1. Johannes 4,18). Jeremia, Kapitel 1, Vers 10 zufolge ist die Hauptfunktion des prophetischen Dienstes, das niederzureißen, was nicht von Gott ist, und das aufzubauen, was von ihm ist. Er reißt heraus, was Gott nicht gepflanzt hat, und pflanzt das ein, was wirklich von ihm kommt. Aus diesem Grund habe ich mich in diesem Buch nicht nur auf Vorhersagen beschränkt, sondern auch prophetische Unreinheiten, fremde Einflüsse und andere Probleme angesprochen, die sich in den Leib Christi eingeschlichen haben. In den meisten Fällen stehen diese Dinge in einem direkten Zusammenhang mit zukünftigen Ereignissen. Diese Verunreinigungen und Einflüsse in einer gottgefälligen Weise anzugehen ist ein wichtiger Bestandteil der Vorbereitung der Gemeinde auf die vor uns liegenden Zeiten. Eine Reihe von Prophetien, prophetischen Konfrontationen und damit in Zusammenhang stehenden Problemen kommen in diesem Buch wiederholt zur Sprache, weil ich sie aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet habe. Der Grund dafür ist, dass es in den kommenden Zeiten außerordentlich wichtig sein wird, die einzelnen Punkte miteinander in Verbindung zu bringen und klar zu verstehen, inwieweit bestimmte Grundprobleme eine Auswirkung auf ganz unterschiedliche Situationen und Kontexte haben. Ein großer Teil des prophetischen Inhalts dieses Buches besteht in einer Interpretation der Zeichen der Zeit und bildet so eine Art Teppich, in dem Erkenntnisse und Handlungsvorschläge ganz eng miteinander verknüpft sind. Ich erhebe nicht den Anspruch, alles völlig korrekt dargelegt zu haben. Im Licht dessen, was sich in den kommenden Jahren tatsächlich ereignen wird, möge der Leser selbst urteilen, inwieweit meine Aussagen richtig sind. Da wir nicht mehr in der Zeit von Jesaja oder Jeremia leben, halte ich es für nicht angebracht, dass der Leib Christi 16
Einleitung heute von den prophetisch begabten Menschen genau dasselbe Niveau von Genauigkeit erwarten kann, wie es jene Glaubensriesen gezeigt haben. Ich erwarte, so geprüft zu werden, wie es in 1. Korinther 14,29 angeordnet wird. Allerdings glaube ich, dass wir, die wir weissagen, im Wesentlichen genau sein müssen – etwa so wie Agabus im Wesentlichen genau war, aber nicht 100-prozentig, als er prophezeite, dass Paulus von den Juden gefangen genommen und gebunden werden würde, wenn er nach Jerusalem ginge. In Wirklichkeit waren es die Römer, nicht die Juden, die ihn gefangen nahmen und banden. Ich habe bisher eine große Genauigkeitsquote gehabt, doch wenn ich mich irren sollte, was wichtigere Angelegenheiten angeht, sei es durch das Eintreffen oder das Nichteintreffen meiner Worte, so verspreche ich hiermit, dass ich meine Fehler unverzüglich korrigieren und das Volk des Herrn um Vergebung bitten werde. Das ist für mich eine Frage der Integrität. Da ich der Überzeugung bin, dass der Geist der Worte, die ich weitergebe, genauso bedeutsam ist wie die Worte an sich, halte ich es für wichtig, dem Leser einen Einblick zu geben, wer ich bin und wo ich herkomme. Das Herz des Vaters muss alles durchdringen. Im ersten Teil spreche ich in drei Kapiteln ausführlich eher über mein persönliches Lebenszeugnis und Lehre als über prophetische Inhalte, auch wenn beide Elemente vorhanden sind. Diese drei Kapitel bilden die unentbehrliche Grundlage für ein volles Verständnis dessen, was danach folgt.
17
TEIL 1
Den Grundton festlegen
1 Gottes Herz haben In den letzten Jahren haben viele im Leib Christi eine starke vertikale Wahrnehmung entwickelt, eine oft unausgewogene Betonung des Übernatürlichen, und sind heute mit Geschichten über Wunder, mysteriöse geistliche Erfahrungen und übernatürliche Ereignisse völlig vertraut. In einigen Kreisen sind Träume, Visionen und Begegnungen mit Engeln zu ganz normalen Gesprächsthemen geworden. Viele sind gewöhnt, öffentlich geschehende Zeichen und Wunder direkt oder indirekt mitzubekommen. Das hat wiederum ein Verlangen nach mehr entzündet und ganz allgemein den Wunsch hervorgerufen, in diesen Dingen ein noch höheres Niveau zu erreichen. In all dem spüre ich allerdings, dass noch eine andere Art von Verlangen unter den Gläubigen wächst. Die meisten können es nur so ausdrücken, dass sie sich nach mehr sehnen. Vertikale Wahrnehmung und eine enge Verbindung mit dem Heiligen Geist für ein übernatürliches Leben sind grundsätzlich nur positiv, doch ich bemerke auch eine wachsende Sehnsucht nach einer anderen Art von „mehr“, nach einem Wachstum, das nicht nur nach oben geht, sondern auch in die Tiefe des Herzen. Obwohl es in diesem Kapitel mehr darum gehen wird, wer ich bin, als um eine Darstellung der Prophetien, die ich mitteilen werde, möchte ich an dieser Stelle schon eine zunehmende Verlagerung im Leib Christi voraussagen, von einer alles überlagernden Ausrichtung auf übernatürliche Erfahrungen hin zu einer tieferen und beständigeren Vertrautheit mit Gott. 21
Die Zukunft kommt – sind wir bereit?
Aufgewachsen in der Erneuerungsbewegung Ich bin in der Zeit der charismatischen Erneuerung aufgewachsen, als der Heilige Geist viele Tausende Menschen in den geistlich abgestorbenen, traditionellen Kirchen berührte. Für viele, die Gott zuvor nie wirklich erfahren hatten, wurde er lebendig. In meiner Familie begann es im Jahr 1958, als ich sieben Jahre alt war. Seitdem habe ich eine Welle des Heiligen Geistes nach der anderen beobachtet und erlebt, durch die er verschiedene Teile des Leibes Christi in ähnlicher Weise berührt hat, allerdings mit unterschiedlichen Akzenten, sodass jeder Teil seinen einzigartigen Beitrag zum Ganzen leistete. Manche legten den Akzent auf das Erlebnis der Geistestaufe und der Sprachenrede. Bei anderen wuchs die Leidenschaft für von Gott gewirkte körperliche Heilung, und wieder andere wurden von dem Aspekt der inneren Heilung völlig in den Bann gezogen. Ich kann mich an mindestens zwei Wellen des prophetischen Dienstes erinnern, die zu meinen Lebzeiten gekommen und wieder gegangen sind. Eine weitere Welle ist derzeit noch aktiv. Über die Jahre gab es Impulse für die Evangelisation unter Bezeichnungen wie „Power-Evangelisation“, „Prophetische Evangelisation“, „Freundschaftsevangelisation“ usw. Früher oder später erlagen diese Bewegungen einer wachsenden Fokussierung auf eigene Vorteile und Segnungen und Streben nach persönlichen Gotteserfahrungen in einer wie besessen auf die eigene Person zentrierten Kultur, was direkt zum Niedergang führt. Gott hat uns nicht geschaffen, damit wir uns auf uns selbst konzentrieren, sondern um sein Wesen zu reflektieren durch das selbstlose Opfer zugunsten anderer in Liebe. Die Fokussierung auf unsere eigene Person ist deshalb eine Vergewaltigung unseres wahren Selbst, dessen Folge letztendlich der Verlust von Hoffnung, die Zerstörung von Beziehungen und tiefe emotionale Nöte sind. Angetrieben von der uns umgebenden Kultur wurde der Ruf immer lauter: „Heile mich! Prophezeie für mich! Taufe mich im Heiligen Geist! Gib mir Offenbarungsträume!“ In Scharen strömten wir zu Konferenzen, um zu lernen, wie man von Gott Träume empfängt und sie interpretiert. Viele 22
Gottes Herz haben forschten in Büchern, wie man Begegnungen mit Engeln initiieren kann oder himmlische Pforten öffnet. Wir studierten Methoden der Vermittlung und des Empfangens von göttlicher Heilung. All diese Dinge waren meistens gut, aber die Art und Weise, wie wir sie angewendet haben, oft nicht. In den meisten Kreisen der Erneuerung, in denen ich mich aufhalte, haben wir eine Faszination für die Manifestationen des Geistes entwickelt, für geistliche Verzückung und Dinge wie Heiligenscheine, die auf Digitalfotos auftauchen (die nach meiner persönlichen Erfahrung und Überzeugung nichts anderes sind als Staubpartikel). Viele prophetisch begabte Menschen erzählen ganz offen und viel zu oft von dramatischen Gottesbegegnungen, von Entrückungen in den Himmel, Engelserscheinungen und Visionen. Tausende haben demzufolge eine derartige Sehnsucht nach solchen Erfahrungen entwickelt, dass diese Sehnsucht zum Dreh- und Angelpunkt ihres geistlichen Lebens wurde. Und der prophetische Dienst hat darunter gelitten.
Meine prophetische Berufung Bei all dem bin ich, obwohl ich mir das so nicht ausgesucht habe, ein frustrierend nüchterner und vernünftiger Mensch geblieben. Es war so, als durften alle anderen auf der Party trinken, während ich immer der Fahrer war, der nüchtern bleiben musste. Einer musste nüchtern bleiben, und das war immer ich. Warum konnte es nicht auch hin und wieder jemand anders sein? Wie so oft, seit der Heilige Geist meine Familie vor all diesen Jahren berührte, beschwerte ich mich 2009 eines Tages wieder bei Gott darüber. Warum war es mir nicht vergönnt, auch solche geistlichen Erfahrungen zu machen, die andere im Fluss des Heiligen Geistes so oft zu erleben behaupteten? Ich falle nie unter der Kraft des Heiligen Geists zu Boden. Heiliges Lachen habe ich nie erlebt. Ich lache zwar, weil ich mich freue, aber ich lache über die anderen, die lachen, und nicht als einer, der selbst zu den Lachenden gehört. Andere prophetisch begabte Menschen, mit denen ich zu tun habe, berichten von seltsamen und wunderbaren geistlichen Erfahrungen, wie zum Beispiel in den Himmel entrückt zu werden oder in unrea23
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? listisch kurzer Zeit an einen entfernten Ort transportiert zu werden. In seinen Träumen begegnete mein Vater oft einem Freund, der am entgegengesetzten Ende des Landes wohnte und der zur gleichen Zeit den gleichen Traum hatte. Andere prophetisch begabte Menschen, deren Bekanntschaft ich in den vergangenen Jahren gemacht habe, erzählen von Visionen, in denen sie große Offenbarungen erhalten. Wenn der Heilige Geist wirkt, zucke ich manchmal ein bisschen und ich sage inzwischen unwillkürlich „schabba“, wenn der Heilige Geist mich berührt, aber ansonsten habe ich kaum Manifestationen. Heidi Baker von „Iris Ministries“ in Mosambik hat dies in mir ausgelöst, obwohl ich mir gesagt hatte, dass ich diese Art von Manifestation nie haben wollte. Doch so ist es nun – anscheinend ist es Gottes Sinn für Humor. Zugegeben, dreimal sind mir Engel erschienen, davon zweimal in Träumen, als Gott mir dadurch Wegweisung zukommen lassen wollte, und einmal im Wachzustand, mit einer körperlichen Heilung als Folge. Doch diese Erlebnisse verteilten sich auf einen Zeitraum von zwanzig Jahren. Das reicht mir nicht. Während alle anderen im Geist betrunken sind, bin ich allein nüchtern, und das gefällt mir gar nicht! Doch trotzdem sehen Menschen in immer größer werdenden Kreisen mich als eine verlässliche prophetische Stimme. Weil ich nicht die bizarren Erfahrungen habe, durch die viele andere ihre prophetischen Offenbarungen bekommen, habe ich den Herrn gefragt: „Warum scheine ich so oft richtig zu prophezeien, während so viele, die diese mystischen Erfahrungen haben, anscheinend so oft falsch prophezeien?“ Was ich als Nächstes mitteilen möchte, bildet das Fundament für die Prophetien, die in diesem Buch erwähnt werden. Und es erklärt die Quelle aller Offenbarungen, die ich über die vor uns liegenden Zeiten erhalten habe.
Das Herz des Vaters 1988 nahm mich Bob Jones bei einer Konferenz beiseite, um mir ein prophetisches Wort zu geben, und sagte: „Ich habe meine kleinen Träume und Visionen, aber du bist ein Prophet wie Nathan. Du weißt die Dinge einfach.“ So ist es seit Jahren. Ich habe einfach immer 24
Gottes Herz haben wieder gewusst, was Gott tat oder was er nicht tat. Er wollte, dass ich bestimmte prophetische Zusammenhänge erkannte. Doch ich habe nie wirklich verstanden, warum oder wie ich es wusste. Eines Tages beschwerte ich mich zum x-ten Mal beim Herrn darüber, dass ich keine seltsamen mystischen Erlebnisse hatte, als er plötzlich zu meinem Geist sprach, ganz sanft und klar: „Ja, aber du hast mein Herz.“ Tief in mir zerbrach etwas, meine Augen füllten sich mit Tränen und ich denke seit jenem Moment über die Bedeutung dieser Worte nach. Die prophetische Genauigkeit, die ich bewiesen habe, entspringt nie einer psychischen Fähigkeit, sondern daraus, dass ich das Herz Gottes zu einem gewissen Grad erkannte und verstand. Ich kann Ihnen nicht genau sagen, wie ich es mache, aber ich scheine instinktiv die Regungen seines Herzens zu verstehen. Das Herz des Vaters zu kennen und zu erleben ist schon immer meine alles verzehrende Leidenschaft, und in vieler Hinsicht habe ich alle anderen Bestrebungen dieser Leidenschaft untergeordnet. Als Gott mir sagte, dass ich sein Herz habe, merkte ich, dass er selbst mich mein ganzes Leben lang in diese Richtung gezogen hat, selbst wenn es mir nicht bewusst war. Eine Grundwahrheit für jeden echten prophetischen Dienst ist folgende: Wenn du Gottes Herz hast, dann weißt du, was Gott weiß. Jede beständig genaue Prophetie und jeder beständig wirksame Dienst, egal welcher Art, fließt aus dieser Quelle.
Das Herz Gottes in der Erweckung Mein Verständnis von der Erweckungsgeschichte sagt mir, dass die meisten Erweckungen starben und verschwanden, weil sie zwar die Gegenwart Gottes, die Kraft Gottes und die Manifestationen des Geistes hatten, aber nicht das Herz des Vaters. Oder wenn sie es hatten, haben sie es verloren, weil sie anfingen sich nach den falschen Dingen auszustrecken. Wir können großartige Erweckungen, Manifestationen, Heilungen und prophetischen Dienst erleben und manche Gemeinden können auch einen großen Zuwachs erfahren, wenn Gott diese Dinge schickt. Aber wenn wir es verpassen, sein Herz dahinein zu tragen, wird alles nur vorübergehend sein. 25
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Haben Sie eine prophetische Begabung? Dann hören Sie auf, sich auf Träume, Visionen, außerkörperliche Erfahrungen und Engelserscheinungen zu fokussieren. Diese Dinge geschehen von Zeit zu Zeit, wenn Gott es für angemessen hält, sie zu schenken. Doch wenn wir unsere Aufmerksamkeit nur darauf richten, führen sie uns in die falsche Richtung. Die Aufmerksamkeit, unser Verlangen, muss immer auf das Herz des Vaters gerichtet sein. Wenn wir für ihn sprechen, dann müssen wir aus seinem Herzen heraus sprechen, gemäß der Ausrichtung seines Herzens und in einer Weise, die sein Wesen widerspiegelt.
Pharisäer Die Pharisäer, die zu Jesu Zeiten lebten, tauchten förmlich in die Heiligen Schriften ein und lebten nach strengen, frommen Moralvorstellungen. Kein Ehebruch. Kein Diebstahl. Keine offenen Sünden. Sie ehrten den Sabbat und achteten peinlich genau darauf, zehn Prozent von allem verdienten Geld und allen landwirtschaftlichen Erzeugnissen zu geben. Dreimal täglich beteten sie treu zu vorgeschriebenen Zeiten und brachten alle vom Gesetz vorgeschriebenen Opfergaben. Keine Generation vor ihnen hatte jemals angestrengter versucht, die Vorschriften des Gesetzes zu befolgen, so wie sie es interpretierten und anwendeten. Zusätzlich dazu hatte Gott ihnen die Bewahrung des prophetischen Wortes anvertraut, wie es durch die Propheten des Alten Testaments weitergegeben worden war. Doch trotz dieses anscheinend höchst heiligen Lebensstils fand Jesus sie unerträglich. Warum? Was ihnen fehlte, war das Verständnis von Gottes Herzen, weshalb sie alles, was sie wussten, falsch interpretierten und anwendeten. Man kann Gottes Wort in den Heiligen Schriften lesen und sogar die „aktuelle“ Offenbarung darüber haben, was Gott in der Zukunft tun will, ohne dass sein Wort Frucht tragen wird. Man wird nie wirklich seine Bedeutung begreifen und man wird nicht in seinem Geist reden, es sei denn, man hat sein Herz. „Warum versteht ihr meine Rede nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt! Ihr habt den Teufel zum Vater“ (Johannes 8,43–44). Die Pharisäer waren ein Volk des Wortes geworden, doch sie hatten 26
Gottes Herz haben das im Wort eingebettete Herz Gottes nicht wahrgenommen. Obwohl sie glaubten, dass sie die Schrift wertschätzten, hörten sie in Wirklichkeit auf Dämonen. In den prophetischen Worten, die in diesem Buch aufgezeichnet sind, möchte ich aus dem Herzen des Vaters heraus sprechen. Ich habe lange Zeit in meinem Leben in dieser Hinsicht versagt. Sicher, ich bin gewachsen, aber die Reise ist noch nicht zu Ende.
Persönliche Geständnisse Die nachfolgenden Geständnisse bezüglich meiner eigenen Lebensreise teile ich nicht nur mit, damit Sie wissen, wer ich bin, sondern auch in der Hoffnung, dass andere, die im prophetischen Dienst stehen, sich selbst wiedererkennen und ermutigt werden, nach einem höheren Niveau an Heiligung zu streben. Ich bin überzeugt, dass wir in den letzten Jahren nur wenige wirklich gute Prophetien gehört haben, und ich weiß, dass eine Zeit kommen wird und jetzt schon gekommen ist, wo gute Prophetie für die Gemeinde lebenswichtig ist. Erlauben Sie mir also meine Ausführungen, und sollte meine Geschichte Ihnen helfen, das, was ich in den späteren Kapiteln mitteile, besser zu verstehen oder in Ihrem eigenen Verständnis von Prophetie zu wachsen, dann würde mich das sehr freuen. Man hätte sich keinen selbstbezogeneren jungen Mann vorstellen können als mich im Alter zwischen 20 und Anfang 30. Nur um ein Beispiel zu nennen: Als meine Frau Beth und ich 1972 heirateten, steckte ihr Großvater ihr hin und wieder kleine Geldgeschenke zu. In meiner Selbstsucht fand ich immer einen Weg, ihr das Geld abzuschwatzen und sie dazu zu bewegen, es für eine Erweiterung der Stereoanlage oder irgendein anderes Spielzeug, das ich gerne haben wollte, auszugeben. Ich begründete es immer, indem ich sagte: „Es ist doch für uns!“ In meiner Selbstsucht stahl ich ihre Segnungen. Und das tat ich, obwohl ich gleichzeitig junge Leute zum Herrn führte, obwohl ich sah, wie Menschen geheilt und verändert wurden, wenn ich für sie betete. Ich tat das, obwohl ich in der Gemeinde als Pastor arbeitete, der geweiht war, Gott und seinem Volk zu dienen. 27
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Ich habe meine junge Familie durch meine Dummheit und Selbstbezogenheit sogar manchmal in Gefahr gebracht. Da mich englische Sportwagen schon immer fasziniert hatten, hatte ich 1973 einen 1967er Austin-Healey Sprite gekauft. Zu sagen, dass der Wagen ein paar Reparaturen nötig hatte, hieße die Niagarafälle als kleines Rinnsal zu bezeichnen. Doch ich war so fasziniert von dem Wagen, dass ich diese Tatsache nicht zur Kenntnis nahm. Einmal unternahmen meine Frau und ich im Sommer eine Tour von Sacramento in Kalifornien, wo ich als Jugendpastor an der „Hope“Methodistengemeinde diente, nach Nord-Idaho, um Verwandte zu besuchen. Ich war fest davon überzeugt, dass der Austin-Healey sicherer und sparsamer wäre als unser völlig einwandfrei laufender viertüriger 1964er Plymouth Valiant, der zudem noch sehr viel Stauraum hatte. Im Grunde hatte ich einfach nur Lust, den Austin-Healey zu fahren und cool zu wirken. Ich stopfte meine schwangere Frau, zwei Kleinkinder, meine Gitarre und unser Gepäck in den winzigen Zweisitzer-Cabrio. Mit offenem Verdeck, den Wind in den Haaren, fühlte ich mich wie im Himmel, völlig blind für die unbequeme Lage meiner Frau, auf deren schon rundem Bauch unser Jüngstes auf und ab hüpfte. Doch dann erntete ich, was ich gesät hatte, als der Wagen mitten in der Nacht in einer verlassenen Gegend eine Panne hatte. Gott rettete uns auf wunderbare Weise, und ich musste völlig gedemütigt eine wertvolle Lektion lernen.
Die Wurzel meines Problems Bei dieser ganzen Sache litt ich unter einer Wurzel der Unsicherheit, deren Ursache eine Menge Ablehnung war, die ich als Kind erfahren hatte. Meistens versteckt sich hinter der Arroganz ein auf diese Weise verletztes Herz. Als ich noch ein Kind war, waren meine Eltern Pioniere der charismatischen Erneuerung, besonders was den prophetischen Dienst und innere Heilung betraf. In jenen Tagen waren diese Dinge völlig neu und den meisten Christen unbekannt. Der Leib Christi hat neue Offenbarungen selten mit Wohlwollen und Glauben aufgenommen, und die Offenbarungen meiner Eltern waren da keine Ausnahme. Das, was später weithin akzeptiert wurde, rief in den Anfängen bösartige 28
Gottes Herz haben Verfolgung hervor. Für meine Eltern und für uns als heranwachsende Kinder war es, als würden wir auf einem Schlachtfeld aufwachsen, wo wir ständig im Kreuzfeuer standen. Es tat weh – und zwar heftig. In der Regel reagieren Menschen auf Schmerz, indem sie einen Verteidigungsmechanismus entwickeln. Bei uns war es eine gewisse Arroganz. Wir sagten uns, dass wir Sandfords die Wahrheit begriffen hatten und dass unsere Verfolger ganz einfach „krank“ waren. Wir kannten die tiefen Geheimnisse des Geistes, während unsere Gegner es einfach nicht begriffen. Um die Sache noch zu verschlimmern, gehörte ich zu den Kindern, die nicht nur wegen ihrer Eltern Hiebe einstecken mussten, sondern ich erfuhr auch auf persönlicher Ebene Ablehnung von meinen Schulkameraden. All das führte dazu, dass ich mich als Erwachsener mit Ehrgeiz und Arroganz gegen den Schmerz schützte. Anerkennung wurde für mich sehr wichtig, und ich entwickelte ein Verlangen danach, bei Veranstaltungen auf der Bühne zu stehen. Gleichzeitig hatte ich aber schreckliche Angst, dass ich, wenn man mir wirklich einen Platz dort einräumte, abgelehnt werden oder dass ich versagen würde. In meiner jugendlichen Arroganz, mit der ich meine Unsicherheit überspielte, dachte ich, dass ich mehr wüsste als alle andern, denn ich war schließlich ein Sandford, der Sohn von international bekannten Leitern in der charismatischen Erneuerung und Pionieren im prophetischen Dienst und der inneren Heilung. Hören Sie die Engel durch meinen selbst aufgesetzten Heiligenschein hindurch singen? Bei Konferenzen saß ich gewöhnlich in der letzten Reihe und kritisierte innerlich den Anbetungsleiter. „Das könnte ich viel besser machen! Er kapiert es einfach nicht.“ Ich verurteilte die musikalischen Fähigkeiten, die Auswahl der Lieder, bis hin zu den Einstellungen der Verstärkeranlage. Ebensolche Pfeile schoss ich auf Redner und Lehrer ab. Rückblickend möchte ich ausrufen: „Was für eine widerliche Herzenshaltung!“ Diese Beschreibung trifft auf sehr viele Möchtegern-Propheten zu, die ich im Laufe der Jahre getroffen habe. Sehr viel schlechte Prophetie kommt von dieser Art von Arroganz, die wiederum nur eine Kompensation der Wurzel der Unsicherheit und der Ablehnung ist. 29
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? Dem Herzen Jesu nachjagen Schon recht früh, sogar in all dieser Gebrochenheit, wusste ich genug, um zu beschließen, dass ich Jesus gleich werden wollte, egal was es mich kosten würde. Obwohl ich von diesem Ziel sehr viel weiter entfernt war, als ich damals dachte, blieb es doch immer mein Herzenswunsch. In seiner unglaublich großen Liebe hat Gott diesen Wunsch erfüllt, indem er mich in Situationen geraten ließ, die darauf ausgerichtet waren, mich zu brechen, mich zu demolieren, zu demütigen, damit meine Schwäche bloßgestellt und somit zu etwas verwandelt werden konnte, das Gott gebrauchen konnte. Ich hatte es nicht anders verdient. Das Resultat war eine 27 Jahre andauernde „dunkle Nacht der Seele“, doch das ist eine andere Geschichte. Durch all diese Zeit hindurch blieb das Herz des Vaters mein Ziel. Irgendwann in den 1980er-Jahren beklagte ich mich wieder einmal bei Gott darüber, dass ich nicht die gleichen überwältigenden geistlichen Erfahrungen mit dem Heiligen Geist hatte wie so viele andere. Ich hatte mir gesagt, dass Jammern eine legitime Form des Gebets war – in den Psalmen nachzulesen –, und so antwortete der Herr auf meine Klagen mit einer Frage: „Was hättest du lieber? Törichte Macht oder mächtige Weisheit?“ Da ich die Antwort Salomos auf eine ähnliche Frage schon gelesen hatte, wusste ich, was ich sagen musste. Ich antwortete also richtig, aber ich musste noch lernen, dass man zwar Wissen durch Studieren erlangen kann, wahre Weisheit aber nur durch Leiden gewinnt. Und das Leiden kam. Ich lernte aus erster Hand die Bedeutung von Prediger 7,2–4: Besser, man geht in das Haus der Trauer als in das Haus des Festgelages; denn dort ist das Ende aller Menschen, und der Lebendige nimmt es zu Herzen. Kummer ist besser als Lachen; denn wenn das Angesicht traurig ist, so wird das Herz gebessert. Das Herz der Weisen ist im Haus der Trauer; aber das Herz der Narren im Haus der Lustigkeit.
Es machte mich krank, dass ich oft der Grund für das Leid anderer war, ich hatte meine Arroganz satt und war es müde, Menschen unnö30
Gottes Herz haben tig zu verletzen. Die Angst hatte mich erschöpft und ich war bereit, sie loszulassen. Ich konnte so nicht länger leben, mit dieser Unsicherheit und dem ständigen Bedürfnis, als wichtig angesehen zu werden. Und vor allem war ich es leid, ein falsches Bild von Gott zu vermitteln, selbst wenn ich es nicht absichtlich tat. Ich sehnte mich danach, diese hässlichen Charakterfehler aus meinem Leben auszuradieren, und ich sehnte mich nach Frieden. So viel hatte ich verstanden, dass Gott die Wahrheit kannte und dass ich mich nach seinem Herzen sehnte, nach seinem selbstlosen, liebenden, sanften, demütigen Herzen. Als er mir deshalb vor nicht sehr langer Zeit sagte: „Ja, aber du hast mein Herz“, zerbrach etwas in mir und die Tränen begannen zu fließen. Etwas Lieblicheres, Schöneres hätte mir mein himmlischer Vater nicht sagen können. Dieses innerliche Zerbrechen ist ein wunderbarer Zustand. Auch wenn mir durchaus bewusst ist, wie weit ich noch zu gehen habe und dass dies auch immer so sein wird, war dieses Wort von Gott Balsam für meine verwundete Seele. Ich erzähle dieses persönliche Zeugnis, um zu sagen, dass ich nicht von mir selbst oder irgendeiner Offenbarung, die Gott mir schenkt, beeindruckt bin. Ich bin einfach ein Pastor aus Denver, ein ganz normaler Mann mit all den Schwächen und Selbstzweifeln, die mit der menschlichen Natur einhergehen. Ich bin auch weder ein Jesaja noch ein Jeremia. Weder ich noch irgendein anderer wird je ihr Niveau an Genauigkeit und Autorität erreichen. Ich weiß nur, dass ich das aussprechen muss, was ich glaube vom Vater empfangen zu haben. Ich teile dies auch mit, um zu sagen, dass diese prophetischen Worte nicht das Resultat mystischer Träume und Visionen sind, sondern von dem kommen, was ich als das Herz Gottes erkannt habe. Ich bete, dass die Worte in diesem Buch das Herz des Vaters vermitteln, auch wenn ich vieles anspreche, was für manche schwierig zu hören ist.
Kein weiteres Zugunglück „Die Opfer, die Gott gefallen, sind ein zerbrochener Geist; ein zerbrochenes und zerschlagenes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten“ (Psalm 51,17). Begabung ohne Zerbrochenheit wird sich am Ende schädlich auswirken. Dieses Prinzip hat sich schon oft bewahrheitet, was man 31
Die Zukunft kommt – sind wir bereit? unter anderem daran sehen kann, wie ein prominenter Leiter nach dem anderen moralisch abstürzt. Ich könnte so viele Geschichten erzählen, die ich von Menschen gehört habe, wie Leiter in Gemeinden und Werken auf der ganzen Welt andere durch Missbrauch verletzt haben. Vor einigen Jahren, in einer Zeit, in der ich über das mangelnde Wachstum in unserer Gemeinde frustriert war, pflegte ich wieder einmal meine heiligste Form des Gebets: das Jammern! Es schien, als erlaubte der Herr mir und meinen Mitarbeitern keinen auch noch so geringen Kompromiss oder Charakterfehler, ohne ihn ans Licht zu bringen und uns zu zwingen, ihn zu beheben. In der Zwischenzeit hielt er unsere Mitgliederzahl klein und weigerte sich, uns das Gemeindewachstum zu schenken, für das wir so hart arbeiteten. Gleichzeitig wusste ich aus erster Hand um die Sünden und den Missbrauch, die von den Leitern einiger mir gut bekannter Mega-Kirchen verübt wurden. Ich protestierte gegen diese Ungerechtigkeit und schrie zu Gott: „Warum segnest du diese Typen, obwohl ich weiß, was sie tun, und hältst uns zurück und erlaubst uns nicht die geringsten Abweichungen, obwohl wir längst nicht so schuldig sind wie sie?“ Ich habe seine Antwort nie vergessen: „Mein Volk kann sich kein weiteres Zugunglück mehr leisten.“ Da verstand ich, dass die Herrlichkeit, die uns zum Segen gegeben wird, zu einer potenziell zerstörerischen Last und einem Druck wird, weil sie jede vorhandene Schwäche in unserem Charakterfundament aufbricht und unsere noch nicht geheilten Mängel aufdeckt. Die Folge ist, dass viele Menschen schwer verletzt werden können. Anscheinend unfähig, die Konfrontation mit sich selbst auszuhalten, hielt König Saul an einer tiefen Wurzel der Unsicherheit fest, die nie heilte. In 1. Samuel 9,21, als Samuel ihn rief, um ihn zum König zu salben, protestierte er: „Bin ich nicht ein Benjaminiter, von einem der kleinsten Stämme Israels, und ist mein Geschlecht nicht das geringste unter allen Geschlechtern der Stämme Benjamins? Warum sagst du mir denn solche Worte?“ Dieser Charakterfehler verleitete Saul mehr als einmal dazu, nicht zu gehorchen, und führte dazu, dass er sich durch den Erfolg Davids als Anführer und Krieger so bedroht fühlte, dass er darüber den Verstand verlor. In seinem Wahnsinn versuchte er den Mann umzubringen, dessen einziger Wunsch war, ihn zu segnen. 32
Gottes Herz haben Im Neuen Testament hatte Judas Iskariot seinen Platz gemeinsam mit den anderen Jüngern im Dienst für das Reich Gottes. Er zog mit den übrigen elf aus, um Zeichen und Wunder zu tun und das Evangelium vom Reich Gottes zu verkündigen. Doch wenn verborgene Charakterfehler nicht angegangen werden, dann wird die Herrlichkeit, die eigentlich als Segen gegeben wurde, zu einer zerstörerischen Kraft. Judas hat den Einen, den er lieb hatte, durch seinen Verrat zum Tode verurteilt. In der jüngsten Vergangenheit hat das Scheitern der LakelandErweckung viele von uns zutiefst betrübt. Wir haben den Abfall von mehr Leitern von Mega-Kirchen und internationalen Werken mit angesehen, als ich zu zählen vermag. Einige haben auf dem Gebiet der Sexualität versagt. Bei anderen ging die Ehe kaputt. Wieder andere mussten sich polizeilicher Untersuchungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten stellen. Eine Grundregel im Dienst kann man, meines Erachtens, so formulieren: „Erfolg ist immer und in jedem Fall giftig.“ Das bedeutet nicht, dass wir dem Erfolg aus dem Weg gehen müssen. Da Gott durch unsere Unzulänglichkeiten keine Ehre bekommt und weil er uns über alles Verstehen hinaus liebt, möchte er von Herzen, dass wir erfolgreich sind. Probleme entstehen allerdings dann, wenn die Grundfesten unseres Charakters das Gewicht der Herrlichkeit, die Gott uns schickt, nicht aushalten. Ich sehne mich verzweifelt danach, heil zu sein. Ich bete, dass Gott in einer Erweckung kommt, doch ich trachte nicht nach der vollkommenen Heilung, damit Gott kommt. Ich möchte heil sein, weil Gott kommen wird. Ich möchte bereit sein, um das Gewicht der Herrlichkeit, die sich schon ankündigt, mit Sicherheit aushalten zu können. Ich möchte das prophetische Wort mit Klarheit und Ganzheitlichkeit sprechen. Hören Sie deshalb das prophetische Wort: Wir sind noch ein gutes Stück davon entfernt, dass die Aufdeckung dieser Fehler aufhört. Leider wird der große Glaubensabfall in den kommenden Zeiten noch an Intensität zunehmen und die Gemeinde wird immer mehr bereit sein, diese moralischen Fehltritte zu akzeptieren, und immer weniger wahre Rechenschaft fordern. Das Ergebnis wird ein zunehmender Glaubwürdigkeitsverlust in den Augen der Welt und sogar innerhalb einiger Teile der Gemeinde sein. 33
Die Zukunft kommt – sind wir bereit?
Das Kreuz im Blick „So bin auch ich, meine Brüder, als ich zu euch kam, nicht gekommen, um euch in hervorragender Rede oder Weisheit das Zeugnis Gottes zu verkündigen. Denn ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu wissen als nur Jesus Christus, und zwar als Gekreuzigten“ (1. Korinther 2,1–2). Ganz einfach! Das Herzstück selbstloser Liebe. Später, in 1. Korinther 14, sehen wir, dass Paulus den prophetischen Dienst nicht anordnet, denn das hatte Jesus schon getan. Stattdessen diszipliniert er den prophetischen Dienst, der nicht richtig ausgeübt wurde, weil die Leute ihr Hauptaugenmerk nicht auf das Kreuz, das Blut und die Selbstlosigkeit, welche Freiheit und Freude bewirkt, gerichtet hatten, sondern auf eine Besessenheit mit den Gaben des Geistes. Dieser falsche Fokus führte zu Stolz, und dieser Stolz richtete Schaden an. Um das Übel an der Wurzel zu packen, rief Paulus dazu auf, das Vaterherz der Liebe wieder mit der Ausübung der Geistesgaben in Einklang zu bringen. Das wiederum kann nur aus der Tiefe des Kreuzes heraus geschehen, dem selbstlosesten Opfer, das je gebracht wurde. Ist es nicht an der Zeit, dass wir aufhören, die Begabungen, die Gaben und die Manifestationen anzubeten und die Sünden derer zu entschuldigen, die auf privater Ebene Kompromisse eingehen und gleichzeitig in der Kraft Gottes dienen? Sollten wir nicht eher das Kreuz leben, essen, denken und atmen, wo Sünde nicht nur vergeben, sondern auch reingewaschen, zerbrochen und völlig weggetan wird? Sollten wir nicht in der Auferstehung wandeln, die uns neues Leben schenkt, und sollten wir nicht die daraus entstehende Frucht eher als einen radikalen Charakterwandel verstehen? Das Herz meines himmlischen Vaters zu haben ist mein höchster und brennendster Wunsch geworden. Mögen die nachfolgenden prophetischen Worte völlig davon durchdrungen sein.
34