Hans Scheuzger Wie Gott fĂźhrt
Hans Scheuzger
Wie Gott fĂźhrt
Mein Leben nach Afrika
Copyright © 2014 Hans Scheuzger und ASAPH-Verlag 1. Auflage 2014 Umschlaggestaltung: Daniel Scheuzger/André Bégert (unter Verwendung von zwei Fotos von Fotolia.com) Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpi Books Printed in the EU ISBN 978-3-940188-79-3 Bestell-Nr. 147479 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Programm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: ASAPH, D-58478 Lüdenscheid asaph@asaph.net – www.asaph.net
Inhalt Vorwort............................................................................................ 7 1. In Windeseile den Kongo verlassen........................................... 9 2. Auf in eine neue Heimat.......................................................... 19 3. Die unbekannte Umgebung erkunden...................................... 25 4. Einstieg in den neuen Arbeitszweig......................................... 31 5. Von nun heisst es, Deutsch b체ffeln.......................................... 35 6. Kranken Trost zusprechen........................................................ 39 7. Unterrichten bereitet Freude.................................................... 43 8. Erneuter Umzug....................................................................... 47 9. Ein kleines Kreuz aus Kirschbaumholz................................... 51 10. Predigen in den vier Gemeinden des Missionswerkes............. 57 11. Unvergessliche Ereignisse....................................................... 63 12. Der Jugendtag.......................................................................... 71 13. Alltag-herausfordernde Situation............................................. 77 14. Unerwartetes Geschenk........................................................... 81 15. Echo in der Stille...................................................................... 85 16. Sitzungen in fernen L채ndern.................................................... 89 17. Von Todes채ngsten befreit......................................................... 95 18. Hilferuf am Weihnachtsabend.................................................. 99 19. Das Spinnennetz..................................................................... 103 20. Sp채te Erkenntnis.................................................................... 107
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21. Zusammenbruch..................................................................... 131 22. Episoden aus dem Alltag........................................................ 135 23. Begegnungen im Altersheim.................................................. 139 24. Wenn selbst Ärzte ratlos sind................................................. 143 25. Sei wachsam........................................................................... 147 26. Evangeliums-Rundfunk......................................................... 151 27. Gottes Führung vertrauen...................................................... 153 28. Wenn sich Kisten stapeln....................................................... 157 29. Heimatgefühle........................................................................ 159 30. Drei Monate die Schulbank drücken...................................... 161 31. Neues Land einnehmen.......................................................... 165 32. Motiviert Kinderstunden vorbereiten..................................... 169 33. Kindern die Liebe Gottes nahebringen.................................. 171 34. Spiel, Spass und Vergnügen................................................... 173 35. Gott, ein einzigartiger Regisseur............................................ 177 36. Dringend gesucht – Bibeln in bulgarischer Sprache.............. 181 37. Intensivkurs in Sofia.............................................................. 185 38. Lager(er)leben mit Teenagern................................................ 191 39. Ein Wort Gottes, welches Kraft freisetzt............................... 197 40. Hinaus auf Wiesen, Spielplätze und Schwimmbäder............ 199 41. Unvergessliche Schulung in der DDR................................... 203 42. Freundschaft leben und pflegen............................................. 209 43. Wenn zwei sich das Ja-Wort geben........................................ 211 44. Reisevorbereitungen in den Kongo........................................ 213 45. Im Kongo per Auto und Flugzeug reisen............................... 215 46. Gemeinsam Feste feiern......................................................... 221 47. Mit Teenager Zeit verbringen................................................ 223 48. Gott allein gehört die Ehre..................................................... 227
Vorwort Nachdem ich das erste Buch „WEIL GOTT SPRICHT“ geschrieben hatte, hätte ich nie gedacht, ein zweites Buch als Fortsetzung des ersten zu schreiben. Meine Mutter würde nur staunen, was aus ihrem „Fehlerfabrikanten“ geworden ist. Natürlich hatte ich auch in meiner Tätigkeit in Europa viel mit Gott erlebt. Es gab Höhen und Tiefen, so ist das Leben nun mal. Immer wieder haben mich Leute gefragt: „Wann schreibst du deine Lebensgeschichte weiter, denn das erste Buch hört ja mitten in deinem Leben auf?“ Ich überlegte und dachte: „Ja das stimmt schon, aber was sollte ich denn schreiben?“ Es vergingen zwei Jahre und ich zögerte immer wieder, dachte aber dennoch von Zeit zu Zeit darüber nach. Ich betete und bat meinen himmlischen Vater um Klarheit. Wenn es sein Wille war, würde ich mich erneut ans Schreiben wagen. Es sollte ein Buch sein, das seine Grösse, sein Wirken und seine Führungen in meinem Leben hervorheben. Und wenn er es wollte, dass ich wieder schrieb, dann musste er mich inspirieren, mich leiten, denn ich hätte nie ein Buch alleine schreiben können. Wenn das Buch ihn verherrlichen würde, dann wäre ich bereit seine Taten in meinem Leben niederzuschreiben. Nach zwei Jahren sass ich einmal mit meiner Tochter Gisela zusammen. Da fragte sie mich ganz überraschend: „Wann schreibst du die Fortsetzung deines ersten Buches?“ Ich sagte ihr, ob sie denke, dass es gut wäre, wenn ich die Erlebnisse meiner Arbeit in Europa niederschreiben würde? Ihre Antwort war: „Bitte Gott um seinen Willen!“ Das hatte ich ja schon vorher getan und ich wollte ihn noch intensiver darum bitten.
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Es dauerte bloss einige Wochen, bis ich ein Ja hatte und auch die Freudigkeit, das Buch: „Wie Gott führt“ zu schreiben. Es ist mein tiefer Wunsch, dass durch das Buch, Gottes Grösse und Gnade verherrlicht wird. Ich möchte das Buch meinen Kindern, Vreni, Gisela, Mirjam und Daniel widmen, zu denen ich ein inniges Verhältnis haben darf und die sich seit dem Heimgang meiner Frau Helga, liebevoll um mich kümmern. Danken möchte ich den beiden Lektoren, Frau Heike Eggimann und Pfarrer Manfred Sokoll, sowie meinen Töchtern Vreni und Gisela, sie hatten sich viel Zeit genommen, um das Manuskript zu korrigieren. Mein Sohn Daniel hat sich die Mühe genommen, das Titelbild zu kreieren, dafür möchte ich ihm danken. Vor allem danke ich meinem Vater im Himmel, der mich befähigt hat, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und in diesem Buch festzuhalten. Sein Name sei gepriesen. Hans Scheuzger
1 In Windeseile den Kongo verlassen Die Nachricht von Unruhen und Stammesfehden verbreiteten sich erneut im grossen, beinahe unüberschaubaren und immer wieder gebeutelten Kongo, Afrika, aus. Jenes Land, welches wir liebten und in dem wir als Familie die vergangenen sechzehn arbeitsreichen Jahre verbracht hatten, kam einfach nicht zur Ruhe. Helga und ich befassten uns mit den Gedanken unseren Heimaturlaub anzutreten und freuten uns darauf. Das hiess nach vier langen Jahren endlich wieder einmal die Familie und Freunde in der Schweiz zu sehen, die Spezialitäten der Schweiz und Österreich zu geniessen und die verschiedenen Jahreszeiten zu erleben. Dieser Heimaturlaub würde sichtlich intensiver, weil die Frage nach der Schulausbildung unserer Töchter eine schwierige Herausforderung darstellte. Sollten wir nach dem Heimaturlaub erneut vier Jahre in den Kongo zurückkehren? Dort bestand für unsere Kinder die Möglichkeit wieder die Missionsschule zu besuchen, jedoch anschliessend ihre weiteren Ausbildungen in den USA zu absolvieren. Die zweite Variante war nach dem Urlaub, in Europa zu bleiben und in Europa die Schulen zu besuchen. Entweder liessen wir die Kinder hier in der Schweiz alleine zurück, oder wir würden alle nicht mehr nach Afrika zurückkehren. Die Entscheidung war für uns alle sehr schwer, denn wir liebten Afrika. Für unsere Töchter war es die Heimat. Die Afrikaner waren Helga und mir sehr ans Herz gewachsen und wir fühlten uns eng mit ihnen verbunden. Trotzdem wir all diese Jahre sehr viel Not und Gefahren erlebt hatten, wären wir gerne wieder in den Kongo zurückgekehrt.
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Den Heimflug in die Schweiz hatten wir auf den 10. Juni 1971, von Entebbe, bei Kampala in Uganda gebucht. Wir entschlossen uns, unseren Hausrat nicht zu verkaufen, sondern ihn für alle Fälle zu behalten. Ich machte in meiner Garage eine Abgrenzung, wo ich den Hausrat lagern konnte und den übrigen Teil füllte ich mit belanglosen Dingen, welche den Anschein erwecken sollten, dass nichts von Bedeutung in dieser Garage sei. Langsam wurde das Haus leerer. Wir hatten genügend Zeit bis zur Ausreise geplant. Die Kinder waren immer noch im Internat in Rethy. Wir planten sie später dort zu holen und mit ihnen nach Mahagi, zur Grenzstation des Kongo, und Goli dem ugandischen Grenzposten zu fahren. Dies war der kürzeste Weg nach Kampala. In einem Tag hätten wir den Flughafen erreicht. Doch es kam ganz anders. Wieder einmal braute sich im Kongo ein politisches Gewitter zusammen. Soldaten erschienen überall und kontrollierten den Verkehr, sogar in ländlichen Gegenden. Man spürte ein Unbehagen. So viele Gerüchte verbreiteten sich. Man wusste nicht, ob wieder Krieg ausbrechen würde. Die Erinnerung an die früheren Ereignisse, als wir flüchten mussten, tauchte auf. Es war ergreifend, wie viele Afrikaner uns noch besuchten und auf Wiedersehen sagen wollten. Sie brachten uns verschiedene kleine Geschenke und wollten wissen, wann wir wieder zurückkämen. Wir konnten ihnen kein Versprechen geben, denn wir wussten ja selber nicht, welchen weiteren Plan Gott für uns vorbereitet hatte. An einem Morgen hörten wir am Radio die niederschmetternde Neuigkeit: „Die Grenze in Mahagi, dem Grenzposten zu Uganda wurde geschlossen, niemand konnte das Land mehr verlassen.“ Was nun? Es gab momentan nur noch eine Möglichkeit in Richtung Süden zu fahren. Doch dieser Weg war sehr weit, etwa 14 Stunden würde die Fahrt dauern bis zum Ituri-Urwald. Von dort führte die Strasse 500 km weit, auf einer fast unbefahrbaren Urwaldstrasse bis Beni. Von dort müsste man den dritthöchsten Berg Afrikas, den Ruwenzori, umfahren und noch einige hundert Kilometer am Lac Eduard und dem Queen Elisabeth Nationalpark vorbei fahren. Über
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Kasese, Fort Portal, Mubunde, Mityama würde das letzte Strassenstück nach Kampala in Uganda und zum Flughafen Entebbe führen. Theoretisch wäre das möglich gewesen, doch wir hörten, dass überall Strassensperren aufgebaut wurden und wir fragten uns, ob wir da trotz diesen Hindernissen und den schlechten Strassen, durchkämen. Eine noch grössere Frage war, ob bis dann die Grenze nach Uganda noch offen sei. Wir wussten zudem nicht, ob wir zeitlich genug den Flughafen erreichen würden. Diese Ungewissheit war für uns fast unerträglich. Wir mussten sofort eine Entscheidung treffen und handeln. Wir luden eilig unsere Koffer in das Auto, fuhren so schnell es die schlechte Strasse erlaubte von Linga, wo meine Frau Helga und ich lebten, zwei Autostunden, nach Rethy. Unsere Töchter waren erstaunt, als wir so unerwartet ankamen. Wir informierten sie über die politische Situation und baten sie so rasch wie möglich das Wichtigste zu packen, damit wir schnell losfahren konnten, denn wir durften keine Zeit verlieren. Für unsere Töchter war dieses überstürzte Abreisen sehr schwer zu verarbeiten. Sie hätten doch noch gerne an der Jahresschulabschluss-Party teilgenommen und sich von ihren Freundinnen verabschiedet. Eine Frage beschäftigte sie natürlich sehr, was sollen wir mitnehmen und was zurücklassen? Werden wir wieder zurückkommen? Ausserdem waren sie unsicher, wo sie ihre Ausbildung beenden würden. War das der endgültige Abschied vom Land und den Freunden? Sie begriffen die tragische Situation der Ungewissheit und Gefahren, die vor uns waren. Zudem stand die erdrückende Frage vor uns, werden wir es schaffen, die Grenze im Süden zu erreichen, bevor sie geschlossen wird. Diese Frage, diese Ungewissheit zehrte an unseren Nerven, denn wir hatten schon 3 Mal vorher den Kongo fluchtartig verlassen müssen. Jedes Mal mussten wir um unser Leben bangen. Endlich waren wir bereit die lange Fahrt ins „Ungewisse“ zu beginnen. Das Auto war bis zum Bersten voll und wir verabschiedeten uns schwersten Herzens von allen Erwachsenen und Kindern auf der Station Rethy. Bald verschwand der Ort, wo unsere Töchter viele Jahre die Schule besucht hatten im Staub. Sie liessen ihre Freunde zurück und die Plätze, wo sie erste tiefe Freundschaften geschlossen hatten
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und einen Ort, den sie als ihre Heimat betrachteten. Die Hoffnung wieder an diesen Ort der Kindheit zurückzukehren, überwog die Traurigkeit der überstürzten Ausreise. Doch es sollte alles anders kommen. Wir fuhren von dort hinunter nach Bunia der Provinzhauptstadt. Dazu brauchten wir 9 Stunden. Die Strassen waren sehr schlecht und gingen in vielen Kurven zum Teil steil hinunter. In Bunia war es schon sehr warm und wir mussten einige Kleider wechseln. Nun hatten wir ein kleines Stück unserer langen Fahrt hinter uns. Wir fuhren weiter südlich. Eine Strecke von 5 Stunden auf ziemlich ebener Strasse lag vor uns bis zum grossen 500 km langen Ituri Urwald. Auf dieser Fahrt passierten wir die Missionsstation Nyankunde, wo unsere Töchter Vreni und Gisela zur Welt kamen. Immer wenn vor uns eine Strassensperre auftauchte, erhöhte sich der Puls und wir beteten zu Gott um seine Bewahrung und Hilfe. Manchmal mussten wir lange diskutieren und argumentieren, bis die Soldaten das von ihnen aufgebaute Hindernis wegräumten und wir weiterfahren konnten. Wir waren schon müde und die Sonne brannte immer heisser auf unser Auto. Wie schön wäre es gewesen, etwas Kühles zu trinken und ein wenig ausruhen zu können, denn die Sonne schien heiss auf unser Auto nieder. Da wir keine Zeit hatten eine Ruhepause einzulegen, fuhren wir weiter hinein in den Urwald. Es wurde immer schwüler. Die Strasse war so schlecht, sodass wir manchmal zwei Meter tief, fast wie eine Unterführung, hinunterfahren mussten. Weil die Strasse im Urwald immer feucht ist, blieben viele Autos und Lastwagen auf der Strasse stecken und mussten sich mühevoll wieder frei schaufeln, deshalb wurden die Stellen immer tiefer und schwerer bis zu zwei Meter. Um wieder aus diesen Vertiefungen herauszukommen, benötigte man oft stundenlange Arbeit, oder man musste warten, bis ein Auto von der Gegenseite kam und einen herauszieht Es war schon Nacht und immer waren noch viele Stunden vor uns in diesem feucht-heissen Urwald. Zum Glück hatte es in der Nacht nur einige Strassensperren und wenig Vertiefungen in der Strasse, aber dafür hörte man unheimliche Geräusche und Schreie von wilden Tieren. Auch die Moskitos machten uns zu schaffen.
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Was uns zum Weiterfahren in dieser dunklen Nacht bewegte, war die Ungewissheit und Frage, ob wir es an den Flughafen schaffen würden? Wir hatten ja erst einen kleinen Teil unserer Fahrt hinter uns gebracht. Es war dunkle Nacht. Niemand im Auto sagte etwas, alle waren wach. Was ihre Herzen bewegte, konnte ich nur ahnen. Wie dankbar waren wir, dass uns nichts passierte und wir keine Panne hatten. Als endlich die Sonne wieder aufging, dankten wir unserem himmlischen Vater und wir wussten, nun ist es nicht mehr weit bis zur Afrika-Inland-Missionsstation Oicha, am südlichen Ende des Ituri Urwaldes. Wir freuten uns, als wir dort ankamen und wurden von den wenigen Missionaren und den Afrikanern freundlich begrüsst. Wie herrlich schmeckte ein spätes Morgenessen. Freude hatten wir auch, als wir erfuhren, dass die Grenze zu Uganda noch immer passierbar war. Wir legten hier noch eine Zeit zum Ruhen ein, doch wir durften nicht allzu lange verweilen. Nun galt es, noch das lange Reststück der Fahrt anzutreten. Wir passierten den Lac Edward. Als Safari wäre es ein sehr interessantes Gebiet gewesen. Doch heute kümmerten uns die vielen Elefanten, Nilpferde, Krokodile und die vielen weiteren verschiedenen Tiere im und um den See nicht. Wir wurden von der Frage angetrieben: „Reicht es noch bis zum Flughafen oder kommen wir am Ende zu spät?“ Da die Strasse schlecht war, waren wir dankbar, wenn wir zwischen 30 und 35 Stundenkilometer schnell vorankamen. Nach einer langen Fahrt passierten wir den Queen Elisabeth Nationalpark. Und nun wussten wir, dass wir den grössten Teil der Fahrt hinter uns gebracht hatten. Wir waren auch sehr dankbar, dass es nicht regnete, dafür war es sehr heiss. Langsam erschienen kleine Dörfer und die Strasse wurde auch besser und das nützten wir aus. Afrikaner standen am Strassenrand und winkten uns freundlich zu. Wir erreichten Fort Portal und wussten, dass die Zollstation bald erreicht war. Wir hatten auf dieser Fahrt viel für Bewahrung und Gottes Führung gebetet und als wir die Grenze ohne Schwierigkeiten passieren konnten, dankten wir unserem himmlischen Vater, dass er zu unserer Fahrt bis dahin Gunst geschenkt hatte.
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Endlich waren wir im sicheren Uganda, doch wir mussten noch eine lange Strecke zurücklegen bis nach Kampala und die Zeit bis zum Abflug wurde immer knapper. Doch wir waren überzeugt, dass Gott uns zwar knapp, doch zur rechten Zeit ans Ziel führen würde. Gott macht keine Halbheiten, und er hatte uns schon so weit gebracht und würde uns nicht im letzten Moment im Stich lassen. Zwar war die Spannung immer noch da, doch auch die Zuversicht, dass alles gelingen würde. Nun erschien in der Ferne die Stadt mit den 7 Hügeln und wir wussten, dass es Kampala war. Diese Spannung, die wir ausgehalten haben und dann die Riesenfreude der nahen Erlösung kann man nicht beschreiben. Wir fuhren so schnell wir konnten an Ugandas Hauptstadt vorbei zum Zielflughafen Enthebe, am Viktoriasee. Bald waren wir im Flugzeug und hatten einen 10 stündigen Flug vor uns. Die Ausreise aus dem Kontinent, in dem wir 16 Jahre lang unserem Gott gedient hatten, war mit Freude, Trauer und Unsicherheit gemischt. Ein kleiner Lichtblick war es für uns, dass wir wussten, dass wir bei meinen Eltern in Staffelbach AG im oberen Stockwerk meines Elternhauses wohnen durften. Meine Eltern waren überglücklich, denn wir hatten uns vier lange Jahre nicht mehr gesehen. Für unsere Töchter war es auch gut, die Grosseltern etwas besser kennen zu lernen, denn irgendwie waren sie sich beinahe fremd. So kamen wir vom heissen Afrika in das viel kältere Dorf Staffelbach, 10 Kilometer südlich von Aarau. In diesem kleinen Dorf hatten sich die Teenager schnell eingelebt. Meine Eltern versuchten uns den Aufenthalt zu erleichtern, indem sie uns so manch Nötiges schenkten. Wir durften immer zu ihnen gehen, wenn wir Fragen hatten oder etwas brauchten. Wir waren dankbar, dass meine Eltern in Staffelbach ihre Zweit-Wohnung im oberen Stock ihres Hauses nicht vermietet hatten, damit wir drei Geschwister, Otto, Margrit und ich mit meiner Familie, dort Urlaub verbringen konnten. Otto arbeitete mit der ehemaligen China Inland Mission in Thailand, Margrit war in der Kinderarbeit in Sizilien tätig und wir arbeiteten mit der Afrika Inland Mission im Kongo. Jetzt waren wir an der Reihe, für kurze Zeit die Wohnung zu benutzen.
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Anstatt uns auszuruhen, galt es zunächst die Frage nach der weiteren Ausbildung unserer Töchter zu klären. Wir waren an einer Weichenstelle angelangt. In Europa bleiben oder zurück nach Afrika und anschliessend die weiterführenden Ausbildungen in den USA besuchen. Wir hatten die Menschen im Kongo und deren Kultur kennengelernt und wussten, dass sie unsere Hilfe brauchten. Sollten wir dieses bekannte Land verlassen und in einer anderen Kultur wieder ganz neu anfangen? Nach reiflicher Überlegung und intensivem Gebet, trafen wir den Entschluss, hier in Europa zu bleiben. Die nächste Herausforderung musste gelöst werden. Wohin würde uns Gott führen? Welche Arbeitsstelle würde er für mich öffnen? Jeden Tag verbrachten Helga und ich viel Zeit damit, mit unserem himmlischen Vater zu sprechen und in seiner Gegenwart Kraft, Geduld und Wegweisung zu erbitten. Wir hätten auch selber eine Arbeitsstelle suchen können, doch das wollten wir nicht. Wir vertrauten darauf, dass Gott einen Plan hatte und uns auch dieses Mal konkret führen würde. Helgas Eltern in Wien berichteten dem Bischof der MethodistenKirche, dass wir für immer vom Kongo in die Heimat zurückgekehrt waren und eine neue Arbeitsstelle brauchten. Als wir nun zu Hause waren, erhielten wir vom Bischof eine Anfrage, ob wir interessiert wären, eine Kirche in Bregenz zu übernehmen, die schon längere Zeit ohne Prediger war. Wir besichtigten die Kirche in Bregenz und beteten zum Herrn um Führung. Doch uns wurde innerlich klar, dass dies nicht der Platz für uns war. Wir beteten weiter, um den Willen Gottes zu erfahren. Das lange Warten in der Ungewissheit wurde für uns eine Zeit der Versuchung, selbst das Steuer in die Hand zu nehmen. Der Gegenspieler Gottes, Satan, versuchte uns unsicher zu machen und Zweifel in unsere Gedanken zu säen. Die Versuchung, selbst zu handeln war gross, da Gott nicht sofort antwortete. Selber zu entscheiden, wäre nicht schwer gewesen, doch wir hatten in der Vergangenheit gelernt, auf Gott zu warten und seiner Führung zu vertrauen. Wieder warfen wir uns verzweifelt auf die Knie und rangen mit Gott, um endlich eine Antwort zu erhalten. Diese Zeit war eine schwere Glaubensprobe. Gott wollte uns dadurch im Glauben festigen, denn dieses Vertrauen in den lebendigen Gott brauchten wir in
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der Zukunft noch sehr, um in seinem Dienst in der Heimat bestehen zu können. Gott wusste schon, was wir nötig hatten. Er wusste, dass wir Geduld erlernen mussten. Wenn uns Freunde besuchten, fragten sie uns manchmal: „Was werdet ihr in der Zukunft arbeiten und wo werdet ihr hingehen?“ Dann mussten wir ihnen antworten, dass wir es noch nicht wüssten und auf eine Antwort von Gott warteten. So verging die Zeit und wir lernten neu die Tatsache: „Beten ist Zeitgewinn und Warten ist nicht Zeitverlust.“ Das lange Warten auf die göttliche Antwort bewirkte ein kleines Problem. Unsere Töchter sollten endlich in die Schule gehen können. Sie waren inzwischen schon Teenager und mussten in höhere Schulen gehen, doch eine solche gab es in Staffelbach nicht. In dieser Wartezeit erlebten wir neu, wie wohltuend es war, einfach in Gott zu ruhen und zu erfahren, dass wir in seiner Gegenwart leben und in seiner Gnade und Geduld warten dürfen, bis er antwortet. Wir freuten uns auch, dass wir in dieser Zeit viele Verwandte und Freunde besuchen konnten. Auch wurden wir von Kirchgemeinden und Jugendgruppen eingeladen, um über die Arbeit in der Mission zu sprechen und somit war das Warten auch ein Gewinn. Als ich in den fünfziger Jahren im Missionsseminar Beatenberg zur Ausbildung war, waren unter den Gästen des Bibelheimes Beatenberg einige Männer zusammen gekommen, die den „Verein Schweizerische Missions-Gemeinschaft“, SMG, gründeten. Dieser Verein stellte sich zur Aufgabe, jungen Menschen, die eine Missionsschule beendet hatten, zu helfen. Sie durften sich bei der Gemeinschaft bewerben. Die Missionare mussten dann ihre Geldgeber durch Vorträge in Gemeinden oder durch private Geber von Gott erbitten. Diese Freunde sandten die Geldspenden an die Zentrale des Vereins SMG in Küsnacht bei Zürich. Dort wurde das Geld verwaltet. Die SMG sandte dann jeden Monat das Geld auf das Konto der Missionare. Ein evangelisch-reformierter Pfarrer aus Rutzenmoos in Österreich, kam zur Erholung ins Bibelheim Beatenberg. Dort hörte er von der Gründung der SMG und interessierte sich sehr dafür. Er sah darin die Möglichkeit auch in Österreich einen solchen Verein
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zu gründen. In seinem Heimatland war die Arbeit der Mission noch wenig bekannt. Das war die Gelegenheit in den evangelischen Landeskirchen in seiner Heimat, den Gedanken der Mission bekannt zu machen. Der evangelische Pfarrer erkundigte sich bei der SMG nach der Möglichkeit, eine evangelische „Österreichische-Missions-Gemeinschaft“, ÖMG, zu gründen. Er wollte Missionaren, die Gott rief, eine Hilfe anbieten und sie ermutigen dem Herrn zu dienen. Die Leiter der SMG waren gerne bereit, ihm zu raten und zu helfen. Als er wieder nach Österreich kam, suchte er verschiedene Menschen, die willig waren bei der Gründung seines Vorhabens mitzuhelfen. So entstand die ÖMG. Eine seiner treuen Vorstands-Mitglieder war die Frau Ordensschwester Lydia Haman, die spätere Gründerin des Missionswerkes Salzburg. Bei einem Besuch in Österreich begegnete ich später durch Gottes Führung Herr Pfarrer Meier-Schomburg bei einem Besuch. Als er erfuhr, dass ich Missionar der SMG war, fragte er mich, ob ich bereit wäre, mich als erster Missionar der neu gegründeten Missionsgemeinschaft ÖMG zur Verfügung zu stellen. Da ich durch mein früheres Gemeindepraktikum in Wien, mit diesem Land und besonders mit der Wiener Familie meiner Ehegattin Helga sehr verbunden fühlte, sagte ich: „Wenn der Herr es will, bin ich gerne bereit.“ Wir blieben miteinander verbunden und später berichtete er mir, dass die Vorstandsmitglieder sehr dankbar seien, dass ich mich für diese Aufgabe zur Verfügung gestellt hätte. Bereits Jahre zuvor, als ich noch im Kongo arbeitete und die ÖMG gegründet war, wurde ich von der Frau Oberin eingeladen, das Missionswerk in Salzburg zu besuchen und an einer Glaubenskonferenz über Mission zu sprechen. Ich willigte ein und lernte an dieser Konferenz das Missionswerk und viele Christen aus ganz Österreich kennen. In den späteren Jahren, wenn Helga und ich jeweils im Heimaturlaub waren, besuchten wir immer auch das Missionswerk Salzburg und viele Freunde, die ich an jener Konferenz kennen gelernt hatte. Sie luden uns ein, in ihren Gemeinden und Jugendgruppen, über Mission zu sprechen und dadurch wurde unser Freundeskreis in Österreich immer grösser.
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Die Zeit des Wartens in Staffelbach auf eine Antwort vom Herrn, wohin er uns senden wollte, dauerte einige Monate. Endlich, an einem schönen Tag, als ich die Post aus dem Briefkasten holte, fiel mir ein Brief mit einer österreichischen Briefmarke auf. Schnell öffnete ich den Umschlag. Vor mir lag ein Schreiben aus Salzburg von der Frau Oberin des Missionswerkes. Erstaunen machte sich breit, denn im Brief wurde ich angefragt, ob ich bereit wäre, mit meiner Familie nach Salzburg umzuziehen und im Missionswerk als Pastor in den vier Gemeinden des Missionswerkes sowie als Lehrer in der Katechetenschule des Werkes mitzuarbeiten. Ich teilte diese Anfrage Helga und den Kindern mit und nach geraumer Zeit der Stille und des intensiven Betens und Überlegens erkannten wir darin den neuen Weg unseres Dienstes im Missionswerk Salzburg. Sicherlich würde es eine neue Herausforderung sein, nach den vielen Jahren im Busch und Urwald des Kongo, unter Afrikanern, nun im modernen Österreich dem Herrn zu dienen. Doch ich hatte ja den Herrn gefragt: „Was willst du, dass ich tun soll?“ Wir wussten wohl, dass wenn Gott einen Auftrag gibt, kann man immer noch Nein sagen, doch wir wollten ja im Willen Gottes sein, und darum bejahten wir diese Anfrage aus Salzburg. Es war eine klare Antwort von Gott. Wir waren uns auch bewusst, dass es nicht einfach werden würde, in einem so grossen Missionswerk mitzuarbeiten. Im Kongo war ich der Verantwortliche einer theologischen Ausbildungsstätte gewesen. In Salzburg hingegen würde ich mich, als Mitarbeiter unter vielen Ordensschwestern einordnen müssen. Einige Wochen später schrieb ich Frau Oberin einen Brief und erkundigte mich nach den Anstellungskriterien und über die Möglichkeit unserer 3 Töchter weiterführende Schulen zu besuchen, denn wir wollten wissen, was alles auf uns zukommen würde. Es dauerte nicht lange, da erhielten wir eine Einladung. Wir sollten nach Österreich kommen, um all diese Dinge zu besprechen. So machten Helga und ich uns ohne die Kinder auf und fuhren nach Salzburg, damit wir über all die Dinge sprechen könnten. Es war uns auch ein Anliegen, dass wir weiterhin von unseren Gebern aus der Schweiz der SMG finanziell unterstützt würden und Missionare der Schweizerischen Missionsgesellschaft bleiben konnten. Diese Bitte wurde uns erfüllt.
2 Auf in eine neue Heimat Es gab für uns als Familie viel zu tun, um unsere Zelte in Staffelbach wieder abzubrechen. Zwar hatten wir schon ein wenig Erfahrung im Umziehen, denn ich war in meiner Missionstätigkeit schon mehr als ein Dutzend Mal umgezogen und hatte in jeder neuen Wohnung mit Helga und der Familie ein neues Zuhause gefunden. Doch gab es jedes Mal viel zu überlegen, packen, abmelden und wieder behördlich anmelden und oft war die Fahrt zum neuen Ort beschwerlich. Eine neue Umgebung und neue Menschen kennen lernen, war herausfordernd. Doch Gott führte uns so und er gab uns stets den Mut, die Kraft und Hilfe. Wir sagten manchmal, wenn wir wieder umziehen mussten: „Wie schön wird es einmal im Himmel sein, wenn wir ewig bleiben und nicht mehr umziehen müssen.“ Am 17. Februar 1972 war es soweit. Wir hatten all unsere Habseligkeiten gepackt. Unseren Eltern und Freunden auf Wiedersehen gesagt und viele Tränen, die durch das Abschied nehmen flossen, waren getrocknet. Eine Glaubensschwester war bereit, mit ihrem VW-Bus unsere gepackten Sachen nach Salzburg zu bringen und so fuhren wir mit zwei Autos die vielen Kilometer an unseren neuen Dienstort nach Österreich. Zum Glück schien die Sonne und wir machten uns am frühen Morgen auf den Weg. Mein Auto war mit 5 Personen und viel Gepäck fast überfüllt, doch die Töchter hatten auch viele Sachen, die sie mitnehmen wollten. Einige Gegenstände liessen wir bei unseren Eltern in der Schweiz zurück. Die konnten wir später holen, wenn wir sie brauchten.
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Eigentlich wäre die Fahrt ja schön gewesen, doch es war kein Ausflug oder Ferien in einem fremden Land. Die Stimmung war eher gedämpft. Auch für die Töchter war es nicht einfach, diesen Weg in eine neue Zukunft zu gehen, aber sie hatten ja keine andere Wahl. Wir versuchten ihnen Mut zu machen, obwohl wir auch selber einen Mut Macher gebraucht hätten. Wir fuhren über Zürich, Winterthur nach Romanshorn und überquerten den Bodensee mit der Autofähre nach Friedrichshafen. Es fiel uns auf, dass die Landschaft der Schweiz so ganz anders war als die des Kongo. Hier gab es schöne Autobahnen, auf denen man 120 km/h fahren konnte. Im Kongo waren die Strassen äusserst schlecht. Wenn man 30 km/h fahren konnte, war es eine Seltenheit und dabei wurde man so richtig durchgeschüttelt. Wenn es regnete, blieb man im Morast stecken und musste warten, bis die Sonne wieder schien und die Strasse abtrocknete, was manchmal Stunden dauerte. Zwar hatte ich immer Schneeketten im Auto, doch in diesem Morast sie anzulegen war nicht angenehm. In der Schweiz fuhren wir durch schöne Gegenden, durch Täler und an Bergen vorbei. Im Kongo gab es viele Buschlandschaften und Urwald. Oft musste man während der Fahrt lange stillstehen und warten, bis eine Herde Elefanten oder ein Rudel Löwen von der Strasse wegging. Zweimal hätte ich fast einen Leoparden angefahren, der über die Strasse flitzte. Auf unsrer Fahrt zum Bodensee sahen wir Katzen, die von der Strasse wegrannten oder Kühe, die beim Brunnen vor dem Haus tranken. Die Häuser und Wohnblöcke der Schweiz waren kaum vergleichbar mit den Hütten in Afrika. Die meisten waren rund und mit Gras bedeckt. Auch die Temperatur im Kongo von manchmal über 30 Grad war nicht zu vergleichen mit der Kälte in der Schweiz zu dieser Jahreszeit. Nirgends sahen wir Männer vor den Häusern an einem Feuer sitzen und mit Baumnüssen oder Karten spielen. Oft sah man im Kongo, wie sie auf einem Feuer süsse Kartoffeln oder Maiskolben rösten und ihr selbstgemachtes Bier tranken. Die Frauen verrichteten die ganze Arbeit vom Morgen bis am Abend. Die Gemütlichkeit der Kongolesen konnte man nicht vergleichen
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mit den beschäftigten Männern und Frauen der Schweiz. Auch auf den Strassen und Autobahnen der Schweiz, wo jeder schneller fahren und den andern überholen wollte, war es so ganz anders als im Kongo. Dort fuhr ich manchmal einige Stunden ganz allein auf der Strasse, ohne einem anderen Auto zu begegnen. Wie schön war es im Kongo durch ein Dorf zu fahren, wenn die Leute still standen und uns freundlich zuwinkten. Auf unserer Fahrt nach Salzburg hat uns kein Mensch gewunken. Diese Unterschiede, zwischen dem Kongo und der Schweiz mussten wir verarbeiten und uns wieder an die Schweiz und Europa gewöhnen. Wie gross war doch der Unterschied zwischen dem fortschrittlichen Europa und einem armen Entwicklungsland. Doch wir waren nicht mehr in Afrika. Wir waren auf dem Weg nach Salzburg in eine Arbeit, die für mich noch fremd war. Das Leben in Europa würde nicht einfach sein, eine gewaltige Umstellung bedeuten und das würde nicht von heute auf morgen geschehen. Von Friedrichshafen fuhren wir an schönen Dörfern und Städten vorbei in Richtung München. Da ich noch nicht an den schnellen Verkehr gewöhnt war, versuchte ich vorsichtig zu fahren. Dennoch genossen wir die schönen Felder, Wälder, Dörfer und Städte auf der Fahrt durch Deutschland. Damals musste man noch durch die grosse Stadt München fahren, was für mich nicht einfach war, denn ich kannte diese Stadt noch nicht. Die Städte Kampala und Nairobi kannte ich gut, doch ich war dankbar, dass Helga und die Töchter bei mir waren und mir halfen den richtigen Weg zu finden. Wie froh waren wir, als München hinter uns lag und wir auf der Autobahn in Richtung Rosenheim fahren konnten. Die Landschaft von Bayern war im Vergleich zur Schweiz mehr hügelig und in dieser schönen Gegend fuhren wir immer weiter unserem Ziel entgegen. Wir waren nun schon viele Stunden unterwegs und langsam sehnten wir uns nach dem Ende der Fahrt, um auszuruhen, etwas zu essen und uns niederzulassen. Doch nun kam auch die spannende Frage in uns auf, wo wir wohnen würden, wie die Umgebung und die Nachbarn sein würden. Unsere drei Töchter fragten sich, wo und wie ihre Schulen sein würden und welche Freundinnen sie haben würden.
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Je näher wir Salzburg kamen, desto mehr erhoben sich die Hügel von Bayern zu hohen Bergen und in der Ferne erblickten wir schon die Gipfel der Berge im Salzburgerland. Wir stellten fest, dass wir an immer mehr Dörfern und kleineren Städten vorbeifuhren. Die Bauart der Häuser und die Kirchen mit den Zwiebeltürmen waren so ganz anders als in der Schweiz. Es war schon später Nachmittag und immer noch waren wir nicht am Ziel. Endlich sahen wir ein Schild über der Autobahn: „Salzburg“. Wir fuhren beim Flughafen vorbei und folgten den Schildern in Richtung Innenstadt. Jetzt mussten wir noch das Missionswerk in der Bräuhausstrasse finden, denn wir wussten ja nicht, wo unsere zukünftige Wohnung war. Ein paarmal mussten wir anhalten und nach dem Weg fragen und wir freuten uns, als wir das Zentrum des Missionswerkes schliesslich fanden Freundlich wurden wir von der Frau Oberin und einigen Ordensschwestern empfangen. Nach einer kurzen Erfrischung führte uns eine Schwester in die Staufenegg Strasse am westlichen Rande der Stadt. Dort hatte die evangelische Landeskirche ein Pfarrhaus, das unbesetzt war. An demselben Haus war noch eine Kapelle angebaut. Neugierig traten wir in unsere neue Wohnung ein, doch wir wussten, dass wir nur 6 Monate hier wohnen konnten, denn die Kirchgemeinde brauchte die Wohnung wieder. Die Behausung war nicht gross und wir würden uns etwas einschränken müssen. Doch wir waren es gewohnt, keine Bedingungen zu stellen, sondern dankbar zu sein für das, was Gott für uns vorbereitet hatte. Wir dankten unserem himmlischen Vater für seine Bewahrung auf dem langen Weg hierher und dass wir in einer möblierten Wohnung für eine kurze Übergangszeit wohnen durften. Wir staunten, wie treu der Herr für uns, seine Kinder, gesorgt hatte. Obschon wir alle müde waren, wählte jede Tochter ihr Bett und verstaute die mitgebrachten Kleider. Dann wollten wir uns umschauen, wo wir einkaufen konnten, denn wir mussten unseren eigenen Haushalt führen. Die Gegend, in der wir wohnten war eher ärmlich, ein Arbeiterviertel. Mit dem Auto fuhren wir später noch ein wenig
Auf in eine neue Heimat
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stadtauswärts und entdeckten einen schönen Platz an einem kleinen See. Dort genossen wir die Ruhe und die Schönheit der Umgebung. An diesen schönen See wollten wir wieder kommen, sobald die Zeit es zuliess. So verging der erste lange, anstrengende Tag. Spät in der Nacht sanken wir erschöpft in unsere Betten und mussten nicht lange auf den Schlaf warten. Als ich am Morgen erwachte und mich umsah, schien mir alles so fremd zu sein. Ich musste ein wenig überlegen, wo ich überhaupt war. Wir waren nicht mehr in der Schweiz, nicht mehr im Elternhaus, auch nicht mehr in Afrika, sondern in der Mozartstadt, unserem neuen Arbeitsfeld. Wir fragten uns, wie alles werden würde, denn die Stadt und die Mentalität der Salzburger waren anders als die der Schweizer oder Afrikaner. Alles schien so neu, doch wir wollten uns der Herausforderung mit Gottes Hilfe stellen. Am nächsten Tag besuchten uns einige Leute der Salzburger Kirchgemeinde. Es freute uns, sie kennenzulernen. Einige brachten uns ein kleines Geschenk oder Esswaren mit und wir konnten so manche Frage über Einkaufsmöglichkeiten klären, das Gemeindeleben, den öffentlichen Verkehr und vieles andere. Eine Frau, die uns besuchte, wohnte sogar in derselben Strasse wie wir, etwas weiter stadteinwärts. Wir merkten uns ihren Namen und Hausnummer für den Fall, dass wir später Rat und Hilfe brauchen sollten.