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Signa Bodishbaugh Ich will dir begegnen und mit dir reden Wie wir wirklich mit Gott ins Gespräch kommen


Signa Bodishbaugh

Ich will dir begegnen und mit dir reden Wie wir wirklich mit Gott ins Gespräch kommen


© Copyright 2013 by Signa Bodishbaugh. All rights reserved. © Copyright der deutschen Ausgabe 2014 by Asaph-Verlag 1. Auflage 2014 Titel der amerikanischen Originalausgabe: Divine Conversations Aus dem Englischen übersetzt von Dorothea Appel Bibelzitate wurden im Allgemeinen nach der Übersetzung Neues Leben. Die Bibel © 2002 und 2006 SCM R. Brockhaus, Witten zitiert, andernfalls aus den folgendermaßen gekennzeichneten Übersetzungen: NeÜ: Neue evangelistische Übersetzung © 2013 Karl-Heinz Vanheiden, www.kh-vanheiden.de L: Luther 1984 © 1984 Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart REÜ: Revidierte Elberfelder Bibel (Rev. 26) © 1985/1991/2008 SCM R. Brockhaus, Witten Umschlaggestaltung: joussenkarliczek, D-Schorndorf (unter Verwendung eines Fotos von David Dieschburg/photocase.com) Satz/DTP: Jens Wirth Druck: cpi books Printed in the EU ISBN 978-3-940188-76-2 Bestellnummer 147476 Für kostenlose Informationen über unser umfangreiches Lieferprogramm an christlicher Literatur, Musik und vielem mehr wenden Sie sich bitte an: Asaph, Postfach 2889, D-58478 Lüdenscheid asaph@asaph.net – www.asaph.net


Für Coach und für Conlee


Inhalt Vorbemerkung....................................................................11 Einführung...........................................................................13 Kapitel 1 – Die Kunst der Gesprächsführung...................17 Das Gespräch mit Gott verwandelt mich.................................. 21 Dem Gesprächspartner vertrauen............................................. 23 Gesprächshindernisse............................................................... 26 Die Kunst der Gesprächsführung lässt sich lernen................... 33

Kapitel 2 – Prioritäten und Probleme...............................37 Alles, was ich über das Gespräch mit Gott weiß, habe ich als Kind gelernt........................................................... 41

Kapitel 3 – Hindernisse.......................................................45 Nr. 1 Wir sind nicht mehr in dem Garten.................................. 45 Nr. 2 Von der To-do-Liste abhaken........................................... 47 Nr. 3 Lähmende Passivität........................................................ 49 Nr. 4 Das ist nicht meine Gabe................................................. 52 Nr. 5 Weiberkram!.................................................................... 53 Nr. 6 Das Problem Täuschung.................................................. 54 Nr. 7 Ich habe Angst................................................................. 56 Nr. 8 Verfallsdatum überschritten............................................. 59 Versuchen Sie das mal!............................................................. 60


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Kapitel 4 – Prioritäten und Praxis......................................63 Ein Beispiel ….......................................................................... 64 Stehst du bei mir an erster Stelle, Gott?................................... 66 Ich muss meine Absicht bekräftigen............................................ 69

Kapitel 5 – Zuhören für Anfänger......................................75 Zurück zu den Grundlagen....................................................... 77

Kapitel 6 – Das ultimative, schlussendliche, . entscheidende, definitive, . lebenswichtige Nachschlagewerk......................81 Kapitel 7 – Ein Tagebuch für hörendes Gebet..................89 Dialog....................................................................................... 90 GZZ oder MZZ......................................................................... 92 Aufschreiben!........................................................................... 98 Was, wenn ich nicht gehört hätte!............................................. 99 Loslegen.................................................................................. 101

Kapitel 8 – Eine neue Sprache lernen..............................105 Die Sprache des Herzens........................................................ 107

Kapitel 9 – Ein Gott, der auf vielerlei Weise spricht.......117 Mit hörbarer Stimme und durch die Bibel.............................. 117 Durch Träume......................................................................... 122 Durch Predigten, Lehre und Bücher....................................... 125 Durch Anbetung...................................................................... 131 Durch Prophetie...................................................................... 138 Durch heilige Stille ................................................................ 152 Durch Eindrücke..................................................................... 157

Kapitel 10 – Stellen Sie sich das einmal vor!...................161 Malen Sie es sich vor Augen!................................................. 162 Gott hören, wenn das Herz nicht rein ist................................ 165


Inhalt

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Ja, es ist ein Wunder!.............................................................. 167 Das gefleckte Fell des Leoparden ändern............................... 167 Unsere heilige Fantasie........................................................... 177

Kapitel 11 – Gott hinterfragen.........................................179 Loyal gegenüber der Tradition................................................ 180 Was fehlt uns?......................................................................... 181 Der Unterschied zwischen Reife und Selbstzufriedenheit...... 184

Kapitel 12 – Verwählt........................................................187 Ein Beispiel............................................................................. 189 Kein Interesse! (klick)............................................................ 191 Das „Trio Infernal“................................................................. 193

Kapitel 13 – Die authentische Stimme des Hirten.........195 Die Stimme des Lebens.......................................................... 195 Der gute Hirte......................................................................... 196

Kapitel 14 – Fälschungen.................................................199 Die Welt.................................................................................. 199 Das Fleisch.............................................................................. 203 Der Teufel............................................................................... 211 Gegenmittel zu Welt, Fleisch und Teufel................................ 224

Kapitel 15 – Vergangenheit – vollendete Zukunft.........229 Den Mangel verwandeln......................................................... 230 Hilfe!....................................................................................... 232 Ein Reagenzglas...................................................................... 236 Ermahnung/Ermutigung......................................................... 237 Anbetung................................................................................. 238 Durch Verwundbarkeit von der Vergangenheit erlöst werden..... 238 Mein Herzenswunsch.............................................................. 241 Glücksfall................................................................................ 242


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Kapitel 16 – Geschmackssache........................................247 Was hat das mit Hesekiel zu tun?........................................... 249 Persönliche Erfahrung............................................................ 250 Mit Jesus in den Ring............................................................. 253

Kapitel 17 – Moment ... das ist noch nicht alles.............257 Anhang...............................................................................261 Anregungen für Gebetszeiten – allein oder in Kleingruppen...... 261

Quellen...............................................................................293 Dank...................................................................................295 Anmerkungen...................................................................299


Vorbemerkung Bei der Beschreibung wahrer Begebenheiten im Leben anderer Menschen habe ich deren Namen verändert, entweder weil ich ihre Erlaubnis nicht einholen konnte oder weil ich ihnen die Möglichkeit lassen will, ihre eigene Geschichte aus erster Hand zu erzählen, wenn sie dazu bereit sind. Um Anonymität zu gewährleisten, habe ich manchmal unwesentliche Umstände verändert, dennoch ist das Berichtete wahr. Wenn ich allgemein über Menschen rede, verwende ich aus mehreren Gründen häufig nur die grammatisch männlichen Formen. Ich verfolge damit keinerlei sexistische oder exklusive Absicht und möchte mich dafür auch nicht entschuldigen. Auf die Weise umgehe ich das sprachlich ungeschickte „er oder sie“ bzw. Anhängen von „/in“. Ich verwende diese Formen neutral und meine jeweils sowohl Männer als auch Frauen. Außerdem habe ich drei Söhne erzogen, entsprechend ist mein Sprachgefühl geprägt.


Einführung Ist es Ihnen je so ergangen, dass sich Ihre Nackenhaare aufstellten, wenn Sie jemanden sagen hörten, Gott habe zu ihm gesprochen? „Gott sagt, ich soll das und das tun“, oder: „Gott hat über dies und jenes zu meinem Herzen geredet“, oder: „Gott hat mich geführt, so und so zu entscheiden“ – vielleicht hatten Sie da doch Ihre Zweifel. In dem Fall hoffe ich, dass Sie jedes Wort in diesem Buch lesen werden. Es stimmt schon, manche Leute bedienen sich großzügig des Namens Gottes, um ihre Argumentation zu stützen und ihre Ansichten zu untermauern. Und ja, manche Menschen sind tatsächlich verwirrt, sie stehen unter dem Einfluss von unheiligen Geistern, lästern den Namen Gottes und missbrauchen ihn für ihre eigenen Zwecke. Lassen Sie sich von einigen schlechten Beispielen nicht abschrecken, die spannendste und heilsamste Reise Ihres Lebens zu unternehmen! Sie wurden geschaffen, um Zeit in intimer Nähe mit Gott verbringen zu können, wo Sie tatsächlich die Stimme des Herrn erkennen und verstehen. Ich mag den Gedanken, dass ich mich mit Gott zurückziehe, nur um in seiner Gegenwart zu sein, wie es Mose und Josua im Zelt der Begegnung in der Wüste taten. Gott machte aus diesem Zelt einen Ort, „wo ich euch begegnen und zu dir sprechen werde“.1 Durch seine herrliche Gegenwart heiligte er den Ort (sonderte ihn für seine Zwecke aus).2 Das bedeutet, seine Gegenwart war so dicht, dass sie die Atmosphäre des Himmels an diesen Ort auf Erden brachte,


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an dem irdische Menschen Göttliches erfahren konnten. In dieser Herrlichkeit wurde Mose so drastisch verändert, dass die Gegenwart Gottes sogar seine äußere Erscheinung leuchten ließ. Er musste sein Gesicht verhüllen, als er aus dem Zelt heraustrat. Wenn ich über dieses Phänomen nachdenke, stelle ich mir vor, wie Mose in Gottes Gegenwart in einem heiligen Licht steht. Der Psalmist sagt: „Licht umgibt dich wie ein Gewand. Du spannst den Himmel aus wie eine Zeltdecke.“3 In solch einem heiligen Licht zu stehen verwandelte Mose ebenso, wie es Jesus beim Beten auf dem Berg verwandelte. Petrus, Jakobus und Johannes, die Jesus dorthin begleitet hatten, wurden Zeugen einer derartigen Veränderung seines Äußeren, dass sie sagten: „Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichts, und seine Kleider wurden strahlend weiß.“4 Sie sahen auch Mose und Elia, gekleidet in derselben Pracht, wie sie mit Jesus redeten. Das ist die Auswirkung von Gesprächen mit Gott! Was machten Gott und Mose in jenem Zelt, dass der Mann dadurch dermaßen anders wurde? Ganz offensichtlich saßen sie nicht nur im Schatten zusammen, um sich vor der Wüstenhitze zu schützen. Wir lesen: „Der Herr sprach mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie einer, der mit seinem Freund redet.“5 Mose verbrachte viel Zeit allein mit Gott, und dabei lernte er, seine Stimme so deutlich zu erkennen, dass er danach nie wieder in Zweifel zog, wer zu ihm redete. Sie müssen sich miteinander über Träume, Wünsche und Ideen unterhalten haben, denn Mose lernte Gottes Charakter kennen. Gewiss gab Gott Anleitung, heilte, veränderte und bevollmächtigte ihn, denn Mose wurde zum Führer des Volkes und zum Propheten. Als Mose aus dem Zelt trat, kannte er Gottes Stimme. Als Mose aus dem Zelt trat, vertraute er, dass Gott immer das Richtige tat. Als Mose aus dem Zelt trat, setzte er sein Leben für ihre Beziehung ein. Als Mose aus dem Zelt trat, war er verwandelt. Und all diese Veränderungen geschahen in der Abgeschiedenheit, wo er Gott regelmäßig begegnen konnte. Würden Sie sagen, dass Gott Mose verwandelte, um die Welt zu verändern? Zweifellos!


Einführung

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Ich glaube von ganzem Herzen: Wenn Sie sich zurückziehen und Zeit mit Gott verbringen, ihm zuhören und von ihm lernen, wird er Ihr Leben verwandeln und auch Sie gebrauchen, um die Welt zu verändern. Paulus lehrt: „Von uns allen wurde der Schleier weggenommen, sodass wir die Herrlichkeit des Herrn wie in einem Spiegel sehen können. Und der Geist des Herrn wirkt in uns, sodass wir ihm immer ähnlicher werden und immer stärker seine Herrlichkeit widerspiegeln.“6 Es wird Sie in ungeahnter Weise bevollmächtigen, Gott zu kennen, ihm zu vertrauen und mit ihm zu sprechen. Entdecken wir gemeinsam, wie wir sein Zelt betreten und all die Wunder erleben können, die er für uns vorgesehen hat!


Kapitel 1

Die Kunst der Gesprächsführung Die besten Gespräche mit Gott führe ich in den frühen Morgenstunden, wenn meine Welt noch still und ohne Ablenkungen ist. Ich spreche von vier Uhr oder halb fünf – also wirklich früh. Ich weiß nicht genau, wie Gott es macht: Wenn ich schlafe, entzündet er einen kleinen Funken in meinem Geist oder meiner Vorstellung, und dann bin ich hellwach, stehe auf und höre auf ihn. Manchmal stellt sich das als eine Inspiration für etwas heraus, was ich schreibe, manchmal als der Anstoß, ein bestimmtes Buch oder eine bestimmte Schriftstelle zu lesen, manchmal nur, dass ich höre, was er sagt. Heute Morgen wollte Gott sich mit mir über Pilze und meine Mutter unterhalten. Ich hörte zu, stellte Fragen, schrieb in mein Gebetstagebuch und lernte viel. Aber eigentlich lerne ich ja immer viel, wenn ich mich hinsetze und höre, was er sagt. Gott ist ein wunderbarer Gesprächspartner! Neulich kaufte ich zum ersten Mal in einem bestimmten asiatischen Geschäft an unserem Wohnort ein. Ich kam mir vor, als wäre ich in eine Miniversion der Chinatown von San Francisco oder Victoria, B.C. geraten. Das sind die einzigen Chinesenviertel, die ich bislang kennengelernt habe, und von beiden bin ich begeistert. Die Gerüche, das fremdartige Essen, die ungewöhnlichen Kochutensilien, die Geräuschkulisse aus Klappern und Stimmengewirr – all das finde ich faszinierend. Herrlich!


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In dem Asialaden hier am Ort waren nur wenige Kunden, als ich ihn neulich morgens aufsuchte, also nahm ich mir einen Einkaufswagen, schlenderte in Ruhe durch die Gänge und sah mir alles genau an. Unter anderem kaufte ich eine große Tüte getrockneter ShiitakePilze. Etwas Hässlicheres hatte ich noch nie gesehen, aber sie waren so billig, dass ich nicht widerstehen konnte. Zu Hause experimentierte ich mit den Pilzen zunächst einmal nur herum – ich wässerte und kochte sie. Gott erinnerte mich daran, dass die Shiitake-Pilze, so ungenießbar und regelrecht eklig sie aussehen, in sich einen köstlichen, fleischartigen Geschmack bergen, der nur darauf wartet, sich entfalten zu können. Nach der Anleitung auf der Packung (also dem kurzen Abschnitt, der in englischer Sprache verfasst war) weichte ich sie etwa eine Stunde in kaltem Wasser ein. Sie wurden zwar etwas dicker, sahen aber nicht wesentlich besser aus. Nach wie vor waren sie so hart, dass auch das beste Küchenmesser an ihnen scheiterte. Danach legte ich sie eine Weile in heißes Wasser. Das brachte einen weiteren Fortschritt. Jetzt ließen sie sich besser schneiden, aber immer noch ähnelten sie eher aufgeweichter Pappe als Pilzen. Dann kam mir die Idee, sie langsam in selbstgemachter Hühnerbrühe köcheln zu lassen. O du meine Güte! Wie köstlich sie jetzt schmeckten! Heute sind Shiitake-Pilze meine neue Lieblingszutat für alle möglichen Gerichte. Mir wurde sofort klar, was Gott mir mit dieser Erinnerung sagen wollte. Ich erkannte das Bild: wie eine harte, ausgetrocknete Seele nach und nach lebendig wird und sich zu ihrem vollen Potenzial entwickelt. Gott ist wirklich gut darin, die normalsten Dinge als Beispiel zu verwenden. Er stößt nicht nur gute Gespräche an, sondern wechselt auch schon einmal schnell das Thema. Aber damit verfolgt er immer eine Absicht und macht immer eine Aussage, ich darf mich nur nicht ablenken lassen. Gerade als ich dachte, damit wäre die Lektion für heute Morgen zu Ende, wurde er persönlich. Erinnerst du dich, wie hart und lieblos dir deine Mutter immer vorkam, wenn sie in


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Gegenwart ihrer eigenen Mutter war? Ja, daran erinnerte ich mich allerdings. Es war mir unbegreiflich gewesen. Meine Mutter nannte Großmutter immer beim Vornamen, Bertie, ohne irgendeine Art von Kosenamen oder den Ausdruck einer liebevollen Beziehung. Sie tat ihrer Mutter gegenüber ihre „Pflicht“, mehr nicht. Für mich war Großmutter meine „Mamo“. Sie überschüttete mich mit Liebe und Bestätigung, die ich wie ein Schwamm aufsog. Aber zwischen meiner Mutter und ihr herrschte ein Verhältnis wie unter Fremden. Sogar bei Mamos Tod waren die letzten Worte meiner Mutter zu ihr: „Ich kann dir nicht vergeben.“ Zum Teil war mir ihre Geschichte bekannt. Bertie hatte mit nur sechzehn Jahren einen älteren Mann geheiratet, einen wohlhabenden, berühmten Arzt. Ihre Eltern waren begeistert. Innerhalb eines Jahres erwartete sie ihr erstes Kind (meine Mutter), und ihr Mann bestand darauf, dass sie es abtreiben ließe. Das war im Jahr 1912, aber auch damals konnten Ärzte so etwas machen. Bertie war entsetzt und weigerte sich. Das selbstsüchtige, verkehrte, üble Ansinnen dieses Mannes kam ans Licht und er verließ seine Familie, ging fort und ließ nie wieder von sich hören. Aus einem prächtigen, herrschaftlichen Haus mit Personal zog Bertie zurück in das bescheidene Heim ihrer Eltern. Schmach und Schande kam über die Familie. Eine Scheidung galt als Makel. Das Baby im Haus war eine ständige Erinnerung. Damals gab es keinen gesetzlichen Anspruch auf Alimentezahlung oder staatliche Unterstützung, deshalb arbeitete Bertie bei einem Juwelier, und meine Mutter wurde von enttäuschten und strengen Großeltern erzogen. Das verwerfliche Tun eines einzigen selbstsüchtigen Mannes wirkte sich auf die ganze Familie meiner Mutter aus, bis er vergessen war. Aus unerfindlichen Gründen wurde die Schande meiner Großmutter angelastet statt ihrem treulosen Ehemann, vielleicht, weil sie da war und er nicht. Warum auch immer: Mamo war der Sündenbock der Familie. Wenn man nichts anderes kennt, kann Dysfunktionalität in einer Familie zum Normalzustand werden. Ich habe nie verstan-


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den, warum meine Mutter sich weigerte, meiner Großmutter zu vergeben, besonders nicht, als meine Mutter mit über sechzig Jahren wiedergeboren wurde. Aber wenn man lange genug mit den Dynamiken der eigenen Familie lebt, stellt man sie irgendwann gar nicht mehr infrage. So, wie Gott von den Pilzen auf Mama zu sprechen gekommen war, erinnerte er mich dann an einen bestimmten Nachmittag: Es war kurz nach Mamos Tod, ich war bei meiner Mutter zu Besuch. Wir saßen vor ihrem Haus und tranken Eistee. Mit der Absicht, gute Erinnerungen an Mamo zu wecken, fragte ich beiläufig: „Was sind eigentlich deine frühesten Erinnerungen an deine Mutter?“ Mama wurde so wütend, wie ich sie noch nie erlebt hatte – und ich hatte sie oft wütend gesehen. „Ich will dir sagen, woran ich mich erinnere! An meinen sechsten Geburtstag erinnere ich mich. Mein Geburtstagsgeschenk war ein neues, blaues Haarband, und Bertie versprach, mit mir ins Kino zu gehen. Vor Aufregung konnte ich es kaum erwarten, bis sie nach der Arbeit wieder zu Hause wäre. Doch als sie schließlich kam, war sie in Begleitung eines Kollegen und sagte, sie würde mit ihm ins Kino gehen. Erst dachte ich, dass ich dabei sein dürfte, aber als wir an der Ecke vor unserem Haus standen und auf die Straßenbahn warteten, da schickte sie mich wieder nach Hause. Sie sagte, ich könne nicht mit ihnen kommen. Meine Wünsche kümmerten sie gar nicht. Was ich wollte, war ihr immer egal.“ Diese eine Erinnerung fasste die lebenslange Enttäuschung meiner Mutter und ihr Gefühl der Ablehnung zusammen. Natürlich war der Bösewicht in der Geschichte eigentlich mein Großvater, aber der war weg. Alles bekam Mamo ab: das Gefühl meiner Mutter, verlassen und ungewollt zu sein, und die allgegenwärtige, überwältigende Scham – alles richtete sich nur gegen Mamo. Der Herr sagte mir: Deine Mutter fühlte sich wie so ein getrockneter Pilz – ohne Leben, ohne Geschmack, ohne jede Schönheit. Mein Herz rief: „Oh Herr! Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie ich ihr hätte dienen können. Aber zu der Zeit lernte ich ja selber


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erst, wie du Leben verändern kannst. Du hast mich verändert, aber damals stand ich ganz am Anfang und war selber noch nicht stabil und fest gegründet. Bei meiner Mutter habe ich so viele Möglichkeiten verpasst.“ Und dann kam Gott (wie immer) zu dem, was er mit dieser frühmorgendlichen Unterhaltung letztendlich sagen wollte: Ich wünschte, du könntest sie jetzt sehen! Sie ist erfüllt von meiner Liebe. Sie ist die Liebliche, als die ich sie geschaffen habe, voll ewigen Lebens. Eines Tages wirst du es selber sehen.

Das Gespräch mit Gott verwandelt mich!

Ich weiß nicht, warum Gott dieses Gespräch über meine Mutter angeregt hat. Sie war 1997 verstorben, ich hatte gar nicht an sie gedacht. Es lag auch kein bestimmtes Datum an, kein Geburtsoder Todestag. Gott meinte wohl einfach, dass ich das heute hören sollte. Das Gespräch war detailliert, gleichzeitig aber auch recht weitschweifig. Es enthielt ein paar längst vergessene Erinnerungen und aussagekräftige Symbole. Es war kein besonders langes Gespräch, hinterließ aber einen starken Eindruck in mir. Es erfüllte mich mit Hoffnung, Liebe, Befreiung, Erwartung, Freude und tiefer Dankbarkeit. Es hatte sich für mich überraschend und unerwartet ergeben. Bei anderen Gelegenheiten ist ein Gespräch mit Gott kurz und bündig und kommt ohne Umschweife zum Punkt, ohne Vorrede, Symbolik oder Erklärungen. Manchmal spricht Gott nur ein Wort oder ein paar Sätze, und ein Leben wird verwandelt. Ich erinnere mich an Brenda, eine Frau, die wir seit einigen Jahren kennen. Als sie zu uns kam, war ihr Leben ein Scherbenhaufen. Sie plagte sich mit kaputten Beziehungen herum, mit Süchten, Selbstverletzung, Selbsthass und einem eklatanten Mangel an Gottvertrauen. Immer und immer wieder sagten wir und andere zu Brenda, dass sie sich genau von dem abwandte, der doch ihr einziger Helfer war. Sie wollte Hilfe, aber sie wollte Gott nicht.


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Als Kind war Brenda von einem der Ältesten ihrer Kirchengemeinde missbraucht worden. In ihrem unreifen Denken hatte sie gefolgert: Da das im Hause Gottes geschehen war, hatte Gott es auch zugelassen. Seitdem hatte sie Gott den Rücken zugekehrt. Als wir sie kennenlernten, war sie verzweifelt und selbstmordgefährdet. Conlee und ich verbrachten in den folgenden paar Jahren viel Zeit mit ihr, wir gaben ihr Liebe, Ermutigung, Ermahnung, Predigten, Bibelverse und waren schließlich frustriert. Außer uns versuchten auch viele andere, Brenda zu helfen. Jeder tat, wozu er in der Lage war, doch sie rutschte immer mehr ab. Dann und wann erholte sie sich mal ein bisschen, aber insgesamt ging es stetig bergab. Schließlich musste sie ihre Stelle aufgeben und Arbeitsunfähigkeitsrente beziehen. Als wir Brenda eines Tages nach einer mehrwöchigen Unterbrechung wiedersahen, schien sie ein anderer Mensch zu sein. Alles war verändert an ihr: ihr Gesichtsausdruck, ihr Verhalten, ihre innere Einstellung, selbst ihre Körperhaltung. Wir konnten es kaum erwarten zu hören, was geschehen war. Sie sagte, dass sie bei einer bestimmten Gelegenheit völlig verzweifelt zu Gott geschrien habe – klagend und voller Selbstmitleid. Gott habe unmissverständlich zu ihr gesprochen, und das habe sie quasi augenblicklich verändert. Was er ihr gesagt hatte, war keinesfalls, was ich ihr gesagt hätte, ich hätte auch nicht gedacht, dass sie das hören müsste. Es war mit Sicherheit nichts, was ich aus Gottes Mund erwartet hätte. Ich bin nicht sicher, wie ich reagiert hätte, wenn er es mir gesagt hätte. Aber wie immer passten seine Worte perfekt auf die Person, an die sie gerichtet wurden. Für Brenda waren sie genau richtig. Sie hörte Folgendes: Brenda, es geht nicht immer nur um dich. Es geht immer um mich. Mehr nicht. Diese wenigen Worte trafen sie ins Mark. Für Brenda waren sie wie eine blitzartige Erleuchtung. Sie markierten den Beginn eines wiederhergestellten und geheilten Lebens, das bis heute Frucht bringt.


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Dem Gesprächspartner vertrauen

Die Unterhaltung, die Gott mit mir über Pilze und meine Mutter führte, war so unerwartet, so unverkrampft und detailliert gewesen, dass Sie vielleicht meinen, sie sei in Ihrem Leben nicht nachvollziehbar. Ich kann Ihnen aber versichern, dass auch ich nicht über Nacht plötzlich Gott ohne Mühe verstehen konnte. Um dahin zu kommen, musste ich es wirklich wollen, entsprechende Prioritäten setzen und üben.

Auf wundersame und wunderbare Weise ermöglicht Gott es allen seinen Geschöpfen, auf ihn einzugehen. Der Himmel (Firmament, Sonne, Mond, Sterne, Planeten, Galaxien) verkündet seine Herrlichkeit.7 Den Tieren hat er Instinkte gegeben, mit denen sie sich in ihrer Umgebung zurechtfinden.8 Wir aber, die Krone seiner Schöpfung, können nicht nur durch unser Leben und durch die Instinkte, die er in uns legt, seine Herrlichkeit verkünden,9 uns ist auch ein menschlicher Geist gegeben, der durch seinen Heiligen Geist lebendig wird. So werden wir in ganz einzigartiger Weise in die Lage versetzt, seine Stimme persönlich zu hören und mit Gott in Beziehung zu treten. Ich kann mich weigern, hinzuhören, ich kann mich entscheiden, andere Dinge zu tun, oder sogar die Meinung vertreten, er habe mir nichts zu sagen. Was ich glaube, ändert nichts an Gottes Tun, aber es hat Auswirkungen darauf, was ich empfange. Gottes Wort geht beständig aus, es erschafft, stellt wieder her, verändert. Wenn ich entscheide, mich in die bestmögliche Position zu bringen, um zu hören, was Gott mir sagt, erwächst mir daraus immer eine Erkenntnis, oft eine Überraschung – nie eine Enttäuschung. Jedes Mal, wenn ich seine Stimme höre, werde ich verändert. Manchmal gewaltig und stark, manchmal in bescheidenerem Ausmaß, liebevoll, zärtlich. Wichtig ist es immer. Damit ich überhaupt den Wunsch entwickelte, zu hören, was er mir sagen wollte, musste ich anfangs am Vertrauensfaktor in unserer Beziehung arbeiten. Ich bin nicht so aufgewachsen, dass ich Jesus als meinen Erlöser und meinen besten Freund gekannt hätte. Seine


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Gegenwart wurde erst dann zu einem wesentlichen Bestandteil meines Lebens, als ich junge Erwachsene war, und zunächst war ich mir nicht sicher, ob ich ihm meine tiefsten Gedanken und Nöte offenbaren wollte. Vertrauen braucht Zeit.10 Diese Zeit gewährte er mir in seiner Liebe und gab mir alle Gelegenheit, ihn so kennenzulernen, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte. Ich sehe hier eine Art „Catch-22“11-Situation: Ich muss Zeit mit ihm verbringen, um ihm mehr zu vertrauen, aber gleichzeitig muss ich ihm mehr vertrauen, um mehr Zeit mit ihm verbringen zu wollen. Für Gott jedoch ist es keinesfalls ein Catch-22. Er unterbricht unseren Gedankenkreislauf und flößt uns tieferes Vertrauen ein – wie, das können wir auch nicht annähernd voraussehen oder uns vorstellen. Uns bleibt nur zu sagen: „Hilfe! Lehre mich!“ Gesprächsführung ist eine Kunst. Das heißt, sie wird von Kreativität motiviert. Gott, der Schöpfer, ist auch der große Gesprächskünstler. Zunächst einmal hört er immer zu. Und wenn er dann redet, sind seine Worte in der Lage, jeden von uns so zu verändern wie einen verschrumpelten Pilz, der zur exquisiten Delikatesse wird. Wir sollten uns ein Beispiel daran nehmen, wie er die Unterhaltung mit seinen Kindern motiviert, anstößt und lenkt, und uns darin üben. Gönnen wir uns nicht die Freude des Gesprächs mit ihm, dann verpassen wir viele Gelegenheiten, seinem Herzen nahezukommen und durch seine Liebe verwandelt zu werden. Eine gute Unterhaltung, egal ob mit Gott oder mit Menschen, hat einen bestimmten Fluss und einen Rhythmus und bewegt sich auf ein Ziel zu. Gespräche können geplant sein oder sich spontan ergeben. Manche Leute konnten schon in ihrer Kindheit Erfahrungen mit Gesprächsführung sammeln, sie haben es in jungen Jahren ohne Mühe erlernt. Das hilft ihnen sehr für ihre Gespräche mit Gott. Anderen aber fehlte ein Gegenüber, ihnen wurde der Mund verboten – sie müssen regelrecht beigebracht bekommen, wie man sich unterhält und wie man sich darin übt. Leider gibt es auch Menschen, die einfach aufgeben und eine der maßgeblichsten lebensverändernden Erfahrungen, die Gott uns an-


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bietet, unbeachtet links liegen lassen. Meiner Meinung nach machen wir es viel zu schwierig. Was zur Gotteskindschaft ganz selbstverständlich und wesentlich dazugehören sollte, wird zur Pflichtübung und Aufgabe, die uns ermüdend oder langweilig erscheint. Gute Gespräche setzen sich aus zwei gleichwertigen Bestandteilen zusammen: zuhören und sprechen. Menschen, die ein wirkliches Gespräch führen, verbinden gemeinsame Interessen, Nähe und Vertrauen. Die Frucht eines wirklichen Gesprächs ist, dass die Gesprächspartner zu einer stets wachsenden, immer tiefer werdenden, engen Herzensbeziehung wachsen. Manchmal entwickeln sich anregende Gespräche sogar unter Fremden, einfach weil sie sich auf ein gemeinsames Interesse konzentrieren. Haben Sie je Anglern im Fachgeschäft zugehört, die diskutieren, welche Fische gerade beißen? Oder Frauen, die sich beim Friseur von ihren Kindern erzählen? Oder Kunden in der Schlange an der Supermarktkasse, die die Preise für eine bestimmte Ware vergleichen? Deren gemeinsames Interesse allein wird allerdings nicht die Nähe bewirken, die eine Beziehung anbahnt oder erhält. Wer sich über solche Alltagsthemen unterhält, kennt den anderen vielleicht noch nicht einmal beim Namen oder weiß irgendetwas Persönliches über ihn. Gemeinsames Interesse allein reicht nicht aus, damit ein Gespräch Frucht trägt. In der Familie redet man wohl regelmäßig über banale Dinge. Wann kommst du nach Hause? Wer holt die Kinder ab? Heute Abend läuft ein Fußballspiel. Dabei werden zwar Informationen ausgetauscht, aber Herzensdinge bleiben unberührt. Nähe und Vertrautheit allein reicht nicht aus, damit ein Gespräch Frucht trägt.


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Wenn sowohl gemeinsames Interesse als auch Nähe in einer Beziehung vorliegen, ist die Chance für ein echtes Gespräch wesentlich größer. In einem Gespräch mit Gott allerdings kommt als ein weiteres wichtiges Element das Vertrauen hinzu. Wenn wir Gott vertrauen, sind wir bereit, vor ihm verletzlich zu sein, unser Herz zu öffnen und unsere Verteidigungsmechanismen auszuschalten. Wenn das Element Vertrauen vorliegt, können wir das volle Potenzial ausschöpfen, dann erfahren wir eine Nähe oder Intimität mit Gott auf viel tieferer Ebene. Diese unbezahlbare Kombination (gemeinsames Interesse, Vertrautheit und Vertrauen) ist für jede Beziehung förderlich: für eine Freundschaft, eine Ehe und besonders für die Beziehung zu Gott. Manche Leute können solche Gespräche ohne jede Mühe führen. Es ist eine Freude, die natürliche Veranlagung von Männern und Frauen zu erleben, die keine Falschheit kennen und die in ihren Beziehungen ganz selbstverständlich echt und ehrlich sind. Sie machen kein Aufhebens darum und verbreiten auch kein Unbehagen: Sie sind eine Anregung für ihre Umgebung, die Beziehung zur eigenen Person, zu Gott und zu anderen in gleicher Weise zu gestalten. Ihre Offenheit weckt in ihren Mitmenschen das Verlangen nach mehr Echtheit. Wer jedoch sehr befangen, scheu oder ängstlich ist, könnte meinen, dieses Verlangen sei unmöglich zu erfüllen. Solchen Menschen fällt jedes Gespräch, es sei denn über Banalitäten, schwer oder ist gar schmerzlich. Mitunter reicht schon der Gedanke, vor einer anderen Person, selbst vor Gott, verletzlich zu sein, dass sie sich in sich selbst zurückziehen.

Gesprächshindernisse

Es gibt viele Hindernisse für die Kunst, gehaltvolle Gespräche zu führen. Manchmal hilft es schon, einfach nur die Hindernisse zu identifizieren und zu merken, dass wir mit unseren Schwierigkeiten nicht allein sind und dass es Hilfe für uns gibt. Auf folgende Hindernisse trifft man häufig:


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Schlechtes Vorbild in der Familie Was wir über Gesprächsführung wissen, haben wir zum großen Teil in der Kindheit gelernt, in der Familie. Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle. Als jüngerer Bruder oder Schwester eines sehr redefreudigen Kindes z. B. mussten Sie wahrscheinlich selbst nicht oft den Mund aufmachen: Ihre Bedürfnisse und Meinungen wurden schon von jemand anderem zum Ausdruck gebracht. War Ihr familiäres Umfeld sehr angespannt, dann hörte vielleicht niemand dem anderen zu, weil jeder so sehr mit seinen eigenen Problemen zu tun hatte. In solch einer Situation verinnerlicht man leicht die Vorstellung, es kümmere keinen, was man denkt, und deshalb hält man seine Gedanken unter Verschluss. Möglicherweise wurde Ihnen eine Stimme verweigert, weil in Ihrer Familie immer nur eine bestimmte Person redete. Diese Rolle übernimmt häufig ein Problemfall in der Familie, die anderen fügen sich ihm, um Konflikte zu vermeiden. Bei einem „Problemfall in der Familie“ muss es sich nicht unbedingt um jemanden handeln, der in Sünde lebt, vielleicht einen Alkoholiker oder anders Abhängigen, einen, dessen Zorn keine Grenzen kennt, oder einen, der sehr selbstsüchtig und fordernd ist. Auch ein Familienmitglied mit Behinderung kann die Aufmerksamkeit einer Familie derart absorbieren, dass allen anderen keine Stimme für solche Belange bleibt, die mit dem Bedürftigsten nichts zu tun haben. Wenn in Ihrem Elternhaus beim Essen immer der Fernseher lief, hatten Sie keine Gelegenheit, sich in der Kunst des Tischgesprächs zu üben. Da so selten Gespräche geführt wurden, dominieren möglicherweise stressige Urlaube, erzwungene Freundlichkeit oder schmerzlicher Streit alle Ihre Kindheitserinnerungen. Die gemeinsame Mahlzeit im Familien- und Freundeskreis ist ein natürlicher Rahmen, in dem die Kunst der Gesprächsführung geübt wird. Mir wurde in der Jugend diese Möglichkeit verwehrt. Als Einzelkind war ich gehalten, still zu sitzen, die Serviette auf den Schoß zu legen, nicht zu schmatzen, von allem zumindest ein wenig zu probieren und den Mund zu halten. Meistens hörte ich meinen Eltern


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beim Streiten zu. Nach meiner Meinung wurde ich nie gefragt, nie aufgefordert, von dem, was mich interessierte, zu erzählen. Deshalb war ich später, als ich alt genug war, um mich an Gesprächen unter Freunden zu beteiligen, unsicher, was ich sagen sollte und wie die anderen auf meine Meinung reagieren würden. Ich nahm an, dass keiner hören wollte, was ich zu irgendeinem Thema zu sagen hatte, und ich ging davon aus, dass mein Beitrag ignoriert werden würde. Gespräche waren für mich absolut nichts Natürliches, ja, oft sogar eine schmerzliche Erfahrung. Ich brauchte viele Jahre, bis ich herausfand, warum mich derartige Situationen in Verlegenheit brachten. Was in früher Kindheit in meine Seele gepflanzt worden war, verschwand nur, weil ich lernte, echte Gespräche mit Gott zu führen. Da mir bewusst ist, dass auch andere am Tisch unter einem ähnlichen Mangel gelitten haben könnten, gebe ich mir besonders Mühe, unseren Gästen einfache, unverfängliche Fragen zu stellen und alle in die Unterhaltung einzubeziehen. Das klappt natürlich nur, wenn ich auch bei den Antworten aufmerksam zuhöre. Nichts hindert ein gutes Gespräch mehr, als jemanden nach seiner Meinung zu fragen und dann wegzugucken, Desinteresse zu zeigen und das, was er sagt, zu ignorieren. Auf das Gesagte einzugehen ist ebenso wichtig wie ein erster Gesprächsanstoß. Moderne Technik Das heute so übliche SMS-Schreiben ist ein wesentliches Hindernis für gute Gespräche. Ich persönlich halte es für ein Hauptärgernis! Haben Sie je versucht, mit jemandem zu reden, der den Blick einfach nicht vom Handy in seiner Hand heben will? Bestimmt behauptet er, jedes Wort, das Sie sagen, zu hören, aber es ist ganz offensichtlich, dass er Ihnen nicht seine volle Aufmerksamkeit widmet. Derselbe, der darauf besteht, jederzeit und überall SMS schreiben zu können, hielte es wahrscheinlich für unhöflich, wenn man während einer Unterhaltung die Zeitung aufschlagen und lesen würde. Meiner Meinung nach besteht da nur wenig Unterschied. Vor ein paar Jahren besuchte ich mit meinem Mann eine junge, alleinerziehende Mutter. Conlee reparierte ihren kaputten Kühl-


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schrank, damit sie keinen Handwerker zu rufen brauchte. Er hockte bei der Arbeit hinter dem Kühlschrank und sie stand direkt davor. Er redete mit ihr über das Problem und stellte ihr Fragen. Ich konnte beobachten, wie sie die ganze Zeit vollauf mit ihrem Handy beschäftigt war und lächelnd SMS austauschte. Sie hörte kein Wort von dem, was Conlee sagte. Einer unserer Söhne, ein Bauunternehmer, sagt, er müsse seinen Angestellten das sogenannte Simsen während ihrer Kundengespräche verbieten. Die jüngeren Angestellten argumentieren, sie wären durchaus in der Lage, gleichzeitig SMS zu schreiben (und sei es unter dem Konferenztisch) und dem, was der Kunde erzählt, ihre volle Aufmerksamkeit zu widmen. Aber es ist einfach eine Tatsache, dass sich jeder, der nicht gerade selber SMS schreibt, beleidigt und ignoriert fühlt. Blickkontakt und ungeteilte Aufmerksamkeit sind entscheidend wichtig für ein echtes Gespräch. Wenn wir von Gott hören und uns bewusst im Reden mit ihm üben wollen, werden wir merken, dass es zu den schwierigsten Herausforderungen gehört, ihm unsere volle Aufmerksamkeit zu widmen und die Herzensaugen auf ihn gerichtet zu halten. Lärmverschmutzung SMS schreiben ist nur eine der vielen modernen Hindernisse für die Kunst der Konversation. Ein anderes ist Lärm. Wo kann man heutzutage eine stille Umgebung finden? Selbst wenn sie allein im Auto sitzen, stellen die meisten Leute das Radio an oder legen eine CD ein. Eine unserer Enkelinnen erzählte, dass eine Mutter aus der Fahrgemeinschaftsgruppe, die die Kinder morgens immer zur Schule brachte, ihren kleinen Passagieren jeden Morgen auf dem Schulweg dieselbe DVD einlegte. Nie unterhielten sie sich, und neun Monate lang guckten sie immer dieselben fünfzehn Minuten desselben Films an. Am Strand kommt es vor, dass man das beruhigende Rauschen der Brandung nur so lange genießen kann, bis irgendwer in der Nähe seine Boxen aufstellt und einen ungefragt beschallt. In Geschäften


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und Aufzügen sind wir gezwungen, Musik zu hören. Ist Stille so unangenehm für die Menschen? Viele Leute laufen nur noch mit Ohrhörern herum und hören ständig irgendetwas. Neulich zeigte mir ein junger Freund die Bilder von seiner ersten Reise nach Europa. Auf jedem Bild, vor jeder Sehenswürdigkeit sah man ihn mit Kopfhörern, überall war er mit irgendetwas anderem verkabelt. Wir haben hier an der Golfküste mehrfach Orkane und Tropenstürme erlebt, die die Elektrizitätsversorgung unterbrachen. Zu den verblüffendsten Erfahrungen nach einem solchen Sturm gehört die absolute Ruhe nach dem Stromausfall. Zunächst ist die totale Stille entnervend. Kein elektrisches Gerät gibt sein vertrautes sanftes Brummen von sich, keine Klimaanlage pustet, nirgends dudelt eine Melodie. All dies, was wir zu hören gewohnt sind, das „weiße Rauschen“ in unserem Leben, ist nicht mehr da. Nur Stille. Natürlich dauert es nicht lange, bis Generatoren aufgedreht und Kettensägen angeworfen werden, aber ein paar Stunden lang erleben wir reine Stille. Erst eine derart markante Abwesenheit von Geräuschen macht uns bewusst, wie sehr wir ständig von Lärm umgeben sind. Aufmerksamkeitsdefizit Conlee, mein Mann, sagt immer, dass die Menschen sich mir gegenüber mit ihren ganz persönlichen Angelegenheiten mehr öffnen als einem Pastor oder einem Therapeuten gegenüber. Es stimmt, ich stelle Fragen, aber meistens höre ich zu. Deshalb passiert es oft, dass mir jemand privateste Details aus seinem Leben erzählt, obwohl wir uns gerade erst kennengelernt haben. Vor Kurzem fuhren meine Schwiegertochter Margo und ich zum Supermarkt, um vor Thanksgiving noch schnell ein paar letzte Einkäufe zu machen. Während sie unsere Waren auf das Kassenband legte, wurde ich in eine Unterhaltung mit dem Mann hinter mir verwickelt, der seine süße kleine Tochter im Einkaufswagen hatte. Ich stellte nur eine Frage zu dem Kind und hörte bei seiner Antwort aufmerksam zu, schon ließ er mich auf seinem Handy ein Foto sehen, das die Zellen seines Babys nach der künstlichen Befruchtung in einer Petrischale zeigte. Ich erfuhr, wie lange alles gedauert hatte,


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wie viele Zellen befruchtet worden waren und wie glücklich es ihn machte, Vater zu sein. Auf dem Weg zum Auto sagte Margo: „Signa, nur du schaffst es, dass dir die Leute immer wieder intimste Details aus ihrem Leben erzählen.“ Und warum? Weil ich dem Mann Fragen über sein Baby gestellt und dann wirklich zugehört hatte! Heute kommt mir das ganz normal vor. Es war aber nicht immer so. Ich musste lernen, wie man sich für eine echte Unterhaltung öffnet. Das lernte ich nicht aufgrund meines familiären Hintergrundes – in meiner Kindheit herrschte ein trauriger Mangel an Gespräch. Ich lernte es nicht durch irgendeine Art von psychologischer Schulung – eine solche hatte ich nie. Ich lernte es nicht aus einem der zahlreichen Bücher über die Kunst der Konversation – ich habe keines gelesen. Ich lernte es in erster Linie, weil ich mit Gott im Gespräch sein wollte. Er brachte mir das Zuhören bei. Wenn wir lernen, seine Stimme zu hören, fällt es uns viel leichter, auch unsere Mitmenschen wirklich zu hören. Gute Gespräche (mit Gott oder Menschen) bestehen zu einem wesentlichen Teil aus echtem, ehrlichem Zuhören. Aber beim Nachdenken wird mir bewusst, wie wenig wir alle das können. Viele Gespräche reduzieren sich darauf, dass man halb zuhört und halb das in Gedanken vorbereitet, was man selber als Nächstes sagen will – oder halb zuhört und halb überlegt, wie man die Unterhaltung beenden kann. Vielleicht öffnen mir Menschen deshalb in bestimmten Situationen ihr Herz, weil ich ihnen in dem Moment meine volle Aufmerksamkeit zu geben versuche und ihnen Fragen zu dem stelle, worüber sie sprechen. Wegen der vielen Ablenkungen um uns herum ist das nicht immer einfach. Andere Gespräche, nebensächliche Gedanken und drängende Nöte auszublenden, erfordert bewusste Konzentration. Ich muss es wirklich wollen. Diese Art von persönlicher Aufmerksamkeit selbst in banalsten Situationen zeigt ganz verblüffende Ergebnisse. Wenn mir eine Kassiererin den Bon mit einem leichthin gesagten „Schönen Tag noch!“ aushändigt, versuche ich eigentlich immer, ihr in die Augen zu sehen und diesen guten Wunsch wirklich aufzunehmen. Ich weiß, dass sie


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wahrscheinlich von einem Manager instruiert wurde, jeden Kunden so zu verabschieden, aber wenn ich hinhöre und „Ich wünsche Ihnen auch einen schönen Tag!“ antworte, dann meine ich das ehrlich und löse damit oft Überraschung aus. Vor ein paar Jahren habe ich beschlossen, solch einen Gruß als einen Segenswunsch anzunehmen und zu erwidern. Es ist erstaunlich, wie sich dieselbe Kassiererin beim nächsten Einkauf an mich erinnert und besonders freundlich ist, sich vielleicht sogar mit mir unterhalten will. Sinnloses Geschwätz Was wir gern Gespräch nennen, ist in Wirklichkeit oft nichts als Plauderei. Egal ob ich jemanden gut kenne oder nicht, in dieser Art Small Talk bin ich einfach nicht gut. Das war ich noch nie. Ich hasse, was man Party-Konversation nennt. Da ich es nicht gut kann, finde ich es auch wirklich langweilig. Ich war auch noch nie der Typ für endlose Telefonate. Ich wundere mich immer über Leute, die mit der einen Hand ihren Einkaufswagen schieben und mit der anderen das Handy ans Ohr halten (und uns anderen zwischen den Regalen meistens auch noch im Weg stehen!). Was man im Vorbeigehen von ihren Telefonaten mitbekommt, klingt in der Regel völlig belanglos und unbedeutend. Man hat den Eindruck, hier wird nur geschwätzt oder während des Einkaufs die Verbindung mit irgendwem aufrecht erhalten. Es wirkt nicht wie ein echtes Gespräch. Reden um des Redens willen ist kein Gespräch. Reden, um die Zeit herumzubekommen, ist kein Gespräch. Reden aus Langeweile ist kein Gespräch. Reden, um tote Zeit zu füllen, ist kein Gespräch. Ich kenne Leute, die, wenn sie einmal anfangen zu reden, anscheinend nicht wissen, wie sie wieder aufhören können – bis sie unterbrochen werden. (Beim Beten geht es manchen genauso.) Wer ein „flottes Mundwerk“ hat, ist nicht unbedingt auch ein guter Gesprächspartner. Er mag sich in großer Runde wunderbar eignen, um das Eis zu brechen, oder Schüchternen helfen, sich wohler zu fühlen. Aber möglicherweise kann er sein Verlangen zu reden nicht genug im Zaum halten, um anderen wirklich zuzuhören. Wenn


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man das wesentliche Element Zuhören vernachlässigt, ignoriert man das Potenzial echter Gespräche (dass sie Nähe und eine tiefere Herzensverbindung bewirken können). Nicht zuzuhören macht echte Gespräche unmöglich. Es gibt eine Menge Gründe, warum viele Menschen nie ein echtes Gespräch führen können. Welche Hindernisse erkennen Sie bei sich?

Die Kunst der Gesprächsführung lässt sich lernen

Wenn ich mich mit jemandem unterhalte, dann soll das Gespräch einen wirklichen Inhalt haben: Es soll entweder interessant sein oder herausfordern, spaßig, informativ, anregend oder erhellend sein oder Gefühle vermitteln. Natürlich meine ich damit nicht die Besprechung am Arbeitsplatz, nicht die sachliche Information und auch nicht Small Talk mit Fremden. Ich meine den Austausch unter Freunden, die einander wichtig sind. Es macht Spaß, ein wenig kreativ zu sein und diese Kunst zu üben. Worüber sich unsere Kinder und Enkel immer freuen, ist der „Silberschalenabend“. An einem Silberschalenabend bleiben wir nach der Mahlzeit am Tisch sitzen und reichen eine silberne Schale voller Fragezettel herum. Jeder zieht eine Frage, liest sie laut vor, beantwortet sie und bittet dann einen anderen am Tisch, diese Frage ebenfalls zu beantworten. Es handelt sich um sogenannte offene Fragen, z. B.: Welches ist der beste Nachtisch, den du je gegessen hast? Wohin würdest du eine Urlaubsreise machen, wenn Geld keine Rolle spielte? Welches war der lustigste Streich, der dir je gespielt wurde? Das macht allen immer Spaß, selbst den Schüchternsten unter uns. Unsere erwachsenen Kinder stöhnen zwar, wenn die Silberschale auf den Tisch kommt, aber bald machen sie gerne mit, weil


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Ich will dir begegnen und mit dir reden

es faszinierend ist, wie viel man über jemanden noch erfahren kann, den man zu kennen glaubte! Und alles beginnt mit Fragen, Zuhören und Antworten. Womit können wir uns in der Kunst der Gesprächsführung üben und weiterentwickeln? ●● Gemeinsam ein Buch lesen und ehrlich diskutieren (besonders die Bibel), denn dabei tauscht man Vorstellungen und Meinungen, Beobachtungen und Erfahrungen aus. ●● Im Rahmen einer Gruppenreise neue Erfahrungen, ihre Schwierigkeiten und Möglichkeiten erörtern. ●● In einem Verein oder Club gemeinsame Ziele verfolgen. Womit machen wir es uns schwer? ●● Schimpfen und zanken erstickt ein echtes Gespräch. ●● Anderen unsere Meinungen aufzudrängen oder ihre vielleicht gegenteiligen Vorstellungen lächerlich zu machen blockiert ein Gespräch. ●● Fernsehen und Computerspiele sind ziemlich effektive Gesprächskiller. Welche der bei Ihnen beliebten gemeinschaftlichen Unternehmungen regen das Gespräch an? Welche Aktivitäten blockieren es? Ist es ein Wunder, dass es uns nicht leichtfällt, Gott zu hören? Ich weiß, dass Gott alles vermag, dass er auch dem Kreisen um uns selbst ein Ende setzen kann, der ewigen Geräuschkulisse, den ständigen Ablenkungen. Doch in den meisten Fällen lädt er uns ein, dass wir uns auf seine Art zu reden einstellen. Er lädt uns in sein Zelt ein. Dieser Einladung zu folgen ist gar nicht so einfach. Wir müssen etwas dafür tun. Wir müssen neue Fähigkeiten erlernen – Fähigkei-


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ten, die wir vergessen hatten, Fähigkeiten, die nicht mehr besonders populär sind, Fähigkeiten, die Überlegung, Konzentration und Zeit erfordern. Aber es ist zu schaffen! Und es kann so viel Spaß machen! Das Erlernen dieser neuen Fähigkeiten wird nicht nur jede menschliche Beziehung verbessern (und sogar manche zerbrochene heilen!), es wird Ihnen auch die Freude einer immer innigeren Gemeinschaft mit Ihrem Herrn Jesus Christus schenken. Wie er selbst sagt: „Wer mich rufen hört und mir öffnet, zu dem gehe ich hinein und wir werden miteinander essen – ich mit ihm und er mit mir“ (Offenbarung 3,20 NeÜ).


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